שתה מים מבורך ונזלים מתוך בארך

May 15, 2016

Waschbecken Synagoge Nürnberg

basin at Nuremberg Synagogue

שתה מים מבורך ונזלים מתוך בארך

drink water from your own cistern, flowing water from your own well

proverbs 5.15

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Nuremberg Synagogue place 1915 and 2015

December 29, 2015

At the shore of river Pegnitz until 1938 was the Great Synagogue of Nuremberg. As landmark it was one of the most often depicted synagogue sites in Europe on dozens of different postcards, photographed as well as painted – quite different from synagogues in other towns in the very region, such as Munich with just one or two synagogue postcards or Augsburg, with no prewar postcard.

Nuremberg Synagogue place at Pegnitz river 1915 and 2015

The very same perspective today has no indication to the synagogue. How there is a memorial site at the bridge, suggesting the synagogue was exactly there .. and way smaller (“An dieser Stelle stand …”) …:

Nürnberg Synagoge Denkmal Pegnitz

  לזכור את בית הכנסת לשעבר נירנברג

Die Nürnberger Straße der Menschenrechte

September 16, 2015

Nuremberg Straße Menschenrecht Nicht töten Hebräisch

Seit Ende 1993 gibt es in Nürnberg die „Straße der Menschenrechte“, die ihren eigentlichen Namen Kartäusergasse offiziell freilich noch immer behalten hat und vom Kornmarkt zur Frauentormauer verläuft. Entlang des „Germanischen Nationalmuseums“ (als solches ab den 1850ern um ein ehemaliges Kloster herum errichtet) sind 27 hochaufragende Säulen aneinandergereiht die je einen Artikel (in der Regel jedoch nur  Auszüge des Wortlauts) der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (UN-Doc. 217/A-(III) zitieren, zunächst immer auf Deutsch, dann jeweils übersetzt in eine andere Sprache, … von Armenisch bis Zulu.

Nürnberg Straße der Menschenrechte Artikel Germanisches Nationalmuseum Artikel Sprachen languages Human rights artcile Nuremberg Dani Karawan

Betritt man die Straße vom Kornmarkt Richtung Süden, passiert man zunächst ein weißes Tor in welchem Rahmen das (punktierte) hebräische Zitat „לא תרצח“, „töte nicht (morde nicht)“, im christlichen Jargon auch als „du sollst nicht töten“ (thou shalt not kill“) bekannt. Das Zitat stammt nicht aus der Erklärung der „United Nations“, sondern aus der Tora, dem Gesetzbuch des Judentums.

Die erste Säule zitiert auf deutscher Sprache den Beginn des ersten Artikel der Menschenrechtserklärung „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ und als erste zugeordnete Übersetzung wählte man Jiddisch:

אלע מענטשן זענען געבוירן פריי און גלייך אין רעכט און אין כבוד

Yiddish inscription Nuremberg Way of Human Rights article 1Human Rights article 1 in Yiddish language

Für Artikel 15 „Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit“  (Everyone has the right to a nationality)

Ist wiedergegeben: … לכל אדם הזכות לבית

heißen sollte es aber eigentlich wohl כל אדם זכאי לאזרחות

Nuremberg Hebrew article Way of Human rights לכל אדם

Ob die Zuordnungen einen auf die jeweiligen Länder oder Sprachen-Sprecher gemünzten Hintersinn hat, kann man nur vermuten. Ist es eine Besonderheit gerade auf Hebräisch das Recht auf eine Staatsangehörigkeit zu betonen? Vielleicht, wenn man sieht, dass auch heute gewisse Menschen nicht müde werden, die Legitimation des jüdischen Staates in Abrede zu stellen. Dem steht auf Arabisch gefasst das Recht auf Eigentum gegenüber, das in zahlreichen arabischsprachigen Ländern der Welt freilich gibt, wenn auch eher für wenige Herrschende. Zum Ausgleich dafür haben 45 muslimische Staaten 1990 mit der Kairo-Erklärung (‏إعلان القاهرة حول حقوق الإنسان في الإسلام‎) eine eigene Variante der Menschenrechte verfasst, die nicht “universell” ist aber sich strikt nach den Maximen der sog. “Scharia” hält. Gleich ob körperliche Unversehrtheit, Frauenrechte, Meinungsfreiheit, etc. alles ist unter dem Blickwinkel der Scharia gesehen, die zugleich auch die einzige legitime Quelle ist, um die einzelnen Bestimmungen zu beurteilen. Im Prinzip nichts verstanden.

