Eine jüdische Episode am Gut Bannacker im Süden von Augsburg

April 27, 2015

Am südwestlichen Ende Augsburgs nahe Bobingen befindet sich der 1972 eingemeindete Stadtteil Bergheim und mit ihm auch der bei vielen Augsburgern wenig bekannte Weiler Bannacker. Dieser ist benannt nach einem Gutshof, der bis 1930 im Besitz der Familie Fugger-Babenhausen war, von 1930 bis zur „Arisierung“ aber den jüdischen Konvertiten Weininger gehörte und seit wenigen Jahren nunmehr als Veranstaltungsort für Konzerte im Rahmen des „Mozart@Augsburg“ Festivals wachsende Beachtung findet. Zeit also, um die zwar kurze, so aber doch durchaus illustre „jüdische“ Episode am südlichsten Punkt von Augsburg etwas nähere zu beleuchten, zu deren Facetten mit Privatflugzeugen eintreffende Weltstars ebenso gehörten, wie auch verängstigte jüdische Jugendliche, die im temporären zionistischen Schulungslager auf die Schnelle landwirtschaftliche Fähigkeiten erwerben mussten, um in Israel eine vage Zukunft vor Augen zu haben.

Bannacker Augsburg Bannackerstr Oberschönenfelderstr

Das Herrenhaus wurde von dem Johann Gottlieb von Süßkind  (1767-1849) errichtet, der aus dem etwa 20 km südöstlich von Stuttgart gelegenen Nürtingen stammte. Der lutherische Bankier war in Augsburg zunächst für die gleichfalls christlichen Bankiers der Familie Halder (nach welcher die Augsburger Halder-Straße benannt ist in welcher sich die Synagoge befindet) tätig und war während der Napoleonischen Kriege durch Wechsel- und Spekulationsgeschäfte zu exorbitanten Reichtum gekommen und galt als „reichster Mann Schwabens“. Süßkind wurde 1821 vom bayerischen König Maximilian I. in den Freiherren-Stand erhoben und erwarb in den Folgejahren zahlreiche Landgüter, darunter das Schloss  Haunsheim bei Lauingen, das fränkische Barockschloss Dennenlohe bei Ansbach und das der Schloss der Fugger im schwäbischen Dietenheim. Den Weiler Bannacker, in dem sich zuvor nur wenige Gehöfte und eine kleine Kapelle befanden, ließ er zum Landschloss mit Herren-haus und Stallungen ausbauen. Seine Erben verkauften den Besitz jedoch an die Familie Fugger-Babenhausen, die den Gutshof  Bannacker 1930 an Richard Weininger veräußerten.

mehr: Die Weiningers – eine jüdische Episode am Gut Bannacker im Süden von Augsburg

Bannacker Augsburg

The Weininger Days in Bannacker – from celebrities to Zionists at the South end of Augsburg

In the southernmost end of Augsburg is the hamlet Bannacker (lit. “banned field”). Almost two hundred years ago the Christian banker Johann Süßkind built a large manor house with some stables, the estate Bannacker. By 1860, the heirs sold the property to the Fugger Babenhausen family. The Fugger however in 1930 sold it to the entrepreneur Richard Weininger from Berlin, a converted Jew, whose older brother, the philosopher Otto Weininger in 1903 at the age of 23 had committed suicide in Vienna after publishing a number of highly controversial and fierce misogynist and anti-Semitic books that were bestsellers and made him a person of sensational international fame.

Richard Weininger and his wife established the Bannacker estate as meeting place for the international high society, where musicians, actors, politicians, aristocrats, industrialists and other celebrities organized private golf and polo tournaments, to which the VIPs arrived with their  luxurious limousines or even with their own sport aircrafts at the existing private Bannacker airport.

However, given the racial fanaticism of the Nazis, the celebration days were counted on Bannacker because although Hitler had great respect for Otto Weininger, “the Protestant baptized Jew who committed suicide out of decency”, the local Nazis, of course did not oversee the “detail”, that his brother Richard Weininger, who himself at the age was baptized as well, had Jewish parents in Vienna.

