Der Jude Abraham von Schrobenhausen

March 30, 2012

Schrobenhausen in Oberbayern, ist ein kleines Städtchen auf halben Weg zwischen Ingolstadt und Augsburg gelegen und wird etwas glyphisch als „Lehnbachstadt im Spargelland“ beworben.

Gemeint ist damit, dass Schrobenhausen die Geburtsstadt des Münchner Porträtmalers Franz von Lenbach (1836-1904) ist, der u.a. Bismarck, den er rund achtzig Mal darstellte, Kaiser, Päpste, usw. malte und bereits in den 1880er Jahren Fotografien als Vorlagen verwendete. Vielleicht dem zuletzt recht inflationären Charakter seiner Kunst folgend ist heute auch in Schrobenhausen alles Mögliche nach ihm benannt. Schrobenhausen gilt sodann auch als Hauptort des bekanntesten bayerischen Anbaugebiets für Spargel (Asparagus), der aber in ganz Europa, Nordafrika und Asien verbreitet ist. Insbesondere chinesischer Spargel findet sich in Konserven in fast allen Läden. Zumindest am Augsburger Stadtmarkt ist jedoch in jedem Frühjahr ganz eigens der Spargel aus Schrobenhausen präsent und deshalb in der Region allgemein ein Begriff.

Der Ortsname Schrobenhausen wird erstmals in einer Urkunde um 790 als „Scropinhusen“ erwähnt und als Häuser eines „Scropo“ gedeutet. Der Urkunde gemäß wurden diese damals der Kirche in Freising geschenkt. Da danach jedoch keinerlei weitere Nachrichten über den Ort bestehen, ist dies eher fraglich und es könnten sehr wohl spätere Ansprüche mit rückdatierten Schriftstücken untermauert worden sein. Mit „Scropo“ als Namensgeber verbindet sich weder eine solche Person noch ein gebräuchlicher Name der entsprechend geläufig wäre. Lautlich kämen aus dem Mittelhochdeutschen „schrowe“ eine Art Kratzbesen (vgl. „schrubben“) oder „schorben“ (in kleine Stücke schneiden) in Betracht. Letzteres im Sinne von „kleingeschnitten“, „zerhackt“, könnte auf einen Ruinenort deuten. Verwandt wäre damit auch das hebräische חורבן (chorben), welches Ruine bedeutet.

Im 12. Jahrhundert ist der Schrobenhausen Sitz der lokalen Adelsfamilie der Marschalken 1310 wird der Ort erstmals als Markt bezeichnet. Von 1328 stammt das älteste bekannte Stadtsiegel mit dem heute noch geläufigen Kopf eines schwarzen Bären. 1388 wird S. im bayerischen Städtekrieg fast komplett zerstört, 1392 gelangen die Überreste an das Herzogtum Bayern mit Sitz in Ingolstadt. Schrobenhausen erhält nun das Recht zu bestimmten Steuereinnahmen (Salzniederlage, Wein, etc.) und bewirken so den Neuanfang und Wiederaufbau. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts entsteht die an manchen Stellen noch erhaltene Stadtmauer mit ihren eigenartigen kleinen Türmchen, wobei das Gelände der Stadt erweitert wird. 1447 wird Schrobenhausen erstmals in einer Urkunde als „Stadt“ bezeichnet.

Aus jener Zeit zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist aus Augsburger Steuerurkunden auch der Jude Abraham von Schrobenhausen namentlich bekannt, der 1407 als Steuerzahler registriert wurde. Voraussetzung für eine solche Versteuerung war in der Regel entweder Hausbesitz in Augsburg oder aber  ein entsprechend gut laufendes Geschäft.  Denkbar ist beides. Und noch manch anderes. Der nur einmal als Abraham von Schrobenhausen bezeichnete Mann könnte mit einem ab 1415 nochmal nur Abraham genannten Mann identisch sein. Denkbar wäre auch, dass es sich um Abraham den Hochmeister, also Rabbiner handelt, der 1405 und 1406 in den Steuerlisten erwähnt ist und 1407 verstarb. Der hebräische Grabstein von R. Abraham bar Pinchas wäre bis heute erhalten geblieben. Sich vorzustellen, dass der Augsburger Rabbiner aus dem kleinen Schrobenhausen gekommen sein mag, ist keineswegs abwegig, den in der selben Zeit verzeichnen die städtischen Bücher ab 1409 Hillin aus Zusmarshausen als Schulklopfer der Augsburger Gemeinde, der bis 1437 verzeichnet ist. Bedeutende Ämter der Gemeinde konnten also durchaus von Zuziehenden aus eher kleinen Orten ausgefüllt werden.

