Pessach in Augsburg

March 28, 2010

Im Innenraum der 1917 an der Halderstr. in Augsburg fertig gestellten Sysnagoge befinden sich an der Ostseite über dem Aron Kodesch (“heilige Kiste”), in welchem die Thora-Rollen ruhen, fünf Symbole zur Würdigung einige Festtage aus dem jüdischen Kalender. Unter diesen befindet sich auch eine Würdigung des Pessach-Festes, das auch Passah genannt wurde, reformerische Juden sprachen vor hundert Jahren sogar auch schon mal vom “jüdischen Osterfest”.

Eine Reformgemeinde war auch die Augsburger, was auch die Verwendung von bildlichen Darstellungen zum Ausdruck bringt. Zwar waren solche im traditionellen Judentum nicht exakt verboten, aber als überflüssig empfunden, da man aus ihnen keinen Mehrwert, sondern eine Ablehnkung vom Gebet befürchtete.

Das Pessach-Fest wurde dargestellt mit einer Ähre, passend zum Umstand, dass es um ein Frühlungsfest mit landwirtschaftlichen Bezügen handelt, zumindest in Israel, hier fallen noch vereinzelte Schneeflocken als (hoffentlich) letzte Erinnerung an einen überlangen und kalten Winter…

Über der Ähre steht das Wort פסח pessach und im Umkreis die Worte  עמר ראשית קצירכם  welche aus dem Sefer Vajikra zitieren:

כי־תבאו אל־הארץ אשר אני נתן לכם וקצרתם את־קצירה והבאתם את־עמר ראשית קצירכם

אל־הכהן׃

Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch gebe, und ihr erntet, so sollt ihr ein Omer von den Ersten von Euer Ernte dem Kohen geben.“

(Sefer Vajikra 23.10 = “Levitikus” = 3. Moses)

Die Auswahl des Zitats (das wer noch liest und findet?) überrascht ein wenig mir dem Bezug zu den Kohen und damit zum Opferdienst, da die reformerischen Gemeinden in ihren Reihen die Abstammung von Kohanim nivelierten und oft wenig Interesse an dieser Vergangenheit haben – freilich finden sich diesbezüglich noch weitere Motive in der Synagoge …. Heutige Assoziationen zu Pessach kreisen eher um “Matzen”, die aus welchen Gründne immer, in bestimmten Reihen ganzjährig geschätzt werden, wohl weil sie den “nimbus” des Brotes der Armut nicht mehr haben…

Passover pessach depiction synagogue of AUgsburg Depiction of Pessach at the Eastern interior wall of the Synagogue of Augsburg, here in a painting by Chana Tausendfels. The words quote a passage fron the Hebrew Book of Vayikra (3rd of Moses) 23.10, saying: ”

‘When you enter the land which I am going to give to you and reap its harvest, then you shall bring the Omer of the first fruits of your harvest to the Kohen.”

The JHVA wishes all members, friends and readers all over the world a happy and healthy kosher passover

Allen Freunden, Mitgliedern und Lesern ein frohes, gesundes und koscheres Pessach 🙂


Who wrote the book of matzah ..?

March 26, 2010

A Jew on a sunny day in spring took his Passover food to eat outside in the park. He sat down on a bench and began eating. Shortly thereafter a blind man came by and sat down next to him.

Feeling neighborly, the Jew offered a sheet of matza to the blind man.

The blind man ran his fingers over the matza for a while, and asked “Who wrote this?”


Mikvah Calendar

March 25, 2010

 “A new online Mikvah Calender ( https://www.mikvahcalendar.com/login.php ) introduced last year in English, has now come out with a Hebrew edition, as  www.israelnationalnews.com reports.

The calendar is used to determine the proper time for a Jewish woman to observe the commandment of immersing herself in the ritual pool, or mikvah. alendar is used to determine the proper time for a Jewish woman to observe the commandment of immersing herself in the ritual pool, or mikvah.

According to Rivkah Bloom, one of the developers of the site, the Hebrew version has attracted thousands of hits in the two weeks since it was first introduced.

Also featured is a list of the customs for various communities, including those connected with Chabad, Sephardic and Ashkenazi traditions. In addition, women can receive email and SMS reminders, and there are print-friendly formats available for personal records.”


Happy 90th Birthday Mietek Pemper …!

March 24, 2010

Der JHVA gratuliert Mietek Pemper zu seinem heutigen 90. Geburtstag und wünscht Gesundheit und ein langes Leben.

…. ad me’a ve’esrim ..!

Our best wishes to Mietek Pepmpers 90th birthday

(c) pictures: yakiv samoylovych (1), yehuda shenef (2)


Schimon ben Schmuel Ulmo: „Liebe die Arbeit, hasse das Amt“

March 19, 2010

: שמעיה אומר

אהב את המלאכה – ושנא הרבנות – ואל תתודע לרשות

(1.10 פרקי אבות)

 

 

 

 

 

… Schmaja sagt: „Liebe die Arbeit, hasse öffentliche Ämter und lass dich nicht mit Mächtigen ein“

 

Die Botschaft dieser Mischna ist, dass Thora-Treue sich in einer Weise verhalten müssen, die ihnen Achtung und Unabhängigkeit einbringen. Sie sollten für ihren Lebensunterhalt sorgen, um in der Lage sein, frei sprechen zu können. Das ist in der heutigen Zeit schwierig und selbst für allgemein anerkannte Wissenschaftler kaum zu bewerkstelligen, denn auch sie müssen finanziert werden, ihre Forschung an Vorgaben anpassen, um sich in ihr Fachgebiet vertiefen zu können. Weil dem so ist, werden Studierende des Talmuds und der Thora allgemein verachtet, da sie diesen Zwängen nicht unterliegen, außer sie sind ebenfalls von anderen finanziell abhängig, die ihr Studium beeinflussen wollen und können.

