Judenhut

May 31, 2012

Since the weather in Germany becomes more warm and pleasant meanwhile it is possible to wear the Judenhut (Jews hat) again …

 (c) יהודה שנף

 

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Juden im bayerisch-schwäbischen Monheim

May 30, 2012

Stadtwappen von Monheim am Stadttor: nisi dominus custodiverit urbem, fusta custodient, qui vigilant eam – If the Lord does not protect the city, the sentinels will guard in vain / Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, wachen die Wächter vergebens

Im schwäbischen Monheim im Kreis Donau – Ries, bestand in der Zeit von 1697 bis 1741 eine jüdische Gemeinde, die zeitweilig annähernd die Mehrheit der örtlichen Bevölkerung stellte. Auf Proteste christlicher Einwohner, die fürchteten, von den Juden ganz verdrängt zu werden, wurden Restriktionen gegen die jüdische Bevölkerung erlassen, ehe sie schließlich gänzlich aus dem kleinen Städtchen verwiesen wurden.

Obwohl im Grunde ein Großteil des historischen Ortskerns des ursprünglichen Straßendorfes eine jüdische Vergangenheit besitzt, erinnern daran heute vor allem die Stuckdecken der Sitzungsräume des Monheimer Rathauses die mit bildlichen Darstellungen und goldenen hebräischen Zitaten ausgeschmückt sind. Wohl vielleicht eher zufällig dürfte der Umstand sein, dass das erstmals um 1340 bezeugte Wappen Monheims, welches einen Stern und einen Halbmond zeigt, identisch ist mit dem noch älteren Siegel der jüdischen Gemeinde in Regensburg. Ob nach 1520, als die Regensburger Juden aus der Stadt verwiesen wurden, einige auch nach Monheim kamen, ist jedoch zumindest nicht überliefert.

Im Jahre 1697 erlaubte der aus Düsseldorf stammende Wittelsbacher Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1658-1716), an den am Marktplatz seiner Geburtsstadt seit drei Jahrhunderten ein Reiterstandbild erinnert, sechs jüdischen Familien, die zuvor das etwa 30 km östlich gelegene Eichstätt verlassen hatten, sich in Monheim niederzulassen. Der zwischen Augsburg und Nürnberg gelegene schwäbische Ort nahe Treuchtlingen und Harburg hat heute als Verwaltungsgemeinschaft mit neun weiteren Orten etwa 4.800 Einwohner. Vor mehr als dreihundert Jahren, ehe sich Juden hier niederließen, mehrere Häuser und eine Synagoge bauten, war es freilich ein kleines Dorf, das bei etwa 20 Häusern und Höfen über annähernd 100 Einwohner verfügte. Mit der Ansiedlung seiner Juden erlebte Monheim einen rasanten Aufschwung und so lebten Ende der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts allein etwa zwanzig jüdische Familien und über 150 Juden am Ort, darunter ab 1715 auch ein Rabbiner.

1712 erwarb der Ansbacher Abraham ben Elia Model für rund tausend Gulden den alten Gasthof „Zur Rose“, ließ ihn aber bald darauf abreisen und durch einen stattlichen dreistöckigen barocken Neubau ersetzen, der um 1720 fertig gestellt wurde. Das Gebäude war so eindrucksvoll für das ländliche Monheim und seine Umgebung, dass sich heute darin das Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft befindet. Es wurde immer wieder vermutet, dass sich in dem Haus auch die Monheimer Synagoge befand, doch das verneinen lokale Quellen, die die Synagoge an der Stelle des nahegelegenen Gasthofs „Zum Ochsen“ lokalisieren, einem Gebäude, das den Urkunden gemäß dem Juden Simon Goldschmid gehörte. Trotzdem ist es wohl eher wahrscheinlich, dass der Raum im Model-Haus zusätzlich zur Synagoge auch als Versammlungsraum der Gemeinde fungierte.

Abraham Model war kurpfälzischer und Ansbacher “Kabinetts-Faktor” und vor allem im risikoreichen aber auch lukrativen Salzhandel tätig. 1739 wurde er auch zum Kammer-Faktor von Oettingen-Wallerstein ernannt und beteiligte sich an der Gräflich- Oettingischen Fayancen-Manufactur. Jedoch waren diese Unternehmungen nicht von Erfolg gekrönt. Er entstammte einer bekannten Ansbacher Familie, deren Ahnherr Mordechai Model war, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Rabbiner von Oettingen starb. Jener Raw Mordechai hatte als Enkel des Burgauer Rabbiners Schimon Ulmo-Günzburg (1505-1585) als erster den Namen Model angenommen. Zu Mordechai Models Nachkommen zählten in vielen Ländern tätige Rabbiner, Gemeindevorsitzende und Hoffaktoren (nicht selten in Personalunion), darunter beispielsweise Abraham Model der kaiserlicher Hoffaktor in Wien war und 1637 in Oettingen starb. Dessen Bruder Schimon war gräflicher Hoffaktor in Oettingen und Großvater von Mordechai Model (gest. 1709), zur besseren Unterscheidung von seinem Ahnen Marx Model genannt, welcher nun in Ansbach eine Druckerei besaß und dort u.a. Talmudim druckte. „Marx“ war Oberhaupt der jüdischen Gemeinde in Ansbach, besaß aber auch eine Privatsynagoge mit eigenem Vorsänger, weshalb es möglich erscheint, dass Abraham Elias in Monheim dem Vorbild seines Seden folgte und ebenfalls eine private Gebetsstube unterhielt.

