Schwäbisches Museum: von Ruhm und Ehre und “Ordnung in der Judenfrage”

July 21, 2013

Im idyllischen schwäbischen Bauernhof-Museum Illerbeuren gibt es auch ein kleines Museum, welches anhand einiger weniger Ausstellungsstücke die Vergangenheit der Region vom Ersten Weltkrieg bis zur Zeit des sog. “Wirtschaftswunders” der 1950er Jahre passieren lässt. Dazu gehört beispielsweise ein Plakat welches über die “Kriegsgebote des Kartoffelbauers” informiert, u.a. “Halte die Kartoffel unkrautfrei…”

Eine gerahmte Urkunde mit Passbild informiert, dass Xaver Gruber aus Kronburg, geboren am 17.4.1898 von 1916 bis 1918 “Mitkämpfer im Ringen um des Reiches Bestand und des deutschen Volkes Ehre und Ruhm” war. Eine alte schwarz-gelbe Werbetafel plädiert: “Das Geld des Dorfes dem Dorfe! – Spart bei Eurem Darlehenskassenverein“. Es gibt auch ein paar Gegenstäde zu sehen: Auf einem Schrank ein Grammophon z. B., daneben auf einem weißen Deckchen ein Krug und eine Art Mandoline … ein paar ältere Trachten der Kronburger Tanzgruppe (1948 ..?), eine Eisdielen-Einrichtung mit Musikbox, mit Motorroller und dergleichen. Etwas hiervon, etwas davon, im Sinne von “nett”.

Hitler mit Kind in Illerbeuren MuseumKinderfreundlicher Hitler im schwäbischen Illerbeuren

Die Nazizeit wird auch nicht verschwiegen, aber in eher einfältig unschuldiger Weise präsentiert. In einer Vitrine sind mit einen herzlichen, fürsorglichen mit Kind dargestellten Hitler  (wohl) originale Propaganda-Plakate angeordnet die  heroisch für “Harte Zeiten, Harte Pflichten, Harte Herzen” werben, aber aber auch Karrieretipps  geben: “Vom Hitlerjungen zum Offizier des Heeres, Dein Weg!”

Hitlerjugend Wehrmacht Plakat Bauernhofmuseum Illerbeuren

Darunter liegt am Boden der Vitrine nun ein rotes Büchlein mit dem Titel “Ordnung in der Judenfrage“, als dessen austrofaschistische Verfasser  “Emmerich Cermak”  (gest. 1965) und “Oskar Karbach” ausgewiesen sind.

Was nun hat das Bauernhofmuseum im Juli 2013 mit einer “Judenfrage”  zu tun?

Waren die Initiatoren oder ihre Eltern in der Hitlerjugend und haben Karriere in der Wehrmacht gemacht? Haben Sie im Allgäu die “Judenfrage” geordnet? Erklärungen über Kontext und Motive fehlen.

Ordnung in der Judenfrage Czermak Karbach Illerbeuren Museum

Direkt gegenüber befindet sich jedoch eine weitere Vitrine … mit einer (vermutlich) originalen Bronzebüste von … genau: Adolf Hitler. Dahinter (!) haben die Macher ein Schwarzweiß-Photo vergrößert und für die Büste als Rückwand platziert, auf welchem nun allen Ernstes KZ-Häftlinge zu sehen sind, offenbar in einer Baracke. Auch hierfür fehlt eine Erklärung.

Ein Plädoyer dafür, dass unter den Häusern, Hütten und Schuppen die auf dem Gelände des Bauernhof-Museums zu sehen sind auch eine KZ-Baracke nicht fehlen sollte, da durch die vielen KZ-Außenlager überall es zur Geschichte der Region gehört?

So ist im Rahmen der Gesamtkonzeption der Kontext unverständlich. Wird es demnächst, analog zu Rindern und Schafen ein Gehege mit Hitler-Jungen geben ..?

Für Aufmärsche mit Musik jeden Morgen um 5 Uhr 45 ..?

Hitler-Büse Kz-Häftlinge Illerbeueren MuseumArrangement im Museum: KZ-Gefangene mit Hitler-Büste

???????????????????????????????“Nazi-Schrein” in Illerbeuren


Juden im mittelalterlichen Landsberg am Lech

March 26, 2012

In mancherlei Weise verbindet man heute Landsberg am Lech direkt oder indirekt mit Juden, zum einem durch die KZ-Außenlager von Kaufering und Dachau, zum anderen durch die in der Nachkriegszeit eingerichteten Lager für sog. „Displaced Persons“ (die heute allmählich zum „displayed“ mutieren), die Kriegsverbrecherprozesse und schließlich indirekt noch durch die Popularität von Hitlers „Festungshaft“ in Landsberg und deren Mystifizierung während der Naziherrschaft, die Landsberg als „Stadt der Jugend“ glorifizierte, der Hitler-Jugend, um genau zu sein, die hier ab 1937 ihren offiziellen Treffpunkt hatte.

