Stolpersteine im bayerischen Freising

November 10, 2015

Während sie in Augsburg und im benachbarten München noch immer verhindert werden, gibt es die sog. “Stolpersteine“ auch in Freising. Ob wir alle entdeckten, die es dort vor Ort bereits gibt oder geben sollte?

In der Bahnhofstraße beim Haus unten wird an die früheren Bewohner Emma, Siegfried und Alfred Neuburger erinnert, die im Alter von 50 – 60 Jahren von den Nazis nach Litauen verschleppt wurden. Alle drei wurden am 25.11.1941 in Kaunas (Kowno) erschossen.

Freising BahnhofstrEmma Neuburger, 1891, deportiert 1941 Riga erschossen 25.11.1941 Kowno
Siegfried Neuburger, 1883, deportiert Kowno erschossen 25.11.1941
Alfred Neuburger, 1882, deportiert Kowno erschossen 25.11.1941
Neuburger Freising Stolpersteine Bahnhofstr. Emma Siegfried Albert

Gegenüber liegend in der Bahnhofstraße wird an Max Schülein gedacht, der 1877 in Ingolstadt geboren wurde und 1942 deportiert wurde. Er wurde wohl in Piaski, Lublin ermordet.

Bahnhofstr Freising Max SchüleinMax Schülein Stolperstein Freising 1877 1942 Piaski Lublin

Vor dem Bekleidungsgeschäft in der Oberen Hauptstraße finden sich eine Anzahl weiterer Stolpersteine die gleich an 8 ermordete Mitglieder der Familie Holzer erinnern wollen:

8 Stolpersteine Obere Hauptstr Freising

Freising Obere Hauptstr Stolpersteine Familie HolzerBernhard Holzer, Oskar Holzer, Henriette Holzer (Neumeier), Hanna Holzer (Neumeier), Hedda Holzer (von Marck), Irma Holzer, Siegfried Holzer und Ilse Holzer, die in Auschwitz, Terezin, Piaski oder auf der Flucht ermordet wurden.

Familie Holzer Stolpersteine  Freising Obere Hauptstr

Obere Haupstr Freising


360. Todestag von Judit Kitzingen

May 17, 2015

Vor recht genau 360 Jahren, am 20. Mai 1655 starb Judit Kitzingen in Steppach im Alter von 70 Jahren, wo sie als Witwe des berühmten, 12 Jahre zuvor verstorbenen Rabbiners Jakob Kitzingen lebte. Geboren wurde sie in Pfersee als Tochter des Pferseer einflussreichen Gemeindevorstands und Rabbinatsrichters Meir Ulmo.

Judith war die dritte Frau des bedeutend älteren aus Schrimm (שרים pol. Śrem) bei Posen stammenden Jakob Kitzingen (1566-1643), der zu den Anhängern des kabbalistischen Messias Schlomo Molcho (שלמה מולכו ,1500-1532) gehörte. Molcho war in Portugal als Kind zwangsgetaufter Juden geboren, jedoch zum Judentum zurückgekehrt, um binnen kurzer Zeit als Messias europaweit für erhebliches Aufsehen zu sorgen. Sein „Fall“ wurde 1530 auch am Reichstag von Augsburg behandelt, und zwei Jahre später 1532 nochmals am Reichstag in Regensburg. Mittlerweile war Molcho nach Italien gezogen, um dort öffentlich zu predigen, in der wenig realistischen Absicht, den Papst von seiner Mission zu überzeugen. Dieser ließ ihn verhaften und zum Tode verurteilen. Eine von Kaiser Karl V. vermittelte Begnadigung unter der Bedingung, sich erneut zum Christentum zu bekennen, lehnte Molcho mit der Bemerkung ab, dass nicht mal Jesus das getan habe. Er wurde in Mantua öffentlich verbrannt.

Über 60 Jahre später bestimmte Jakob Kitzingen in seiner 1597 gedruckten Schrift חג הפסח Schlomo Molcho als den einzig wahren Messias. Nachdem seine Parteinahme aber Proteste hervorrief, verließ er Polen und übersiedelte er 1610 nach Schwaben, wo er als Rabbiner in Steppach (Grab 42-03) lebte und mit Jutla 8 Kinder hatte, worunter sich weitere Rabbiner befanden. Auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinden Pfersee, Kriegshaber und Steppach (פגש) wurden neben Jakob und Judit (Jutla) auch zahlreiche ihrer Nachkommen bestattet. Auf Jakob Kitzingens Auslegung in seiner erwähnten Schrift geht übrigens auch der aschkenasische Brauch zurück, dass jüdische Hausväter am Abend zum Festmahl der Seder ihren “Kittel”, das künftige Totengewand, tragen. Dass sich dies mit einem Steppacher Rabbiner verbindet, ist durchaus bemerkenswert.

