Apropos “Amoklauf“

July 26, 2016

Amok, Amoklauf. Die Vokabel ist gerade mal wieder in den “Schlagzeilen”:

Amok – Der Begriff soll aus der malaysischen Sprachen stammen und „rasen“ bedeuten. Trotzdem aber ist ein Amoklauf nicht die bejubelte Spitzenleistung eines mutmaßlich nicht gedopten (->) Sprinters in neuer Weltrekordzeit. Stattdessen ist es ein Pseudobegriff für eine extreme Gewalttat mit meist zufälligen Opfern (->). In der Regel lenkt der Begriff vom eigentlichen Hintergrund der Tat ab, der meistens wohl vom Hass oder von der Verzweiflung des Täters herrührt. Mit dem Begriff Amok etikettiert wirkt die Tat aber als eine Art mystischer Besessenheit, so als ob ein böser Dämon (->) in den Bus einsteigt und einen Unfall verursacht. Dagegen kann man nichts machen, passiert eben mal.

 

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denen Bildung auf Dauer nicht genug ist

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Ansbach Synagogue

July 25, 2016

Former Synagogue of Ansbach (Franconia, near Nuremberg)

Ansbach (17)בתוך בית הכנסת לשעבר באנסבך


Jüdisch-deutscher Patriotismus im ersten Weltkrieg

July 21, 2016

Vor genau hundert Jahren: Patriotische jüdische Zeitungen in Deutschland berichteten Meldungen wie diese, zur Halbzeit des Weltkrieges: ein jüdischer Knabe der gegenüber dem amerikanischen Präsidenten in New York seine deutsche Flagge gegenüber der amerikanischen Neutralität verteidigt.

Roosevelt jüdischer Knabe 1916In den Gräben des Krieges, unter den Verwundeten und Toten, ebenso wie unter den für ihre Tapferkeit ausgezeichneten Deutschen waren die jüdischen Soldaten der Wehrmacht überdurchschnittlich vertreten.


Gedenken Synagoge Schopfloch

July 20, 2016

Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge im mittelfränkischen Schopfloch:

schopfloch-memorial-plate-gedenktafel-synagogueMemorial plate Schopfloch synagogue


In eigener Sache: museumsreif

July 15, 2016

Ausstellung Synagoge Augsburg Jüdisches Museum Nachkriegsgemeinde

Sich selbst als Teil einer Museumsausstellung wiederzufinden ist keine Standarderfahrung. Juden in Deutschland kann dies aber durchaus passieren, da „jüdisches Leben in Deutschland“ von manchen noch immer offenbar als so außergewöhnlich aufgefasst wird, um „museumsreifer“ Gegenstand einer Ausstellung zu werden, oder von vieren gar.

Am 2. Juni eröffnete das Jüdische Kulturmuseum im Foyer der Augsburger Synagoge, Halderstraße den von Marc Wrase realisierten vierten Teil der Ausstellung zur jüdischen Nachkriegsgemeinde in Augsburg: „Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010“ mit einer etwas zerstreuten Münchnerin Charlotte Knobloch als Festrednerin.

Yehuda Shenef Jüdisches Kulturmuseum Augsburg SynagogeEndstation Vitrine ..?

Ist man anderswo auf diesem Planeten (wie fast alle Menschen) mehr oder minder fragmentarischer Bestandteil der Allgemeingesellschaft, so fokussiert (verengt) sich in Deutschland der Blick auf „Jüdisches“ (sobald dieses genannt oder bekannt wird) weiterhin durch Schablonen, die in den Biographien der Betrachter vorrätig sind und oft genug über Generationen vererbt sind. Wie bei anderen musealen Exponaten wissen viele Besucher mehr über die Ausstellungsstücke als diese selbst und die gemeine Muschel widerspricht den Expertisen ebenso wenig wie der rekonstruierte Saurier.

Charlotte Knobloch Synagoge Augsburg 2016Festrednerin Knobloch / Hausherr Alexander Mazo

Alexander Mazo Synagoge Augsburg

Sich dem von der Vitrine aus gegenüberzustellen ist eine ungewohnte und deshalb schon auch reizvolle Daseinsvariante, die sonst, wie etwa im Naturkundemuseum Neandertalern und ausgestopften Füchsen oder Eulen vorbehalten bleibt. Es ist also naheliegend, die Gelegenheit zu nutzen, auch (oder: weil) wenn man damit das Reich des Fossilen bereits betreten hat und als reale Erscheinung in gewissen Apsketen entbehrlich wird. Und das ist auch das Gute daran, kann man künftig bei dummen Fragen gleichfalls realer Zeitgenossen diese doch bequem auf Ausstellung und Katalog verweisen.

