Rabbi Yom Tow Lippmann Heller

August 25, 2017

Rabbi Jom Tow Lippmann Heller : 

יום-טוב ליפמן הלר

:(Jahrzeit 6. Elul (Todestag):

(Judengasse in Wallerstein)

Rav Gerschon Schaul Yom Tov Lippmann Heller ben Natan haLevi wurde 1579 im bayerischen Wallerstein geboren. Früh verwaist wurde er von seinem Großvater aufgezogen und lernte als Junge zunächst in der Friedberger Jeschiwa von Rav Jakow Günzburg (gest. 1616) und dann beim Maharal von Prag (Rav Juda Löw, 1520-1609). Mit knapp achtzehn Jahren wurde er vom Maharal zum Rabbiner ordiniert und fungierte sodann als Dajan in Prag.

Zwischen 1614 und 1617 veröffentlichte Rav Heller seinen Kommentar zur Mischna Tosafot Jom Tow, der noch heute zu den wichtigsten Mischna-Kommentaren gehört. 1624 war er sechs Monate lang Rabbiner von Nikolsburg in Mähren und wurde im März 1625 Rabbiner in Wien, wo er den dortigen Juden erhebliche Rechte erstritt.

1627 bis 1629 amtierte er als Rabbiner von Prag. Dort folgte innerjüdischen Streitigkeiten über Steuererhebungen seine Inhaftnahme durch die habsburgischen Behörden und seine Inhaftierung in Wien. Er wurde antichristlicher Aussagen angeklagt und schließlich durch den Hofjuden Jakob Bassevi (1570-1634) unter der Bedingung freigekauft, die Habsburger Lande zu verlassen.

Den Rest seines Lebens verbracht Rav Heller in Polen: 1631 wurde er Rabbiner von Nemirov und 1634 in Ludmir, beides heute in der Ukraine gelegen. Er wurde eine einflussreiche Kraft im Va’ad Arba Aratzos und 1643 zum Aw Bet Din von Krakau gewählt. In seinen letzten Lebensjahren füllte er auch die Position des Oberrabbiners von Krakau aus. Er starb 1654 in Krakau und ist in der Sektion für arme, unbedeutende Leute auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

Grabstein in Krakau

 

Text: Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland @ http://www.ordonline.de

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Ber Ulmo – Tage des Gerichts

November 12, 2012

Aktuell: Buch-Lesung am Mittwoch 12. November 2012, 18 Uhr im ehemaligen Zollhaus Kriegshaber

Am Abend des 23. September 1803 wurden im heutigen Bayerisch-Schwaben, das damals teilweise noch zu Österreich gehörte, an über einem Dutzend Orten zeitgleich die jüdischen Gemeinden Gegenstand polizeilicher Razzien. In Pfersee, Kriegshaber, Steppach, Fischach, Binswangen, Buttenwiesen, Ichenhausen, Hürben, Fellheim, Altenstadt, Osterberg, Hainsfarth, Pappenheim und wahrscheinlich noch an anderen Orten kam es zum selben Szenario.

Während die Juden an jenem Freitag-Abend in ihren Synagogen waren und zwei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur den Beginn des Schabbat feiern wollten, drangen überall grimmige mit Bajonetten bewaffnete Soldaten ein und hielten Männer, Frauen und Kinder stundenlang fest. Unter massiven Drohungen durfte niemand aufstehen oder reden. Einzelne jüdische Männer, in der Regel Vorstände ihrer Gemeinden oder zumindest angesehene Kaufleute, wurden verhaftet und entweder nach Günzburg oder Donauwörth gebracht. Die Anzahl der Verhafteten kann auf über 60 Personen geschätzt werden. Oft dauerte es aber Wochen oder gar Monate, ehe die Häftlinge in den Eisenhäusern erfuhren, weshalb sie überhaupt verhaftet und angeklagt wurden. Willkürlich und kafkaesk wie die Verhaftungen waren auch die Bedinungen der Haft und der Ermittlungen.

Vor dem Hintergrund europaweit operierender Geldfälscherbanden, die sich besonders darauf spezialisiert hatten sog. Wiener Bankozettel zu fälschen, wurden die Verhafteten beschuldigt, einen jüdischen Fälscherring zu betreiben und an ihren Wohnorten in Dachböden versteckte Druckereien zu betreiben. In Straßburg gab es in den darauffolgenden Jahren eine Serie von Prozessen gegen Geldfälscher, die meist von Frankreich oder dem damals noch nicht unabhängigen Belgien heraus operierten. Sie fälschten insbesondere Wiener Banknoten, aber auch andere Währungen, verteilten sie aber hauptsächlichen in deutschen Gebieten, vor allem an Handelsorten wie Frankfurt und Leipzig, aber auch in Süddeutschland. In der Mehrzahl der Banden arbeiteten Christen und Juden als Fälscher zusammen. Meist waren jedoch die Juden für den Umtausch oder Verkauf der Banknoten zuständig, während ihre christlichen Komplizen Druckplatten gravierten, Papier besorgten, usw. Manche der Fälscherbanden weigerten sich aber auch mit Juden zusammenzuarbeiten. Der Gedanke, im damals österreichischen Schwaben eine rein jüdische Fälscherbande als Drahtzieher der internationalen Geldfälschungen ausfindig zu machen, muss für die Ermittler ein sehr verführerischer Gedanke gewesen sein, weshalb sie den falschen Anschuldigungen eines gleichfalls schwäbischen Denunzianten nur zu bereitwillig Glauben schenkten. Dieser war selbst ein Jude, konvertierte später jedoch zum Katholizismus und wurde Diener eines Kardinals in Rom.