Die Liebe zur Arbeit entfernt den Menschen jedoch von der Sünde und bringt Ehre und Achtung. Öffentliche Ämter soll man verachten, da sie mit Macht über andere verbunden sind. Dies ist keine Arbeit, sondern führt davon weg und zur Sünde. Andere Menschen zu kontrollieren führt unweigerlich zu Überheblichkeit Prahlerei und zum Anspruch von seinen „Untertanen“ allein aufgrund seiner Position anstelle von seinem Verhalten respektiert werden zu müssen. Je mehr Menschen man unter seiner „Aufsicht“ hat, um so größer ist auch die Versuchung, sie alleine nach oft willkürlichen Vorschriften und Regeln zu beurteilen und in ihnen nicht mehr den Genossen zu sehen, den man nach dem Gebot der Thora zu lieben verpflichtet ist (siehe dazu Schabbat 55a, Sucka 29b, u.a).  

Sich nicht mit Mächtigen (Politikern) einzulassen ist äußerst ratsam, da diese nur mit der Verwirklichung ihrer eigenen Pläne beschäftigt sind. Ein wirkliches Interesse am Wohlergehen anderer haben sie nicht. Dies hat nur zeitweilig den Anschein, wenn es ihren Interessen dient und ihnen nützlich erscheint. Das Wesen der politischen Macht ist jene die sie ausüben vom Rest der Bevölkerung abzusondern und zu trennen. Die Struktur der Machtposition basiert auf der Unabhängigkeit von den Untergebenen und ist mit diesen deshalb nur lose verbunden, so wie ein Hund kein Schaf sein kann. Deshalb ist zwangsläufig jede Annäherung durch Mächtige von bloßem Eigennutz motiviert. Wäre es nicht so und würde etwas tatsächlich zum Wohle anderer geschehen, würde dies eine Gemeinschaft mit anderen schaffen und die Hierarchie wäre aufgehoben.  Dies lehrt uns also nicht nur zu arbeiten, sondern unsere Arbeit zu lieben, um unabhängig davon zu sein, kontrolliert zu werden und der Versuchung zu widerstehen, andere zu kontrollieren und gering zu schätzen.  

Die pirke awot (Lehren der Väter) sind ein Teil der Mischna und vielleicht abseits der Jeschiwot der bekannteste Teil davon. Der Auszug ist von einem Kommentar zum Abschnitt 1.10 von Rabbi Schimon ben Schmuel Ulmo (ca.  1645 – 1720), der Oberhaupt der Gemeinde zu Pfersee und Führer der Gemeinden in medinat schwaben (parnas vemanhig medina) war und am jüdischen Friedhof in Kriegshaber/Pfersee begraben ist. Man kann sich fragen, ob der Umstand, dass er selbst wichtige Ämter innehatte in Bezug auf den kritischen Kommentar inkonsequent sein mag oder ob er gerade deshalb die Zusammenhänge der Macht besser durchschauen konnte. An Aktualität haben seine Anmerkungen sicherlich nicht eingebüßt. Sein Todestag am 5. Nissan jährt sich am morgigen Schabbes zum 280. Mal.


Die Reise nach Jerusalem

March 17, 2010

Während Sie bei Saurfang noch eine gute Mischung aus Schaden und Zeit brauchten, fällt der Zeitfaktor bei Modermiene weg. Allerdings benötigen Sie bei diesem Boss mehr Tanks, um die vielen Brühschlammer und Schleime unter Kontrolle zu bekommen.“

Going to Jerusalem

Keine Idee, wovon hier die Rede ist es? Es handelt sich um einen Auszug aus dem aktuellen GameStar Sonderheft „World of Warcraft“ (WoW) März 2010. In der Titelstory „Neue Drachen braucht das Land“ auf Seite 9 heißt eine Überschrift „Die Reise nach Jerusalem“, Anlass genug, um nach ein paar Bier das Stichwort aufzugreifen und auf seinen für unsere Themen relevanten Aussagewert hin abzuklopfen. Da das besagte Magazin mit praktischen Ratschlägen „(„Zwei kleine Schleime verschmelzen zu einem großen Schleim“) zur Seite steht, sollte die virtuelle Reise gelingen.

Die Reise nach Jerusalem“ so lautet im Deutschen der Name eines eigenartigen Tanzwettberwerbs Spiels, der im Englischen ebenfalls als „Going to Jerusalem“ meist aber als „Musical Chairs“ bekannt ist, wovon sich wohl auch die geläufige hebräische Bezeichnung  כסאות מוזיקליים  ableitet.

