Jahrzeit für Rabbi Samson Wertheimer

August 11, 2017

Rabbi Samson Wertheimer  Jahrzeit 17. Aw (= Todestag, Gedenktag)

Der erstgeborene Sohn von Samson (Schimschon) Wertheimer war Schimon Wolf Wertheimer, der als Gesandter des polnischen Königs in Pfersee und Augsburg lebte und Hoffaktor in München war, wo aus seiner Familie die moderne jüdische Gemeinde  Münchens hervorging. Schimon Wolf Wertheimer ist am jüdischen Friedhof von Pfersee/Kriegshaber begraben, wie zahlreiche Angehörige der Wertheimer-Familie.

Mehr Info: https://www.bod.de/buchshop/das-haus-der-drei-sterne-yehuda-shenef-9783743100695

 

http://www.ojm.at/wertheimerhaus/bild01/

 

Rabbi Samson Wertheimer

 Jahrzeit 17. Aw (= Todestag, Gedenktag)

Rav Samson Wertheimer wurde 1658 in Worms geboren. Er lernte in den Jeschiwot von Worms und Frankfurt und heiratete 1684 eine Tochter des Rabbiners von Mannheim. Durch deren Verwandten Samuel Oppenheimer (1630-1703), des einflussreichsten Hofjuden am Wiener Hof, kam Rav Wertheimer nach Wien, das nach der Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670 nur Juden das Wohnrecht gestattete, an denen der Staat großes Interesse hatte. Er wurde bei Hof als Mitarbeiter Oppenheimers eingeführt und führte in dessen Abwesenheit die Geschäfte als Finanzier und finanzieller Berater des Kaisers Leopold I. Der Kaiser hielt so große Stücke auf Rav Wertheimer, dass sie eine enge Beziehung entwickelten, von der beide immens profitierten. Rav Wertheimer war von 1694-1709 der de facto Finanzminister der Kaiser Leopold I, Joseph I und Karl VI und wurde von Leopold I auch auf diplomatische Missionen entsandt. Er unterstützte die österreich-ungarischen Habsburger im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714).

Sein Organisations- und Verwaltungstalent erweiterten u.a. den Salzhandel für den Kaiser und Rav Wertheimer wurde zu einem der reichsten Juden seiner Zeit. 1712-1722 finanzierte er den Druck des Talmuds in Frankfurt unter der Aufsicht seines Schwiegersohnes Moses Kann und nutzte seinen Einfluss, die Verbreitung des antisemitischen Werkes Johann Eisenmengers anfänglich zu unterdrücken.

Es wurde ihm trotz allem verwehrt, in Wien eine jüdische Gemeinde zu gründen und er wurde Rabbiner im 60 km entfernten Eisenstadt, wo sein Palais, in dem auch die Synagoge war, noch heute zu sehen ist. Er nahm den Titel „Landesrabbiner von Ungarn“ an, doch es wurden ihm viele andere rabbinische Ehren angeboten, die er ablehnte. Er hatte den Ruf eines Talmid Chacham (Toragelehrter), dem halachische Fragen angetragen wurden und dessen Schriften zu Tora, Midrasch und Kabbala als Handschriften erhalten sind.

Er starb 1724 in Wien.

 

Text vom aktuellen “Daf Paraschat HaSchawua

zum Dwar Tora der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland http://www.ordonline.de


750 Jahre deutsch-jüdische Familiengeschichte(n) in Böhmen und Schwaben

May 21, 2015

JHVA Vortrag 66 Sudetentag Augsburg 2015 jüdisch-deutsche Familiengeschichte Jewish German family history

Am 23. Mai im Augsburger Messezentrum, Halle 3, 15 Uhr 30, gibt es einen Vortrag zur Jahrhunderte alten Verbindungen schwäbischer und böhmischer Juden.

