Augsburg Bahnhofstraße 1916 und 2016

February 11, 2016

Die Postkarte von 1916 zeigt den Beginn der Augsburger Bahnhofstraße (dem früheren Pferseer Gäßchen, bzw. Pferseer Weg) am Königsplatz, vorne die frühere an die Deutsche Bank verkaufte Bühler-Bank, die es heute noch dort gibt, wenngleich sich, wie man sehen kann, die Fassade sichtlich verändert hat. Im alten Stuil erhalten ist lediglich in der Bildmitte das sog. Möhnle-Haus (Bahnhofstr. 4, Ecke Schaezlerstr.)

Augsburg Bahnhofstr Königsplatz 1916 und 2016Vor hundert Jahren war ein Großteil der Geschäfte in der Bahnhofstraße und um den Königsplatz im Besitz von Juden, dazu zählten ganz prominent das Kaufhaus der Gebrüder Landauer (zuletzt Galeria, in den 1930ern “arisiert” als “Zentralkaufhaus”) und das Hotel “Bayerischer Hof” (heute “LEW” Glashaus Ecke Schaezlerstr./Bahnhofstr.), das ihnen ebenfalls gehört hatte.

In der Bahnhofstraße hatte auch Hetz-Nazi Julius Streicher gewohnt bevor er über Mindelheim als Lehrer nach Nürnberg kam. Da es in seinem Herkunftsort Fleinhausen keine Juden gab, können wir annehmen, dass sein Hass auf Juden hier in der Bahnhofstraße entstand.


Augsburg Hafnerberg

January 21, 2014

Früher befand sich hier das Augsburger Landgericht wie auch eine Reihe städtischer Ämter (heute gibt es noch die Einrichtungen des Bezirk Schwaben) Heute erkennt man noch am unterschiedlichen Höhenniveau der beiden Straßen Am Hafnerberg und Im Thäle dass hier die städtische Grenze der hochmittelalterlichen sog. Bischofsstadt verlief. Im ausgehenden 19. Jahrhundert lebten im Viertel um den Hafnerb und die Ludwigstraße sehr viele Juden. Nicht wenige hatten hier in den alten, in der Mehrzahl leider durch Bombardements zerstörte Bürgerhäusern auch Geschäfte und Warenlager. Am berühmtesten waren wohl die Hopfenhandlung der Binswanger und ihre benachbarte Spirituosen- und Likörfabrik, aber auch die Landauer, Kahn & Arnold und manch andere waren hier präsent. In nächster Zeit werden wir einige der Firmen und Standorte in loser Folge vordstellen, um so einen Eindruck über die Präsenz Augsburger Juden im 19. Jahrhundert zu berichten. Wei jedes andere Mosaik besteht auch dieses aus seinen vielen Einzelteilen …

Augsburg Hafnerberg Thälesouth border of medieval Augsburg

Hafnerberg hill – wall – and small valley Thäle

 


Werbeanzeigen jüdischer Läden in Augsburg aus dem Januar 1934

December 13, 2013

Augsburg 1934 Jüdische Geschäfte Anzeigen Werbung934Geschäftsanzeigen der Augsburger Firmen: Justin Maier, M. Untermayer, Ernst David, Ginsberger, Regensburger, S. Bach, Polatschek, Elias Dampf, Kupfer, Landauer in der “Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung” vom 1. Januar 1934


Landauer, Augsburg

September 2, 2012

On the reverse of an old Augsburg trolley ticket of late 1920s there is an advertisement for the Landauer Kaufhaus in Buergermeister Fischer Street, at the Koenigsplatz. Self-confident it states:

LANDAUER AUGSBURG – Das weitaus größte KAUFHAUS SCHWABENS mit seinen 52 Spezial-Abteilungen.

The by far biggest department store in (the district of) Swabia with 52 special departments

In the early years of the NAZi rule the once famous Landauer Kaufhaus was dispossesed under the rules of so called “Arisierung” (Aryanization) and by the new “Aryan” owner Albert Golisch  retitled as “Zentralkaufhaus”.

