Der “Holocaust” aus der Perspektive der Teletubbies


Was haben die Teletubbies mit dem Holocaust zu tun?

 

Auch wenn die ersten, die mit der Sendung als Babies aufgewachsen sind, bald die Abiturjahrgänge abbilden und die Ende der 1990er Jahre diskutierten Befürchtungen hinsichtlich des Einflusses einer solchen Sendung auf die Entwicklung von Kindern, ggf. erste konkrete Anhaltspunkte geben, offenbar eine sehr absurde Frage, zugegeben.

Andererseits, Geschichte gibt es längst schon nicht mehr nur als (vergangene) Ereignisse mit einer Anzahl authentischer Materialien, die im Laufe der Zeit auf ein paar wenige stereotype Aussagen und Abbildungen verengen. Ein scheinbar besonders geeigneter Weg, die Auseinandersetzung mit dem Alten durch Neues zu ermöglichen ist deshalb auch die Interpretation und In-Fragestellung durch Methoden der Kunst und Kultur.

Auf dieser Ebene könnten sich also dann auch Holocaust und Teletubbies begegnen, auch wenn die „Beschäftigung“ (oder sollte man nicht eher vom Hadern sprechen?) mit „dem finstersten Kapitel der deutschen Geschichte“  offensichtlich keine Berührungsflächen mit dann doch eher einsilbigen Fernsehproduktion für Kleinstkinder. Deren pummelige Protagonisten tragen einfarbige Strampelanzüge in Grün, Gelb, Lila und Rot und heißen Tinky-Winky, Tipsy, La-La und Po. In mehreren hundert Folgen der britischen TV-Serie stammeln sie durch eine Fantasielandschaft und brabbeln vergnügte Kinderlaute bei ihren Abenteuern. Zwar gibt es in der Gartenlandschaft der Teletubbies auch Brücken , aber keine führt in ein Konzentrationslager. Aber man kann ja auch von außerhalb anknüpfen.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Teletubby Laa-Laa - masks at the dance floor

eh-oh

https://www.youtube.com/watch?v=xlNMk4SD6gA

Die 1997 produzierte Hymne der Baby-Serie hieß „Teletubbies say Eh-Oh“, war immerhin 32 Wochen in der deutschen Hitliste und erreichte dort sogar Platz 1  – womit die Teletubbies übrigens genauso viele Nummer-Eins-Hits in Deutschland hatten wie Elvis Presley (was immer das nun besagen kann).

Das von offenbar verzichtbaren Konsonanten befreite „hello“ war auch die Grußformel der Teletubbies. Im Video ist nun auch die gelbe Figur Laa-Laa zu sehen, wie sie vor einem runden Tisch tanzt, offenbar einer Werkbank. Auf ihr liegen flache Gesichtsschablonen. Recht viele sind bereits zu Boden gefallen und so ergibt es sich, dass die rundlichen (tubby) Trolle eben auch drauf herum laufen.

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken Installation Leute

 https://jhva.wordpress.com/2012/10/30/das-judische-museum-in-berlin/

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken

 

Es ist nur eine kurze Sequenz und was sie bedeutet, ist nicht erklärt und tatsächlich verdiente das auch keine Beachtung, gäbe es zur geschilderten Szene nicht doch eine Entsprechung – und zwar an prominenter Stelle in einem gänzlich anderen Kontext, nämlich im „Jüdischen Museum“ von Berlin, dem auch international viel beachteten Bau von Daniel Liebeskind.

Dort gibt in einem hohen, aber engen und grauen, offenen Beton-Raum eine Installation des renommierten israelischen Künstler Menashe Kadishman (geb. 1932) die eben daraus besteht, dass der Boden mit solchen Gesichter-Schablonen oder Masken bedeckt ist. Das Werk nennt sich שכלת (schachelet), „Herbst“ – was auch vom Titel zum Garten der Teletubbies passt – und ist eine jener „memory voids“ (: Erinnerungslücken) in der Konzeption des Museums, das sich abgesehen davon recht erfolglos vorgenommen hat, „zweitausend Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland“  zu verkörpern.

teletubbies eh oh holocaust dancing

Ob die Auseinandersetzung des Berliner Museums mit dem „Holocaust“ nun tatsächlich vom Promotion-Video des intellektuell recht bescheidenen Teletubbie Superhits „Eh-oh“ abgekupfert ist, mag man selbst überlegen. Es hat wohl auch damit zu tun, wie wahrscheinlich es ist, dass man einen Boden weiträumig mit flachen ausgestanzten Gesichtsmasken belegt und darauf herumläuft. Allzu häufig ist ein solches Szenarium wohl nicht anzutreffen.

Das Teletubby-Video stammt von 1997, aus dem selben Jahr stammt nach der Webseite http://www.kadishman.com/resume/ auch das Werk „Shakhelet“, was stimmen kann oder auch nicht, freilich wurde das Berliner Museum erst 2001 eröffnet und das Werk erst damit öffentlich.

Womöglich bestehen Begriffe wie „Museums-Pädagogik“ auch nicht umsonst. Wörtlich übersetzt wären dies Musen (Geister), die Kinder an der Nase herum führen. Da reicht dann auch ein Mann fürs Kadisch.

 Teletubby with mask stencil“Mary, mary, quite contrary …”

The mask at the floor installation at Jewish Museum in Berlin, called Shakhelet maybe actually is an idea taken from the promotion video of British toddler TV program “Teletubbies” which was shot for the hit single “eh-oh” (for “hello”). The video is from 1997.

Berlin Jüdisches Museum Maske Jewish Museum Shachelet

The “Jewish Museum” in Berlin since 2001 presents the very same idea of distributing punched face like stencils on the floor in order to “remember” the “holocaust”as installation by the renowned Israeli artist Menashe Kadishman.

How come ..?

 

5 Responses to Der “Holocaust” aus der Perspektive der Teletubbies

  1. sprzedaż kruszywa Łódź

    Der “Holocaust” aus der Perspektive der Teletubbies | Jüdisch Historischer Verein Augsburg

  2. paul ehrmann says:

    Kaum zu fassen, das das so vorhanden ist. Ein Zufall kann das nicht sein. Entwertung kommt immer über Banalitäten..
    in 20 Jahren kommt die bittere Rechnung.

  3. Sasa Ergün says:

    Wie kann so etwas denn sein? Das ist doch voll scheiße, sowas.

  4. Renate Karnikowski says:

    Da ist man schlicht sprachlos. Die Wahrscheinlichkeit, dass beides unanhängig voneinander entstanden ist, tendiert wohl gegen null. Haben die Teletubbies es abgekupfert, wäre es ein Holocaust-verharmlosender Skandal und als solcher schon längst überall angeprangert, ganz zu Recht übrigens. Also muss es wohl anders herum sein und das zeigt, wie trivial der Umgang mit dem Holocaust auf höchster staatlicher Museums-Seite längst geworden ist.

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