Das Recht auf Versammlungsfreiheit, übersetzte man in Nürnberg tibetisch, den Schutz vor Vertreibung in der Sprache der Roma. Das aktuell gerade in allen Medien diskutierte Asylrecht hingegen begegnet einem in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg freilich auf Armenisch.

Nürnberg Straße der Menschenrechte 30 Artikel Erklärung


Rolf Hofmann – Max Koppel & Söhne, jüdisches Steinmetz-Unternehmen in Nördlingen

December 30, 2013

Neu erschienen im Kokavim – Verlag:

Rolf Hofmann - Max Koppel und Söhne and Sons Kokavim

ROLF HOFMANN – MAX KOPPEL & SÖHNEJüdisches Steinmetzunternehmen in Nördlingen

mit englischer Fassung: Max Koppel & Sons, Jewish Stonemasons in Nördlingen (Bavaria)

KOKAVIM VERLAG, Dezember 2013,

60 Seiten, 12.50 Euro

ISBN 9783944092102

ab sofort erhältlich

bei amazon, weltbild & Co., sowie im Buchhandel

oder direkt bei info@sol-service.de in Schrobenhausen

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Bedeutende jüdische Persönlichkeiten von einst sind heute oftmals vergessen. Dies gilt auch für Max Koppel und seine Söhne, die um 1900 mit ihrem Steinmetzbetrieb in Nördlingen einer der größten Arbeitgeber vor Ort waren. Neben Natursteinarbeiten aller Art fertigten sie auch formschöne Grabsteine die heute noch auf jüdischen Friedhöfen im süddeutschen Raum zu finden sind. Ein besonderes Kennzeichen für Koppel waren schwarze Grabsteine aus Syenit mit aufwendiger  Goldschrift.

Die Maschinen zur Steinbearbeitung stammten von Emil Offenbacher in Marktrewitz, seinerzeit europaweit bekannt für konkurrenzlos erstklassige Qualität. So waren die Koppel‘schen Fabrikanlagen auch überregional von großer Bedeutung. Abgesehen davon war dies wohl einer der wenigen Betriebe dieser Art mit jüdischen Geschäftsinhabern, vielleicht sogar der einzige.“

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Die hochwertigen Grabsteine der “Granit-, Syenit- und Marmorwerke Koppel” aus Nördlingen sind nicht nur auf den Friedhöfen der näheren Umgebung (Wallerstein, Oettingen, Pflaumloch, Schopfloch, etc.) heute noch zu bewundern, sondern in großer Zahl auch in München, Nürnberg und vorallem in Augsburg, wo sich aktuell am Friedhof im Statteil Hochfeld noch 135 namentlich gekennzeichnete Koppel-Grabsteine zählen lassen. Sie alle sind erhaltene Zeugen vom Können einer auch ansonsten geschätzten “Bildhauerei, Syenit- und Marmor-Industrie” der mit königlich-bayrischen und königlich sächsischen Staatspreisen ausgezeichneten jüdisch-schwäbischen Handwerks- und Industriellen-Familie des ursprünglich aus Kleinerdlingen bei Nördlingen stammenden Max Koppel und seiner Söhne David und Emil Koppel.

Die Geschichte des einzigartigen jüdischen Unternehmens in Bayern wurde gründlich recherchiert und geradlinig erzählt vom renommierten Stuttgarter Genealogen und Heimatforscher Rolf Hofmann, mit zahlreichen historischen Abbildungen, nebst englischer Fassung von Yehuda Shenef.