Air view of Bavarian Swabian town of Monheim from a poster with the distinctive town hall (former house of Abraham Model), along the main street some twenty other houses were in Jewish possession until 1741

Die Models in Ansbach hatten in Elkan Frankel, seines Zeichens Vorsitzender der Gemeinde in Fürth und zugleich auch einflussreicher Hoffaktor, einen bitteren Rivalen, der ihm 1708 vorwarf Gelder unterschlagen zu haben und Papiere zu fälschen. Dies war zumindest geeignet das Ansehen Models erheblich zu beeinträchtigen, was im geringerem Umfang auch der Fall war. Die Vergeltung erfolgte als gegen Frankel ein Prozess wegen „Gotteslästerung“ erwirkt wurde und die Models zu dessen Ungunsten aussagten. Ob sie die Klage gegen ihn initiierten, wie behauptet wurde, ist jedoch eher zweifelhaft. Wie der Nürnberger Gelehrte Andreas Würfel 1754 in seiner zweiteiligen in Prag gedruckten „Historischen Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth“ schrieb, hatte „Der Rabbi … eigenhändig ein Buch von Geister- und anderen Beschwörungen, Segenssprüchen und Lästerungen wider das Christentum zusammengeschrieben. Nachdem er eine Zeitlang in Ansbach im Gefängnis saß, wurde er 1713 … von dort nach Schwabach zum ewigen Gefängnis gebracht.“ Frankel wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, kam aber nach etwa zehn Jahren frei. Trotzdem es also den Model in Ansbach gelang, den Rivalen auszuschalten, konnten sie ihre eigene Stellung nicht wider erlangen, weshalb Abraham Elias 1712 nun Ansbach verlassen hatte und nach Monheim gekommen war. 1741 musste er wie die anderen Juden Monheim verlassen. 1760 starb er alt und krank und mit nur noch geringem finanziellem Vermögen in Harburg.

babbling brook in Swabian Monheim

Old Jewish houses in Swabian town of Harburg with Harburg castle uphill

Heute erinnert kaum noch etwas an die vielfältige jüdische Geschichte vor Ort. Erhalten und in den letzten Jahrzehnten renoviert sind jedoch die Stuckdecken im zweiten Stock des Gebäudes, das Abraham Model einst erbaut hatte und das lange Zeit als Schulhaus diente. Zu sehen sind biblische Szenen, etwa König David beim Harfenspiel oder Moses mit den Tafeln des Bundes, Abraham der bereit ist seinen gebundenen Sohn Isaak zu opfern oder Jakob der von der Himmelsleiter träumt.

* * *

Eine nur aus Text bestehende Widmungsinschrift legt doch die Vermutung nahe, dass sich unterhalb der Decken um einen Festsaal handelte, der ansonsten gelegentlich wohl auch wegen seiner Ruhe aufgesucht wurde.

אנא אב הרחמים מלכנו

בית זה שבניתי יהי לשמחתינו

רוח המקום יהי נוחה הימנו

השקט ושלוה לבלות בטוב ימינו

מהר בא אלי’ עם בן דוד גואלנו

Die Initialen der fünf Zeilen ergeben von oben nach unten gelesen den Namen Abraham und würdigen so den Erbauer des Hauses, der nun den barmherzigen Vater, unseren König bittet, dass das Haus dass er baute, uns zur Freude werde und die Stimmung des Ortes ihm gefallen möge und wir unsere Tage dort ruhig und friedlich verbringen. Schließlich: „Schnell komme Eli(ahu) mit dem Sohn Davids unserem Erlöser“. Die apostrophierten Buchstaben der Schlusszeile summieren sich als Zahlen gelesen auf den Zahlenwert 484, was als Datum das Jahr 5484 ergibt, bzw. das Jahr 1724 im christlichen Kalender. Wahrscheinlich bezieht sich dies auf die Fertigstellung der Deckengestaltung oder Innenausstattung, da das Haus selbst in den Jahren 1714 bis 1720 erbaut worden sein soll.

