Der falsche Prophet von Günzburg

December 19, 2011

In seinem 1713 bei Lublin gedruckten Fragen-und-Antworten – Buch אור של תקווה zitiert R. Menachem ben Naftali Hirsch eine lange zurückreichende Anekdote aus der Zeit um Jahr 5290 (= ca. 1530), als in Günzburg ein wahrscheinlich protestantischer Prediger auftauchte und die Juden davon überzeugen wollte, dass die „neuen Christen“ sich mit den Juden versöhnen wollten, sobald die Muslime die falschen (oder: leeren) Christen und den Papst beseitigen würden. Zitiert ist die Antwort von Jona bar Jakow Weil, dem Nachkommen des letzten mittelalterlichen Rabbiners in Augsburg und damaligen Rabbiners von Günzburg, Er antwortet etwas ironisch, dass man doch erst einmal die nächsten dreißig Jahre abwarten soll, um zu sehen, ob davon auch wirklich etwas eintreffen werde. Tatsächlich wurde der Künder seitens der Regierung aber bereits schon nach nicht mal dreißig Tagen gehängt.

Die grundlegende Frage, die der Verfasser, mit diesem und einer Zahl weiterer zitierter Geschichten beantwortete war jene, ob den Versprechungen Fremder zu trauen ist, Juden zu retten. Das Fazit lautet, dass nur das Vertrauen auf den Einen Gott verlässlich ist, falsche Propheten jedoch ganz wie Rambam es sagt, nicht zur Tora hin, sondern immer von ihr wegführen wollten.

Um das Jahr 5290 (על שנת רצ) kam ein neuer christlicher Botschafter (שליח נוצרי חדשה) nach Ginzburg und Leipheim. Er besuchte die Synagoge und sagte uns, dass die Muslimim (שהמוסלמים) bald kommen, um die Juden zu retten aus der Unterdrückung der falschen Christen (נוצרים שווא). Die Leute Mohameds kämen nach Rom um den Papst zu töten und gleich danach blieben nur noch wahre Christen und die Juden übrig. Nun kommt Jesus der Messias um alle als seine Leute zu versammeln und alle werden Brüder sein.

Morenu Jona bar Jaakow Weil sagte ihm, es wäre gut, erst mal die kommenden dreißig Jahre abzuwarten, ob etwas wie dieses geschehe. Er sagte ihm auch, dass er davon hörte, dass die Muslimim auch viele Juden getötet haben. Noch nicht mal dreißig Tage nach diesem wurde der Botschafter seitens der Regierung gehängt. So ist die Erkenntnis daraus, dass man sich nicht stützen soll auf einen falschen Propheten, sondern nur auf den einen Gott.

Die Hoffnung, dass die Muslime Rom erobern, den Papst töten und das “falsche Christentum” abschafften, ist etwas eigenartig, aber wohl nur im zeitlichen Kontext zu verstehen. Interessant ist der Hinweis auf Juden in Leipheim, die der allgemeinen Ansicht nach aber bereits im Jahr 1503 von dort ausgewiesen worden sein sollen.

According to an anecdote by Rabbi Menachem Hirsch, about the year 1530 a “new Christian messenger”  had come to Guenzburg and Leipheim in order to persuade the local Jews of the arrival of the Muslims in Rome who would kill the pope there and extinguish the fallacious Christianity which suppresses the Jews. Only true Christians and the Jews would survive and when Jesus arrived they would live in harmony as brothers.

The Guenzburg Rabbi Yona Weil, himself an offspring of Yakob Weil, last rabbi of medieval Augsburg, replied that one at first should wait some thirty years and see if something of the prophecy will take place. But he also pointed out that he heard that the Muslim also had killed a number of Jews. However not even thirty days later, the new (likely Protestant) preacher was hung by the government.

The anecdote among others was told in order to give an answer to the raised question whether promises of gentiles to save or to rescue Jews are trustworthy. The conclusion of the author of course is no other that only the One God is trustworthy and that all false prophets or preachers and reformers just lead astray from the Tora.

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Juden in Günzburg

December 18, 2011

Über die jüdische Geschichte Günzburgs ließe sich – und lässt sich – einiges erzählen, verknüpft sich mit dem Ortsnamen doch bereits eine in vielen Varianten bezeugter Bezug von Juden in aller Welt, deren Familiennamen Günzburg, Ginzburg, Ginsburg, Ginsberg, Gainsbourg oder wie sonst noch geschrieben werden.

Nach allgemeiner Auffassung steht die Ansiedlung der Juden in Günzburg mit der Vertreibung von Ulm aus dem Jahre 1499 (1503 sodann aus Laupheim) in Verbindung, was eine frühere Anwesenheit nicht zwangsläufig ausschließt.  

