Augsburger Stolpersteine beschmiert

August 6, 2018

Fand heute nachmittag beim Gang durch die Maximilianstraße direkt vor der Burgerking-/ Die Grünen-Filiale, wo Kunden saßen und aßen die im letzten Jahr verlegten drei “Stolpersteine” zum Gedenken an Emma und Eugen Oberdorfer und an die Schirmfabrik von Jacob Oberdorfer mit jeweils einem weißen Buchstaben beschmiert. Offenbar fiel es niemanden auf und störte auch niemanden. Kaum vorstellbar, dass das bei Tageslicht gemacht wurde, während hunderte Leute hin und herlaufen. Dann aber hat es bis abends halb sechs auch niemand beachtet. Anyway, zu lesen stehen so quasi auf dem Kopf gestellt, die Buchstaben

C D B

die nun was besagen sollen?

Wikipedia kennt unter einem solchem Kürzel etwa die “Chinese Development Bank”, oder den “Codex diplomaticus Brandenburgensis”, eine Urkundensammlung zur Geschichte der Mark Brandenburg – beides eher ohne Bezug zu den Oberdorfern. Sollte es gar für “constant database” stehen? Oder für “see the bee”? Oder eine jener mörkwürdigen Abkürzungen aus dem Urban Dictionary die Hinweise auf den IQ jener Person geben könnte, die es wichtig befand, das Gedenken an die Nazi-Opfer in dieser Weise zu übermalen? Krank ist ein solches Tun auf jeden Fall.

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Moses in Augsburg

July 20, 2018

Moses-Glasfenster im Augsburger Dom

משה רבנו חלון הזכוכית באוגסבורג


Adolf Hitler an der Mauer des jüdischen Friedhofs in Augsburg

June 1, 2018

Nicht persönlich, aber namentlich … immerhin. Was  das auch immer zu besagen hat.

שם אדולף היטלר
ליד בית הקברות היהודי אוגסבורג

Bild:  (c) yehuda shenef / 2. August 2012 am heutigen Ernst-Cramer-Weg

im Stadtteil Augsburg-Hochfeld


Konzentrationslager Mühldorf am Inn und Mettenheim

April 12, 2018

Impressions from the Mass Grave Memorial Site in Mühldorf am Inn, Ahamer Str. (next to the Feuerwehr and opposite of the municipal cemetery), now surrounded by a parking lot. Until today THERE IS NO memorial plate WITH THE NAMES at least of several hundred known murdered people from lists. Thus entering the place is a nameless, faceless experience. According to the season there are flowers, birds, butterflies, snow, leaves and other leftovers. Aside from the 3 mentioned by the Tesslers: No Names. No Names, No Names.

And the question is: WHY …?

Es fehlt noch immer eine Tafel mit den aus Listen zumindest der bekannten Namen der Verstorbenen und das sind schon einige hundert. Zumindest Namen mit Geburts- und Sterbedaten sollten möglich sein. Es sind schon 73 Jahre vergangen und es wurde und wird Geld für Kränze ausgegeben, die niemand sonst nutzen.

“Das KZ-Außenkommando Mühldorf, auch KZ-Lagergruppe Mühldorf, war eines von 169 Außenkommandos des Konzentrationslagers Dachau. Neben den Lagern in Kaufering und München-Allach gehörte die Lagergruppe Mühldorf zu den drei größten Außenkommandos des Stammlagers Dachau. Die Häftlinge der Lager wurden in der Umgebung von Mühldorf zum Arbeitseinsatz gezwungen. Ein Großteil von ihnen war dabei außerhalb der Lager tätig, vor allem in der Landwirtschaft und Bauwirtschaft. Auf der Baustelle des Projektes Weingut I, wo ein Rüstungsbunker für die Produktion der Me 262 entstehen sollte, stellten die KZ-Häftlinge die Hälfte der Zwangsarbeiter. Wie viele Häftlinge die Lager des Außenkommandos Mühldorf tatsächlich durchliefen, ist nicht mehr zweifelsfrei belegbar. Im so genannten Mühldorf-Prozess wurde eine Zahl von etwa 8.300 Personen für den Zeitraum von Juli 1944 bis April 1945 angegeben. Die Zahl der Todesopfer schwankt je nach Quelle, liegt aber vermutlich bei etwa 4.000 Personen. Außer den KZ-Lagern gab es im Umkreis von Mühldorf mehrere Arbeitslager der Organisation Todt sowie Fremdarbeiterlager. Diese waren zwar nicht dem KZ in Dachau unterstellt, aber meist ähnlichen Bauprojekten zugeordnet.” (wikipedia, siehe Link unterhalb Foto)

Überlebende des Außenkommandos Mühldorf am 4. Mai 1945, wenige Tage nach der Befreiung durch die U.S. Army. Die meisten der jüdischen KZ-Häftlinge wurden in Osteuropa gefangen genommen und 1944 nach Bayern verschleppt für aussichtslose Rüstungprojekte, überwiegend aus Ungarn.

