13. Mitgliederjahresversammlung des JHVA 2017

August 4, 2017

Einladung zur ordentlichen Mitgliederjahresversammlung 2017


Liebe Freunde und Mitglieder des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg (JHVA),

satzungsgemäß gibt, es wie zuvor bereits mitgeteilt

die bereits 13. ordentliche Mitgliederjahresversammlung

und zwar am

am Sonntag, 6 August um 1500 Uhr

im Biergarten Zeughaus,

Zeugplatz 4, 86150 Augsburg,

Haltestellen „Moritzplatz/Königsplatz

in der ehemaligen Waffenkammer der Freien Reichstadt Augsburg.

Bei gutem Wetter  im Biergarten, ansonsten im geräumigen und gemütlichen Lokal.

Freunde und Gäste sind wie immer willkommen.

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Luthers Judenhass heute oder: Warum die meisten Antisemiten glauben keine Antisemiten zu sein

July 31, 2017

Am gestrigen Abend hielt Professor Gerhardt Stapelfeldt auf Einladung der DIG Hochschulgruppe Augsburg im historischen Annahof einen Vortrag der sich mit Fragen zum Judenhass des Reformators Martin Luther befasste.

Der 1947 in Hamburg geborene Stapelfeldt hatte Architektur, Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft und Psychologie studiert und promovierte 1978 über „Das Problem des Anfangs in der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx“. 1997 habilitierte er über die „Kritik der ökonomischen Rationalität“. Wenig verwunderlich war Stapelfeldts Interpretation des Hasses Luthers auf die Juden dann auch von wirtschaftlichen Kriterien bestimmt: Das Wirken Luthers zu Beginn des 16. Jahrhunderts war davon geprägt, dass Deutschland im Zuge der Entdeckung Amerikas geopolitisch ins Hintertreffen geriet und wirtschaftlich abgehängt wurde. Luthers Konsequenz daraus richtete das Christentum gegen den in die Irre führenden wirtschaftlichen Fortschritt, gegen weltliches, kapitalistisches Streben, gegen Zins und Wucher, ständiges Horten von Geld und Besitz. Für all dies standen nach Luthers Urteil insbesondere die Juden, deren Geschäftstüchtigkeit darauf beruhen sollte, durch Handel und Zwischenhandel zum eigenem Vorteil Waren zu verteuern und im Volk schimpfliche Bedürfnisse zu wecken. Gemäß Luther waren die Juden „das teuflische Volk schlechthin“, was er auch an ihrer Betonung der leiblichen Abstammung aufzeigen wollte. Diese entlarvte sie jedoch als „diesseitig“ und so standen sie im Gegensatz zu der von ihnen missachteten „Geistigkeit“ des einzig wahren christlichen Glaubens, der sich in idealer Weise von weltlichen Freuden und Besitz abwenden sollte. Der entstehende Handelskapitalismus sei mit Luthers Standpunkten nicht vereinbar gewesen.

Was nun aber den Antisemitismus als solchen betrifft, so erläuterte Professor Stapelfeldt seinen gut 30 Zuhörern, dieser sei „grundsätzlich irrational“ und nicht aus dem Judentum zu erklären („Das wäre dann wirklich antisemitisch“). Das sei schon daran zu erkennen, dass es Antisemitismus auch da gebe, wo es keine Juden gibt. Psychologisch gedeutet seien Antisemiten meist Sadomasochisten, die für die Selbstunterdrückung ihrer Leiden Juden unbewusst als Sündenböcke benutzten. So strebten sie dann auch gar nicht nach der Abschaffung der Unterdrückung, sondern nach deren Verallgemeinerung. Passend dazu sah Stapelfeldt dann aber Luthers Judenhass selbst nun auch im Kontext von dessen Abneigung gegenüber aufständischen Bauern oder den Türken.

Wie Luther hat sich auch der Dozent nicht wirklich, bzw. nur in der distanzierten Außenperspektive mit dem Judentum und seiner Geschichte in Deutschland befasst. So vertrat auch er die oft kolportierte und nichts desto trotz irrige Auffassung, mittelalterlichen Juden sei ausschließlich Geldhandel erlaubt gewesen. Dies lässt sich mit einem beliebigen Blick in vorhandene Steuerlisten wiederlegen, tradiert aber bis in unsere Tage ein liebgewonnenes Fehlurteil über „die Juden“. Doch wenn die Trugschlüsse gerade von jenen weiterverbreitet und bestätigt werden, die auftreten wollen, ihnen entgegenzuwirken, wähnt man Sisyphos am Werk.

