Adolf Hitler an der Mauer des jüdischen Friedhofs in Augsburg

June 1, 2018

Nicht persönlich, aber namentlich … immerhin. Was  das auch immer zu besagen hat.

שם אדולף היטלר
ליד בית הקברות היהודי אוגסבורג

Bild:  (c) yehuda shenef / 2. August 2012 am heutigen Ernst-Cramer-Weg

im Stadtteil Augsburg-Hochfeld


Dr. Richard Grünfeld

August 4, 2016

מורנו הרב

ר יצחק בן ר אליעזר ליפמן זל

נפטר ביום יט תשרי תרצב

תנצבה

 

Dr. Richard Grünfeld

1863 – 1931

Großherzoglicher Kreisrabbiner in Bingen am Rhein 1889 –  1910

Bezirksrabbiner in Augsburg 1910 – 1929

Caecilie Lilli Grünfeld geborene Stein

1871 – 1934

תנצבה

Rabbiner Richard Grünfeld Augsburg Grabstein gravemarker

The Hebrew inscription mentions Richard Grünfeld by his Hebrew name Itzchak son of Elieser Lipman as well as the day of his death which was the 19th of Tishri.


Salomon Rosenbuschs Haustür in Augsburg

July 30, 2015

Augsburg Maximilianstr Salomon Rosenbusch Tor Davidstern

Das Tor des früheren Anwesens von Salomon Rosenbusch in der Augsburger Maximilianstraße. Rosenbusch stammte aus Pfersee und war Getreide- und Hopfenhändler in Augsburg zur Zeit, als das Bier noch (ungefärbt) dunkel und gut war, wie auch Bert Brechts Bruder noch zu berichten wusste.

Von 1868 bis 1878 war Salomon Rosenbusch Vorsitzender des Israelitischen Kultusgemeinde in der Nachfolge von Carl von Obermayer, von dem er dann auch dessen benachbartes Palais A 28 (seit 1956 das heutige Standesamt) übernahm. Rosenbusch gehörte auch dem Stadtrat an und wurde am jüdischen Friedhof im Stadtteil Hochfeld begraben zusammen mit seiner Frau.


Messerangriff am jüdischen Friedhof in Augsburg

July 17, 2015

Wie die IKG, Presse und Polizei mitteilen, gab es am jüdischen Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld zwischen alten Postweg und der Haunstetter Straße einen blutigen Zwischenfall. Ein 60 Jahre alter Mann wurde dabei mit einem Messer verletzt. Täter war ein 66-jähriger. Vorausgegangen sei ein Streit zwischen beiden Männern, die sich kannten und beide Mitglieder der IKG seien, wie mitgeteilt wurde.

Obwohl sich damit die Tat nicht anders darstellt, sind alle erleichtert, dass ein sog. “anti-semitischer Tathintergrund” offenbar entfällt. Der Überfallene ist ärztlich versorgt und fürs erste außer Gefahr, der Täter der (nun?) als “psychisch auffällig” gegolten haben soll, ist in Haft und wird auf seine “Schuldfähigkeit” geprüft. Für die Tat selbst reicht der Begriff der “Schande” nicht aus.

Messerattacke jüdischer Friedhof Augsburg Augsburger Allgemeine

Ausführlicher Bericht: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Messerattacke-auf-Juedischem-Friedhof-Schueler-sehen-die-Tat-id34811582.html

STABBING AT AUGSBURG JEWISH CEMETERY: A 66 year old member of the Augsburg Jewish community attacked another 60 year old member with a knife at the Jewish Cemetery of Augsburg (Hochfeld). The vivtim was hurt but is in good condition, the stabber who was described as “pschologically suspicious” is in custody and will be examined whether he is criminally liable or needs psychological treatment, however hopefully inside a secure institution.

