Bürgermeisterwahl in Augsburg 2014

March 14, 2014

Umfrage zur Stadtrat und OB-Wahl in Augsburg am 16. März 2014 am Purim

Wer soll OB in Augsburg sein, Haman oder Mordechai?”OB Wahl Augsburg 2014 RathausOB-Wahl 2014: Unscharfe Prognosen: alles ist möglich

Da der JHVA derzeit damit befasst ist, statistische Erhebungen und Umfragen zu erproben, bot es sich zum Test an, in der Innenstadt und in den Stadteilen (daruner Oberhausen, Kriegshaber, Pfersee, Lechhausen, Göggingen, Hochfeld) Augschburger danach zu fragen, ob sie am Sonntag bei der OB- und Stadtrat-Wahl wählen wollen und wen.

Mit den Methoden der kommerziellen Wissenschaften können wir vom Aufwand schon nicht mithalten, fragten also auch nicht groß herum nach Herkunft, Alter, Religion, Lieblingsfarbe,  auch nicht nach Hoeneß und Putin oder nach dem Grund für die ungewöhnliche Beliebtheit von Bibi Netanjahu unter jungen Deutschen.

Fazit: ein Geheimrezept gibt es nicht, aber zumindest haben wir ein Ergebnis, das vorab veröffentlicht, auf die Genauigkeit hin überprüft werden kann. Und nur so macht es zumindest Spaß. Wir sind keine Experten, die alles behauptet haben und deshalb recht haben.

In der Zeit vom 9. – 13. März 2014 wurden (vormittags und abends) 271 Leute befragt, davon 130 Leuter und 141 Leutinnen. Das entspricht etwa 0.1 % der Augsburger Wohnbevölkerung.

Alle bewerteten Personen gaben an über 18 zu sein und in Augsburg wahlberechtigt. Das wurde in keinem Fall nachgeprüft, aber einige der befragten Leute sind uns aber (auch als Augsburger) bekannt.

Stolperstein Augsburgüberall: Stolpersteine in Augsburg

Zur Stimmung: Nur wenige rechnen mit etwas Spannenden, viele sind genervt von den Bauarbeiten überall, die sich über Jahre hinziehen und gesundheits- und geschäftsschädigend sind. Beklagt wird besonders auch das Aussterben der Innenstadt, der Läden und Lokale, dass beworbene Marken gewachsene Identitäten verdrängen, aber auch Alte und Familien „verschwinden“. Aber das war vor allem Nebenbeigeschimpfe, für das Schwaben ja bekannt sind. Danach gefragt haben wir nicht. Auch nicht nach den angeblich vielen “Ausländern”, die auf den Plakaten wären. Da genügte in der Regel die Gegenfrage: “Was haben Sie gegen Ausländer auf Plakaten?” Auf Jüdisches wurden wir übrigens von exakt niemanden angesprochen.

Die Ergebnisse:

1. Wahlbeteiligung: 185 der Befragten 271 gaben an, dass sie wählen werden oder haben das schon getan, das ergibt 68 Prozent. Recht hoch ist der Anteil derjenigen, die bereits per Briefwahl abgestimmt haben, nämlich 47 (= ¼ der 185)

2. OB-Wahl: Es gibt eine Stichwahl

Den amtierenden OB Kurt Gribl (CSU) wollen „nur“ 42 % (77), Stefan Kiefer (SPD) hingegen 52 (= 28 %), der damit sein Kontrahent in der Stichwahl wird. Auf den folgenden Plätzen finden sich Peter Grab (Pro) und Rainer Erben (Grüne) mit je 7 %, gefolgt von Volker Schafitel (Freie Wähler) mit 5 % der Stimmen. Auf 4 % kommt Süßmaier von der Linkspartei, 2 Wähler nannten auch noch Pettinger von der ÖDP, was 1 % entspricht. Die anderen Kandidaten nannte bei uns niemand.

Favorit für eine Stichwahl wäre wohl Kurt Gribl, zumindest erwarteten 3 von 4 Befragten dass er OB bleiben wird und es nicht zur Stichwahl kommt. Selber wählen wollen sie ihn aber eher nicht. Jedoch gilt sein weitgehend unbekannter Herausforderer von der SPD als „Langweiler“, bzw. wie ein Befragter scherzhaft (?) meinte: „des is bestenfalls a Unterkiefer“. Be it as it may

3. Stadt-Rat: Da es möglich ist, Personen mehrerer Parteien verteilt zu wählen, ließ sich nur nach Partei-Präferenzen fragen. Einzelne Personen sind deutlich bekannter und beliebter als ihre Parteien.