Ein weiteres Ornament mit einem aus Buchstaben gebildeten fünfzackigen Stern und einem „שי“ in dessen Mitte, das wegen seiner eigenwilligen Schreibweisen und Kürzeln, sowie überlappender Texte in den Zeilen, unterhalb davon stehend nicht ganz leicht zu entziffern ist. Der Beginn des Textes ist sinngemäß an der absteigenden Zacke links des „שי“ (welches wohl für den Gottesnamen „שדי“ Schadai steht) zu vermuten und eröffnet mit der Feststellung עץ חיים נתונה בירח השלי dem im dritten Mond (Monat) gegebenen Baum des Lebens, als welche das ספר התורה „Buch der Tora“ wie allgemein üblich auch hier bezeichnet wird und von der der Schreiber sagt, dass er sie liebt את שאהב. Es folgt die Hoffnung, dass Gott dies kleine Heiligtum (מקדש) etwas gefallen möge und der Hinweis darauf, dass rechtschaffene Frauen dies erbrachten (נשים צדקניות מביא זה), womit wahrscheinlich Spenden und Sammlungen gemeint waren. Zuletzt folgt die abgekürzte Bitte, dass Gott sein Volk (עמו) erretten möge im sechsten Jahrtausend der Zählung (ספרתי לאלף הש), welches nach christlichem Kalender im Jahr 1240 begann und welches demgemäß im Herbst des Jahres 2240 endet. Aus der anderen Inschrift ergibt sich das Datum 5484 für die Datierung der Hoffnung. Heute schreiben wir das Jahr 5772 und es herrscht Übereinkunft darüber, dass der erwartete Erlöser noch immer nicht erschienen ist. Doch noch bleibt einige Zeit, um den Wunsch den auch das Haus Model in Monheim teilte, sich erfüllen möge.

Wie sich aus der Widmung ergibt, haben die Frauen der jüdischen Gemeinde Monheims für die Ausstattung zumindest der Decke gespendet. Daraus ergibt sich mit einer gewissen Logik, dass zumindest jene Räume doch nicht nur Privaträume des Hausbesitzers waren, sondern auch für die Gemeinde genutzt wurden. Warum sonst hätten die anderen Frauen der Gemeinde dafür spenden wollen?

Wie dem auch sei drückt die Wortwahl eine gewisse Skepsis des Bauherrn aus, der zwar auf Ruhe und Frieden hofft, zugleich aber um Beistand betet und das Kommen des Messias ersehnt, der hier sein Volk erretten möge.

Es folgen nun bildliche Darstellungen mit Szenen aus dem ersten Buch der Tora, die mit effektvoll verkürzten Aussagen aus dem Buch ausgestattet sind.

Beginnen wir mit Abraham, mit dem sich der Bauherr Abraham Model wohl verbunden sah, verließ er doch wie das Vorbild der Tora seine Heimatstadt Ansbach, um in Monheim eine neue Zukunft zu errichten. Die ohne Zweifel auch durch christliche Auffassungen beeinflusste Darstellung zeigt einen Turban tragenden Abraham mit flatternden Umhang und über seinen kleinen gebundenen Sohn Isaak erhobenen Schwert, dem scheinbar aus den Wolken heraus ein geflügelter Engel etwas zuruft.

ויקרא אליו מלאך הש’ם

אל תשלח ידך אל הנער

כי ברך אברכך

„Der Engel (eigentlich: Arbeiter)  Gottes rief: Stich nicht mit deiner Hand in den Burschen, denn ich segne dich“ (ספר בראשית כב  – יא’, יב’,  יז, Genesis 22.11, 12, 17)

Es folgt die Darstellung des Isaak, der nun im Beisein seiner Frau Rebecka (רבקה) unter einem Baldachin sitzend seinen Sohn Jakob segnet. Der Text dazu zitiert aus Genesis 27.29:

 הוה גביר לאחיך

ומברכיך ברוך

„Sei der Herr über deine Brüder, und wer dich segne ist gesegnet.“  (ספר בראשית כז’ כט)

Schließlich zeigt eine weitere Abbildung noch Jakob und dessen Traum von der Himmelsleiter mit ab- und aufsteigenden „Engeln“.

Oberhalb der Szene ist zu lesen: והנה י’י נצב עלין ויאמר (Über ihm war Gott und sprach)

והנה אנכי עמך ושמרתיך בכל-אשר תלך

מה נורה המקום הזה

Hier bin ich mit dir und werde dich schützen wo immer du gehst“, „Was für erschreckender Ort ist dieser?“ (Zitate aus Genesis 28.13, 15 und 17; ספר בראשית כ’ח)

Die Aussage מה נורה המקום הזה geht in der Darstellung von Jakob hervor und ist vorstellbar auch in gewisser Weise auf Monheim „gemünzt“.

Ursprünglich befanden sich im nun abgeteilten Raum, der als Sitzungssaal des Rathauses genutzt wird, noch zwei weitere Darstellungen, eine die König David mit einer Harfe zeigt, eine andere mit Mosche und den Tafeln des Ewigen Bundes.

(David and Moses: wikipedia)

Die Abbildungen des wahrscheinlichen Festsaals im Hause von Abraham Model im schwäbischen Monheim ist so gesehen als eine Art Kurzzusammenfassung von Geschichten der Tora zu verstehen und versammelt die drei Stammväter zusammen mit Moses und König David.

