Der Priester-Segen der Kriegshaber Synagoge

June 26, 2014

Zu den erhaltenen wenigen Überresten in der ehemaligen Synagoge in der Ulmer Straße in Kriegshaber gehörte die Inschrift mit dem ברכת כהנים dem Priester- bzw. Aaronitischen Segen über dem Türstock des ehemaligen Synagogenraums. Der Birchat Kohanim ist der historisch älteste überlieferte Segen des Judentums und wird in Übersetzungen auch von Christen in aller Welt zitiert. Er stellt eines der bekanntesten Zitate des Judentums und der Weltliteratur dar und steht praktisch für den Segen Gottes an seine Gemeinde. Über der Türe der Synagoge kam dem Priestersegen auch in der alten Kriegshaber Synagoge eine besondere Bedeutung zu. Es ist bezeichnend, dass der Segen, der sowohl die Überfälle der Nazis, wie auch den Missbrauch der Synagoge in den Folgejahren und sogar auch den jahrzehntelangen Verfall überstand, nun aber ausgerechnet Opfer der “Restaurierung” des Gebäudes wurde.

Kriegshaber Synagoge Priester Segen Türe Überrest 2012Überreste des Aaronitischen Priestersegens in schönen blauen Lettern über dem Eingang der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber Ende Januar 2012. Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde die linke Hälfte der Inschrift bereits übertüncht.

Kriegshaber synagogue priestly blessing inscription - birchat kohanimSelbst Analphabeten erkennen zumindest das Vorhandensein von Buchstaben, dem kundigen Leser erschließt sich mit dem zweifelsfreien ישא יי פניו אליך (Gott erhebe sein Angesicht über Dich) sofort der allgemein bekannte Priestersegen. Ihn nicht zu kennen entspräche im Christentum wohl nicht zu wissen, was Weihnachten ist. “Weihnachten? Nie gehört!” “Was isse Nikolaus? Nixe wisse! Laus nix gut. Du nehme Spray?!”

Arthur Obermayer Kriegshaber Synagogue in front of priestly blessing 2012Dr. Arthur Obermayer in front of the door, above the Birchat Kohanim inscription

Unser Begleiter im Januar 2012, Herr Arthur Obermayer aus Boston/Ma. fragte damals die Architekten, die uns die arbeiten am Gebäude erleuterten, ob es möglich sei, zu sagen, um was für eine Inschrift es sich handelte. Mit dem Hinweis darauf, dass es sich um eines der berümtesten hebräischen Zitate der Bibel überhaupt handelt, das auch im Christentum äußerst populär sei, wandte er sich an die Leiter der Restaurierungsarbeiten und schlug ihnen vor, dass sie sich an uns wenden können, wenn sie Fragen bezüglich dieser oder anderer Inschriften oder Funde habe. Darüber wurde nun schnell Einverständnis erzielt und den Verantwortlichen Visitenkarten übergeben. Genutzt wurde das Angebot freilich nicht. Nachfragen unsererseits bleiben unbeantwortet, weshalb wir davon ausgehen können, dass die Ausmerzung der Inschrift so gewollt ist.

Durch die langwierige und recht teure “Restaurierung” ist der Priestersegen nun beseitigt worden, was angesichts der involvierten Fachkompetenz von Prof. Kießling, Dr. Brandt und Dr. Schönhagen und anderer Personen, die sich schon mal mit hebräischen Buchstaben und Texten befasst haben sollten, doch überrascht.

Kriegshaber Synagoge Museum Ausstellung Umgang heuteOhne Segen – “Umgang mit den ehemaligen Synagogen heute

Das sich gleich neben der Türe eine Tafel der Wanderausstellung über (ehemalige) “Synagogen in Schwaben” befindet, welche Aufschluss geben will, über den Umgang mit diesen heute ist, wie vieles andere selbstredend.

Priestersegen Kriegshaber priestly blessing Birchat Kohanim?  … מנא מנא תקל ופרסין

Vom rein technischen Standpunkt wäre es sicherlich kein “Problem”, die getilgte Inschrift wieder anzubringen, insofern das nicht weitere Unsummen verschlingen sollte. Gewollt sein wird es absehbar nicht. Eine Gemeinde, die gesegnet werden soll, gibt es ja nun auch nicht mehr.

Wir erinnern an sie.

במהלך השיקום בבית הכנסת לשעבר בקריגסהבר אוגסבורג שעכשיו הוא מוזיאון ממלכתי המומחים להכחיד הכהנים מעל דלת בת כנסת

-לפני 2 שנים שדברנו עם המומחים באופן מפורש על כך. מאז הם לא יכולים לקרוא בעברית הצביעה ד”ר ארתור אוברמייר מבוסטון עלינו. היה להם כרטיסי הביקור שלנו, אבל לא שאל. עכשיו הכיתוב קריא בוטל

ההרס היה מכוון. הם לא יכלו לקרוא את ברכת הכהנים והם יכולים להשתמש בו

אף אחד לא אכפת ! להיפטר ממנו

הם חוששים תלמוד תורה ועד היום

 

Kriegshaber synagoge museum exhibition June 2014

IN the course of the costly restoration of the former synagogue of Kriegshaber and the conversion to a branch of the stately Jewish Kulturmuseum an old Hebrew inscription above the entrance door of the main room of the prayer house was wiped out, although two years earlier the issue was adressed empahically by us and Mr. Arthur Obermayer from Boston. The current exhibition of the new museum on former synagogue in Bavarian Swabia now also has an article on “the appraoch today”.  Obviously that is self-evident.