Wie auch immer, werden dabei nun Stühle aufgereiht und während dem Abspielen einer Musik von den mitspielenden Tänzern umlaufen. Sobald die Musik verstummt, versuchen alle auf einem der verfügbaren Stühle Platz zu nehmen – was dadurch erschwert wird, dass immer ein Stuhl zu wenig vorhanden ist. Folglich scheidet so auch nach jeder Runde ein Mitspieler aus, bis am Schluss zwei Tänzer um den letzten Stuhl rivalisieren. Was hat dies nun mit „Jerusalem“ zu tun, wo zugegeben doch viele einen eigenen Stuhl aufstellen und über die Standorte von Kinderbetten, Tischen, Stühlen und Wohnungen mitreden und auftanzen wollen ..? In den aktuellen Nachrichten von heute etwa findet man unter dem Stichwort die „Meldung“, dass der US-Sondergesandte George Mitchel aus „Verärgerung“ über den geplanten Neubau weiterer Häuser in Jerusalem seine „Reise nach Jerusalem“ storniert hat , was wohl heißt sein Stuhl bleibt leer, insofern er einen in der Hauptstadt Israels hat, oder er lässt ihn in der Schublade, so er seinen eigenen mitbringt. Vielleicht wollte Mitchell aber auch aus eher aktionistischen (hat nichts mit Aktien und auch nichts mit Zionismus zu tun) wenn nicht gar wirtschaftlichen Interessen vielleicht aber „nur“ die Spielregeln zu Ungunsten seiner Gastgeber verändern, im Glauben, so wo ganz anders punkten zu können, etwa bei einer „Reise nach Teheran“ …?

Da muss auch das GameStar – Heft zunächst etwas ausholen: „Die gesamte Gruppe inklusive aller Heiler versammelt sich direkt nach dem Pull in der Mitte des Raumes bei Modermiene. Dies hat zum einen den Vorteil, dass sich die Gruppe, sobald der Boss „Schleimsprühen“ wirkt, nur durch den Boss bewegen muss, um Sprühregen zu entgehen, und die Schadensverursacher damit kaum in ihrer Aufgabe unterbrochen werden.“

Wie bereits die „Nahostpolitik“ Obamas sind natürlich auch diese Ausführungen nicht jedem sofort begreiflich, wenngleich bestimmte Parallelen kaum zu leugnen sind. Ebenso unklar bleibt aber auch die Herkunft des Namens für das Spiel. Es wird vermutet, dass damit an die Kreuzfahrer erinnert werden sollte, was sich aber nur sehr schwierig vom Ablauf ableiten ließe und auch keinen zeitlichen Bezug hat.  Andere meinen, es habe mit dem Zionismus der späten 1890er und frühen 1900er Jahre zu tun. Das würde zumindest zeitlich passen, da die ersten Belege für diese Benennung des Spiels just aus dieser Zeit auch stammen. Der „Streit um die Stühle“ (so der chinesische Name 抢凳子) könnte somit auf die knappen (?) Auswanderungsplätze anspielen, zugleich aber auch andeuten, dass in der alten Heimat, sagen wir beispielsweise im schwäbischen Dorf Schlipsheim (name dropping) mit der Abwanderung eines weiteren Juden nach Zion, dort abermals ein Stuhl frei und weggestellt wird. Es sind jedoch keine Belege dafür bekannt, dass der Spielname „Reise nach Jerusalem“ in zionistischen Kreisen üblich wurde. Wer welche kennt und auftreiben kann, möge sich angesprochen fühlen …! Überhaupt beschränkt sich dieser „name of the game“  hauptsächlich auf Deutschland, da man schon in Österreich, von wo Theo Herzl stammte, eher vom „Sesseltanz“ spricht. Die Reduzierung der Mitspieler erinnert eher an Casting-Shows, die sich weltweiter Beliebtheit erfreuen, etwa „American Idol“ von Fox oder das britische Gegenstück „Pop Idol“ von ITV, „Deutschland sucht den Superstar“ von RTL oder eben die israelische Variante “כוכב נולד” auf ערוץ 2 die trotz des messianisch klingenden Titels keinen neuen Bar Kochba verspricht, sondern sich bescheiden wie die anderen Varianten mit rührigen Pop-Barden zufrieden gibt. Jedenfalls startet ein Teilnehmerfeld und reduziert sich nach mehreren Runden bis zu einem Finale und um Musik geht es dabei auch – nur dass über das Weiterkommen andere entscheiden. Übrig bleibt auch hier ein Sieger, wie auch bei den Primaries, den Vorwahlen in den USA.

In der zionistischen Einwanderung ging es jedoch nie darum, dass nur einer „es schaffen“ und auswandern sollte, nur ein Sitzplatz übrig blieb und man, um diesen zu bekommen, womöglich selbst eigene Brüder und Schwestern ins „Nichts“ wegstößt, um eine Runde weiter und vielleicht letztlich doch nicht ans Ziel zu kommen. Vielmehr versuchte man möglichst viele Verwandte und Freunde mit sich zu nehmen.