CSU: 35 %, CSM 5 %, PRO 5 %  (= 45 %)

SPD: 30 %, Grüne 10 %, Linke 5 % (= 45 %)

FW: 5 %, AfD 2 %, ÖDP 1 %, FDP 1, WG 1 (= 10 %)

Welche Stadtregierung das ergeben könnte, sollen Experten beurteilen.

Ohnehin: erst am Sonntag-Abend wird sich herausstellen, wie genau unsere erste Wählerbefragung war. Falls es glatt danebenliegt, wäre es kein Malheur, da die Kosten sich auf 8.17 Euro für Verpflegung beliefen.

 Wander-Denkmal Stadtmarkt Augsburg Denkmal für Augsburg, mal dort, mal dort aufgestellt.

There are mayoral elections in Augsburg (and other towns and commnunities in Bavaria). Incumbent mayor Kurt Gribl (the Middle High German term gribl actually means “undertaker”) is favorit against his contender Stefan Kiefer (the term may be understood as “jaw (bone)” or as “pine”(tree) – but it is not known which explanation he leans towards). Well known also is Peter Grab (yes, the name means “grave”), 3rd mayor of the “Pro Augsburg” group (however there is no “contra Augsburg”  party in the race of course). So you may gues whether the undertaker finds a jaw in the grave or so …

Since the local media was reluctant to provide public poll data, the JHVA board decided to do an own study during the week.Our poll of course is no academic study but it surveys 0.1 % of the population of Augsburg and we will see if the findings make sense or not.

Since on election day also is Purim the puzzling question likely was: “WHO you want to be mayor of Augsburg the next SIX years? MORDECHAI or HAMAN ..?” But noone cares for Jewish festivals here, so we did not ask.

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Der Paul Ben Haim Weg

January 7, 2014

Pual Frankenburger wurde 1897 in München geboren, wo er auch Musik studierte.

In Augsburg war er von 1924 bis 1931 Kappellmeister am Stadttheater. 1933 wanderte er nach Israel aus und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1984. Bereits 1957 wurde er mit dem פרס ישראל ausgezeichnet. Ben Haim zählt zu den bedeutenderen kalssischen Komponisten des 20. Jahrhunderts und prägte Generationen von anderen Komponisten und Musikern. Im Juli 2010 widmete man ihm in Augsburg an der Wertachbrücke vor der Ulmer Straße einen Weg oberhalb des Wertach-Ufers. Auch in Israel wurden Straßen nach ihm benannt, u.a. in Tel Aviv (nahe Ramat HaSharon), aber auch in Beer Schewa und Rischon Le Zion.

Paul Ben Haim Weg Augsburg Oberhausen WertachDer Paul Ben Haim Weg an der Wertach-Brücke bei Oberhausen

 

Drei Lieder ohne Worte / Three Songs Without Words

Paul-Ben-Haim-Weg Oberhausen Augsburg

  


Jumping the shark

January 1, 2014

Oberhausen Shark Hospital JosefinumShark in Hospital Auxburg Oberhausen

Augsburg Oberhausen Josefinum, Kirche, Rathaus, SchuleÜberreste des alten Oberhausen mit dem historischen Rathaus (Mitte vorn)


„Marsch des Lebens“ in Kriegshaber (Augsburg)

October 21, 2013

Marsch des Lebens Kriegshaber AugsburgDemonstrationszug “Marsch des Lebens” in Kriegshaber mit “Motto”

Marsch des Lebens Kriegshaber Synagoge Polizei“Marsch des Lebens”: schweigend in 4er-Reihen, Polizei vorne weg

