Jüdische Stadträte in Augsburg

October 23, 2016

Vor genau 150 Jahren meldete “Der Israelit, Central-Organ für das Orthodoxe Judentum”, vom 24. Oktober 1866 (5627) kurz:

“Augsburg, 15. Oktober – Herr J. Bachmann, Großhändler dahier, wurde zum Ersatzmann bei dem Kollegium der Gemeindebevollmächtigten und Herr J. Bauer, Banquier, als Ersatzmann beim hiesigen Magistrate gewählt.”

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Festakt zum 100. Jahrestag der Eingemeindung Kriegshabers nach Augsburg

April 4, 2016

Synagoge Kriegshaber Augsburg Judenstern magen david

Anlässlich des hundertsten Jahrestag der Eingemeindung Kriegshaber nach Augsburg am 1. April 1916 wurde am gestrigen Sonntag in Kriegshaber dem Jubiläum gedacht. Nach einem christlichen Gottesdienst in der gegenüberliegenden Kirche, gab es in der ehemaligen Synagoge, nunmehr ein Museum, unter Teilnahme zahlreiche Prominenz, wie etwa die Bundestagsabgeordneten Volker Ulrich und Ulrike Bahr, einen Festakt einer Rede von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der in Kriegshaber geboren wurde und aufgewachsen war. Josef Strzegowski von der Israelischen Kultusgemeinde Augsburg Schwaben verlas Grußworte von Dr. Henry Brandt, der darauf hinwies, dass von der jüdischen Gemeinde in Kriegshaber nichts mehr übergeblieben ist und eine historische Straßenbahnfahrt die verlorene Vergangenheit nicht wieder zubringen könne. Der abwesende Rabbiner wünschte abschließen jedoch eine positive Zukunft und ein friedliches Zusammenleben aller in der Stadt. Frau Dr. Benigna Schönhagen vom Jüdischen Museum, zu deren Filiale die ehemalige Synagoge in Kriegshaber geworden ist, verlas Grüße von Frau Lise Fischer-Einstein aus Israel, die aus Kriegshaber stammte.

Streichquartett Synagoge Kriegshaber ProbeDvořák in Kriegshaber

Kriegshaber Synagogeנעלם ועד

Synagoge Kriegshaber innen stühleשינוי הכיוון

In den musikalische Pausen gab es Miniaturen von Antonin Dvorak, dargeboten vom Streichertrio des Leopold-Mozart-Zentrums. Als Kuriosum wurde in der ehemaligen Synagoge euphorisch ein Ortsschild präsentiert, das Augsburgs Stadtteil namentlich erwähnt, wenigstens im Untertitel, während der Oberbürgermeister mit Krügen beschenkt wurde, u.a. auch vom Bürgermeister Paulus Metz des benachbarten Stadtbergen. Metz hatte unter großem Gelächter des Publikums auch darauf hingewiesen, dass „die Lebensqualität sich sehr entwickelt hat, vor allem seitdem die Amis weg sind“. Da dies manchen missverständlich war, bekräftgte Metz “Ich lass das jetzt mal so stehen.”

Oberbürgermeister Kurt Gribl präsentiert Ortsschild Universitätsstadt Augsburg Stadtteil Kriegshaber“Universitätsstadt Augsburg – Stadtteil Kriegshaber”

Am Ende der fast eineinhalbstündigen Veranstaltung wurde die Festschrift „Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte“ aus dem Wissner-Verlag vorgestellt, das der katholische Bistumshistoriker Dr. Thomas Groll gemeinsam herausgab mit unserem Mitglied Dr. Christian Kreikle, der auch zahlreiche kurze Artikel für das Buch verfasste.

Darin widmen sich drei Artikel dem sonst eher vernachlässigten jüdischen Anteil der Ortsgeschichte:

Dr. Benigna Schönhagen – Das jüdische Kriegshaber, S: 35-37
Yehuda Shenef – Zur Familiengeschichte jüdischer Viehbauern und Metzger in Kriegshaber, S. 63-65
Yehuda Shenef – Der jüdische Friedhof, S. 107-109

http://www.wissner.com/product_info.php?cPath=156&products_id=5001

118 S., 14.80 €
ISBN 978-3-95786-057-6

Michael Moratti Wissner Verlag Kriegshaber Buch PräsentationMichael Moratti (Wissner-Verlag) präsentiert das Kriegshaber-Buch

Kriegshaber Synagoge Toraschrein aron kodesh“reserviert” für wen ..?