Und wie sieht es bei Mitchells „Reise aus“? Als Obamas US-Gesandter mit irischer Abstammung aber zugleich auch mit libanesischen Adoptiveltern hat der 77jährige in seiner eigenen Biographie schon allerhand persönliche Päckchen zu schleppen, für die er sicher weit mehr als einen einzigen Stuhl benötigt. Welche von wem auch immer geschnürte Interessenspakete er offiziell aber ebenso unter der Schwelle auch immer mit sich schleppt oder einschleppen will, es  ist auch nach Jahren seiner Tätigkeit als „Vermittler“ nicht klar geworden, warum Israel sich darauf einlassen sollte, abgesehen von der immer wieder betonten “Freundschaft”. Die Anhäufung verschiedener fremder Interessen führt nie zur Lösung lokaler Probleme. Auch GameStar meint dazu bereits ganz treffend (Seite 10): „Jetzt wird es komplizierter und ihre Tanks müssen genau aufpassen. Achten Sie immer darauf, wie viele Stapel sich auf dem großen Schleim befinden und rezitieren Sie sich die neu infizierten Spieler in Ihrer Laufrichtung.“ Einer Analyse der man auch als Diplomat nicht wird widersprechen können, und folglich sollte man vielleicht auch den abschließenden Ratschlag erwägen: „Behalten Sie im Kopf: Je mehr Schaden Sie als Gruppe aufbringen können, umso mehr Platz haben Sie und Ihre Tanks zum Ziehen der großen Schleime“.


Die Schabbeslampe des Mosche Ulmo aus Pfersee

March 16, 2010

Das Auktionshaus Sotheby‘s in New York bot im Dezember 2008 in einer Auktion ein äußert rares, zugleich aber auch kostbares Exemplar dessen, was es als „important Judaica“ bezeichnet. Es handelt sich um eine ca. 70 cm hohe silberne Schabbes-Lampe aus dem Jahre 1763, die von Gottfried Barthelmann (1705-1769) für Mosche ben Rabbi Ischachar Ber Ulmo von Pfersee gefertigt wurde.

Eine genauere Beschreibung (in English) nebst einem zoom-fähigen Photo (das wir trotz der herausragenden lokalgeschichtlichen Bedeutung hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht zeigen dürfen: „Sotheby’s will aggressively enforce its intellectual property rights to the fullest extent of the law, including the seeking of criminal prosecution.”) findet sich auf der Seite von Sotheby’s

http://www.sothebys.com/app/live/lot/LotDetail.jsp?lot_id=159509730,

jedoch ist es unter der obigen Quellenangabe erlaubt zu zitieren, dass wenn schon nicht unbedingt im heutigen Schwaben, so doch zumindest in der Welt renommierter Auktionshäuser die historische Bedeutung der Pferseer Ulmo-Familie ansatzweise geläufig ist:

Moses Ulmo was a member of the distinguished Ulmo / Ullmann family, which was well-known throughout Germany and can be traced back to the Ulmo-Guenzburgs. The Ullmanns were among the most prominent families of the Ashkenazic world; in the 16th and 17th centuries they actively pursued strategic marriages which connected them to important rabbinical families as well as to the wealthy Court Jews throughout Europe. During the 17th and 18th centuries members of the Ullmann family of Pfersee were appointed Court Jews to both the Prince-Bishops of Augsburg and the Imperial Court in Vienna.”

Das sollte uns Hoffnung geben für die Bewahrung des Erbes der Juden von Pfersee, Kriegshaber und Augsburg, wenngleich der angesetzte Auktionspreis in der Höhe von 600 – 800.000 US-Dollar es wohl ausschließt, dass die Lampe, die einst in der Leitershofer Straße Pfersee beheimatet war, jemals wieder an ihren Ursprungsort zurückkehren wird.  

Skizze (wie Silber aussieht wissen wir ja …):


Simon Ulmo Ginzburgs explanation of proverbs from the Talmud

March 11, 2010

Rabbi Simon ben Eliezer Ulmo Ginzburg (1506-1585) who also was a court Jew is a descendant from former Augsburg branch of the Kalonymos as well as the ancestor of the wide-spread family of Ulmo Ginzburg. He also was famous as architect who built a synagogue and a cemetery in Burgau. Some of his sons moved to Pfersee what later became the renowned seat of the rabbinate of Medinat Shwaben. Simons “sefer mar’ay moozar“ explains in Yiddish (or as he put it: “in Taytsh” = “Dutch”, Old German) a number of some 525 quotations, i.e. more or less known Hebrew and Aramaic proverbs and sayings from the Talmud or related sources. The Hebrew title of the book, which was printed in several editions  often was translated as “mirror of ethics”, but more literally means “view of tradition” (the term mar’e, meaning mirror however obviously is related to the actual English word mirror …), there even was Latin translation “speculum vitae humanae”. In German the work was known as “der zuchtspiegel”, whereby the term “zucht” is somewhat ambigious, since it may mean “discipline” as well as

One example of the collection is the proverb “istra bilgeena kish kish karya” which is Aramaic and says, that is does not need much, to make much ado about nothing. In this case there only an Istra – coin (named for the old Greek province of Aistros was in the area where river Danube issues in the Black Sea) is required to make much “kish kish” sound in a bottle. Proverbial it means a person who although lacking wisdom tries to make it up with much idle talk and clapping. There are no good results, but much notional blabla.

Simon Ulmo Ginzburg paraphrased it in Jewish Taytsh that way: one penny in an empty bottle makes much more noise than one who has thousand guilder coins – so it is much ado about nothing, all mouth und (no) trousers, much cry and little wool, etc.

איסתרא בלגינא קיש קריא 

 

במ פז 

 

 

איין העלר אין איינם לערין זעקיל פיל מין קלעפרן טוטאלז מענכר דער טויזנט גילדן אין זעקיל האט. פארנן פיקס אונ הינטין ניקס. מאכט מענכר איין גרוס גישרייא אונ ניקס דער הינדר, מן ווייט זו זאגין פון קאלטין ווינטר

 

Transkription: ain heler in ainem leren sekil fil min kleprn tut als menchr der toisent gildn in sekil hat. farnen fiks un hintin niks – macht menchr ain gros gischrai un niks der hinder, men wait su sagin fun kaltin wintr.