Erfahrungsgemäß tun sich aber auch annähernd sieben Jahrzehnte nach dem Untergang des Nazi-Regimes die heutigen Bürger von Städten und Gemeinden wesentlich leichter sich selbst mit den unbequemen Seiten der Nazi-Vergangenheit zu befassen, als mit dem oft dann gar nicht mal weiter schrecklichen jüdischen Anteil ihrer Ortsgeschichte. Eine solche gab es, wenngleich nicht allgemein geläufig auch in Landsberg am Lech, wovon Eintragungen in Urkunden zeugen, die Juden als von Landsberg kommend identifizieren.

Landsberg, soweit es sich geschichtlich fassen lässt ist um 1100 als ein kleines Dorf namens „Fetin“ (Phetine, etc.) bezeugt. Etwas später entsteht hier am Berg eine Burg, die dann Landsburg (landspurch) und schließlich Landsberg (landsperch) heißt. Um 1315 wird das kleine Städtchen im Krieg zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen vollständig zerstört wozu wohl noch nicht viel gehörte. Der nun folgende Aufstieg Landsbergs hängt vor allem mit dem Salzhandel zusammen. Landsberg hatte diesbezüglich wegen der dem gemeinsamen Lech einen Vorteil in Bezug auf die Belieferung Augsburgs, die ansonsten von München aus über den beschwerlichen Landweg geschah.

1361 wurde der Landsberger Lech-Salzstadel errichtet. 1362 erhielt Landsberg trotz erheblicher Widerstände die Münchener Salzniederlage. 1364 wurde die Wehranlage gebaut und die Stadt erhielt durch Herzog Stefan II das „ewige Recht zur Salzniederlage“, was den Konkurrenten München über drei Jahrhunderte in der weiteren Entwicklung beeinträchtigen sollte. Flussabwärts konnten die Flößer, die in Landsberg nun Wegzoll zahlen mussten, Augsburger Gebiet binnen eine Tages erreichen. In Augsburg bekannt ist der jüdische Salzhändler Eberlin aus Landsberg, der in den 1360er Jahren auch in den Steuerbüchern der Reichsstadt mehrmals verzeichnet ist, der im Steuerbezirk beim Heiligkreuztor registriert war, also abseits der Hauptsiedlungen der Juden in der Stadt. Oberhaupt der Stadt war in jener Zeit Konrad Langenmatel der Jüngere der „beim Salzstadel“, inmitten der Maximilianstraße wohnte. Auch der Augsburger Salzstadel ist in jener erstmals bezeugt und in (weit) späterer Zeit als Prachtbau bekannt. Bis in die Neuzeit hinein war Salz wichtigstes Konservierungsmittel und deshalb für den Augsburger Fernhandel von herausragender Bedeutung. Der aus Landsberg stammende Eberlin steht zeitlich mit dem Augsburger wie dem Landsberger Salzstadel in Verbindung und wird als Händler und Unterhändler wohl einen Anteil am Zustandekommen des Handels zwischen den beiden Lech-Städten gehabt haben. Mit Einführung der Zunftordnung verliert sich die Spur von Eberlin jedoch wieder, was vielleicht kein Zufall ist, obwohl die Salzfertiger erst einige Jahrzehnte später in einer eigenen Gesellschaft organisiert waren. (siehe: Augsburger Stadtlexikon).

Eine jüdische Siedlung in Landsberg bestand offenbar im Bereich zwischen heutiger Ludwigsstraße und dem Mühlbach, jedoch sind Nachrichten darüber nur sehr spärlich.

Upper Bavarian Landsberg, some 35 km south of Augsburg at river Lech, is best known for Hitler’s imprisonment and the Nazi-Legend of composing here his concoction “Mein Kampf” (what regarding logical thinking is best translated as “conflict”), as capital of the Hitler Youth, for the Kaufering concentration camp system, the War Prison trials (with some 300 death penalties) and the struggles to cope with that.

Only little is known about pre-Nazi Jewish aspects of the town’s history, which as elsewhere in the region are harder to acknowledge than even the worst aspects of Nazi history. However at the time of 1362 until 1368 Eberlin of Landsberg was recorded in Augsburg taxpayer books. Eberlin was a salt trader and was in Augsburg about the same time when Landsberg took over the rights in salt trading from rivaling Munich and built the famous weir of Landsberg (motif of countless depictions until today), in order to control the rafting to Augsburg, which both share the common river Lech. In both cities huge salt houses were established about the same time.


