Gedenktage Augsburger Juden: 25. – 28. Januar

January 25, 2023

am 25. Januar:

1790 Tod von Klara Levi, aus Hohenems, 45 Jahre, gestorben an Fieber;

1842 Geburt von Mina Lämmle, n., gest. 1921;

1869 Tod von Julie Wilmersdörfer, n. Berend, Frau des Bankiers Joseph W., geb. 1834;

1873 Tod von Clara Levi, 73 Jahre alt;

1882 Tod von Karoline Frank, n. Strauss, geb. 1805;

1942 Tod von Oskar Lustig in Buchenwald, geb. 1896;

 

am 26. Januar:

1805 Tod von Josle Schwab aus München, geb. 1735;

1806 Geburt von Peppi Bachmann, n. Mayer, gest. 1870;

1837 Tod Moritz Bamberger, 69 Jahre alt;

1850 Geburt von Simon Farnbacher, gest. 1929;

1878 Tod von Jeanette Hirsch, n. Hechinger, geb. 1812;

1897 Geburt von Friedrich Dessauer, gest. 1962;

1929 Tod Abraham Hechinger, geb. 1851;

1940 Tod von Hedwig Oberdorfer, geb. 1876;

Abraham Hechinger (1875, 24 Jahre alt)

 

am 27. Januar:

1790 Tod David Wolf Wertheimer in Pfersee, 48 Jahre alt;

1826 Tod von Gela Gumperz aus Kriegshaber;

1843 Geburt von Gabriel Hausmann, gest. 1915;

1892 Geburt von Selma Stiel, n. Strauss, gest. 1931;

1936 Tod von Heinrich Obermayer, geb. 1878;

2008 Tod von Estera Fischel, n. Gutmann, geb. 1920;

 

am 28. Januar:

1806 Tod von Abraham Uhlfelder, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in München, beigesetzt am Friedhof Pfersee/Kriegshaber;

1856 Geburt von Fanni Oberndorf, n. Lang, gest. 1938;

1883 Geburt von Saly Heidelberger; 1942 ermordet;

1913 Geburt von Ernst Cramer in Augsburg, gest. 2010 in Berlin;

1922 Tod von Moritz Reis, geb. 1839;


Gedenktage Augsburger Juden: 17. und 18. Januar

January 16, 2023

am 17. Januar:

1701 Juda Moses Etthausen, aus Pfersee;

1748 Tod Baruch Israel Ginzburg, aus Kriegshaber;

1754 Tod von Marcus Mendl, 81 Jahre, aus Kriegshaber;

1816 Tod von Emma Reilinger, 46 Jahre alt, aus Schlipsheim;

1848 Geburt von Emma Bendel, n. Gunz, aus Fischach, gest. 1909;

1894 Tod von Leopold Hirschmann, geb. 1837;

1909 Tod von Max Goodman (Gutmann), geb. 1826;

1922 Tod von Roese Goldberg, n. Karfunkel, geb. 1849;

1849 Isaak Löb Kohn, aus Steppach, 77 J.;

 

am 18. Januar:

1738 Ze‘ev Baruch aus Wandsbek, 46 Jahre alt;

1838 Geburt von Ludwig Dann, gest. 1908;

1866 Tod von Jonas Steinhard 1866, gest. an Typhus;

1868 Geburt von Salomon Priester, gest. 1914;

1918 Tod von Rosa Schlossheimer, n. Berg, geb. 1854;

1930 Geburt von Boris Rapaport, gest. 2018;

1991 Tod von Hans Nathan Friedmann, geb. 1913;

2007 Tod von Khaim Shikhanovich, geb. 1915;


Gedenktage Augsburger Juden: 13. bis 16. Januar

January 13, 2023

am 13. Januar:

1805 Tod von Josef Zirndorfer, 50 Jahre alt, Rabbinersohn aus Ansbach;

1841 Tod von Fanny Pollak, 77 Jahre alt;

1845 Geburt von Helene Götz, n. Deller, gest. 1921;

1877 Tod von Hugo Kohn (Kind);

1889 Tod von Carl von Obermayer aus Kriegshaber; 78 Jahre alt; Bankier, Kunstmäzen, US-Konsul in Augsburg, Militärstratege, Kommandant der Augsburger Landwehr alter Ordnung, Gründer der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg;