Bliebe am Rande die Frage, ob bildliche Darstellungen dieser Art das Gebot der Tora verletzen? Die Instruktion lautet eindeutig לא תעשה־לך פסל – mache dir kein „Bild“, wobei weniger eindeutig ist, was genau dies heißen mag. Weniger problematisch ist das hebräische Wort פסל (fessel), welches benutzt wird um ein plastische Statue oder Skulptur, also ein räumliches Standbild zu bezeichnen. Demnach würde lediglich eine dreidimensionale Darstellung das Verbot der Tora brechen, nicht jedoch eine Zeichnung. Allerdings ist zumindest nach heutigem Sprachgebrauch die folgende Formulierung etwas zweideutig, da es nun in der Fortsetzung des Textes heißt:

 לא תעשה־לך פסל וכל־תמונה אשר בשמים ממעל ואשר בארץ מתחת ואשר במים מתחת לארץ

(„Mach dir kein Standbild und jegliche Abbildung von etwas was oben im Himmel ist und was unten auf der Erde ist und was unterhalb der Erde ist.“ Exodus 20.4 ספר שמות)

Versteht man die Aussage כל־תמונה als jegliche Abbildung – und komplizierter Weise legt der heutige Sprachgebrauch von תמונה, worunter man ein gewöhnliches Bild, aber auch eine Photographie verstehen kann – ein solche Deutung scheinbar nahe – wäre jede Art der Abbildung faktisch durch die Tora verboten. Das könnte natürlich gemeint sein, ist es aber nicht, wie schon aus dem Umstand hervor geht, dass Gott selbst für den Bau der sog. „Bundeslade“  (ארון הברית, wörtlich eher Kiste oder Kasten) die Darstellung von goldenen כרובים Chruwim fordert, welche als geflügelte Wesen erwähnt werden, wobei unklar ist, ob sie einen tier- oder menschenähnlichen Körper hatten, wie es aus im antiken Orient von Ägypten bis Persien in populären Darstellungen zeigten. כל־תמונה meint demnach sinngemäß „jegliche Darstellung“ und zwar, wie zuvor erwähnt als Standbild oder Statue (fessel). Dementsprechend sind Abbildungen wie im Festsaal des Hauses von Abraham Model in Monheim auch kein Verstoß gegen das Verbot der Tora, da es sich dabei nicht um Standbilder handelt, wie etwa bei Brunnen- oder „Heiligenfiguren“.

Die Decken wurden 1978 und nochmals 1994 restauriert und sind in den gewählten zarten Pastellfarben zumindest nicht aufdringlich und könnten durchaus dem originalen Zustand nahekommen.

Unser ausdrücklicher Dank gilt Ralf Rossmeisl für die Empfehlung und Herrn Mayer für die ausgesprochen freundliche Führung im Haus.

 * * *

Monheim in the Ries region of Bavarian Swabia is a small town with less than 5000 inhabitants today (although nine other villages were incorporated). Although its coats of arms (a crescent and a star) is the same as the seal of the Jewish community of Regensburg only from 1697 until 1741 there are known reports from the existence of a Jewish community, which comprised of twenty houses and more than 150 people. Among the residents also was Abraham Model (ca. 1685-1760) , an offspring of Simon Ulmo-Ginzburg and from a rich and influential family of scholars and court Jews in Franconian Ansbach, near Rothenburg ob der Tauber. At the marketplace Abraham from 1714 to 1720 built a grand three-story house which after the expulsion from the Jews in Monheim in 1741 for a longer time was used as school house and today is the town hall of Monheim and the administration of the incorporated villages. Today only an artfully stuccoed ceiling with depictions from the Tora which show Abraham, Isaac, Jacob, Rebecca, Moses and King David along with Hebrew quotations and inscriptions, remind of few but formative decades of Jewish life in the very center of Swabian Monheim.

מאָנהעים אין סוואַביש טייל פון באַוואַריאַ צווישן דאָנאַווערט און פּאַפּפּענהעים איז אַ קליין שטאָט מיט אַ ייִדיש געשיכטע

דער בעסטער בייַשפּיל פֿאַר עס איז די שטאָט זאַל פון מאָנהעים וואָס 300 יאר צוריק איז געווען געבויט דורך רבי אברהם בן אליהו מאָדל אַ אָפּשטאַמלינג פון רבי שמעון בן אליעזר אולמו גינצבורג

אברהם מאָדל אין זיין נייַע הויז האט מעבלירט אַ עסצימער פֿאַר סימכע און בייַ די פּלאַפאָנד פון דעם זאַל ער האט בילדער פון אברהם, יצחק, יעקבֿ, דוד המלך און משה רבנו צוזאַמען מיט פילע ציטטה פון די תורה

* * *

general sources and recommended reading:

Cabinetsfactor Abraham Elias Model – Glanz und Elend einer hervorragenden jüdischen Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, recherchiert und erzählt von Rolf Hofmann

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Bayern/ABRAHAM-ELIAS-MODEL.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Monheim_Town_Hall

http://www.monheim-bayern.de/

Monheim – Kleine Stadt mit großer Vergangenheit, herausgegeben zur Feier der Stadterhebung vor 650 Jahren, Monheim 1990

Falk Wiesemann, „Model“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 595 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz51759501.html

Mordechai Model Oettingen und seine Kinder, in: Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 42, 1898, S. 557 ff.