An anderer Stelle beanstandete der Soziologieprofessor Luthers grundsätzliche Art zum Beweis der Richtigkeit eigener Standpunkte immer wieder die Bibel als Quelle anzuführen, etwas heute natürlich „nicht mehr üblich“ sei. Damit sollte wohl auch an die zeitliche Distanz von 500 Jahren angespielt sein und an veränderte Ansichten. Zugleich ignoriert der Professor damit jedoch die für jegliches Verständnis des Judentums entscheidende Tatsache, dass es die Berufung auf Gottes Wort wesentlich ausgeprägter und konsequenter als im Christentum befolgt. Am umfassenden Anspruch des Judentums jegliche Argumentation aus Tora und Talmud zu begründen hat sich auch bis heute nichts geändert. Doch so wie Antisemitismus angeblich keine Juden benötige – wenn dem so wäre, gäbe es ihn auch in Ländern wie China, Indien oder vielleicht auch im untergegangenen Atlantis – benötigen virtuelle Fragen nach dem rechten Umgang mit Juden noch nicht mal oberflächliche Grundlagenkenntnis. Es reichen Klischees und tradierte Fehlurteile. Die kann man zitieren und widerlegen und schon hat man das erbauliche Gefühl aufgeklärter als die eigenen Vorfahren zu sein. Immerhin: Zufriedenstellende empirische Untersuchungen des Antisemitismus, existieren nach Auffassung des Gelehrten ebenso wenig wie eine verlässliche Größenordnung dieses „konstituierenden Elements der Moderne“.

Nach dem Vortrag hatten die Besucher Gelegenheit dem Redner Fragen zu seinem Vortragsthema zu stellen, was sich aber erwartbar nicht ergab. Stattdessen betonte schon die erste Zuhörerin, dass sie gar nicht verstehen könne, was mit Antisemitismus eigentlich gemeint sei, sei er ihr, die viele jüdische Freunde habe, ja noch nie im Leben begegnet, weder in ihrer rumänischen Heimat noch hier in Deutschland. Das passt vielleicht zu der Feststellung des Professors wonach die meisten Antisemiten sich selbst nicht als solche erkennen. Ganze 26.000 Personen gäbe es in diesem Land, die frank und frei zu gäben Juden zu hassen. Diese „viel zu niedrige Zahl“ habe eine Studie ermittelt. Die Zusatzfrage lautete, ob es denn Antisemitismus sei, wenn man die Politiker des Staates Israel kritisiere – der Klassiker des man wird doch wohl noch sagen dürfen. Nein, das sei natürlich kein Antisemitismus. Gut, man hätte auch antworten können, dass die letzten sieben Jahre bis letzten Mai mit Manib Younab der Vorsitzende des Lutherischen Weltbundes ein Palästinenser war, der wie Luther die Juden zum Teufel wünscht, aber was außer ernüchternder Gewissheit über eine gewisse Kontinuität wäre dabei gewonnen?

Ein weiterer Fragesteller, sah darin Parallelen zu einer anderen, ganz aktuell veröffentlichten Studie, die ergeben haben soll, dass auch beim Themenfeld “Populismus” kaum jemand davon ausginge, selbst dafür anfällig zu sein. Vielleicht liegt es an der schon zitierten Einsicht, dass Antisemiten eben nicht danach streben Unterdrückung abzuschaffen, sondern sie zu verallgemeinern. Zur letzten Wortmeldung jedenfalls würde es gut passen. Ein älterer Herr wollte am Ende von zweieinhalb Stunden Beschäftigung mit Fragen um Luthers Judenhass herum nun wissen, dass wenn „der Antisemitismus im Wesentlichen unbewusst sei, warum er dann strafbar sein sollte.“

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Fotos: Jakob Samoylowitsch


Torah in Augsburg

April 21, 2017

אז ישיר משה ובני ישראל את השירה הזאת
שמות טו א  (Second Book of Moses 16.1)

Ausstellungsstück der Bibelausstellung im Augsburger Rathaus.

Bible exhibition at theTOWNHALL of Augsburg, among the items are the smallest microfish Bible an in sharpe contrast to it the largest one of the world, which reportedly weighs some 1100 pounds or so, … another one which once belonged to Elvis Presley and … “just imagine” some original Hebrew Torah scrolls (… without source of provinience …) as well… so at least some attentive visitors may recognize where the Bible actually came from.