Kriegshaber 100 Jahr Feier Büffet Synagoge Kriegshaberbufett, not kosher, … of course

Kriegshaber Synagoge Fenster AusblickAusblick / outlook

Augsburg Stadtteul Kriegshaber ortsschild Präsentation Hinterhof Synagogeachievement of the dayOB Kurt Gribl Eva WeberKriegshaber 100 Jahr Feier Synagogeמסיבה בבית הכנסת לשעבר

yehuda shenef at former Kriegshaber synagogue April 2016פעם בחיים

Dr. Christian Kreikle Yehuda Shenef Synagoge Kriegshaber AugsburgDr. Christian Kreikle, Yehuda Shenef


1916 – 2016: 100 Jahre Eingemeindung von Kriegshaber in Augsburg

March 25, 2016

Die Geschichte von Kriegshaber ist zwar weit älter und hat viele bedeutende Höhepunkte, insbesondere in unserem jüdischen Horizont, doch die nunmehr vor genau einhundert Jahren vollzogene Eingemeindung Kriegshabers zum Stadtteil von Augsburg war sicher eine wesentliche Zäsur in der Geschichte, wenngleich wenige Jahrzehnte später durch den Krieg und der daraus resultierenden 40 jährigen amerikanischen Besatzung (nicht nur) optisch noch prägendere Faktoren Kriegshaber beeinflussen sollten.
In den letzten Jahren entstehen auf dem Terrain der früheren Kasernen und housing areas neue Wohnsiedlungen, die dem Viertel im Nordwesten Augsburgs ein ganz anderen Gepräge geben, als es dies zuvor hat. Man könnte meinen, dass Kriegshaber durch das „großstädtische“ Zusammenwachsen (mit allen erwünschten und unerwünschten Aspekten, baulichen Highlights und Sünden) vielleicht erst jetzt tatsächlich ein Stadtteil von Augsburg wird.

!מיר וועלן זען

Jedenfalls wünschen wir Kriegshaber und Augsburg, mit denen wir in besonderer Weise verbunden sind, alles Gute zum 100. Jahrestag und eine friedliche und lebenswerte Zukunft.

100 Jahre Kriegshaber in Augsburg Logo JHVA100 year anniversary of the incorporation of Kriegshaber to Augsburg

Unser Logo 100 Jahren Kriegshaber in Augsburg setzt sich zusammen aus dem Kirchturm von St. Thaddäus beim ( … ja … ähm… Oberhausener) Bahnhof, dem höchsten Gebäude in Kriegshaber, der „dasteht wie eine Eins“, aber eben erst durch die beiden Nullen (… hintersinnig?) des jüdischen Fensters der ehemaligen Synagoge Kriegshaber zur Hundert wird. Tatsächlich war das alte, “tausenjährige”) (österreichische) Kriegshaber vor allem ein jüdischer Ort, erst in der bayerischen (Spät)phase ergab sich eine christliche Mehrheit. Kirchlich eigenständig wurde Kriegshaber gar erst in den 1860ern (zuvor gehörten die christliche Minderheit Kriegshabers zu … ähm, ja … Oberhausen) und das wohl auch nur, weil die geplante neue Synagoge dann doch nicht gebaut wurde (Die Pläne und Gründe dafür sind im Buch “Mord am Lech” (ISBN: 978-3944-092-034) erläutert).

100 Jahre Kriegshaber Eingmeindung Augsburg JHVA Farbe100 יום השנה של ההתאגדות של קריגסהאבר כדי אוגסבורג

100 years ago – on April, 1 – Kriegshaber was incorporated to Augsburg. Our logo depicts the number by the church tower of St. Thaddaeus and the window of the former synagogue, both at Ulmer Str.


