קריאה פרשת ויגש

December 30, 2011

http://www.youtube.com/watch?v=Ag99mkhJSXc

 


Augsburg Liberation Movement

December 29, 2011

Wussten Sie, dass es in Augsburg eine Befreiungsbewegung gab und diese Augsburg quasi selbst von der Nazi-Herrschaft befreite und vor weiterer Zerstörung bewahrte. Zugegeben, dass zufällig auch gerade US Soldaten in nicht geringer Zahl Richtung München unterwegs waren, hat sich auf die Aktivitäten der wackeren Befreier der Stadt nicht negativ ausgewirkt.

Ihren Heldentaten wurde vor etwa zwei Jahren eine Gedenktafel bei den “Stadtwerken” nahe beim Dom gewidmet. In deutscher wie englischer Sprache wird dort der “Augsburger Freiheitsbewegung” bzw. der “Augsburg Liberation Movement” gedacht:

Nun, Augsburg war weder “Hauptstadt der Bewegung”, noch Haupstadt des Dritten Reichs, weder die glorifizierte “deutscheste aller deutschen Städte” und auch nicht Aufmarschgelände für Nazi-Parteitage, andererseits aber auch kein “Widerstandsnest” gegen die Nazis, im Sinne des gallischen Dorfes in den Asterix Cartoons. Es gab hier auch kein Attentat auf Hitler und die Allierten gingen in der Normandie an Land, nicht zwischen Lech und Wertach. Zwar meldete “Stars and Stripes” zum 28. April 1945 tatsächlich: “A German underground anti-Nazi organization came into the open this morning and handed the city of Augsburg to the 3rd Division, just as news of the Munich revolt against the Hitler government swept the city,” doch ist es unklar, was und wer damit eigentlich gemeint war. “Anti-Nazi” zu sein, war zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr ganz so schwer und trotzdem noch mal etwas anderes als eine “Augsburg Liberation Movement” (obwohl das natürlich schon gut klingt – ALM …?). Ganz so friedlich war die Einnahme von Augsburg Berichten Einheimischer wie auch teilnehmender US-Soldaten, die uns bekannt sind, dann doch nicht.

According to a German and English memorial plate attached April 28th 2010 at the wall of the municipal utiliy Stadtwerke building close to Augsburg Cathedral Augsburg, on April 28th 1945 was liberated by 3rd US Infantery Division with the help of the “Augsburg Liberation Movement” (or the other way around). Of course nobody ever has heard anything before of the existence of the “Freiheitsbewegung”. No marks for guessing that also in Augsburg were people who understood that – two days before even Hitler allegedly committed suicide in his Berlin bunker – the war was lost. But Augsburg was no pocket of resistance against the Nazi-Regime, which had to face no difficulties in its local rule in the city since 1933. The taking of Augsburg was no handover as suggested and not quite as peaceful as suggested. The motivation for the plate however may derive from the PR image of Augsburg as “City of Peace”. So do not wonder, when in future time it is said that D-Day did not took place in the Normandy but between the shores of Lech and Wertach.

אוגסבורג בסוף אפריל 1945 שוחרר על ידי עזרה של תנועת השחרור אוגסבורג. זה מה הזיכרון אומר גרמנית ואנגלית. אף אחד לא יודע שום דבר על תנועת השחרור הזאת, אבל כמו אוגסבורג הכריז העצמי העיר של שלום זה כמובן נשמע טוב לומר זאת


דער אָרט איז קאַרג

December 27, 2011


בייַ דער ייִדיש בייס – וילעם פון אַוגסבורג הויכפעלד עס זענען בלויז עטלעכע זעכציק שטעלן פֿאַר קברים. אין די לעצטע שנתיים, פילע עלטער אידן זענען געשטארבן, ווער זענען געווען 80 יארן אָדער עלטער. מער ווי 150 מענטשן, אָדער יעדער צענט חבר בקהילה אין אַוגסבורג איז עלטער ווי אַכציק יאר און נאָך פערציק אחוז זענען צווישן זעכציק און אַכציק יאר