1896 Tod Moritz Silberschmied, geb. 1824;

1913 Geburt von Hans Nathan Friedmann, gest. 1991;

1918 Tod von Gustav Neuburger, geb. 1870;

1938 Tod von Moritz Lang, geb. 1854;

1963 Geburt von Jakob Samoylovych;

am 14. Januar:

1856 Geburt Mina Thanhauser, n. Jacobi, gest. 1916;

1868 Geburt Nathan Lämmle, gest. 1933;

1876 Tod von Sigmund Schnell, geb. 1828;

1884 Geburt von Fritz Günzburger, gest. 1914;

1884 Geburt von Sofie Koncinsky, n. Deutsch, gest. 1929;

1894 Tod von Elias Binswanger, geb. 1846;

1899 Tod von Jakob Holzmann, geb. 1843;

1911 Tod von Regina Gunz, n. Bach, geb. 1836;

1944 Tod von Maria Bernheimer, n. Nathan, in Theresienstadt, geb. 1873;

am 15. Januar:

1817 Geburt von Regina Buttenwieser, n. Buttenwieser, gest. 1899;

1836 Geburt von Galie Kahn, n. Kahn, gest. 1911;

1863 Geburt von Flora Krailsheimer, n. Einstein, gest. 1910;

1873 Tod von Alfred Oberdorfer, Kind;

1899 Tod von David Bachmann, geb. 1826;

1942 Tod von Rosine Schlossberger, n. Bacher, geb. 1859;

am 16. Januar:

1870 Geburt von Therese Metzger, gest. 1935;

1846 Geburt von Philipp Rosenau, gest. 1914;

1940 Tod von Lina Aub, n. Rödelheimer, geb. 1872;

1934 Tod von Frieda Frank, geb. 1854;

1766 Tod von Naftali Hinz Ulmo, 61 Jahre alt;

1871 Tod von Karoline Bass, 66 Jahre alt:


Gedenktage Augsburger Juden: 5. bis 8. Januar

January 4, 2023

am 5. Januar:

1730 Tod von Rivke Kohn aus Stuttgart, im Alter von 66 Jahren;

1740 Tod des Flößers Mendel Schiffer im Alter von 38 Jahren. Er starb an Fieber, wie drei Tage vor ihm bereits seine 2jährige Tochter Dina.

1887 Geburt von Julius Weil, gest. 1947;

1889 Geburt von Carry Schnell, gest. 1934;

1915 Geburt von Gutel Lurie, gest. 1978;

1941 Tod von Betty Guggenheimer 1941, geb. 1863;

 

am 6. Januar:

1800 Geburt von Hinle Hinlein 1800, gest. 1885;

1817 Geburtstag von Mina Uhlmann, gest. 1906;

1844 Tod von Salman Feist;

1853 Geburt von Joseph Landauer 1853, gest. 1929;

1854 Tod von Sigmund Kohn 1854 im Alter von 32 Jahren;

1862 Geburt von Bernhard Schwarz 1862, gest. 1916;

1866 Geburt von Marie Strauß, n. Kohlmeier 1866, gest. 1938;

1898 Geburt von Leo Milz 1898, gest. 1984;

2004 Tod von Izrael Frydman, geb. 1916;

 

am 7. Januar:

1754 Tode von Trenle Lipman 1754 aus Fürth;

1744 Tod von Issachar Ber Levi im Alter von 77 Jahren;

1767 Tod von Abraham Josef Mendle in München. Der 1694 in Kriegshaber geborene Pferdezüchter war Lieferant der bayerischen Herzöge. 1742 stattete er mit seiner Unternehmung exklusiv die Kaiserkrönung von Karl VII. in Frankfurt am Main aus. Mendle wurde am jüdischen Friedhof Pfersee/ Kriegshaber bestattet.