Da die Steuereintragungen sehr lückenhaft sind und von Schreibern vorgenommen wurden, die man heute als faktische Analphabeten bezeichnen würde, lässt es sich letztlich ohne weitere Information nicht entscheiden, ob Abraham von Schrobenhausen mit einer der anderen Personen identisch war. Zweifelsfrei gehörte er aber in jener Zeit zur mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Augsburg, als diese mit rund sechshundert Menschen ihre größte Stärke erreicht hatte und zu den bedeutendsten in Europa zählte.

Die Herkunftsbezeichnung von Schrobenhausen belegt natürlich Abrahams Herkunft aus dem Ort und ist zugleich natürlich auch ein Indiz dafür, dass es in jener Zeit eine zumindest kleine jüdische Gemeinde, vielleicht mit einer Judengasse, Tauche, etc. gegeben haben müsste, da andernfalls seine Benennung als Abraham von Schrobenhausen wenig Sinn machte.  Wie dem auch sein, Abraham von Schrobenhausen entstammte einer Zeit in der sein Heimatort fast vollständig zerstört, aber auch wieder neu aufgebaut wurde. Er verbindet sich demnach mit der konkreten Ortsgeschichte, deren bauliche Strukturen heute noch an vielen Stellen des schönen Ortes wie in einem „Museum“ an die Vergangenheit erinnern.

In den folgenden Jahrhunderten wird Schrobenhausen durch zahlreiche Kriege zumindest indirekt in Mitleidenschaft gezogen, weshalb seine weitere Entwicklung stagniert. Schrobenhausen bleibt über Jahrhunderte hinweg ein kleines nettes Städtchen mit etwa tausend Einwohnern. 1832 wird der Ort im „Topo-geographischen-statistischen Lexikon vom Königreich Bayern“ von Eisenmann / Hohn folgendermaßen beschrieben:

Schrobenhausen, Städtchen an der Paar und an der Straße von Augsburg nach Regensburg, von Aichach 4 und von Neuburg 7 Poststunden entfernt. Es ist mit Wällen und Gräben umgeben und umfasst eine Vorstadt, ein Schloss, die Sitze des Landgericht Rentamts, ein Pfarramt im Dek. Aichach, eine Postexpedition, ein Rathaus, ein Magistrat, eine Pfarr- und zwei Nebenkirchen, zwei Spitäler, ein Leprosenhaus, 278 Häuser, 1695 Einwohner, drei Beneficiaten-Häuser, acht Brauhäuser, vier Branntweinbrennereien, eine Salpeter- und eine Pottasch-Siederei, je eine Mahl-, Öl-, Loh- und Papiermühle, hält drei Jahrmärkte, wöchentlich eine Getreideschranne und in der Fastenzeit wöchentlich einen Viehmarkt. In der Nähe breitet sich das bekannte Donau-Moos aus. Die hölzerne Brücke über die Paar hat drei Joche und 72 Fuß Länge; die Brücke über das Paarer Hochwasser zählt sechs Pfeiler und 123 Fuß Länge; die Ruhgraben-Brücke über die Paar 51 Fuß Länge, die Paar-Brücke bei der Donau-Mühle drei Joche und 77 Fuß Länge. Der Ort ward von Ludwig dem Gebarteten zur Stadt erhoben, im 30jährigen Kriege hart mitgenommen, im Jahr 1704 nach der Schlacht am Schellenberg von den Engländern und Österreichern geplündert, in den Jahren 1796 und 1800 von den Franzosen besetzt und hatte den zweimaligen Durchmarsch der Russen unter Souwaroff im Jahre 1799.