Der wohl bekannteste Günzburger wurde bald am Ort geboren: Schimon ben Elieser Ulmo-Günzburg (1506-1585), auch bekannt als Seligmann Ginzburg und als Stammvater der weltweit verstreuten Ulmo und Günzburg Familie (nicht alle Träger des Namens sind jedoch zwangsläufig Verwandte, während viele tatsächliche inzwischen andere Namen haben). Er wurde wohl in der Judengasse, der heutigen Münzgasse / Eisenhausgasse geboren und wuchs in Günzburg als nachkomme Augsburger und Ulmer Juden auf. Später erbaute er im benachbarten Burgau die Synagoge und stiftete der jüdischen Gemeinde einen Friedhof. Sein Reichtum war legendär und so dürfte er auch in Günzburg entsprechend wohltätig gewirkt haben, wie dies auch sonst von ihm bezeugt ist. Einige seiner Söhne und Töchter gingen nach Frankfurt am Main, andere jedoch nach Pfersee an der Wertach, wo sie bald zu den Führern der drei Fagasch-Gemeinden gehörten, womit sich der Kreis sodann auch wieder schließt.

Wo sich an der Judengasse in früheren Zeiten wohl die Synagoge befand steht heute ein Bankhaus und davor der „Schweinchen-Brunnen“ eine moderne Skulptur, die einen Schweinhirten und ein paar Schweine zeigt, die dort seit 1990 Halt machen, was niemanden stören muss, freilich aber auch nicht alle Aspekte der Ortsgeschichte angemessen reflektiert, oder vielleicht auch doch.

Ein dazu zitierter Vers jedenfalls sagt:

„Seit 1990 schon, ihr liabe Leit, am Wätteplatz dean Brunna geit, dau riesalat a Wasser na, send Suckla mi ma Händler dra, der lädt ui ei, dau zum verweila, dia stenkat nemme heit, dia Säula!”  Sie stinken nicht mehr die Schweinchen.

In Günzburg selbst erinnert heute nichts an ihn  und an die 1617 bereits wieder aufgelöste jüdische Gemeinde, dafür setzte die Stadt Josef Mengele, ihrem anderen „bekannten Sohn“ ein Denkmal, welches mittels einer Anzahl eigenartig schablonierter Augen-Masken seinen Opfern gedenken soll. Unmittelbar daneben befindet sich ein weit schlichteres zweites Denkmal, welches „den Opfern von Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung“ gedenkt, freilich datiert auf die Jahre 1945-1946, was den größeren Teil der jüdischen, bereits ermordetet Opfer ausschließt.  Aber wahrscheinlich war das eine Denkmal in Verbindung mit dem anderen als Konzession möglich.

Eigenartiger Weise gibt es in Günzburg doch noch ein „jüdisches“ Denkmal, das Janusz Korczak (Henryk Goldszmit, 1878-1942) gewidmet ist, der als Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Warschau ein Vorläufer liberaler Erziehungsmethoden war, aber von den Nazis mit seinen Kindern ermordet wurde. Mit Günzburg hat dies an sich nun gar nichts zu tun und die Tafel neben der Skulptur, die von dem israelischen Künstler Yitzak Belfer geschaffen wurde, nennt deshalb auch keine Namen ermordeter Kinder, deren man gedenken wollte, sondern jene von Sponsoren, die das Monument finanzierten, um in Günzburg einen Teil der Geschichte zu gedenken, der sich anderswo zugetragen hat. Sogar das Kernkraftwerk Gundremmingen zählt zu den edlen Spendern. Da  für diesen Zweck bloße Augen-Schablonen nicht reichten, konnte, man dies gewiss nur auf diese Weise ausführen.

 

Günzburg in the US is mostly known by countless Jews who bear the family name Ginzburg in one spelling or another. A Jewish presence in the small town at the Danube river which was a center of Austrian Swabian margravate until early 19th century is recorded about the time from 1500 when Jews were expelled from Ulm until the beginning of the Thirty years war. Shimon ben Elieser himself was born in Günzburg and was the head of the communities in the region. Three of his sons had moved to Pfersee at Wertach river, next to Augsburg were Shimon ben Elieser s ancestors once came from.  Today almost nothing reminds of the former Jewish community. At the spot of the supposed 16th century synagogue  today is a bank house with a modern swineherd fountain in front, so that there is no doubt about and likewise for the future.