Grabmal des Ber Ulmo am jüdischen Friedhof Pfersee / Kriegshaber (Augsburg)

Einer der unschuldig Verhafteten war Ber Ulmo (1751-1837), auch bekannt als Bernhard Ullmann, der von 1781 bis zu seinem Tod insgesamt 56 Jahre lang Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Pfersee bei Augsburg war, die lang den Sitz des angesehenen und berühmten Rabbinats von Medinat Schwaben innehatte. Ber Ulmo begann noch in der Haft einen Bericht über die Verhaftung und Haftbedingungen zu verfassen und vollendete ihn wenige Wochen nach der Freilassung im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1804.

Als im Jahre 1861 in Augsburg die Israelitische Kultusgemeinde formell durch den bayerischen König Maximilian II anerkannt wurde, übersetzte Ber Ulmos Sohn Jonas den Text seines Vaters in jüdisch-deutscher Sprache. 1928 fertigte Jonas Neffe Carl Jonas Ulmann von dieser jiddischen Fassung in New York eine englische Übersetzung und ließ sie als Privatdruck in einer kleinen Auflage von hundert Exemplaren drucken. Diese verschwanden im Laufe der Zeit. Nur einige wenige Exemplare befinden sich in Bibliotheken über den Globus verteilt. Ab und an taucht auch ein Exemplar im Onlineangebot eines Antiquariats auf.

Anhand einer Abschrift der hebräischen Handschrift ist es Yehuda Shenef gelungen, den hebräischen Text erstmals in deutsche Sprache zu übersetzen und dabei die Fehler der englischen Übersetzung zu vermeiden. Damit konnte ihm auch gelingen die wesentlichsten Protagonisten der Handlung zu ermitteln und den historischen Kontext der Handlung herauszuarbeiten. Neben den tatsächlich stattfindenden Fälscherprozessen jener Jahre ist dies insbesondere die parallel verlaufende Geschichte der Ansiedlung jüdischer Bankierfamilien aus Kriegshaber in Augsburg. Sie waren von den Verhaftungen nicht betroffen, beschafften den verschuldeten Augsburgern jedoch horrende Kreditsummen und erhielten als erste Juden seit dem Mittelalter die Garantie eines bleibenden Wohnrechts in der Reichsstadt, während in Pfersee die kostbare Talmudhandschrift abhandenkam, die als älteste fast vollständig erhaltene der Welt gilt und deshalb von zentraler Bedeutung für das Judentum ist. Ihr letzter bekannter jüdischer Besitzer war Ber Ulmo. Heute befindet sich die “Pferseer Handschrift” in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Ber Ulmos Augenzeugenbericht ist ein authentisches Zeugnis jüdisch-schwäbischer Literatur aus der Umbruchzeit der Napoelonischen Kriege, in welcher unsere heutige moderne Welt ihre Gestalt annahmen. Seine Schilderungen bieten eine Fülle von Informationen aus erster Hand und ermöglichen es die moderne Geschichte der Juden in Augsburg unter anderen Gesichtspunkten zu sehen. Ein Muss für jeden historisch interessierten Leser.

Im Herbst 2012 als Buch mit Begleitkapiteln, Karten und Abbildungen erschienen im Kokavim-Verlag

Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo

152 S. , 24.50 Euro

ISBN 978-3-944092-00-3

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder online

bei Amazon, Ebay, Weltbild und Co.

http://www.amazon.de/Tage-Gerichts-Bericht-Ulmo-Pfersee/dp/3944092007


Die alten jüdischen Friedhöfe von Ulm

June 6, 2012

In Ulm gab es zwei mittelalterliche und zwei neuzeitliche jüdische Friedhöfe. Der erste, mindestens seit dem späten 13. Jahrhundert bestehende befand sich im Bereich des späteren Neuen Tors, das wegen der Nähe zum Friedhof auch „Judentor“ oder „Judenturm“ genannt wurde. Ab 1315 ist außerhalb des Tors ein zweiter jüdischer Friedhof bekannt, der wohl bis zur Ausweisung der Juden aus Ulm im Jahre 1499 benutzt wurde.

Der Ulmer Stadtmaler Philipp Renlin notierte das Gelände in seinem 1597 fertig gestellten Stadtplan, der als ältester der Stadt Ulm gilt (http://www.ulm.de/sixcms/media.php/29/4_1_M1.pdf). Im Laufe der Zeit wurden bei Bauarbeiten immer wieder Grabsteine und Knochenfunde gemacht.

Im März 1987 wurden beim Bau des „Fernmeldeamts“ auf dem Gelände des jüngeren Judenkirchhofs 22 weitere Skelette gefunden, die zunächst in den Keller des Ulmer Museums gebracht und dann im jüdischen Teil des Friedhofs an der Stuttgarter Straße erneut beigesetzt wurden, dort allerdings anonym. Die Grabsteine der mittelalterlichen jüdischen Friedhöfe wurden wie andernorts von der christlichen Einwohnerschaft als Baumaterial missbraucht.

In der Ulmer Rabengasse 7 befindet sich an der Fassade ein kleiner hebräischer Grabstein, der auf Grund seiner Datierung zum zweiten der beiden mittelalterlichen Grabplätze gehören dürfte.

