Burgau revisited

April 19, 2012

Burgau und die nach ihm benannte Markgrafschaft im heutigen bayerischen Schwaben war von etwa von 1300 bis 1800 für ein halbes Jahrtausend österreichisches Gebiet. Wenngleich nicht immer ein zusammenhängendes Territorium und zeitweilig eher eine Art Fleckenteppich, war es doch ein politisch und kulturell zusammenhängendes und funktionierendes Teil der österreichischen Monarchie.

Der Name Burgau wird wohl treffend als Burg-Au gedeutet, denn um die Mitte des 12. Jahrhunderts werden in Augsburg erstmals „Herren von Burgau“ erwähnt. Im Jahre 1212 werden deren Nachkommen zu Markgrafen ernannt und in der Folge orientierten sich die Burgauer wohl bereits an den Habsburgern, die bald versuchten die schwäbischen Gebiete für ihr Reich zu sichern.

Als 1324 zur erfolglosen Belagerung durch Soldaten des Wittelsbacher Kaisers Ludwig Bayer. 1418 verhinderten Augsburg und Ulm einen Verkauf der Gebiete an Bayern, da man in den Reichsstädten um die eigene Unabhängigkeit fürchtete und deshalb – später auch unter dem Einfluss der Fugger – eher den Vorderösterreichern zugeneigt war.

Mit dem 30jährigen Krieg endete die Herrschaft in Burgau, dessen letzter Markgraf Karl 1618 verstarb. Als Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich und der nicht standesgemäßen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) war Karl nicht voll erbberechtigt. Der Markgraf und seine Frau waren bei ihren Untertanen nur mäßig beliebt, da sie ihre beargwöhnte Verbindung mit religiösem Eifer kompensieren wollten. 1516 führte dies zu einem Bierverbot in Burgau und im Jahr darauf zur Ausweisung der Juden (unter den auch Brauer waren). 1518 starb er sodann und wurde hernach in Günzburg bestattet, wo er ziemlich verschwenderisch mit seiner Frau gelebt hatte. Die Markgrafschaft wurde sodann von den Habsburgern in Tirol regiert und von ihnen in Günzburg ein Landvogt eingesetzt. Um 1805 gingen die Gebiete der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau an Bayern. Heute hat Burgau etwa 9000 Einwohner, wovon 7000 am Ort selbst leben, der natürlich über die mittelalterliche Stadt hinausreicht. Seit einigen Jahren ist die Bevölkerungszahl rückläufig.

Altes Rathaus von Burgau

Die jüdische Geschichte in Burgau ist in erster Linie mit Schimon ben Elieser Ulmo (1506-1585) verknüpft, der in Günzburg geboren wurde, in Burgau aufwuchs, dort Rabbiner und Leiter eines talmudischen Lehrhauses war und nach seinem Tod auch begraben wurde. Er war ein großer namhafter Gelehrter, kaiserlicher Hoffaktor, ein großer Mäzen und Autor gelehriger Bücher in taitscher Sprache. Sein Vorfahr Falk Lemlin (1390-1465) hatte 1438 Augsburg verlassen müssen und ging nach Ulm. Der Lehrer seiner Kindheit in Burgau war Rabbi Jona, der Sohn von Jakob ben Jehuda Weil, der letzte überregional bedeutsame Gelehrte  Augsburgs, der die Stadt 1438 als einer der ersten verließ und schließlich nach Erfurt ging. Auf seinen Schriften fussen die heutigen Verodnungen der Schechita.

 

Ausschnitt aus Simon Ulmo’s taitscher Erklärung hebräischer und aramäischer Redensarten aus Mischna und Talmud

 

Aus dem Jahr 1470 ist in einer Urkunde in Graz Salomon von Burgau mit weiteren Juden von Ulm wegen Geldleihen an einen christlichen Kleriker erwähnt, wobei es sich wohl um einen Verwandten Simons handelt. 1587 verfügt die Markgrafschaft, dass Juden den Christen rechtlich gleichgestellt seien. 1593 erhält Lemle von Burgau (ein Sohn von Simon) von Freiherr Ferdinand von Grafeneck das Schloss und Dorf Hasenweiler bei Ravensburg, da dieser eine Schuld über 3500 Gulden nicht bezahlen konnte. Es folgten jedoch über Jahre andauernde Rechtstreitigkeiten, ehe Dorf und Schloss für 16.000 Gulden an das Kloster Weingarten verkauft und Lemle ausbezahlt wurde.

Ende Dezember 1596 klagten christliche Bewohner in Burgau über die Burgauer Juden, da diese wegen ihrer Feiertage keine Rücksicht auf die christlichen Feiertage nehmen würden und zudem offenbar auch verlangten, dass ihre christlichen Bediensteten an diesen Tagen für sie arbeiteten. Dies wurde am Ort wohl als Verspottung der „wahren“ christlichen Religion durch die „verdammten“ Juden aufgefasst. Als Rabbiner in jener Zeit ist in den Raittungen (Rechnungen) von Burgau „Leo Jude, Lehrmeister“ notiert. Gemeint ist Jehuda Schmuel (1538-1604), Sohn des Simon Ulmo-Günzburg, der mit Frau und Sohn verschiedentlich genannt wird, 1599 etwa „Leo Jud, Lehrmaister und sein Sohn Itzig Jud der Jung Lehrmaister und Schulklopfer“. 1602 heißt es statt „Leo“ (sowohl Lew als auch Leo dienten häufiger als Umschreibungen des Namens Juda) nun „Leb, Itzig Jude, Lehrmaister und sein Mueter“. Itzig kennen wir aus hebräischen Quellen als Itzchak ben Jehuda Schmuel Ulmo (1570-1618) . Seine Frau wird in der Liste ab 1619 folgerichtig als „Itzig Jüdin, Lehrmaisters Witib“, also als Witwe des Lehrmeisters Isaak verzeichnet.