מילדורף על האינן

 

 

3 Memorial stones: one in German, one in Hebrew one in English Rudolph and Edith Tessler of Chicago, Il. Dedicated to some 1500 murdered Jews by as memorial for her brothers Yitzhak Leib, Binyamin Moshe and Abraham Yehuda of blessed memory who all were sons of her father David Hofmann from the (Hungarian) town of Pápa.

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Oberdorfer Schirme Augsburg

February 11, 2018

Unter dem Namen Oberdorfer & Gutmann gründete sich im 19. Jahrhundert in Augsburg eine sehr renommierte, weit überregional beachtete jüdische Schirmfabrik mit Fabrikation und Verkaufsräumen in Augsburgs Prachtsstraße der Maximilianstraße.

Werbung für Oberdorfer und Gutmann im Augsburger Adressbuch von 1873

Gutmann übernahm dabei die vorher in der Stadt ansässige Schirm-Fabrikation Geneve und brachte sie in das gemeinsame Unternehmen Oberdorfer und Gutmann ein, aus dem er sich später freilich wieder zurückzog, weshalb im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts qualitativ hochwertige Schirmfabrikate, die sich mit den beleibten französischen Modelen und Vorbildern messen lassen konnten ausschließlich mit der heimischen Marke OBERDORFER in Verbindung gebracht wurden.

Auf den folgenden Bildern zu sehen ist ein nunmehr über hundert Jahre altes und somit rares Oberdorfer-Fabrikat aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg (ca. 1912), präsentiert von Margit Hummel, Friedberg.

(c) Photos: Yehuda Shenef (Geneve), 11. Feb. 2018

Margit Hummel strolling with a 1912 umbrella of Augsburgs once famous Oberdorfer umbrella factory fabrication, which in 19th centurry was founded as Oberdorfer & Gutmann and based on the acquisition of the renowned Geneve umbrella which nwas acquired by Gutmann.


Kriegshaber Toravorhang zurück in der ehemaligen Synagoge

January 30, 2018

Kriegshaber Toravorhang zurück in der ehemaligen Synagoge … zeitweilig zumindest.

פרוכת קריסהבר

Das obige Exemplar aus dem Jahre 1723 von Elkana Schatz Naumberg für die Kriegshaber Gemeinde gefertigt, befindet sich gewöhnlich in der Judaica-Ausstellung des Israel Museums in Jerusalem. Es ist vorübergehend in der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber zu sehen, wo ab heute Abend bis Mitte Juni des Jahres eine Ausstellung zu “Judaica aus dem Umfeld der Synagoge Kriegshaber” öffnet.

http://www.jkmas.de/2018/01/erinnerung-ausstellung-kriegshaber/#more-7928

Das in Schwarzweiß gezeigte Exemplar aus dem Jahr 1751 wurde 1927 von Theo Harburger in Augsburg abgelichtet (CAHJP P160/105) und ist wohl “verloren” gegangen.

Auch in den Nachbargemeinden gab es vergleichbar hochwertig verarbeitete Stücke, wie das Pferseer Exemplar von Jakob Koppel Gans aus der Gemeinde belegt (Jüdische Museum New York):

פרוכת פארשי

F 1285, Torah Ark Curtain and Valance, Jacob Koppel Gans, Photographer: John Parnell, Photo © The Jewish Museum, New York

 


Kupfer, das Gold der Armen

December 31, 2017

Vor einhundert Jahren:

„In sehr starker Weise zogen die Antisemiten neuerdings gegen die AUGSBURGER GEMEINDE los, indem sie dieser den Vorwurf machten, sie habe sich geweigert, das Kupferdach der neuerbauten Synagoge auszuliefern. Wie wenig begründet diese Vorwürfe sind, erweist eine ausführliche Erklärung des Vorstandes der Augsburger Gemeinde, die in dem „Gemeindeboten“ Nr. 52 abgedruckt worden ist. Aus diesem Grunde dürfen wir auf eine Wiederholung dieser Erklärung verzichten, wir wollten es aber doch bei der Wichtigkeit der Sache und bei der hier zutage getretenen besonderen Perfidie unserer Gegner nicht unterlassen, auch an dieser Stelle auf diesen Einzelfall hinzuweisen.“

Allgemeine Zeitung des Judentums“, Heft 1, vom 4. Januar 1918, Seite 4

גג נחושת מבית הכנסת אוגסבורג עם אריה

Hundred years ago: The Jews of Augsburg were accused by local anti-Semites they would not deliver the copper roof of their newly inaugurated synagogue to the metal collection, apparently essential to the war effort of the Reich. Although the copper in fact was donated, the war was lost nine months later.