нож нападение на еврейском кладбище в Аугсбурге

התקפת סכין בבית העלמין יהודי באוגסבורג


Comeback Kid

June 24, 2014

Goldschmiedebrunnen Augsburg Juni 2014

Nach 593 Tagen (oder fast 85 Wochen) Abwesenheit kehrte heute mittag um ca. 13 Uhr der lange vemisste Goldschmiedebrunnen am eheamligen Annaplatz zurück, unweit von seinem früheren Standort.

Augsburg Goldschmiedebrunnen MontageRemontage

Goldschmiedebrunnen Augsburg Remontage

Der Brunnen wurde 1912 von der jüdischen Bankierswitwe Sabine Bühler (aus Pfersee/Kriegshaber) gestiftet. Im Weltkrieg sollte die Figur, die an einen Freund der Stifterin erinnerte, geraubt, um eingeschmolzen zu werden, überstand  den Anschlag aber (fast unbeschadet). Auf einem Hamburger Schrottplatz wieder gefunden, kam sie zurück nach Augsburg, wo ihr in der Nachkriegszeit immer wieder der Pokal gestohlen wurde. Exakt einen Tag vor dem hundertsten Geburtstag am 8. November 2012 wurde der Brunnen an seinem alten Platz vor dem Karstadt-Kaufhaus demontiert. Über die Notwendigkeit zu debattierenwäre bestenfalls mühsig.

Goldschmiedebrunnen Augsburg BühlerBühler-Kaufmann-Brunnen mit Köpf-Haus

Goldschmiede-Brunnen Augsburg

Freuen wir uns stattdessen, dass die von Hugo Kaufmann nach Vorlage geschaffene Figur auch ihr zweites Exil gut überstanden hat und sehen darüber hinweg, dass sie frontal betrachtet das wenig attraktive Sparkassen-Haus zum Hintergrund hat.

Goldschmiedebrunnen Anna-Kirche Juni 2014

Goldschmiedebrunnen Augsburg Hugo Kaufmann Sabine Bühler Ludwig BachThe Boy is back

Goldschmiedebrunnen Augsburg Stadt von morgenGute Frage !?

Goldschmiedebrunnen

Augsburger Goldschmiedebrunnen Hugo Kaufmanna nais Eckerle

 


Gedenkstein für Mietek Pemper

August 6, 2012

June 2011

Am jüdischen Friedhof Augsburg im Stadtteil Hochfeld (Haunstetter Str./Alter Postweg) wurde im letzten Juni Mieczysław (Elimelech) Pemper beigesetzt, wo 1963 bereits sein Vater Jakob (ben Gabriel) bestattet wurde. „Mietek“ Pemper wurde 1920 in Polen geboren und lebte seit 1958 in Augsburg, wo er mit seinem Vater und seinem Bruder nach dem Tod seiner Mutter Rivka in Polen übersiedelte. Anders als sein Bruder Stefan (geb. 1924) hatte Mietek keine eigenen Nachkommen.

פ נ

איש תם וישר

כל ימיו הלך בדרכי ה

ר יעקב פמפר

בן גבריאל אלתר

נפטר כט טבת תשפג

חבל על דאבדין

ולא משתכחין

תנצבה

Jakob Pemper

30. 8.1888 – 24. 1.1963

Die fast ausschließlich hebräisch gehaltene Inschrift des Grabsteins wurde von Mietek Pemper veranlasst, der seinem Vater Jakob ben Gabriel Alter nach der gebräuchlichen Formel attestiert, dass er ein bescheidener und geradliniger Mann war, der alle Tage auf dem Pfad Gottes ging. Auffallend ist dabei die vokallose hebräische Schreibweise des Familiennamens als פמפר, wo dieser ansonsten jüdisch als פעמפער transkribiert wird, was sodann aber auch der Schreibweise der weltbekannten Windel von Procter & Gamble entspricht.

June 2012

Im Juni nun wurde der Grabstein Mietek Pempers am jüdischen Friedhof Hochfeld in Augsburg aufgerichtet, der nun jedoch überwiegend in deutscher Sprache formuliert wurde, ansonsten aber dem Vorbild des Vaters etwas ähnelt.