ציון

הלו לרא

מ חנה בת ר

תו ש’נ כ’ב

טבת ק’ד

תנצבה

Bezeichnet ist Chana, Tochter des namentlich abgekürzten Rabbi “Tu”. Die Vermutung, dass die Abkürzung für Tobias stehen könnte, ist nicht plausible, da der Name hebräisch  טוביה geschrieben wird, also mit einem anderen Buchstaben beginnt. Da andere bekannte Möglichkeiten ausscheiden, könnte es für Tuwal stehen, in der Tora erwähnt als Sohn des Lamech und Enkel des Kajin, nachdem er auch Tuwal-Kajin hieß und der als Stammvater aller Schmiede und Erzwerker galt. Ein  ר תובל wäre zwar gewiss ungewöhnlich, aber zumindest noch möglich, da andere mit תו beginnenden Namen für das 14. Jahrhundert nicht in Frage kommen. Das Kürzel  ש’נ ist sicher kein Bestandteil des Namens, sondern steht für שנפטר dem sogleich das Datum des 22. Tewet 104 folgt, was im christlichen Kalender Freitag, den 9. Januar 1344 entspricht.

Im Eingangsbereich des Ulmer Münsters befindet sich nun der wuchtige Grabstein der Mina aus dem Jahr 1288, also noch vom ersten mittelalterlichen Friedhof:

האבן  הזאת

שמתי  מצבה

לראש מרת מינה

בת ר יצחק הלוי

הנפטרת ביום  ו

כ’ו באלול מ’ח

לפרט לאלף השש

מנוחתה בגן עדן

אמן  א  א סלה

Diesen Sein setzte ich als Erinnerung zum Haupt der Frau Mina Tochter des Rabbi Jitzchak Ha-Levi, die verstarb am Tag 6, dem 26. Elul 48 nach der Zählung für das sechste Jahrtausend. Sie ruhe im Garten Eden. Amen, amen, amen, sela.“

Der 26. Elul im Jahr 5048 entspricht dem 26. August 1288 im christlichen Datum, jedoch war es ein Donnerstag (Tag 5) und kein Freitag (Tag 6), wie am Grabstein notiert. Wahrscheinlich starb Mina in der Abenddämmerung nach der im jüdischen Kalender die Tageszählung beginnt.

* * *

Weitere Grabsteine befanden sich in der Bauhütte des Ulmer Münsters.

ציון

הלו לראש

מרת מרים בת

ר שלמה שנפטרת

ביום ד כ’ה באייר

ס’ה לפרט לאלף

ששי …. מנו

בגן עדן עם ש

אמן אמן אמן סלה

Dieses Denkmal zum Haupt der Frau Mirjam Tochter des Rabbi Schlomo, die gestorben ist am Tag 4, 25. Ijar (im Jahr) 65 nach der Zählung für das sechste Jahrtausend. Sie ru(he) im Garten Eden … Amen amen amen sela“ (= Mittwoch, 19. Mai 1305)

 

* * *

הנפטר פה

קבר לאיש תם

… ברית לרב  …

גבר הוא שמעון

בר מנחם ז’ל נקב

בר ביום …

כ’ה סיון רנ’א

… חסד …

Der hier begrabene Verstorbene ist der bescheidene Mann … des Bundes … ein Held … es ist Schimon bar Menachem seligen Angedenkens begraben … am Tag … 25. Sivan 251 …“

Die nicht vollständig erhaltene Inschrift ist Schimon dem Sohn des Menachem gewidmet, der am 25. Sivan 5251 verstarb ( = Freitag, 3. Juni 1491). Es ist der letzte bekannte Grabstein aus den mittelalterlichen jüdischen Friedhöfen in Ulm. Acht Jahre später wurde die bereits stark geschrumpfte Gemeinde aufgelöst und die verbliebenen Juden der Stadt verwiesen.

 

Es folgt das eigentümlich gestaltete Fragment zur Erinnerung an Frau Brundlin, dessen Jahreszahl leider nicht erhalten blieb. Brundlin war die Gattin des Rabbi Jakob und starb am Schabbat, dem 20. Ijar. Da das Datum etwa dreimal pro Jahrzehnt auf einen Samstag fällt, blieben entsprechend viele Möglichkeiten zur Spekulation offen.

פה נקברה מרת ברונדלין

בת ר יעקב שנפטרת ביום

שבת עשרים באייר

Die Inschrift wurde mit einer Reihe anderer hebräischer Inschriften erhaltener mittelalterlicher Grabsteine bereits im Jahr 1849 durch den seit 1834 in Kappel bei Bad Buchau tätigen Chasan und jüdischen Lehrer Leopold Nathan Hofheimer (1810-1865) veröffentlicht.

Weitere von ihm genannte Inschriften:

 

ציון הלו לראש

ר משה בר גרשון

אשר נקבר כ’ב סיון יום ג

קל’ט לפרט תנצבה אמן סלה

Dieses Denkmal ist zum Haupt des Rabbi Mosche bar Gerschon der starb am 22. Sivan am Tag 3 (= Dienstag) (im Jahr)  139 …“ Das Datum entspricht dem 7. Juni 1379.

הישיש הנאמן הזקן

ר יוסף בר מנחם הנאסף

למנוחה יום מנוחה

ה’ כסליו שנת קכ’ו לפרט

Diese Inschrift erinnert an den „Ältesten und Greisen Rabbi Josef ben Rabbi Menachem der zur Ruhe gesammelt wurde am 5. Kislev des Jahres 126 nach der Zählung“ (= Donnerstag, 20. November 1365)

האבן הזאת שמתי לראש

ר קלונימוס בר שלומיאל

הנקבר תשרי יום א ק’מ’ד לפרט

תנצבה אמן אמן אמן סלה

 

Diesen Stein setzte ich zum Haupt von Rabbi Kalonimos ben Rabbi Schlumiel, der begraben wurde (im Monat) Tischri Tag 1 (des Jahres) 144 nach der Zählung …“

Das Datum Tischri 5144 stimmt mit dem Oktober 1383 überein. Es ist anzunehmen, dass in der Überlieferung der Tag des Monats verloren ging. „Tag 1“ bedeutet von der Formulierung den Wochentag nicht das Datum – das wäre im Fall des Tischri das Neujahrsfest und im Jahre 1383 wäre es zudem noch ein Schabbat gewesen – sondern den Wochentag. Da es zusätzlich zu Neumonden und dem wöchentlichen Schabbes im Monat Tischri mit dem Neujahrsfest, dem Versöhnungstag (Jom Kipur) und Suckot (Laubhüttenfest) keinen Mangel an Feiertagen (an denen keine Beerdigungen stattfinden dürfen) gibt, kommt als Datum fast nur der 23. Tischri in Betracht. Das wäre Sonntag, 20. September 1383.