Judit Kitzingen 1655 Hebrew gravemarker Pfersee Kriegshaber Augsburg hebräischer Grabstein

                          Grabstein 40-13 (H 12) am Friedhof Pfersee/Kriegshaber der Judit Ulma Kitzingen,

Donaukalk 109 x 60 x 17 cm, Foto: CAHJP P160/115

 

פה טמונה ונוחה הנזכרת לברכה ידה היתה פתוח ללוחה וקבלה עניים בשביתה הצנועה הגבירה זיוף והדרה לבעלה היתה עטרת מ יוטלא בת מאיר אולמ’ אשת הה כהרר יעקב קיצינגן שטפך הלכה לעולמה ב ע שנה יו א כג אייר תטו לפק תנצבה

Hier ruht und ist begraben in gesegnetem Gedenken deren Hände stets offen waren und zu ihrer Tafel Arme in ihrem Haus empfing, die bescheidene Dame, die der Fälschung auswich und ihrem Gatte die Krone war, Jutle, Tochter des Meir Ulmo (Pfersee), Frau des verehrten Rabbi Herrn Jakob Kitzingen Steppach, die zu ihrer Welt ging mit 70 J., Tag 1, 23 Ijar 415 nach kurzer Zählung. Ihre Seele ist eingebunden im Bund des Lebens.

Das Todesdatum Tag 1, 23. Ijar 5415 entspricht im christlichen Kalender Sonntag 20. Mai 1655.

 

* * *

360 years ago Judit (Jutle) Kitzingen died age 70 in Steppach. She was the 3rd wife of Rabbi Yakov Kitzingen from Poalnd who was one of the late followers of kabbalistic Messiah Shlomo Molcho who was burned 1532 in Italian town of Mantua. After publishing his pleading fpor Molcho which was printed in 1597 Kitzingen had to leave Poland and had moved to Swabia, where he married Judith the daughter of the rabbinical judge Meir Ulmo from Pfersee. The couple had 3 sons and 5 daughters.


“Das Haus der drei Sterne”

August 7, 2013

Es ist soweit, das neue Buch ist fertig und ist ab 15. August bereits druckfrisch zu haben:

Das Haus der drei Sterne

Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland

Yehuda Shenef - Haus der drei Sterne - jüdischer Friedhof Kriegshaber Pfersee Augsburg

ISBN: 978-944092-02-7

 184 Seiten

von Yehuda Shenef, 1. Auflage, August 2013

Erläutert die Umstände, wie es nach der Ausweisung der Juden aus Augsburg nach 1440 zur Gründung jüdischer Gemeinden gleich nebenan in Oberhausen, Pfersee, Kriegshaber und Steppach kam, unter welchen mysteriösen Umständen der Friedhof begründet wurde, warum die Errichtung des Wärterhauses beinahe zum offenen Krieg führte, wie sich tatsächliche Kriege auf die Gemeinden auswirkten und wie das historische Umfeld beschaffen war.

Es schildert den obskuren Besuch eines Spendensammlers kabbalistischer jüdischer Gemeinden aus dem Lande Israel und an Hand einer konkreten Linie die ununterbrochene direkte Abstammung Pferseer und Kriegshaber Juden von mittelalterlichen Augsburger Juden, schließlich wird auch dargelegt, dass auch das Märchen von der jüdischen Weltverschwörung seinen (literarischen Ursprung) womöglich in Kriegshaber hatte.

Dazu gibt es Photos, Karten, viele überraschende, niemals zuvor veröffentliche Details aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, um die bald vierhundertjährige Geschichte des Friedhofs, der kurz davor steht, wieder für weitere Begräbnisse genutzt zu werden, verständlich zu machen.

Erhältlich bei SOL-Service, Schrobenhausen

bei Amazon, Weltbild und Co.

im Buchhandel

 


Ururur… was? Wie nennen wir unsere Vorfahren?