Datei:Krönungswagen Karl VII.jpg – Wikipedia

(Krönungswagen von Kaiser Karl VII. 1742 in Frankfurt – wikipedia)

1815 Geburt von Rosine Löwenberg 1815, n. Heumann, gest. 1888;

1836 Geburt von Jette Rothschild, n. Götz, gest. 1875;

1838 Tod des Kriegshaber Metzgermeisters Isaak Untermayer im Alter von 77 Jahren. Sein Enkel Samuel gründete in den USA die Federal Reserve Bank.

1843 Geburt von Isaak Reiter, gest. 1916;

1866 Tod von Leopold Neumayer, im Alter von 74 Jahren;

1866 Tod von Moses Neumaier 1866 im Alter von 40 Jahren;

1866 Tod von Ludwig Neumayer, 55 Jahre alt.

1869 Geburt von Rosa Bollack aus Steppach, Caféhaus-Wirtin in Augsburg, 1941 von Nazi ermordet.

1910 Tod von Sofie Ulrich, n. Schwarz, geb. 1828;

1914 Tod von Abraham Schimmel, geb. 1843;

1928 Tod von Jakob Einstein, geb. 1857;

1929 Tod von Albert Heymann, geb. 1859;

1935 Tod von Lina Farnbacher, n. Springer, geb. 1863;

1948 Tod der ehemaligen KZ-Gefangenen Malcha Ragoza 1948 im Alter von 62 Jahren;

 

am 8. Januar:

1811 Geburtstag von Lazarus Heilbronner, gest. 1883

1834 Geburtstag von Julie Frau des Bankiers Joseph Wilmersdörffer, n. Berend, gest. 1869

1847 Geburtstag von Hermann Aufhäuser, gest. 1931;

1889 Geburtstag von Fritz Heymann, gest. 1919

1908 Tod von Bertha Neuburger, n. Neumeyer, geb. 1862;

1922 Geburtstag von Marianne Weil, 1943 in Auschwitz ermordet;

 


Vortrag zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Augsburg

November 11, 2022

Im Festsaal der Synagoge Augsburg, Halderstraße

Sonntag, 13. November 2022, 15 Uhr 30

Yehuda Shenef, “Die jüdischen Friedhöfe in Augsburg

zum Auftakt der “2. jüdischen Kulturwoche Schwaben” (Programm: https://dig-augsburg.de/wp-content/uploads/2022/11/Kulturwoche-Online-Programm-9-1.pdf )

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JUDEN in AICHACH

July 3, 2022

Es sprich viel dafür, dass es in Aichach im 14. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde gab. Zwei oder drei Personen sind namentlich bekannt, nach ihnen ist davon die Rede, dass in einem Jahr 5 Aichacher Juden nach Augsburg gebracht wurden, um dort am „Judenkirchhof“ vergraben zu werden. Die logischen Zusammenhänge ergeben wenigstens einen Zeitraum von 50 Jahren, in welchem es eine wie auch immer geartete jüdische Gemeinschaft in Aichach gegeben haben wird.

Spielstein mit Bar Kochba- Stern im Aichacher Stadt-Museum

 

Aichach gehört, obwohl östlich des Lechs, seit rund 40 Jahren zu Bayerisch-Schwaben. Im Mittelalter war Aichach (der Name bedeutet wörtlich „Eichenbach“ und hat daher eine Eiche im Wappen) bayerisch. Aus seiner Umgebung entstand das Herrscherhaus Wittelsbach, als die Grafen von Scheyern Anfang des 12. Jahrhunderts das Wittelsbacher Schloss gründeten. Auf der Anhöhe von Oberwittelsbach, das heute ebenso wie Unterwittelsbach zur Stadt Aichach gehört, finden sich spärliche Reste einer älteren Burg, die allerdings etwas jünger sein dürften.

Zu den bedeutenden Wittelsbacher Herrschern, die Bayern bis 1918 regierten, gehörte „Ludwig der Bayer“, der bis 1348 römischer Kaiser war. Kaiser Ludwig hatte bekanntlich viele Kontakte zur jüdischen Gemeinde im benachbarten Augsburg. Immer wieder benötigte er Geld für Feldzüge oder zur Finanzierung des Hofstaates und lieh sich daher beträchtliche Geldsummen von den Vertretern des Augsburger Judentums. Zu diesem Zweck gab der Wittelsbacher Kaiser München sogar seine Residenz als Pfand.

