the significance of the 9th of Av

August 12, 2016

“If we think about it, it should amaze us that there are people who insist we must always remember the Holocaust — even for generations to come, long after the last survivors are lost to us — who are nowhere to be found on the Ninth of Av, when we remember the long history of hatred directed against the Jewish nation. How can we remember the Holocaust, while forgetting the tragic losses of earlier days?

yad vashem barbwire

Perhaps we need to give it a modern name: “Anti-Semitism Remembrance Day.” Because, of course, hatred for Jews, as Jews, is the source of all the tragedies found in our history.”

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Die eherne Pflicht der Deutschen

July 9, 2015


Zeughaus Augsburg Dach Zirbelnuss Augsburg Zeughaus, Dach mit Zirbelnuss

Gestern und vorgestern bot sich die Gelegenheit im Augsburger Zeughaus gleich zwei Vortragsveranstaltungen mit anschließender Publikums-Diskussion zu Besuchen, die sich beide mit Israel und „dem Nahostkonflikt“ befassten. Das mag bloßer Zufall sein, ist aber durchaus eine Notiz wert.

Der erste Vortrag “Friede für Israel und seine Nachbarn – warum ist das so schwer und was haben wir damit zu tun?“ vor rund dreißig Besuchern im Filmsaal des Zeughauses stammte von Matthias Küntzel (geb. 1955) einem renommierten Publizisten und Politikwissenschaftler, der wegen seiner Beschäftigung mit islamischem (insbesondere iranischen) Antisemitismus, nicht unumstritten ist. Folgt man seiner Vita bei Wikipedia startete er dereinst als „Kommunist“ und kam dann über die “Grünen” zur kritischen Betrachtung der Linken, während er sich mittlerweile hauptsächlich mit Antisemitismus, Islamismus, dem Nahostkonflikt und mit allem, was sich dazwischen abspielt befasst. Seine Absicht besteht darin „Antisemitismus, Antizionismus und Antiisraelismus entgegenzuwirken“.

Küntzel begann seinen Vortrag mit einer Erinnerung an dem vor genau vor einem Jahr begonnenen sog. „Gaza-Krieg“, der von den internationalen Medien erst dann als solcher ernst genommen worden sei, als Israel nach einer Woche auf den anhaltenden Beschuss reagierte und zum Gegenangriff übergegangen war.

Die ungleich höhere Anzahl ziviler Opfer unter den Palästinensern erklärte der Politologe mit dem Umstand, dass es in Israel überall Schutzräume für die Zivilbevölkerung gebe, während die Hamas daran interessiert gewesen sei, die Zahl („eigener“) ziviler Opfer möglichst hoch zu halten. Zu berücksichtigen dabei sei auch, dass die oft zu hörenden Einschätzung des Gaza-Streifens als „dichtbesiedeltes Gebiet der Welt“ unsinnig wäre. Das träfe allenfalls auf Gaza-Stadt zu, die nur einen kleinen Teil der Fläche des Gaza-Streifens ausmache, während es daneben einige ländliche, teilweise kaum bewohnte Gegenden gebe. Dass die Hamas ihre Geschosse aber fast ausschließlich aus dicht besiedelten Wohngebieten abfeuerte, spreche doch eine klare Sprache. Würden sie aus Sanddünen heraus auf Israel feuern, gebe es bei einem Gegenangriff keine zivilen Opfer. Diese Tatsache müsse man in der Bewertung des Konfliktes immer wieder betonen, ebenso wie den Umstand, dass auch in der Luft abgefangene Raketen der Hamas dort nicht hängenblieben, sondern ihre Trümmer über Israel herabfielen und Menschen verletzen konnten

Im zweiten Teil seines Vortags befasste sich der Politologe mit den ideologischen Grundlagen des Islamismus, insbesondere mit der 1928 gegründeten sog. „Muslim-Bruderschaft“, dem schiitischen Islam und den jeweiligen Verbindungen zum deutschen Antisemitismus. Wo es heute schon zur traurigen Alltäglichkeit geworden sei, in den Abendnachrichten Meldungen zu hören, wie in der islamischen Welt schiitische und sunnitische Extremisten sich in den Moscheen der anderen „in die Luft“ jagten, sei der gemeinsamer Nenner dieser Extremisten der Hass auf Juden.