In the Olympic year of 1936 the Weininger couple, up to now German patriots, allowed the temporary placement of a camp for youth Zionist pioneers in a house of their estate, where the youngsters were rather improvised were (re-)educated for garden- or farm work, maybe useful in Eretz Israel. Many of the Zionist youngsters however did not arrive the Holy Land, but the Concentration camps of the Nazi. After the games the policy of the Nazis intensified again and so now also the Bannacker property was “aryanized” and thus the short Jewish episode in the very South of Augsburg came to an end.

Today, after several decades and years of slumber, with the organization of classical Mozart concerts some kind of social life returns to Bannacker, although of course at least so far it cannot keep up with the international splendor of the Weininger Days at the estate.


Der “Holocaust” aus der Perspektive der Teletubbies

April 17, 2015

Was haben die Teletubbies mit dem Holocaust zu tun?

 

Auch wenn die ersten, die mit der Sendung als Babies aufgewachsen sind, bald die Abiturjahrgänge abbilden und die Ende der 1990er Jahre diskutierten Befürchtungen hinsichtlich des Einflusses einer solchen Sendung auf die Entwicklung von Kindern, ggf. erste konkrete Anhaltspunkte geben, offenbar eine sehr absurde Frage, zugegeben.

Andererseits, Geschichte gibt es längst schon nicht mehr nur als (vergangene) Ereignisse mit einer Anzahl authentischer Materialien, die im Laufe der Zeit auf ein paar wenige stereotype Aussagen und Abbildungen verengen. Ein scheinbar besonders geeigneter Weg, die Auseinandersetzung mit dem Alten durch Neues zu ermöglichen ist deshalb auch die Interpretation und In-Fragestellung durch Methoden der Kunst und Kultur.

Auf dieser Ebene könnten sich also dann auch Holocaust und Teletubbies begegnen, auch wenn die „Beschäftigung“ (oder sollte man nicht eher vom Hadern sprechen?) mit „dem finstersten Kapitel der deutschen Geschichte“  offensichtlich keine Berührungsflächen mit dann doch eher einsilbigen Fernsehproduktion für Kleinstkinder. Deren pummelige Protagonisten tragen einfarbige Strampelanzüge in Grün, Gelb, Lila und Rot und heißen Tinky-Winky, Tipsy, La-La und Po. In mehreren hundert Folgen der britischen TV-Serie stammeln sie durch eine Fantasielandschaft und brabbeln vergnügte Kinderlaute bei ihren Abenteuern. Zwar gibt es in der Gartenlandschaft der Teletubbies auch Brücken , aber keine führt in ein Konzentrationslager. Aber man kann ja auch von außerhalb anknüpfen.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Teletubby Laa-Laa - masks at the dance floor

eh-oh

https://www.youtube.com/watch?v=xlNMk4SD6gA

Die 1997 produzierte Hymne der Baby-Serie hieß „Teletubbies say Eh-Oh“, war immerhin 32 Wochen in der deutschen Hitliste und erreichte dort sogar Platz 1  – womit die Teletubbies übrigens genauso viele Nummer-Eins-Hits in Deutschland hatten wie Elvis Presley (was immer das nun besagen kann).

Das von offenbar verzichtbaren Konsonanten befreite „hello“ war auch die Grußformel der Teletubbies. Im Video ist nun auch die gelbe Figur Laa-Laa zu sehen, wie sie vor einem runden Tisch tanzt, offenbar einer Werkbank. Auf ihr liegen flache Gesichtsschablonen. Recht viele sind bereits zu Boden gefallen und so ergibt es sich, dass die rundlichen (tubby) Trolle eben auch drauf herum laufen.