חלוקי תע אבניםר׳ מרדכי מאדעל איטינגען מווינא

יש מנחילין –  רבי פנחס קאצנלנבויגן


Die Dreiachteljüdin

May 29, 2012

Ab und an kann man heute noch lesen, was in früheren Zeiten mitunter ganz wissenschaftlich daher kam, in Deutschland wenigstens, nämlich eine quotierte Dosis an Jüdischem in einem Menschen. So wie ein Glas halbvoll oder halbleer sein kann, so kann demnach ein Mann oder eine Frau Halbjude sein oder Halbnichtjude. Das gibt nicht unbedingt Aufschluss darüber, ob der- oder diejenige oben oder unten, vorne oder hinten, rechts oder links, kreuz oder quer jüdisch … oder nichtjüdisch ist. Jedenfalls richtete sich das “irgendwie” nach den Eltern, die man hatte. Nachdem früher nun auch die Großeltern in die Analyse miteinbezogen wurde, konnte man neben drei “jüdischen” Großeltern einen “nichtjüdischen” Großelter oder Großelterin haben. Wenn man dies dann entsprechend zusammenrechnet, konnte jemand, wie mir mal zu lesen kam, entsprechend als Dreiachteljüdin bezeichnet werden. Neulich nun, ich meine es war in Nördlingen, fand ich erstmals einen entsprechenden Beleg für die Existenz. Es war in einem Keller, da wo manche zu Lachen hingehen.

What is a three-eight Jewess? Something Nazi used to figure in order to take all Jewish and non-Jewish ancestors on had into account. Most popular until today are so called half-Jews, altough in many cases it is unclear whether the left or right half is Jewish, bottom or top, back or front. To figure out a three-eights Jewess however is even harder. But fortunately there now are guide markers or indicating labels in Germany, as seen recently in Nördlingen (probably), which may indicate the right door.


חג שבועות שמח

May 25, 2012

A happy as healthy and kosher Festival of Weeks (Shavuot) to all our member s and friends all over the world

Frohes Fest -חג שבועות שמח

Bonne fête! С праздником ! عطلة سعيدة

 


Die Weisen von Erfurt

May 24, 2012

Bernd the Bread, Germany’s authority in performing arts.

In spring he usually is dressed up as Afikoman, although  not exactly voluntary

* * *

Einst ersannen die Weisen von Erfurt

Mal eben die Wieder-Geburt

Der längst schon vergessenen Juden

Und aus allen Bretterbuden

Meldete man noch ne Jungfrau’n-Geburt

   * * *

In Erfurt feierte man den Geburtstag Israels nicht wie dort üblich nach dem jüdischen Kalender, sondern nach dem christlichen, demnach also am 14. Mai und somit mit der Maus ! שבחים על העכבר


Die alte Mikwe in Erfurt

May 24, 2012

Die Existenz einer Mikwe gilt in Erfurt etwa ab der Mitte des 13. Jahrhundert als gesichert. Da es nicht schwer zu erraten ist, dass man sie in der Nähe des jüdischen Viertels und notwendigerweise auch nahe an einem Fluss oder Bach bauen musste, fand man 2007 bauliche Überreste direkt hinter der berühmten Krämerbrücke. Bemerkenswert daran ist allerdings, dass es sich dabei weniger um einen Zufallsfund handelte, sondern um einen langjährigen Wunsch, der in Erfüllung ging. Irgendwie. Diese Reste der Ausgrabung sind heute überbaut mit einem Schutzbunker und werden präsentiert als Teil des Netzwerkes „Jüdisches Leben Erfurt“. Besonders hingewiesen wird auf die Möglichkeit, die Besichtigung der „Mikwe“ zusammen mit der „Alten Synagoge“ zu buchen.

Die Informationstafel vor dem Neubau erläutert, dass das „jüdische Ritualbad“ aus dem 13. Jahrhundert stammt und erstmals  1248 erwähnt wurde. Weiter heißt es: „Im Mittelalter war die Umgebung der Mikwe dicht bebaut, hier wohnten Juden und Christen Tür an Tür. Eine heute überbaute Gasse war der kürzeste Weg von der Mikwe zur Alten Synagoge, dem ersten Gotteshaus der jüdischen Gemeinde. Diese Gemeinde wurde 1349 in einem Pogrom ausgelöscht. Juden, die sich ab 1354 in Erfurt ansiedelten, nutzten die Mikwe weiter, während die Alte Synagoge bereits in ein Lagerhaus umgebaut worden war. Der Stadtrat verwies 1453  alle Juden aus Erfurt. Spätestens dann endete die jüdische Nutzung der Mikwe. Das Wasserbecken wurde verfüllt, die Mikwe als Keller genutzt.“

Dass frühere Quellen den Standort der mittelalterlichen Mikwe an anderer Stelle angeben, ficht die heutigen Spezialisten nicht an. Grabungen dort ergaben keinen brauchbaren Fund, sondern nur einen großen Keller aus dem 19. Jahrhundert, der alle möglichen Spuren von Vorgängerbauten getilgt haben soll. Die Möglichkeit aber, dass auch jüdische Tauchbäder wie die Mehrzahl an baulicher Infrastruktur mittelalterlicher Städte nach sechs oder sieben Jahrhunderten (aus allen denkbaren Gründen) womöglich einfach nicht mehr vorhanden sind, hat man offenbar ausgeschlossen. Durchaus kreativ, ging man nun davon aus, dass es in den alten Erfurter Freizinsregistern zu „irrtümlichen Grundstückzuordnung“ gekommen sei. Die Register gaben zwar Straßen an, „die einzelnen Häuser jedoch nicht immer eindeutig“, so die Rechtfertigung. Wie diese Behauptung nun aber für den jetzt bezeichneten Standort sprechen soll, bleibt ein Geheimnis (siehe: „Der unerwartete Mikwe-Fund am Breitstrom“, in: Stadt und Geschichte, Erfurt 2008, Sonderheft  9, S. 9 f.).