 

 

 

 

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בעיצומן

December 19, 2010

אני הולך בעיר הגדולה

גגות עכור בערפל שמה

עם העבודה של היום בראשי

אלף אנשים הולכים על דרכי

 

אני לא יודע את כולם – מי הם
יש להם גורל בלב כמוני 
הדאגות שלהם הם זרים לי 
כמו אותם הדופק שלי

הערפל טיפות וכולנו ללכת
אין ברק האיר העמוק בינינו
אם כולנו זוכרים את המילה
ימות ברוח, ואף אחד לא יודע האחרים

העדוויג לאכמאן לאנדאוער 

Jewish Cemetery Huerben Krumbach – Dream Landscape – juedischer Friedhof Huerben Krumbach

 

Hedwig Lachman Landauer: Unterwegs

(Ich wandre in der großen Stadt. Ein trüber Herbstnebelschleier flattert um die Zinnen. Das Tagwerk schwirrt und braust vor meinen Sinnen, Und tausend Menschen geh‘n an mir vorüber. Ich kenn sie nicht. Wer sind die Vielen? Tragen Sie in der Brust ein Los wie meins? Und blutet Ihr Herz vielleicht, von mir so unvermutet, Als ihnen fremd ist meines Herzens Schlagen? Der Nebel tropft. Wir alle wandern, wandern. Von dir zu mir erhellt kein Blitz die Tiefen. Und wenn wir uns das Wort entgegenriefen Es stirbt im Wind und keiner weiß vom andern.)

(1919) (Hebrew Translation בעיצומן Yehuda Shenef, 2009)

Hedwig Lachmann Landauer (1865-1918)

German-Jewish Poet and translator, daughter of the Chazan (cantor) of Swabian Jewish community Huerben (now Krumbach), married to Gustav Landauer (1870-1919), also translator – both translated together Oscar Wildes “Dorian Grey” into Geman – and political activist and one of the main thinker of anarchism in Germany, who had been executed as member of a Sovjet government in Bavaria.

His wife Hedwig however had her school education in Augsburg and had her exam age 15. She also wrote a number of than much noticed poems, which today of course (?) are forgotten.

An interesting fact however is that Gustav and Hedwig Landauer are the maternal grandparents of Academy Award winning director Mike Nichols (born 1931), famous for many movies, from “Whose afraid of Virginia Woolf” , “The Graduate”, “Catch 22” until “Charlie Wilson’s War”. 


Impressions from the Jewish Cemetery of Binswangen near Wertingen

July 16, 2010

Although the head stones from the cemetery most likely were not replaced correctly, some of them however give at least some indication about the older traditional Jewish community.

Grabstein der Mali Miller 1857 - 1930Mali Miller 1857 – 1930

Ludwig Bauer 1858 – 1938

Ester bat Moshe Zvi from Binswangen with three characteristic stars on the head stone

Grave markers at Binswangen Jewish Cemetery

(Isaac) Izchak Arye bar Yakov Zvi Landauer 1825-1909

headstone of Simon (bar Yosef) Heinsfurther the head of the Binswangen Jewish Community  

Shofar indicating a chazan or cantorthe Binswangen Vuvuzela


US Botschafter Peter Rosenblatt auf den Spuren seiner schwäbischer Vorfahren

June 6, 2010

Der frühere US-Botschafter und außenpolitische Berater von US Präsident Barack Obama Peter Rosenblatt aus Washington D.C. besuchte uns kürzlich mit seiner Frau Naomi Harris Rosenblatt in Augsburg und begab sich mit uns auf die Spurensuche nach der langen Geschichte seiner Vorfahren in Bayerisch-Schwaben. Sein mütterlicher Urgroßvater Isidor Untermayer (1811-1860) wanderte 1841 nach Lynchburg, Virginia aus, wo er dem Ruf seines mütterlichen Cousins Salomon Guggenheimer aus Hürben (Krumbach) folgte. Isidors Mutter Jette Guggenheimer (1771-1839) stammte gleichfalls aus Hürben, war aber zu ihrem Mann den Metzgermeister Isaak Mayer Untermayer (1761-1838) nach Kriegshaber gezogen, wo sie unweit der Synagoge ein Haus mit Ladengeschäft besaßen. In Virginia änderte der junge Immigrant die Schreibweise seines Namens in Isadore Untermyer und heirate die gleichfalls aus Hürben stammende Therese Landauer (1827-1895). Nachdem Isadore für die Südstaaten am Amerikanischen Bürgerkrieg teilnahm und früh verstarb zog die Witwe mit den Kindern nach New York City, wo die Guggenheimer und Untermyer als Anwälte zu Ruhm und Ansehen kamen. Samuel Untermyer (1858-1940), in Virginia geborener Sohn von Isidor und Jette war einer der Mitbegründer der US Notenbank Federal Reserve und einflussreicher Berater verschiedener US Präsidenten, engagierter Zionist und entschiedener Gegner der Nazis in Deutschland. Peter Rosenblatt nun ist der Enkel von Samuel Untermyers Schwester Addie, welche den späteren US Diplomaten Laurence Steinhart ehelichte, der u.a. US Botschafter in der Sowjetunion zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes und in der Tschechoslowakei während der Benesch-Dekrete war.