Der Eintrag beschreibt Schrobenhausen wenige Jahre bevor Franz von Lenbach hier geboren wurde. Zwar erwähnt die Beschreibung keine Juden, allerdings auch keinen Spargel, dafür aber immerhin acht Brauereien. Von ihnen hat sich wohl nur der Gritschenbräu halten können.

Als sich Mitte des 19. Jahrhundert etwas Industrie ansiedelt, wächst der Ort wieder und erreicht etwa zweitausend Einwohner. 1875 gibt der Anschluss an die Paartal-Bahn weiteren Auftrieb. 1925 verzeichnen die lokalen Behörden 3.927 Einwohner am Ort und 1939 war die Zahl bereits auf 5.223 angestiegen. Im Landkreis Schrobenhausen sind in jener Zeit 22.353 Katholiken, 439 Protestanten und zwei Juden registriert. 1946 erhöht sich die Zahl der Einwohner durch zahlreiche deutsche Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten auf etwa 8.000. Durch Eingemeindungen wächst der Ort bis in die 1970er Jahre auf seine heutige Größe von etwa 17.000 Einwohner an.

Schrobenhausen somewhere in the middle of a triangle between Donauwörth, Ingolstadt an Augsburg in Upper Bavary is a small town of some 17.ooo which remnants of the old city fortification date back to early 15th century which is the same time when in Augsburg Abraham of Schrobenhausen was recorded as Jewish taxpayer, indicating a Jewish history in the city at river Paar.

מסמכים מימי הביניים של אוגסבורג אזכור של אברהם שראבנהאוזן

בחלקים רבים של חומת העיר העתיקה מן התקופה באותו הזמן

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Mystery Train of Schwabhausen

March 29, 2012

מה הציון

הלו אשר אתה רואה

?

Half a mile west of Upper Bavarian Schwabhausen which is part of Weil near Landsberg / Lech there is burial field with three mass graves marked by three identically structured but sepately placed monuments at the railroad. The huge monuments  commemorate mass graves of kidnapped Jews who as prisoners worked in Kaufering complex of concentration camps, the biggest in Germany proper. A few days before the war ended, on April 27 in 1945 a train with exhausted and pinched prisoners was hit by an US air raid. Some 130 deaths were buried in three mass graves here.

Detailed information on all incidents (in German): http://www.sotavent.de/judgra.htm

לאות זכרון

כל עין עובר תדמה וכל לב

נמס ושאול ישאל מה הציון

הלו אשר אתה רואה זו היא

עצמות קדושים וטהורים אשר

אחרי עינוים קשים הומתו ביום

השחרור י’ד אייר שנת תש’ה

תנצב’ה

Each eye of a passerby may cry and each heart may sorrow and ask what kind of memorial is it I am seeing here? These are the bones of the Holies and Pure who after cruel pain were killed on the day of redemption 14th of Adar 5705” (according to Christian calendar: 27th of April 1945)

ליד הכפר הבווארי שואבהאוזען ליד לנדסברג, יש שלוש אנדרטאות ענק בעברית לזכר 130 אסירים יהודים נהרגו

Nice cover version of „Mystery Train“ by “Marrzipan”

Train I ride, sixteen coaches long

Train I ride, sixteen coaches long

Well that long black train got my baby and gone

Drei identische mit dem selben Text beschriebene Denkmale über drei Massengräbern mit geschätzten, bereits ausgemergelten und entkräfteten 130 KZ – Gefangenen, die versehentlich bei einem US-amerikanischen Flieger-Angriff ums Leben kamen. Die Namen sind unbekannt. lediglich ein Fall, ausgedrückt durch eine kleine an einem der Denkmal angebrachte Tafel, verrät einen der Toten:

Just one of the estimated 130 dead is known by name: Joschua ben Mosche Chaim Herzel from Hungary


Impressions from Landsberg at river Lech

March 28, 2012

Landsberg at river Lech – although not far from the concentration camps where Messerschmidt Me 262 jets were built by prisoners – surprisingly had no major air raids during World War Two thus the historical old city is full of landmarks and worthwhile travel destination.

