Apropos “Amoklauf“

July 26, 2016

Amok, Amoklauf. Die Vokabel ist gerade mal wieder in den “Schlagzeilen”:

Amok – Der Begriff soll aus der malaysischen Sprachen stammen und „rasen“ bedeuten. Trotzdem aber ist ein Amoklauf nicht die bejubelte Spitzenleistung eines mutmaßlich nicht gedopten (->) Sprinters in neuer Weltrekordzeit. Stattdessen ist es ein Pseudobegriff für eine extreme Gewalttat mit meist zufälligen Opfern (->). In der Regel lenkt der Begriff vom eigentlichen Hintergrund der Tat ab, der meistens wohl vom Hass oder von der Verzweiflung des Täters herrührt. Mit dem Begriff Amok etikettiert wirkt die Tat aber als eine Art mystischer Besessenheit, so als ob ein böser Dämon (->) in den Bus einsteigt und einen Unfall verursacht. Dagegen kann man nichts machen, passiert eben mal.

 

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Augsburg Perlachturm 1915 – 2015

May 6, 2015

The postcard at the back is stamped “May 1915”, now it is “May 2015”, 100 years later, best opportunity to do sort of  comparison exposure, although confronted with the far larger quantity of traffic on the road it is not quite possible to stand in the middle of it and to have time to photograph. The snapshot however comes somewhat close and allows to compare what has changed and what has not.

Augsburg Perlachturm Rathaus 1915 - 2015Augsburg, Karolinenstr. mit Perlachturm und Rathaus, 1915 und 2015

מגדל פערלח באוגסבורג אז ועכשיו

Was der Name “Perlach” eigentlich bedeutet, ist wie so oft eigentlich eher unklar. Bekanntlich gibt es einen kleinen Ort dieses Namens (Ramersdorf beim Neuen Südfriedhof) der 1930 nach München eingemeindet wurde. Dort wird der Name wenig plausibel erklärt als “pera = Eber, Schwein” und “loh = Wald”, also “Schweinewald”. Zum einem spricht wenig dafür, warum gerade dort ein Wald ein Schweinewald gewesen sein soll, wo es heute den Fasanengarten gibt … und warum man dann sein Dorf “Schweinewald” nennen sollte … und in Augsburg den Stadtturm”Schweinewald-Turm”.

In Augsburg bindet man sich den “per” als Bären auf und “lach” soll demnach ein “öffentliche Vorführung” geheißen haben, per-lach also eine Art “Bärenschau”. Das ergibt zwar angesichts eines 70 m hohen Turms keinen großen Sinn, aber im Turm selbst hat man auf die lateinische Vokabel “perlego” verwiesen, was keine Referenz auf dänisches Spielzeug sein soll, sondern “vorlesen” heißt, weil man am Turm (nicht vom Turm) Bekanntmachungen verlautbart hätte, wofür es freilich auch keinen Beleg gibt.

Dabei müsste man eigentlich gerade in Augsburg doch wissen, dass das alte Wort “lach” auch in “Lech” erhalten oder im englischen “Lake”, italienisch “Lago”,gällisch “Loch” grob gesagt “Gewässer” heißt: See, Fluss … und man den Lech vom Turm aus sehen kann (konnte), wie auch die “Wer(tach)” (= grüner Fluss). Wäre zumindest auch ein Motiv für den Turmbau und sozusagen mal eine vegane Erklärung

Jiddisch gelesen hieße פערלח übrigens ferlach – also verlachen, auslachen, der Perlachturm als “Verlach-Turm”(wie beim “Turamichele”), jedenfalls also für alle geeignet, die ihren Humor auf die Spitze treiben , oder die Pointe oben suchen …


Baulöwen

May 23, 2014

Neulich sagte jemand, xy habe sich in den 1990er Jahren als Baulöwe einen Namen gemacht. Aus der Nachfrage ergab sich, dass dies nun nicht der Familienname war, da xy ja wie gesagt xy hieß. Unter einem Baulöwen versteht man sinnbildlich einen Bauunternhmen im größeren Stil. Da mir selbst auf “Animal Planet” noch nie Gebäude von Löwen aufgefallen sind, liegt der Gedanke nahe, dass Baulöwen nur Arbeiter sind. Das einzige, was halbwegs in die Richtung Arbeit geht, ist gerade auch im Judentum bekannt genug, Löwen als Schildträger, was in der Regel zwei Tiere erfordert. Da lag der Gedanke nahe, sie Baustellen- und sonstige Verkehrschilder halten zu lassen.