Carl von Obermayer

August 14, 2015

Carl von Obermayer 1811 - 1889

Portrait von Carl von Obermayer (1811 Kriegshaber – 1889 Wien). Enkel des Bankiers und Wechselhändlers Jakob Obermayer und Sohn des Bankiers und Eisenbahnpioniers Isidor Obermayer, der mit der Besorgung von Schienen und Lokomotiven aus England, maßgeblich zum Bau der ersten bayerischen Überlandbahn von Augsburg nach München beitrug und 1821 das stattliche Palais an der Max-Straße in Augsburg erwarb, das heute als Standesamt bekannt ist.

Obermayer Palais Augsburg Maximilianstr Standesamt

Auch Carl von Obermayer lebte dort und erbte es. Er war Kommandant der Augsburger Landwehr alter Ordnung (einer Art Mischung aus Miliz, Bürger- und Feuerwehr), Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg mit Amtssitz in seinem Wohnhaus, ein bedeutender Militärstratege mit zahlreichen Aufenthalten im Ausland und Berater der Preußischen Regierung und erster Vorsitzender der 1863 formell vom bayerischen König Ludwig II. anerkannten Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg.

Obermayer Palais Wien Jauresgasse Reisnerstr.

 Palais in Wien

Nach seinem Umzug nach Wien residierte er mit seiner zweiten Frau Rosalie in seinem Palais in der Jauresgasse/Ecke Reisnerstr., heute Sitz der Botschaft der “Islamischen Republik Iran”. Nach seinem Tod wurde Carl von Obermayer im von ihm selbst angelegten Familienensemble der Obermayer-Familie am jüdischen Friedhof von Kriegshaber/Pfersee beigesetzt.

Sein immer wieder nach Jahren mal restauriertes Grabmal wurde in den vergangen Zeiten des öfteren von Vandalen beschädigt. Um dem erneuten Verfall entgegenzuwirken, wollen wir hier auch einmal mehr an einen der großen Söhne Augsburgs erinnern.

Grabstein Carl von Obermayer Kriegshaber Augsburg Juli 2015


Jüdisch-schwäbisches Oxymoron

June 12, 2015

Neulich im Museum Oettingen /Ries fotografiert.

Oettingen Museum Schwein Seife

Dieses Schwein essen wohl selbst “Reform”- Juden nicht 🙂

This pig not even liberal Jews will eat

גם יהודים ליברליים לא רוצים לאכול חזיר הזה


JHVA Vorstand wiedergewählt

March 16, 2015

Am gestrigen Sonntag, 15. März 2015 (resp. 24. Adar 5775) wurde im Rahmen der mittlerweile 10. Ordentlichen Mitgliedervollversammlung der Vorstand des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg (JHVA) für eine nunmehr dreijährige Amtszeit bestätigt, nämlich wie gehabt: Yakiv, Chana und Yehuda. Sprecherin der Vereins bleibt Margit.

Unser Dank gilt unseren Mitgliedern, Freunden und Spendern.

Die Wahl des neuen Vorstands wurde abends noch mit der mehrfach bestätigten Sichtung eines Meteoriten am schwäbischen Nachthimmel von offizieller Seite bestätigt:

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Woher-der-Meteorit-ueber-Bayern-kam-und-wo-er-wohl-gelandet-ist-id33389497.html

JHVA YEHUDA SHENEF YAKOV SAMOYLOVYCH

Yehuda Shenef, Yakiv Samoylovych (Photo: Margit)

The Jewish Historical Society of Augsburg (JHVA) yesterday afternoon confirmed the outgoing board for another term, which – and that was the news – now is a 3 year one. So we may continue our work until 2018.

Remarkably the meeting of the Verein was followed by a greenish meteorite which was seen in many parts of Swabia and Bavaria and caused many attention … and tweets. So with a (heavenly) wink we see it as kind of approval.