Old passage way “Blatterngasse” in the old city of Landsberg. The term “Blattern” suggests a connection to “smallpox” (variola), an infectious desease, known at least since Egyptian ruler Ramses V., smallpox according the WHO was responsible for some 300 million deaths during the course of the 20th century, especially in so called third world countries. In medieval times Jews somtimes were accussed to “cause” pox because not believing in astrology, Jesus and many more, but there are no records from 1348 when all over Europe the “Black Death” killed thousands of infected people.

Almost correctly written Hebrew text on the cross of a crucified Jesus in a Landsberg churchmaintains “Jesus the Notzri king of the Jews”

Ein Anblick den auch ein mittelalterlicher Jude wie Eberlin von Landsberg so ähnlich haben konnte.

לאַנדסבערג אָם  לעך


Juden im mittelalterlichen Landsberg am Lech

March 26, 2012

In mancherlei Weise verbindet man heute Landsberg am Lech direkt oder indirekt mit Juden, zum einem durch die KZ-Außenlager von Kaufering und Dachau, zum anderen durch die in der Nachkriegszeit eingerichteten Lager für sog. „Displaced Persons“ (die heute allmählich zum „displayed“ mutieren), die Kriegsverbrecherprozesse und schließlich indirekt noch durch die Popularität von Hitlers „Festungshaft“ in Landsberg und deren Mystifizierung während der Naziherrschaft, die Landsberg als „Stadt der Jugend“ glorifizierte, der Hitler-Jugend, um genau zu sein, die hier ab 1937 ihren offiziellen Treffpunkt hatte.

Erfahrungsgemäß tun sich aber auch annähernd sieben Jahrzehnte nach dem Untergang des Nazi-Regimes die heutigen Bürger von Städten und Gemeinden wesentlich leichter sich selbst mit den unbequemen Seiten der Nazi-Vergangenheit zu befassen, als mit dem oft dann gar nicht mal weiter schrecklichen jüdischen Anteil ihrer Ortsgeschichte. Eine solche gab es, wenngleich nicht allgemein geläufig auch in Landsberg am Lech, wovon Eintragungen in Urkunden zeugen, die Juden als von Landsberg kommend identifizieren.

Landsberg, soweit es sich geschichtlich fassen lässt ist um 1100 als ein kleines Dorf namens „Fetin“ (Phetine, etc.) bezeugt. Etwas später entsteht hier am Berg eine Burg, die dann Landsburg (landspurch) und schließlich Landsberg (landsperch) heißt. Um 1315 wird das kleine Städtchen im Krieg zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen vollständig zerstört wozu wohl noch nicht viel gehörte. Der nun folgende Aufstieg Landsbergs hängt vor allem mit dem Salzhandel zusammen. Landsberg hatte diesbezüglich wegen der dem gemeinsamen Lech einen Vorteil in Bezug auf die Belieferung Augsburgs, die ansonsten von München aus über den beschwerlichen Landweg geschah.

1361 wurde der Landsberger Lech-Salzstadel errichtet. 1362 erhielt Landsberg trotz erheblicher Widerstände die Münchener Salzniederlage. 1364 wurde die Wehranlage gebaut und die Stadt erhielt durch Herzog Stefan II das „ewige Recht zur Salzniederlage“, was den Konkurrenten München über drei Jahrhunderte in der weiteren Entwicklung beeinträchtigen sollte. Flussabwärts konnten die Flößer, die in Landsberg nun Wegzoll zahlen mussten, Augsburger Gebiet binnen eine Tages erreichen. In Augsburg bekannt ist der jüdische Salzhändler Eberlin aus Landsberg, der in den 1360er Jahren auch in den Steuerbüchern der Reichsstadt mehrmals verzeichnet ist, der im Steuerbezirk beim Heiligkreuztor registriert war, also abseits der Hauptsiedlungen der Juden in der Stadt. Oberhaupt der Stadt war in jener Zeit Konrad Langenmatel der Jüngere der „beim Salzstadel“, inmitten der Maximilianstraße wohnte. Auch der Augsburger Salzstadel ist in jener erstmals bezeugt und in (weit) späterer Zeit als Prachtbau bekannt. Bis in die Neuzeit hinein war Salz wichtigstes Konservierungsmittel und deshalb für den Augsburger Fernhandel von herausragender Bedeutung. Der aus Landsberg stammende Eberlin steht zeitlich mit dem Augsburger wie dem Landsberger Salzstadel in Verbindung und wird als Händler und Unterhändler wohl einen Anteil am Zustandekommen des Handels zwischen den beiden Lech-Städten gehabt haben. Mit Einführung der Zunftordnung verliert sich die Spur von Eberlin jedoch wieder, was vielleicht kein Zufall ist, obwohl die Salzfertiger erst einige Jahrzehnte später in einer eigenen Gesellschaft organisiert waren. (siehe: Augsburger Stadtlexikon).