June 26, 2013

Jeder hatte Vater und Mutter und Großeltern und weiß womöglich auch von deren Eltern, unseren Urgroßeltern. Will man aber die Generationen davor begrifflich fassen, kommt der Hobby-Genealoge oder -Historiker bald wenigstens an sprachliche Grenzen, da man schnell eine Serie von „Ur-ur-ur-„ von sich gibt und sich etwas affig anhört. Im Englischen handhabt man das auch nur ein klein wenig eleganter und spricht dann vom 5-G-greatgrandfather, beispielsweise. 

Seit etwa einem Jahrzehnt findet man in deutschen Büchern zur Ahnenforschung aber auch wieder Begrifflichkeiten, die auf das „Ur-ur-ur“- verzichten. Die sich weiterhin wiederholende Abfolge von Eltern – Großeltern – Urgroßeltern wird stattdessen mit Voranstellungen wie Alt-, Ober-, Stamm-, Ahnen- oder Erz- … ergänzt.

Mit einem selbst als „Probant“ oder „Ego“ ergibt sich folgende Liste (zitiert nach diversen Treffern bei Google Books ab 2003):  

Generation

Bezeichnung

 

 

x

„Probant“

 

 

1

Eltern

2

Großeltern

3

Urgroßeltern

4

Alt-Eltern

5

Alt-Großeltern

6

Alt-Urgroßeltern

7

Ober-Eltern

8

Ober-Großeltern

9

Ober-Urgroßeltern

10

Stamm-Eltern

11

Stamm-Großeltern

12

Stamm-Urgroßeltern

13

Ahn-Eltern

14

Ahn-Großeltern

15

Ahn-Urgroßeltern

16

Urahn-Eltern

17

Urahn-Großeltern

18

Urahn-Urgroßeltern

19

Erz-Eltern

20

Erz-Großeltern

21

Erz-Urgroßeltern

22

Erzahnen-Eltern

23

Erzahnen-Großeltern

24

Erzahnen-Urgroßeltern

Da vom biologischen Standpunkt jeder zwei Eltern hat und sich das über die Generationen erhöht (Inzest exklusive) hat man entsprechend vier Großeltern, acht Urgroßeltern und eben 16 „Alteltern“. In der fünften Generation hat man schon direkte leibliche 32 Vorfahren, dann 64, 128, 256, 512, etc. Nach 24 Generationen wäre man schließlich bei 33.554.431 sog. „Erzahnen-Urgroßeltern“ angelangt (und der Einfachkeit halber mit je 25 Jahren Abstand durchdacht) im Jahr 1375 angekommen. Natürlich macht es für Genealogen wohl schon etwas her, wenn man vielleicht einen dieser Erzahnen-Urgroßeltern ausfindig machen kann, aber auch von den anderen 33 Millionen Unbekannten stammt man weiterhin genauso ab.   

Die Begriffe in der Tabelle stehen im Verdacht, von nationalsozialistischen Ahnenforschern zumindest missbraucht worden zu sein, was sich nicht bestreiten lässt, aber nicht weiter relevant ist, da sich kaum was finden lässt, was Nazis nicht zumindest versucht hatten zu missbrauchen. Erfunden haben sie jedenfalls keinen der Begriffe, die sich sämtlich teilweise bereits mittelhochdeutsch (z.B. overelteren = Obereltern) im 13. oder 14. Jahrhundert nachweisen lassen. Auch die inzwischen allseits zitierte Abfolge der Begriffe stammt nicht von den Sippenforschern der Nazi-Ära, sondern basiert auf den Festlegungen des Anthropologen und Schädelforschers Johannes Ranke (1836-1916) und seiner Kollegen Johannes Ecker (gest. 1887) und Ludwig Lindenschmitt (gest. 1893), mit denen er auch entsprechende Publikationen zur Anthropologie und Ahnenforschung herausgab. Ihre Anordnung ist willkürlich und keineswegs die einzige die sich finden lässt. Ihr wissenschaftlicher Anspruch basiert  auf dem eher verzweifelten Versuch, sich als Genealoge bei Fachtagungen nicht wie ein affischer Urahn anhören zu müssen, denn so genau will man es mit der angeblichen Abkunft ja auch nicht wieder wissen …

 