Günzburg also was hometown of the infamous Josef Mengele (1911-1979). Close to the former Jewish alley there now is a memorial with a number of stereotyped eyes which is to remind of the victims of the of the white coat murderer.  Another memorial reminds of Janucz Korczak from Warsaw who never has been to Günzburg of course. A plate also does not list the name of the murdered children, but the donators who of course in no way could have remained in the background.     

 


Über Juden im schwäbischen Leipheim

December 11, 2011

Die Anfänge der Besiedelung Leipheims gehen der Legende nach ins 6. Jahrhundert zurück, werden aber erst etwas konkreter, als im späten 11. Jahrhundert, um einen Beobachtungsturm auf dem Berg Conus eine „veste Ritterburg“ erbaut wurde, über die jedoch nicht viel bekannt ist. Im letzten Viertel des 13. Jahrhundert ist ein Heinrich Güssen als Lehnsmann des Augsburger Bischofs Hartmann und Herr der Güssenburg zu Leipheim nachweisbar, dessen Söhne Diepold und Gerwich im Gefolge burgauischen Markgrafen auftreten. Der Stammsitz der Güssen war in Hermaringen (dem Geburtsort von Georg Elser, der 1939 in München den Nazi-Führer Hitler mittels eines Bombenanschlags töten wollte) bei Heidenheim.

Am Fuße der Burg entstand während der Herrschaft der Familie der Güssen eine kleine Ansiedlung. 1326 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer den Brüdern Diepold und Gerwich das Recht die ortsansässigen Juden zu besteuern, was der Erteilung des Marktrechts für ihr Dorf entspricht. Die Entstehung des damals gewiss sehr kleinen Ortes ist demzufolge unmittelbar mit der Präsenz von Juden verknüpft, die nun als Steuerzahler zum weiteren Aufstieg des Ortes beitragen. Schon im Jahr darauf genehmigt der Kaiser den Leipheimern das Recht einen Wochenmarkt abzuhalten und die Freiheiten der Stadt Ulm, wozu auch „Stock und Galgen“, also eine eigene Gerichtsbarkeit gehören. Leipheim wuchs weiter und erhielt bereits 1330 das Stadtrecht verliehen und wurde mit Toren und Mauern befestigt, deren etwa ein Kilometer langer Verlauf heute noch zum größeren Teil erhalten ist. Im Jahr 1374 jedoch trennten sich die Erben der Güssen von ihrem Besitz und verkauften die Burg zusammen mit der Stadt an den Grafen Eberhard von Württemberg (1315-1392). 1449 wurde Leipheim von Augsburger Truppen belagert und eingenommen. 1453 gelangte der Ort in Besitz der Reichsstadt Ulm und als dort im Jahre 1499 die jüdische Gemeinde endete, dauerte es nur weitere vier Jahre, bis 1503 auch die beinahe zweieinhalb Jahrhunderte währende Geschichte der Juden in Leipheim zu Ende ging. Wie die Ulmer Juden zog es auch die Leipheimer ins nur weniger Kilometer östlich gelegene Günzburg, zu welchem es bereits enge Beziehungen und familiäre Bindungen gab. Leipheim hingegen stagnierte in seiner weiteren Entwicklungen. Nur etwa zwanzig Jahre erlangte der „Leipheimer Haufen“ traurige Berühmtheit, als Kramer gemäß, im Bauernkrieg etwa „6000 aufrührerische Bauern umkamen; jedes Haus in den hierauf geplünderten beiden Städten Leipheim und Günzburg, in welchen sich die rebellischen Bauern verteidigt hatten, musste 6 Gulden Kriegs-Kontribution entrichten, die Rädelsführer wurden aber geköpft oder gehangen. Seit 1974 nennt sich in der Stadt eigenartiger weise ein Faschingsverein „Leipheimer Haufen“, was kaum einem Andenken der damals europaweiten und vor den Toren des Ortes recht dramatischen Geschehen gerecht wird, aber das muss man wahrscheinlich nicht so ernst nehmen. Das heutige Leipheimer Schloss geht auf die Zeit um 1560 zurück, jedoch wurde es wie die Stadt 1634 im Zuge des Krieges niedergebrannt. 1725 notiert ein örtlicher Pfarrer, dass 1500 Menschen am Ort leben. Daran hat sich weiter nichts geändert, als im Jahre 1841 Georg Friedrich Kramer im „Statistischen Handbuch für den Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg“ (s. 88 f.) notiert, dass Leipheim 256 Häuser, 400 Familien und zusammen 1522 Einwohner hat. 1853 wurde Leipheim an das Eisenbahnnetz der Linie Augsburg-Ulm angeschlossen, doch von diesem Fortschritt hat der Ort aber offenbar nicht profitiert. Hermann Julius Meyer notiert für das Jahr 1859 in seinem „Neuem Conversations-Lexikon für alle Stände“ nur noch 1450 Einwohner.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs entstand bei Leipheim ein Lager für jüdische Überlebende der  Nazi-Verfolgung, im Zynismus – Jargon „Displaced Persons“ genannt. Es bestand bis 1950 und umfasste zeitweilig etwa 3000 Insassen. In der Stadt selbst wurden zeitgleich etwa tausend deutsche Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen und integriert. Heute leben etwa 6000 Menschen in der erweiterten Stadt.