Rolf Hofmann, der sich schon seit Jahren mit Koppel und seinen Werken befasst hat, ist es gelungen, mit seiner Forschung, das beachtliche Wirken der jüdischen Unternehmer vor der Vergessenheit zu bewahren und zugleich Einblicke in die industriellgeschichtlich bedeutsame Entwicklung der Naturstein verarbeitenden Industrie und Handwerk zu bieten.


Arno Hamburger

October 1, 2013

ברוך דין האמת

Arno Hamburger Arno Hamburger (frankenwiki)

Zum Tode des langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Nürnberg und einem engagierten und furchtlosen Kämpfer für Anstand (wer gibt sonst schon einen Staatsorden zurück aus Protest ?) gilt an diesem Morgen unser Beileid den Angehörigen und seinen zahlreichen Freunden in aller Welt.

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Dass die meisten deutschen Juden in der Zeit des Nazi-Regimes ermordet, enteignet oder vertrieben wurden, ist weithin bekannt. Weniger, dass die Großzahl der Juden die nachher im dann geteilten, schließlich wieder vereinigten Deutschland lebten, nicht hier geboren wurden und in der Regel auch nicht von deutschen Eltern oder Großeltern abstammten. Die meisten Juden, die das Leben der Nachkriegsgemeinden prägten, wurden oft als Jugendliche von den Nazis verschleppt, meist aus Polen und Ungarn oder aus anderen osteuropäischen Ländern. Als Zwangsarbeiter schufteten sie unter brutaler Ausbeutung ihrer schwindenden Kräfte in der Rüstungsindustrie in einem irrsinnigen Netz von KZ-Außenlagern, das über ganz Deutschland gespannt war und beinahe jedes Kaff zu Mittätern machte.  

Arno Siegfried Hamburger, der am 26. September im Alter von 90 Jahren in seiner Geburtsstadt Nürnberg verstarb, war einer der wenigen deutschen, besser gesagt heimischen Juden, dem man seine heimatliche Verbundenheit auch anhörte. Damit unterschied er sich von der jüdischen Nachkriegsgemeinde. Zwar wurden die Zuwanderer im Lauf der Jahrzehnte heimischer in „seiner“ Geburtsstadt, doch viele der Nachkommenden emigrierten in die USA oder nach Israel, so auch Hamburgers Tochter Ursula, die in Tel Aviv für die deutsche Botschaft arbeitet. Ihm selbst, dem Nürnberger Metzgersohn aus der Schwabacher Straße gelang 1939 die Ausreise dorthin. Nachdem in der sog. „Kristallnacht“ auch sein Ausbildungsbetrieb ruiniert wurde, gab es dort für den damals 15jährigen Lehrling keine Arbeit mehr. Da die Repressalien der Nazis gegenüber den bereits stark benachteiligten Juden sich weiter zuspitzten, beschloss die Familie den Jungen „nach Palästina“ zu schicken, was so einfach aber auch nicht war. Zunächst musste er ein „Vorbereitungslager“ der Jewish Agency in Blankenese in Hamburg besuchen, das damals noch von den Nazis geduldet wurde, hatte es ja doch das Ziel Juden aus Deutschland rauszubringen. In dem Lager wurden monatlich etwa 80 Jugendliche aus verschiedenen Teilen Deutschlands auf ihre landwirtschaftliche Verwendung in „Eretz Jisrael“ geprüft. Damals im April 1939, während des Pessach-Festes war Arno Hamburger von seiner Familie in Nürnberg getrennt, trotzdem aber nur einer von 17 Jugendlichen aus Nürnberg. Da die verfügbaren Plätze begrenzt waren, konnte nur etwa jeder siebte Teilnehmer des Lehrgangs (heute könnte man von einer „Casting-Show“ sprechen) berücksichtigt werden und der 16jährige Arno Hamburger zählte zu den glücklichen Gewinnern. Die anderen 16 aus Nürnberg konnte man dann im „Schoa-Buch“ der Stadt Nürnberg finden, wie er später oft erzählte.