UhraffeAbbildung: www.wanduhr.de

In der Liste findet sich als Bezeichnung der 7. Generation von Vorfahren der Begriff „Obereltern“, mit dem im Deutschen Wörterbuch (DWB) noch die Urgroßeltern, gelegentlich auch die Großeltern bezeichnet wurden, also die 2. oder 3. Generation, allenfalls (siehe Stichwort „Obereltern“ im DWB). Aber auch andere Begriffe wie Stamm- oder Alteltern exisiterten schon Jahrhunderte vor den Nationalsozialisten, wurden aber mehr oder minder synonym für „Vorfahren“ im weiteren Sinn benutzt. Noch in den zwischen 1927 und 1937 erschienenen „Blättern zur österreichischen Familienkunde benutzten Genealogen ein anderes, abweichendes System, das den großdeutschen Sippenforschern nach dem „Anschluss“ gewiss einiges Kopfzerbrechen, wenigstens wohl aber einige Schreibarbeit bereitet haben dürfte:  Wir haben 8 Urgroßeltern, daher 64 Alturgroßeltern, 512 Vorurgroßeltern 4096 Stammurgroßeltern

Wenn man bei der willkürlichen Kombination und Abfolge feststellen will, ob sich ausgerechnet bei diesem Thema jemand noch wagt dem Reagan’schen Häufigkeits-Theorem „Nicht das beste, das häufigste Argument setzt sich durch“ zu wiedersetzen, wird natürlich fündig und stößt weiterhin auf Abweichler, freilich älteren Datums und auf Begriffe wie „Oberahneltern“ und andere Bezeichnungen, die sich frei kombinieren lassen. Man könnte nun natürlich argumentieren, dass es doch besser wäre, sich auf ein verbindliches Vokabular festzulegen, damit man nicht aneinander vorbeiredet. Doch das setzt voraus, dass es überhaupt Sachverhalte gibt, die eine Abstammung von 33, 67 oder 536 Millionen gemeinsamen Vorfahren plausibel erklären könnte. Militär muss man für die sich ohnehin abzeichnende Standardisierung ohnehin wahrscheinlich nicht mehr einsetzen. Das besorgen heute wikipedia und Co., nicht immer auf höchsten Niveau.  


Jüdische Geschichte in Augsburg und Schwaben

December 18, 2012

Hebräische Grabsteine Peutinger Haus Augsburg

Mittelalterliche jüdische Grabsteine aus dem Jahr 1445

 

Ende Januar 2013 erscheint im Kokavim-Verlag das neue Buch von Yehuda Shenef zur jüdischen Geschichte in Schwaben und Augsburg im Rahmen einer Serie zu jüdischen Friedhöfen in Bayerisch-Schwaben

Titel: Der Augsburger Judenkirchhof – Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg

Info zum Inhalt:

http://kokavim.wordpress.com/2012/12/18/judische-geschichte-in-augsburg-und-schwaben/

 

Vorbestellungen ab Mitte Januar 2013 bei info@sol-service.de

Tel: 08252/ 88 14 80 / Fax:08252 / 88 14 829

danach auch regulär im Buchhandel, Amazon, Weltbild, etc.

 

ISBN: 978-3-944092-01-0

Preis: 29.50 €

 

„Der Augsburger Judenkirchhof“ ist zugleich auch Band 1 der Reihe im Kokavim-Verlag zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Augsburg und Schwaben.

 

Weitere Bände sind bereits in Vorbereitung:

Band 2: Jüdischer Friedhof Kriegshaber / Pfersee an der Hooverstr. (Frühjahr 2013)

Band 3: Jüdischer Friedhof Augsburg-Hochfeld an der Haunstetter Str. (Frühsommer 2013)

Band 4: Jüdischer Friedhof Binswangen (Sommer 2013)

 

Die einzelnen Bände erzählen die Geschichte der Friedhöfe und der jüdischen Gemeinden. Zahlreiche Fotografien, Auswahlinschriften, Register und Belegungspläne erläutern den besonderen Stellenwert der Grabplätze und ihrer Besonderheiten.


Gedenkstein für Mietek Pemper

August 6, 2012

June 2011

Am jüdischen Friedhof Augsburg im Stadtteil Hochfeld (Haunstetter Str./Alter Postweg) wurde im letzten Juni Mieczysław (Elimelech) Pemper beigesetzt, wo 1963 bereits sein Vater Jakob (ben Gabriel) bestattet wurde. „Mietek“ Pemper wurde 1920 in Polen geboren und lebte seit 1958 in Augsburg, wo er mit seinem Vater und seinem Bruder nach dem Tod seiner Mutter Rivka in Polen übersiedelte. Anders als sein Bruder Stefan (geb. 1924) hatte Mietek keine eigenen Nachkommen.