Synagoge Kriegshaber Marsch des Lebens 2013entlang am künftigen Museum

Am gestrigen Sonntag versammelten sich im Augsburger Stadtteil Kriegshaber vor dem alten Marstaller Hof (heute: Rock-Cafe) etwa 200 überwiegend ältere Personen, um an einem sog. „Marsch des Lebens“ entlang der Ulmer Straße teilzunehmen. Zur Veranstaltung aufgerufen hatten ein „Christliches Integrationszentrum Augsburg e.V.“  (ciz-augsburg.de), sowie der „Israel-Kreis Augsburg/ Christen an der Seite Israels“. Erschienen waren aber auch Vertreter anderer lokaler Organisationen, wie etwa Dr. Harald Munding von der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (vvn-augsburg.de) , Dr. Dieter Münker von der DIG (dig-augsburg.de) oder Dr. Christian Kreikle von der SPD-Kriegshaber (spd-kriegshaber.de). Unter den Teilnehmern befanden sich auch viele russischsprachige Angehörige der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg, darunter auch Marjan Abramovitsch vom Kulturzentrum der IKG (ikg-augsburg.com). Zum besseren Verständnis für die zahlreichen russischsprachigen Teilnehmer wurden die eingehenden Reden und Instruktionen auf Russisch übersetzt. So auch die Anweisung, in Viererreihen schweigend vom Versammlungsort Richtung Oberhausener Bahnhof zu gehen. Einige wenige Teilnehmer trugen Kippot offenbar, um eine jüdische Herkunft anzuzeigen), andere hatten kleine und große Flaggen des Staates Israel und sogar der Stadt Jerusalem mit sich. Der Zug wurde von einem im Schritttempo fahrenden Polizeiwagen (mit Blaulicht, aber ohne Sirene) angeführt und von zahlreichen Ordnern und einigen Polizisten flankiert. Auf diese Weise führte der Zug vorbei an der ehemaligen Synagoge und der früheren Siedlung der österreichischen, später bayerischen Juden, vorbei an den früheren Michel-Werken, deren Zwangsarbeiter man eigentlich gedenken wollte, … bis zu den alten KUKA-Werken, wo der Demonstrationszug endete und im Versammlungssaal der ansässigen Thaddäus-Kirche mündete.

Marsch des Lebens Ansprachen Kriegshaber

Marsch des Lebens Kriegshaber Ulmerstraße

  Demonstration entlang der Häuser der früheren jüdischen Siedlung

Kriegshaber Zollhaus Marsch des Lebensvorbei am ehemaligen Zollhaus Kriegshaber

Marsch des Lebens Michel-Werkeschweigend vorbei an den Michel-Werken (Ulmer Straße 160)

Marsch des Lebens Augsburg Kriegshaber

Reese Park Kriegshaber Marsch des Lebensbeim “Reese Park” Kriegshaber

Marsch des Lebens Kriegshaber KUKA Keller und KnappichMaschinenfabrik Keller und Knappich (KUKA) ehemals Oberhausen

Kriegshaber Marsch des Lebens KUKA BüchereiKUKA; Stadtteilbücherei Kriegshaber

Kriegshaber Bürgerbüro Stadtteilbücherei 2013 Marsch des Lebens KUKANeu in Kriegshaber: Bürgerbüro und Stadtteilbücherei in der Alten KUKA Halle

Marsch des Lebens Kriegshaber St. Thaddäus OrdnerEnde des Demonstrationzugs bei St. Thaddäus Kriegshaber

Marsch des Lebens St Thaddäus Sitzung KriegshaberEntschuldigung im Pfarrsaal des St. Thaddäus, Kriegshaber

Ein kurzer Blick ins Innere zeigte einen fast überfüllten Versammlungssaal und einer Anzahl von Veranstaltern vor einer mit Israel-Fahnen und veranstaltungslogo geschmückten kargen Bühne. Es sprach gerade eine junge Deutsche, die sagte, dass ihr Großvater „bei der SS“ gewesen sei, wofür sie „von ganzem Herzen um Vergebung bitten“ wolle. Das tat sie dann auch, Halbsatz für Halbsatz dramatisch ins Russische übersetzt: „Wir können das nicht ungeschehen machen, … was passiert ist, aber wir können versuchen die Worte zu finden, … die unsere Großväter nicht gefunden haben.“ Das musste aufschlussreich genug sein, da die Ordner dem Schreiber eine eigenständige Anwesenheit im Zugangsbereich nicht ermöglichten, weshalb dieser sich kurzerhand dazu entschloss, es eben dabei zu belassen.