Seit dem Mittelalter bis zur Neuzeit gab es einen regen Austausch von Juden in Böhmen und Schwaben, insbesondere zwischen den Zentren Prag und Augsburg/Pfersee (Kriegshaber). Daraus resultierten zahlreiche Familienverbindungen mit prominenten Rabbinern und Gelehrten. Erhalten sind u.a. noch historische Kochrezepte aus dem Jahr 1699 oder als Geruchsprobe der einst berühmte Kriegshaber Duft …

Das jüdische Geschichte immer Familiengeschichte ist, wird auch hier besonders deutlich. Der Vortrag führt ein in die grundsätzlichen Voraussetzungen und Anzeichen für enge Verbindungen, die zu den bedeutendsten des europäischen Judentums gehören und viel mehr Substanz beinhalteten als allgemein bekannt ist und längst nicht nur prominente Familien wie die Ulmo, Oppenheimer und Wertheimer betrifft.

Der Vortrag findet statt im Rahmenprogramm des 66. Sudetendeutschen Tages in Augsburg.

Neben dem Vortrag wird der JHVA in Halle 5 auch noch mit einem eigenem Stand vertreten sein, wo als besonderes Highlight unter anderem auch nach historischen Vorbildern maßgeschneiderte jüdische Hoffaktoren-Gewänder zu sehen sind (Barock, Rokoko und Biedermeier).

Wir freuen uns auf die Begegnung und das offene Gespräch mit den Gastgebern und Besuchern.

Simon ben Sanwil Ulmo Pfersee 1645 - 1720 Yehuda Shenef (Yehuda Shenef)

היסטוריה המשפחתית יהודית בבוהמיה ושוואביה

Jewish family history in Bohemia and Swabia

židovská rodina historie v Čechách a Švábsku

Еврейская история семьи в Чехии и Швабии

אידישער משפּחה געשיכטע אין בעהמן אונד שוואבן

قصص عائلة يهودية في بوهيميا وسوبيا

judovski družini Zgodbe na Češkem in Švabske

Histoires familiales juives en Bohême et en Souabe

storie familiari da ebrei in Boemia e Svevia

Ættfræðiheimildir gyðinga í Bæheimi og Swabia


לזכור יוחנן לואב בן קלמן

July 5, 2010

ביום 22 תמוז בשנת 1910 מת יוחנן לואב בנו קלמן ומירה ובעלה של אסתר מנדל. רבים אבותיו היו רבנים, אביו, סבו וסבא רבה שלו בפראג ובצ ‘כיה. חלק אבותיו היו גם מבוואריה שוואביה מן המשפחות של ורטהיים, אולמא (אולמן) ,אופנהיים. הוא היה חזן של הקהילה היהודית ומורה לילדים קטנים. הוא גם כתב שירים רבים.

יוחנן ואשתו אסתר היו עשרים וארבע ילדים/ לידות – ביניהם שש התאומים וחמש הפלות. הנכדים שלהם חיים כיום ב13 מדינות בחמש יבשות. יוחנן היה איש מאוד יפה אהוב על נשים וחברים. רבים מחבריו היו אנשים מפורסמים בפראג, למשל ריכרד ויינר. הוא היה ציוני וחרדי – הקדים את זמנו.

היום, לפני מאה שנה, הוא נרצח על ידי אנטישמים, בגיל 34, 5 יולי 1910.

 

 

אם אני הולך לשם  

אני הולך לשם איתך

ואם אני למות

אני אמות למענך

זה כל מה שאני יכול לעשות

השאר… נוכל לראות

(יוחנן לוב, כ 1895)


Liste der Rabbiner in Augsburg

December 4, 2006

Zu definieren, was genau eigentlich ein „Rabbiner“ oder „Rabbi“ ist, ist nicht ganz so einfach wie mancher meinen möchte. Zwar ist der Begriff als solcher schnell erklärt – er leitet sich ab vom hebräischen Wort „raw“, was in mancherlei Hinsicht „groß“ heißt und am ehesten dem lateinischen Titel „master“, (früh)deutsch „meister“ / „meinster“ entspricht – doch haben sich die Vorstellungen darüber, was ein „Rabbi“ ist, wer sich oder andere so nennt, im Laufe der Jahrhunderte oft verändert und in vielen Gruppen auch völlig auseiander entwickelt.