Eine jüdische Siedlung in Landsberg bestand offenbar im Bereich zwischen heutiger Ludwigsstraße und dem Mühlbach, jedoch sind Nachrichten darüber nur sehr spärlich.

Upper Bavarian Landsberg, some 35 km south of Augsburg at river Lech, is best known for Hitler’s imprisonment and the Nazi-Legend of composing here his concoction “Mein Kampf” (what regarding logical thinking is best translated as “conflict”), as capital of the Hitler Youth, for the Kaufering concentration camp system, the War Prison trials (with some 300 death penalties) and the struggles to cope with that.

Only little is known about pre-Nazi Jewish aspects of the town’s history, which as elsewhere in the region are harder to acknowledge than even the worst aspects of Nazi history. However at the time of 1362 until 1368 Eberlin of Landsberg was recorded in Augsburg taxpayer books. Eberlin was a salt trader and was in Augsburg about the same time when Landsberg took over the rights in salt trading from rivaling Munich and built the famous weir of Landsberg (motif of countless depictions until today), in order to control the rafting to Augsburg, which both share the common river Lech. In both cities huge salt houses were established about the same time.


Der jüdische Friedhof des Klosters St. Ottilien (Eresing) bei Landsberg

March 23, 2012

Der jüdische Friedhof des Klosters St. Ottilien (Eresing) bei Landsberg
– hebräische Grabsteine auf einem oberbayrischen Klosterfriedhof

pdf:  Der jüdische Friedhof des Klosters St Ottilien 2

Documentation of the Jewish cemetery at St. Ottilien near Landsberg, Hebrew grave markers at a Bavarian cloister cemetery


Landsberg where’s rich folks eating

March 19, 2012





Folsom Prison Blues, 1951 von Johnny Cash geschrieben, während seiner Zeit bei der US Air Force in Landsberg am Lech, wo er den Dokumentations-Film “Inside the Walls of Folsom Prison” sah. Häftlinge und Züge sind zwei Hauptmotive von Countrysongs – aber auch der jüngeren Geschichte von Landsbergs Umgebung mit 14 Kaufering Konzentrationslagern.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Folsom_Prison_Blues

Johhny Cash wrote his famous Folsom Prison song 1951 while he was serving in Landsberg / Lech US Air Force base. Maybe inspired by the wide spread concentration camp system with 14 camps next to Landsberg he putted it this way: “I sat with my pen in my hand, trying to think up the worst reason a person could have for killing another person, and that’s what came to mind.”


St. Ottilien in Oberbayern – ein christliches Klosterdorf mit jüdischem Friedhof

March 16, 2012

St. Ottilien cloister Jewish cemetery

In der Gegend von Kaufering und Landsberg am Lech richteten die Deutschen gegen Ende der Nazi-Herrschaft den größten Konzentrationslagerkomplexes des Reiches ein, das 14 Außenkommandos umfasste und im Juni Gefangene aus dem Konzentrationslager Auschwitz zugestellt bekam, um in Bunkeranlagen vor Ort unter dem Tarnnamen „Ringeltaube“ Messerschmitt Düsenjets des Typs ME 262 zu bauen, dem oftmals „Hai ähnlich“ bezeichneten, ersten in Serie gebauten Flugzeug mit Strahltriebwerken, das übrigens in Augsburg entwickelt wurde. Offenbar um Verwirrung zu stiften wurden alle Lager „Kaufering“ genannt, auch wenn sie sich an anderen Orten als Kaufering befanden, wie etwa Landsberg. In den Lagern wurden bis Kriegsende etwa 30.000 jüdische Gefangene registriert , nur etwa die Hälfte, jedoch starben viele der aus ganz Europa verschleppten Juden auch noch in den Monaten nach dem Krieg an den Folgen der  Qualen.  Nach der Definition von Yad Vashem in Jerusalem gelten nur jene Personen noch als Opfer des sog „Holocaust“, die bis zu sechs Monate nach Kriegsende in Europa an den Folge ihrer KZ-Haft starben. Wer eine Woche oder noch länger durchhielt, starb eines gewöhnliches Todes, beispielsweise als „deplatzierter“ Mensch am falschen Ort, bzw. „Displaced Person“.