Übertragung: Eine Cent-Münze in einer leeren Spardose klimpert viel mehr als wenn tausend Euro darin wären. Erst groß und dann nichts tun, viel Wind um nichts

 

Wörtliche Entsprechungen zu den Reimen und Sprüchen gibt es wohl nicht mehr, wobei Gulden und Heller natürlich namentlich noch bekannt sind. Die Füchse erhalten Aufmerksamkeit, doch hinten kommt nichts dabei raus, wie man heute sagt. Das „nichts dahinter“ steckt ist als Ausdruck auch heute noch geläufig, doch wie beim Fuchs ist der Winter ist erster Linie zum Zweck des Reims vorhanden.

Das aramäische Zitat aus Bawa Mezia besagt sinngemäß, dass es nicht viel braucht, um sinnlos Lärm zu machen kann. איסתרא (istra) ist eine antike Währung, die unter anderem in griechischen Stater – Münzen geprägt wurde. Ihr Name leitet sich ab von der griechischen Kolonie Aistros (istros) in der Region der Donaumündung am Schwarzen Meer. In einem Krug oder Flasche, so das Sprichwort genügt schon ein Exemplar, um damit zu klimpern – bzw. um lautmalerisch „kisch kisch“ zu machen. Im deutschen würde man vielleicht sagen können, dass (inhalts)leere Tonnen oder Fässer am lautesten klingen können – was hier natürlich ebenfalls sinnbildlich gesehen wird. Es bezieht sich damit auf eine Art von Person, die zwar einen gewissen Mangel an Weisheit besitzt,, diesen Mangel aber mit viel Geklirre und Gerede wett machen will. Das kann sich auf weniges beziehen was man vorzuweisen hat, dass aber um es wichtiger zu machen, aufgebauscht und lärmend vermarktet wird, usw. Es gibt keine oder nur wenige vorzeigbare Ergebnisse, aber viel Geschnatter. Ausgedrückt wird damit der Gegensatz zwischen Aufwand und Ertrag, lange Rede kurzer Sinn, viel Gerede um nichts, usw.

Zum Abschluss noch ein Gedicht/Lied von Schimon ben Elieser Ulmo, welches eine Art Klage ist, die manche sicher auch heute geneigt wären anzustimmen – insbesondere wenn man das Motto der “Verlorenen Maßstäbe” berücksichtigt, dass in dieser Woche nicht nur in Augsburg die eine oder andere Schlagzeile generiert hatte.

Der Titel lautet “dar emess is gestorbin”, also die “Wahrheit ist gestorben”:

Die Wahrheit ist gestorben

 

Die Wahrheit ist gestorben und (bloßer) Glaube wird geachtet.

Schmach und Täuschung sind stark und mächtig

Niemand ist ehrlich und bescheiden in gottlosen Reden

Niemand spürt dem Schmerz des Bettlers

Groß ist die Schande der Plünderer

Klein sind ihre Seelen im Vegleich zur Schuld

Es ist ein Fehler, es ist eine Verschwendung

Ehre existiert nicht mehr

Geld, lautet das Wort

Aber wer hat es, mein Herr ..?

Alle spinnen ein Netz und ziehen ihre Fäden

Oh, mein Gott, was soll nur aus uns werden ..!?

 מייַן גאָט, וואָס וועט ווערןפון אונדז

 

Truth has died

Truth has died, but faith is prized; shame and deceit are desired in deed; there is no one honest and humble, in godless sermons they stumble; nobody feels the pain to live like beggars, but great is the shame in the time of muggers; small are the souls compared to their guilt, instead of friends they are enemies, it is a mistake, it is a waste, honor does not exist anymore…

Money is the word — … and who has it, Sir ..? All spin a web and pull the strings 

Oh my God, what will happen to us!?


Der „Zuchtspiegel“ des Rabbi Schimon ben Elieser Ulmo Ginzburg

March 10, 2010

Schimon Ben Elieser Ulmo wurde 1506 in Günzburg geboren und war ein rabbinischer Gelehrter, Haupt der angesehenen Jeschiwa in Burgau und zugleich auch kaiserlicher Hoffaktor in der österreichischen Marktgrafschaft. Sein Vater Elieser (1477-1544) stammte als Urenkel des Falk ben Lemlin (1390-1465) ab, dessen Ahnen wiederum auf die Familie der Kalonymos zurückgeht und  im Jahre 1439 die Reichsstadt Augsburg zusammen mit seinem Bruder Baruch (1384-1459) samt familiären Anhang verlassen hatte und nach Ulm zog.  An seinem Geburtsort Günzburg war Schimon nach der Herkunft seines Vaters noch als Ulma bekannt, in Burgau jedoch wegen seines eigenen Geburtsort nun mit dem Beinamen Ginzburg oder Günzburg. Sein eigener Name Schimon wurde geläufig auch als Simon aufgefasst und zudem verfügte er über den „Spitznamen“ Seligman. Wegen seines hohen Bekanntheitsgrades, Reichtums und Einfluss gilt Schimon allgemein als Stammvater der sehr weitverzweigten Familie der Ulmo-Günzburg (gelegentlich nach dem alten Stadtnamen auch Ulma, später auch Ulman, Ullman, Ulmann, usw. sowie Ginzburg, etc).