Nach der Kapitulation des Nazi-Regimes kehrte Hamburger, der zwischenzeitlich für die britische Armee gekämpft hatte, nach Nürnberg zurück und fand dort eine Anstellung als Übersetzer bei den sog. „Nürnberger Nachfolgeprozessen“. Arnos Vater Adolf Hamburger wurde Vorsitzender der neugegründeten jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Als er 1966 aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder kandidierte, wurde sein Sohn Stellvertreter des neuen Vorsitzenden Paul Baruch (1896 – 1988), der in der Vorkriegszeit bereits Friedhofsverwalter in Nürnberg war. Im Jahr darauf setzte sich Hamburger dafür ein, dass die dreihundert Jahre zuvor von mittelalterlichen Friedhof der Reichsstadt geraubten Grabsteine der Nürnberger Juden, die im Südturm der Lorenzkirche als zugeschnittene Stufen einer steinernen Wendeltreppe missbraucht wurden, der jüdischen Gemeinde übergegeben wurden. Seit 1970 hängen die Steine im Tahara-Haus des neuen jüdischen Friedhofs.

1972 wurde Arno Hamburger selbst erster Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Seine größte Leistung war im September 1984 die Einweihung des neuen Gemeindezentrums mit Synagoge und Altenheim an der Johann-Priem-Straße. Mit der Zuwanderung sog. „Kontingentflüchtlinge“ aus der ehemaligen UdSSR nach 1990 stieg im Laufe der Jahre die Zahl der fast schon wieder aussterbenden Gemeinde von kaum 300 immer weiter auf zwischenzeitlich etwa 2000 an. Selbstverständlich war die schrumpfende Gemeinde auf den „Ansturm“ nicht vorbereitet und ist bei „hinten und vorne nicht“ ausreichender Infrastruktur bis heute überfordert. Bis zuletzt setzte sich Hamburger immer wieder für einen längst überfälligen Erweiterungsbau ein. Doch wenn nur die Hälfte derer, die nun schöne Reden auf ihn halten etwas dafür tun, käme er bald zustande.

Im Olympia-Jahr 1972 wurde Arno Hamburger auch als Mitglied der SPD-Fraktion erstmals in den Nürnberger Stadtrat gewählt, dem er bis zuletzt angehörte. Bei der letzten Stadtratswahl im Frühjahr 2008 erhielt der damals auch bereits 85jährige Hamburger immerhin 82.779 Erststimmen als Stadtrat der SPD. Nur sechs andere Kandidaten erhielten etwas mehr Zuspruch, davon lediglich der Oberbürgermeister deutlich mehr. Für die anstehende Neuwahl des Stadtrats im Frühjahr 2014 hatte der nunmehr 90jährige Hamburger im Juni dieses Jahres jedoch auf eine weitere Kandidatur verzichtet. Von 1976 bis 1992 war Hamburger auch Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Nürnberg, der es in seiner Amtszeit immerhin in Handball-Bundesliga schaffte.

Allgemein gewürdigt wurde Arno S. Hamburger seit langem für sein unermüdliches Engagement das durch die Nazis in den Müll getretene Ansehen seiner Heimatstadt zu rehabilitieren, freilich ohne in die allgemein gewünschte Amnesie zu verfallen. Hamburger, der nie verlegen war, seine klaren Standpunkte deutlich zum Ausdruck zu bringen, stand Pate dafür, dass Nürnberg als selbsternannte „Stadt der Menschenrechte“ aber nicht in die Geschichtslosigkeit abhob. Bis zuletzt setzte er sich deshalb für ein Verbot der extremistischen NPD ein, deren Umfeld er weder über-, noch unterschätzte. Eine Position die auch deshalb umso glaubwürdiger geblieben ist, weil er anders als viele andere, die er selbst als „nützliche Idioten“ bezeichnete, seine Lebensgeschichte, wie auch die des „Holocausts“ nicht missbrauchen ließ, um Stimmung gegen den Staat Israel und seine Politik zu machen. Arno Hamburger stand stets aufrecht zum jüdischen Staat, auch in Zeiten, als die deutsche Öffentlichkeit dazu übergegangen war, sog. „Antizionisten“ mit „Lametta“ zu behängen.