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken Installation Leute

 https://jhva.wordpress.com/2012/10/30/das-judische-museum-in-berlin/

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken

 

Es ist nur eine kurze Sequenz und was sie bedeutet, ist nicht erklärt und tatsächlich verdiente das auch keine Beachtung, gäbe es zur geschilderten Szene nicht doch eine Entsprechung – und zwar an prominenter Stelle in einem gänzlich anderen Kontext, nämlich im „Jüdischen Museum“ von Berlin, dem auch international viel beachteten Bau von Daniel Liebeskind.

Dort gibt in einem hohen, aber engen und grauen, offenen Beton-Raum eine Installation des renommierten israelischen Künstler Menashe Kadishman (geb. 1932) die eben daraus besteht, dass der Boden mit solchen Gesichter-Schablonen oder Masken bedeckt ist. Das Werk nennt sich שכלת (schachelet), „Herbst“ – was auch vom Titel zum Garten der Teletubbies passt – und ist eine jener „memory voids“ (: Erinnerungslücken) in der Konzeption des Museums, das sich abgesehen davon recht erfolglos vorgenommen hat, „zweitausend Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland“  zu verkörpern.

teletubbies eh oh holocaust dancing

Ob die Auseinandersetzung des Berliner Museums mit dem „Holocaust“ nun tatsächlich vom Promotion-Video des intellektuell recht bescheidenen Teletubbie Superhits „Eh-oh“ abgekupfert ist, mag man selbst überlegen. Es hat wohl auch damit zu tun, wie wahrscheinlich es ist, dass man einen Boden weiträumig mit flachen ausgestanzten Gesichtsmasken belegt und darauf herumläuft. Allzu häufig ist ein solches Szenarium wohl nicht anzutreffen.

Das Teletubby-Video stammt von 1997, aus dem selben Jahr stammt nach der Webseite http://www.kadishman.com/resume/ auch das Werk „Shakhelet“, was stimmen kann oder auch nicht, freilich wurde das Berliner Museum erst 2001 eröffnet und das Werk erst damit öffentlich.

Womöglich bestehen Begriffe wie „Museums-Pädagogik“ auch nicht umsonst. Wörtlich übersetzt wären dies Musen (Geister), die Kinder an der Nase herum führen. Da reicht dann auch ein Mann fürs Kadisch.

 Teletubby with mask stencil“Mary, mary, quite contrary …”

The mask at the floor installation at Jewish Museum in Berlin, called Shakhelet maybe actually is an idea taken from the promotion video of British toddler TV program “Teletubbies” which was shot for the hit single “eh-oh” (for “hello”). The video is from 1997.

Berlin Jüdisches Museum Maske Jewish Museum Shachelet

The “Jewish Museum” in Berlin since 2001 presents the very same idea of distributing punched face like stencils on the floor in order to “remember” the “holocaust”as installation by the renowned Israeli artist Menashe Kadishman.

How come ..?

 


לאָמיר בענטשן

April 16, 2015

לאָמיר בענטשן, מענטשן

ניט פֿאַר צימעס אדער פֿאַר בלינצ’ן

ניט פֿאַר לאָקשען, בראָנף און גאַלער

לאָמיר בענטשן פֿאַר די מענטשן

פֿאַר די וואס חוילם אויף זייער וועג

וואָס האָבן ניט קיין חילוק אין נעכט און טעג

וואַס גאַנצע האַלטן פֿאַר זייער אייגן ווינטשן

פֿאַר זיי לאָמיר בענטשן

Communication Triptychon Augsburg Rathausplatz - Kopie

(Augsburg Rathausplatz)