Baulöwe Heraldik

Baulöwen Sackgasse

Baulöwe Blitz

Baulöwe HalteverbotHalteverbot für Löwen?

 

The German term “Bauloewe” (lit. building lion) which means a “building tycoon/magent” suggest s constructions made by wildcats. Unknown even to NatGEO or animal Planet. The only worklike behaviour of lions I have noted so far were lions who were holding shield in coat of arms and the like, quite popular also in Judaism for instance embrodery, Torah shields טס

not to far away from road or traffic signs


Ururur… was? Wie nennen wir unsere Vorfahren?

June 26, 2013

Jeder hatte Vater und Mutter und Großeltern und weiß womöglich auch von deren Eltern, unseren Urgroßeltern. Will man aber die Generationen davor begrifflich fassen, kommt der Hobby-Genealoge oder -Historiker bald wenigstens an sprachliche Grenzen, da man schnell eine Serie von „Ur-ur-ur-„ von sich gibt und sich etwas affig anhört. Im Englischen handhabt man das auch nur ein klein wenig eleganter und spricht dann vom 5-G-greatgrandfather, beispielsweise. 

Seit etwa einem Jahrzehnt findet man in deutschen Büchern zur Ahnenforschung aber auch wieder Begrifflichkeiten, die auf das „Ur-ur-ur“- verzichten. Die sich weiterhin wiederholende Abfolge von Eltern – Großeltern – Urgroßeltern wird stattdessen mit Voranstellungen wie Alt-, Ober-, Stamm-, Ahnen- oder Erz- … ergänzt.

Mit einem selbst als „Probant“ oder „Ego“ ergibt sich folgende Liste (zitiert nach diversen Treffern bei Google Books ab 2003):  

Generation

Bezeichnung

 

 

x

„Probant“

 

 

1

Eltern

2

Großeltern

3

Urgroßeltern

4

Alt-Eltern

5

Alt-Großeltern

6

Alt-Urgroßeltern

7

Ober-Eltern

8

Ober-Großeltern

9

Ober-Urgroßeltern

10

Stamm-Eltern

11

Stamm-Großeltern

12

Stamm-Urgroßeltern

13

Ahn-Eltern

14

Ahn-Großeltern

15

Ahn-Urgroßeltern

16

Urahn-Eltern

17

Urahn-Großeltern

18

Urahn-Urgroßeltern

19

Erz-Eltern

20

Erz-Großeltern

21

Erz-Urgroßeltern

22

Erzahnen-Eltern

23

Erzahnen-Großeltern

24

Erzahnen-Urgroßeltern

Da vom biologischen Standpunkt jeder zwei Eltern hat und sich das über die Generationen erhöht (Inzest exklusive) hat man entsprechend vier Großeltern, acht Urgroßeltern und eben 16 „Alteltern“. In der fünften Generation hat man schon direkte leibliche 32 Vorfahren, dann 64, 128, 256, 512, etc. Nach 24 Generationen wäre man schließlich bei 33.554.431 sog. „Erzahnen-Urgroßeltern“ angelangt (und der Einfachkeit halber mit je 25 Jahren Abstand durchdacht) im Jahr 1375 angekommen. Natürlich macht es für Genealogen wohl schon etwas her, wenn man vielleicht einen dieser Erzahnen-Urgroßeltern ausfindig machen kann, aber auch von den anderen 33 Millionen Unbekannten stammt man weiterhin genauso ab.   