Im Jahr 1617 veranlassten Markgraf Karl und seine fromme Frau Philippine aus dem Haus der Augsburger Patrizier Welser, das im Jahr 1614 seinen „Falliment“ erklärte, d.h. pleite war , die „Ausschaffung“ der Juden aus Burgau. Ob es wirklich zum Weggang der Juden führte ist unklar. Möglicherweise verließen die Burgauer Juden, die gerade den frühen Tod ihres Rabbiners zu beklagen hatten, den Ort unterhalb der Burg tatsächlich kurzfristig, um vielleicht in Scheppach oder Günzburg Unterschlupf zu finden. Spätestens nach dem Tod des letzten Markgrafen kehrten sie jedoch wieder zurück, weshalb wir ab 1619 sodann auch die Witwe des Rabbiners als Steuerzahlerin finden. Von 1622 bis 1631 wirkte sodann David, der Sohn des Isaak als Rabbiner, dessen Bruder Abraham siedelte sich in Pfersee an. Eine Rechnung aus selber Zeit über verlangte Abgaben für Stadtwächter aber auch für Kriegskosten an die Burgauer Juden in Höhe von stattlichen 200 Gulden. 1611 belief sich die jährliche Höhe der jüdischen „Sitzgelder“ auf rund 185 Gulden. Die Wächter wurden offenbar auch zur Abwehr der Infektion benötigt, an der viele Einwohner erkrankt waren und starben. Die Pest wird häufig als Argument gebraucht, um die Ausweisung der Juden aus Burgau zu begründen, doch wurde diese bereits 1617 angeordnet und bleib offensichtlich folgenlos. Als 1631 aber bereits schwedische Truppen immer tiefer nach Deutschland vordringen klagen nun die Juden in Burgau in Augsburg gegen den Burgauer Stadtprediger Kaspar, da dieser einigen Aufruhr erhebt, vor der Synagoge und dem Lehrhaus randaliert und Verleumdungen verbreitet oder auswärtigen jüdischen Händlern nachgeht und gegen sie mitunter handgreiflich wird. Einen Juden aus Steppach, wo wie in Pfersee Söhne und Enkel der Ulmo vor Jahrzehnten ausgesiedelt waren, habe er so mit einem Stecken angegriffen, usw. Mit dem weiteren Vormarsch der Schweden hatten Burgau wie auch der Dorfprediger im Folgejahr jedoch ganz andere Sorgen. Auch die jüdische Geschichte in Burgau endet mit den weitgehenden Zerstörung des Ortes.

Doch aus dem Jahr 1653 ist in Burgau der Jude Josef notiert, der gegen Wilhelm Konrad Schenck von Stauffenberg klagt, da dieser offenbar seine Schulden nicht bezahlen konnte. Da er als Josef von Burgau bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er tatsächlich am Ort lebte. 1665 wird über die Wiederansiedlung von Juden in Burgau verhandelt. Die Rede ist „wie von alters her“ von acht oder neun Familien. Christliche Prediger vor Ort sind anderer Ansicht und sprechen davon, dass sie „solches Ungeziefer“ nicht wieder haben wollten. Offenbar wurde dem Begehren zumindest einiger Juden trotzdem nachgegeben, da sich im Dezember 1668 der aus Pfersee stammende Jude Hertzog  in Burgau meldet und darauf hinweist, dass vor dem großen Krieg (wohl 1631) sein Großvater die Judenschule „auf eigene Kosten und zur Ehre Gottes und ihm zu Nutze und Heil habe erbauen lassen“, weshalb er nun darum bat, dass man ihn nun doch bitte nicht abweisen möge deswegen. Es ist zu vermuten, dass es sich bei jenem Hertzog (oder Hitzig) um Isaak, den Sohn des letzten Rabbiners David Ulmo handelte. Ob es ihm gelang das Gebäude in der heutigen Stadtstraße, dass den Krieg wohl wenigstens teilweise überstanden haben muss, wieder erlangte ist nicht bekannt, muss aber bezweifelt werden, da es in der Folgezeit nur noch spärliche einzelnen Nachrichten über Juden in Burgau gibt. Dabei handelt es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lediglich um Bestimmungen für auswärtige jüdische Händler, die an jenen Tagen und Stunden am Markt sein dürfen.

Die vielleicht größte Anzahl von Burgau folgte dann aber wohl erst rund 275 Jahre nach dem Ersuchen von Isak Ulmo aus Steppach, als nämlich von 1944 bis 1945 für die Dauer etwa eines Jahres in Burgau ein Arbeitslager errichtet wurde, in welchem jüdische Zwangsarbeiter, die aus Osteuropa verschleppt wurden (während im Gegenzug schwäbische Juden nach Polen deportierte) für Messerschmidt im sog. „Kuno Werk“ im Scheppacher Forst Düsenjets montieren sollten. Insgesamt etwa 1100 Gefangene wurden dort unter schlechtesten Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt. Über die Anzahl der Toten gibt es keine Zahlen, jedoch wurde in einem Pressebericht anlässlich der Errichtung eines Gedenksteins vor einem Jahr, die Zahl von 18 namentlich bekannten Toten erwähnt. Diese sind in der Inschrift nicht aufgeführt, stattdessen ein deutsches Zitat aus dem Buch Hiob:

Wenn ich daran denke, erschrecke ich und mein Zittern ergreift meinen Leib

Und darunter: „Zum Gedenken an die Verfolgten der NS-Herrschaft. Ihr Leiden und Sterben sei uns Mahnung zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Stein erinnert an diejenigen, die im Burgauer KZ-Außenlager gelitten haben.“

Dass es sich bei den Gefangenen um Juden handelte, war den Verfassern so wenig Notiz wert, wie auch sonst in Burgau eigentlich nichts mehr an die lange über zweihundertjährige jüdische Geschichte erinnert.

Am 23. April 1945 bombardierten US-Flieger siebzig startklare Messerschmitt Jets und das Werk entlang der heutigen Karlsbader Str. im Süden der Stadt. Im Norden hingegen befindet sich der jüdische Friedhof von Burgau, nördlich der Eichenstraße. Grabsteine sind keine mehr erhalten und der Platz selbst längst nicht mehr ummauert. Die Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

* * *

Burgau today is a small town with some 9000 inhabitants but it has a rich history with a number of quite interesting Jewish aspects. For the period of a half millennium Burgau was capital and eponymous for the Austrian forelands of Margravate Burgau which reached from Ulm to Augsburg.