Damals war es anders

December 24, 2011

In den Tagen von Theo Wachtel

Steckten Töne noch in der Schachtel

Nur einige wenige Spitzen

Drangen dann und wann aus Ritzen

Doch dafür hatte man Spachtel



Die “Tauche” von Kriegshaber

December 21, 2011

Gegenwärtig wird die ehemalige Synagoge von Kriegshaber nach jahrzehntelanger Vernachlässigung saniert, um künftig (2013?) einer Filiale des „Jüdischen Kultusmuseums“ in Augsburg Platz zu bieten.

Um 1570 wird erstmals eine Synagoge in Kriegshaber erwähnt. Die heutige, wohl an selber Stelle gebaute, Synagoge wird auf die Zeit um 1680 datiert und wurde in den 1840er Jahren anstelle eines nicht zustande gekommenen Neubaus, der mit orientalisierenden Fassaden geplant war, dann 1862 und zuletzt um 1910 renoviert. Bis 1940 wurde sie von der (sog. „orthodoxen“) jüdischen Gemeinde genutzt.

Weniger bekannt ist offenbar der Umstand, dass sich auf der Rückseite des Gebäudes die nicht minder alte Mikwe von Kriegshaber befand, die bereits für das Jahr 1700 urkundlich belegt ist, da der damalige Besitzer des Baus dafür einen Gulden jährlich an Bodenzins für den Vogt entrichten sollte (siehe: Sabine Ullmann – Nachbarschaft und Konkurrenz, 1999, S. 160, u.a.).

Im Katasterregister von Kriegshaber des Jahres 1840 beginnt die einstige Kriegshaber Hauptstraße im Westen und ist in Richtung Augsburg durchgehend nummeriert. Die Synagoge hatte deshalb die Hausnummer 3, die Häuser daneben die Nummer 2, und 4. Heute heißt die Hauptstraße längst Ulmer Straße und die Synagoge hat, von Augsburg aus gezählt die Nummer 228. Das frühere Haus 4 der Hauptstraße ist zum heutigen Haus 226 der Ulmer Straße geworden, welches damals im Besitz des Pferdehändlers Emanuel Dick dem Sohn des Josef Dick war. Im Kataster (StAA RA Augsburg-Stadt, Nr. 48) nun ist sozusagen dazwischen als Hausnummer 3 ½  ein weiteres Gebäude angegeben, welches als „Tauche“ der Judengemeinde genannt wird.

Der Begriff „Tauche“ oder „Dauche“ ist nun selbstredend und mit dem überlieferten Zusatz als „Judentauche“ oder „Judendauche“ überall geläufig zur Bezeichnung eines Tauchbades. In den letzten Jahren ist die hebräische Bezeichnung „Mikwe“ vertraut geworden und rivalisiert nur noch gelegentlich mit dem vorher benutzten, jedoch recht eigenartigen, befremdlichen Begriff (jüdisches) „Ritualbad“. In früheren Zeiten jedoch war die geläufige Bezeichnung des halachisch vorgeschriebenen Tauchbades, dass zur Grundausstattung einer jeden intakten jüdischen Gemeinschaft zählt, meist schlicht Dauche oder Tauche genannt. An vielen Orten hat sich im Volksmund die Bezeichnung Judendauche oder Judentauche auch noch gehalten.

Dass es sich nun bei der im Kataster genannten Tauche um die Mikwe der jüdischen Gemeinde von Kriegshaber gehandelt hat, dürfte gänzlich unstrittig sein. Umso verwunderlicher ist es, dass sie ganz offensichtlich nicht Bestandteil der mit Mitteln der Städtebauförderung des Bundes und der Länder, des Bayerisches Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, des Bezirks Schwaben, und der Bayerischen Landesstiftung von der Stadt Augsburg und dem Hochbauamt Augsburg gegenwärtig ausgeführten, zuvor jahre- wenn nicht jahrzehntelang geplanten und von den zuständigen Denkmalschutzbehörden aus Augsburg und München beratenen Sanierung der Synagoge ist. Dabei müsste man vermuten, dass bei historischen Sanierungen zumindest auch ein Blick in alte, frei zugängliche Unterlagen, wie eben in einen Katasterplan eine Grundlage sein sollte.

