Der alte jüdische Friedhof von Fürth

May 30, 2011

Neben der Beschreibung der Infrastruktur der jüdischen Gemeinde in Fürth gibt der Nürnberger Pfarrer und Geschichtsschreiber Andreas Würfel in seiner „Historische(n) Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth“  auch Beschreibungen zum jüdischen Friedhof in der Stadt – und für das Jahr 1754 noch eher ungewöhnlich, die Abschrift von immerhin 21 exemplarischen Grabsteininschriften. Der dritte Teil seines vierten Kapitels lautet sodann auch

Von dem Leich-Hof der Juden in Fürth und dem darauf befindlichen Spital

Der Ort wo die Fürther Juden ihr bes chajim haben, war anfänglich sehr klein, drum hat die gesamte Judenschaft bei ihrem merklichen Anwachs noch mehr Land dazu gekauft und das war der Schind-Anger. Solchen kaufte die Judenschaft Anno 1617, den 27. Juli von Elisabeth weiland Hans Lohemanns, gewesenen Waffenmeister in Fürth nachgelassenen Wittib (= Witwe) samt seiner Behausung aller Zugehung um 305 Gulden und 5 Taler Leykauf.“

Durch den Platz des Schind-Angers ist das bes hakkebboros (בית קברות) um ein gutes Teil erweitert worden. Doch weil sie den Platz nicht wie an andern Ort aufschütten, so ist er wieder zu eng geworden. Sie erkauften darum vor drei Jahren, dasjenige Stück Land welches an den Leichhof, gegen das Wasser, anstieß, von dem Singer, einem Bierbrauer in Fürth, um ein beträchtliches Stück Geld, und haben solches auch mit der Mauer eingefasst. In der Zeit da man an dieser Mauer noch baute hat eine verwegene Hand im Monat Oktober, boshaftiger Weise, Grabsteine zerschlagen und in das Wasser geworfen.“ Letzteres war sicher keine leichte Übung.

Darstellung eines Teils des alten jüdischen Friedhofs von Fürth aus dem Jahre 1705 durch den Nürnberger Kupferstecher und Kunsthändler Johann Alexander Boener (1647 – 1720), der vor allem für seine eindrucksvollen Nürnberger Stadtansichten zu Ruhm gelangte.

Source: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:J%C3%BCdischer_Friedhof_F%C3%BCrth_1705.jpg&filetimestamp=20090308082519

Über dem Eingangstor des „Leich-Hofs“ so berichtet Würfel weiter, standen die Worte בית היים, was er wieder in der taitschen Aussprache als „bes chaim“ transkribiert und mit „Haus der Lebendigen“ übersetzt. Neben dem Eingang stand ein Stein mit einem Zitat aus dem Buch Hiob 3.22: sie freuen sich und jubeln, weil sie Gräber finden – „השמחים אלי־גיל ישישו כי ימצאו־קבר“ – datiert war die Inschrift auf das Jahr (5)413, entspricht 1653. Würfel vermutet, dass in diesem Jahr vielleicht auch die Mauer erweitert wurde, was in den Zeiten des vorherigen 30jährigen Krieges wohl nicht geleistet werden konnte. Jedoch wurden (nun) auch Juden aus Zirndorf und Unterfarrenbach in Fürth bestattet.

Die Steine welche die Juden auf diesem Bes Chaim zu Häuptern der Verstorbenen, perpendiculair (senkrecht) aufrichten, geben dem weiten Platz ein prächtiges Aussehen. Manche Aufschriften sind nach jüdischer Art zu denken sinnreich, in den meisten aber ist eine Sammlung großer Prahlerei und unglaublichen Hochmuts enthalten.“

Nichts im Vergleich zu dem, was christliche Würdenträger zu Ehren an Prunkmalen und Kirchen gewidmet wurde, wollte man dem Pfarrer entgegenhalten.

Die Toten-Gesellschaft, der anzugehören eine Ehre sei, die man sich erkauft, so berichtet er weiter, führt auch ein „Memor“, ein Leichenbuch, „in welches sie alle Personen, sie seyen groß oder klein, die sie begraben, einschreiben lassen“.

Eine Besonderheit des Friedhofs (die freilich auch von Kriegshaber/Pfersee berichtet wurde) war das auf seinem Gelände befindliche Hospital. Den Kranken sei damit verdeutlicht worden, dass zwischen ihnen und dem Grab nur ein kleiner Schritt war. Im Spital wurden die Kranken und Kindbetterinnen von sog. „Hekdisch-Leuten“ gepflegt, die ihren Unterhalt von der Kahls-Stube erhielten. Das bedeutet nicht, dass diese „Leute“ besonders „hektisch“ waren. „Hekdesch“ (wörtlich etwa „geheiligt“) war der gebräuchliche Name für Armen- und Krankenhäuser. In Fürth waren die unteren Zimmer des (freilich nicht mehr existierenden) Hauses für Frauen, die oberen für männliche Kranke vorgesehen.