Die Begriffe in der Tabelle stehen im Verdacht, von nationalsozialistischen Ahnenforschern zumindest missbraucht worden zu sein, was sich nicht bestreiten lässt, aber nicht weiter relevant ist, da sich kaum was finden lässt, was Nazis nicht zumindest versucht hatten zu missbrauchen. Erfunden haben sie jedenfalls keinen der Begriffe, die sich sämtlich teilweise bereits mittelhochdeutsch (z.B. overelteren = Obereltern) im 13. oder 14. Jahrhundert nachweisen lassen. Auch die inzwischen allseits zitierte Abfolge der Begriffe stammt nicht von den Sippenforschern der Nazi-Ära, sondern basiert auf den Festlegungen des Anthropologen und Schädelforschers Johannes Ranke (1836-1916) und seiner Kollegen Johannes Ecker (gest. 1887) und Ludwig Lindenschmitt (gest. 1893), mit denen er auch entsprechende Publikationen zur Anthropologie und Ahnenforschung herausgab. Ihre Anordnung ist willkürlich und keineswegs die einzige die sich finden lässt. Ihr wissenschaftlicher Anspruch basiert  auf dem eher verzweifelten Versuch, sich als Genealoge bei Fachtagungen nicht wie ein affischer Urahn anhören zu müssen, denn so genau will man es mit der angeblichen Abkunft ja auch nicht wieder wissen …

 

UhraffeAbbildung: www.wanduhr.de

In der Liste findet sich als Bezeichnung der 7. Generation von Vorfahren der Begriff „Obereltern“, mit dem im Deutschen Wörterbuch (DWB) noch die Urgroßeltern, gelegentlich auch die Großeltern bezeichnet wurden, also die 2. oder 3. Generation, allenfalls (siehe Stichwort „Obereltern“ im DWB). Aber auch andere Begriffe wie Stamm- oder Alteltern exisiterten schon Jahrhunderte vor den Nationalsozialisten, wurden aber mehr oder minder synonym für „Vorfahren“ im weiteren Sinn benutzt. Noch in den zwischen 1927 und 1937 erschienenen „Blättern zur österreichischen Familienkunde benutzten Genealogen ein anderes, abweichendes System, das den großdeutschen Sippenforschern nach dem „Anschluss“ gewiss einiges Kopfzerbrechen, wenigstens wohl aber einige Schreibarbeit bereitet haben dürfte:  Wir haben 8 Urgroßeltern, daher 64 Alturgroßeltern, 512 Vorurgroßeltern 4096 Stammurgroßeltern

Wenn man bei der willkürlichen Kombination und Abfolge feststellen will, ob sich ausgerechnet bei diesem Thema jemand noch wagt dem Reagan’schen Häufigkeits-Theorem „Nicht das beste, das häufigste Argument setzt sich durch“ zu wiedersetzen, wird natürlich fündig und stößt weiterhin auf Abweichler, freilich älteren Datums und auf Begriffe wie „Oberahneltern“ und andere Bezeichnungen, die sich frei kombinieren lassen. Man könnte nun natürlich argumentieren, dass es doch besser wäre, sich auf ein verbindliches Vokabular festzulegen, damit man nicht aneinander vorbeiredet. Doch das setzt voraus, dass es überhaupt Sachverhalte gibt, die eine Abstammung von 33, 67 oder 536 Millionen gemeinsamen Vorfahren plausibel erklären könnte. Militär muss man für die sich ohnehin abzeichnende Standardisierung ohnehin wahrscheinlich nicht mehr einsetzen. Das besorgen heute wikipedia und Co., nicht immer auf höchsten Niveau.  


אויפן פריפעטשיק אין קזבלנקה

December 3, 2012

תודה חנן רפפורט

39.757

דאָס איז ניט דערמאָנען צו די ווייַס הויז

 

 



Nun Eden darum: Im Garten der Worte

October 17, 2012

 

Zu den bekanntesten Geschichten der hebräischen Bibel gehört jene um das erste Menschenpaar, die Schlange und die Frucht des Baumes im Garten Eden und entsprechend dürfte es kaum Geschichten geben, die öfter kommentiert wurden, als diese. Die als erzählerisches Bindeglied zwischen der Erschaffung der Welt und der Entstehung der menschlichen Geschichte angesiedelte Episode wird dabei in mehr oder minder belehrender Weise „sexuell“ gedeutet und je nach Belieben im Sinne des herrschenden Zeitgeist ausgelegt. Die kürzeste Deutung der Geschichte besteht wohl in der Vermutung, dass die Menschheit noch heute im Paradies leben würden, wenn Adam und sein Weib als Chinesen erschaffen worden wären. Dann nämlich hätte sie die Frucht ignoriert und stattdessen die Schlange gegessen.