 * * *

פֿאַר די שוואַכן און די מידן אויף די אינטערנעט

וואָס טראַכטן אַז אויפזאגן פון סיטקאָם בדיחעס איז חוכמעס

זיי וואָס פייַערן די חסענע פון קאמפיוטער-וואַמפּירן

אין זייער צימערן מיט דיעט קאָוק און צ’יפס

פֿאַר זיי לאָמיר בענטשן

 * * *

זיי וואָס אָפּקוועלן אַ פוטבאָל שפּיל

ווי די באַפרייַונג פון קנעכטשאַפֿט

אָבער מיט שטענדיקע אַנאַליטישע קוקן

אויף די נייַען טיש און סטאַטיסטיק

צו באַווייַזן אַז איר וויסן אויך די לעצט יענטע

פֿאַר זיי לאָמיר בענטשן

 * * *

וואָס דער גלויבן אַז זיבן מאָגער קו

זענען אַ טערעץ פֿאַר געזונט רעפאָרם

פֿאַר אַלע וואָס געפינען מאָרד און גרויל טאַקע-אַזוי שיין

אפילע ווען איר קענען דאס נור נאך אין די מיוזיאַמז זען

פֿאַר זיי, יאָ פּונקט פֿאַר אַזאַ מענטשן

מיר ווילן און מיר וועלן

פֿאַר זיי

לאָמיר בענטשן

 * * *

געשריבן דורך יהודאַ דוד שנף

(Yiddish poem “Let us bless them

and painting “Public Communication Tryptichon

by Yehuda Shenef

April 2015)


Augsburg: Der Müll, die Stadt und der Brunnen

April 10, 2015

 

augsburg goldschmiedebrunnen annaplatz mülltüte 2015 kreissparkasse

Zur Geschichte des Brunnens:

https://kokavim.wordpress.com/2014/09/18/neuerscheinung-mord-am-lech-von-yehuda-shenef/

Vielleicht ist es eine Art “Kunstaktion”, die dafür sorgte, dass heute Mittag am Annaplatz in der sog. “Fußgänger-Zone”der von uns bekanntlich viel beachtete Goldschmiedebrunnen mit einer großen Mülltüte behangen ist, vielleicht ein “Scherz”, eine Neuerung im kommunalen Müllkonzept, eine Sammelaktion der Kreissparkasse, … man weiß es nicht. Ein antisemitisches Motiv wittern wir jedenfalls nicht, wenngleich man den Inhalt des Müllbeutels nicht ergründen kann (und will)und die Brunnenfigur, von den Nazis einst demontiert, “nach dem Krieg” auf einem Hamburger Schrottplatz wieder gefunden worden sein soll, der Brunnen damit selbst auch eine Wertstoff-Vergangenheit hat. quasi, sozusagen. Denkbar wäre auch ein Kontext zur vorgestrigen Meldung (Thanx Margit für den Hinweis), dass bereits im südniedersächsischen Städtchen Einbeck ein Müllsack an eine Brunnenfigur gehangen wurde, als “Protest” gegen Hundekot auf dem Marktplatz

http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article205244221/Einbecker-haengen-250-Kilo-Hundekot-an-Brunnenfigur.html

Im Augsburger Fall sieht der Inhalt eher nach Papier aus, … However, immerhin ergab sich für Passanten, Touristen … aber eben auch für Nachbarn, ein (hoffentlich) einmaliges Bildmotiv, sind wir doch prinzipiell für die Trennung von Müll und Denkmal. Goldschmiedebrunnen Müllbeutel April 2015 Augsburg Annaplatz

Golschmeidebrunnen Augsburg 2015 MüllWohl keine Kontoauszüge der Kreissparkasse?

Es bleibt dabei, dass Brunnen sich in Augsburg, dass sich für seine Wasser-Kultur rühmen will, eher einen schweren Stand haben. Erst vor einer Woche war die Einstiegs-Luke des Brunnens längere Zeit offen geblieben, weshalb bei strömenden Regen einiges Wasser einlief und offenbar von manchen auch bereits Zeugs hinein geworfen wurde.

Augsburg Goldschmeidebrunnen Schacht unter Wasser Müll

Goldschmied Brunnen Augsburg Schacht 2015 Regen Annaplatz

Today the goldsmith fountain at the city center of Augsburg was decorated with a huge garbage bag of unknown content.