פ נ

Mieczyslaw Pemper

ר אלימלך בן ר יעקב

24. 3.1920 Krakau

7. 6.2011 Augsburg

Wer ein Leben rettet,

rettet die ganze Welt

Ehrenbürger der Stadt Augsburg

תנצבה

Die hebräische Inschrift bezeichnet ihn als R. Elimelech Sohn des R. Jakow, wobei ר אלימלך natürlich an den bekannten jüdischen Klassiker erinnert, der davon handelt dass der fröhliche Rebbe zu musizieren anfängt und seine Pauken- und Zimbelspieler dazuruft:

As der Rebbe Elimelech is geworn sejer frelech, is geworn sejer frelech Elimelech, hat er oisgetan di fidl, hot er oisgetan di briln und geschikt nach di paiklers di zwe.

Und as di paikeldike paiklers haben paikeldik gepaikelt, haben paikeldik gepaikelt haben se …”

Das Stück gehört längst zum festen Repertoire “jidischer Liderler”, viel zu oft in einer Weise dargeboten, die Menschen die noch laufen können in der Regel sehr schnell vertreibt:

Zum Vergleich aber die entstaubte Hardcore-Variante der jidischen Metalband Gevolt (eine Art “Rammstein”):


Der Augsburger Goldschmiedebrunnen

January 12, 2012

Augsburg ist seit Jahrhunderten schon bekannt für seine monumentalen Brunnen. Sie wurden mitunter von bedeutenden Künstlern ihrer Zeit geschaffen und stellen öfter mal römische oder griechische Herrscher oder Fabelwesen dar: Augustus, Herkules, Merkur, Nixen, Neptun und viele andere.

Zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten, August Bühler (1856-1910) , so heißt es, stiftete nun auch seine Witwe Sabine Bühler (geb. Ullmann, 1857-1930) der Stadt Augsburg einen Brunnen: den Goldschmiedebrunnen am Martin-Luther-Platz.

 

August Bühler war jedoch kein Goldschmied und zu seinem Andenken widmete sie ihm am jüdischen Friedhof Hochfeld in Augsburg bereits „in treuer Liebe und Verehrung“ einen Grabstein, auf dem zwanzig Jahre später auch sie selbst erwähnt wurde. August Bühler war angesehener Bankier in der Stadt und hatte 1882 als Teilhaber das Bankhaus „Gebrüder Bühler“ mitbegründet. Im Juli 1906 wurde die Privatbank „Bühler & Heymann, Augsburg und München“ mitsamt ihren Filialen von der bayerischen Vertretung der „Deutschen Bank“ geschluckt. Im Jahr darauf wurde im Zuge weiterer Zentralisierungen im deutschen Bankenwesen auch das benachbarte traditionsreiche Bankhaus Paul von Stetten durch die Dresdner Bank übernommen. August Bühler hatte nun als Privatier mehr Zeit sich als Mäzen für Kunst und Kultur zu betätigen, vor allem aber auch um Schach zu spielen. Er war Mitglied des Augsburger Schachclubs aber auch erfolgreicher Teilnehmer an Turnieren in anderen Städten. Seine Frau hätte ihm also durchaus auch einen Schach-Brunnen widmen können.

grave marker of August and Sabine Bühler (nee Ullmann)

Das nun aber als Goldschmiede- bzw. von gar nicht wenigen Einheimischen ebenso unpassend aber weil nicht beschildert durchaus verständlich auch als „Karstadt-Brunnen“ bezeichnete Werk zeigt auf einem klassischen Sockel einen Jüngling mit einem Pokal. Sportlich gedeutet könnte man auch an einen vielleicht künftigen Augsburger „Pokalsieger“ denken, jedoch wurde ihm seine ursprünglich vergoldete „Trophäe“ in der Vergangenheit schon so manches Mal geraubt. Da es sich um keinen Wanderpokal handelte, musste er stets ersetzt werden. Sogar die Figur selbst wurde in der Nazi-Zeit als „städtische Metallspende“ demontiert, dem Vernehmen nach aber Jahre später, so um 1950 (so ca. gegen drei Uhr Nachmitttags) im weit entfernten Hamburg wiedergefunden, auf einem Schrottplatz und zwar ohne Pokal.

