Stolpersteine in Nördlingen

June 11, 2015

Während sie in Augsburg und München noch immer hartherzig und engstirnig verhindert werden, verblassen andernorts manche Stolpersteine bereits schon wieder ganz großzügig. Beispiele dafür fielen gestern im Rieser Nördlingen auf:

Nördlingen Stolpersteine Hamburg WIlli Selma Gerda ermordert in Piaski

erneut verblassende Erinnerung an Gerda, Selma und Willi Hamburger aus Nördlingen, 1942 “deportiert”, dann in Piaski ermordet – offenbar sind auch Stolpersteine nur begrenzt haltbar.

Stolperstein  Benno Schweisheimer Nördlingen 1898 Piaski 1942

noch weit besser erhaltene Exemplare für Benno Schweisheimer, bzw. Hermann und Rosa Heinemann

Nördlinger Stolpersteine Hermann Heinemann Rosa Kreisle Riga Cosel

 

 

 

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Rolf Hofmann – Max Koppel & Söhne, jüdisches Steinmetz-Unternehmen in Nördlingen

December 30, 2013

Neu erschienen im Kokavim – Verlag:

Rolf Hofmann - Max Koppel und Söhne and Sons Kokavim

ROLF HOFMANN – MAX KOPPEL & SÖHNEJüdisches Steinmetzunternehmen in Nördlingen

mit englischer Fassung: Max Koppel & Sons, Jewish Stonemasons in Nördlingen (Bavaria)

KOKAVIM VERLAG, Dezember 2013,

60 Seiten, 12.50 Euro

ISBN 9783944092102

ab sofort erhältlich

bei amazon, weltbild & Co., sowie im Buchhandel

oder direkt bei info@sol-service.de in Schrobenhausen

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Bedeutende jüdische Persönlichkeiten von einst sind heute oftmals vergessen. Dies gilt auch für Max Koppel und seine Söhne, die um 1900 mit ihrem Steinmetzbetrieb in Nördlingen einer der größten Arbeitgeber vor Ort waren. Neben Natursteinarbeiten aller Art fertigten sie auch formschöne Grabsteine die heute noch auf jüdischen Friedhöfen im süddeutschen Raum zu finden sind. Ein besonderes Kennzeichen für Koppel waren schwarze Grabsteine aus Syenit mit aufwendiger  Goldschrift.

Die Maschinen zur Steinbearbeitung stammten von Emil Offenbacher in Marktrewitz, seinerzeit europaweit bekannt für konkurrenzlos erstklassige Qualität. So waren die Koppel‘schen Fabrikanlagen auch überregional von großer Bedeutung. Abgesehen davon war dies wohl einer der wenigen Betriebe dieser Art mit jüdischen Geschäftsinhabern, vielleicht sogar der einzige.“

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Die hochwertigen Grabsteine der “Granit-, Syenit- und Marmorwerke Koppel” aus Nördlingen sind nicht nur auf den Friedhöfen der näheren Umgebung (Wallerstein, Oettingen, Pflaumloch, Schopfloch, etc.) heute noch zu bewundern, sondern in großer Zahl auch in München, Nürnberg und vorallem in Augsburg, wo sich aktuell am Friedhof im Statteil Hochfeld noch 135 namentlich gekennzeichnete Koppel-Grabsteine zählen lassen. Sie alle sind erhaltene Zeugen vom Können einer auch ansonsten geschätzten “Bildhauerei, Syenit- und Marmor-Industrie” der mit königlich-bayrischen und königlich sächsischen Staatspreisen ausgezeichneten jüdisch-schwäbischen Handwerks- und Industriellen-Familie des ursprünglich aus Kleinerdlingen bei Nördlingen stammenden Max Koppel und seiner Söhne David und Emil Koppel.

Die Geschichte des einzigartigen jüdischen Unternehmens in Bayern wurde gründlich recherchiert und geradlinig erzählt vom renommierten Stuttgarter Genealogen und Heimatforscher Rolf Hofmann, mit zahlreichen historischen Abbildungen, nebst englischer Fassung von Yehuda Shenef.

Rolf Hofmann, der sich schon seit Jahren mit Koppel und seinen Werken befasst hat, ist es gelungen, mit seiner Forschung, das beachtliche Wirken der jüdischen Unternehmer vor der Vergessenheit zu bewahren und zugleich Einblicke in die industriellgeschichtlich bedeutsame Entwicklung der Naturstein verarbeitenden Industrie und Handwerk zu bieten.