Simon Schlossberger (1858-1935), Crailsheim

April 9, 2015

Vor recht genau 80 Jahren, am Donnerstag, den 11. April 1935, bzw. 8. Nisan 5695 wurde am jüdischen Friedhof an der Hummelstr. (heute Hooverstr) bei Kriegshaber Herr Simon Schlossberger bestattet. Das war insofern ungewöhnlich, da er bereits am 3. März, also 40 Tage vorher an seinem Wohnort Crailsheim verstorben war.

Simon Schlossberger wurde 1858 im fränkischen Unterdeufstetten (heute Teil von Fichtenau im württembergischen Landkreis Schwäbisch Hall) und war Rinderzüchter. 1884 heiratete er die aus Aufhausen stammende Ernestine (Ester) Neumetzger und übersiedelte mit ihr ins nahe Crailsheim. Das Paar hatte sieben Kinder, wovon drei ihre Kindheit nicht überlebten. 1916 starb ihr Sohn Sigmund im Alter von 22 Jahren als deutscher Frontsoldat in Frankreich. Die 1890 geborene Tochter Ida heiratete nach Kriegshaber in die Viehhändler-Familie Einstein, die einen Betrieb an der Ulmer Straße besaß.  

Nach Simons Tod zog seine Witwe nun Kriegshaber zur Tochter ins Haus der Familie ihres Schwiegersohns Isaak Einstein, weshalb es nun auch dazu kam, dass der Leichnam exhumiert und nach Kriegshaber überführt wurde, wo am 11. April 1935 eben die Besetzung stattfand. Der Grabstein wurde bald darauf gesetzt und stammte wahrscheinlich von der renommierten Nördlinger Steinmetz Familie Koppel.

simon schlossberger grabstein kriegshaber 1858-1935 gravemarker

Grabstein Simon Schlossberger (Foto: yehuda shenef / jhva, 2007)

ש’ץ היה לעדתו וקהילתו

בימי הנוראים עד יום מותו

Die hebräische Grabinschrift besagt, dass der Verstorbene ein שליח ציבור war, also eine Art Gemeindevertreter und Kantor und zwar wie es wörtlich heißt: “in schrecklichen Tagen bis zum Tag seines Todes“. 

Simon Schlossberger 1858 - 1935 jüdischer Friedhof Kriegshaber

Anzeige aus der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 12.3.35

1942 wurde Ernestine Schlossberger fast 80jährig verhaftet und „deportiert“. Sie “verstarb” 1943 im KZ Theresienstadt. Auch ihre Tochter Ida und ihr 1887 geborener Sohn Siegfried wurden wie viele weitere Mitglieder der Familie als Zivilisten ermordet. Wie andere Ermordete aus Kriegshaber haben sie bis heute keine Widmung erfahren.

Crailsheimer Synagoge 1783 - 1938

Synagogue of Crailsheim (1783-1938), source: Alemannia Judaica

80 years ago Simon Schlossberger a cattle breeder from Franconian town Crailsheim (today Wuerttemberg) was buried at the cemetery of Kriegshaber, where a month after his death his widow Ernestine had moved to Kriegshaber (since 1916 a part of Augsburg) in order to live with her daughter who was married to the local Einstein family who where butchers. Five weeks after the first burial Simon Schlossbergers corpse was exhumed at the cemetery of Schopfloch and on April 11, what this exactly 80 years this weekend, he found his final resting place at the cemetery near Kriegshaber. His widow Ernestine and his daughter Ida however where deported and killed by the Nazi-Germans. Until today they as well as others in Kriegshaber have no dedication.

 

Further Info:

http://www.crailsheim.de/1742.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2717&cHash=299cecddb523cd870c81d4764ae87614

http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis_schwaebisch_hall/Die-Familie-Schlossberger-Kind-im-Krieg-verloren;art5722,1721104

Infos zur (ehemaligen) Synagoge und Gemeinde von Unterneufstetten im Landkreis Schwäbisch Schall (Fichtenau): http://www.alemannia-judaica.de/unterdeufstetten_synagoge.htm


Jüdischer Witz 1836

April 7, 2015

Die “Augsburger Postzeitung” vom 6. April 1836 druckte in ihrer “Beylage” u.a. auch einen jüdischen Witz oder ist es ein “Juden-Witz”? Lauten tut er so:

.