In der 1884 gegründeten Abtei St. Ottilien (Gemeinde Eresing) , knappe 20 km östlich von Landsberg, lebten von Kriegsende Anfang Mai 1945 bis 1948 eine Anzahl Juden, manche nur wenige Tage, andere Monate oder Jahre. Das Kloster ist heute eine Art Wirtschaftsbetrieb mit eigener Biogas-Anlage, einem Klosterladen, usw. Neben der Kirche und den eigentlichen Klostergebäuden gibt es dort den EOS Verlag mit Druckerei, eine Klostergaststätte mit großem Biergarten, eine Auto- sowie eine weitere Elektrowerkstatt, eine Metzgerei, ein Gymnasium, eine Turnhalle, ein Nähmaschinen-Museum, selbst der kleine See hat eine eigene Insel. Schließlich verfügt das Klosterdorf sogar noch über einen eigenen Bahnhof an der Strecke Augsburg-Weilheim, die 1898 als „Ammersee-Bahn“ eröffnet wurde. Dem Vernehmen nach halten hier täglich immerhin ca. 30 Züge.

Ab 1945 befand sich hier ein jüdisches Krankenhaus oder aber gar von einer kleinen eigenen Gemeinde mit eigenem Betsaal  für Tfila und Mikrat Tora. Dies basierte freilich nicht auf einem frommen Gesinnungswandel oder einem Wunder, sondern ging auf die Initiative von Dr. Salman Grinberg (זלמן גרינברג, 1912-1983) zurück, einem aus Litauen stammenden Radiologen, der selbst Gefangener in KZ Dachau war.  

Bei Kriegsende wurde er in der Nähe des Klosters in einem der Kaufering-Lager festgehalten. Dr. Grinberg schaffte es, unter jüdischen Zwangsarbeitern Krankenschwestern und Ärzte aufzutreiben, um im Lazarett des Klosters St. Ottilien, wo bis dato zahlreiche deutsche Soldaten behandelt wurden, eine Station für zahllose entkräftete und kranke Überlebende der Zwangsarbeitslager des Kaufering-Komplexes einzurichten. Grinberg konstatierte in St. Ottilien, dass er und die anderen Gefangenen sowohl lachen als auch weinen verlernt hätten, nicht wirklich lebten, sondern noch tot seien. Anders als heute, wo sich „Opfer des Naziregimes“ vor Sympathisanten kaum retten können, konnten die oft totkranken Überlebenden der Lager bei ihrer Bemühung am Leben zu bleiben, persönliche Freiheit und Perspektiven zu finden, offenbar nur mit wenig, allenfalls verbaler Unterstützung rechnen. Dr. Salman Grinberg – der zum Vorsitzenden des Zentralkomitees befreiter Juden im amerikanisch besetzten Teil des besiegten Nazireiches avancierte – beschwerte sich deshalb im Februar 1946 in דאס פרייע וואָרט (No. 19. S. 3), neuen Monate nach Kriegsende, dass die Gefangenen nach wie vor im Ungewissen blieben und bloße Studienobjekte von Fachleuten seien, die in Kommissionen über ihren weiteren Weg entschieden, sie selbst aber ebenso staaten- wie heimatlos blieben.  Was die Krematorien Europas nicht verdauen konnten, so Grinberg, sei der internationalen Politik als Bissen im Hals stecken geblieben.