Nun liegt es aber auf der Hand, dass der Autor der Erzählung wohl weder den Erkenntnissen der modernen Psychoanalyse, noch dem Feminismus vorweggreifen wollte oder an die katholischen Lehre von der „Erbsünde“ denken konnte. Vielmehr ist an den hebräischen und aramäischen Texten wie an der ägyptischen Prägung erkennbar, dass die Erzählstränge sich nicht zuletzt auch aus einer Verflechtung zahlreicher Wortspiele ergeben. Diese bilden offenbar Motive heraus und verflechten sich im Erzählstrang immer wieder neu und prägen so sowohl den Verlauf wie vermutlich auch die Erzählabsicht.

 

 

1. Die Schlange

Das für die Schlange im hebräischen Text verwendete Wort נחש (na‘chasch) leitet sich ab vom gleichlautenden Verb für „flüstern“, „murmeln“ oder „zischeln“. Dieses Murmeln wandte man auch auf das heimliche Sprechen von Zauberformeln oder sonstigen Geheimnissen an, wodurch der Begriff נחש sich auch erweiterte und zum Synonym für „Zauberei“ (im Sinne von Sprechzauber) stand. Andererseits stand der Begriff auch für das gelbliche bis rotbraune Kupfer, bzw. in manchen Kontexten auch für Messing „(„glänzend wie Gold“). Auch eine Augenkrankheit wird als נחש bezeichnet, bei der eine trübe, traubenhautartige Hülle den Augapfel überzieht und deshalb wohl entsprechende Assoziationen zur Schlangenhaut weckte. Das Sprechen der Schlange ist demnach wohl eher ein Zischeln. Die Schlange befolgte das zuvor erlassene Verbot nicht, berührte den „Baum der Beurteilung“ עץ הדעת (etz ha’da‘at) und bewies auf diese Weise, dass die Berührung des Baumes offenbar nicht tödlich enden musste. In ähnlicher Weise können wir etwa im Louvre davon ausgehen, dass wir Ärger bekommen, wenn wir die Absperrung überwinden und das Portrait der Mona Lisa berühren wollen. Eine Fliege dabei zu beobachten, dass sie sich sogar auf das Bild setzen kann, ohne einen Alarm auszulösen oder verhaftet zu werden,  sollte uns nicht ermutigen es ihr gleichzutun, zumal uns die Wärter nicht glauben werden, wenn wir die Verantwortung auf die Fliege abladen wollten.

Analog zum Zischeln (נחש) der Schlange (נחש) ist auch נחר (na‘char), welches Zischen, aber auch Schnauben bedeutet, Geräusche die durch den Ausstoß aus den Nasenlöchern erklärt werden. Entsprechend bedeutet נחר zunächst eigentlich auch „durchlöchern“, „durchbohren“ oder das „aufgespießte Tier“ und ist damit ein Synonym zu נקב (nakaw) „durchbohren“, „löchern“ aus welchem auch der Begriff  נקבה (nekewa) „weiblich“ abgeleitet ist. Die Basis für das Zischeln oder Schnauben der Schlange ist demnach begrifflich verwandt mit der Bezeichnung für Weiber und Weibchen bei Tieren. Im aramäischen Wortlaut heißt die Schlange חויא (chavja), was der Text so erklärt: „…וחויא היה חכים מכל חות …“ (Breschit 3.1) „Chavja“ freilich ist fast identisch mit dem Namen den Adam der Frau nach der Baum-Affäre gibt: „ויקרא האדם שם אשתו חוה כי היא היתה אם כל חי“ (und Adam nannte den Namen seiner Frau Chava, denn sie war die Mutter von allem Leben (kol-chai)“ (Breschit 3.20).