Mittelalterliche Augsburger Aufzeichnungen nennen Isaak von Aichach, der 136 bis 1369 als Steuerzahler vermerkt ist, einige Jahre später nennt dieselbe Quelle Moses von Aichach im Zeitrahmen 1377 – 1382. Die beiden können verwandt sein, müssen es aber nicht. Das bedeutet natürlich nicht, dass andere in Augsburg erwähnte Juden nicht auch aus Aichach stammten konnten, und es bedeutet auch nicht, dass alle Juden aus Aichach in Steuerakten oder Gemeindeurkunden genannt wurden. Allerdings deutet darauf hin, dass zumindest in dieser Zeit Juden aus Aichach in Augsburg lebten. Das Wittelsbacher Schloss wurde angeblich bereits 1209 zerstört – archäologische Forschungen haben keine Beweise – Aichach war jedoch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis 1384 auch Sitz des Deutschordens. Der offizielle Name lautet „Orden der Brüder des Deutschen Hauses St. Marien in Jerusalem“ (lat.: Ordo domus Sanctæ Mariæ Theutonicorum Hierosolymitanorum), was natürlich die Kreuzzugsgeschichte des Ordens unterstreicht. Offensichtlich waren die Juden in Aichach in gewisser Weise mit dem Orden verbunden. Vielleicht erklärten sie ihnen den Weg nach Jerusalem oder wie man einen Seder hält. Wir wissen nicht.

Etwa zur selben Zeit, um 138 ist in Ulm der Nürnberger Bürger Isak von Aichach notiert, dessen Tochter Henlin (wohl von Hanna/Chana) in Ulm mit Viflin, dem Sohn des Säcklin (von Zacharias/Secharja) verheiratet war. Der Brautvater Isak von Aichach wird nur im Zusammenhang mit einem (einzigen?) Geldgeschäft überliefert.

Kühbacher Bier

Intermezzo: Dem Verfasser dieser Zeilen wird damit klar, dass er, als er im Jahr 2003 einen rasch getilgten Kredit aufnahm, sich als Jude wohl sogleich auch seinen Platz in den lokalen Geschichtsbüchern gesichert haben dürfte. Das wesentliche ist damit ja nun wohl gesagt, der Rest nur bloße Zierrat.

Wie dem auch sei, kann es wohl sein, dass der Nürnberger Isaak von Aichach mit dem Augsburger Isaak von Aichach übereinstimmt. Wissen tun wir es nicht. Das trifft auch für die Vermutung zu, dass Moses von Aichach der Sohn des Isaak von Aichach gewesen sein könnte, Henlin in Ulm war vielleicht seine Schwester. Die Namensgleichheit spricht dafür, ansonsten nichts, aber auch weiter nichts dagegen. Isaak der in Augsburg bis 1369 registriert ist, könnte dann nach Nürnberg übergesiedelt sein, und nach 1877 heiratet dann Henlein, die Tochter des Isaak aus Aichach in Nürnberg ihren Viflin.

Was wir wissen, ist, dass beide Aichacher Juden, Isaak und Moses die insgesamt zwischen 1363 bis 1382 in Augsburg aktenkundig sind, mit Getreidehandel zu tun hatten. Das könnte dann auch mit Bierbrauen zu tun haben, einer Kunst, die talmudische Juden nach Mitteleuropa brachten.

Auch wenn nun nur 2 Juden in Aichach namentlich überliefert sind (oder: 3, falls es etwa zeitgleich 2 Männer namens Isaak aus Aichach gab), ist es doch offensichtlich, dass es eine jüdische Ansiedlung in Aichach gegeben haben muss.

Für das Jahr 1389 nämlich sind immerhin 5 Juden aus Aichach notiert, für die ein Wegzoll nach Augsburg beglichen werden musste, damit sie auf dem mittelalterlichen Augsburger Friedhof bestattet werden konnten, der damals „Judenkirchhof“ genannt wurde. Wenn es nicht gerade ein Massaker oder eine lokale Seuche war, spricht das unter normalen Umständen schon dafür, dass es eine beachtliche Gemeinde gegeben haben wird.