Eingeweiht wurde der Brunnen, oder besser gesagt die Brunnen-Figur am Abend des 9. November 1912, was sich also in einigen Monaten runde hundert Mal jährt (… and that’s why …). Ansonsten ist vor Ort aus der Zeit von damals nicht viel geblieben. Der heutige Martin-Luther-Platz, hieß damals, wegen der Kirche, St. Annaplatz und wo heute das Kaufhaus Karstadt ist, da stand früher das Stetten-Institut (genauer gesagt, das „Barbara von Stetten’sches Töchter-Erziehungs-Institut“) , das man heute aber namentlich wieder woanders findet. Allem Anschein nach gab es aber an selbiger (?) Stelle wohl schon einen Brunnen – jedenfalls vermeldete rund sechzig Jahre zuvor das „Augsburger Tagblatt“ am Mittwoch dem 23. Juni 1852 aus der öffentlichen Sitzung des Augsburger Stadt-Magistrats vom Vortag: „Der Brunnen am St. Annaplatz soll in die Philippine Welser-Straße versetzt und beim Candelaber angebracht werden.“
Ob dieser Beschluss des Augsburger Stadtrats umgesetzt und der weiter nicht beschriebene Brunnen sozusagen „um die Ecke gebracht“ wurde? Jedenfalls ist in der Philippine-Welser-Straße zumindest heute kein Brunnen bekannt. Die eher klassische Machart des erhaltenen Brunnen-Unterbaus passt vielleicht auch nicht so ganz zum Stil der Figur und könnte durchaus älter sein. Der gegenwärtige Stadtrat jedenfalls hat beschlossen, es dabei nun auch nicht zu belassen, sondern den Brunnen zu versetzen, dichter an die Kirche, wo er früher schon mal bestanden haben soll. Soll keiner sagen, dass Geschichte langweilig sei 🙂

Wie dem auch sei, zumindest die Figur des jungen Goldschmiedes wurde von dem Maler und Bildhauer Professor Hugo Kaufmann (1868-1919) aus Berlin Charlottenburg geschaffen, der aus Hessen stammte, aber öfter als Neffe der Stifterin bezeichnet wird. In der Regel fertigte er bei Brunnenanlagen jedoch nur die dafür vorgesehenen Skulpturen. Hugo Kaufmann hatte sich als Künstler in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg durchaus Ansehen erworben. Zu seinen renommierten Werken gehörten u.a. der Samariterbrunnen im Homburger Kurpark, die Personifizierung der „Kunst“ an der Münchner Ludwigsbrücke (für welche er 1904 sogar mit einer Professur belohnt wurde), „die Freiheit“ am Einheitsdenkmal von Frankfurt am Main, der Münchener Merkur-Brunnen oder aber sein „David“. Kaufmann hatte auch die fortan als Preis verliehene „Virchow-Medaille“ entworfen und schuf als Maler eine Reihe aufschlussreicher Genrebilder.
Nun aber zur Quizz-Frage: Wer hat Hugo Kaufmann für die Figur des jungen Goldschmieds Modell gestanden?

Spätestens bis zum 9. November 2012 sollten unsere aufmerksamen Leser diese Frage richtig beantwortet haben, andernfalls bleibt auch auch der Pokal-Halter vor dem Karstadt – Gebäude mehr oder midner ein mythologische Gestalt.

 

On November 9th, 1912 in Augsburg a new fountain was inaugurated at then St. Annaplatz. The fountain maybe existed some time earlier, however the figure on its top was new and sponsored by Sabine Bühler, widow of late Augsburg banker August Bühler, on his behalf as it is said. The figure by Berlin artist Hugo Kaufmann however is that of a juvenile who holds a cup (most of the time, several of the cups were stolen) honoring the goldsmiths of Augsburg. Maybe you know are a cupwinner and may tell us the right answer who actually was depicted by Hugo Kaufmann? So tell us before the 100th anniversary and win a price.