2. Im Schatten

Das vorher freilich noch namenlose Weibchen entsteht aus einer Rippe, die dem Adam im Schlaf entnommen wurde. Adam selbst dagegen soll nach dem Abbild Gottes geschaffen worden sein. Der verwendete Begriff  (tselem) bedeutet nun aber nicht Bild im Sinne eines Ölgemäldes, polizeilichen Phantombilds oder gar Photographie , sondern eher „Kontur“ oder „Umriss“ und leitet sich ab von צל  (tsell) ab, was „Schatten“ bedeutet. Im späteren Kontext wird צלם jedoch auch Götzenbilder bezeichnen. Rambam hingegen führt im ‘מורה נב`(1.1) aus, dass Tselem nicht die äußere Gestalt sei – das wäre תואר (to‘ar), sondern (ohne näherer Erläuterung) das Wesen, die Seele. Aber hier irrt sich Rambam offenbar, da ein Schatten nur ein Umriss ist, eine Reaktion eines ausreichend starken Lichts auf einen Körper und seine Umgebung, abhängig von bestimmten räumlichen Anordnungen. Der Schatten ist aber wie auch immer etwas Äußeres und kein Bestandteil des Körpers, auch wenn er (bei entsprechender Beleichung) scheinbar untrennbar mit ihm  „verbunden“ ist. Er ist keine innere Qualität des Wesen, nicht seine Seele, sondern nur ein optisches Phänomen. Der Mensch als Kreation „im Schatten“ bedarf des Lichts, so wie die Geschichte es auch in „Licht und Dunkelheit“ generell und zusätzlich in Sonne und Mond voraussetzt.

Die Substanz Adams ist textgemäß עפר מן-האדמה  (a‘far mi-ha‘adama), also „Sand“ oder „Staub aus der Erde“. Damit war sicher anderes gemeint als im Versprechen an Abraham, seine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub oder Sand der Erde כי עפר הארץ (ki a’far ha‘aretz). צל und  צלם findet seine Entsprechung in der Substanz, aus der nun Adams Weib geschaffen wurde, nämlich aus Adams Rippe צלע (tsela). Eine weitere findet sich in dem „Fell“ oder der „Tierhaut“, mit welchen Adam und sein Weib sodann bekleidet werden: צלא (tsela). Im hebräischen entspricht letzteres auch עור (or), zugleich eine Anspielung auf אור (or), das „Licht“. Das Verb צלה (tsela) hingegen bedeutet „braten“ und צלי (tsali) ist demgemäß „der Braten“, insbesondere der Spießbraten, was wiederum anspielt auf das „aufgespießte Tier“  (נחר). Die Verdoppelung von צל (tsell) ergibt hingegen צלצל (tsil‘tsell) „klirren“, „schwingen“, „rauschen“, usw. und steht zugleich auch für ein Schlaginstrument, das aus Metall der Zymbel und aus Holz einer Kastagnette entspricht. Im Jerusalemer Talmud (J. Suck. 55) wird eine Zymbel noch aus der Zeit Moses überliefert, die aus Kupfer (נחש) gefertigt war.

Der Name Chava (חוה) findet eine lautliche Entsprechung in חובה (chowa) und bedeutet „Schuld“, „Sünde“ oder „Verpflichtung“. Der Begriff stammt von חוב (chow) „schuldig sein“ erinnert aber auch an חוב (chow), „Versteck“, „verborgene Stelle“, so etwa an den Schoß eines Baumes, in welchem Vögel, von Ästen umgeben ihren Nistplatz einrichten. Synonym dazu wäre das verwandte חפה (chafa). Schließlich bedeutet חוב (chow) auch die Nähnaht, die durch die Nadel ausgehöhlt wird, was abermals auf den Vorgang des Durchlöcherns und Durchstechen anspielt, insbesondere auch weil חובה (chowa) als „Sünde“ auch חט (chet) „Sünde“ entspricht und חוט (chut) dem „Faden“ entspricht, den die Nähnaht חוב (chow) benötigt.

3. Die Erde

אדמה (a‘dama) und ארץ (aretz) werden beide als „Erde“ übersetzt, was nicht falsch ist. Jedoch handelt es sich nicht um Synonyme. Wie wir gesehen haben, wird עפר (eher: Sand als Staub) mit beiden in Verbindung gebracht, sozusagen als Einzelbestandteil der Erde. Da sowohl Ziegelsteine als auch Glas Produkte des Erdbodens sind, ist es nicht weiter überraschend, dass der selbe Ursprung nicht dasselbe Ergebnis haben muss.  Im Midrasch zum Buch „Genesis“ (breschit raba 14) heißt es, dass Adam als ausgewachsener Jüngling erschaffen wurde: „עופר עולם מלאתו נברא“. Der dafür benutzt Begriff lautet עופר (o’fer) der auf die Wurzel עפר (a‘far) „Sand“ zurückgeht. Die selbe Quelle definiert kurz darauf (breschit raba 15): „עפר זכר אדמה נקבה“, also den Sand als männlich, die Erde als weiblich.