Am Judenhof in Kleinerdlingen

April 12, 2013

Zu Beginn des 16. Jahrunderts war Kleinerdlingen ein Ausweichort für die Juden der nahen Reichsstadt. Die ersten erhaltenen Zeugnisse über Juden in “Klein-Nerdlingen” (die unkomplizierteste und wahrscheinlich auch  plausibelste unter vielen abweichenden Schreibweisen des Ortsnamen) werden aber bereits ins 15. Jahrhundert nach christlichem Kalender datiert. Von der letzten Synagoge in Kleinerdlingen gibt es heute keine sichtbaren Überreste mehr. Das historische Gebäude wurde – übrigens erst “vor einigen Jahren” – abgerissen, um Platz für ein privates Wohnhaus zu schaffen. Eigenartiger Weise scheint es aber trotzdem keine neuzeitlichen Aufnahmen der alten Synagoge zu geben, jedoch existiert eine Innenaufnahme von Theo Harburger aus dem Jahr 1926 (CAHJP):

Kleinerdlingen Synagoge NoerdlingenInterior of former synagogue of Kleinerdlingen near Noerdlingen (Ries, Swabia)

Auch vom Tauchbad der Kleinerdlinger Juden, der Mikwe, fehlt jede Spur, und trotz der Überschaubarkeit des kleinen Ortes gibt es auch hier keine bleibende Erinnerung darüber, wo genau sie sich befand. Andererseits verläuft aber nahe der ehemaligen Synagoge dann aber doch ein kleiner Bach, der für das Tauchbad das erforderliche Wasser herbeigebracht haben dürfte:

Bach Kleinerdlingen für Mikwe

Namentlich an die jüdische Gemeinde erinnert am Ort die heute noch erhaltene Bezeichnung “Judenhof”, die offensichtlich als Eruv konzipiert wurde, was nun jedoch durch bauliche Veränderungen schwindet.

Die Fenster des alten Hauses im Judenhof stimmen stilistisch scheinbar mit der Aufnahme aus dem Inneren des Betraumes überein.

Judenhof Kleinerdlingen old Jewish house at so called Judenhof in Kleinerdlingen (since 1972 part of Noerdlingen)


Gedenken in Nördlingen

May 10, 2012

 

Tafel in der Nördlinger Judengasse mit Namen Nördlinger Juden die deportiert, in Haft oder in Konzentrationslagern ermordert wurden.

Blick in die Nördlinger Judengasse

A memorial plate next to the Jewish memorial at Judengasse in Nördlingen now commemorates some 50 Jews from Nördlingen who during the Nazi rule in Germany were deported and had perished in prisons or concentration camps (Piaski, Theresienstadt, Auschwitz, Riga, Cosel and Dachau). Mentioned are member from the families of Adler, Arensberg, Ascher, Bredig, Bühler, Eisenmann, Gradmann, Guldmann, Hamburger, Heinemann, Lehmann, Mahler, Mayer, Neumann, Regensteiner, Rosenberger, Schweisheimer, Seligmann, Siegbert, Stoll and Weisbacher. Also mentionend – for what reason ever – are two Christian Socialdemocrats, one of them died in an prison in Augsburg.


Hollywood Nördlingen

May 4, 2012

 


Über die Juden von Oettingen

October 24, 2010

Der erste in Augsburg als Steuerzahler verzeichnet bekannte Jude (Jüdin) aus Oettingen, die ist die  Frau des Isaak (genannt als „Ysackin von Oettingen“), die in den Jahren 1408 bis 1415 registriert ist. Da ihr Mann Isaak zuvor nicht erscheint mit dem Ortsnamenszusatz erscheint, kann man annahmen, dass er zuvor verstorben war und seine Frau als Witwe wieder nach Augsburg zurückkehrte, von wo sie wohl stammte. Andernfalls wäre kaum zu erklären, wie sie „aus dem Nichts“ in der Reichsstadt steuerpflichtige Hausbesitzerin hätte werden können. In den Jahren 1416 bis 1417 ist sie – falls identisch – als Saerlin (Serlin), also als Sara, bzw Saerlin von Oettingen verzeichnet insofern es sich dabei nicht um ihre Tochter oder jemand anderen handelte. Danach verliert sich ihre Spur. Sie ist entweder verstorben oder weggezogen oder hat geheiratet.