פ נ

איש תם וישר

כל ימיו הלך בדרכי ה

ר יעקב פמפר

בן גבריאל אלתר

נפטר כט טבת תשפג

חבל על דאבדין

ולא משתכחין

תנצבה

Jakob Pemper

30. 8.1888 – 24. 1.1963

Die fast ausschließlich hebräisch gehaltene Inschrift des Grabsteins wurde von Mietek Pemper veranlasst, der seinem Vater Jakob ben Gabriel Alter nach der gebräuchlichen Formel attestiert, dass er ein bescheidener und geradliniger Mann war, der alle Tage auf dem Pfad Gottes ging. Auffallend ist dabei die vokallose hebräische Schreibweise des Familiennamens als פמפר, wo dieser ansonsten jüdisch als פעמפער transkribiert wird, was sodann aber auch der Schreibweise der weltbekannten Windel von Procter & Gamble entspricht.

June 2012

Im Juni nun wurde der Grabstein Mietek Pempers am jüdischen Friedhof Hochfeld in Augsburg aufgerichtet, der nun jedoch überwiegend in deutscher Sprache formuliert wurde, ansonsten aber dem Vorbild des Vaters etwas ähnelt.

פ נ

Mieczyslaw Pemper

ר אלימלך בן ר יעקב

24. 3.1920 Krakau

7. 6.2011 Augsburg

Wer ein Leben rettet,

rettet die ganze Welt

Ehrenbürger der Stadt Augsburg

תנצבה

Die hebräische Inschrift bezeichnet ihn als R. Elimelech Sohn des R. Jakow, wobei ר אלימלך natürlich an den bekannten jüdischen Klassiker erinnert, der davon handelt dass der fröhliche Rebbe zu musizieren anfängt und seine Pauken- und Zimbelspieler dazuruft:

As der Rebbe Elimelech is geworn sejer frelech, is geworn sejer frelech Elimelech, hat er oisgetan di fidl, hot er oisgetan di briln und geschikt nach di paiklers di zwe.

Und as di paikeldike paiklers haben paikeldik gepaikelt, haben paikeldik gepaikelt haben se …”

Das Stück gehört längst zum festen Repertoire “jidischer Liderler”, viel zu oft in einer Weise dargeboten, die Menschen die noch laufen können in der Regel sehr schnell vertreibt:

Zum Vergleich aber die entstaubte Hardcore-Variante der jidischen Metalband Gevolt (eine Art “Rammstein”):


Jüdischer Friedhof Kriegshaber: Nicht die Zeit heilt Wunden, sondern Pflege

August 2, 2012

Babette Obermayer / Wertheimer (1794-1850) wurde in Kriegshaber gegenüber der ehemaligen Synagoge geboren. Sie war die Tochter des Kriegshaber und Augsburger Bankiers Jakob Obermayer (1755-1828) und der Ida Oppenheimer (1765-1845) aus Pfersee und die jüngere Schwester des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers Isidor Obermayer (1783-1862), der in Augsburg das heutige Augsburger Standesamt an der Maximilianstraße/Heilig Grab Gasse als Wohnhaus der Familie erworben hatte.

Durch ihre Heirat mit dem aus Regensburg stammenden Siegfried (Isaak) Wertheimer (1777-1836) wurde sie zur innig geliebten Stiefmutter von Ferdinand Wertheimer (1817-1883), des späteren oberösterreichischen Landtagsabgeordneten, Agrarökonom, Gutsbesitzer, Eisenbahnbauer und Ehrenbürger von Braunau, Ried und Ranshofen. Da Ferdinand Wertheimer Ehrenbürger Braunaus war und Adolf Hitler in der Kapelle auf dem Gutshof der Wertheimer getauft wurde, lag die Vermutung nahe, dass die Schändung seine Grabes und das seiner Stiefmutter, die öfter für seine leibliche Mutter gehalten wurde, in diesem Zusammenhang veranlasst worden sein konnte. Das Grabmal – eine Gruft – der am 14. April 1850 in Wien verstorbenen und eine Woche später am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee beigesetzten Babette Wertheimer, war über Jahrzehnte offen und es kostete in den letzten Jahren stetige Mühe die unakzeptable Schande immer wieder aufs neue zu thematisieren.