Zur Tauche gelangte man früher über den Treppenaufgang, der sowohl zum Eingang der Synagoge als auch zur darunter befindlichen Wohnung führte. Ging man von dort aus ein paar Schritte weiter östlich gelangte man zu einem engen Durchgang, der von einem Gitter verschlossen war, vorbei am außen hängenden Erker des Tora-Schreins. Es ist klar, dass dieser Durchgang keinen anderen praktischen Zweck hatte, als auf diese Weise, ohne die Synagoge betreten zu müssen, zunächst zur Tauche zu gelangen.

Dies war offenbar übersehen worden, und so wurden die zuvor noch vorhandenen Reste der früheren Baustruktur achtlos beseitigt. Da wir uns nun aber bereits seit vielen Jahren auch mit der Hausgeschichte der früheren Judengemeinde in Kriegshaber intensiv beschäftigt hatten, sind glücklicherweise noch Photographien der nun abgerissenen Gebäudeteile erhalten.

 

Die darauf angesprochenen Bauarbeiter wussten von nichts und hielten die beseitigten Reste für einen alten Abstellraum, an dessen Platz sich nun freilich Schutt und Geröll der umfangreichen Bauarbeiten auftürmt. Da eine etablierte, wohl schon vor mehr als dreihundert Jahren bis ca. 1940 gebrauchte Tauche an dieser Stelle, auf der Rückseite der Synagoge, unweit vom christlichen Friedhof Kriegshaber, zumindest auch wegen der dafür erforderlichen Wasserversorgung, ortsgeschichtlich auch allgemein von Interesse sein dürfte, bleibt nur die vielleicht vage Hoffnung, dass es irgendwann mal auch Grabungen nach den vermutlich kellertiefen Überresten der Mikwe geben kann und wird.

For some time the restoration and conversion of the former synagogue of the Jewish community of Kriegshaber, which used the building until 1940 is underway. About 2013 there will be a branch of the “Jews Museum” in Augsburg. Unfortunately the activity in the backyard of the synagogue led to the destruction of the last visible remnants of the former Mikveh of the Jewish community, which is first reported in 1700 when a Jew named Victor  had to pay an annual tax of 1 guilder for it. It also is mentioned in early 19th century land register maps. Since Kriegshaber was incorporated to Augsburg only in 1916, back then the village was independent. Today’s Ulmer Str. then was the Hauptstr. (main street) – also the house numbers were different from today. The synagogue for instance then was Hauptstr. 3, today the building is Ulmer Str. 228. However the mikveh now in the official register maps is noted as Hauptstr. 3 ½ and is called “Tauche”, what lit. means to dive or to immerse and in South Germany and Austria was the common name for a mikveh. The existence of the mikveh obviously was unknown to the “experts”, monument consovatoers, local historians as well as to the municipal building owners and apparently was no part of the remedial design – what is the only somewhat rational explanation for this kind of “unnecessary roughness”. On the other hand one would assume that planning of government-funded restoration works at sites of historical value, involve also a detailed previous study of historical records and documents, which are freely accessible. However, since now there is no chance to dip, there will will be a time to dig, some day.

Former Jewish houses in Hauptstr. (now Ulmer Str.) in Krieshaber


chag Chanucka sameach

December 20, 2011

To all our friends and members greetings from Augsburg

May the warmth and glow of each candle you light 
make your heart happy and Chanucka bright!