Drei Witzlinge begegneten einem alten Juden. “Guten Morgen, Vater Abraham!” rief der erste; “guten Morgen, Vater Isak!” der zweite; “guten Morgen, Vater Jakob!” der dritte.

Sie irren“, entgegnete der Jude, “ich bin weder Abraham, noch Isak, noch Jakob, ich bin Saul, der ist gegangen, zu suchen seines Vaters Esel, und hab sie gefunden!”

* * *

Jüdischer Witz 1836 Augsburger Postzeitung - Jewish Joke - Humor

* * *

A joke told in April 1836 by the local paper “Augsburg Postzeitung“:

.

Three hoaxers met an old Jew. “Good morning father Abraham” saluted the first; “good morning, father Isaac” added the second and so the third guy joined in and  said “good morning, father Jacob“. However, the old Jew replied “you are wrong. I am neither, Abraham, nor Isaac or Jacob. I am just Saul, who went out to look for the jackasses of his father, and well, quite obviously I just have found them.”

* * *

The answer refers to the 1. Book of Samuel 9 where Saul looking for the lost donkeys of his father Kish and thus unexpectedly made the acquaintance of Samuel the prophet who later would anoint him king, what is used as metaphor for an unexpected turn


Habemus matzam ..? How to prepare homemade Matzo

April 3, 2015

Habemus matzam? Wie man zu Hause koschere Matzen zubereiteten kann.

Unsere Vorfahren hatten vor etwa dreieinhalb Jahrtausenden zu Pessach keine Zeit, um Teig für gewöhnliches Brot (das damals wahrscheinlich eine Art Fladenbort oder Pita war) zu machen und so reichte es nur zu ungesäuertem Brot. In der Haggada hat die Matza מצה den (aramäischen) Namen לחמא-עניאlachma aniya“, „armes Brot“, das Brot der Armut. Komischerweise sagen die viele Quellen heute, dass es zu schwierig oder zu aufwändig wäre das Brot der Armut selbst zu backen und so essen die meisten Leute heutzutage industriell gefertigte Matzen aus den Fabriken.

Kaum zu glauben, aber wahr. Was aber macht es so schwierig eine Speise herzustellen, die aus nur zwei Bestandteilen – Mehl und Wasser – besteht und die Sklaven auf der Flucht zubereiten konnten

Unsere Weise haben festgelegt, dass zwischen dem Zeitpunkt an dem Wasser und Mehl gemischt werden und dem fertig gebackenen Brot nur maximal 18 Minuten liegen dürfen, damit jede Form der Fermentierung oder Säuerung ausgeschlossen werden kann.

Ist man gut vorbereitet, wozu ein möglichst hoch vorgeheizter (freilich generell koscherer und gesäuberter) Ofen, ohne den der Zeitrahmen natürlich nicht eingehalten werden kann, bleibt ausreichend viel Zeit zur Herstellung von Matzen, insbesondere, wenn man in der eigenen Küche oder einer vertrauten Umgebung arbeiten kann und nebenbei keine Eindringlinge abwehren muss oder weder gejagt noch verfolgt wird.

Koschere Matzen müssen, um als solche gelten zu können, mit Mehl hergestellt werden, das ausschließlich aus Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel oder Hafer hergestellt wurde. Hafer enthält kein Gluten, das Kleber-Protein (von engl. „glue“ = Kleber), sondern Avenin, einen zwar verwandten Stoff, der Zöliakier offenbar aber schadlos ist. Voraussetzung dafür ist freilich, dass der Hafer auch entsprechend behandelt und verarbeitet wurde. Da sich aber auffallend viele Hersteller selbst nicht sicher sind, ob ihre Produkte nicht doch „Spuren von Gluten“, Nüssen oder was noch enthalten können, finden sich entsprechend häufig Hinweise auf Verpackungen.  Wir können für Industrieprodukte, für die selbst ihre Hersteller nicht garantieren wollen, natürlich auch keine Haftung übernehmen.