Etwas eigenartig ist jedoch der überlieferte Name des „Schlumi‘el“ (שלומיאל), meist שלמיאל geschrieben und jiddisch deshalb “Schlemil” gesprochen. שלעמיל ist dabei zum Synonym für einen Menschen geworden, der scheinbar vom Unglück verfolgt wird, ein Pechvogel. Die oftmalige Verwechslung mit einem „Schlimasel“ erklärt ein geläufiger israelischer Witz:

מה ההבדל בין שלומיאל ושלימזל

… השלומיאל הוא המלצר שצלחת המרק הרותח נפלה מידו, והשלימזל הוא זה שהמרק נשפך עליו

Der Schlemil ist demnach einer, der als Kellner einen Teller mit heißer Suppe fallen lässt, ein Schlimassel hingegen wäre demnach der, welcher es abbekommt.

Wie dem auch sei, ist Schlumi’el ein, wenn auch wenig geläufiger Name, der erst ab dem 19. Jahrhundert (Heine, etc.) seine „witzige“ Note bekommt. In der Überlieferung gilt Schlumiel ben Zur-Schadai als ursprünglicher Name von Simri ben Salwa, der von Pinchas erschlagen wurde (siehe 4. Moses 25.14 במדבר). Als Oberhaupt des Stammes Schimon hatte er sich mit einer Moabiterin eingelassen.

Leopold Nathan Hofheimer, der Sohn des Hoffaktor David Zwi Hirsch Hofheimer (1780-1832) und Hendle Hirschfeld (1780-1855), einer Nichte des Arztes und Sexualforschers Magnus Mordechai Hirschfeld (1868-1835), der als Wegbereiter der Homosexuellen-Bewegung gilt, hat noch einen weiteren hebräischen Grabstein aus dem Ulmer Mittelalter überliefert.

 (ןה)לרא)ש ר אליקום בר יהודה הכו)

שנפטר י’ד באלול יום ב קי’ח לפרט

תנצבה עם צדיקים בגן עדן

“ … (zum Hau)pt von Rabbi Eljakum ben Rabbi Jehuda Ha-Ko(hen), der verstarb am 14. Elul, Tag 2 (Montag) (im Jahr) 118 nach der Zählung … seine Seele sei eingebunden im Bund des Lebens mit den Gerechten im Garten Eden.“

Das Datum des 14. Elul 5118 entspricht dem 19. August 1358.

* * *

Augsburg und viele andere Städte in Deutschland und Europa sind mit Ulm vor allem durch die weitverbreitete in der Mitte des 15. Jahrhunderts zunächst von Augsburg nach Ulm gewanderte, nach 1500 überall verstreute Familie der Ulmo-Günzburg verbunden, von denen einige wenige Generationen später nach Pfersee vor die Tore der alten Heimatstadt Augsburg zurückkehrten. Ihre Nachkommen leben heute in aller Welt.

The Jewish history of Ulm is closely related to the Augsburg one. Not only because in earliest time there were a number of inter marriages between Ulmer and Augsburg Jews as well as scholars from Ulm who became rabbis in Augsburg and the other way around, but also because a considerable number of Jews who had to leave Augsburg about 1440 moved to Ulm. After the following expulsion from Ulm some sixty years later they settled in the area between the two cities of their origin. A number of them adopted the name Ulmo, which usually is referred to the City of Ulm, but also has another religious meaning in Hebrew. The Ulmo – Ginzburg family, which is widespread in whole Europe and the world today, also re-settled in Pfersee about one mile away from the Imperial City of Augsburg.

In Ulm there were two medieval Jewish cemeteries (Judenkirchhof) next to the former “Neues Tor” (New Gate, which does no longer exist), which therefore also was called the “Jews Gate” or “Jews Tower”. After the expulsion from Ulm, the tomb stones – as in many other cities – were mis-used by the local Christian inhabitants as building material, for instance for the later famous Ulmer Minster, for the city fortification or as decorations at houses, etc. Time and again construction works bring further fragments from our Jewish past into light as well as bones and skulls as it happened in 1987 when skeletons of 22 Jews buried at the medieval 14th to 15th century cemetery were “dis-covered” and later buried at the Jewish section of the new municipal cemetery.

Ulmo grave marker from Pfersee (1695) at Pfersee/Kriegshaber cemetery in Augsburg

 


Burgau revisited

April 19, 2012

Burgau und die nach ihm benannte Markgrafschaft im heutigen bayerischen Schwaben war von etwa von 1300 bis 1800 für ein halbes Jahrtausend österreichisches Gebiet. Wenngleich nicht immer ein zusammenhängendes Territorium und zeitweilig eher eine Art Fleckenteppich, war es doch ein politisch und kulturell zusammenhängendes und funktionierendes Teil der österreichischen Monarchie.