Wishing you every happiness at Chag Chanucka 5772 filled with many blessings

shalom ve bracha, Glueck & Segen


Der falsche Prophet von Günzburg

December 19, 2011

In seinem 1713 bei Lublin gedruckten Fragen-und-Antworten – Buch אור של תקווה zitiert R. Menachem ben Naftali Hirsch eine lange zurückreichende Anekdote aus der Zeit um Jahr 5290 (= ca. 1530), als in Günzburg ein wahrscheinlich protestantischer Prediger auftauchte und die Juden davon überzeugen wollte, dass die „neuen Christen“ sich mit den Juden versöhnen wollten, sobald die Muslime die falschen (oder: leeren) Christen und den Papst beseitigen würden. Zitiert ist die Antwort von Jona bar Jakow Weil, dem Nachkommen des letzten mittelalterlichen Rabbiners in Augsburg und damaligen Rabbiners von Günzburg, Er antwortet etwas ironisch, dass man doch erst einmal die nächsten dreißig Jahre abwarten soll, um zu sehen, ob davon auch wirklich etwas eintreffen werde. Tatsächlich wurde der Künder seitens der Regierung aber bereits schon nach nicht mal dreißig Tagen gehängt.

Die grundlegende Frage, die der Verfasser, mit diesem und einer Zahl weiterer zitierter Geschichten beantwortete war jene, ob den Versprechungen Fremder zu trauen ist, Juden zu retten. Das Fazit lautet, dass nur das Vertrauen auf den Einen Gott verlässlich ist, falsche Propheten jedoch ganz wie Rambam es sagt, nicht zur Tora hin, sondern immer von ihr wegführen wollten.

Um das Jahr 5290 (על שנת רצ) kam ein neuer christlicher Botschafter (שליח נוצרי חדשה) nach Ginzburg und Leipheim. Er besuchte die Synagoge und sagte uns, dass die Muslimim (שהמוסלמים) bald kommen, um die Juden zu retten aus der Unterdrückung der falschen Christen (נוצרים שווא). Die Leute Mohameds kämen nach Rom um den Papst zu töten und gleich danach blieben nur noch wahre Christen und die Juden übrig. Nun kommt Jesus der Messias um alle als seine Leute zu versammeln und alle werden Brüder sein.

Morenu Jona bar Jaakow Weil sagte ihm, es wäre gut, erst mal die kommenden dreißig Jahre abzuwarten, ob etwas wie dieses geschehe. Er sagte ihm auch, dass er davon hörte, dass die Muslimim auch viele Juden getötet haben. Noch nicht mal dreißig Tage nach diesem wurde der Botschafter seitens der Regierung gehängt. So ist die Erkenntnis daraus, dass man sich nicht stützen soll auf einen falschen Propheten, sondern nur auf den einen Gott.

Die Hoffnung, dass die Muslime Rom erobern, den Papst töten und das “falsche Christentum” abschafften, ist etwas eigenartig, aber wohl nur im zeitlichen Kontext zu verstehen. Interessant ist der Hinweis auf Juden in Leipheim, die der allgemeinen Ansicht nach aber bereits im Jahr 1503 von dort ausgewiesen worden sein sollen.

According to an anecdote by Rabbi Menachem Hirsch, about the year 1530 a “new Christian messenger”  had come to Guenzburg and Leipheim in order to persuade the local Jews of the arrival of the Muslims in Rome who would kill the pope there and extinguish the fallacious Christianity which suppresses the Jews. Only true Christians and the Jews would survive and when Jesus arrived they would live in harmony as brothers.

The Guenzburg Rabbi Yona Weil, himself an offspring of Yakob Weil, last rabbi of medieval Augsburg, replied that one at first should wait some thirty years and see if something of the prophecy will take place. But he also pointed out that he heard that the Muslim also had killed a number of Jews. However not even thirty days later, the new (likely Protestant) preacher was hung by the government.

The anecdote among others was told in order to give an answer to the raised question whether promises of gentiles to save or to rescue Jews are trustworthy. The conclusion of the author of course is no other that only the One God is trustworthy and that all false prophets or preachers and reformers just lead astray from the Tora.

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