Zurück zum Thema. Ein matz-barer Teig besteht lediglich aus Mehl und Wasser – nichts anderes kommt dazu, kein Salz, kein Backpulver, keine Hefe oder was sonst den Prozess beeinflussen könnte. Nur Mehl und Wasser und zwar etwa im Mischungsverhältnis 2 zu 1. Da Mehlsorten unterschiedlich ausfallen können, variiert das etwas. Der Teig ist perfekt und verwendbar, wenn er beim Kneten nicht mehr an den Fingern kleben bleibt.  Wenn das Ergebnis etwas fade schmeckt, ist es genau richtig, denn wie bereits gesagt ist es das Brot der Armut.

Um im Zeitplan bleiben zu können, mischt man (vielleicht mit einem Helfer) immer nur so viel Teig an, wie man auch für einen Back-Vorgang gebacken bekommt. Überschüssiger Teig, der herum steht, wäre wegen des 18-Minuten-Limits disqualifiziert.

Den fertigen Teig sofort auf die Arbeitsplatte und ihn so dünn wie möglich ausbreiten, ggf. mit einem Nudelholz. Mit Gabeln oder ähnlichen, kann man noch charakteristische Löcher einstechen, die für eine bessere Luftzirkulation sorgen. Nun kommen die Fladen in den geheizten Ofen. Backt man mehrere Matzen, ist Butterbrotpapier oder ähnliches geeignet, um die Scheiben auskühlen zu lassen.

Hat man nun eigene Matzen “gebacken bekommen” kann man diese natürlich auch mit Salz oder was immer würzen, was auch an Pessach erlaubt ist (also nichts mit Hefe, Weinessig, usw.).

Ve-achschaw: habemus matzam – es is(s)t matzbar.

homemade matzo - osem knedlach - Augsburg Matzen

 

Our ancestors about 3 and a half millenniums ago at Pessach had no time to prepare ordinary bread so there only was time to have unleavened bread. The Haggadah names the matzo lachma anya, the bread of poverty.  Funnily most sources today say homemade matzo is too difficult and that is why most people eat factory fabricated matzot today.

Hard to believe, ummmm ..?

Well, what actually is so difficult about a dish which poor slaves were able to prepare while I on the run?

Our sages leave us a maximum of 18 minutes from the time when the flour is mixed with water until the finished baked bread. Well, actually that is enough time, if you are well prepared, especially if you can stay in your own kitchen and have neither intruders nor some odd people who chases or haunts you.

Just realize that a matz-able dough is about 2 parts flour and 1 part water.

You are obligated to have flour either of wheat, rye, barley, spelt or oats. The later is to be recommended if have problems with gluten, the “glue” protein composite which gives a dough of wheat, rye or barley its characteristic elasticity. Oats however, if not mixed with other grains or improperly handled (what you have to make assure yourself) does not contain gluten, but another, similar protein called avenin which is tolerated by celiac diets.

The dough is perfect if it does not tick on your fingers. You need nothing else. No salt, spices, baking agent or anything. Nothing what may influence the baking process in one way or another. If it tastes somewhat insipid, you are right. Remember: as quoted, it is a bread of poverty. 3 or 4 minutes are enough to knead the dough and roll it out with a rolling pin.

Finally you need a pre-heated oven – without you can say good-bye to the idea of 18 minutes bread anyway – and thus you have almost the quarter of an hour left to bake your own matzot. Maybe you have a helping hand at your home, you can assign the different tasks with.

However, it has proven beneficial to have some kind of sandwich paper in order to separate your slices.

By the way, if once backed an finished you may eat your homemade matzo of course with salt or whatever may give taste to it, unless it is kosher for o Pessach (no chametz).