Als ein halbes Jahr nach dem sog. „Gaza-Krieg“, der vor allem in Deutschland für massive Kritik gegen Israel sorgte, die frühere Rechtsanwältin und kommunistische Aktivistin Felicia Langer im Juli 2009 mit dem „Bundesverdienstkreuz erster Klasse“ ausgezeichnet werden sollte, drohte Arno Hamburger damit, das seinige, dass er zuvor für seine „Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden“ erhalten hatte, zurückzugeben. Langer, die Jahre zuvor bereits die umstrittenen Aussagen über „israelischen Staatsterror“ des früheren FDP-Politikers Möllemann verteidigt hatte, hatte dem Judenstaat nun selbst „Apartheid“ und „Völkermord“ vorgeworfen, weshalb es für Hamburger „ganz und gar unerträglich“ war, eine Auszeichnung bekommen zu haben, mit der man „so jemanden“ auch auszeichnen konnte. Einen solchen „Lügenpreis“ wollte er nicht behalten. Die Proteste halfen nichts. Angesichts der damals sehr verbreiteten „bloß anti-zionistischen, nicht antisemitischen“ Stimmung im Lande, fand die Anwältin genug Zuspruch. Doch anders als der nur um einen Monat jüngere Hamburger Publizist und Schriftsteller Ralph Giordano etwa hatte Hamburger nicht nur mit der Rückgabe gedroht, sondern gab die Auszeichnung tatsächlich zurück. Damit sorgte er dann sogar für weltweite Schlagzeilen, weshalb es auch nicht verwundert, dass man ihm auch heute, in der Nachricht seines Todes internationale Aufmerksamkeit widmet, und ihn auch israelische Medien als einen „unwavering supporter of Israel“ oder „חבר נאמן של מדינת ישראל“ (d.h. als „treuen Freund des Staates Israel“)  bewundert und betrauert, auch wegen der Tatsache, dass er als einziger, der zahlreichen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Juden in Deutschland und der Welt, den Mut hatte, seine Auszeichnung zurückzusenden. Er hatte nicht vergessen, dass er einst als einziger aus seiner Gruppe überlebt hatte. Möge sein Andenken und seine Aufrichtigkeit unvergessen bleiben und Nachfolger finden.

(Nachruf für das “Euro-Journal pro Management”)


Erinnerung an die große Synagoge in Nürnberg

August 14, 2012

postcard ca.1920 and situation today

Am 21. Elul 5634 (= 8 September 1874) wurde der 1870 begonnene Synagogenbau zwischen Pegnitz-Ufer und Hans-Sachs-Platz in Nürnberg eingeweiht. Es war nicht die einzige Synagoge in der Geschichte Nürnbergs und in jener Zeit, doch es war sicher die imposanteste und am meisten fotografierte. Wohl von keiner anderen deutschen Synagoge erschienen so viele unterschiedliche Postkarten (von Augsburg bis heute keine), von Photographien und Malereien ganz zu schweigen. Julius Streicher (geb. in Fleinhausen/Dinkelscherben bei Augsburg) war dies ein Dorn im Auge, vielleicht auch ein Busch. Seiner Ansicht nach passte sie nicht in das Stadtbild der „deutschesten aller deutschen Städte“ und so kam es, dass die Synagoge bereits am 10. August 1938, ein Vierteljahr vor der sog. „Reichskristallnacht“ zerstört und binnen kurzer Zeit beseitigt wurde. Die Überreste und Erinnerungen an den früheren Prachtbau wurden durch eine völlige bauliche Umgestaltung in der Nachkriegszeit entsorgt, auch begünstigt durch eine gewisse Amtskontinuität.