Der Name Burgau wird wohl treffend als Burg-Au gedeutet, denn um die Mitte des 12. Jahrhunderts werden in Augsburg erstmals „Herren von Burgau“ erwähnt. Im Jahre 1212 werden deren Nachkommen zu Markgrafen ernannt und in der Folge orientierten sich die Burgauer wohl bereits an den Habsburgern, die bald versuchten die schwäbischen Gebiete für ihr Reich zu sichern.

Als 1324 zur erfolglosen Belagerung durch Soldaten des Wittelsbacher Kaisers Ludwig Bayer. 1418 verhinderten Augsburg und Ulm einen Verkauf der Gebiete an Bayern, da man in den Reichsstädten um die eigene Unabhängigkeit fürchtete und deshalb – später auch unter dem Einfluss der Fugger – eher den Vorderösterreichern zugeneigt war.

Mit dem 30jährigen Krieg endete die Herrschaft in Burgau, dessen letzter Markgraf Karl 1618 verstarb. Als Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich und der nicht standesgemäßen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) war Karl nicht voll erbberechtigt. Der Markgraf und seine Frau waren bei ihren Untertanen nur mäßig beliebt, da sie ihre beargwöhnte Verbindung mit religiösem Eifer kompensieren wollten. 1516 führte dies zu einem Bierverbot in Burgau und im Jahr darauf zur Ausweisung der Juden (unter den auch Brauer waren). 1518 starb er sodann und wurde hernach in Günzburg bestattet, wo er ziemlich verschwenderisch mit seiner Frau gelebt hatte. Die Markgrafschaft wurde sodann von den Habsburgern in Tirol regiert und von ihnen in Günzburg ein Landvogt eingesetzt. Um 1805 gingen die Gebiete der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau an Bayern. Heute hat Burgau etwa 9000 Einwohner, wovon 7000 am Ort selbst leben, der natürlich über die mittelalterliche Stadt hinausreicht. Seit einigen Jahren ist die Bevölkerungszahl rückläufig.

Altes Rathaus von Burgau

Die jüdische Geschichte in Burgau ist in erster Linie mit Schimon ben Elieser Ulmo (1506-1585) verknüpft, der in Günzburg geboren wurde, in Burgau aufwuchs, dort Rabbiner und Leiter eines talmudischen Lehrhauses war und nach seinem Tod auch begraben wurde. Er war ein großer namhafter Gelehrter, kaiserlicher Hoffaktor, ein großer Mäzen und Autor gelehriger Bücher in taitscher Sprache. Sein Vorfahr Falk Lemlin (1390-1465) hatte 1438 Augsburg verlassen müssen und ging nach Ulm. Der Lehrer seiner Kindheit in Burgau war Rabbi Jona, der Sohn von Jakob ben Jehuda Weil, der letzte überregional bedeutsame Gelehrte  Augsburgs, der die Stadt 1438 als einer der ersten verließ und schließlich nach Erfurt ging. Auf seinen Schriften fussen die heutigen Verodnungen der Schechita.

 

Ausschnitt aus Simon Ulmo’s taitscher Erklärung hebräischer und aramäischer Redensarten aus Mischna und Talmud

 

Aus dem Jahr 1470 ist in einer Urkunde in Graz Salomon von Burgau mit weiteren Juden von Ulm wegen Geldleihen an einen christlichen Kleriker erwähnt, wobei es sich wohl um einen Verwandten Simons handelt. 1587 verfügt die Markgrafschaft, dass Juden den Christen rechtlich gleichgestellt seien. 1593 erhält Lemle von Burgau (ein Sohn von Simon) von Freiherr Ferdinand von Grafeneck das Schloss und Dorf Hasenweiler bei Ravensburg, da dieser eine Schuld über 3500 Gulden nicht bezahlen konnte. Es folgten jedoch über Jahre andauernde Rechtstreitigkeiten, ehe Dorf und Schloss für 16.000 Gulden an das Kloster Weingarten verkauft und Lemle ausbezahlt wurde.

Ende Dezember 1596 klagten christliche Bewohner in Burgau über die Burgauer Juden, da diese wegen ihrer Feiertage keine Rücksicht auf die christlichen Feiertage nehmen würden und zudem offenbar auch verlangten, dass ihre christlichen Bediensteten an diesen Tagen für sie arbeiteten. Dies wurde am Ort wohl als Verspottung der „wahren“ christlichen Religion durch die „verdammten“ Juden aufgefasst. Als Rabbiner in jener Zeit ist in den Raittungen (Rechnungen) von Burgau „Leo Jude, Lehrmeister“ notiert. Gemeint ist Jehuda Schmuel (1538-1604), Sohn des Simon Ulmo-Günzburg, der mit Frau und Sohn verschiedentlich genannt wird, 1599 etwa „Leo Jud, Lehrmaister und sein Sohn Itzig Jud der Jung Lehrmaister und Schulklopfer“. 1602 heißt es statt „Leo“ (sowohl Lew als auch Leo dienten häufiger als Umschreibungen des Namens Juda) nun „Leb, Itzig Jude, Lehrmaister und sein Mueter“. Itzig kennen wir aus hebräischen Quellen als Itzchak ben Jehuda Schmuel Ulmo (1570-1618) . Seine Frau wird in der Liste ab 1619 folgerichtig als „Itzig Jüdin, Lehrmaisters Witib“, also als Witwe des Lehrmeisters Isaak verzeichnet.