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החברה ההיסטורית היהודית של אוגסבורג נבחר מחדש ליו ר
יעקב יהודה וחנה יהיה במשך 3 שנים


אנשים רבים באוגסבורג וחלקים שונים אחרים של שוואביה ובוואריה ראו מטאוריט ירוק בשמיים

אולי זה סימן טוב


מזל טוב


Die Juden von Dachau

June 25, 2014

Autobahn Dachau Fürstenfeldbruck Maisach Olching München Salzburgon the road to Dachau

Dachau ist wegen des Konzentrationslager an der Alten Römerstraße 75, östlich der Altstadt weltberühmt, zugleich aber auch wie die Image-Kampagne der Stadt nicht unpassend formuliert: „viel mehr Stadt als Sie denken“. Noch unbeachteter als die Stadt-Geschichte ist jedoch der jüdische Anteil daran, der ebenfalls mehr umfasst, als verschleppte Juden, die im Lager eingesperrt, misshandelt und ermordet wurden. An die Juden vor den Nazis (und besser gesagt: ohne sie)  erinnert sich im heutigen Dachau freilich niemand (mehr).

Dachau KirchturmDachau: versteckte Perspektiven

Optenrieder Dachau Wappen3-Star caot of arms, Optenrieder family Dachau

Rund hundert Jahre vor der Errichtung des Konzentrationslagers wurde das kleine Städtchen als „hübscher, lebhafter Ort an der Amper und der Straße von München nach Augsburg auf einer Anhöhe gelegen“ beschrieben. Den amtlichen Angaben des „Topo-geographisch-statistischen Lexicon des Königreichs Bayern“ aus dem Jahr 1840 gemäß umfasste Dachau damals 208 Häuser und 1226 Einwohner. Erwähnenswert waren damals „ein Schloss mit Garten, der Sitz des Landkreis und Rentamts gleichen Namens“ (also Dachau), … „4 Brauhäuser, 1 Branntwein-Brennerei, 4 Wein- und Bierwirthshäuser, 4 Ziegelhütten, 1 Leinwandbleiche, 2 Mahl-, 1 Schleif-, 1 Loh-, 1 Öl- und 2 Sägemühlen an der Amper, 1 Abdeckerei, 1 bürgerliches Spital“ und schließlich auch ein Almosenhaus, „wohin besonders die armen Kranken besonders aus der Klasse der Dienstboten gebracht und mit freiwilligen milden Beiträgen unterstützt werden“.

Dachau Zieglerbräu Brauerei Schlossberg Märzensüffiges Dachauer Traditions-Bier

Damals stand Dachau noch ganz im Schatten der Wittelsbacher Herrscher, die seit den 1550ern im besagten Schloss, dessen Ursprünge auf die Welfen zurückgehen soll, ihren Sommersitz hatten. 1633 wurde der Ort von den Schweden „erobert“, wobei 300 Bayern getötet und weitere 600 gefangen worden sein sollen. Auch folgende Kriege im 18. und 19. Jahrhundert zogen den Ort immer wieder in Mitleidenschaft. So dass eben auch 1840 nur knapp 1200 Menschen hier lebten.

Schloss Dachau BergDachauer Schloss

Dachau Jakob Kirche Schloss

Amtlichen Angaben gemäß lebten 1925 gerademal 21 registrierte Juden in Dachau und 1933 waren es nur noch 12. Obwohl im selben Jahr binnen weniger Wochen nach der Regierungsübernahme Hitlers in Dachau das berüchtigte Lager als erstes KZ etabliert wurde, erklärte 1939 Nazi-Bürgermeister Hans Cramer Dachau als “völlig judenfrei“, während Mai 1939 im Mai 1939 die Volkszählung 18.146 Einwohner registrierte, 184 davon Juden, zweifelsfrei im Lager als Gefangene. In der amtlichen Statistik von 2012 heißt es dazu:

Bei den Volkszählungen von 1925 bis einschließlich 1970 wurde die Wohnbevölkerung ausgewiesen. Zur Wohnbevölkerung einer Gemeinde zählten alle Personen, die am Zählungsstichtag in der Gemeinde ihre Wohnung hatten. Personen mit einer weiteren Wohnung oder Unterkunft in einer anderen Gemeinde wurden der Wohnbevölkerung derjenigen Gemeinde zugeordnet, von der aus sie zur Arbeit oder Ausbildung gingen oder in der sie sich aus anderen Gründen überwiegend aufhielten.“

Dachau Augsburger Tor im Augsburger Tor yehudaDachau: Augsburger Tor im Augsburger Tor

Augsburger Tor Dachau 1390 - 1891

In der Darstellung der Ergebnisse der Volkszählungen von 1970 und 1987 findet sich neben den Optionen „römisch-katholisch“ und „evangelisch-lutherisch“ noch die eher unspezifische dritte Bestimmung „Ausländer“ (S. 6)

Wie dem auch sei, in späteren Statistiken tauchen keine Juden mehr in Dachau auf.