"Hans sucks ..."

Memorial of Hans Sachs (1494-1576), German “Mastersinger” and playwriter, who became famous because of the “Meistersinger” opera by Richard Wagner. The monument at former Spitalplatz (now Hans-Sachs-Platz), planned in 1872, was established in June 1874, severeal weeks before the almost completed synagogue (groundbreaking 1870) was inaugurated. Note the homophone “alternative” spelling of the name sprayed on the left of the official dedication: “Hans sucks …”

Modell der Großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz (im Adolf-Hamburger Seniorenheim der IKG Nürnberg)

Heute erinnert am Hans-Sachs-Platz gar nichts mehr an die frühere Existenz der Synagoge. Erst seit 1971 gibt es auf der früheren Rückseite bei der Heubrücke an der Pegnitz eine sog. “Gedenkstätte”, die seitdem aus mehreren deutschen und hebräischen Inschriften und Steinen mit einem Relief der Synagoge und zuletzt im November 2001 um eine Tafel erweitert wurde, die an den früheren Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg Leo Katzenberger, der von den Nazis ermordet wurde, erinnern will:

Zum Gedenken an LEO KATZENBERGER Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg 25.11.1873 – 3.6.1942 – verhaftet und angeklagt aufgrund der „Nürnberger Gesetze“, in einem Schauprozess des Sondergerichts Nürnberg ohne Schuld verurteilt und hingerichtet als Opfer der NS-Rassenjustiz.“

(Translation: In Memory of LEO KATZENBERGER head of the Jewish community of Nuremberg 1873 – 1942, arrested and accused on the basis of the “Nuremberg Laws” in a tribunal of the special court Nuremberg sentenced without guilt and executed as victim of the Nazi racial justice)

Leo Katzenberger war von 1939 bis 1942 der letzte Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Er wurde beschuldigt ein sexuelles Verhältnis mit der „Arierin“ Irene Seiler, die in einer seiner Mietwohnungen lebte, gehabt zu haben und wurde deshalb wegen Verstoßes gegen die sog. „Volksschädlingsverordnung“ (VVO) von einem Nürnberger Gericht zum Tode verurteilt und am 3. Juni 1942 in München geköpft. Irene Sailer wurde wegen „Rassenschande“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Tatsächlich bestand zwischen beiden jedoch nur ein Mietverhältnis. Im 1961 gedrehten US-Spielfilm „Das Urteil von Nürnberg“ mit Spencer Tracey, Richard Widmark, Montgomery Clift, Burt Lancaster, William Shatner u.a. der sich mit den Nürnberger Prozessen gegen NS-Juristen beschäftigt, wird Irene Seiler von Judy Garland gespielt.

Judy Garland interview on the importance of the Nuremberg movie and her role (5044)

Pultähnliche Stele mit der Aufschrift:

An dieser Stelle stand die im Jahre 1874  fertig gestellte und im maurischen Stil erbaute Nürnberger Hauptsynagoge. Noch vor der Kristallnacht wurde sie am 10.8.1938 von den NS-Machthabern zerstört und abgetragen.“

Man braucht keine historischen Photographien, an denen es wie bereits erwähnt nicht mangeln würde, um festzustellen, dass, anders als der Text behauptet, die Synagoge nicht nur an “an dieser Stelle” stand, sondern durchaus “etwas” größer war. Der Stil der Synagoge war auch nicht “maurisch”, allenfalls wies die Fassade einige orientalisch anmutende Ornamente auf und es waren auch nicht die “Machthaber” des NS-Regimes, die das Bauwerk zerstörten (dafür waren Leute wie Hitler, Streicher, Goebbels persönlich wohl zu kränklich), sondern junge Nürnberger Nazis und auch an denen bestand kein Mangel. Anstelle lapidar darauf hinzuweisen, dass die Synagoge “abgetragen” wurde (womöglich durch den Wind?), hätte der Text auch dazu Bezug nehmen können, warum der Platz in der Nachkriegszeit nicht wieder für den Neubau oder gar die Rekonstruktion der Synagoge benutzt wurde. Platz wäre dafür gewesen, für die weitere Inschrift und für entsprechende Baumaßnahmen.