Simon ben Elieser Ulmo Günzburg (1506-1585) one of the most important scholars of his times lived in Burgau where he was a rabbi and head of a prominent yeshiva. His Jewish-German collections of sayings of course were inspired by the language of the region. Until 1631 there was a Jewish community in Burgau, which also had an own cemetery. The year after the Thirty years War (1618-1648) afflicted the town and region. In the following decades and century there are only scarce notes on Jews in the town. About 1668 Isaac from Pfersee, offspring of the former Burgau builder of the new synagogue for a last time tried to return to the heritage, but obviously failed. Christian preachers had warned against “such vermins”.

275 years alter however, when Burgau had some 3000 inhabitants in the south of the town there was the Burgau satellite concentration camp “Kuno Werke” with some 1100 Jewish prisoners abducted in Hungary and Poland, who were forced to assemble Messerschmitt jet fighters. The number of victims is not known, but last April a monument with a quote from the Book of Job was erected in order to commemorate this part of the past. However nothing reminds of the history of the almost three centuries long Jewish community of Burgau. The old Jewish cemetery north of Burgau’s Eichenstr. has no markers left and no fence or wall. It just is an arable field, dugged up for generations.

The (hand)writing on the pavement cobble says that “Burgau is older than Munich“, whatever this information does amount to. Actually Burgau is first mentioned in an Augsburg deed in 1147, Munich in 1158 (“Augsburger Schied”)

כבש הזהב של בורגאו

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100 Jahre Pfersee in Augsburg

January 13, 2011

(page from Memory Book Pfersee, 1631, photographed by Theo Harburger, CAHJP)

Das Jahr 2011 markiert den hundertsten Jahrestag der Eingemeindung von Pfersee nach Augsburg ebenso wie den 125. Jahrestag der Auflösung der bedeutenden jüdischen Gemeinde, die vor etwa 450 Jahren dort entstand über lange Zeit Sitz des Medinat Schwaben und eines der gelehrigen Zentren des Judentums war und deren Ableger sich in den Höfen und Familien in aller Welt finden. Anlass genug also, um uns in diesem Jahr neben den bisherigen Schwerpunkten, die uns immer wieder mit Pfersee verbinden, einige Zusammenhänge und Ereignisse im kleinen „Paris an der Wertach“ genauer zu beleuchten.

(Colored postcard from 1911/2, since 1882 “Sisters of Mercy” used the house as hospital)

Der von Augsburg physisch durch die Wertach getrennte Ort ist bereits aus Dokumenten die in das 11. Jahrhundert datiert werden verzeichnet. Die Schreibweisen des Namens variieren als „Pherse“, „Pferse(n)“, „Pfersche(n)“, „Pferze(n)“ oder „Pfersheim“, … Entsprechend unklar ist deshalb auch der eigentliche Ortsname, seine Herkunft und Bedeutung, zumal man sicher davon ausgehen kann, dass es in Pfersee keinen „See“. Vermutet wurde das zwar auch schon, aber niemand konnte ihn finden. Immer dann wenn eine naheliegende Erklärung fehlt, ist es freilich so, dass gewichtige Experten intellektuelle Loopings drehen, gewaltige Distanzen an Abgründen und literarischen Höhenmetern überwinden, um auf die andere Straßenseite zu kommen. Ein beredtes Beispiel dafür wäre das Wort „Pferd“, dem Ortsnamen Pfers(ee) übrigens gar nicht so unähnlich.

Zwar gab es auch schon den haltlosen Versuch, Pfersee als See des legendären römischen Feldherren Varus (46 ante – 9 n.a.Z.) zu deuten, doch das Pferd konnte freilich nicht vom lateinischen „equus“ abgeleitet werden. Auch nicht von caballus, das in allen romanischen Sprachen vorkommt (italienisch „cavallo“, spanisch „caballo“ oder französisch „cheval“, …) und das selbst „keltische“ Sprachen wie Walisch oder Gälisch (Irisch) als „capall“ oder „ceffyl“ übernahmen. Nordische Sprachen die man sich als alternative Einflüsse insbesondere im 19. Jahrhundert zu gerne vorgestellt hat bezeichnen das Pferd freilich ganz anders: „häst „(schwedisch),“hest“ (dänisch/norwegisch, vergl. „Hengst“ im Althochdeutschen („hengist“) ein Wort für Pferde allgemein) oder  „zirgs“ (lettisch), während Finnen und Esten „hevonen“ oder „hobune“ haben. Slawen nennen das Tier „konj“ (kroatisch) , kůň (= „kuhn“ – tschechisch), oder конь (kon – russisch) und auch sonstige in Europa verbreitete Sprachen bieten sich für die Herkunft des deutschen „Pferd“ nicht an:, ცხენი (ts’kheni – georgisch), at (türkisch), ló (ungarisch), albanisch kalë („kaj“), baskisch zaldi, griechisch „hippos“ oder armenisch ձի („tzi“)…

Aus griech.  Παρά – „para“ = neben, und „veredus“ = Jagdpferd (das auf einem proto-keltischen *woreidos basieren soll) wurde stattdessen „paravaredus“, das Postpferd konstruiert. Wann Pferde unter dieser Bezeichnung zum Einsatz gekommen sein sollen, ist freilich ein Postgeheimnis. Abgesehen von einzelnen, unregelmäßigen Dienstboten gab es kein Postwesen und überall sonst wo Römer ein solches ansatzweise unterhielten, setzte sich „cavallo“ durch, das eingedeutscht möglicherweise „Kebel“ gelautet hätte. Die Ursprünge des deutschen Postwesens gehen in die Zeit um 1500 zurück, wo freilich längst vom Pferd und nirgends von einem paravaredus die Rede ist.