townhall of Oettingen with Kings Gate

Über die Oettinger Gemeinde ist aus dieser Zeit wenig bekannt, abgesehen davon, dass auch ihr die Verfolgungsjahre 1298 und 1348 zugeschrieben werden. Schon die räumliche Nähe zur nur 15 km betont die lokale Bindung der sicher nur wenigen Juden in Oettingen. 1434 sind nur drei Steuerzahler in dem kleinen Ort verzeichnet. Da 1457 aber bereits die Judengasse erwähnt ist, dürfte es nach der Verlust der Gemeinde in Augsburg 1439 ggf. auch zu Zuzügen aus Augsburg gekommen sein (eine Reihe von Augsburger Auswanderern in die Region nach Ulm, Nördlingen, Lauingen, Burgau, Donauwörth, etc. lassen sich nachvollziehen), freilich wurde die Oettinger Gemeinde, die nun aus sechs Familien bestanden haben soll im Jahre 1488 gleichfalls aufgelöst, unter ihnen ein „Schulklopfer“, was die Existenz einer Synagoge nahelegt. Die Schwierigkeit in der Rekonstruktion der zeitlichen Abfolgen  von mutmaßlichen Vertreibungen und Wiederansiedlungen besteht nicht zuletzt auch darin, dass vorhandene Einträge oder aber auch Lücken in Steuerbüchern oft einzige Anhaltspunkte dafür sind. Freilich kann es für das Fehlen solcher Einträge auch andere Gründe geben. Urkunden können verloren gegangen sein. Die Steuer wurde aus diesem oder jenem Grund nicht erhoben oder anderswo verzeichnet, an einen Dritten abgetreten, usw. Im Jahre 1467 soll sich aber in Oettingen ein Blutwunder zugetragen haben. Im Jahr 1467 schnitt eine Magd Brotstücke für eine Suppe, und aus dem Brot quoll den Berichten gemäß Blut. Da das Geschehen am 20. Januar stattfand und seitens der Kirche dieser Tag dem heiligen Sebastian geweiht war, schlussfolgerte man, dass es sich um „Sebastiansblut“ handelte und errichtete später an Ort und Stelle eine dem Heiligen geweihte und offenbar auch sehr einträgliche Wallfahrtskirche. Wie auch immer, zur Mitte des 16. Jahrhundert sind in Oettingen auf dieser Basis wieder Juden nachweisbar. Freilich war der kleine Ort in der Folgezeit zwischen den auch religiös zerstrittenen Oettinger Herrschaftslinien (Oettingen, Spielberg, Wallerstein) aufgeteilt, was auch die Juden am Ort betraf – jedoch hatten sie gemeinsame Rabbiner (darunter Henoch Sundel und Pinchas Katzenellenbogen) – die am Ort vielleicht die Funktion eines Konflikt- und Familientherapeuten vorwegnahm.  

Um 1760 findet sich die Oettinger Synagoge mit Rabbinerwohnung in der Schaefflersgasse, direkt an der alten Stadtmauer.  Das Gebäude wurde zwar 1853 renoviert, aber bereits vier Jahre später wurde das Rabbinat von Oettingen aufgelöst  und dem in Wallerstein unterstellt. Lebten zeitweilig bis zu vierhundert Juden in Oettingen, so sorgten die  komplizierten Verhältnisse des katholisch und protestantisch geteilten Gebiets und ihrer jeweiligen Herrscher wohl auch dafür, dass Juden in andere Gebiete abwanderten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebten noch etwa 100 Juden am seit 1806 bayerischen Ort. 1933 waren noch 66 Juden in Oettingen. Fünf Jahre später wurde die Synagoge demoliert und die Gemeinde aufgelöst. Das Gebäude existiert heute noch und ist ein privates Wohnhaus mit Arztpraxen. Erhalten ist noch ein großes rundes Fenster mit David-Stern an der Ostwand des Hauses. An der Wand des Hauseingangs befindet sich seit November 2005 ein Memorial in Form zweier drehbarer Walzen mit den Namen von 78 Juden, die bis 1942 in Oettingen lebten. Eine neue jüdische Gemeinde gibt es auch in Oettingen nicht mehr.

The first known Jew from Oettingen recorded in Augsburg as taxpayers is Sara the wife of Isaac of Oettingen in the years from 1408 to 1415 (or 1417). The medieval  history of the Jews of Oettingen however is not much known. In later times the Jews were influenced by the conflict territorial and religious dispute of the rulers of Oettingen who were divided into rivaling branches of Catholics and Lutherans, what also divided the small village of Oettingen, until in 1806 the whole territory became part of the new Bavarian kingdom.   

Also this memorial from 2005 is toying with the idea of replacing the Torah scrolls by the (revolvable) names of Holocaust vistims, as we have seen it another way inside the restored former Synagogue of Hainsfarth, in this case however within the scope or limits of artistic freedom and design.

siebenarmige Menora in Oettingen Kirche mit römischen Ziffern für die “zehn Gebote”.


Karte: Die Juden in Bayerisch-Schwaben

January 31, 2010

Orte mit nachmittelalterlicher jüdischer Geschichte im Bayerischen Schwaben, in Nordschwaben, der ehemaligen österreichischen Marktgrafschaft Burgau und im Medinat Schwaben.

Places in Bavarian Swabia, Northern Swabia, the former (Upper) Austrian Margravate of Burgau and Medinat Shwaben with postmedieval Jewish history.