דער אָרט איז קאַרג

December 27, 2011


בייַ דער ייִדיש בייס – וילעם פון אַוגסבורג הויכפעלד עס זענען בלויז עטלעכע זעכציק שטעלן פֿאַר קברים. אין די לעצטע שנתיים, פילע עלטער אידן זענען געשטארבן, ווער זענען געווען 80 יארן אָדער עלטער. מער ווי 150 מענטשן, אָדער יעדער צענט חבר בקהילה אין אַוגסבורג איז עלטער ווי אַכציק יאר און נאָך פערציק אחוז זענען צווישן זעכציק און אַכציק יאר


רשמים של בית העלמין היהודי אוגסבורג

November 30, 2011

מדרום לעיר העתיקה של אוגסבורג בשכונת האוכפעלד יש בית הקברות היהודי

 


Samuel Steinfeld (1863-1933) jüdischer Kantor in Augsburg

November 13, 2011

Samuel ben Meir Steinfeld wurde am 6. Juli 1863 im hessischen Josbach (bei Marburg) geboren, wo Angehörige eine Matzen-Bäckerei betrieben. Seine Ausbildung zum Lehrer und Kantor erhielt er in Köln, in Meckenheim, Gailingen und Sinsheim die ersten Anstellungen. In Sinsheim heiratete er Cecilie Kahn mit der er sechs Töchter und einen Sohn hatte. 1890 erhielt er eine Anstellung als Hilfskantor in Karlsruhe. 1895 bewarb er sich um die Stelle des ersten Kantors bei der Israelitischen Gemeinde in der Wintergasse in Augsburg. Zuvor wurden immer wieder die „Zustände“ in der Augsburger Gemeinde Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen. So meldete die Zeitschrift „Der Israelit“ beispielsweise im Februar 1893, dass zu einem Gottesdienst am Montagmorgen keiner der beiden angestellten Kantoren erschienen war und spekulierte ob deren Fernbleiben mit einem Opernball am Vorabend zu tun haben oder einen anderen Grund haben könnte, da ihre Abwesenheit unerklärt blieb. Schließlich seien aber zwei ältere Herren für die Abwesenden eingesprungen, wovon der eine die Gebete vortrug und der andere die Lesung aus der Thora vorgenommen habe. Ein solcher Vorfall hatte in jener Zeit für eine jüdische Zeitung offenbar durchaus noch Nachrichtenwert, wenngleich die Schlussbemerkung der Kurznachricht dies auch bereits relativiert: „Ein Indifferentismus in religiösen Sachen, wie er hier existiert, ist nirgends anzutreffen. Wolle man die Missstände, die in religiöser Beziehung dahier herrschen, alle aufzählen, so bedürfte man dazu bedeutend mehr Raum, als im ‘Israelit’ zu Verfügung steht.”

Die Aufgabe des Kantors umfasste die Organisation der Gottesdienste, den Synagogen-Chor, den Religionsunterricht für die jüdischen Kinder der Gemeinde, wie auch für Konvertiten, die zum Judentum übertraten, schließlich auch die Betreuung der Armenkasse und die Funktion als Beschneider (Mohel). Zweifellos hatte Augsburg also Bedarf für einen verlässlichen neuen Kantor und Samuel Steinfeld, der aus sechzig Bewerbern ausgewählt wurde, entsprach offenbar den Vorstellungen und Ansprüchen und blieb sodann bis zu seinem Abschied im Jahre 1929 ganze 34 Jahre im Amt. Der Überlieferung nach war Samuel Steinfeld auch der erste der in Augsburg in der Synagoge elektrisches Licht anschaltete. In der Halderstraße war auch sein Wohnsitz gemeldet und er war unter der Augsburger Direktwahl mit der zweistelligen Telefonnummer „15“ zu erreichen, was darauf schließen läßt, dass er auch hier zu den Ersten in der Stadt gehörte.