Umso erfreuter und erleichterter waren wir nun, dass es nun endlich gelang, alle Verantwortlichen so weit zu bringen, die Verantwortung zu übernehmen, um die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen (unachtsame Besucher, darunter auch über die Mauer kletternde Kinder konnten ggf. in die offene Gruft hinein sinken, die mit allerlei Zivilisationsmüll übersät war …) vorzunehmen und das offene Grab endlich zu schließen. Unser ausdrücklicher Dank gilt hierbei dem neuen Friedhofsdezernent des Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Herrn Martin David Kurz, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Augsburg Schwaben Herrn Alexander Mazo und dem zuständigen Friedhofsbeauftragten Herrn Alexander Baron, und dem ausführenden Steinmetz Herbert Böllner.

Unser Dank gilt allen Genannten in gleicher Weise auch in Bezug auf die Beseitigung einer weiteren Schande, nämlich, das gleich in der Nähe befindliche Grabmal des Carl von Obermayer (1811-1889), des Sohnes des oben genannten Isidor Obermayer, dem ersten formellen Vorsitzenden der neuzeitlichen Augsburger jüdischen Gemeinde unter dessen Leitung ein Wohnhaus in der Wintergasse zur Synagoge umgebaut und der Grabplatz für den eigenen jüdischen Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld zwischen Altem Postweg und Haunstetter Straße erworben wurde. Er war zudem Oberst der Landwehr alter Ordnung in Augsburg und damit ranghöchster jüdischer Offizier in Bayern, darüber hinaus ein bedeutender Militärstratege, Mäzen, Opernliebhaber und schließlich auch lange Zeit Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Bayern. Unsere Bemühungen, ihn im Jahre 2011 anlässlich seines 20o. Geburtstag seitens der Stadt Augsburg würdigen zu lassen, waren trotz lokaler und internationaler Unterstützung leider vergeblich. Nun jedoch wurde nach langen Jahren vergeblicher Bemühungen, zu denen wir selbst auch den (moralischen) Beistand eines Bundeswehrgenerals erhielten, gelang es nun doch, seine seit Jahren zerschlagene endlich zu wiederherzustellen und eine weitere schändliche Wunde am Kriegshaber Friedhof zu heilen.

Nichtsdesto trotz wurden eine Menge noch bestehender, aber auch neuer Probleme ofenbar, die keine weiteren Jahre oder gar jahrzehnte sich hinschleppende Querelen ertragen können. Es zeigt sich nämlich im Bereich des alle kümmernden Denkmalschutzes im Sinne der Halacha, dass die Zeit keine Wunden heilt, sondern nur Taten und kontinuierliche Pflege. Es ist ein Mitzwa und ein Gebot des Anstands, alle Kräfte zu bündeln, um das Andenken and die Menschen aufrechtzuerhalten.

One moth earlier it looked liked this:

* * *

Decades and years after the willful destruction of the grave markers of Ferdinand Wertheimer and his alleged mother (actually she was his step mother) Babette Wertheimer as well as the memorial of Carl von Obermayer, it finally was possible to prevail on the owners and responsible people to recover the peace and honor of the deceased and to remove two major eyesores and stain on the reputation of the Cemetery, community and region, hardly any took notice for decades, although the buried during their lifetime were well known personalities of high international renown. The “open grave” (actually a small vault) of Babette Wertheimer (nee Obermayer), probably desecrated by the Nazi now was stabilized and covered. Also the grave marker of Carl von Obermayer who was Consul of the United States of America (appointed by US President James Knox Polk (1795 – 1849)himself, which was smashed for many years now was stabilized and the honor of the buried now was restored.

Many thanks to the stone masons for their tremendous work and to the bodies of the Jewish Community of Augsburg and the Assosiation of Jewish Communities in Bavaria as legal owner, resp. and customer of the long overdue works in order to protect the unique munuments.

Lets hope that the vigor may be maintained, since there are a number of open problems as well as newly created ones who need immediate and responsible action and no further delay or neglect for years or maybe decades. Once again it turned out that regarding monument protection times does not heal wounds of the past, but constantly taking care: to walk the talk.