Im Laufe von nunmehr sechs Wochen seit der Eröffnung der Ausstellung wurde ich aber auch schon von mehreren (mir zuvor fremden) Personen angesprochen – außerhalb des Museums. Das ist etwas eigenartig, wie man sich denken kann. Aber schon vor Jahren sprach mich mal eine ältere Dame an, die an einer von mir geleitete Führung am Friedhof teilnahm und sich an mich erinnerte (anders als ich an sie), mit den Worten: „Sind Sie nicht der Jude vom Friedhof?“. Und zu Glück nahm sie mir meine Antwort: „Ja, genau, aber ich habe heute Ausgang“ nicht krumm, sondern fand sie recht humorig. Und so verhält es sich nun auch mit dem Musealen, was nur folgerichtig ist, wenn man bedenkt, dass vor einigen Jahrzehnten ein gewisser Herr Heydrich, in Prag, von wo meine Großmutter stammt, auch bereits eine Ausstellung über „jüdisches Leben“ plante.

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

Russische Uniform Orden Jüdisches Museum Augsburg Augsburg

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

 

Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010

Teil 4 der Ausstellungsreihe des Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben

noch zu sehen bis 11. Dezember 2016

im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg Schwaben im Foyer der Synagoge Halderstraße 6/8


Jüdische Handwerker in Deutschland

July 12, 2016

Viele Leute haben gewisse Vorstellungen über „typische“ Berufe von Juden, dazu zählt auch die weitverbreitete Anschauung, dass Juden kaum in Handwerksberufen tätig sind. Hierzu eine Übersicht über eingetragene jüdische Handwerker im Jahre 1916 vor hundert Jahren, als sehr viele von ihnen freilich als Soldaten unterwegs an den Fronten des Weltkrieges waren, veröffentlicht  im Magazin „Handwerk und Gewerbe; offizielles Organ des Zentralverbandes selbständiger jüdischer Handwerker Deutschlands“, 9. Jahrgang, 2. Juni-Heft 1916, S. 258. Frauen wurden nur erwähnt, wo sie damals bereits im Berufsleben eine größere Rolle spielten.Man sieht, dass einige Berufe häufig sind, andere eher selten – wofür es freilich verschiedene Gründe geben kann. So konnten in Textilfirmen weitaus mehr Leute beschäftigt werden, als bei einem Photographen.

jewish tailor factory

Schneider – 14422 (davon: 4804 Frauen)

Fleischerei  – 7590

Putzmacher – 2691 (davon: 2314 Frauen)

Schuhmacher  -1813

Wäschekonfektion – 1775 (davon: 646 Frauen)

Näher – 1457 (davon: 1367 Frauen)

Bäcker und Konditoren – 1415

Buchdrucker – 969

Riemer und Sattler – 909

Tischler  – 901

Tapezierer – 792

Buchbinder – 745

Instrumentenmacher (elektrische Apparate) – 613

Stubenmaler, Anstreicher – 643

Klempner – 534

Glaser  – 530

Schlosser – 501

Uhrmacher – 495

Gold- und Silberschmiede – 467

Photographen – 389

Friseure, Barbiere – 384

Gerber – 334

Getreidemüller                – 310

Bürsten- und Pinselmacher  – 265

Brauer – 232

Drechsler  – 213

Maurer – 106

Steinmetze, Steinhauer               – 81

Dachdecker – 56

Wagner, Radmacher – 54

Korbmacher  – 53

Sensen-, Messer-, Waffenschmiede – 45

Hufschmiede – 36

Böttcher  – 32

Zimmerer – 24


Avishai Cohen in Augsburg und … Avishai Cohen in Augsburg

July 11, 2016

Im Rahmen des diesjährigen, 24. Internationalen Augsburger Jazz-Sommer

sind Avishai Cohen und … Avishai Cohen zu Gast in Augsburg

und ja, es sind zwei unterschiedliche Musiker, gleichen Namens. Zwar stammen beide Musiker aus Israel, doch ist der eine Bassist, der andere Trompeter.

am Mittwoch 13. Juli um 20 Uhr das Trio des Bassisten Avishai Cohen (geb. 1970) im Botanischen Garten


am Mittwoch 10. August um 20 Uhr das Quartett des Trompeters Avishai Cohen (geb. 1978), ebenfalls im Botanischen Garten