Zu seinem Abschied vermeldete die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung“ (14/1929):

Am 1. Juli trat außer dem Bezirksrabbiner Dr. Grünfeld ein weiterer sehr verdienter Beamter der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg in den Ruhestand, Herr Oberkantor Samuel Steinfeld. Schon an dem Ehrenabend für Herrn Dr. Grünfeld hatte der erste Vorstand Herr Justizrat Dr. Eugen Strauß, bei der Betonung des guten Verhältnisses zwischen Rabbinat und Beamtenschaft auch des aus dem Amte scheidenden Oberkantors Steinfeld gedacht. Eingehend und gebührend gewürdigt aber wurden dessen Verdienste, namentlich um den Gottesdienst, in einem ehrenvollen Handschreiben der Kultusverwaltung, das insbesondere hervorhebt, dass der der nach 34jähriger arbeitsreicher Augsburger Amtstätigkeit in den Ruhestand tretende Beamte durch wundervolle Gestaltung des Gottesdienstes Erhebliches für die religiöse Befriedigung der Gemeindeangehörigen geleistet hat. Zum Zeichen des Dankes wurde gleichzeitig von der Verwaltung eine Ehrengabe übermittelt. Auch der Stadtrat Augsburg sandte ein sehr ehrendes Anerkennungsschreiben und betonte das gewissenhafte und erfolgreiche Wirken als Religionslehrer in der städtischen höheren Mädchenschule. Der Direktor dieser Schule, Herr Oberstudiendirektor Dr. Hermann, erfreute den scheidenden Beamten durch eine intime Feier im Lehrerzimmer und dankte demselben für seine ersprießliche Dienstleistung. Die Übergabe eines Erinnerungsgeschenkes des Lehrerkollegiums und die Dankworte des Gefeierten beschlossen die Feier. Die Schülerinnen erfreuten ihren Lehrer in der letzten Unterrichtsstunde durch ein sinniges Geschenk. Herr Hauptlehrer Rosenfeld (München) machte sich in seiner Eigenschaft als erster Vorstand des Israelitischen Lehrervereins für Bayern zu dessen Dolmetsch, und in gleicher Herzlichkeit brachten die Ortskollegen ihre Wünsche zum Ausdruck.

Bei dem Abschiedsgottesdienst am 29. Juni wurde Oberkantor Steinfeld als Erster aufgerufen und mit einem von Oberkantor Heimann verfassten und überaus wirkungsvoll vorgetragenen „Mischeberach“ beehrt. Mehrere Kompositionen des scheidenden Oberkantors, darunter eine sehr melodische „Keduschah“ werden seinen Namen mit der musikalischen Ausschmückung des Gottesdienstes verbunden halten.“

Die Auflistung der Ehrenbekundungen liest sich in ihrem Formalismus heute etwas eigenartig. Samuel Steinfeld starb am 13. März 1933. Die Grabrede für Steinfeld am jüdischen Friedhof im Stadtteil Hochfeld hielt Rabbiner Walter Jacob. Vier Tage zuvor hatten die Nationalsozialisten auch in Augsburg mit der Absetzung des 1929 gewählten Stadtrats das Rathaus übernommen und gewaltige Hakenkreuzfahnen aufgehängt. Diese sollten, wie Gauleiter Wahl abends bei einem Fackelzug der Nazis durch die Augsburger Innenstadt bekundete zeigen, dass nun „eine Neue Zeit angebrochen“ sei. Die politischen Verhältnisse brachten es mit sich, dass weder seine Frau noch eines seines Kinder in Augsburg blieben. Seine 1892 in Karlsruhe geborene Tochter Bianca, die zum Zeitpunkt seines Todes bei der St. Moritzkirche in der Maximilianstraße ein angesehenes Kaffeegeschäft betrieb, wanderte nach Israel aus, während ihre ältere Schwester Rosa 1942 in das „Durchgangslager“ Izbica deportiert wurde, von wo Gefangene in die Lager Belzec und Sobibor verschickt wurden. Hier verliert sich ihre Spur. Ihre Geschwister und Mutter emigrierten in die USA.