Immerhin ist die Erinnerung an die direkt zur Zeit der Nazi-Herrschaft in Dachau lebenden Juden nicht ganz abhanden gekommen, wenngleich es doch fast ein halbes Jahrhundert „ Abstand“ bedurfte, um sich damit zu befassen. Aber das ist in anderen weniger prominenten Teilen des Landes nicht wesentlich anders gewesen, eher zögerlicher.

Dachauer Stolperstein Anton Felber 1902 - 1939Stolperstein für Anton Felber (1902-1939) in Dachau

1938 lebten 14 „Dachauer Bürger jüdischer Herkunft“ (wie das 2013 noch im Jargon der “Süddeutschen Zeitung” heißt). Stellvertretend sei die Familie Wallach genannt, die seit 1919 eine Textildruckerei in Dachau besaß. Die Wallach Werkstätten hatte sich auf Drucken und Färben von Trachtenstoffen spezialisiert, machte aber auch Handweberarbeiten. Bereits um 1900 hatten die Brüder Moritz und Julius Wallach ein Geschäft für bayerische Volkstrachten in München eröffnet, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war und Wallach zum Synonym für volkstümliche Trachten machte. Ihrem Wirken verdankt auch das wieder allseits präsente bayerische Dirndl seine Popularität – nur dass viele davon heute in asiatischen Fabriken zu Dumping-Löhnen hergestellt werden, ggf. auch von Zwangsarbeitern. 1986 wurde die Wallach KG an Loden Frey in München verkauft.

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Den Brüdern Moritz und Julius gelang es rechtzeitig mit ihren Familien zu entkommen, so auch dem damals 14-jährigen Franz, der nach England kam, wo er u.a. in Bath und Birmingham eine akademische Karriere einschlug und Professor für Mechanical Engineering wurde. Mit seiner Frau Ruth hatte er drei Kinder: Catherine, Paul und Mark. 1989 ging er in den Ruhestand, 2009 verstarb er im Alter von 84 Jahren. Kein Glück hatten sein Onkel Max und seine Frau Melitta, die in Theresienstadt ermordet wurden.

Jüdische Gedenkstätte Dachau BesucherinJüdische Gedenkstätte Dachau, Besucherin (23 Juni 2014)

Dachau concentration camp plan 1945 - Encyclopedia JudaicaEncyclopedia Judaica, 2nd Edition, Band 5, S. 375 f., 2007

– Der Beitrag der Encyclopedia Judaica zu Dachau erwähnt keine jüdische Ortsgeschichte, an die auch sonst fast nirgends erinnert wird, so als wäre die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Dachau das eigentliche geschichtliche Tabu.

Gemäß den Angaben der “Germanica Judaica”, Band 2, 1968, S. 57 gab es in den 1290er Jahren eine jüdische Gemeinde in Dachau, die dann aber entsprechend der regional typischen Legende sogleich um 1298 wieder mit dem sog. „Rintfleisch-Pogromen“ (btw: das russische Wort погром bedeutet „Unwetter“, „Gewitter“ und dergleichen – massenhafter Judenmord als Naturereignis ..?) endet. Bis um 1440 herum wird es aber wohl auch in Dachau Juden gegeben haben, wofür sich in einzelnen Jahren auch entsprechende Hinweise finden lassen. Die Topographie des kleinen Schlossdorfes lässt wenig Möglichkeiten zu und so kann man Bethaus und Mikwe im Bereich Lodererbach, Kühberg, unweit vom Schloss vermuten.
Wie auch anderswo im Wittelsbacher Reich dauert es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ehe man wieder etwas von Juden in Bayern hört. Um 1740 kamen einzelne Juden von Pfersee und Kriegshaber nach München und allmählich entsteht eine jüdische Filial-Gemeinschaft, deren Häupter bis 1815 im schwäbischen Kriegshaber begraben werden, in Ermangelung eines Friedhofs in München. Ab der selben Zeit finden wir auch immer wieder Berichte über Juden in Dachau, wenn beispielsweise Händler an den Ort kommen und Schafswolle und dergleichen verkaufen. Mit den napoleonischen Kriegen entstehen viele neue Straßen, was in Friedenszeiten zu deutlich besseren Verkehr und einem regen Austausch führt. Insbesondere die bisherigen Grenzregionen Bayerns, Frankens und Schwabens profitieren davon, dass sie nun in einem gemeinsamen Königreich integriert sind und der Austausch zwischen den bis dato eher feindlichen Gebieten auch seitens der Regierung ausdrücklich gewünscht wird. Es lohnt sich deshalb, das eigene Dorf zu verlassen, und anderswo unterzukommen, gerade dann, wenn man als Bauer oder Fabrikant etwas herstellt oder als Händler zu verkaufen hat.