Dieser Beschreibung lässt Würfel nun die Wiedergabe von immerhin 21 „Grab-Schriften mit ihren Übersetzungen“  nebst einer deutschen Übersetzung folgen, eine für die damalige Zeit doch beachtliche Tat, zumal heute in der Gallut allenthalben Grabsteinabschriften von hebräischen Friedhöfen als eine Art heiliger Ware gehandelt werden.

Nach der Inschrift des Aluf Mosche Sohn ben Rabbi David Schmuel findet sich als zweite Inschrift die des Grabmals des Kazin parnas und manhig Isserl bar Mosche s’l Ulmo der 80 Jahre alt wurde und am 19. Kislev 457 (= 3. Dezember 1696) verstarb und demnach 1616 geboren wurde, der enge verwandtschaftliche Beziehungen zu den Ulmo in Pfersee hatte. Ob sich der Grabstein noch unter den erhaltenen des Friedhofs befindet ließ sich in einer nur eineinhalb stündigen Begehung des gesamten Geländes nicht ermitteln. Nur etwa ein Drittel der Grabsteine gelten als erhalten und viele der Denkmäler, insbesondere die älteren hebräischen sind offensichtlich jahrzehntelang der Verwilderung ausgesetzt worden, nachdem sie zuvor von den Nazis umgestoßen oder zerschlagen wurden.

Eine weitere Inschrift ist dem Kazin Rabbi Schlomo Schneor bar Jehoschua Abrawam gewidmet, worin sich die allgemeingültige Formel für jüdische Grabsteine זכרון לדורות מכתב האבן  befindet: zum Gedenken der Generationen ist der Stein geschrieben. Rabbi Schlomo Schneor starb am 11. Tamus 5452 (= 15. Juni 1692).

In der Inschriften-Sammlung von Andreas Würfel aus dem Jahre 1754 finden sich u.a. noch R. Menachem Man ben Mosche (gest. 5415 / 1655), verehrt als „Ner Jisroel“, „Licht Israels“ der Vorsitzender des Bet Din und der Gemeinde in Fürth war. R. Schmuel Behrman Levi ben David Isaak (gest. 5469 / 1709). Auch er war Vorsitzender der Gemeinde, der Wert darauf legte, dass man kein großes Aufsehen um ihn machte und vielleicht gerade deshalb seiner Gemeinde als vorzüglicher Gelehrter galt. No. 12 in der Aufstellung ist der Aluf R. Jakow Meir bar Jehuda Mosche Ulmo, der am 14. Ijar des Jahres 5470 verstarb, was im christlichen Kalender dem 3. Mai 1710 entspricht. Zum Abschluss ein Beispiel aus der Sammlung, das Aufschluss darüber gibt, dass sich Würfel nicht nur auf prominente Gelehrte beschränkt, sondern offenbar eine Art Überblick über die Vielfalt der Inschriften geben möchte. Die Moledet Bela Tochter des Jakob starb am 22. Tischri 5455 (nach Suckot 1695) offenbar bei der Geburt ihres Kindes.

Die 21. Grabinschriften von Andreas Würfel sind wie sein gesamtes Werk online und gratis zugänglich:

http://www.judaica-frankfurt.de/content/titleinfo/603169

bzw. alternativ dazu über Google-Books.

Weit mehr, nämlich 240 Grabsteine dokumentiert das Buch mit zahlreichen, wohl auch älteren Fotos aus der Zeit der Vorkriegsgemeinde, von der früheren Gemeindevorsitzenden von Fürth, Frau Gisela Naomi Blume, die uns freundlicherweise nicht nur eine Reihe von Plätzen des ehemaligen jüdischen Fürth, sondern auch den alten und neuen jüdischen Friedhof vorstellte.

Gisela Naomi Blume: Der alte jüdische Friedhof in Fürth: 1607 − 2007 ; Geschichte – Riten – Dokumentation. Verlag Meyer, Scheinfeld 2007, ISBN 978-3-89014-280-7 (bei Amazon.de derzeit leider vergriffen, jedoch durften wir mal kurz in das Exemplar der Autorin reinschauen)

Frau Blume ist auch seit Jahren damit befasst eine Datenbank mit allen ermittelbaren Begräbnissen, die sich aus Archivmaterial (CAHJP, etc.) ergeben, zusammenzustellen. Ob die ominöse Zahl der 20.000 die oft genannt wird dabei zustande kommt, ist nach unserem Befinden fraglich, jedoch wird es absehbar keine umfangreichere Arbeit zur Dokumentation des jüdischen Friedhofs von Fürth geben. Unser Dank an Frau Blume mischt sich deshalb in die Hoffnung, dass Ihre weitere Arbeit den Erfolg haben wird, die gesammelten Daten bald der interessierten “Forschung” und insbesondere den zahlreichen Nachkommen in aller Welt frei zugänglich zu machen.