Steinfelds älteste am 29. September 1887 in Sinsheim geborene Tochter Martha studierte (wie später ihre jüngere Schwester Selma) ab 1906 in München Zahnmedizin und lernte dabei den aus Nürnberg stammenden Ernst Viktor Spitzer kennen. 1911, also vor hundert Jahren kam es in der heute regulär benutzten damaligen Hochzeitssynagoge in Augsburg deshalb auch zu einer wohl noch immer einzigartigen jüdischen Zahnarzt-Heirat. Die Trauung nahm Dr. Richard Grünfeld vor, während der Gottesdienst von Marthas Vater Samuel geleitet wurde. Die beiden Zahnärzte zogen jedoch nach Nürnberg, wo beide eigenständige Zahnarztpraxen betrieben. Aus der Ehe hervor gingen zwei Kinder, Tochter Helen und Sohn Helmut (1921-2007). In der Nazizeit emigrierte das Zahnarztehepaar nach Chicago, Illinois, wo Martha gemäß einer Todesanzeige im deutsch-jüdischen „Aufbau“ bereits am 10. Oktober 1946 verstarb.

 

(source: „Aufbau“, Friday 18th October 1946): Obituary for Dr- Martha Spitzer Steinfeld by her husband Dr Ernst Spitzer, son in law and daughter Jack and Ellen Sandmann, and then unmarried son Helmut R. Spitzer

Ebenfalls nach Chicago waren auch der am 8. September 1895 geborene Julius (Isaak) Steinfeld und seine Mutter Cecilie gekommen. Julius war 1922 zunächst nach Mannheim, wo er Medizin studierte und sich bald als Psychologe und Nervenarzt bald Ruhm und Ansehen erwarb. 1936 emigrierte er mit seinen verwandten über Frankreich in die Vereinigten Staaten. In Des Plaines, einem nördlichen Vorort von Chicago im Staate Illinois gründete er das Forest Sanatorium, in welchem auch seine Mutter bis zu ihrem Tod im Jahre 1950 bei ihm wohnte. Julius Steinfeld widmete sich vor allem der Schizophrenie, einem Bereich in dem er als Autorität geschätzt wurde, verfasste aber bereits 1927 fachliche Beiträge zur damals noch recht jungen Sexualforschung, zu einer Zeit als sich Kinsey noch mit Wespen beschäftigte.