Wesentlich einfacher wäre deshalb davon auszugehen, dass das Pferd über das bereits biblisch bezeugte hebräische פרד (pered), nach heutiger Lesart ein Maultier („Kreuzung“ aus Pferd und Esel), in den deutschen Sprachschatz (mhd. „phert“) gelangte. Der Wandel von P zu PF ist im Mittelalter insbesondere im südlichen Deutschland durch die von Germanisten „zweite Lautverschiebung“ genannte Sprachentwicklung die von vielen mutig schon ins 7. Jahrhundert datiert wird, mit zahlreichen Beispielen belegt (vergleiche engl. Pepper = Pfeffer, lat. pil(um) = Pfeil, lat. Papa = Pfaffe, ahd. Appel = Apfel, engl. copper = Kupfer, etc.) . Das Holländische kennt diese Lautwandlung nicht und entsprechend heißt das Tier dort „paard“.

Obwohl in Pfersee bereits früh jüdische Pferdehändler bezeugt sind, erklärt die Ableitung des Pferd-Begriffes wohl kaum die Herkunft des Ortsnamen. Die früher verbreitete Phantasie über einen Pfer-See basiert wohl nur auf der Verdoppelung des E am Wortende, während die Deutung auf Varus natürlich in die für das 19. Jahrhundert typisch historisierende Mode passt, angeblich Urgermanisches zu definieren. Ein römischer Varus ist so auch nur im Kontext einer Varus-Schlacht von Interesse. In welchen Umfang und wo auch immer diese Schlacht stattgefunden haben mag, der Ort Pfersee hätte damit dann irgendwie mit dem vor allem im 19. Jahrhundert propagierten germanischen Nationalmythos zu tun. Dazu passt sicher auch der Umstand, dass Pfersee zu den über 200 Orten (davon 13 in Bayern) gehört, an denen zur vorletzten Jahrhundertwende ein sog. „Bismarckturm“ (Bismarck-Säule) aufgestellt wurde, deren Zweck offensichtlich darin bestand einen archaischen anmutenden, faktisch aber ganz neuen Germanenkult zu beschwören, worüber die Weihung zu Ehren des Reichseinigers Bismarck auch nicht hinwegtäuschen wollte. Der Pferseer Turm zählt zu den rund 50 die nach dem Entwurf “Götterdämmerung” des Architekten Wilhelm Kreis errichtet wurden und oft auch als Aussichtstürme dienten. Einige, wie der in Pfersee (Neusäß/Steppach) hatten auch Feuerschalen für stimmungsvolle Feiern und Aufmärsche.

Allgemeine Information mit Beschreibung der einzelnen Türme: http://www.bismarcktuerme.de/index.html 

Eine andere Deutung des Ortsnamens begründet eine freilich wieder fiktive „keltische“ Wurzel *perz, der „Pforte“ oder „Burg“ bedeuten soll, jedoch finden sich dafür nirgends glaubwürdige Entsprechungen. Allerdings gab es dem Vernehmen nach tatsächlich eine Burg in Pfersee und auf das 12. und 13. Jahrhundert datierte Urkunden erwähnen auch eine Ritterfamilie Perzheim oder Perez, die sich als Raubritter etablierten und davon lebten, Warentransporte von und nach Augsburg zu verteuern, was offenbar so problematisch für die Reichsstadt wurde, dass 1309 die Pfersee-Ritter unter Reichsbann gestellt wurden. Jeder der sich mit den Geächteten auf ein Geschäft einließ oder sie beherbergte, machte sich strafbar. Um 1320 verkauften die Perez / Perzheim ihre Burg mit der kleinen Siedlung an Konrad Onsorg (Ohnsorg), den wir 1348 auch als Besitzer der Wellenburg (ca. 6 km südwestlich von Augsburg, bzw. ca. 3 km südlich von Pfersee) finden. Damit verliert sich nach und nach auch deren Spur, jedoch ist heute noch ein Familienname Pferz erhalten, der vielleicht damit zu tun hat, sollte er nicht auf dem gleichlautenden pfälzischen Wort für „Plunder“ oder „Ramsch“ basieren) Bei Onsorg finden dort in der Wellenburg, vielleicht auch in Pfersee einige der Augsburger Juden Unterschlupf, die dem Überfall auf die jüdische Gemeinde im November 1348 entkommen konnten und sich nach einigen rechtlichen Streitigkeiten ein paar Jahre später wieder in Augsburg ansiedelten. Bedeutsam dafür dürfte sein, dass der schwäbische Adelige Marquard von Randegg (Randeck) (1300-1380, von 1348-1365 Bischof von Augsburg) in gutem Verhältnis zu den Onsorg stand, die ebenfalls Raubritter waren. Eine Augsburger Legende besagt, dass ein, zwei Generationen später der Herr Onsorg von Wellenburg sich am Augsburger Judenberg im Haus von Rabbi Aharon unter dem aufgebarten Leichnam von dessen gerade verstorbenen Frau verstecken konnte, als er die Stadt erkundete, um herauszufinden, wo sein Sohn inhaftiert war.  Dieser hatte sich mit seiner Bande darauf spezialisiert, Reisende beim Wertachbrucker Tor zu überfallen. Er wurde erkannt und wurde durch die Stadt gejagt und entkam in das Haus des Rabbiners, der aus Dankbarkeit über die frühere Errettung sich nun revanchierte.  