In Augsburg, wo heute etwa 1700 Juden leben sterben pro Jahr etwa 15 – 25 Personen. Das lässt sich sicher nicht übertragen auf Umstände im 14. Jahrhundert, wo wir (wenigstens: phasenweise) mit einer deutlich höheren Sterberate rechnen können, aber es zeigt doch eine gewisse erwartbare Größenordnung an, denn bei 50 Personen am Ort wären 5 Tote ja schon sehr gravierend.

Ilse Koch – Wikipedia (wikipedia)

Heute ist Aichach in der Region vor allem durch das Kennzeichenkürzel „AIC“ und durch das einzige Frauengefängnis Bayerns mit rund 440 Insassen bekannt, das 1908 eingerichtet wurde. Unter den Insassen des Gefängnisses war auch Ilse Koch, geb. 1906-1967) Ehefrau von Karl Koch, der nach seiner Einführung des KZ-Systems, im besetzten Norwegen Kommandant der Konzentrationslager Buchenwald und Majdanek (1941-43) … Ihr Mann wurde wegen seiner Verbrechen zum Tode verurteilt. Ilse Koch „die Bestie von Buchenwald“ beging 1967 im Aichacher Frauengefängnis (1909 das erste seiner Art in Bayern) Suizid.


1700 Jahre Geschichte der Juden in Deutschland … auch in Augsburg (Video-Vortrag)

October 13, 2021

VIDEO-VORTRAG im Hauptraum der Großen Augsburger SYNAGOGE an der Halderstraße anlässlich des Datums „1700 Jahre GESCHICHTE der JUDEN in DEUTSCHLAND … auch in AUGSBURG“ … ein kurzer Streifzug von der Antike über mittelalterliche Verhältnisse, die Rechte der Juden im Augsburger Stadtrecht von 1276, den Bau des Judenwalls 1298, die Ansiedlung in den (nord)westlichen, damals österreichischen Vororten bis zur Neuzeit und Gegenwart.


Für die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Augsburg-Schwaben gefilmt und bearbeitet von Vladyslav SHAYKHIT und Iryna KATS – Juli 2021


Radio Kanal C Augsburg

October 11, 2021

https://www.machdeinradio.de/radiobeitrag/juedisches-leben-in-augsburg-damals-und-heute/

>>Wie sah jüdisches Leben vor 1700 Jahren in Augsburg aus? Um dieser Frage nachzugehen, haben sich die beiden Kanal C-Redakteure Lukas Ulbrich und Fabian Kapfer auf den Weg in einen Park in die Augsburger Innenstadt gemacht. Dort wartete der Historiker Yehuda Shenef, der sich bereits seit Jahren mit der jüdischen Geschichte in der Fuggerstadt beschäftigt. Der Experte vom Jüdisch-Historischen-Vereins Augsburg, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, erzählt über die Rolle der Juden und informiert über die Berufe, die von ihnen ausgeübt wurden.

Das jüdische Leben in Augsburg lässt sich dabei bis in die Antike zurückverfolgen. Das belegen mehrere Funde, erklärt Shenef. Weiter geht er auf die Rechte der Juden der damaligen Zeit ein, die teilweise so gut waren, dass sie sogar denen des Klerus ähnelten. Somit waren auch die jüdischen Leben im Stadtleben gut integriert. Shenef lässt es sich dabei nicht nehmen, auch einige Klischees aus dem Weg zu räumen: „Die meisten Juden waren überwiegend Handwerker. Sie haben als Bäcker, Metzger, Schlosser oder Schneider gearbeitet.“ Außerdem sei die älteste Apotheke in Augsburg von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde betrieben worden, informiert der Historiker.