Die Vielfalt der Namen und vorhandenen Kombinationen und Schreibweisen ist auf den ersten Blick etwas verwirrend, aber keineswegs eine Besonderheit, sondern allgemeines „Schicksal“ fast aller Zeitgenossen der damaligen Welt. Verlässlich, weil unumstößlich blieb lediglich die hebräische Namensüberlieferung „A Sohn des B“. in der Regel ist, wenn ansonsten keine Dokumente mit persönlichen Bezügen vorhanden sind – was nun eher die Ausnahme ist – nur so eine genealogische Abfolge nachvollziehbar.  Bereits im Eintrag der Jewish Encyclopedia zu seiner Person wird eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Hofarzt Seligman Günzburg aus dem polnischen Slutsk korrigiert, der auch Vorsteher der Gemeinde in Posen war. „Unser“ Schimon wird hier auch in säkularen Wissenschaften bewandert bezeichnet, unter anderem als Architekt und Geometer (Landvermesser, Kartograph, Mathematiker). Dazu passt die Überlieferung, dass er in Günzburg sowohl eine Synagoge errichtete als auch einen Friedhof anlegen ließ.

Als Schimon 1506 in Günzburg geboren wurde und dort wie auch im benachbarten Burgau aufwuchs, war noch der bereits betagte Jona Weil (1451-1530) Rabbiner der nur ca. zehn Kilometer entfernten Gemeinden in Günzburg und Burgau (unter dem allgemeinen Titel des hohen Rabbiners von Schwaben und der Schweiz) und bis zu seinem Tod zugleich auch Vorsitzender des rabbinischen Gerichts für die Region. Ihm folgte Jitzchak ben Josef Segal, der von 1530-1568 als Rabbiner amtierte.  Wie Segal hatte auch Jona Weil Augsburger Ahnen, war er doch der Sohn des bereits hoch betagten Jakob ben Jehuda Weil (1385-1456), der 1438 als einer der ersten die Stadt verlassen hatte, nachdem der Rat unter kirchlichem Drängen den Juden zwei Jahre einräumte um Augsburg bis 1440 zu verlassen. Es liegt auf der Hand, dass Schimon, der selbst von Augsburger Juden abstammte unter dem Einfluss dieser Gelehrten die Erinnerung an die alte Heimat aus erster Hand erfuhr und an seine Nachkommen weiterreichte. Wie wir einer Urkunde aus dem Jahre 1544 entnehmen können, besaß Schimon gemeinsam mit seinem Bruder Jakob das kaiserliche Schutzprivileg von Kaiser Karl V. Im selben Jahr vertrat er gemeinsam mit Josel von Rosheim die jüdischen Gemeinden am Reichstag von Speyer. Im Jahre 1569 ist Schimons Sohn Mosche der erste nachweisbare Vertreter, der später dominierenden Ulmo-Familie in Pfersee und zählt zu den Gründern der Gemeinde dort. Ein weiterer Schutzbrief aus dem Oktober 1617 erwähnt mit Salomon einen weiteren Sohn von Schimon „der Zeit wohnhaft zu Pfersen bey unseres heyl. Reiches Statt Augspurg gelegen“ und mit ihm drei Söhne: Schimon, Kalman und Samuel. Von letzterem ist aus dem Folgejahr ein eigener Schutzbrief bekannt, der zugleich auch für die wachsende jüdische Gemeinde seines Ortes, also Pfersee galt. Pfersee, das nur zweieinhalb Kilometer von den Toren der Reichsstadt Augsburg entfernt lag, entwickelte sich sodann rasch zum Zentrum der schwäbischen Juden und übernahm mit dem Ende des 30jährigen Krieges den Amtssitz des Rabbinats von Medinat Schwaben der zwischenzeitlich an Thannhausen übergegangen war.

Schimon ben Elieser Ulmo Günzburg war er für seine Wohltätigkeit, Gelehrigkeit und Frömmigkeit weit über die Grenzen Schwabens bekannt und gerühmt. Von seinen Schriften ist uns seine Sammlung talmudischer Redensarten überliefert, die unter dem Namen „Sefer Ma‘re Musar“ mehrfach nachgedruckt wurde. Das Werk enthält auf 78 Seiten mehr als 500 alphabetisch geordnete Redensarten und Spruchweisheiten aus dem Talmud und anderen Schriften mit Quellenangabe und jiddischer (eigentlich: „taitscher“) Übersetzung, oder besser gesagt Umschreibung. Schimon Ulmo übertrug die talmudischen Weisheiten nämlich öfter in Reimen, weshalb der Inhalt eher sinngemäß als wörtlich widergegeben wird, wohl weil das insgesamt auch kaum gelingen kann. Für regionale Sprachforscher interessant sind die häufigen deutsche Redensarten zur Erklärung dazu, die er in der damaligen Zeit wohl in seiner schwäbischen Umgebung vorfand. Davon sind sicherlich nicht mehr alle geläufig. Zur Zielgruppe des Verfassers gehören wie er ausdrücklich bemerkt auch Frauen, damit diese in den ruhigen Stunden an Schabbes und Feiertagen einen geeigneten Lesestoff zur Erbauung haben. Der jiddische Titel des Buches wird in den Druckausgaben um 1680 als „Zuchtspiegel“ angeben, was eine nicht ganz zutreffende Übersetzung ist, für die der Autor wohl nicht verantwortlich ist. מסר (masar) bedeutet ursprünglich „herausgeben, aushändigen“ (z.B. einen Brief, eine Ware, etc.) und davon abgeleitet im übertragenen Sinne „mitteilen, übergeben, überliefern“. Daraus folgt später dann auch der „masor / moser“  = Denunziant, wie auch „masoret“ und „masora“ (מסורה) – die Überlieferung, worunter  heute  im engeren Sinne vor allem die punktierten Texte der Bibel („masoretischer Text“) verstanden werden. Zwar wird מוסר (musar) gerne mit „Moral“ oder „Ethik“ übersetzt, jedoch sind diese „philosophische“ Begriffe zwar heute (in der Bedeutung flachgetreten) allgemein geläufig, jedoch ohne Entsprechung in der Gedankenwelt insbesondere des mittelalterlichen Judentums. Sie würden damit auch die Perspektive verfälschen, passender wäre allenfalls das lateinische „Tradition“.  מראה hingegen kann nicht nur als „Spiegel“ verstanden werden, sondern auch als „Ausblick, Ansicht, Schau“ und eine geeignetere deutsche Wiedergabe des Titels wäre demnach wohl „Ansicht der Überlieferung“ und eine solche wollte der Autor bieten.