Im Jahr 1617 veranlassten Markgraf Karl und seine fromme Frau Philippine aus dem Haus der Augsburger Patrizier Welser, das im Jahr 1614 seinen „Falliment“ erklärte, d.h. pleite war , die „Ausschaffung“ der Juden aus Burgau. Ob es wirklich zum Weggang der Juden führte ist unklar. Möglicherweise verließen die Burgauer Juden, die gerade den frühen Tod ihres Rabbiners zu beklagen hatten, den Ort unterhalb der Burg tatsächlich kurzfristig, um vielleicht in Scheppach oder Günzburg Unterschlupf zu finden. Spätestens nach dem Tod des letzten Markgrafen kehrten sie jedoch wieder zurück, weshalb wir ab 1619 sodann auch die Witwe des Rabbiners als Steuerzahlerin finden. Von 1622 bis 1631 wirkte sodann David, der Sohn des Isaak als Rabbiner, dessen Bruder Abraham siedelte sich in Pfersee an. Eine Rechnung aus selber Zeit über verlangte Abgaben für Stadtwächter aber auch für Kriegskosten an die Burgauer Juden in Höhe von stattlichen 200 Gulden. 1611 belief sich die jährliche Höhe der jüdischen „Sitzgelder“ auf rund 185 Gulden. Die Wächter wurden offenbar auch zur Abwehr der Infektion benötigt, an der viele Einwohner erkrankt waren und starben. Die Pest wird häufig als Argument gebraucht, um die Ausweisung der Juden aus Burgau zu begründen, doch wurde diese bereits 1617 angeordnet und bleib offensichtlich folgenlos. Als 1631 aber bereits schwedische Truppen immer tiefer nach Deutschland vordringen klagen nun die Juden in Burgau in Augsburg gegen den Burgauer Stadtprediger Kaspar, da dieser einigen Aufruhr erhebt, vor der Synagoge und dem Lehrhaus randaliert und Verleumdungen verbreitet oder auswärtigen jüdischen Händlern nachgeht und gegen sie mitunter handgreiflich wird. Einen Juden aus Steppach, wo wie in Pfersee Söhne und Enkel der Ulmo vor Jahrzehnten ausgesiedelt waren, habe er so mit einem Stecken angegriffen, usw. Mit dem weiteren Vormarsch der Schweden hatten Burgau wie auch der Dorfprediger im Folgejahr jedoch ganz andere Sorgen. Auch die jüdische Geschichte in Burgau endet mit den weitgehenden Zerstörung des Ortes.

Doch aus dem Jahr 1653 ist in Burgau der Jude Josef notiert, der gegen Wilhelm Konrad Schenck von Stauffenberg klagt, da dieser offenbar seine Schulden nicht bezahlen konnte. Da er als Josef von Burgau bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er tatsächlich am Ort lebte. 1665 wird über die Wiederansiedlung von Juden in Burgau verhandelt. Die Rede ist „wie von alters her“ von acht oder neun Familien. Christliche Prediger vor Ort sind anderer Ansicht und sprechen davon, dass sie „solches Ungeziefer“ nicht wieder haben wollten. Offenbar wurde dem Begehren zumindest einiger Juden trotzdem nachgegeben, da sich im Dezember 1668 der aus Pfersee stammende Jude Hertzog  in Burgau meldet und darauf hinweist, dass vor dem großen Krieg (wohl 1631) sein Großvater die Judenschule „auf eigene Kosten und zur Ehre Gottes und ihm zu Nutze und Heil habe erbauen lassen“, weshalb er nun darum bat, dass man ihn nun doch bitte nicht abweisen möge deswegen. Es ist zu vermuten, dass es sich bei jenem Hertzog (oder Hitzig) um Isaak, den Sohn des letzten Rabbiners David Ulmo handelte. Ob es ihm gelang das Gebäude in der heutigen Stadtstraße, dass den Krieg wohl wenigstens teilweise überstanden haben muss, wieder erlangte ist nicht bekannt, muss aber bezweifelt werden, da es in der Folgezeit nur noch spärliche einzelnen Nachrichten über Juden in Burgau gibt. Dabei handelt es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lediglich um Bestimmungen für auswärtige jüdische Händler, die an jenen Tagen und Stunden am Markt sein dürfen.

Die vielleicht größte Anzahl von Burgau folgte dann aber wohl erst rund 275 Jahre nach dem Ersuchen von Isak Ulmo aus Steppach, als nämlich von 1944 bis 1945 für die Dauer etwa eines Jahres in Burgau ein Arbeitslager errichtet wurde, in welchem jüdische Zwangsarbeiter, die aus Osteuropa verschleppt wurden (während im Gegenzug schwäbische Juden nach Polen deportierte) für Messerschmidt im sog. „Kuno Werk“ im Scheppacher Forst Düsenjets montieren sollten. Insgesamt etwa 1100 Gefangene wurden dort unter schlechtesten Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt. Über die Anzahl der Toten gibt es keine Zahlen, jedoch wurde in einem Pressebericht anlässlich der Errichtung eines Gedenksteins vor einem Jahr, die Zahl von 18 namentlich bekannten Toten erwähnt. Diese sind in der Inschrift nicht aufgeführt, stattdessen ein deutsches Zitat aus dem Buch Hiob:

Wenn ich daran denke, erschrecke ich und mein Zittern ergreift meinen Leib

Und darunter: „Zum Gedenken an die Verfolgten der NS-Herrschaft. Ihr Leiden und Sterben sei uns Mahnung zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Stein erinnert an diejenigen, die im Burgauer KZ-Außenlager gelitten haben.“

Dass es sich bei den Gefangenen um Juden handelte, war den Verfassern so wenig Notiz wert, wie auch sonst in Burgau eigentlich nichts mehr an die lange über zweihundertjährige jüdische Geschichte erinnert.