Der Fund wurde als Keller freigelegt, die Relikte des vermuteten früheren Bades mussten erst rekonstruiert, bzw. interpretiert werden. Das „Wasserbecken“ (ohne Zu- oder Ablauf) hat grob geschätzt etwa eine Fläche von einen auf eineinhalb Meter, was den Anschein erweckt, als sei das בור טבילה sozusagen umgekippt und auf der falschen Seite gelandet. Da wir davon ausgehen können, dass der früher als Lagerraum verwendete Keller gewiss trocken war, ergibt sich andererseits auch wieder, dass das heute, etwa einen halben Meter hoch stehende Wasser, wohl aus Gründen der Dramatisierung zugelassen wurde, wobei sodann Anhaltspunkte für חורים fehlen.

Über dem freigelegten Gelände erstreckte sich nach dem 15. Jahrhundert ein wohl christlicher Friedhof, wo die Ausgräber etwa 80 Leichen-Funde machten. Auf der Webseite der „Alten Synagoge Erfurt“ wird im Kontext mit der ausgestellten Mikwe sogar ein fachgerecht freigelegtes Skelett präsentiert. Die weiteren Überreste der katalogisierten Toten wurden den Angaben gemäß, auf dem städtischen Friedhof vergraben, da, wie es einigermaßen makaber heißt „ihre wissenschaftliche Auswertung kaum brauchbare Ergebnisse erwarten ließe“ (dto.).

http://www.alte-synagoge.erfurt.de

Passend zum Friedhof ist eine eher untypisches Detail des präsentierten Bades: ein in der Seitenwand verbauter Quaderstein mit einem umgedrehten Ecksteinkopf. Der lockige Kopf trägt eine Mütze und erinnert damit deutlich an antike römische Sarkophage. Man spricht hierbei von einem sog. „Akroterion“ (ἀκρωτήριον), also einen oft zugespitzten Eckstein welcher an der Kante des Sarkophags angebracht oder dort speziell herausgearbeitet wurde. Im Erfurter Keller ist offenbar ein taurischer Kopf zu sehen, bei römischen und griechischen Grabmalen schon recht typisch mit gelockten Haaren und phrygischen Mützen dargestellt.

Die Köpfe an den Ecken der oft recht wuchtigen Steinplatten wurden im antiken griechisch-römischen Bestattungskult als Grabwächter aufgefasst. Ihre apotropäische Symbolik sollte  „böse Geister“ davon abhalten, die Totenruhe der Verstorbenen zu stören oder sich gar der Leichname zu bemächtigen, was im Fall von Erfurt dann offensichtlich nur zeitlich begrenzt klappte.

Taurische Akroterion Maske an einem Sarkophag im Vatikan

Kopie des Kopfes an der Außenseite des Schutzbunkers

In Erfurt wurde die als Steinplastik allen Ernstes als „König David aus dem Alten Testament“ gedeutet, was abermals den Stellenwert Erfurts unterstreiche und in Bezug auf seine neu gefundene Mikwe deren „besondere Stellung unter den Mikwen Mitteleuropas heraushebt“, denn „erstmals wurde an einem jüdischen Ritualbau figürlicher Schmuck nachgewiesen“.

Keine naheliegender Gedanke, aber die Erklärung  ist ebenso einfach wie bestechend: „Die Krone mit Lilienaufsatz ermöglicht eine Interpretation der Plastik als König David. Kunsthistorisch lässt sie sich in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren.“

(http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/kunst/aktuelles/2010/print_35565.shtml)

Fehlt nur noch eine Erklärung dafür, warum mittelalterliche Juden sich eine David-Figur in Stein gemeißelt haben sollten, obwohl das Judentum wie auch der Islam Skulpturen als Götzenbilder streng verbieten. Als sie sich über das Verbot erst mal hinweggesetzt hatten, überkam sie dann doch eine Art schlechtes Gewissen, weshalb sie den Kopf dann mit der Kinnspitze nach oben, also verkehrt herum eingesetzt hätten? Eine bizarre Vorstellung.

Akroterion an Steinsarkophag im Römischen Museum Augsburg

Ob es sich bei dem ausgestellten Fund wirklich um eine ehemalige Mikwe handelt ist angesichts des Eckkopfstein wenig plausibel, da es im Judentum ein striktes Verbot für die Herstellung und Verwendung einer Skulptur  (פסל) gibt. Da ansonsten an den Begebenheiten und baulicher Substanz mangelt, ist die Präsentation als solche einigermaßen fragwürdig. Selbst wenn tatsächlich Überreste einer mittelalterlichen Mikwe vorhanden, aber dann doch wieder mehrfach überbaut und verändert worden wären, hätte es keine praktischen Nutzen, da keine funktionalen Aspekte vorhanden sind.  Schon ein Bruchteil des dafür ausgegebenen Geldes hätte wohl ausgereicht um der heutigen jüdischen Gemeinde am Juri-Gagarin-Ring eine koschere Mikwe zu besorgen, damit Im Wortsinn “Jüdisches Leben in Erfurt” gedeihen könnte. Es wurde lediglich ein ehemaliger unterirdischer Lagerraum unter Wasser gesetzt und überbaut, wofür zudem auch noch in mehreren Dutzend Fällen die Totenruhe Erfurter Ahnen gestört, zerstört wurde. Angesichts des Sarkophags im Mikwen-Museum könnte man dann fast von Sarkasmus sprechen, wäre es nicht eher eine Farce.