Zum Abschluss genügt zunächst fürs erste ein Beispiel (die mehrfache Umschreibung des Textes ist etwas zeitraubend, aber weitere Beispiele werden noch folgen. Zudem sehen wir das Werk als Bestandteil der angestrebten Sammlung von Schriften früherer Augsburger oder mit Augsburg in Beziehung stehender Gelehrten von Rang.

Die Transkription des jiddischen (bzw. „taitschen“) Textes erfolgt der Einfachheit halber der hebräisch notierten Vorgabe, somit freilich auch ohne die heute gerne zitierte Umlautung, die einen ostjiddischen Klang simulieren will. Für das Werk insgesamt verweisen wir auf die digitalisierte Ausgabe des Drucks von Frankfurt 1679 unter der URL http://www.literatur-des-judentums.de wo noch drei, vier weitere Exemplare des Buches zu finden sind, eben vielen anderen interessanten Werken (grundsätzlich gesagt).

friendship or death

או חברותא או מיתותא

(תענית פ”ג)

ווען שון דער מענש אויף דר וועלט העט אלי וואול לושט פון גוט אונ געלט אונ העט קיין גוטי גיטרייאי חברים ניט, דו ער זיך קענט דר פרייאין מיט, דא האט ער בייא אל זיינם גוט קיין פריליכן מוט אונ זיין לעבן איז גיגליכן זו איין טוטן מענשין, וויא דו שפריך ווארט זאגט: איך וועלט מיך ניט אליין אין הימל ווינשן. אך וויא דיא אשכנזים  גימיינדליך איין שפריך ווארט האבין, אליינט ארבין, זעלב אנדר זו בעט, זעלב דריט אויף דעם וועג, זעלב פירט זום שפיל, זעלב פינף זום טרינקן.

(Transkription: wen schon der mensch oif der welt het ale wol luscht fun gut un gelt un het kain gute getreie chowrim nit do er sich kent der fraien mit, da hat er bai al sainm gut kain frilichn mut, un sain lebn is geglichn su ain totn menschin, wi do sprich wart sagt, ich welt mich nit alain in himl winschn, ach wie die aschchenasim gemaindlich ain sprich wart haben: alaint arben, selb ander su bet, selb drit oif dem weg, selb firt sum spil, selb finf sum trinkn. 

(Im heutigen Deutsch heißt dies in etwa: „Wenn der Mensch auf der Welt allen Spaß von Besitz und Geld hat, aber keine innigen Freunde, mit denen er sich freuen kann, so hat er mit all seinem Gut keinen fröhlichen Mut und sein Leben gleicht dem eines toten Menschen, so wie es das Sprichwort sagt: „Ich wollte mich nicht alleine in den Himmel wünschen.“ Auch die Aschkensim (nach heutigem Verständnis „die Deutschen“) haben ein allgemeines Sprichwort dazu: „Alleine erben, mit einem andern ins Bett, zu dritt auf den Weg, zu viert beim Spiel und zu fünft zum Trinken. „

Die Redensart ist nun ein Zitat aus dem Talmud Bawli (Taanit 80.3) und dort in Anspielung auf die in unserem Kontext nicht weiter erläuterbare Person (חוני המעגל) Choni des Kreisziehers, der legendär nach 70 Jahren vom Schlaf erwachte und als er dann keine Kameraden zum Studium der Thora vorfand, aus Kummer starb (מת מרוב צער).  Die Redensart sagt man im heutigen Hebräisch או חברות או מוות was man übersetzen kann mit „Freundschaft oder Tod“, äquivalent zu einem „einsamen Tod“. Etwas was in unser “modernen” Zeit eher häufiger als seltener wird, auch wenn der Schlaf im Wandel der Zeit den Betroffenen nicht immer bewusst ist..

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Manna statt Mammon ..?

March 8, 2010

Am heutigen Montagnachmittag versammelten sich zum Abschluss des verlängerten Auftakt-Wochenendes der „Woche der Brüderlichkeit“ im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses religiöse Vertreter der  evangelischen und katholischen Christen, sowie der Juden in Deutschland zu einer öffentlichen Versammlung. Unter den Predigern, deren Leitthema lautete „Verlorene Maßstäbe – Herausforderung durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise“ herrschte weitgehende Einigkeit. 