In Kriegshaber sind von den Grabsteinen der Untermayer-Familie nur wenige Bruchstücke erhalten geblieben. Interessanterweise sind es aber gerade Überreste der Grabplatte seiner mütterlichen Urgroßeltern die die Zerstörungen der letzten 170 Jahre überdauerten, während die meisten anderen Untermayer-Grabplatten zerstört wurden.  Sie befindet sich eingemauert im Monument neben dem Eingang des Friedhofs, welches der verbreiteten Legende gemäß nach dem Krieg von amerikanischen Soldaten aus herumliegenden Grabsteinen zusammengebastelt worden sein soll, als Mahnmal für die Toten des Holocausts. Tatsächlich waren es jedoch deutsche Steinmetze der schwäbischen Bildhauer- und Steinmetzinnung, die erstaunlich passgenau und ohne Reste das Monument zusammensetzten. Sechzig Jahre später ist zumindest diese eine Inschrift noch sichtbar und zu rekonstruieren – es ist zu vermuten, dass die Inschriften der anderen Steine mit der Schriftseite in das Dokument eingefügt wurden. Überraschend ist, warum die vorhandene Inschrift in den Jahrzehnten vor der Dokumentation des JHVA niemanden aufgefallen war, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass der Erhaltungszustand der Inschrift 1945 sicher besser gewesen sein muss als nun 2010. Glücklicherweise ist nun aber nicht nur die Grabplatte teilweise erhalten, sondern auch der Grabplatz von Peter Rosenblatts schwäbischen Urgroßeltern bekannt, weshalb der Botschafter verständlicher Weise anregte, dass beides zusammengefügt werden sollte, um eine Erinnerung an seine Vorfahren am Platz ihres Begräbnisses zu ermöglichen.

Wir konnten den Rosenblatts zahlreiche weitere Verwandte am Friedhof aufzeigen, wie etwa die Kahns aus Steppach. Bei den Kriegshaber Untermayer wie bei den noch zahlreicher vertretenen Obermayer aus Kriegshaber handelt es sich um Seitenzweige der alteingesessenen Ulmo-Familie aus Pfersee, deren charakteristische Gräber einen größeren Anteil des ältesten Teils des  Friedhofs belegen. Folglich vergrößert sich entsprechend auch die Anzahl der direkten Vorfahren des Botschafters auf dem Gräberfeld an Hooverstraße. Nicht anders verhielt es freilich beim Besuch in Hürben. Wie unser Führer Herr Herbert Auer erläuterte, sind die Familien Guggenheimer und Landauer – Töchter beider verheirateten sich mit Kriegshaber Untermayers – auf dem dortigen Friedhof dominierend, weshalb auch hier die über Generationen reichende Verwandtschaft umfangreich und beeindruckend ist. In Kriegshaber und Huerben besuchten wir noch die ehemaligen Wohnviertel und Häuser der Guggenheimer, Landauer und Untermayer, sowie die jeweiligen Überreste der früheren Synagogen. Peter und Naomi Rosenblatt zeigten sich sehr beeindruckt und fasziniert von der Vielzahl der Informationen, aber auch von der oft schlichten Schönheit der Landschaft und der in Hürben in gelungener Weise restaurierten ehemaligen Wohnhäuser.

photos (c) by jhva (Margit Hummel, Yehuda Shenef)


The Ehrlich Ariston at Huerben Krumbach

February 9, 2010

As a commentor Löwy pointed out a while ago on January 15, the remarkable device we have seen at the Heimatmuseum of Huerben Krumbach is an  Ariston reed organ, probably manufactured by Ehrlich in Leipzig, Germany.  Many thanks for the hint ..!

http://www.museum.krumbach.de/ (Mittelschwäbisches Heimatmuseum Huerben Krumbach)

Dem Hinweis von “löwy” vom 15. Januar 2010 verdanken wir die Information, dass es sich bei dem eindrucksvollen Gerät, welchs wir beim Besuch im Heimatmuseum in Hürben / Krumbach sahen um ein Ehrlich ARISTON (benannt nach dem Vater des griechischen Philosophen Platon …?)aus Leipzig handelt. Die deutsche Bezeichnung  des Geräts nennt sich u.a. Lochplatten-Spieldose, Organette, Drehorgel, Klangmaschinen, usw. Vom ARISTON wurden zwischen 1880 und 1910 rund eine halbe Million Exemplare hergestellt. Der Entwickler Paul Ehrlich ist nicht identisch mit dem gleichnamigen Chemiker, Serologen und Nobelpreisträger der Medizin von 1908, dessen Abbild es auf die kurzlebige 200-DM-Banknote schaffte.   

