Rolf Hofmann – Max Koppel & Söhne, jüdisches Steinmetz-Unternehmen in Nördlingen

December 30, 2013

Neu erschienen im Kokavim – Verlag:

Rolf Hofmann - Max Koppel und Söhne and Sons Kokavim

ROLF HOFMANN – MAX KOPPEL & SÖHNEJüdisches Steinmetzunternehmen in Nördlingen

mit englischer Fassung: Max Koppel & Sons, Jewish Stonemasons in Nördlingen (Bavaria)

KOKAVIM VERLAG, Dezember 2013,

60 Seiten, 12.50 Euro

ISBN 9783944092102

ab sofort erhältlich

bei amazon, weltbild & Co., sowie im Buchhandel

oder direkt bei info@sol-service.de in Schrobenhausen

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Bedeutende jüdische Persönlichkeiten von einst sind heute oftmals vergessen. Dies gilt auch für Max Koppel und seine Söhne, die um 1900 mit ihrem Steinmetzbetrieb in Nördlingen einer der größten Arbeitgeber vor Ort waren. Neben Natursteinarbeiten aller Art fertigten sie auch formschöne Grabsteine die heute noch auf jüdischen Friedhöfen im süddeutschen Raum zu finden sind. Ein besonderes Kennzeichen für Koppel waren schwarze Grabsteine aus Syenit mit aufwendiger  Goldschrift.

Die Maschinen zur Steinbearbeitung stammten von Emil Offenbacher in Marktrewitz, seinerzeit europaweit bekannt für konkurrenzlos erstklassige Qualität. So waren die Koppel‘schen Fabrikanlagen auch überregional von großer Bedeutung. Abgesehen davon war dies wohl einer der wenigen Betriebe dieser Art mit jüdischen Geschäftsinhabern, vielleicht sogar der einzige.“

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Die hochwertigen Grabsteine der “Granit-, Syenit- und Marmorwerke Koppel” aus Nördlingen sind nicht nur auf den Friedhöfen der näheren Umgebung (Wallerstein, Oettingen, Pflaumloch, Schopfloch, etc.) heute noch zu bewundern, sondern in großer Zahl auch in München, Nürnberg und vorallem in Augsburg, wo sich aktuell am Friedhof im Statteil Hochfeld noch 135 namentlich gekennzeichnete Koppel-Grabsteine zählen lassen. Sie alle sind erhaltene Zeugen vom Können einer auch ansonsten geschätzten “Bildhauerei, Syenit- und Marmor-Industrie” der mit königlich-bayrischen und königlich sächsischen Staatspreisen ausgezeichneten jüdisch-schwäbischen Handwerks- und Industriellen-Familie des ursprünglich aus Kleinerdlingen bei Nördlingen stammenden Max Koppel und seiner Söhne David und Emil Koppel.

Die Geschichte des einzigartigen jüdischen Unternehmens in Bayern wurde gründlich recherchiert und geradlinig erzählt vom renommierten Stuttgarter Genealogen und Heimatforscher Rolf Hofmann, mit zahlreichen historischen Abbildungen, nebst englischer Fassung von Yehuda Shenef.

Rolf Hofmann, der sich schon seit Jahren mit Koppel und seinen Werken befasst hat, ist es gelungen, mit seiner Forschung, das beachtliche Wirken der jüdischen Unternehmer vor der Vergessenheit zu bewahren und zugleich Einblicke in die industriellgeschichtlich bedeutsame Entwicklung der Naturstein verarbeitenden Industrie und Handwerk zu bieten.


Impressionen vom jüdischen Friedhof in Pflaumloch

November 19, 2010

בית הקברות היהודי של פפלוימלאך

in the front the grave marker of Chaim Pflaum, died in April 1872 (6th of Nisan 5632)

Unter dem von Efeu völlig überwachsenen Grabstein befand sich ein wohl auch nicht mehr benutztes Vogelnest

head stone of Tirza Adler, died 16th of Sivan in 5636 (8th of June in 1876), who had been the wife of Jakob Adler (sch”tz) a teacher (melamed) in Oberdorf, which only is some 8 km away westbond near Bopfingen ( another easy pronounceable name in that region …) 

… the tree actually has integrated the illegible head stone and grown around it at the upper corner of Pflaumloch Jewish cemetery and thus created a self-developed monument of it’s own and value. The stone now surprisingly is fitting perfectly and almost smoothly in the tree, while in many other places we have seen so many grave markers being destroyed by growing trees: 

another almost integrated and overgrown grave marker right next to the entrance door of the small but remarkable Pflaumloch Cemetery which adjacents to the Christian cemetery of Pflaumloch – Riesbuerg.