אדמה (a‘dama) Erde und אדם (a’dam) Mensch gemeinsam ist die Verbindung zur roten, rötlichgelben Farbe אדום (a’dom). Bereits das pharaonische Ägypten – beide Begriffe sind griechisch – kennt die maßgebliche Unterscheidung eines roten und eines schwarzen Bodens: die fruchtbare Schwarzerde und die trockene Roterde. Das schwarze Schwemmland entlang des Nils und im Nildelta hieß *kmt* (kamat), namensgebend für das ganze bewohnte, bewohnbare Land, das wir – griechisch – als Ägypten bezeichnen (die Thora nennt es מצרים – mits’ra‘jim), wörtlich heißt dies „Schwarz“, wie die Farbe. Ebenso nannten die alten Ägypter auch ein spezielles Menstruationsleiden, das mit dickflüssigen, gelleeartigen dunkelbraunen bis schwarzen Blut einhergeht, vermutlich die sog. Schmierblutung, die je nach Ursache (Ovulation bis Endometritis) harmlos bis bedrohlich sein kann.

Als Gegensatz zum namensgebenden und identitätsstiftenden schwarzen Schwemmland kannten die Ägypter das trockene, karge, gelbrötliche Rotland *d^sr* (descher): die Wüste, das Nil-ferne Aus- oder Fremdland, dessen Entsprechung in der Thora die rote אדמה (a‘dama) ist. Ihr entstammt der Mensch als Sandkorn, nicht etwa dem satten fruchtbaren, schwarzen Boden, der für das eingetrocknete schwarze Blut der Menstruierenden steht.  In der ägyptischen Sprache ist dieses Rotland *d^sr* (descher) zugleich auch Glyphe für „heilig“ und „geweiht“ und bezeichnet einen roten Baum.

Pictures: Mosaics an Hausfassade am Ernst Reuter Platz, Augsburg

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Über das Schicksal jüdischer Bergarbeiter in Deutschland

July 2, 2012

Unter deutschen Bergarbeitern war der Begriff der „Maloche“ für „schwere Arbeit“, das entsprechende Verb „malochen“ oder die Bezeichnung des „Malochers“ als jemanden der schwer schuften muss, so geläufig, dass er  es zu landesweiter Bekanntheit geschafft hat. Inzwischen wissen viele, dass der Begriff sich von hebräischen מלאכה (malacha) ableitet, das jüdisch-deutsch als „maloche“ ausgesprochen wurde.

Im heutigen Hebräisch ist es jedoch nicht ganz so einfach, den Unterschied der „malacha“ zum inzwischen eher synonym aufgefassten Begriff עבודה (awuda) zu verstehen. Während im religiösen Kontext „awuda“ eher Dienstbarkeit, im Sinne von Gottesdienst oder aber Götzendienst (עבודה זרה, wörtlich Fremddienst), nennt sich die sozialdemokratische Arbeiterpartei Israels עבודה (awuda). „Malocher“ sind hingegen bereits in der Bibel zahlreich erwähnt als „mal’ach“ (מאלך), wörtlich „Arbeiter“. Im deutschen werden sie aber nicht als solche, sondern als „Engel“ übersetzt, was sich vom griechischen ἄγγελος angelos = Bote, Gesandter ableitet. Schließlich verwendete die frühe zionistische Bewegung noch den Ausdruck des פועל (po’el) für den Arbeiter, heute durch zahlreiche Sportvereine wie  ‏הפועל תל-אביב‎ (Hapoel Tel Aviv) geläufig.