Grüßt man auf Hebräisch „schalom raw“ redet man damit weniger einen Rabbiner an, sondern unterstreicht eher den Gruß als „großen“ Gruß, sozusagen. Etwa bis zum 18. oder frühen 19. Jahrhundert ist „Rabbi/ner“ eine Ehrenbezeichnung für einen meist hoch gebildeten Mann, der in der Gemeinde oder darüber hinaus angesehen war und sicherlich auch Aufgaben übernahm, wie Unterricht zu erteilen, wohltätig zu sein, etc. Im heutigen, meist säkularen Kontext hingegen ist „Rabbiner“ eine Berufsbezeichnung, die seit den josefinischen oder nach-napoleonischen Reformen (Emanzipation durch Assimilation) im frühen 19. Jahrhundert in der Regel eine Universitätsstudium und eine staatliche Prüfungen voraussetzt. Als Faustregel kann man nun davon ausgehen, dass der „Rabbiner“ als Angestellter der Gemeinde schon aus beruflichen Gründen zumindest ansatzweise so belesen sein sollte, wie in früheren Zeiten der gewöhnliche Jude im Bethaus. In diesem Sinne entspricht der „Rabbiner“ den die Reformen übrig gelassen haben nicht von ungefähr eher einem christlichen Pfarrer, der den Wein segnet, zu Beerdigungen kommt, Predigen (und zwar auf Deutsch ..!) hält und ggf. auch Schulunterricht gibt, als einem traditionellen Rabbiner, der mit Studenten (aramäisch, hebräisch) den Talmud lernt, als halachischer Richter fungiert oder sich als Beschneider oder Schächter spezialisiert hat, usw. Es ist klar, dass es nach dem christlichen Vorbild natürlich auch nur „einen“ Rabbiner geben kann in der (reformierten) Gemeinde, während im althergebrachten Judentum die gesamte Gemeinde aus Rabbinern bestehen könnte, zumindest aber in der Regel doch eine Anzahl von ihnen vorhanden war/ ist.

Wo nun also in mittelalterlichen Unterlagen von einem „Schulmeister“ die Rede war, meinte dies in der Regel den Leiter einer Schule, der Kinder- (seder), u.U. aber vielleicht auch der Talmudschule (Jeschiwa, Yeshiva), in welcher er eine Anzahl von Schülern unterrichtete. Eine solche „Schul“ war meist unabhängig von der allgemeinen „Synagoge“ (knesset), in welche auch Frauen und Kinder gingen, verfügte aber über einen eigenen Betraum. Wurde jemand als „Judenbischof“ bezeichnet, so handelte es sich dabei um den seitens der Stadträte als Oberhaupt der Juden empfundenen Vorsitzenden eines Rabbinatsgerichts (bet din). Dies setzte, wie im Augsburger Stadtrecht automatisch die Existenz weiterer „Rabbiner“ voraus, da ein Gericht mindestens aus drei Richtern (dajanim, schoftim) bestehen musste.

Kurz und gut, es ist nicht grundlos, mit Sorgfalt unterscheiden, in welcher Zeit man von einem Rabbiner spricht, da man damit einen hochmittelalterlichen Gelehrten und Richter, der ggf. auch vor Kaisern auftrat ebenso bezeichnen kann, wie den Lehrer einer Kleingemeinde, der bei Nachfrage, so denn vorhanden, Einwanderkindern Nachhilfe erteilt. Logischerweise ist das nicht daselbe. Da könnte man christlich auch Rang und Funktion von Papst und Dorflehrer gleichsetzen.

Hebräische Belege sprechen dafür, dass es bereits vor der städtischen Fixierung im Stadtrecht von 1276 ein Bet Din in Augsburg gab, jedoch ist nicht zu bestimmen, ab wann ein solches eingerichtet wurde. Offensichtlich ist nur, dass die mindestens seit dem frühen zehnten Jahrhundert vorhandene Gemeinde ab dem späten 12. Jahrhundert überregionale Bedeutung erlangte und entsprechend auch bedeutende Gelehrte anzog.