(Ilustration by Chana Tausendfels according to Eduard Zimmermann (1874-1951), “Augsburger Zeichen und Wappen“)

Von den ehemaligen Rittern von Perez nun ist ein Wappen erhalten, dass auf roten Grund einen schwarzen, wohl eisernen Kessel zeigt. Ein altes deutsches Wort „feres“ für Eisenkessel (vgl. engl. ferreous = eisern, aus Eisen gemacht oder mhd. „perze“ von hellem, metallenem Glanz) kann freilich auch nur rückbezüglich sein und einen bereits vorhandenen Namen versinnbildlichen, da kein wirklicher Grund denkbar ist, einen Ort oder gar eine Burg nach einem Kessel oder Topf zu benennen. Auch jüdische Quellen erhellen die Frage nicht. Das hebräische Wort פרץ peretz, als Name eines der Zwillingsöhne des biblischen Stammvaters Jehuda, dürfte nur zufällig damit ähnlich sein, denn das Wort „Durchbruch“ bedeutet. Frühe Belege des Ortsnamens zeigen die auffällige Ähnlichkeit zu der von Paris, die beide (in vielen Varianten) als פרש geschrieben wurden, was jedoch wohl nur relevant ist im Zusammenhang mit dem Pferseer Talmud, dessen Ursprung in Paris sein soll. Der Name der Stadt selbst geht der Überlieferung nicht auf den griechischen Helden Πάρις zurück, sondern auf einen, freilich römisch überlieferten keltischen Stamm der „Parsii“, dessen vermutete gälische Wortbedeutung wiederum „Arbeiter“ heißen soll, während die Römer die Stadt freilich nicht Paris, sondern „Lutetia“ nannten, wie erstmals im sechsten Buch des Gallischen Krieges von Julius Caesar nachzulesen ist. Darauf zurückgeführt werden auch Eigennamen wie Pearcy, Percy, Persie und Parcival. Eine andere Deutung sieht ein keltisches Wort „par“ als Grundlage, welches „Boot“ heißen soll (vgl. „Barke“). Ein Boot wäre zwar kein Kessel, hätte aber unabhängig von Größe und Verwendungszweck eine zumindest ideengeschichtlich ähnliche Form. Die in der Geschichte von Pfersee, durch die Floßfahrt ebenso wie durch regelmäßig wiederkehrende Überschwemmungen, immer wieder bedeutungsvolle Nähe zur Wertach , lässt schließlich auch einen Begriff wie Furt (ahd. ferth(u) als denkbaren Ursprung zu. Als Furt bezeichnete man eine überquerbare Stelle eines Flusses, was natürlich eine Schlüsselstellung für eine Ansiedlung sein konnte. Bekannte Beispiele wären etwa Frankfurt oder Fürth (früher: firde, firda, oder fränkisch ausgesprochen „fäärd“). In Verbindung damit stünde auch etwa „vere“ für Fähre oder Fährmann. Aber man könnte auch darüber spekulieren, ob es Perser gab, die es in frühen Zeiten an die Wertach verschlug, lauten ältere belegte Formen doch perses, persea, persie oder davon abgeleitet der persich = Pfirsich und dergleichen mehr. Schließlich wäre auch eine Ableitung vom Namen der inzwischen nur noch etwa 150 km langen Wertach denkbar, da „Ach“ oder „Ache“ ein typisches Hydronym in Bayern und Österreich ist und lediglich „Fluss“ bedeutet, was aus der Wertach, den Wert-Fluss macht. Der Flussname wird von der lateinischen Form verdo oder virdo eines angeblichen keltischen Wortes „werth“ angenommen, aber auch mit lat. virido = grün verbunden. Pfersee könnte also ursprünglich eine Furt (wert) am Fluss (ach) gewesen sein.

Wie dem auch immer sei, 1372 jedenfalls wurde der Ort im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen Augsburgern und Bayern zerstört. Die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Pfersee ist erst rund 200 Jahre später bezeugt, als sich der Ort im Besitz von Felizita Welser, der Witwe des Hieronymus Sailer (1495–1559) befand, der als Faktor der Welser mit dem spanischen Königshaus Verträge über die südamerikanische Provinz Venezuela schloss. Von 1560 bis zu den napoleonischen Kriegen war Pfersee ein berühmtes Zentrum des Judentums mit Verbindungen in alle Welt, was insbesondere mit der Familie der weitverzweigten Ulmo-Ginzburg zu tun hatte, deren Wurzeln im mittelalterlichen Augsburg lagen.

Pfersee was incorporated to Augsburg one hundred years ago in 1911, what by the way Augsburg made a “Gross-Stadt”. 125 years ago the Jewish community of Pfersee, between 17th and 18th century one of the most influential in Europe, voluntary winding up, since most of the member had moved to Augsburg, other  cities or abroad and overseas. The liquidation of the Pfersee community, (for the first time seriously considered after the huge damages caused by floods of the Wertach in 1855) and previous years and the demolition of the famous Pfersee synagogue  and school in 1876 actually was a kind of line drawn under a long and rich history.

A blackish iron kettle on red background is at the coat of arms of an medieval Augsburg family with the name Perz, Perrez or Perzheim (etc.), who were knights and until the early 14th century possessed the Perz Castle – today overbuilt by the Schloss – and indeed there is an old German word “feres” meaning pot, what of course also may be an interpretation, since there is no practical reason to dub a small village “pot”. There are numerous more or less convincing attempts to explain the name which in medieval deeds is written differently. One tries to derive the name from the Roman general Varus, other assume a lake (German “See”). Older Jewish texts discuss the similarity of the earlier Hebrew spelling to that of Paris, a fact that caused some confusion in later times in connection with the “Pfersee Talmud from Paris”. The name maybe derives from “fert” the old German word for “ford” which of course is a much easier form of river-crossing than a bridge. Fords often also were very important strategic points. The “Akh” in the name of the Wertach river, just means river, so Wertach is the river Wert or the Fert river.

Memorial plate at the birth house of Anna Proell (Nolan), 1916-2006, in Pfersee, Augsburger Str.,  next to the Wertach river.