Zweifellos am originellsten ist dabei der Wegweiser zur “Mikwe” im benachbarten Biergarten.

Since last fall Erfurt has another landmark of her Jewish history project, the mikveh discovered in 2007 next to the Krämerbrücke (bridge), which was overbuilt by an protective building similar to Regensburg Marktplatz

In 2007 the news from Erfurt was that the medieval mikveh was rediscovered next to the famous Krämerbrücke at river Gera. After lots of excavation, documentation and construction since last fall there is another piece of Erfurt’s Jewish tourist program. Today the remnants of the basement cellar which once was used as storage room is regarded as Jewish immersion bath first mentioned in Erfurt about the year 1248. Medieval deed mention the bath at another place, at Kreuzstr. 4, what actually does not bother the experts since medieval writers had not the same degree of accuracy as they are today. Diggings there also had no convenient result and just unveiled a 19th century basement.

On the site of the finding for half a millennium there a Christian cemetery and so some eighty skeletons needed to be examined and removed from their burial place. Since their remains were regarded of less important academic value the collected bones were buried at the municipal cemetery.

Although the site is promoted as medieval mikveh, it of course is none. Today however the “mikveh” is overbuilt by a kind of protective shelter, similar to the one, which is similar to the arrangements of Neupfarrplatz in Regensburg. You only can visit the basement when joining a guided group.

Sarcophagus at Vatican, Museo Grogoriano profano (drawing by G. Eichler), note the acroterion mask on the top of the depiction.  Source: http://av.zrc-sazu.si/pdf/50/AV_50_Kastelic.pdf

In the sidewall of the „mikvah“ there is a head shaped corner stone sculpture until late Roman times known as “acroterion” on the top of sarcophagi. Many head shaped cornerstones – as the Erfurt one – quite typical have Phrygian bonnets and curled hair. In ancient Roman and Greek belief system the acroterion was supposed to protect the tomb from violation of graves or even from stealing the corps. Obviously the period of warranty in 2007 already was expired.

The experts from the local monument protection authority however have interpreted the cornerstone as “King David from the Old Testament” and say it underlines the importance of Erfurts Jewish past. For the first time there is an evidence for figural decoration at a Jewish “ritual construction”, what of course would highlight the mikvah of Erfurt among the other mikvot in Central Europe.


Der alte jüdische Friedhof in Erfurt Cyriakstraße

May 23, 2012

Die Überreste des ersten nachmittelalterlichen, nunmehr alten jüdischen Friedhofs von Erfurt befinden sich am Platz vor dem 1874 abgerissenen Brühler Tor, dass nach der Erfurter Vorstadt Brühl benannt wurde. Gegenüber des gotischen Sibyllen-Türmchens zwischen den heutigen Häusern der Cyriakstraße 3 und 4 sind seit kurzem zwei Reihen von Grabsteinen aufgestellt, die von dem ursprünglich größerem Gelände des Friedhofs stammten. Entlang der Straße die zur gleichnamigen Cyriakburg führt, deren Name sich von dem griechischen, von Orthodoxen wie Katholiken gleichermaßen verehrten Heiligen Kyriakos ableitet , entstanden ab 1935 Siedlerhäuser. Die jüdische Gemeinde Erfurts wurde damals dazu gezwungen, den Friedhof an die Stadt Erfurt zu „verkaufen“.