Dachau KZ Außenlager Kriegshaber info

Gegen das Verschweigen: Info des VVN zum KZ Außenlager in der Ulmer Straße 160

Israel Demo Marsch des Lebens Kriegshaber

Marian AbramowitschKulturreferent der der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg Marjan Abramowitsch

Die Idee zu den Märschen stammt offenbar aus den USA, vom rund um dem „Jom ha-Schoa“ Anfang April dieses Jahres in etwa 40 Städten der USA (darunter NYC, Houston, Dallas, aber auch in der Augsburger Partnerstadt Dayton/ Ohio) sog. March of Remembrance  veranstaltet wurden mit der Absicht einerseits dem „Mord an sechs Millionen Juden“ zu gedenken, als auch „ein klares Zeichen zu setzen für Israel“ und „gegen den Antisemitismus unserer Zeit“. Dazu gibt es dann zeitgemäß natürlich auch eine facebook-Seite (mit aktuell 542 „Likes“ und dem Motto „for Zion’s sake I will not be silent, Is. 62:1), auf der man Infos lesen kann, wie z.B. „it was Hugo Boss who made the uniforms oft he Nazis“ oder das Paul McCartney Morddrohungen von Israel-Boykott-Aktivisten erhielt: „They threatened to kill me if I played in Israel. I got death threats, but I am coming anyway.“ Wie er sollen sich auch weitere „Stars“ wie Deep Purple, Rihanna oder Madonna haben einschüchtern lassen.  

Sicherlich ist es bemerkenswert, wenn sich in Augsburg eine größere Zahl von Menschen, vom Kinderwagenkind bis zum Gehstock-Nutzer einem mit Israel-Fahnen geschmückten Zug auf den Weg macht und dabei eine Straße passiert, die einst der ganz überwiegend von Juden gestaltete und bewohnte Ortskern der ehemals österreichischen Dorfs ausmachte. Das ergab wenigstens interessante Foto-Motive. Ansonsten lässt sich über einen Schweigemarsch nicht viel mehr sagen, außer dass er noch sparsamer ist, als die oft bekrittelten Twitter-Tweeds.

Marsch des Lebens Kriegshaber Augsburg Israel

Über die Geschichte der Juden in Kriegshaber gibt es viel zu erzählen. Sie umfasste Jahrhunderte und wirkt bis heute weit über die damaligen und heutigen Grenzen hinaus. Personen, die sich bereitwillig „zweisprachig schweigend“ in Viererkolonnen aufreihen lassen lässt sich das nicht vermitteln. Sie sind offenkundig in erster Linie mit sich selbst beschäftigt, aber zweifellos auch bereit sich die Taten ihrer Ahnen zu verzeihen. Was eigentlich? Der fast übergangene Fakt, dass es mit den Michel-Werken und KUKA entlang der Strecke zwei Firmen gegeben haben soll, die etwa fünfhundert jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn beschäftigten – woran nicht mal eine Tafel erinnert?

Die Kriegshaber Juden, die hier ein halbes Jahrtausend lebten, haben damit so viel zu tun wie mit Israel und Jerusalem-Fahnen. Nichts.

Kriegshaber Marsch des Lebens Ordner Polizei


Rathaus von Oberhausen bei Augsburg aus dem Jahr 1602

July 3, 2013

Geht es darum, das Alter des historischen Rathauses von Oberhausen zu taxieren, so wurde bislang – auch von unserer Seite – eher grob geschätzt. Da am alten Gasthof nebendran (wo heute das “Absolut” beheimatet ist) eine Tafel die Jahreszahl 1720 zu lesen ist, musste man annehmen, dass das Rathaus wohl eben “etwas älter” sein musste. Eine alte Abbildung die etwa auf das Jahr 1650 datiert wird, zeigt das Rathaus in seiner früheren Fassade:

Hauptstraße Oberhausen bei Augsburg um 1650 mit Rathaus

Das Rathaus in der Bildmitte verfügt damals bereits über die heute noch vorhandenen Etagen. Interessant auf der Hauptstraße ist neben dem Abwasserkanal noch die in der Mitte zwischen Rathaus und Hügel direkt beim damaligen Vogthaus befindliche Barriere. die den Zutritt zum Ort markiert und möglicherweise auch zur Markierung als Eruv benutzt werden konnte.