Wie dem auch sei, ist wenig hinterfragt worden, warum deutsche Bergarbeiter ihre Schufterei denn nun ausgerechnet mit einem hebräischen (bzw. jiddischen) Begriff bezeichneten, wo das Klischee „den“ Juden fast durchweg Geldgeschäfte ohne körperlicher Anstrengung unterstellte. Die Antwort darauf ist, dass es zahlreiche jüdische Bergarbeiter in Ostpreußen und im Ruhgebiet gab. Über ihre sehr schlechten Arbeitsbedingungen schrieb vor hundert Jahren der Münchner, jedoch in Bamberg geborene  Sexualforscher und Dermatologe Felix Aaron Theilhaber (1884-1956), der auch als politischer, zionistischer Journalist und Schriftsteller arbeitete, in der „Welt am Montag“. Sein Artikel „Jüdische Arbeiter in preußischen Bergwerken“ wurde am 5. Juli 1912 von der in Berlin erschienenen „Allgemeine Zeitung des Judentums“ (76. Jahrgang, Nummer 27) zitiert, als Anklage gegen den recht- und schutzlosen Status „armer russischer Einwanderer jüdischen Glaubens“, die von ihren nur nach Profit strebenden deutschen Arbeitgebern ausgebeutet werden konnten:

Dieses Arbeitsherr von Ausländern ist natürlich völlig recht- und schutzlos und muss es immer bleiben. Als Ausländer ist jeder der Gefahr ausgesetzt, bei der geringsten Veranlassung ausgewiesen zu werden. Wehe dem, der als „rot“ nur verschrien ist. Man kennt eine Menge von Fällen, wo Fremde trotz jahrzehntelanger unbescholtener Führung und Arbeit in Deutschland bei der geringsten Regung für das Koalitionsrecht sofort in die ihnen inzwischen fremdgewordene „Heimat“ gehetzt wurden. Bei Streiks ist der Ausländer der geborene Streikbrecher. Er kann nicht feiern und Streikunterstützung annehmen, da er sonst sofort zurücktransportiert wird, was der unglückliche Jude, der einmal Russland verlassen hat, unter allen Umständen zu vermeiden sucht.

Der russische Jude ist aber auch, wenn er krank oder altersschwach ist, keine Belastung für die Krankenkasse der Bergwerke. Wir wissen, dass die größte Krankheits- und Sterblichkeitszahl bei den Bergleuten vorkommt, dass sie ganz besonders der Hilfe und hygienischen Fürsorge bedürfen. Statt dessen bietet sich nun billiges Schachtfutter: wenn ihre Knochen mürbe geworden sind, lässt man sie in Polen verfaulen. Sobald so ein „Kaftanjude“ über die Grenze geschafft worden ist, kräht kein Hahn nach ihm. Menschen die Jahr und Tag unter deutschen Verhältnissen gelebt haben, sollen dann plötzlich wieder zu Russengestempelt werden. Selbst Kinder, die in Schlesien geboren wurden, die deutsche Sprache sprechen, sind dann verdammt, mit in das dunkelste Selbstherrscherreich geschleppt zu werden, wo das Bekenntnis zum Judentum völlig entrechtet.

Die Juden werden heute von den Russen nach dem Ausspruch eines russischen Ministers zu einem Drittel ausgehungert, zu einem Drittel zu Tode gehetzt (in Gefängnissen, in Sibirien, usw.), zu einem Drittel verjagt. Die Wertschätzung des polnischen Juden in Deutschland ist nicht viel größer. In Amerika hat er sich zwar bewährt, wie Roosevelt, Taft u.a. bestätigen, wie z.B. auch jüngst der Münchner Schulmann Kerschensteiner in längeren Auslassungen ausführte. Dass die preußische Regierung aber keine Sympathien für die östlichen Juden hat, ist bekannt. Trotzdem will sie die jüdischen Weber von Balutz und Lodz kommen lassen, um billige und willfährigere Arbeitermassen der Großindustrie zuzuführen.