The Jewish Cemetery of Pflaumloch with the now adjacent Christian one in front (note the cross of the grave marker).

A wall separates the walled-in Jewish cemetery from the surrounding Christian cemetery in front …

Grabstein der gleichfalls komplett mit Efeu überwachsen war. Das Abzupfen der Blätter brachte diesen menora-artigen Efeu – Wuchs hervor. Die Haftungen des im Winter durch Eis und Schnee schweren Efeus beschädigen die Grabsteininschriften und zerstören sie früher oder später wenn, wie in diesem Fall sich niemand drum kümmert.

Impressions de cimetière juif de Pflaumloch


Das jüdische Pflaumloch (Riesbürg)

November 18, 2010

 

Das  1246 erstmals urkundlich erwähnte Pflaumloch ist eine kleine Gemeinde im Ostalbkreis in Baden Wuerttemberg an der Grenze zum bayerischen Schwaben mit etwa tausend Einwohnern und heute Bestandteil der Gemeinde Riesbürg.

Uhrturm der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) – clock tower of the former Pflaumloch Synagogue

Die ältesten erhaltenen Belege nennen 1487 Juden am Ort. Kurz darauf wurden Juden aus Pflaumloch am mittelalterlichen Friedhof im ca. 5 km westlich gelegenen Nördlingen beerdigt. Es hielt sich über lange Zeit eine kleine Gemeinde mit ca. zehn Familien. Sicher wird es eine Synagoge und andere Infrastruktur gegeben haben. Für das Jahr 1703 ist eine Synagoge bezeugt, die 1802 bei einem Großbrand im Dorf zusammen mit 33 Häusern von Christen und 18 Häusern von Juden zerstört wurde. Aus neuer Zeit stammt die Einrichtung einer nicht mehr erhaltenen Mikwe im Jahre 1821, als von rund 450 Bewohnern des Dorfes etwa 200 Juden sind.

Auf das Jahr 1840 geht der jüdische Friedhof zurück, der sich heute direkt anschließend neben einem christlichen Friedhof befindet, zuvor wurden die Juden aus Pflaumloch offenbar am Friedhof in Wallerstein beigesetzt. Um das Jahr 1900 lebten noch fünf jüdische Familien am Ort. Als 1907 die letzte verbliebene Bewohnerin verstarb schenkte der aus Pflaumloch stammende wohlhabende Stuttgarter Bankier und Kommerzienrat Alexander von Pflaum (1839-1911) die nunmehr leer stehende Synagoge der politischen Gemeinde. Im innen komplett umgebauten Gebäude ist seit 1963 das Rathaus der Gemeinde Pflaumloch, seit 1973 das von Riesbürg. Auf dem Friedhof befinden sich noch etwa 110, meist nicht mehr sehr gut erhaltene Grabsteine. Die im Jahre 1999 erfolgte Dokumentation des Friedhofs ist offenbar nicht veröffentlicht.

Unser besonderer herzlicher Dank gilt Frau Sigi Atzmon aus Nördlingen, die uns spontan den Besuch der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) und des Friedhofs der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Pflaumloch ermöglichte.

From at least 1487 until 1907 in the small village of Pflaumloch (lit. “plum lake“), only 5 km from the former imerial city of Noerdlingen, and now a part of the municipality of Riesbuerg, existed a small rural Jewish community. 190 years ago in 1821 some 200 of 450 inhabitans of the village were Jewish. When in 1907 the last Jewish inhabitant died the synagogue however was donated by Alexander von Pflaum, a Pflaumloch born wealthy banker from Stuttgart, to the political community. From 1963 the building with its remarkable clock tower and facade has been the townhall of Pflaumloch and Riesbuerg. In Pflaumloch there also is a small Jewish vemetery with some 110 left grave markers next to a Christian cemetery.

Detail of the head stone of Karoline Lowenengart at Pflaumloch Jewish Cemetery with a cembra nut, known also as the city coat of arms of Augsburg.