Am 23. April 1945 bombardierten US-Flieger siebzig startklare Messerschmitt Jets und das Werk entlang der heutigen Karlsbader Str. im Süden der Stadt. Im Norden hingegen befindet sich der jüdische Friedhof von Burgau, nördlich der Eichenstraße. Grabsteine sind keine mehr erhalten und der Platz selbst längst nicht mehr ummauert. Die Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

* * *

Burgau today is a small town with some 9000 inhabitants but it has a rich history with a number of quite interesting Jewish aspects. For the period of a half millennium Burgau was capital and eponymous for the Austrian forelands of Margravate Burgau which reached from Ulm to Augsburg.

Simon ben Elieser Ulmo Günzburg (1506-1585) one of the most important scholars of his times lived in Burgau where he was a rabbi and head of a prominent yeshiva. His Jewish-German collections of sayings of course were inspired by the language of the region. Until 1631 there was a Jewish community in Burgau, which also had an own cemetery. The year after the Thirty years War (1618-1648) afflicted the town and region. In the following decades and century there are only scarce notes on Jews in the town. About 1668 Isaac from Pfersee, offspring of the former Burgau builder of the new synagogue for a last time tried to return to the heritage, but obviously failed. Christian preachers had warned against “such vermins”.

275 years alter however, when Burgau had some 3000 inhabitants in the south of the town there was the Burgau satellite concentration camp “Kuno Werke” with some 1100 Jewish prisoners abducted in Hungary and Poland, who were forced to assemble Messerschmitt jet fighters. The number of victims is not known, but last April a monument with a quote from the Book of Job was erected in order to commemorate this part of the past. However nothing reminds of the history of the almost three centuries long Jewish community of Burgau. The old Jewish cemetery north of Burgau’s Eichenstr. has no markers left and no fence or wall. It just is an arable field, dugged up for generations.

The (hand)writing on the pavement cobble says that “Burgau is older than Munich“, whatever this information does amount to. Actually Burgau is first mentioned in an Augsburg deed in 1147, Munich in 1158 (“Augsburger Schied”)

כבש הזהב של בורגאו


Der falsche Prophet von Günzburg

December 19, 2011

In seinem 1713 bei Lublin gedruckten Fragen-und-Antworten – Buch אור של תקווה zitiert R. Menachem ben Naftali Hirsch eine lange zurückreichende Anekdote aus der Zeit um Jahr 5290 (= ca. 1530), als in Günzburg ein wahrscheinlich protestantischer Prediger auftauchte und die Juden davon überzeugen wollte, dass die „neuen Christen“ sich mit den Juden versöhnen wollten, sobald die Muslime die falschen (oder: leeren) Christen und den Papst beseitigen würden. Zitiert ist die Antwort von Jona bar Jakow Weil, dem Nachkommen des letzten mittelalterlichen Rabbiners in Augsburg und damaligen Rabbiners von Günzburg, Er antwortet etwas ironisch, dass man doch erst einmal die nächsten dreißig Jahre abwarten soll, um zu sehen, ob davon auch wirklich etwas eintreffen werde. Tatsächlich wurde der Künder seitens der Regierung aber bereits schon nach nicht mal dreißig Tagen gehängt.

Die grundlegende Frage, die der Verfasser, mit diesem und einer Zahl weiterer zitierter Geschichten beantwortete war jene, ob den Versprechungen Fremder zu trauen ist, Juden zu retten. Das Fazit lautet, dass nur das Vertrauen auf den Einen Gott verlässlich ist, falsche Propheten jedoch ganz wie Rambam es sagt, nicht zur Tora hin, sondern immer von ihr wegführen wollten.

Um das Jahr 5290 (על שנת רצ) kam ein neuer christlicher Botschafter (שליח נוצרי חדשה) nach Ginzburg und Leipheim. Er besuchte die Synagoge und sagte uns, dass die Muslimim (שהמוסלמים) bald kommen, um die Juden zu retten aus der Unterdrückung der falschen Christen (נוצרים שווא). Die Leute Mohameds kämen nach Rom um den Papst zu töten und gleich danach blieben nur noch wahre Christen und die Juden übrig. Nun kommt Jesus der Messias um alle als seine Leute zu versammeln und alle werden Brüder sein.

Morenu Jona bar Jaakow Weil sagte ihm, es wäre gut, erst mal die kommenden dreißig Jahre abzuwarten, ob etwas wie dieses geschehe. Er sagte ihm auch, dass er davon hörte, dass die Muslimim auch viele Juden getötet haben. Noch nicht mal dreißig Tage nach diesem wurde der Botschafter seitens der Regierung gehängt. So ist die Erkenntnis daraus, dass man sich nicht stützen soll auf einen falschen Propheten, sondern nur auf den einen Gott.

Die Hoffnung, dass die Muslime Rom erobern, den Papst töten und das “falsche Christentum” abschafften, ist etwas eigenartig, aber wohl nur im zeitlichen Kontext zu verstehen. Interessant ist der Hinweis auf Juden in Leipheim, die der allgemeinen Ansicht nach aber bereits im Jahr 1503 von dort ausgewiesen worden sein sollen.

According to an anecdote by Rabbi Menachem Hirsch, about the year 1530 a “new Christian messenger”  had come to Guenzburg and Leipheim in order to persuade the local Jews of the arrival of the Muslims in Rome who would kill the pope there and extinguish the fallacious Christianity which suppresses the Jews. Only true Christians and the Jews would survive and when Jesus arrived they would live in harmony as brothers.

The Guenzburg Rabbi Yona Weil, himself an offspring of Yakob Weil, last rabbi of medieval Augsburg, replied that one at first should wait some thirty years and see if something of the prophecy will take place. But he also pointed out that he heard that the Muslim also had killed a number of Jews. However not even thirty days later, the new (likely Protestant) preacher was hung by the government.