Matthias Küntzel Vortrag Zeughaus Ausgburg

Matthias Küntzel bei seinem Vortrag im Filmsaal des Augsburger Zeughauses

Die Selbstmordattentate, so Küntzel seien ein Produkt der iranischen Revolution. Im Iranisch-Irakischen Krieg der 1980er Jahre habe das iranische Regime Kinder zum Aufspüren von irakischen Minen eingesetzt. Die Kinder seien in den Schulen indoktriniert worden und bekamen von ihren Lehrern Plastikschlüssel als Belohnung und Anreiz. Heute gibt es im Iran einige Friedhöfe von Kindermärtyrern in welchem eben jene Plastikschlüssel die den Zugang zum islamischen Jenseits öffnen sollten auf den Grabsteinen liegen, was auch ein Besucher im Publikum, der in Teheran einen solchen Friedhof besucht hatte, bestätigen konnte. 1983 waren es dann auch schiitische Extremisten, die im Libanon den ersten international beachteten Selbstmordanschlag durchführten und rund dreihundert Menschen töteten, darunter 241 amerikanische und 54 französische Soldaten der UN-Friedensmission.

Sunniten kamen erst rund zehn Jahre später auf die Idee, Selbstmordanschläge zu verüben, nämlich die Hamas, die 1993 damit auf das Friedensabkommen zwischen Israel und der PLO reagierte. In den Folgejahren wurden palästinensische Selbstmordanschläge zum Markenzeichen der internationalen Aufmerksamkeit. Die Hamas selbst als Ableger der 1928 in Ägypten gegründeten Muslim-Bruderschaft sei zutiefst antisemitisch motiviert, was sich u.a. daraus ergebe, dass in den offiziellen Schriften der Organisation die berüchtigten „Protokolle“ positiv bewertet würden.

Den grundsätzlichen Konflikt sah Herr Küntzel in der Vorstellung der Islamisten „Gottesrecht vor Menschenrecht“, wonach alles andere, insbesondere auch die westliche (Lebens-)Auffassung “schlicht Anmaßung und Gotteslästerung” sei. „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ hatten islamistische Extremisten den Israelis verbal entgegengehalten. Das bringe es auf den Punkt, so Küntzel, der einen „antisemitischen Krieg gegen Israel“ wahrnimmt (und dabei ein wenig an Hanna Arendts „antisemitische Internationale“ erinnerte). Dieser zielte auf die Vernichtung Israels ab.

Daraus folgt, dass es schlicht wahnsinnig sei, wenn Linke und einige Liberale in Deutschland und England gegen Israel demonstrierten, während Israels fanatische Todfeinde bagatellisiert würden. „Es darf aber kein Halbe-Halbe geben, denn mit dem Verzicht auf Klarheit beginnt bereits die Komplizenschaft.“ Für viele dieser Linken sei der Hass auf Israel in etwa das einzige, was von ihren früheren Idealen noch übrig geblieben sei. Aber das Problem sei natürlich tiefergehend, denn schließlich sei es ja nun mal Europa, das den Antisemitismus hervorbrachte. Im Mittelalter wäre es ja nun mal „erlaubt gewesen Juden anzuspucken“, das sei auch in Augsburg (wofür der Redner allerdings den Beleg schuldig blieb) und „ein Skandal wurde es erst, wenn ein Jude sich dagegen wehren“ wollte. In diese Psychologie passe es dann auch, dass man Attacken auf Israel ignoriert und erst dann reagiert, wenn Israel nach Tagen von Raketenangriffen zur Wehr setzt und zurückschießt.