Photos: Margit (2014), Yehuda (2012)


Über die Juden in Schwaben

June 20, 2014

Eine Hypothese nach sollen die Schwaben Abkömmlinge von einem der verlorenen Stämme der Israeliten sein heißt es bei Weitnauer:

Nach dieser Theorie wären die mit ahasverischer Unruhe begabten Schwaben also nichts anderes als jener verlorene zwölfte Stamm der Kinder Israel..!”

Doch gelte diese These „inzwischen“ als überholt. Dagegen (dass Schwaben Juden wären) spreche nämlich die Tatsache:

„… daß im Jahre 1860 der bayrische Landgerichtsarzt Dr. Bernhard Zör von Immenstadt in einen Fragebogen des Königlich-bayrischen Staatministeriums für Unterricht und Kultus, das im Rahmen einer Landeserhebung u.a. die Zahl der in den bayrischen Gerichtsbezirken ansässigen Juden wissen wollte, folgendes schrieb: „Juden gibt es im schwäbischen Allgäu keine, da sie sich wegen der geschäftlichen Tüchtigkeit der Eingeborenen nicht zu ernähren wissen.“ “

(zitiert nach: Alfred Weitnauer – Die Baiern und die Schwaben, Kempten 1972, S. 11)

Bad Wörishofen Händler Stadt BauernhausHändler am Stadt Bauernhaus in Bad Wörishofen (Unterallgäu)

Die Geschäftstüchtigkeit der Schwaben soll also die Juden fern gehalten haben, die ja angeblich auch gerne aufs Geschäftemachen aus sein sollen. Ist es noch ein antisemitisches Klischee oder bloße Schwaben-Schelte, wie man sie heute auch bei Berlinern antrifft, die Württemberger mit Schwaben verwechseln?
Der aus Sonthofen stammende Landgerichts-Physikus Dr. Zör (1778-1855) war Autor einiger Arbeiten zur Heimatgeschichte Artikel zur lokalen Adelsforschung veröffentlicht und war bereits 1855 in Immenstadt verstorben. Dass Zör, der einigen auch als Begründer der lokalen Heimatforschung im Allgäu gilt, trotzdem 1860 längst tot, dennoch bereit war, Fragebögen auszufüllen und auskunft über “die Juden” zu geben, unterstreicht ohne Zweifel sein über den Tod hinaus reichendes Pflichtbewusstsein.
In Bezug auf „die Juden“ hätte er aber falsch gelegen, denn die gab es im Allgäu durchaus und zwar zum guten Auskommen aller. 1972, als Weitnauer seine Humoreske schrieb, war das freilich schon seit rund 30 Jahren nicht mehr so.


Buch-Lesung im Zollhaus Kriegshaber

November 12, 2013

An einer der historischer Stätten des schwäbischen Judentums laden wir ein zur Buch-Präsentation mit Lesung und anschließender Diskussion

am Mittwoch, den 20. November 2013 um 18.00 Uhr

in der Begegnungsstätte Zollhaus in Kriegshaber (Ulmer Straße 182, 86156 Augsburg)

 

Das Haus der drei Sterne

Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland

von Yehuda Shenef 1. Auflage, August 2013

ISBN: 978-944092-02-7

184 Seiten, 29.50 €

Das Buch ist in vielen Augsburger Buchhandlungen vorrätig, bzw. auch sonst über den Buchhandel, über amazon, weltbild & Co. erhältlich

oder direkt bei info@sol-service.de

kokavim verlag 2013

kokavim verlag 2013

Bericht der Augsburger Allgemeinen „Der Friedhof als Tor zur Geschichte“ von Claudia Kohler vom 7. September 2013:  

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Der-Friedhof-als-Tor-zur-Geschichte-id26893226.html


אל תלכי ללקט בשדה אחר

January 14, 2013

Synagoge Kriegshaber

ווו אַמאָל איז געווען די מקווה פון ייִדיש קהל פון קריעגסהבער אין עתיד וועט זייַן געזאמלט די אשפה פון דער נייַ מוזיי

Kriegshaber Mikwe Tauchbad Mikvah

Kriegshaber mikvah Mikwe

באייר תשע

Where once was the mikvah of Kriegshaber in the future the garbage of the new museum will be collected.

Kriegshaber synagoge Januar 2013

Kriegshaber Synagoge Müllraum

Ziemlich genau da, wo sich nach Angaben alter Katasterpläne früher das Tauchbad (Mikwe) der jüdischen Gemeinde von Kriegshaber befand, wird später in einer eigens dafür geschaffenen Konstruktion der Abfall des künftigen jüdischen Museums gesammelt.

Kriegshaber Museum Synagoge Müllraum

https://jhva.wordpress.com/2011/12/21/die-tauche-von-kriegshaber/