hebräische Tora im Augsburger Rathaus ausgestellt

אז ישיר משה ובני ישראל את השירה הזאת

Then Moshe and the Israelites sing this song

Στη συνέχεια άμεσα ο Μωυσής και το Ισραήλ τραγούδησαν αυτό το τραγούδι

ثم مباشرة موسى وإسرائيل غنى هذه الأغنية

その後、直接モーセとイスラエルはこの歌を歌いました

ከዚያም በቀጥታ ሙሴና እስራኤላውያን ይህን መዝሙር ዘመሩ

Затем непосредственно Моисей и Израиль пел эту песню

דעמאָלט גלייַך משה און ישראל סאַנג דעם ליד

Avy eo i Mosesy sy ny Isiraely mivantana nihira izao fihirana izao

然后直接摩西和以色列人唱这首歌

그런 다음 바로 모세와 이스라엘은이 노래를 노래

तो फिर सीधे मूसा और इसराइल इस गीत गाया

Dann sangen Moses und die Kindern Israel dieses Lied

Alors Moïse et les Israélites ont chanté cette chanson


חג פסח שמח

April 10, 2017

To all readers, friends and members of the JHVA

a happy, healthy and kosher

Pesach / Passover festival

chag pessach sameach 5775 augsburg 2015

Illustration by Chana Tausendfels (2010)


חג סוכות שמח

October 14, 2016

augsburg-synagogue-suckot

סמל לחג הסוכות בבית הכנסה של אוגסבורג

Symbol for the Festival of Booths


Neujahr 5777 שנה טובה

October 2, 2016

to all readers, members and friends of the JHVA
we wish a peaceful, healthy, blessed, prosperous and happy new year 5777
bracha ve shalom

jhva-schana-towa-5777-augsburg

שנה טובה


Schimon Peres, der gute Hirte

September 28, 2016

Schimon Peres ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren, gut zwei Jahre nachdem er Ende Juli 2014 sein höchstes Staatsamt als Präsident Israel verlassen hatte. Das erste hatte er bereits 1959 als stellvertretende Verteidigungsminister im Kabinett von David Ben Gurion, des 1973 verstorbenen ersten Regierungschefs des modernen Israel, dessen Zeitgenossen mittlerweile sehr rar geworden sind. In den folgenden Jahrzehnten war der Sozialdemokrat Peres Minister für Einwanderung und Integration, für Verkehr und Kommunikation, Verteidigungs- und mehrfach Außenminister, schließlich auch drei Mal Premierminister, davon zweimal als Nachfolger seines langjährigen parteiinternen Rivalen Jitzchak Rabins, zuletzt Staatspräsident.

schimon-peres-der-gute-hirte-yehuda-shenef-euro-journal-2016(original published at http://eurojournal.info/)

Im Abgeordnetenbuch des israelischen Parlaments ist als Beruf Schimon Peres Schäfer genannt, was auf seine jugendliche Beschäftigung in einem Kibbuz zurückgeht, in welches er 1934 als Schimon Perski im Alter von 11 Jahren mit seiner Familie aus dem damaligen Polen gekommen war. Seine Cousine Betty Perski machte hingegen als Lauran Bacall Karriere in Hollywood und drehte Filme mit Humphrey Bogart und anderen Größen. Peres war sich bewusst, dass schon andere Größen des Volkes Israel den Beruf des Schäfers ausgeübt hatten, bevor sie zu wichtigerem Berufen wurden: Abrham, Moses, David, Rabbi Akiwa. Als Schäfer verstand er sich zeitlebens und pflegte einen entsprechenden, leicht hintergründigen Humor.

 

Außerhalb Israels ist Schimon Peres am besten bekannt für die Oslo-Abkommen mit der PLO von Yassir Arafat, für die er zusammen mit diesem und Jitzchak Rabin 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wegen dem zeitgleichen Terror in Israels Straßen durch die von Arafat geduldeten islamistischen Hamas wurde der dieser „Frieden“ in Israel immer unpopulärer und sorgte 1996 für Peres‘ letzte Abwahl als Ministerpräsident. Historisch weitreichender ist aber wohl der Umstand, dass Peres als Vater des israelischen Atomprogramms galt – zu einer Zeit als sein deutscher Gegenpart noch Franz-Josef Strauß hieß.

 

Trotz der vielen Staatsämter die Peres über Jahrzehnte mit wechselndem Erfolg ausfüllte, gewann er eigentümlicher Weise niemals eine Wahl. Erst spät, am Ende seiner politischen Karriere, nachdem er die Arbeiterpartei verlassen hatte und ins konservative Lager von Ariel Scharon gewechselt war, fand er allgemeine Anerkennung im Volk und man verzieh ihm schließlich sogar lebenslang beibehaltenem starken polnischen Akzent. Als letzten Vertreter der Gründergeneration des Staates Israel wurde Peres zuletzt eine Figur von fast biblischer Größe und sein Tod ist eine Zäsur. Wir werden in seinem Sinne für das Wohl des jüdischen Volkes und die Sicherheit des Staates Israel weiter wirken.