Nonne mit Eis in KZ Dachau Gedenkstätte Nonne mit Eis in Cafeteria der KZ Gedenkstätte

Anfang 1830 finden wir den Israeliten Isaak Schleißheimer aus Dachau, der in München verstirbt, aber dem Almosenhaus in Dachau 2000 Gulden vererbt, was für die damalige Zeit eine doch recht beträchtliche Summe war. Dass der wirtschaftliche Erfolg mancher Juden im katholisch geprägten Bayern auch grässlichen Neid hervorrief ist sattsam bekannt und ein frühes Beispiel dafür ist neben in den 1830ern das in Augsburg erschienene Schmierblatt „Ahasveros“, den man als Uropa des „Stürmer“ bezeichnen kann. Immerhin überliefert uns das Blatt aber aus dem Februar 1831 einen anekdotischen Bericht über eine Kutschenfahrt von Augsburg nach München oder vielleicht auch umgekehrt. So genau wissen die anonymen Schreiber es nicht mehr. Jedenfalls sitzen sie im selben Wagen wie ein junger Jude, dessen Vater „als Erzwucherer“ mit Kriegsgeschäften enormen Reichtum gemacht habe, in markanter Erscheinung aber für den Geschmack der heimlichen Beobachter auch mit ungebührlichen Benehmen. Im Gasthof in Dachau, beim Zieglerwirt zur Post, um genau zu sein, sei der als „Champagnier-Bock“ (wegen der Vorliebe für Champagner, Märzenbier und …=) umschriebene junge „geile“ Wüstling mit der Bedienung umgegangen wie die Viehmagd mit der Kuh oder so ähnlich – und man fasst es kaum – derselbe habe sich sogar mit beiden Ellenbogen auf den Tisch aufgestützt. Alles in allem handelt es sich um einen ganz banalen Vorgang, bei dem eine Gruppe junger Reisender im Gasthof sitzt und Märzenbier trinkt. Wahrscheinlich scherzten sie mit der Bedienung und das war es dann, denn weiteres weiß auch der Bericht zu überliefern. Aus der verstohlenen Perspektive des krankhaften Neiders wird jedoch der Anschein erweckt, die gewöhnlichen dörfliche Wirtshausszene als Skandal zu erträumen.

Wahrscheinlich hat das 1831 schon niemand beachtet. Für uns ist es jedoch relevant, da von drei Juden aus Augsburg die Rede war und die Beschreibungen verbunden mit der Datierung darauf ergeben, dass es sich beim geschmähten jüdischen „Modebengel“ um den damals noch nicht ganz 20jährigen Carl von Obermayer handelte.

Dachau Hotel Brauerei Gasthof Zieglerbräu

To be continued …

 

Almost nothing has been told on Jews in Dachau before the concentration camp. At most there is very little focus on Jews who lived in Dachau some years until 1938. To mention them alone took half a century and was of breaking a taboo.
Quellen:
http://www.textilhanddruck-fromholzer-wallach.de/index.html
http://www.birmingham.ac.uk/schools/mechanical-engineering/undergraduate/scholarships/frank-wallace-scholarship.aspx
http://www.bathchronicle.co.uk/Tributes-uni-founding-father/story-11329281-detail/story.html#fOl4KpFwdGipj35Z.99

https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09174115.pdf