In der heutigen Zeit gibt es derweil einige Herausforderungen. Die antisemitisch-motivierten Straftaten nehmen in Deutschland seit einiger Zeit stetig zu. Den Juden werde daher von der Bundesregierung geraten, nicht mit der Kippa in der Öffentlichkeit aufzutreten. Ein bis zwei Polizeiautos „gehören zum Alltag dazu, wenn wir in die Synagoge gehen“, sagt Shenef. Anschläge, wie etwa in Halle, würden zur weiteren Aufrüstung der Sicherheitsmaßnahmen sorgen, erklärt der Historiker. Zudem seien öffentliche Auftritte von Juden ohne Personenschutz zum Teil nicht mehr möglich. „Es ist ein Stück weit zur Normalität geworden“, sagt Shenef.<<


Vor 150 Jahren: Eröffnung der Israelitischen Synode im Goldenen Saal des Augsburger Rathaus

July 11, 2021

(Yehuda Shenef)

Inzwischen längst vergessen und dennoch auf anderer Ebene wieder von anwachsender Aktualität: Auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 11. Juli 1871 wurde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses die Synode jüdischer Rabbiner und Gelehrter mit einem Festakt eröffnet. Ganz auf der Höhe der Zeit gab es sogar einen Austausch gegenseitiger telegraphischer Grußbotschaft mit dem auf Schloss Berg (am Starnberger See) weilenden „Märchenkönig“ Ludwig II. von Bayern.

Die Synode war nach Leipzig 1869 die zweite ihrer Art und die erste seit der Reichseinigung zum 1. Januar 1871. Die Tagung versammelte führende Rabbiner der sogenannten Reformbewegung zu einer einwöchigen Versammlung mit weitreichenden Beschlüssen, die zu erheblichen innerjüdischen Zerwürfnissen führte – bis hin zum Bruch.

Die Missbilligung aus den Reihen der damals noch überwiegenden Reihen des traditionellen Judentums wurde (schon im Vorfeld) sehr scharf und unmissverständlich formuliert. Doch selbst die schärfsten Kritiker fanden es durchaus bemerkenswert, dass der Magistrat der Stadt der Synode den ersten Saal der Stadt, den weithin gerühmten Goldenen Saal des altehrwürdigen Augsburger Rathauses für die Dauer einer Woche zur Verfügung stellte.

Die Synode wurde auch von der 1861 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde, prominent vertreten durch den Vorsitzenden Salomon Rosenbusch und den Rabbiner Jakob Hirschfeld (nebst weiteren Mitgliedern des Vorstands wie Max Obermayer) willkommen geheißen. Die Gemeinde sprach auch eine Einladung an die Teilnehmer zu einem Essen im Restaurant des Hotels „Zu den Drei Mohren“ aus, in unmittelbarer Nähe zur Synagoge, die sich seit wenigen Jahren in der benachbarten Wintergasse befand.

Königin Esther vor Ahaschverosch (Goldener Saal, Augsburger Rathaus)

Die öffentlichen Sitzungen im Goldenen Saal konnten auch von Interessierten, die sich in der Wintergasse Karten besorgten, besucht werden. Unter den Zuschauern befanden sich, Presseberichten zufolge auch viele christliche Geistliche. Aber auch sehr viele Journalisten aus dem gesamten Reich, dem europäischen Ausland, sogar ein Schreiber des „Herald“ aus New York wurde gesichtet.

Im Laufe der Synode schwand das öffentliche Interesse zunehmend, während die innerjüdischen Kontroversen an Schärfe zunahmen. Das lag vor allen an den während der Tagung eingebrachten und mehrheitlich angenommenen Anträgen, welche auch eine Reihe der regulären Teilnehmer der Konferenz gegen selbige aufbrachten. Beschlossen wurde beispielsweise, dass Kohanim, also Nachkommen jüdischer Priester nunmehr auch Proselytinnen heiraten durften – was von Kritikern verglichen wurde mit katholischen Priestern die heiraten dürften. Eher banal war die Einführung von zwei Eheringen für Bräutigam und Braut, wo es zuvor nur einen Ring für die Braut gab. Als skandalös wurde freilich das Votum empfunden, künftig am Trauer- und Fastentag des 9. Aw heiraten zu dürfen. Am diesem schwarzen Schicksalstag des Judentums gedenken Juden in einem 25-stündigem Fasten (ohne Essen, Trinken, etc.) mit Trauergebeten und Klageliedern der Zerstörung der biblischen Tempel und weiterer nationaler Katastrophen. An diesem Tag nun absichtlich Hochzeiten zu feiern, wäre so als würden Christen dies am ausdrücklich am Karfreitag tun. Bis heute definitiv tabu. Das Präsidium der Synode jedoch sprach im Namen eines reichen Berliner für den Ende des Monats sogar für alle Teilnehmer der Synode eine Einladung zu einer Hochzeit aus. Dies fügte der Verletzung des traditionellen Gefühls auch noch den Argwohn hinzu, dass die Teilnehmer wegen einer persönlichen Vorteilsnahme zugestimmt haben könnten.

Die Stimmung kippte

Während der Sitzungswoche war die Führung der Augsburger Israelitischen Kultusgemeinde durch Proteste der eigenen Gemeindemitglieder gezwungen worden, ihre Haltung gegenüber der Synode zu revidieren. Der Rabbiner der Gemeinde, der aber weiterhin an der Synode teilnehmen wollte, wurde fristlos entlassen. Auch den weiteren Teilnehmern wurde der Besuch der Synagoge in der Wintergasse verweigert.

Zum Abschluss der Augsburger Synode wurde in wesentlichen Publikationen des deutschen Judentums eine von 133 Rabbinern unterschriebene Erklärung veröffentlicht, die dazu aufforderte alle verbliebenen Teilnehmer zu bannen, zu kündigen, Anstellungen zu verweigern, usw.

Beigefügt waren die Namen aller zu bannenden Personen wie auch der 133 Rabbiner, welchen den Bann namentlich unterstützten. Gebannt wurde auch Jakob Hirschfeld, der zeitlebens keine Anstellung mehr als Rabbiner mehr fand und in Wien mit seiner Frau ein Dasein als Musiklehrer fristete. Den Aufruf unterschrieben auch alle seine bisherigen schwäbischen Kollegen:

Rabbi Simon Bamberger, Distriktrabbiner in Fischach

Rabbi Dr. Lazarus Löb, Ichenhausen (ab 1873 in Altona)

Rabbi Chaim Schwarz, Hürben (Krumbach)

Rabbi Jonas Sänger, Buttenwiesen

Rabbi David Weiskopf, Wallerstein

… schließlich auch Rabbi Isaak Skutsch, Distriktrabbiner in Treuchtlingen, der aus Kriegshaber und aus einer dortigen Rabbiner-Dynastie stammte.

Sie alle unterstützten einhellig die Verurteilung der „Skandal-Synode“ und die Bannung ihrer Teilnehmer.

So viel damals in der Tages- und Wochenpresse über die „Augsburger Synode“ geschrieben und gestritten wurde, sobald wurde ihre Bedeutung relativiert und nach nur einer Generation vergessen. Heute ist das Datum wie auch der Streit fast vergessen. Das liegt natürlich auch daran, dass hierzulande Geschichte und Gegenwart des Judentums fast vollständig vom „Holocaust“, von der Schoah überschattet werden – auch im 1700er-Jubeljahr … – aber auch daran, dass sich der Konflikt zwischen Traditionalisten und Reformern verlagert hat. Zum einem in die USA, der heutigen Hochburg der „liberalen“ Juden, zum anderen nach Israel, wo Tradition und „Orthodoxie“ den Ton angeben. Eine Polarität die sich immer mehr auch politisch artikuliert und erhebliches Gefahrenpotential für das weltweite Judentum beinhaltet.

Der Israelitischen Synode des Jahres 1871 im Goldenen Saal zu Augsburg gewidmet ist ein eigenes viele Details und Portraits wesentlicher Protagonisten versammelndes spannendes Buch des Schreibers, dass noch im August dieses Jahres erscheinen wird.


Pirke Awot – Die Weisheit der Väter

May 28, 2021

Die Weisheit der Väter: Pirke Awot hebräisch und deutsch, mit Kurzbiographien der zitierten Mischna-Gelehrten

Yehuda Shenef

Taschenbuch : 184 Seiten, 17 x 17 cm

ISBN-13 : 978-3753435473

Druckfrisch erhältlich im Buchhandel oder online bestellbar