Schuld an der Krise, so der Tenor, sei die verantwortungslose Gier, vor allem in der Wirtschaft. Der Hausherr Oberbürgermeister Kurt Gribl stellte fest, dass auch in der Krise die Vielfalt in der Stadt, darunter zahlreiche Migranten, eine Bereicherung darstellen. Er erinnerte daran, dass der am Vortag mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnete Architekt Daniel Libeskind ein gutes Beispiel sei, wie man „mit viel Elan und Kreativität Neues schaffen“ könne. Dr. Henry Brandt unterstrich, dass es zur Gemeinsamkeit keine Alternative gebe.

Der in der Schweiz geborene Kölner Rabbiner Jaron Baruch Engelmayer, erläuterte, dass es zwei dominante Wirtschaftssysteme gebe. Der Kapitalismus ermögliche eine individuelle Entfaltung der Persönlichkeit, die zu oft auf Kosten des Allgemeinwohls ginge, während der (namentlich nicht benannte) Gegenentwurf oft auf die Aufgabe der Persönlichkeit zugunsten eine „großen Ganzen“ hinauslaufe. „Maimonides“ (Rambam) hingegen rate bei Extremen zum „goldenen Mittelweg“ – dieser werde in der Bundesrepublik Deutschland relativ gut eingehalten.  Vorbild für das richtige Verhalten sagte er wären Manna, Maaser scheni, Schmitta und Jowel  aus der Thora. Das Manna als himmlische Speise ließ sich nicht horten, da es über nacht verfaulte, so jemand davon Vorrat für den nächsten anlegen wollte. Es schmeckte jedem auch so, wie man es sich ausmalte, während die Unzufriedenen sozusagen nicht auf den Geschmack kamen. Damit sei dies ein Inbegriff gegen die Gier. Schmitta und Jowel hingegen seien Konzepte, die einen Erlass vorsahen. Letztlich gelte jedoch, was der Talmud (pirke awot) sage, dass der reich sei, der mit seinem Teil zufrieden ist.

Der evangelische Theologe Nikolaus Schneider ist Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und kommissarischer Nachfolger der wegen einer Alkoholfahrt zurückgetretenen Bischöfin Margot Käßmann als Vorsitzender des Rates der EKD. Er verurteilte ebenfalls die „hemmungslose“ Gier, welche vor allem auch in Deutschland dazu führe, dass die „Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehe.“ Wenige Supereiche besäßen einen großen Teil des gesamten Vermögen. Erforderlich sei eine gerechtere Verteilung des Vermögens zugunsten der Armen, da andernfalls der Frieden in der Gesellschaft nicht gewahrt werden könne. … Er erinnerte auch daran, dass augenfällig viele Begriffe aus der Wirtschaft und der Religion übereinstimmten, etwa der Begriff der Schuld, aber auch das Wort Kredit, stamme vom lateinischen Credo – ich glaube. Als gutes Beispiel für den zum Götzen Baal gewordenen Mammon und die Sinnlosigkeit der Gier erwähnte er die Geschichte des antiken König Midas, der sich einst (freilich vom „Gott“ Dionysos) wünschte, dass alles was er berührte, zu Gold werde, bis er schließlich weder essen noch trinken konnte und beinahe verhungerte.

Unter den oft genannten Stichworten der Redner war auch das der “Boni” (auch dies eine lateinische Vokabel: ein Plural von Bonus – das Gute), die sich “maßlose und verantwortungslose Manager” genehmigten.

Die mahnenden Vorträge der Redner wurden von eigentümlich interpretierten instrumentalen Stücken eines Bläserquintetts umrahmt, etwa „Amazing Grace“ oder zuletzt „Hava Nagila“, während zwischendurch vom Elias-Holl-Platz laute Protestrufe einer Demo zu hören waren. Sozusagen mit Pauken und Trompeten waren die Demonstranten unter “Polizeischutz” zuvor durch die Innenstadt gezogen und hatten von einem Mann (!) Slogans skandieren lassen wie „Bei der Rüstung sind sie fix, für die Frauen tun sie nix“… Ob die Festredner dafür die passenden Adressaten waren, ist eher zweifelhaft.

Nun, eineinhalb Jahre nach der „Finanzkrise“ („… die noch lange nicht zu Ende ist…“) sind die Schelten gegen „die Gier der Banker“ schon zu sehr zu Allgemeinplätzen geworden. Der sehr harmonischen Veranstaltung hätte deshalb die Teilnahme eines argumentativen Bankers oder Managers sicher ganz gut getan. So jedoch waren sich scheinbar alle einig, aber wer der ca. 60 Anwesenden sollte sich angesprochen fühlen?

Und was ergibt sich aus all dem Gesagten? Soll „man“ dem Mammon abschwören und auf Manna hoffen als Paradelösung für die oft geforderte “sozial gerechte Umverteilung von Oben nach Unten“?

Eine Frage, die offen blieb, da die Veranstaltung zu Ende ging und die meisten Versammelten der Einladung Dr. Brandts folgten, um in der einsetzenden Abenddämmerung das (koschere ..?) Buffet zu genießen. Dieses wurde – wohl als Lehre aus der Midas-Geschichte nicht im “Goldenen Saal” gereicht, sondern eine Etage tiefer.