The anecdote among others was told in order to give an answer to the raised question whether promises of gentiles to save or to rescue Jews are trustworthy. The conclusion of the author of course is no other that only the One God is trustworthy and that all false prophets or preachers and reformers just lead astray from the Tora.

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Juden in Günzburg

December 18, 2011

Über die jüdische Geschichte Günzburgs ließe sich – und lässt sich – einiges erzählen, verknüpft sich mit dem Ortsnamen doch bereits eine in vielen Varianten bezeugter Bezug von Juden in aller Welt, deren Familiennamen Günzburg, Ginzburg, Ginsburg, Ginsberg, Gainsbourg oder wie sonst noch geschrieben werden.

Nach allgemeiner Auffassung steht die Ansiedlung der Juden in Günzburg mit der Vertreibung von Ulm aus dem Jahre 1499 (1503 sodann aus Laupheim) in Verbindung, was eine frühere Anwesenheit nicht zwangsläufig ausschließt.  

Der wohl bekannteste Günzburger wurde bald am Ort geboren: Schimon ben Elieser Ulmo-Günzburg (1506-1585), auch bekannt als Seligmann Ginzburg und als Stammvater der weltweit verstreuten Ulmo und Günzburg Familie (nicht alle Träger des Namens sind jedoch zwangsläufig Verwandte, während viele tatsächliche inzwischen andere Namen haben). Er wurde wohl in der Judengasse, der heutigen Münzgasse / Eisenhausgasse geboren und wuchs in Günzburg als nachkomme Augsburger und Ulmer Juden auf. Später erbaute er im benachbarten Burgau die Synagoge und stiftete der jüdischen Gemeinde einen Friedhof. Sein Reichtum war legendär und so dürfte er auch in Günzburg entsprechend wohltätig gewirkt haben, wie dies auch sonst von ihm bezeugt ist. Einige seiner Söhne und Töchter gingen nach Frankfurt am Main, andere jedoch nach Pfersee an der Wertach, wo sie bald zu den Führern der drei Fagasch-Gemeinden gehörten, womit sich der Kreis sodann auch wieder schließt.

Wo sich an der Judengasse in früheren Zeiten wohl die Synagoge befand steht heute ein Bankhaus und davor der „Schweinchen-Brunnen“ eine moderne Skulptur, die einen Schweinhirten und ein paar Schweine zeigt, die dort seit 1990 Halt machen, was niemanden stören muss, freilich aber auch nicht alle Aspekte der Ortsgeschichte angemessen reflektiert, oder vielleicht auch doch.

Ein dazu zitierter Vers jedenfalls sagt:

„Seit 1990 schon, ihr liabe Leit, am Wätteplatz dean Brunna geit, dau riesalat a Wasser na, send Suckla mi ma Händler dra, der lädt ui ei, dau zum verweila, dia stenkat nemme heit, dia Säula!”  Sie stinken nicht mehr die Schweinchen.

In Günzburg selbst erinnert heute nichts an ihn  und an die 1617 bereits wieder aufgelöste jüdische Gemeinde, dafür setzte die Stadt Josef Mengele, ihrem anderen „bekannten Sohn“ ein Denkmal, welches mittels einer Anzahl eigenartig schablonierter Augen-Masken seinen Opfern gedenken soll. Unmittelbar daneben befindet sich ein weit schlichteres zweites Denkmal, welches „den Opfern von Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung“ gedenkt, freilich datiert auf die Jahre 1945-1946, was den größeren Teil der jüdischen, bereits ermordetet Opfer ausschließt.  Aber wahrscheinlich war das eine Denkmal in Verbindung mit dem anderen als Konzession möglich.

Eigenartiger Weise gibt es in Günzburg doch noch ein „jüdisches“ Denkmal, das Janusz Korczak (Henryk Goldszmit, 1878-1942) gewidmet ist, der als Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Warschau ein Vorläufer liberaler Erziehungsmethoden war, aber von den Nazis mit seinen Kindern ermordet wurde. Mit Günzburg hat dies an sich nun gar nichts zu tun und die Tafel neben der Skulptur, die von dem israelischen Künstler Yitzak Belfer geschaffen wurde, nennt deshalb auch keine Namen ermordeter Kinder, deren man gedenken wollte, sondern jene von Sponsoren, die das Monument finanzierten, um in Günzburg einen Teil der Geschichte zu gedenken, der sich anderswo zugetragen hat. Sogar das Kernkraftwerk Gundremmingen zählt zu den edlen Spendern. Da  für diesen Zweck bloße Augen-Schablonen nicht reichten, konnte, man dies gewiss nur auf diese Weise ausführen.

 

Günzburg in the US is mostly known by countless Jews who bear the family name Ginzburg in one spelling or another. A Jewish presence in the small town at the Danube river which was a center of Austrian Swabian margravate until early 19th century is recorded about the time from 1500 when Jews were expelled from Ulm until the beginning of the Thirty years war. Shimon ben Elieser himself was born in Günzburg and was the head of the communities in the region. Three of his sons had moved to Pfersee at Wertach river, next to Augsburg were Shimon ben Elieser s ancestors once came from.  Today almost nothing reminds of the former Jewish community. At the spot of the supposed 16th century synagogue  today is a bank house with a modern swineherd fountain in front, so that there is no doubt about and likewise for the future.

Günzburg also was hometown of the infamous Josef Mengele (1911-1979). Close to the former Jewish alley there now is a memorial with a number of stereotyped eyes which is to remind of the victims of the of the white coat murderer.  Another memorial reminds of Janucz Korczak from Warsaw who never has been to Günzburg of course. A plate also does not list the name of the murdered children, but the donators who of course in no way could have remained in the background.