http://www.anna-film.de/


Jakob von Linz, Arzt der Kaiser

December 28, 2010

Jakow von Linz wurde als Jakow bar Jechiel (ca. 1435-1511) im mittelalterlichen Augsburg geboren. Als Kind wanderte mit seinen Eltern nach der Ausweisung im Jahre 1439 aus der Reichsstadt wie viele andere zunächst in aufnahmefähige Herkunftsorte Augsburger Juden, etwa nach Ulm oder Lauingen. In den frühen 1450ern finden wir Jakow in Ulm als Schüler von Rabbi Meir (ca. 1410-1478), dem Sohn Rabbi Jakob Weil (1380-1456), bis 1438 der letzte Rabbiner in Augsburg. Rabbi Meir war Vorsitzender des Gerichts in Ulm und amtierte zugleich auch als Rabbiner von Burgau, dem Sitz der österreichischen Marktgrafschaft. Jakow schloss sich Jakob Weil (1435-1515) an, dem gleichfalls noch in Augsburg geborenen Sohn Rabbi Meirs und Enkel Jakob Weils, als dieser um 1455 nach Donauwörth berufen wurden, zunächst als Vorsänger, schließlich als Rabbiner und zuletzt als Vorsitzender des Gerichts. Dem Vernehmen nach war auch Jakow eine Weile als Kantor in Donauwörth und mit Rivke (Edel) der Enkelin Rabbi Jakob Weils und Schwester seines Freundes verheiratet, ehe er (mit ihr) nach Prag und Wien ging, wo er sich seine medizinische Ausbildung erwarb. Schließlich finden wir ihn um 1460 als Leibarzt am Hofe des Habsburgers Friedrich III. (1415-1493), seit 1424 Herzog von Kärnten, ab 1440 römischer König und seit 1452 schließlich auch Kaiser des Reiches (פרידריך השלישי, קיסר האימפריה הרומית).

 Jakow bar Jechiel verfasste auch medizinische Schriften (dazu später mehr) und lehrte am Hofe Friedrichs in Linz unter anderem auch Johannes Reuchlin (1455-1522) aus Pforzheim, einem der bedeutendsten christlichen und humanistischen Gelehrten des Mittelalters, der als bedeutendster humanistischer Philosoph, Hebraist und christlicher Verteidiger des Talmuds in die Geschichte einging. Es wird allgemein angenommen, dass Reuchlin seinem Lehrer Rabbi Jakow in seinem Werk „De arte cabbalistica“ literarisch würdigte.

Den Angaben von Heinrich Graetz (1866) gemäß wurde Jakow von Kaiser Friedrich für seine überragenden Dienste sogar auch zum Ritter ernannt, was für einen Juden im Mitteleuropa des 15. Jahrhunderts völlig beispiellos sein dürfte und blieb bis zum Tod des Kaiser im Jahre 1493 dessen Leibarzt.

Nach Friedrichs Tod wechselte Jakow in die Dienste dessen Sohnes und Nachfolgers Maximilian I. (1459-1519), dem er gleichfalls als persönlicher Leibarzt diente und begleitete. Maximilian war in der Wiener Neustadt geboren und bereits seit 1486 deutscher König, 1493 als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. Herzog von Österreich und 1508 schließlich auch Kaiser. Kaiser Maximilian, der auch als enger Vertrauter der Fugger gilt, hielt sich in 17 nachgewiesenen Aufenthalten über mehr als zweieinhalb Jahre in Augsburg auf, wo er sich 1504 ein Haus der Patrizierfamilie Meuting in der heutigen Heilig-Kreuz-Gasse als Wohnhaus erwarb. Bereits 1473 hatte er seinen Vater Friedrich erstmals nach Augsburg begleitet. Man baute eigens für ihn, ein heute zumindest namentlich noch als „Alter Einlass“ erinnertes Tor in die Stadtmauer, die in diesem Teil rund 200 Jahre zuvor von den Augsburger Juden selbst errichtet wurde, und nannte ihn mal liebevoll mal scherzhaft „Bürger-„ oder gar „Bürgermeister von Augsburg“.  

(Meuting-Haus in Augsburg, von 1504 bis 1519 im Besitz von Kaiser Maximilian I)

Auch die Augsburger Steuerlisten verzeichneten jüdische Ärzte in der Stadt. Der erste ist Sanwel von Friedberg, zu dem angemerkt ist „ir arzet und ir fleischheckel“. Man kann hoffen, dass der Nebenjob des Fleischhackers ansonsten keinen Aufschluss über seine Tätigkeit als Arzt gab, jedoch ist der aus dem (wohl benachbarten) Friedberg stammende Samuel immerhin in der Zeit von 1355 bis 1377 als Steuerzahler registriert, was auf eine gewisse Beständigkeit und Verlässlichkeit schließen lässt.  Im Jahre 1377 erwähnen die Unterlagen einen namentlich nicht genannten Sohn des Klein Pendit ebenfalls mit dem Zusatz „ir arzat“. Klein Pendit (clain pendit) selbst ist neben seinem Bruder Sueskind von 1367 bis 1380 (bzw. 1277) verzeichnet. Von 1380 bis 1384 wird Mair (Meir) als Arzt genannt, bei dem es sich wohl um den vorgenannten, zuerst namentlich nicht genannten Sohn des Klein Pendit handelt.

Jakows Beiname Loans, hebräisch als לואנש überliefert, basiert übrigens sehr wahrscheinlich auf der Linzer Mundart, d.h. dem gängigen oberösterreichischen Dialekt, wie mir ein „hoibada Loanser“ (ein halber Linzer) glaubhaft versicherte und meint demnach nach heutigem Gebrauch לינץ, bzw. ganz üblich Jakow (von) Linz, die Landeshauptstadt von Oberösterreich mit knapp 200.000 Einwohnern nach Wien und Graz drittgrößte Stadt Österreichs und zusammen mit Vilnius (ווילנע) 2009 Kulturhauptstadt Europas. Weniger wahrscheinlich wäre ein Bezug zum Tiroler Dorf Lans bei Innsbruck, um 1200 erstmals urkundlich als „Lannes“ erwähnt, jedoch ohne bekannte Bezüge zu einer jüdischen Geschichte, die ein entsprechendes Toponym begründen könnte.  

In Linz sind Juden seit dem 13. Jahrhundert im Bereich des heutigen Altstadtviertel mit der Synagoge in der heutigen Hahnengasse nachweisbar. Die Linzer Juden wurden jedoch 1421 im Zuge der „Wiener Gesera“ meist ermordet. Einige wurden zwangsgetauft, nur wenige konnten fliehen. In der Folgezeit hielten sich Juden in Linz nur zeitweilig auf und bildeten kleine, instabile Gemeinden für einige Jahre oder Jahrzehnte. Erst um 1850 etablierte sich eine neue dauerhafte Gemeinde, die bald 1000 Mitglieder hatte. Ein Linzer Schulfoto aus dem Jahr 1901 zeigt den jüdischen Philosophen Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler als Mitschüler. Schon 1939 freilich waren nur noch 30 Juden in Linz. 1968 wurde die neue, heute noch bestehende Synagoge in der Bethlehemstr. eingeweiht. 