Beim alten jüdischen Friedhof in Erfurt: Judas-Kuss hinter Gittern

Den Angaben des früheren Erfurter Rabbiners Jaraczewsky gemäß wurde der jüdische Friedhof im Jahr 1811, damals noch außerstädtisch angelegt. Da aber noch im Jahr 1816 die jüdische Gemeinschaft in Erfurt mit nur 15 Personen noch sehr klein war  – erst um 1820 wurde die Zahl von hundert erreicht – ist es plausibler der Angabe von Wilhelm Horn Glauben zu schenken,  der angibt, der Friedhof sei erst 1832 eingerichtet worden. Unstrittig hingegen ist, dass der Friedhof bereits 1877 belegt war und bei der Thüringer-Halle an der heutigen Werner-Seelenbinder-Straße der neue, heute wieder benutzte Friedhof eingerichtet wurde. Das besagte Türmchen, das neben einer Kreuzigungsszene auch einen sog. „Judas-Kuss“ darstellt, wurde kurz nach der Einrichtung des Friedhofs auf der gegenüberliegenden Straße etabliert. Entlang der heute nicht mehr existierenden Mauern des Friedhofs befanden sich früher über 70 hebräische Grabsteine und Fragmente des mittelalterlichen Judenkirchhofs in der Nähe des ehemaligen Moritz Tors. Von ihnen ist vor Ort nichts erhalten geblieben. Auch der bereits 1926 durch Erfurter Mitglieder des extremen „Wikingerbundes“ massiv angegriffene Friedhof wurde weitgehend zerstört. Von den über 130 Grabsteinen blieb nichts erhalten. Zwar erhielt die jüdische Nachkriegsgemeinde den Friedhof oder Reste des Geländes als Besitz zurück, jedoch wurde sie 1952 abermals, nun von der kommunistischen Regierung zum Verkauf gedrängt. Auf dem restlichen, zuvor noch nicht überbauten oder umgewidmeten Gelände wurden nun Garagen für die örtliche Staatsanwaltschaft ausgeführt. Ein Umstand, der etwaige Einwände wohl von vornherein ausschloss. Die Garagen wurden erst vor einigen Jahren abgerissen. Es folgte die Setzung eines Gedenksteins mit der Inschrift: „Der alte Friedhof der jüdischen Gemeinde Erfurt bestand an dieser Stelle bis 1952. Hier ruhen zahlreiche bedeutende Erfurter Juden. Wir erinnern: Freistaat Thüringen, Landeshauptstaat Erfurt, Jüdische Landesgemeinde Thüringen“.

(based on Google Earth)

Heute sind auf dem schmalen Restgelände neben dem erwähnten Gedenkstein noch etwa zwei Dutzend Grabsteine in zwei Reihen aufgestellt, die sich auf älteren Abbildungen offenbar auf dem neuen Friedhof befanden.  Auch ein zweiter, älterer Gedenkstein mit nur noch schwer zu lesenden Inschrift ist in der vorderen Reihe platziert: „Hier stehen die übriggebliebenen Grabsteine vom alten Friedhof in der Cyriakstrasse, der am 9. November, der Kristallnacht zerstört worden ist.“ Wohl richtig gedeutet liegt demnach die Vermutung nahe, dass mit der „Auflösung“ des Friedhofs im Jahr 1952, die verbliebenen Grabsteine von der Cyriakstraße auf den neuen Friedhof gelangten, wo sie – ohne Gräber – neu aufgestellt wurden. Offenbar um davon abzulenken, dass die endgültige Zerstörung des Friedhofs 1952 geschah, behauptet die Inschrift, der Friedhof sei am 9. November 1938 zerstört worden.

Wie auch immer ist nicht damit zu rechnen, dass die heute aufgestellten Grabsteine mit tatsächlichen Grabplätzen übereinstimmen, weshalb von einer verlautbarten „Rekonstruktion“ kaum die Rede sein kann.

Trotzdem wollen wir für einen ersten Eindruck ein paar der Inschriften wiedergeben:

הילדה פאגעל בכ’ה

בינימין זאב וואלף

נפט’ בשק ג תשרי שנת

תרכט תנצבה

Fanni Wolf

Grabstein des Mädchens Fanni „Fogel“, Tochter des verehrten Herrn Binjamin Seev Wolff, die am heiligen Schabbes dem dritten Tischri im Jahr 629 verstarb. Es war dies der Schabbat Schuwa am dritten Tag des neuen Jahres. Im christlichen Kalender entspricht das Datum Samstag, 10. September 1868.

Grabstein der Fanny Unger, geb. Salzmann aus Frankfurt Oder, Ehefrau des Professors Dr. Ephraim Unger, geboren am 14. November 1804, gestorben am 17. Februar 1832. Ephraim Unger (1789-1870), in Coswig geborener Sohn des ersten neuzeitlichen Bürger Erfurts Salomon David Unger und ersten Vorsitzenden der modernen jüdischen Gemeinde in Erfurt gründete 1820 in Erfurt zusammen mit seinem Bruder David, dem späteren Hofagenten eine mathematische Lehranstalt, aus der später die Realschule hervorging. Wie bereits sein Vater war auch Ephraim Salomon Vorstand der jüdischen Gemeinde von Erfurt. Als 1840 die Synagoge an der Gera von Rabbiner Dr. Ludwig Philipson eingeweiht wurde, war diese noch als privat auf die Namen der Ungers und des späteren Gemeindevorsitzenden Wilhelm Moos eingetragen, da die Gemeinde als solch noch keine “staatliche Anerkennung” hatte.

Weitere Information zu Prfo. Ephraim Salomon Unger nebst Portrait:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ephraim_Salomon_Unger

Gedenkstein für Ludwig Unger, Sohn des Hofagenten D. (vermutlich David) Unger, gestorben am 1. April 1837 (= 25. Adar B 5597).

אשה חשובה וישרה אם נכונה

מ’ לינדל אשת כ’ה יהודא היילעמאן

נפט’ ביום א דרח טבת תרנח לפק

Denkmal für Luise „Lindl“, Ehefrau des verehrten Jehuda Heilemann, die bezeichnet wird als angesehene, teure Frau und treue Mutter. Sie starb am Neumond, dem ersten Tewet des Jahres 658, dem vorletzten Tag des Chanucka und im christlichen Kalender Sonntag, 26. Dezember 1897.

Pictures: Margit Hummel, Yehuda Shenef