In den 1825 in Augsburg gedruckten “Denkwürdigkeiten des Oberdonau-Kreises” erwähnt der aus dem zu seiner Geburt noch vorderösterreichischen Freiburg im Breisgau stammende Altertumsforscher und Mitbegründer des Römischen Museums in Augsburg und Ideengeber des (späteren) Historischen Vereins in Schwaben Johann Nepomuk Franz Anton von Raiser (1768-1853) beiläufig, dass im (Juli) 1602 eine ehemalige, nun eingetauschte Sölde zum Amtshaus in Oberhausen wurde:

Oberhausen Rathaus 1602 Amtshaus

Johann Nepomuk von Raiser:  Denkwürdigkeiten des Oberdonau-Kreises, Augsburg 1825, S. 101

Aus von Raisers Aussage ergibt sich für die Einrichtung des Amtshauses von Oberhausen an der Wertach der Sommer 1602 als diverse Besitzungen in Oberhausen gegen andere auswärtige getauscht wurden und im Haus an der Sölde das Amtshaus eingerichtet wurde. Daraus ergibt sich abgesehen davon, dass der Kern des Hauses natürlich noch älter ist und es sicher vom Söldhaus zum Amtshaus erweitert worden sein wird, ein Alter von heute wenigstens 411 Jahren. Damit ist das Oberhausener Rathaus übrigens älter als das Augsburger. Interessant ist vielleicht auch, dass dessen Baumeister Elias Holl, der im Vorjahr von seinen Studien aus Italien zurückkehrte 1602 als Baumeister in Augsburg angestellt wurde, als große Teile Oberhausens in den Besitz Augsburge Bürger ging. Ob Elias Holl auch Oberhausener Rathaus tätig war, ist nicht bekannt, aber villeicht nicht auszuschließen. Belegt ist jedoch, dass er 1619 den Kirchturm von Peter Paul gleich neben dem Rathaus errichtete.

Augsburg Oberhausen Altes Rathaus - Chana Tausenfels


Impressions from Augsburg Oberhausen

July 2, 2013

Augsburg Oberhausen Altes Rathaus 2013

400 year old town hall of Oberhausen at Wertach (Augsburg) next to the historical brewery inn from 1720

Augsburg Oberhausen alter Braugasthof neben Rathaus

Augsburg Oberhausen Altes Rathaus TreppengeländerTreppe im Alten Rathaus von Oberhausen

Augsburg Oberhausen Rathaus Rückseite Peter Paul KircheOberhausener Rathaus Rückseite mit Peter Paul Kirche

Das historische, über 400 Jahre alte Oberhausener Rathaus, das in den letzten Jahren wohl absichtlich vernachlässigt wurde, um Denkmalschutzaspekte zu hintertreiben ist nach dem Abriss des Oberhausener Schlosses (heute vom sog. “Josefinum” überbaut) und der Vogtei der letzte Überrest aus der Zeit des alten Oberhausen. Die Kirch in ihrem heutigen Aussehen stammt aus der Zeit um 1700. Nun soll das bedeutende Denkmal doch abgerissen werden, um einer Turnhalle Platz zu machen, die zum einem dem Charakter des historischen Ortskern nicht entsprechen kann. Da man Turnhallen nicht so baut, dass man sie auch in 400 Jahren noch benutzen kann und attraktiv findet, ist es auch klar, dass nach 20 oder 30 Jahren spätestens Sanierungsbedarf besteht und der geplante Neubau altmodisch und schändlich wirkt. Man wird sich später zurecht fragen, welche “Verantwortlichen” das waren, die dafür das alte historische Rathaus und damit die Idendität des Ortes vernichtet haben.

* * *

Oberhausen at Wertach, home of Nathan of Oberhausen, one of the progenitors of the Frankfurt Rothschild family, is going to lose it’s historical identity. The municipality in all seriousness wants to destroy the over four hundred years old stately town hall building – under the rather ridiculous pretext of some mold in the basement, which of course could have been eliminated in 3 years of “discussion” – in order to replace it by a featureless sportshall (although there already are other gymns as well as other building f ground).

There are no special points for guessing that the gym of course will not last 4 centuries as well, but most likely not even 4 decades until it will be in dire need of redevelopment. Then at the latest people will ask who was so stupid and acted without due consideration back then.


Gut gemeint, aber …?