Die deutsche Arbeiterschaft hat einen seiner Hauptkämpfe gerade in der Bergwerkindustrie auszufechten. Eine bodenständige, einheitliche, deutsche Arbeitermasse wird sich ganz anders in den Lohnkämpfen halten können als ein Proletariat aus allerlei religiös, kulturell und politisch differenzierten Gliedern, die nebenher noch völlig abhängig von jedem Schutzmann, von der Regierung und dem Winken eines Bergwerkdirektors sind.

http://www.migrationsroute.nrw.de/themen.php?thema_id=36&erinnerungsort=bochum

Natürlich geschieht dies ganze finstere Unternehmen unter dem Segen etwelcher Juden, ja gebärden sich einige in jüdischen Zeitungen, als ob die Judenfrage gelöst wäre. Vor allem sind es die Veranstalter einer Zusammenkunft, die Pfingsten zu Kattowitz stattfand, wo der Handel sanktioniert wurde.

Auf diese Tatsachen, die noch nicht allgemein bekannt sind, eine Auge zu haben, wird gut sein. Denn es ist vielleicht noch möglich, sowohl die Freunde des arbeitenden deutschen Volkes wie auch die wirklichen, echten Vertreter der Judenheit auf Vorgänge aufmerksam zu machen, die nur der Dividendenpolitik der Bergwerkes Vorteile zu bringen imstande sind. Den jüdischen Arbeitermassen wird durch solche Machenschaften weder der Friede des eigenen Herdes, noch die Sicherheit für die Zukunft und die Freiheit gegeben.“

Felix Aaron Theilhaber gründete in Berlin die „Gesellschaft zur Sexualreform (Gesex)“ und war mit Magnus Hirschfeld führend als Sexualforscher. Er kämpfte engagiert für die Abschaffung der Paragraphen die Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität unter Strafe stellten und warb für Geburtenkontrolle, jedoch sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, ehe diese Positionen in Deutschland breitere Akzeptanz finden konnten. Im Jahr 1911 verfasste er eine bemerkenswerte Schrift mit dem Titel „Der Untergang der deutschen Juden“, in welcher er konstatierte, dass das deutsche Judentum mittels Assimilierung, Säkularisierung, Verstädterung, Mischehen und Kinderlosigkeit dem Untergang geweiht und in wenigen Jahrzehnten nur noch sporadisch in größeren Städten vorzufinden sei, während es in seinen traditionellen ländlichen Hochburgen, fast gänzlich verschwinden werde. Eine Prognose, die auch ohne den „Holocaust“ zum heutigen (2012) Istzustand geführt hätte, diesen jedenfalls relativ gut beschreibt …

Im selben Jahr 1911 begann er seine Arbeit in den Diensten der Organisation des türkischen Roten Halbmonds als Militärarzt, u.a. im Türkisch-Italienischen Krieg in Libyen und im Balkan-Krieg oder als türkischer Gesandter im von den Engländern bald “Palästina” genannten Teil des endenden Osmanischen Reiches. Im ersten Weltkrieg wurde er als deutscher Pilot mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet, später 1933 jedoch von der „Gestapo“ verhaftet und zwei Monate festgehalten. 1935 gelang es ihm dennoch nach Israel auszureisen, wo er während des Krieges 1941 die Makkabi Krankenkasse gründete, die 1949 bereits 250 Versicherte im Raum Tel Aviv betreute und heute mit 1.9 Millionen Mitgliedern die größte Krankenversicherung Israels ist. Felix Theilhaber starb 1956 in Tel Aviv. Sein 1921 geborener Sohn Michal Adin Talbar war 1966 Unterhändler des deutsch-israelischen Wirtschaftsabkommens und erhielt 1985 das Großkreuz erster Klasse für seine auf Aussöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Israelis bedachtes Engagement, insbesondere im Bereich des Sports.

http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Maccabi_Health_Care_Services_2011_logo.svg

One hundred years ago zionist journalist and writer Felix Aaron Theilhaber who also was sexual researcher, military surgeon, advocate for gay rights as well as founder of Israel’s today largest health care service Maccabi, wrote an article on Jewish immigrants from Russia who were exploited as cheap mineworker without rights in Germany, at any time to be blackmailed because of their fear to be deported back again to Russia where they fled persecutions.

Although Jewish mine workers in Germany are anything but common knowledge – it jus is known that there were many workers from “Poland” … – the term for toiling (very hard work) common among miners in German is “malokhen” which actually derives from Hebrew “malakha” and Yiddish Taytsh מאַלאָכען. Until today the term in German is frequent not only for mine workers but widely known as synonym for hard and cheap labor.