(At this spot was the main synagogue of Nuremberg which in 1874 was established in Moorish style. Still before the Kristallnacht on 10th of August 1938 it was destroyed by the Nazi rulers and “carried away” – Of course the place of the synagogue was a little bit bigger than the small desk-like memorial. The style of the synagogue of course was not “Moorish” as maintained also by the Nazi who argued this way against the building as inappropriate in “the most German of all German cities”. The building just had some ornaments at the facade. The same way you can say every bulbous tower of countless churches especially in Southern Germany were “Moorish”)

An beiden Seiten des Pult-Denkmals steht in deutscher und hebräischer Sprache  geschrieben ein halber Vers aus dem Buch des jüdischen Profeten Chagai (חגי):

מי בכם הנשאר אשר ראה את־הבית הזה בכבודו

Was übersetzt wurde mit: “„Wer ist unter euch noch übrig, der dieses Haus in seiner Herrlichkeit gesehen hat?“”

(Chagai 2.3: Who is left among you that saw this house in its honor?)

Der Vers vollständig zitiert würde so weiterghen:

מה אתם ראים אתו עתה הלוא כמהו כאין בעיניכם

Und was seht Ihr jetzt? Hat es irgendeinen Wert in Euren Augen ..?“ (And what are you seeing now? Has it any value in your eyes?)

Man kommt doch ein wenig ins Grübeln, warum der zweite Teil des Verses weggelassen wurde. Vielleicht weil die Anspielung reichte, vielleicht weil 1971 aber noch immer eine Zeit war, in der man es bei solchen Anspielungen belassen musste. 2012 jedenfalls ist auch das vergessen.

Auf der rechten und linken Seite des Pult-Denkmals befindet sich nun an den Mauern ebenfalls in deutscher und hebräischer Sprache ein weiteres Zitat aus der jüdischen Bibel, nun aus dem Buch der “Sprüche” (Proverbs):

כי־תאמר הן לא־ידענו זה הלא־תכן לבות הוא־יבין ונצר נפשך הוא ידע והשיב לאדם כפעלו

(in order to read the Hebrew text it was neccessary to remove some foliage first)

… was auf der gegenüberliegenden Seite übersetzt wurde als „Wenn man sagt: Sieh, wir wussten nichts davon! Glaubst Du nicht, dass er, der das Herz des Menschen kennt, ihn durchschaut? Er vergilt dem Menschen nach seinen Taten

במקום בית הכנסת שעבר נירנברג יש זיכרון אשר מנציח הבניין וראש האחרון של הקהילה היהודית אשר נהרג על ידי הנאצים

(wikipedia)

(כל טקסט ותמונות על ידי יהודה שנף, אם לא צוין אחרת)


Dürer Hase Nürnberg

August 10, 2012

Albrecht Dürer (1471-1528) was a Nuremberg born German painter and printer and is known for a number of portraits, e.g. Emperor Maximilian, Jakob Fugger, himself, etc. Best known however is his “young hare”, which today is a quite common marketing item (T-Shirts, cards, posters, etc.).

There also is a huge hare monument from german artist Jürgen Goertz (born 1939) next to Nuremberg castle, which refers to Dürers famous work. However the brazen sculpture from 1984 by many is regarded rather as a kind of “monster” and therefore is somewhat controversial.

Maybe to avoid further controversies a little bunny was added in fromt of the sculpture:

Altough the sculpture many regard as ugly it has a number of details with many additional little hares: