Das jüdische Kriegshaber

January 17, 2007

Die jüdische Geschichte von Kriegshaber, einem vor knapp 90 Jahren (1916) eingemeindeten Stadtteil im Norden von Augsburg umfasst ein halbes Jahrtausend. Erhaltene Belege datieren die Ansiedlung von Juden entlang der Handelsstraße von Augsburg nach Ulm in die Mitte des 16. Jahrhunderts, wobei die tatsächliche Präsenz freilich in die Zeit der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde zurückreicht, die nach 1450 aufgelöst wurde.

torah-parochet-kriegshaber-1723-made-by-elkana-schatz-naumberg-of-furth-147-x-249-cm-geschenk-derTora parochet from Kriegshaber (1723) at Israel Museum in Jerusalem, Israel

Die jüdische Gemeinde entablierte sich entlang der Hauptstraße des Straßendorfes Kriegshaber, das seinen Wohlstand der Entwicklung der jüdischen Viehbauern, Pferdezüchter und landwirtschaftlichen Produktion verdankte. Bis in das frühe 19. Jahrhundert war die Mehrheit der Bevölkerung jüdisch geprägt, weshalb sich erst in den 1860er Jahren eine christliche Kirchengemeinde bildete.

kriegshaber-gieseckestrehem. jüdisches Haus an der Gieseckestraße

Zu den berühmten Familien vor Ort zählten Nachkommen und Nebenlinien des Ulmo-Günzburg-Clans der Zweige Ullmann, Mendle, Obermayer, Untermayer, Oberdorfer, Günzburger, Dick, Mayer, sowie der mit dem berühmten Physiker (über die gemeinsame Herkunft aus Buchau) verwandten Einsteins, die im wesentlichen Vieh- und Pferdezüchter oder Metzger waren, von denen einige zu fürstlichen, königlichen und kaiserlichen Hoflieferanten aufstiegen.

synagoge-kriegshaberformer Kriegshaber synagogue at Ulmerstr. (in May 2005)

Die frühere Hauptstraße heißt heute Ulmerstraße und war zwischen Marstaller Hof und dem Zeughaus in früheren Zeiten komplett jüdisch. Heute erinnert daran allenfalls die Seit Jahrzehnten unbenutzte verfallende ehemalige Synagoge und der gleichfalls vernachlässigte, durch üppigen Wildwuchs dem Verfall überlassenen alten Friedhof an der Hooverstr. (früher: Hummelstraße), der zusammen mit den den Gemeinden von Pfersee und Steppach in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges gegründet wurde.

juedischer-friedhof-tafel-kriegshaberWidmungstafel am Kriegshaber Friedhof (Dezember 2004)

Nachdem Kriegshaber wie auch Augsburg nach 1805 bayerisch wurden, zogen viele Kriegshaber Juden nach Augsburg. Anders als die Gemeinden von Steppach, Schlipsheim und Pfersee, die sich in den 1870er Jahren auflösten, konnte sich die Kriegshaber Gemeinde, die bis 1875 den Vorsitz im schwäbischen Distrikt hatte, bis zur Nazi-Zeit als “orthodoxe” Gemeinde behaupten.

In der Nachkriegszeit wurde die Synagoge bis etwa 1951 von amerikanischen Soldaten und KZ-Überlebenden als Gebetshaus benutzt. Auch am Friedhof wurden bis in die frühen 1950er Jahre Überlebende des “Holocausts” bestattet.

Die Zukunft der ehemaligen Synagoge ist derzeit so ungewiss wie die des Friedhofs. Der JHVA will sich in der Zukunft jedoch ausdrücklich für den Erhalt und für die weitere Nutzung beider Einrichtungen einsetzen, im ursprünglichen Sinne, wie sich von selbst versteht.

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Formalitäten

January 3, 2007

Es gibt drei erfreuliche Neuigkeiten zu vermelden:

1. JHVA wurde am 17.12.2006 in Augsburg informell begründet und hat inzwischen bereits 11 Mitglieder.

2. Es gibt nun eine postalische Anschrift, nämlich

JHVA, Postfach 11 10 21 – 86035 Augsburg.

3. JVA verfügt nun über ein eigenes Bank- und Spendenkonto: Die Nummer lautet

21 74 570 bei der Augusta Bank Augsburg (BLZ 7209000).

Damit haben wir eine gute Grundlage für die weitere Arbeit im eben beginnenden Jahr 2007.  🙂


Jewish Historical Society of Augsburg

January 1, 2007

Jewish Historical Society of Augsburg Thematic priority, topics, aims and purpose of the Society are the study and promotion of Jewish History in Augsburg and its surrounding area, its description and insemination, documentation of Augsburg 3 Jewish cemeteries: at the Judenwall, at Kriegshaber and the cemetery in Haunstetten Str. The Society’s endeavor is to inform and elucidate by guided historical city tours and publications. These goals are to be realized through– Documentation, protection of trails and spoors and accounting for historical sources and locationsOrganization and conducting of lectures, discussion circles, courses and city guidance for the public, e.g. lectures at schools, adult evening classes, as well as social research, inquiries, documentation, etc. 

 

 

Work up of local Jewish history towards the large congregation of Jewish immigrants from the states of the CIS, which represent today the vast majority among the Jewish municipalities in Germany – and so also in Augsburg -, with which an important contribution is to be made for their local integration. Only one, who knows local history and tradition, will be able to feel domestic and home and will understand himself as its element and finally will take roots.

 

– Arrangement of trips to neighboring former Jewish communities in the surrounding countryside of Augsburg

 

Hosting of artistic competitions (painting, plastics, poems, essays) etc. together with exhibitions.

 

Public relation work, representation in electronic media, in order to wake and deepen historical consciousness for Jewish history and to allow its re-experience on the basis of local occurrences and incidents. This will be provided also in other languages, as for instance, English, French or Russian.

 

– Publication of an appearing regular society magazine for documentation and to render an account of the society’s activities.

 

Publications to local Jewish history, art and culture in past and present

 

– Events and meetings along the religious Jewish year, for the experience of the religious and cultural Jewish, as for instance shabbes celebrations, music and theatre evenings, readings, and the like

Participation “Bürgerfest” in Augsburg

 

 – Cooperation with other associations, societies and organizations