Für weiteres Interesse aber auch genealogische Rückfragen zum jüdischen Friedhof oder zur Geschichte der Juden in Fürth verweisen wir sehr gerne auf Frau Blume und ihre neu eingerichtete Webseite mit entsprechenden Kontaktdaten:

http://www.juedische-fuerther.de/

Already in 1754 Christian pastor and historian Andreas Wuerfel from Nuremberg gave a depiction of the old Jewish cemetery of Fuerth along with some 21 detailed transcripts of Hebrew grave markers and – regarding times and circumstances – quite good German translations. At least a number of those depicted stones probably are no longer in existence, so his account – by what motivation ever – is important for the history and documentation. Regarding our own Swabian research it is a quite happy coincidence, that among Andreas Wuefrfels 1754 collection od old Hebrew grave marker inscriptions there also are two relevant Ulmo family connections.

Auch in die umgekehrte Richtung gibt es freilich Bezüge, insofern Grabsteine auf dem Friedhof von Pfersee / Kriegshaber eine Herkunft aus Fürth anzeigen.

Im ältesten bekannten Beispiel betrifft dies :

קלמן בן חנוך מפירדא נפטר ט ניסן ת”צ

Kalman ben Henoch aus Fürth, gestorben am 9. Nissan 5470 (= 29. März 1710)

Desweiteren:

טרנלה בת פרנס הירש נייבורגר מקק פיורדא אשת ליפמן מאיר חזו ומורה מקק גריסהבר יג בטבת שנת תקי”ד

Trenle Tochter des Parnas Hirsch Neuburger aus Fürth Frau des Lipmann Meir Vorsänger und Lehrer der heiligen Gemeinde Kriegshaber, (gest.)  13. Tewet 5514 (= 7. Januar 1754)

Sodann:

ר משה בר יוסף מקק פיורדא נפטר רח ניסן תק”ט

R. Mosche bar Josef aus der heiligen Gemeinde Fürth, gestorben Neumond Nissan 5509 (= 9. März 1749)

Und …:

קעלא אשת משה כהן קאמפע מפיורדא נפ כג סיון תקפ”ה

Kela, Frau des Mosche Kohen Kampe, gest. 23. Sivan 5585 (= 9. Juni 1825)

Finally (vorerst):

יוטא בת בער יאפע מקק פיורדא אשת זיסקינד אפנהיימר מקק פפרשא נפטר ט תמוז תקצ”ו

Juta Tochter von Ber Jafe aus der heiligen Gemeinde Fürth Frau des Siskind Oppenheimer aus der heiligen Gemeinde Pfersee, gestorben 9. Tamus 5596 (= 24. Juni 1836).

Es wäre sicher interessant entsprechende und weitere Verwandtschaftsbeziehungen die es auch logischerweise zwischen den beiden Zentren in Fürth und Pfersee/Kriegshaber/Steppach gab, näher zu beleuchten.

A number of other photographs of the old Jewish cemetery you may find at wikipedia, the pages from several municipal services in Fuert, the Jewish Community of Fuerth, as well as flickr, etc.

Nicht hart genug. Ein Fan-T-Shirt der Spielvereinigung Greuther Fürth (Platz 4 in der abgelaufenen Saison), letztens zu sehen am Bauch eines Biertrinkers in der Fürther Fußgänger-Zone, nimmt Bezug auf das dreiblättrige Kleeblatt (was ornamental wiederum auf den Dreipass – nicht Bypass –  in der Heraldik und im christlichen Kontext die “Trinität” symbolisiert). Als Glückssymbol gilt jedoch das vierblättrige Kleebatt und so bleibt Fürth anders als der in die erste Bundesliga aufgestiegene FC Augsburg  auch künftig Zweitligist. Der Spruch auf dem Shirt jedenfalls lautet: “Und der Herr sprach zu den Steinen: Wollt Ihr Kleeblatt-Fans werden?“ Da antworteten die Steine: „Nein, Herr, dafür wir sind nicht hart genug. „

Was die Fürther Fußball-Fans sagen wollen, ist das sie als “Kleeblätter” härter wären als Stein. Ob das stimmt, lassen wir dahingestellt. Fest steht freilich, dass am alten jüdischen Friedhof in Fürth vielleicht mehr als anderswo in Süddeutschland zwar nicht unbedingt Kleeblätter, so aber doch völlig ausufernder Wildwuchs und kranke umstürzende Bäume den Bestand zahlreicher Grabsteine des Friedhofs akut gefährden, wie eine Reihe umgestützter wuchtiger Bäume belegen, die irgendwo im Dschungel herumpurzeln.