Dr. Zalman Grinberg, im Oktober 1946 in Landsberg am Lech (stehend, neben ihm sitzt rechts David Ben Gurion) bei einer Konferenz sog. אנשי שארית הפלטה בגרמניה.

Source: http://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp?book=123867&lang=heb

Grinberg wanderte nach Israel aus wo er Leiter einer Klinik in Petach Tikva wurde und lebte später in den USA, Dort erwarb er 1965 an der New York School of Psychiatry den Grad eines Doktors der Psychiatrie, praktizierte und lebte auf Long Island, New York. Er starb  am 8. August 1983 an einer Staphylokokkeninfektion, die er sich offenbar von einem Patienten zuzog.  Wie die New York Times in einem Nachruf berichtete, wurde er von seiner Frau Eva (nee Klein) und den drei Söhnen Yair, Moshe und Raffi überlebt.

Auf der Webseite des Klosters ist zu lesen: „Bis 1948, als das Hospital aufgelöst wurde, verzeichnet das Gräberbuch 76 Beerdigungen für den Judenfriedhof …  Der jüdische Friedhof steht unter der Verwaltung der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung.“

Der jüdische Friedhof umfasst grob geschätzt etwa 30 mal 15 m und damit ca. eine Fläche von etwa 450 m². Auf dem Friedhof befinden sich insgesamt 14 Grabsteine, die an der etwa hüfthohen Mauerentlang in drei Richtungen aufgestellt oder eingemauert sind. Neun davon sind einer einzelnen Person gewidmet, einer zwei, drei weitere nennen die Namen von acht, neun und sechzehn Toten, die offenbar nicht verwandt waren aber gemeinsam bestattet wurden. Die Anzahl der namentlich genannten Juden beläuft sich demnach auf 44. Da die obige Quelle 76 Juden zählt, erhielten die anderen 32 offenbar keine Erinnerung.  Jedoch gibt es am selben Friedhof aber noch eine weitere Gedenktafel für ein Massengrab mit den Namen von elf Personen deren Todesdaten zwischen dem 2. und 16. Mai 1945 angegeben wurden. Anstelle des Sterns der anderen Gräber befindet sich hier über den Namen ein Kreuz, weshalb es sich wohl um Christen handelte. Ob, wo und in welcher Anordnung die genannten Personen auf diesem kleinem Gärtchen bestattet wurde und ob die Gedenktafeln in irgendeiner Weise darauf Bezug haben, ist fraglich. Der Gedenkstein mit neun genannten Toten beispielsweise nennt sieben unterschiedliche Sterbetage, fünf Personen starben Anfang Mai. Man kann kaum davon ausgehen, dass hier ein Toter begraben wurde, um tags darauf das Grab für den nächsten Toten wieder zu öffnen, usw.

Den Angaben des Klosters gemäß untersteht  der jüdische Friedhof der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, wobei man nur raten kann, welches Ressort dabei eher zuständig sein könnte. Der christliche Hauptfriedhof des Klosters wird noch immer zur Bestattung eigener Mönche und Afrika-Missionare genutzt. Wie die Webseite ebenfalls verrät : „In neuerer Zeit wurden in der Klosterschmiede Grabkreuze angefertigt, die häufig einen verschlüsselten Hinweis auf die Tätigkeiten und Lebensschicksale der Toten enthalten, etwa Zunftzeichen, oder Palmzweige als Hinweis auf einen Einsatz in Afrika.“

Eine bemerkenswerte Variante davon ist uns aufgefallen und zeigt über ein Jesus-Kreuz ausgestreckte Tora-rollen stilisierte Rolle mit dem wahrscheinlich absichtlich nur fast korrekt geschriebenem hebräischen Schma-Gebet

Attached to the cemetery of the monastry of St. Ottilien (part of Eresing and some 20 km east of Landsberg at the river Lech, where Hitler was impriosioned and Johnny Cash wrote his Folsom Prison Blues) there is a small Jewish section with some reported 76 Jews buried here right after World War Two until 1948, when in the cloister there was a Jewish hospital initialized by radiologist Dr. Zalman Grinberg from Lithuania, who himself was a prisoner  of one of the many concentration camps of the Dachau – Kaufering complex which was the largest in Germany proper.