Yakov of Linz(ca. 1435-1511)was born in Augsburg and married in Donauwoerth Rivka (or: Edel), the granddaughter of Rabbi Jakob Weil, the last medieval rabbi of Augsburg until 1438. She was the daughter of Rabbi Meir, the teacher of Yakov and the sister of Jakob Weil II., who was head of the Bet Din in Donauwoerth. Yakov bar Yekhiel was chazzan (cantor) and composed some piyutim, pieces of synagogal poems. He moved to Vienna and to Prague, where he was properly trained as doctor of medicine. About 1460 Yakov appears as personal physician of Frederic III, King of Germany and since 1452 Roman Emperor at his court in Linz (Austria). After Frederic’s death in 1493 he was the personal doctor of his son Emperor Maximilian I. who, as is well known, in very good terms with the Augsburg Fugger and who acquainted in 1501 a house in Augsburg. The house still exists today at the backside of Augsburg’s City Theater. However Yacov of Linz is best known as Jakob Loans and as Hebrew teacher of Johannes Reuchlin, a Christian scholar who became famous as fierce defender of the Talmud and as humanist and hebraist. According to common tradition Yacov bar Yekhiel died in 1506 in Linz, but other more substantial sources however maintains that he died at the 10th day of Omer in 5271 what is the 25th of the month Nissan in the Hebrew Calendar in Burgau (what corresponds to Wednesday 23rd of April in 1511) and also was buried there. His grave marker, which as the whole Jewish cemetery of Burgau does no longer exist, mentions him as רופא לקיסרים – rofe lekesarim – doctor for the emperors. According to that in 2011 we may commemorate the 500th anniversary of the death of the remarkable Augsburg born chazzan, poet, rabbi and physician, who after the expulsion of the Jews from Augsburg returned several times to his hometown with the entourage of two Roman Emperors in a time when Augsburg reportedly was “free of Jews”.  Among his offspring, as is widely assumed is Jossel of Rosheim (1478-1554), who represented and defended as leader and speaker of the Jews in the Reich their interests at the Imperial Diet. Other descendents we find later as inhabitants of the Jewry in Pfersee, near Augsburg.  

(note the swastika like ornaments)


Die Herkunft der mittelalterlichen Augsburger Juden

August 30, 2010

Über die Bedeutung der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Augsburg geben nicht zuletzt auch die Orte ab, aus denen Juden in die Reichsstadt zogen. Auch die städtischen Steuerlisten ab dem 14. Jahrhundert geben darüber Zeugnis, dass nicht nur Juden aus den benachbarten Regionen, sondern auch aus fernerliegenden bekannten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit nach Augsburg kamen, um mittels Heirat, als Rabbiner oder als Schüler Bestandteil der schwäbischen Gemeinde zu werden.

Im Einzugsgebiet werden dabei Orte genannt, die heute nicht unbedingt immer auf Anhieb mit mittelalterlichen jüdischen Gemeinden in Verbindung gebracht werden: Dinkelsbühl, Nördlingen, Oettingen, Pappenheim, Regensburg, Harburg, Donauwörth, Neuburg, Ingolstadt, Lauingen, Dillingen, Höchstädt, Wertingen, Schrobenhausen, Aichach, Freising, München, Friedberg, Zusmarshausen, Burgau, Ulm, Biberach, Mindelheim, Memmingen, Landsberg und Mühldorf am Inn.

Aber auch aus Orten und Städten in größerer Entfernung kamen Juden nach Augsburg: Köln, Mainz, Worms, Speyer, Straßburg und das benachbarte elsässische Bischoffsheim, Rothenburg ob der Tauber, Zürich, Nürnberg und das kärntische Millstatt (Muelrestat) .

Freilich ist es nicht im sicher, einzelne Orte sicher zu identifizieren. Beispielsweise gibt es nicht weniger als drei schwäbische Orte mit dem Namen Biberach, einige Neuburgs und da die meisten Schreibweisen noch variabel waren könnte ein Rothenburg auch als Rottenburg gelesen werden und der Ort Werd, den wir nicht zu Unrecht wir als Werd an der Donau deuten, sprich als Donauwörth, könnte aber auch der heute noch so heißende kleine Ort Wörth sein, gleichfalls an der Donau, unweit von Regensburg, aber, da Angaben zum Fluss fehlen vielleicht auch Wörth an der Isar, Wörth am Rhein, Wörth am Main und warum nicht auch Wörth an der Sauer im Elsaß ..? Sicher behaupten lässt sich das ebenso wenig wie die Annahme alle genannten Juden -insofern keine Verwandtschaft plausibel ist – kämen aus einem einzigen Werd.

The origin of the medieval Jews of Augsburg

The significance of the Jewish community in medieval Augsburg, also is explained by the places from which Jews moved to the Imperial City. Also the municipal tax records from 14 Century on provide evidence that Jews not only from the neighboring regions but also from more distant known centers of Jewish scholarship moved to Augsburg to get member of the Swabian Jewish community by marriage as a rabbi or student.

In the catchment area of the Imperial City there are many places, which today are not necessarily always instantly connect to the medieval Jewish communitiest: Dinkelsbuehl, Noerdlingen, Oettingen, Pappenheim, Regensburg (Ratisbon), Harburg, Donauwoerth, Neuburg, Ingolstadt, Lauingen, Dillingen, Hoechstaedt, Wertingen, Schrobenhausen , Aichach, Freising, Munich, Friedberg, Zusmarshausen, Burgau, Ulm, Biberach, Mindelheim, Memmingen, Landsberg and Muehldorf am Inn.