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Impressionen vom jüdischen Friedhof in Pflaumloch

November 19, 2010

בית הקברות היהודי של פפלוימלאך

in the front the grave marker of Chaim Pflaum, died in April 1872 (6th of Nisan 5632)

Unter dem von Efeu völlig überwachsenen Grabstein befand sich ein wohl auch nicht mehr benutztes Vogelnest

head stone of Tirza Adler, died 16th of Sivan in 5636 (8th of June in 1876), who had been the wife of Jakob Adler (sch”tz) a teacher (melamed) in Oberdorf, which only is some 8 km away westbond near Bopfingen ( another easy pronounceable name in that region …) 

… the tree actually has integrated the illegible head stone and grown around it at the upper corner of Pflaumloch Jewish cemetery and thus created a self-developed monument of it’s own and value. The stone now surprisingly is fitting perfectly and almost smoothly in the tree, while in many other places we have seen so many grave markers being destroyed by growing trees: 

another almost integrated and overgrown grave marker right next to the entrance door of the small but remarkable Pflaumloch Cemetery which adjacents to the Christian cemetery of Pflaumloch – Riesbuerg.

The Jewish Cemetery of Pflaumloch with the now adjacent Christian one in front (note the cross of the grave marker).

A wall separates the walled-in Jewish cemetery from the surrounding Christian cemetery in front …

Grabstein der gleichfalls komplett mit Efeu überwachsen war. Das Abzupfen der Blätter brachte diesen menora-artigen Efeu – Wuchs hervor. Die Haftungen des im Winter durch Eis und Schnee schweren Efeus beschädigen die Grabsteininschriften und zerstören sie früher oder später wenn, wie in diesem Fall sich niemand drum kümmert.

Impressions de cimetière juif de Pflaumloch


impressions de hainsfarth juive

October 7, 2010

porte d'entrée avec l'inscription

Hainsfarth est un petit village à côté de Oettingen petite ville dans le district de Souabe bavaroise (80 km de la capitale Érigé: Augsburg). Dans le 18e et 19e siècle dans le village près de la moitié de la population du village était juif. Depuis les nazis il n’y a pas une communauté juive, mais il ya une synagogue restaurée qui est utilisé par la population chrétienne pour les concerts classiques ou des conférences. Il ya aussi un cimetière juif en Hainsfarth avec environ 300 monuments funéraires de la période de 1850 à 1938. La plupart des pierres tombales ont inscription sur les deux faces, l’une en hébreu, l’autre en langue allemande. Malheureusement, beaucoup de pierres tombales sont en ruine ou attaqués par des moisissures.

Il ya une différence remarquable entre l’état actuel du cimetière juif et la synagogue restaurée, qui maintenant est une salle de concert.

Une petite partie de l’argent utilisé pour la restauration de l’ancienne synagogue aurait assez pour préserver les pierres tombales du cimetière.

1.7 km à l’ouest de Hainsfarth il ya Oettingen avec un autre cimetière juif et dans Steinhart, 3,5 km à l’est de Hainsfarth est un cimetière juif à côté de la ruine d’un petit château vieux.


די ייִדיש סעמעטערי פון אַוגסבורג וועט זיין אַ מיסט פּלאַץ

October 2, 2009

עס איז קיין גוטע נייַעס. די אַלט ייִדיש סעמעטערי איז גענוצט ווי מיסט דאַמפּ און נאָבדוי קאַרעס וועגן דאָס. אַלע וויכטיק מענטשן און אַטאָראַטיז קוק אַוועק – זיי זענען צופרידן אָן געשיכטע, זיי זענען צופרידן אָן צוקונפֿט…
אַ מיסט פּלאַץ

אַ מיסט פּלאַץ

וי די נייַ יאָר הייבט עס איז קיין האָפענונג פֿאַר די יזאָוון פון קריעגשאַבער יידנטום.
Müllplatz jüdischer Friedhof

Müllplatz jüdischer Friedhof

    אוגסבורג - בית הקברות היהודי הופך מזבלה

אוגסבורג - בית הקברות היהודי הופך מזבלה

די בילדער זענען פֿון נעכטן.
The Jewish Cemetery of Pfersee / Kriegshaber agains turns into a garbage dump while the ***  responsible authorities look away