Erst ab dem 19. Jahrhundert bedeutet die Bezeichnung „Rabbiner“ und Aufführung in der Liste, dass es sich beim genannten um einen staatliche geprüften Berufsrabbiner im säkularen Sinne handelt.

In der Zeit nach 1440 gab es in Augsburg keine dauerhafte Gemeinde, jedoch in den heute eingemeindeten österreichischen Dörfern Pfersee und später Kriegshaber (die auch den mittelalterlichen Vorsitz über das Schwaben (medinat schwaben) übernahmen, bis ab 1863 wieder ein Rabbiner in Augsburg fungierte nun als freilich nur noch provinzieller schwäbischer „Bezirksrabbiner“. Die frühen Jahreszahlen können um ein Jahr schwanken, da hebräische Jahre im Herbst anfangen.

Augsburg:

1185 – 1196    R  Jehuda b R Schmuel

1198 – 1212    R Eleasar b R Jehuda

1214 – 1228    R Jehuda b Schimon

1228 – 1234    R Josef

1234 – 1240    R Baruch

1240 – 1252    R Meir b Baruch (MaHaRaM 1215-1293)

1254 – 1276    R Isaak b Meir

1277 – 1290    R Chaim b Mosche

1292 – 1319    R Abraham (Ulm)

1322 – 1327    R Feivel

1327 – 1348    R Schneor

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1355 – 1357    R Jehuda (Hochmaister de Lauingen)

1357 – 1364    R Eleasar (Hochmaister)

1364 – 1366    R Baruch (Rothenburg)

1364 – 1369    R Mosche b R Levi Molin (Maister Molin) (MaHARiL)

1367 – 1368    R Mosche (Muschel Schulmeister)

1368 – 1370    R Isaak (Schulmeister Horborgum = Harburg/Schwaben)

1370 – 1386    R Mosche b R Aharon (Rabbi Aaron)

1387 – 1405    R Jehuda b Mosche

1405 – 1408    R Mordechai Polin

1408 – 1411    R  Koppelmann (Koppelmann Meister Nürnberg)

1412 – 1438    R Jakob Weil (Jakob Jochmeister) (MaHaRiW)

1414 – 1428    R Isaak (Schulmeister Hitzel)

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Über die Zeit zwischen 1440 und 1470 um Augsburg herum ist wenig bis nichts bekannt

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Pfersee:

1465 – 1490    R Löb Salman

1490 – 1511    R Jakob b Löb


Oberhausen/Wertach:

1512 –  1530    R Isaak (Meister Isik)

1530 – 1561    R Natan (gest. 1575 Frankfurt am Main)

 

Pfersee:

1560 – 1591    R. Lieberman Mosche

1591 – 1625    R David b Jehuda Prag

1626 – 1644    R Pinchas b Schmuel

1644 – 1655    R Zvi b Josef (Hirsch)

1655 – 1680    R Henoch Sundel Prag

1680 – 1712    R Jehuda Löb b Henoch

1712 – 1730    R Jehuda Löb b Ischschachar Ber Oppenheimer Worms (“Sefer Minchat Jehuda”)

1730 – 1763    R Isak b Menachem Etthausen (Seckel, Or Neelam)

1763 – 1792    R Benjamin Wolf Spira Prag

1793 – 1794     R Josef Ulmo

1794 – 1804     R Isaak Oppenheimer

1804 – 1837     R Ber ben Jona Ulmo

 

Kriegshaber:

1765 – 1780    R David Skutsch

1780 – 1819    R Pinchas b R David Skutsch

1819 – 1857    Rabbiner Aharon Guggenheimer

 

Augsburg:

1863 – 1870    Rabbiner Jakob Heinrich Hirschfeld

1875 – 1910    Rabbiner Heinrich (Henoch b Eljahu) Gross

1910 – 1929    Rabbiner Richard (Isaak b Elieser) Grünfeld

1929 – 1938    Rabbiner Ernst Jacob

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1997 – 2004    Rabbiner Reuven (Ruben) Unger

2005 –             Rabbiner Henry (Heinz Georg) Brandt