However, even from in towns and cities further away Jews came to Augsburg: Cologne, Mainz (Mayence), Worms, Speyer, Strasbourg and the neighboring Alsatian Bischoffsheim, Rothenburg ob der Tauber, Zurich, Nuremberg and the Carinthian Millstatt (Muelrestat). Of course it is not always safe to identify individual toponyms. For example, there are no fewer than three Swabian places called Biberach, some Neuburgs (new castle) and since most writing still is variable Rothenburg eventually also could be read as Rottenburg and place Werd, which we identify not without reason as Werd at the Danube = Donauwoerth, actually also may be quite another Woerth on the Danube, near Regensburg, but perhaps also Worth on the Isar, Worth on the Rhine, Worth on the Main, and why not Worth on the Sauer in Alsace .. ? We do not know in all cases for sure and there also is no guaranty that all entries actually refer only to one single one of them.


Die Synagoge von Buttenwiesen

August 1, 2010

Die erste erhaltene Nennung von Juden in Buttenwiesen erfolgt relativ spät im Jahre 1599, was eine deutlich frühere Präsenz am Ort nicht ausschließt. Die jahrhundertelange Anwesendheit von Juden und jüdischen Gemeinden in der gesamten Region im Vorfeld wird kaum Buttenwiesen als Ausnahme fixiert haben. Schließlich sind in mittelalterlichen Urkunden, die ja nun keineswegs vollständig erhalten wären, auch Nachweise über Juden in Orten vorhanden, die man heute nicht mehr oder generell nicht mit Juden in Verbindung bringt.

rear side of Buttenwiesen synagogue

(Rückseite der früheren Synagoge von Buttenweisen, vom jüdischen Friedhof aus gesehen)

Jedenfalls entwickelte sich  Buttenwiesen im unterem Zusamtal bei Dillingen a. Donau, in welchen in der österreichischen Zeit der Markgrafschaft Burgau, als hier Gerichtsort war, rasch zu einem markant, ja stellenweise sehr deutlich mehrheitlich jüdisch besiedelten Ort. Noch 1812, als Buttenweisen bereits bayerisch geworden war, waren fast zwei Drittel der 543 verzeichneten Einwohner des Dorfes Juden. Heute, rund 200 Jahre später hat sich nach vielen Eingemeindungen von Orten wie Almhof, Bartlstockschwaige, Beutmühle, Feldbach, Frauenstetten, Greggenhof, Hinterried, Illemad, Lauterbach, Ludwigsschwaige, Mayerhof, Neuweiler, Oberthürheim, Pfaffenhofen an der Zusam, Stehlesmühle, Unterthürheim, Vorderried und Wortelstetten die Einwohnerzahl auf ca. 5700 verzehnfacht und den Auskünften fachkundiger Einwohner befindet sich darunter “schon lange mehr” kein Jude mehr. Die Frage danach wird bereits als etwas “dumm” aufgefasst, was aber nicht davon abhalten darf, sie trotzdem (immer wieder) zu stellen. Denn wie anderswo in der Region bemüht man sich auch in Buttenwiesen darum, “jüdisches Erbe” zu bewahren, um “Signale für die Zukunft” zu geben. Also ist es auch statthaft zu fragen, ob in diesen Planungen und Überlegungen auch Juden einen Platz haben oder ob sie nur “Inventar” und “Objekte” einer “Museumslandschaft” sind.

Ein jüdisches Museum gibt es in Buttenwiesen zwar noch nicht, da jedoch der größere Teil des früheren Ortes von Juden bewohnt war, kann man den Ort selbst als jüdisches Denkmal betrachten, wenngleich auch hier die Aufmerksamkeit auf besondere “Judenhäuser” gelent wird und werden soll. Dies ist nicht immer reine Phantasie, denn immerhin war Buttenwiesen zeitweilig auch Sitz eines Rabbinats, freilich in nach-napoleonischer Zeit, als Rabbiner nicht mehr Gelehrte im Sinne des überlieferten Judentums waren, sondern mehr in der Weise christlicher Vorgaben (manchmal auch Vorbilder) kleine Bischöfe und Pfarrer. Zu nennen sind hier die Rabbiner Lammfromm und Jonas Sänger. Nach der Auflösung des Rabbinats in Buttenwiesen, gehörte der Ort gemeinderechtlich zum Rabbinat von Ichenhausen.

Eine erste Synagoge soll 1630 erbaut worden sein. Sie wurde 1852 durch ein Feuer (Brandstiftung?) zerstört und bis 1857 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Die feierliche Einweihung nahm Rabbiner Sänger am Freitag 25. Schwat 5617 (vor schabbar schkalim) (= 20. Feb. 1857) vor. 1938 freilich wurde die Einrichtung der Synagoge zerstört und im Sinne des Zeitgeistes als Lagerstäatte missbraucht. In der nun judenfreien Nachkriegszeit nutzte man das Gebäude von 1953 bis 1994 als Schule, was dem ursprünglichen Sinn des Hauses eher entspricht, als einem Konzertsaal. Seit Jahresbeginn 2010 ist der Kindergarten “Bienenkorb” dort untergebracht. Doch auch eine “Evangelische Kirchengemeinde” nutzt das Haus für religiöse Veranstaltungen nach ihrem Ritus. Neben dem inzwischen fast zugewachsenen Hinweisschild am Gebäude erinnern nur noch äußerliche Stilelemente und wieder freigelegte Reste an die frühere jüdische Geschichte des einst maurisch geprägten Hauses. Auf dessen Rückseite hin zum direkt benachbarten Friedhof befinden sich die ehemalige Mikwe, die wie vor zehn Jahren auch heute nicht öffentlich zugänglich war, wie auch das frühere Tahara-Haus, das heute eine privat genutzte Garage ist.

The former synagogue of Buttenwiesen was inaugurated in February 1857 on Shabbes Shaklim. Five years earlier the previous bulding was destroyed by fire (arson?). Although there is no depiction or image of the burnt down predecessing building, it is said that it was the first synagogue built in 1630. The new synagogue was destroyed and desecrated in 1938 and since then used as storage room, public school and prayer hall of a Protestant Christian congregation. Since January this year there also is a kindergarten with the naturally name “beehive” … At the rear side of the synagogue there is the old mikvah building and the former Tahara house which today is used as a private double garage.