Leider spielte Julius Steinfeld noch eine traurige (Neben-)Rolle in einem spektakulären Mordfall, der im Herbst 1955 Chicago und darüber hinaus die gesamte amerikanische Nation erschütterte. Damals hatten sich drei Jungen im Alter von 11 bis 13 Jahren an einem Sonntagnachmittag mit Erlaubnis ihrer Eltern zu einem Kinobesuch verabredet, von dem sie jedoch niemals mehr zurückkamen. Ihre später aufgefundenen Leichen ließen wenig Zweifel daran, dass es sich um Sexualverbrechen handelte. Anton Schuessler, 42jähriger Vater zweier der Opfer erlitt bei der Identifikation der Leichen seiner Söhne einen Nervenzusammenbruch und verlor den Lebensmut. Als er in den Folgetagen immer öfter Andeutungen über seinen Selbstmord machte, veranlasste seine Frau Eleanor Schuessler am 9. November seine Einlieferung in eine Nervenklinik, eben in jenes Forest Sanatorium and Rest Home in Des Plaines. Dr. Steinfeld befasste sich ausführlich mit seinem neuen Patienten, da sich jedoch keine Besserung seines Zustands ergab, verordnete er eine, damals durchaus gängige Behandlung durch Elektroschocks. Dabei starb der Patient jedoch, 26 Tage nach seinen Söhnen. Da der Mord an den drei Jungen unaufgeklärt blieb und noch lange Zeit bleiben sollte, wurde der Vater sozusagen als viertes Mordopfer aufgefasst. Flugblätter die in Chicago verteilt wurden hoben hervor, dass es ein jüdischer Arzt war, der den trauernden Vater ermordet habe und fragten, warum dem wohl so sei. Entsprechend wurden die ermordeten (katholischen) Kinder einem klassischen jüdischen Ritualmord-Komplott zugeschrieben, gedeckt von dem leitenden polizeilichen Ermittler Lohman, der ebenfalls Jude war und seitens der Stadtregierung die offenbar für angemessen gehaltene Ausschreitungen gegen „die anderen Juden“ fürchtete. Ärztekollegen, offenbar beeindruckt von dem Aufruhr den, das nach seinen Opfern „Peterson-Schuessler-Case“ benannte Verbrechen hervorrief, griffen Dr. Steinfeld in seiner ärztlichen Kompetenz an und deuteten den Zusammenbruch des Vaters vor der Einlieferung in seine Klinik als Herzanfall und unterstellten, dass er wissentlich einem Herzkranken Elektroschocks verabreicht habe und so dessen Tod bewirkt habe. Zwar ergaben die Krankheitsakten des Verstorbenen keinerlei Hinweise auf ein bekanntes Herzleiden, doch in der Fülle und Konsequenz der massiven Anschuldigungen, die mitunter offen ausgeprägte antisemitische Züge annahm, schloss Dr. Steinfeld seine Klinik und verließ kurz darauf Chicago und seine neue Wahlheimat. Er übersiedelte nach Zürich in die Schweiz, wo er wenig später ernüchtert und entkräftet 1956 verstarb. Der Mörder der Kinder Kenneth Hanson wurde erst 1994 ermittelt, als dieser längst wegen anderer Delikte – er hatte 1973 seinen Halbbruder ermordet – in Haft saß. Zur Tatzeit im Jahre 1955 war er 22 Jahre alt. 1995 wurde er zu weiteren 300 Jahren Haft verurteilt, starb aber bereits im Jahr 2007.

Fachpublikationen von Dr. Julius Steinfeld (1895-1956):

Julius Isaac Steinfeld: “Ein Beitrag zur Analyse der Sexualfunktion,”
Zeitschrift für die Gesamte Neurologie und Psychiatrie 107 (1927).

Julius Isaac Steinfeld: Therapeutic studies on psychotics;
a psychological and psychosomatic approach in four papers. [1st ed.] Des Plaines
, 111. [1951] 262 p

Julius Isaac Steinfeld-: Therapeutic studies on psychotics : a psychological and psychosomatic approach in four paper[s] / by Julius I. Steinfeld. (Des Plaines, Ill. : Forest Press, c1951) (page images at HathiTrust), 262 p. http://catalog.hathitrust.org/Record/001564476

Julius Isaac Steinfeld: A new approach to schizophrenia. (New York, Merlin Press, 1956), 195 p. http://catalog.hathitrust.org/Record/001565037

Literatur zum Mordfall in Chicago 1955:

James A. JackThree Boys Missing: The Tragedy That Exposed the Pedophilia Underworld, Chicago 2006

http://www.prairieghosts.com/spmurders.html

Samuel ben Meir Steinfeld (1863-1933) from 1895 until 1929 was cantor (chazan, חזן) of Augsburgs Jewish community and more than others influenced the appearance of Augsburgs Jewry in this time. He died a couple of days after the Nazis in Augsburg took over the townhall and flew their swastika flags within the city. Steinfeld was buried at the Hochfeld Cemetery in Augsburg, where his grave markers still exist. He had six daughters and a son. Daughter Rosa, mentioned at his grave marker was murdered in German occupied Poland, his wife and other children managed to ecape the Nazi. His son Julius (Isaak) however had to face US-American antisemites ten years after Hitler.