Simon Schlossberger (1858-1935), Crailsheim


Vor recht genau 80 Jahren, am Donnerstag, den 11. April 1935, bzw. 8. Nisan 5695 wurde am jüdischen Friedhof an der Hummelstr. (heute Hooverstr) bei Kriegshaber Herr Simon Schlossberger bestattet. Das war insofern ungewöhnlich, da er bereits am 3. März, also 40 Tage vorher an seinem Wohnort Crailsheim verstorben war.

Simon Schlossberger wurde 1858 im fränkischen Unterdeufstetten (heute Teil von Fichtenau im württembergischen Landkreis Schwäbisch Hall) und war Rinderzüchter. 1884 heiratete er die aus Aufhausen stammende Ernestine (Ester) Neumetzger und übersiedelte mit ihr ins nahe Crailsheim. Das Paar hatte sieben Kinder, wovon drei ihre Kindheit nicht überlebten. 1916 starb ihr Sohn Sigmund im Alter von 22 Jahren als deutscher Frontsoldat in Frankreich. Die 1890 geborene Tochter Ida heiratete nach Kriegshaber in die Viehhändler-Familie Einstein, die einen Betrieb an der Ulmer Straße besaß.  

Nach Simons Tod zog seine Witwe nun Kriegshaber zur Tochter ins Haus der Familie ihres Schwiegersohns Isaak Einstein, weshalb es nun auch dazu kam, dass der Leichnam exhumiert und nach Kriegshaber überführt wurde, wo am 11. April 1935 eben die Besetzung stattfand. Der Grabstein wurde bald darauf gesetzt und stammte wahrscheinlich von der renommierten Nördlinger Steinmetz Familie Koppel.

simon schlossberger grabstein kriegshaber 1858-1935 gravemarker

Grabstein Simon Schlossberger (Foto: yehuda shenef / jhva, 2007)

ש’ץ היה לעדתו וקהילתו

בימי הנוראים עד יום מותו

Die hebräische Grabinschrift besagt, dass der Verstorbene ein שליח ציבור war, also eine Art Gemeindevertreter und Kantor und zwar wie es wörtlich heißt: “in schrecklichen Tagen bis zum Tag seines Todes“. 

Simon Schlossberger 1858 - 1935 jüdischer Friedhof Kriegshaber

Anzeige aus der "Gemeinde-Zeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 12.3.35

1942 wurde Ernestine Schlossberger fast 80jährig verhaftet und „deportiert“. Sie “verstarb” 1943 im KZ Theresienstadt. Auch ihre Tochter Ida und ihr 1887 geborener Sohn Siegfried wurden wie viele weitere Mitglieder der Familie als Zivilisten ermordet. Wie andere Ermordete aus Kriegshaber haben sie bis heute keine Widmung erfahren.

Crailsheimer Synagoge 1783 - 1938

Synagogue of Crailsheim (1783-1938), source: Alemannia Judaica

80 years ago Simon Schlossberger a cattle breeder from Franconian town Crailsheim (today Wuerttemberg) was buried at the cemetery of Kriegshaber, where a month after his death his widow Ernestine had moved to Kriegshaber (since 1916 a part of Augsburg) in order to live with her daughter who was married to the local Einstein family who where butchers. Five weeks after the first burial Simon Schlossbergers corpse was exhumed at the cemetery of Schopfloch and on April 11, what this exactly 80 years this weekend, he found his final resting place at the cemetery near Kriegshaber. His widow Ernestine and his daughter Ida however where deported and killed by the Nazi-Germans. Until today they as well as others in Kriegshaber have no dedication.

 

Further Info:

http://www.crailsheim.de/1742.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2717&cHash=299cecddb523cd870c81d4764ae87614

http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis_schwaebisch_hall/Die-Familie-Schlossberger-Kind-im-Krieg-verloren;art5722,1721104

Infos zur (ehemaligen) Synagoge und Gemeinde von Unterneufstetten im Landkreis Schwäbisch Schall (Fichtenau): http://www.alemannia-judaica.de/unterdeufstetten_synagoge.htm

One Response to Simon Schlossberger (1858-1935), Crailsheim

  1. achim berechov says:

    Informativ

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