Technische und weiteführende Informationen dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ariston_(mechanischer_Musikautomat)

http://klangmaschinen.ima.or.at/db/db.php?id=28&table=Object&lang=de (Musikprobe)

Eine weitere musikalische Kostprobe des Instruments mit Video gibt es bei youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=VHCjLhwgYUk 

Das war bestimmt lustig zu Hause bei den Landauers im beschaulichen Huerben und man kann sich gut vorstellen, wie der jüdische Hausvater wütend an die Tür seines Sohnes klopfte, weil das selbe Musikstück bereits zum achten mal lief und man sich im Wohnzimmer nicht mit den Gästen unterhalten könnte. 🙂


The Jewish Augsburg Collection

January 20, 2010

It is an accepted and stable opinion that from the long history of Jews in Augsburg only few traces are left, for example antique oil lamps, remains or let’s say fragments of medieval tombstones, long ago renamed old streets and places, already overbuilt former synagogues or cemetery plots, crumbling grave marker inscriptions at neglected graveyards, numbers of so called ritual objects elaborate, but unused, locked up in glass cases of different museums, entries in old age and middle age tax payer lists as well as the knowledge in what house and street which doctor or lawyer lived, that the half of their families were murdered and the other half fortunately emigrated. Especially the latter allows many a kind of reference to the essence of Judaism. All of this in Augsburg is not different from other places in Germany or Central Europe. Now and then there are changing exhibitions to explain basic knowledge at the level of paperback books, some sad and somber classic concerts, temporally brightened by jolly Klezmer concerts, frequently presented by Gentiles, who for what reason ever believe that this kind of Southeast European wedding music would have ever been a domestic one in Swabia.

Be that as it may, Judaism first and foremost means a life in accordance with the laws and regulations of Talmud and Torah, no more and no less. Everything else that makes under different circumstances Jews, Jewry and Judaism derives from that very source. If we remember and reflect on this fact, we can conclude that the record of the Augsburg Jewry in this respect is a very rich one. Some of the most powerful and influential medieval rabbis of Europe lived and worked in the city. Many of their written work was delivered to posterity: these include hundreds of responses by the Maharam, the influential Book of customs by the Maharil, textbooks like the Question & Answers by the Mahariv, an Augsburg Passover haggadah and an Augsburg prayer book from the 1530s, and so on up to the hilariously good reading of Isaac ben Menachem Etthausen from Pfersee, the Pfersee Talmud script which is regarded as the oldest surviving handwriting in the world or the countless learned articles by the renowned specialist in Middle Eastern and oriental studies and librarian Samuel Landauer (1846-1937), who was the first who translated some of Saadia Gaon’s Arabic works. Most of the treasures of the Augsburg Jewry today are completely unknown although other than crumbling stones many of it still remains intact and preserved.

Our focus therefore will be to introduce, translate and publish this rich heritage of Augsburg and Swabian Jews in the future: The written legacy of the Augsburg Jewry.


Landauer-Haus in Augsburg

January 11, 2010

In den Jahren 1910/11 baute der Architekt Fritz Landauer  für seinen Cousin Otto Landauer (1882-1974)  in der Fröhlichstr. 5 sein erstes Wohnhaus. Fritz Landauer (1883-1968) wurde am als Sohn von Joseph (1853-1929) und Anna Landauer (1861-1913) geboren. Sein Vater wie seine Onkel sind Söhne des aus Hürben stammenden Webers und Textilfabrikanten Moses Samuel Landauer (1808-1894), Begründer der in Oberhausen ansässigen Fabrik M.S.Landauer, die 1938 enteignet wurde. In der Nachkriegszeit bis 1995 war am Werksgelände die Textilfirma Elbeo von Dietrich Bahner. Fritz Landauer ist in Augsburg vorallem für den Bau der Synagoge (1913-1917) an der Halderstr. 6-8 bekannt, die weniger seinen als den Vorstellungen der Bauherren entsprach. Fritz Landauer hat auch Grabsteine entworfen, wovon er im englischen Exil eine Weile leben sollte. Seine “Handschrift” ist an verschiedenen Grabsteinen seiner Landauer erkennbar.

The architect Fritz Landauer (1883-1968) was born in Augsburg as son of Joseph and Anna Landauer. The grand house  Froehlichstr. 5 for his cousin Otto Landauer (son of Joseph Landauers brother Heinrich Landauer and Bettina, nee Stein) was his first major construction project. Fritz Landauer in Augsburg today is best known for the Synagogue Halderstr. 6-8 (built 1913-17). Landauer escaped the Nazi regime in 1937 and lived in England until he passed away in 1968. Temporarily he made ends meet with designing and manufacturing of grave markers – a previous experience he made in Augsburg, where his parents as well as all aunts and uncles are buried.