June 28, 2013

Es war schon mit einem gewissen Aufwand verbunden, den Bericht der “Augsburger Allgemeinen” zur gemeinsamen Begehung des jüdischen Friedhofs an der Hooverstraße mit den Lokalpolitikern Dr. Christian Kreikle und Stefan Quarg in der vergangenen Woche, überhaupt zu bekommen. Der von Peter K. Köhler verfasste Artikel in der “Wertachanzeiger”-Ausgabe “AZ vor Ort” vom gestrigen Donnerstag fand sich nämlich nicht in den Exemplaren am Oberhausener Bahnhof, an diversen Tankstellen und Zeitungsläden im Verbreitungsgebiet (Oberhausen, Bärenkeller, Kriegshaber, Pfersee und Innenstadt).

Augsburger Allgemeine Artikel zu Kriegshaber Friedhof Mauer - Juni 2013AZ vor Ort: “Gut gemeint, aber nicht gut gemacht

Eine Rarität der Artikel trotzdem nicht, aber er enthält doch eine überraschend hohe Anzahl an Ungenauigkeiten – wahrscheinlich muss man dem an jenem Tag sichtlich leidenden Autoren des Artikels, die in hießigen Breiten doch eher ungewohnten, fast israelischen Temperaturen von beinahe 40° C als mildernden Umstand zugute halten – doch einige Anmerkungen und Korrekturen bedarf es nun doch, da andernfalls der Eindruck erweckt werden könnte, als stammten diese oder jene Aussagen von unserer Seite. Wer uns kennt oder öfter hier liest, wird das sofort erkennen.

Die meisten Grabsteine in der Ruhestätte sind so verwittert, dass die Inschriften nicht mehr zu lesen sind. Das stört Yehuda Shenef vom Jüdisch Historischen Verein nicht, es entspricht dem natürlichen Lauf der Dinge.“

So wie wir Yehuda Shenef kennen, stört ihn das durchaus, sehr sogar.

Der Friedhof war lange Jahrzehnte ziemlich verwildert…“

Das Gegenteil war der Fall. Das Gelände war bis in 1950er Jahre faktisch baumfrei. Die Verwilderung des Friedhofs machte sich vor allem ab 2005 bis 2007 breit.

Anwohner kommen ebenso wie Ehrenamtlich von St- Thaddhäus, etc.“

Das war in der Vergangenheit durchaus der Fall, gab es aber zuletzt Ende 2009, nicht mehr aber seitdem das bis dato leer stehende Friedhofswächterhaus im Mai 2010 neu vermietet wurde.

Im 17. Jahrhundert wurden die Juden aus der Stadt vertrieben.“

Die sog. „Ausweisung“ aus Augsburg erfolgte mit dem Beschluss von Sommer 1438 (also zu Beginn des 15. Jahrhunderts), wobei den Juden eine Frist von zwei Jahren eingeräumt wurde, ihren Besitz in der Stadt zu verkaufen. Von einer „Vertreibung“ kann und konnte auch keine Rede sein und war unsererseits auch nicht. Nicht nur in den Jahren nach der ominösen 2-Jahres-Frist, sondern eigentlich auch in den fortlaufenden Jahrhunderten gab es mit wenigen Ausnahmen weiterhin Juden die in Augsburg lebten und arbeiteten. Darüber haben wir auch auf diesem Weblog schon des Öfteren berichtet.

„… Dort finden sich Namen mancher in Kriegshaber ehemals bekannter Familie wie Einstein oder Goldstein“.

Die Kriegshaber Familie „Einstein“ ist sicherlich in den letzten Jahren wieder bekannter geworden durch Publikation (etwa von Gernot Römer oder  im Rahmen der „Lebenslinien“-Reihe des Jüdischen Kulturmuseums), von unserer Seite sicherlich nicht. Nicht weil wir etwas gegen die Familie Einstein oder gegen Viehhändler hätten, sondern weil unsere Schwerpunkte andere sind und wir ganz gewiss mehrmals auf verschiedene Personen aus den Familien Ulmo, Wertheimer und Obermayer, aus weiter zurückliegenden Zeiten hingewiesen haben.

Der Name „Goldstein“ ist uns im Zusammenhang mit dem Friedhof an der Hooverstraße noch nie begegnet, jedoch wurden wir schon Dutzende Male nach einem „Metzger Goldstein“ in Kriegshaber gefragt, ob dieser denn jüdisch sei. Nun, wahrscheinlich doch nicht, denn nicht alles was glänzt, ist auch jüdisch … Auch die Goldbären von Haribobo sind ja keine jüdische Erfindung und weder Silber- noch Goldfisch sind koscher. 😉

Gäbe es in der Region einen koscheren Metzger, hätte sich das übrigens auch deutschlandweit und darüber hinaus längst rumgesprochen, denn jüdische Metzger sind heute in Deutschland so selten, dass sie praktisch an einer Hand abzuzählen sind, ohne dass man alle Finger beanspruchen müsste.