Die Synagoge von Creglingen

August 15, 2010

Die Einrichtung einer Synagoge gehörte einst zu den einfachsten Dingen der Welt, bedurfte es dafür keines eigenen Hauses sondern zunächst lediglich eines Raumes mit einer hölzernen Kiste für die Schriftrollen תיבה של ספרים, die in früheren Zeiten in Erinnerung an die sog. Bundeslade ארון הברית zum Gebet “sogar” auf öffentliche Versammlungsplätze getragen wurde – heute etwa noch an der Westmauer in der Altstadt von Jerusalem praktiziert. Später nach der Etablierung als feste Einrichtung, bezeichnete man die תיבה dann auch als ארון Akten- oder Wandschrank und die nunmehr als ארון קודש begrifflich geheiligt und mit Vorhängen abgetrennt wird. Zusätzlich dazu war nun lediglich ein Tisch erforderlich auf welchen man die Thorarollen legte, um aus ihnen zu lesen. Da die Gebete alle im Stehen gesprochen werden können, bedurfte es weiter also nichts, außer zumindest sieben kundigen Betern. Entsprechend einfach wird es auch in Creglingen gewesen sein im Hause des Simson von Reinsbronn in der Badgasse eine vielleicht erste dauerhafte Räumlichkeit für die drei täglichen Gebete und die Festtage einzurichten.

Erinnerungstafel Creglingen Synagoge

Das Verlangen ein eigenständiges Synagogenhaus zu bauen nehmen mit einem Antrag aus dem Jahr 1765 Gestalt an. Zwar wird die Errichtung einer „Judenschul“ im Frühjahr 1766 mit „landesherrlicher Erlaubnis“ genehmigt, jedoch handelt es sich hier um keinen Neubau.

Wenige Monate vor der Genehmigung erwarb die jüdische Gemeinde in Creglingen ein Haus neben dem Faulturm. Anders als heute, wo Faultürme Bestandteil zur Abwasserbehandlung in Kläranlagen sind, handelt es sich hier um einen Gefängnisturm. Zwar gab es in früheren Zeiten in manchen Regionen ein sog. “Faulamt”, das „faule“, in diesem Kontext untüchtige, träge junge Bürger dem “Faulheitsgericht” übergeben wurden, um für sie eine Arbeit zu finden. Eine Methode, die wir heute in der einen oder anderen Ausprägung immer noch antreffen können. Doch auch damit hat der Faulturm als Schuldturm und Gefängnis (etwa in Dinkelsbühl oder der mittelalterliche, nicht mehr existente Kreuzturm in Augsburg) nichts zu tun. Die Bezeichnung geht vielmehr auf eine alte Bezeichnung für “Schandtat” oder “Schuld” zurück, die in ihrer englischen Form „foul“ für uns ganz geläufig ist, freilich nur noch als Regelverstoss im Sport. Die Popularität des Sports hat aber auch in der englischen Sprache selbst die frühere Bezeichnung „foul play“ als Synonym für „crime“ (Verbrechen) inzwischen fast vollständig verdrängt.

Der Faulturm vom Jüdischen Museum aus gesehen

Das Haus mit dem ehemaligen Faulturm, welcher Bestandteil der Befestigungsmauer des Ortes war, wurde nun jedoch auch in den folgenden Jahren nicht zur Synagoge umgebaut. Erst im Mai 1799 nehmen die Pläne und Arbeiten konkrete Gestalt an. Offenbar spielen neben diversen Unstimmigkeiten auch finanzielle Erwägungen eine Rolle bei der Verzögerung, da der Creglinger Rat den Juden empfiehlt, sich gut zu überlegen, ob sie wirklich imstande seien, das Vorhaben zu realisieren. Am Freitag 20. September 1799 wird mit dem Bau begonnen und am Freitag 27. Sivan 5560 (20. Juni 1800) vor Schabbes wurde die Synagoge eingeweiht. Bis zum November 1938 wurde sie für die Gebete und Versammlungen der Creglingen Juden genutzt, eher sie überfallen, geschändet, geplündert und enteignet wurde. Bereits 1939 ist das modifizierte Gebäude nun von der örtlichen Hitler Jugend benutzt. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude bis 1963 weiterhin als Jugendherberge genutzt , freilich unter anderen Vorzeichen. 1970 wurde es privat verkauft und diente als Lagerraum, ehe 1987 das heute noch vorhandene Restaurant eingerichtet wurde. An die frühere Synagoge erinnert heute nur eine Tafel und die Einfassung einer Mesusa. Einige Erinnerungsstücke aus der Einrichtung der Gebetsstätte befinden sich heute im Jüdischen Museum von Creglingen in der Nebenstrasse.

 

The former Synagogue of Creglingen was established in a house acquired by the Jewish community in 1765. Only in May 1799 the conversion work began and in June 1800 the building was inaugurated. Although in nowadays German a Faulturm is a digester of a sewage or purification plant, the significant 15th century Faulturm actually was a prison. The origin and meaning of the word the old German word “faul” also hast to do with the English “playing foul” or “committing a foul”, i.e. committing a crime ant foul therefore means misconduct or crime. After the desecration in 1938 the building became the home of the Nazi youth branch Hitler Jugend of Creglingen. Also after the war, until 1963 as the memorial plate says it was used as youth hostel. Since 1987 there is a restaurant which offers “Bauernhof-Eis”, while in the tower in summer time there are guest rooms for tourists.  

the black-read flag is that of the “1. FCN”, Football Club Nuremberg /Nuernberg, the Club in Germany with the second most national championships (9) behind FC Bayern Munich (22)