(3 star family coat of arms of Pfersee Ulmo at Pfersee/Kriegshaber Jewish cemetery)

Am bemerkenswertesten für die jüdische Geschichte in der Region an Leipheim ist zweifelsfrei der Umstand, dass das Familienwappen der Güssen mit drei sechszackigen David-Sternen in einem Schrägbalken sich als Stadtwappen erhalten hat. Das selbe Emblem ist bekanntlich auch das Familienwappen der jüdischen Ulmo-Günzburg – Familie geworden, welches insbesondere durch die durch die Mitglieder der Pferseer Ulmo Berühmtheit erlangte. Am gemeinsamen Friedhof der jüdischen Gemeinden von Pfersee, Kriegshaber und Steppach waren vor dem Nazi-Regime noch mehr als 50 Grabsteine mit dem bekannten Familienwappens vorhanden.

(Wappen von Leipheim mit bereits etwas versetzten sechszackigen David-Sternen; Leipheim coat of arms)

Die heutigen Leipheimer scheinen mit ihrem alten Stadtwappen neuerdings Probleme zu haben und bemühen sich darum, mittels eines schwarzen Ausrufezeichens in einem rotem Kreis als neuem Emblem ein neues, anderes Image zu geben. Jedoch ist die eigenartig phantasielose Kreation wohl aus gutem Grund noch nicht auf den Ortseinfahrten zu sehen, wäre sie doch relativ leicht mit bekannteren Verkehrsschildern zu verwechseln. Etwa mit dem Schild für Gefahren, welches gleichfalls ein schwarzes Ausrufezeichen zeigt, aber von einem rot umrandeten Dreieck umgeben ist. Da Schilder mit einem rotem Kreisrand allgemein hingegen nicht Gefahren, sondern Verbote anzeigen, kann man sich die wahrscheinliche Bedeutung des neuen Leipheimer Emblems irgendwo im Bereich zwischen „Gefahrenwarnung“ und „Verbot“ vorstellen, was vielleicht auch den baufälligen Zustand zahlreicher Häuser im alten Ortskern erklären könnte.

The history of the Jews in Leipheim goes back to the early beginnings of the village which developed around the year 1300 at the foot of the Conus hill, where was a small knight’s castle. Under the rule of the Guessen family, whose coats of arms has three six-pointed stars in a slope, Leipheim in 1326 by Emperor Ludwig the Bavarian was granted to collect the taxes by the Jews in the village, a right which actually came up to have own market rights. In 1330 the emperor vested town privileges to Guessen owned Leipheim. Further development of Leipheim stagnated when in 1503 the Jews were expelled from there. As many Jews from Ulm, expelled from there a couple of years ago, many moved to Günzburg, which is just about three miles east of Leipheim. Ulm, Leipheim and Günzburg combines the roots of the famous and widespread Ulmo-Günzburg family (Ulman, Ulma, Ulmo, Gunz, Ginsburg, Gainsbourg, etc.), while the small town today is known by US cyclist Lei Leipheimer (bronze medal winner at Beijing 2008 Olympic Games).

In recent times Leipheim tries to replace its venerable 3 star emblem by an awkward and trite symbol which depicts a red circled black exclamation mark. It reminds of the German traffic sign for danger spots (which has a black exclamation mark in a red edged triangle, while red circled signs in Germany in general are prohibition signs). So in order not to confuse visitors it is recommendable not to mount it at the towns gateways.

לייפהיים היא עיירה קטנה ליד גינזבורג, לא רחוק מאולם בדרום גרמניה. ההיסטוריה של לייפהיים מחובר להתיישבות יהודים. את 1326 לשנה הבעלים של לייפהיים הורשו לגבות מסים מן היהודים בכפר קטן שלהם. בשנה שלאחר מכן היה להם את הזכות להיות בעל שוק משלו ב 1330 לייפהיים הפך את זכויותיהם של עיר

 עד 1503 חיו יהודים לייפהיים ומשם הוא עבר גינזבורג השכנות
 לייפהיים יש שלושה מגינים דוד * * * סמל של  – משפחת אולמא גינזבורג