 

Grabstätten … werden nicht mit Blumen bepflanzt, sondern mit Rasen bedeckt.“

Das mit dem Blumen stimmt, das mit dem Rasen ergibt sich allenfalls von selbst, geschieht aber nicht gezielt oder absichtlich. Zur Kennzeichnung des Grabes gibt es das Grabdenkmal zu Ehren und zur bleibenden Erinnerung des Verstorbenen.

 

Nach der Beerdigung wird wie auf christlichen Friedhöfen, ein Grabstein oder eine Grabplatte gesetzt, eine intensive Grabpflege ist in der jüdischen Tradition nicht üblich.“

Soweit wir es verstanden haben, werden christliche Gräber an die Angehörigen der Verstorbenen auf Zeit vermietet. Wird diese Pacht nicht verlängert, wird das Grab ausgehoben und der Platz vermietet an Leute die zahlen können. Darin eine „intensive Grabpflege“ zu sehen, käme uns nicht in den Sinn.

Die auf die Dauer der Welt ausgerichteten jüdischen Gräber dürfen und sollen durchaus gepflegt werden und wo es noch Angehörige gibt, findet das auch statt. An der Pflege muss aber nichts „intensiv“ sein, es reicht aus, wenn sie regelmäßig ist und jede Form von Verfall verhindert.  Das gebietet schon das Gebot der Tora: „Ehre Vater und Mutter, damit du selbst lange lebst auf dem Land, dass Gott dir gibt …“ Was die Tora damit sagt ist dies: Wer das Andenken an seine Vorfahren nicht ehrt und pflegt, hat keine Kultur und weder Vergangenheit noch Zukunft.

 

Die Grabsteine oder Platten verwittern im Lauf der Zeit als Symbol der Vergänglichkeit“.

Nein, wenn dem so ist, dann als Indiz mangelnder Pflege.

 

Kriegshaber war lange Zeit ein Zentrum der jüdischen Gemeinde.“

Nicht nur Kriegshaber, sondern in mindestens derselben Weise auch Steppach und vor allem doch Pfersee.

 

Juden errichteten auf den wenigen Grundstücken, die sie erwerben durften…“

Sie unterlagen keinen anderen Bedingungen als Christen die Grund und Boden erwerben konnten, stellten aber für einen größeren Teil der Kriegshaber Geschichte die Bevölkerungsmehrheit im Dorf. Der Ortskern von Kriegshaber an der ehemaligen Hauptstraße war fast ausschließlich von Juden bewohnt. Dort befindet sich auch die ehemalige Synagoge. Der Kirchenbau auf der anderen Straßenseite war auch nur deshalb möglich, weil die jüdische Gemeinde das Grundstück dazu verkaufte. Eigentlich sollte hier um 1846 eine neue, wesentlich größere Synagoge gebaut werden, für die bereits die königliche Baugenehmigung aus München vorlag und u.a. auch Spendengelder von der Bankierfamilie Rothschilds eingetroffen waren, jedoch hatten nun zu viele Juden Kriegshaber in Richtung Großstädte und USA verlassen. Der Neubau hatte sich nicht mehr rentiert und man sanierte stattdessen die alte Synagoge, die jetzt auch wieder renoviert wird, jedoch als „Museum“.

Als letzte Kritik wollen wir schließlich noch darauf verweisen, wie eigenartig es doch ist, dass auch in der Bildunterschrift Dr. Kreikle namentlich nicht erwähnt wird. Das ist insofern eigentümlich, da er den Termin organisert hatte. Unsererseits jedenfalls danken wir ihm dafür ausdrücklich. Wie in der angeschnitteten Kurzmeldung neben dem Artikel zum jüdischen Friedhof noch zu sehen ist (- das alte Rathaus von Oberhausen, welches angeblich kein Denkmal sei und deshalb abgerissen werden könne), hat längst nicht jeder Stadtteil fähige Lokalpolitiker mit einem Gespür für Geschichte und Zusammenhänge. Eigentlich fehlen sie an allen Ecken und Enden.