Alles in allem sei es deshalb nun Wahnsinn, dem iranischen Regime, zu erlauben, Atom anzureichern, was früher oder später zu Atomwaffen führen würde. Die Iraner seien sich völlig bewusst, dass eine Bombe für Israel genügen würde, während ihr Land groß genug wäre, um mehrere Gegenschläge zu überstehen. Leider bestehe wenig Hoffnung, auf eine friedliche Lösung, da die Iraner in den Atomverhandlungen mit den internationalen Mächten, als Schachspieler überlegen seien, während „die Obamas und Steinmeiers“ … „ich würde sagen mit Würfeln reagieren wollen“.

Schon die Realität einer atomaren Bedrohung Israels durch den Iran würde den Charakter Israels als sichere Heimstätte für die Juden der Welt aufheben und einen „braindrain“, also ein Abwanderung der Bildungselite auslösen.

Um den Konflikt zu lösen, müsste die internationale Staatengemeinschaft sich dazu verabreden, Selbstmordattentate, “die Wiedereinführung des Menschenopfers“ weltweit zu ächten. Küntzel zitierte auch den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi, der bei einem Treffen mit den Führern der religiösen Kairoer Universität sagte, dass es nicht angehen könne, dass “wir Muslime eine Religion haben, vor der alle anderen Angst haben”. Inzwischen könne man in TV-Talkshows deshalb wohl auch Atheisten und ihre Argumente hören, was vor wenigen Jahren in Ägypten undenkbar gewesen sei.

Und das sei eben auch ein entscheidender Punkt. Der gesamte Nahe Osten versinke derzeit mehr oder minder in Religionskriegen, wobei der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis im Grunde eine Marginalie sei, während man in Europa den letzten wesentlichen Religionskrieg mit dem 30jährigen Krieg vor rund vierhundert Jahren hatte und wo es in den USA einen solchen noch gar nicht gab. Man könne sich im Westen deshalb im Grunde auch nicht vorstellen, was die Leute dort motivierte und antreibt und dass es “aus unserer Sicht irrationale Motive” sein könnten, die sie dazu bringen ihr Leben zu opfern.

Zuletzt kam Matthias Küntzel noch auf die „historische Tatsache“ zurück, dass es im Berlin der Nazi-Zeit an Muslime gerichtete Radio-Propaganda in mehreren Sprachen gab. Die Nazi-Ideologie sei damals auch in arabischer, türkischer und persischer Sprache verbreitet worden und habe sich großer Beliebtheit erfreut und das an Muslime gerichtete Programm, die größte Abteilung  der Auslandsredaktion gewesen. So habe dann auch Ayatollah Khomeini später davon erzählt, dass er als junger Mann immer „Radion Berlin“ gehört habe. Natürlich habe der Sender vor allem auch darauf abgezielt, die antisemitische Unheilslehre der Nazis in den Orient zu transportieren, wo Juden und Muslime bislang ganz überwiegend Freunde waren.

Aus der anschließendes Diskussion sind Erläuterungen von Herrn Küntzel oben schon mit berücksichtigt worden, Sie war insofern bemerkenswert, als dass sie keinen einzigen antiisraelischen Moment enthielt, ganz so als wollte man dem Einladungstext der Veranstaltung Rechnung tragen, wo es hieß: „Vor 75 Jahren bedurfte es in Deutschland einer gehörigen Portion Courage, mit Juden solidarisch zu sein. Der Nahostkonflikt hat es geschafft, dass Solidarität mit Israel heute auch nicht mehr zur Selbstverständlichkeit gehört.“

Von den selbst in Diskussionen im Rahmen von DIG-Veranstaltungen immer wieder betonten Palästinensern war kaum die Rede und niemand wollte sich zu ihrem Anwalt machen. In Deutschland erscheint das fast schon als eine Art Kuriosum.

Weitere Infos: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/

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Augsburg Zeughaus Matthias Küntzel Stephan Stetter Urike Bahr SPD DIG Juli 2015 Israel Nahost Antisemitismus

“Flyer” zu den Vorträgen von Küntzel und Stetter, die SPD warb nur mit dem Bild ihrer Abgeordneten

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Der zweite Vortrag tags darauf im Reichlesaal des Augsburger Zeughauses befasste sich thematisch nun recht ähnlich: „Der Nahostkonflikt: Schlechte Aussichten für den Frieden?

Gekommen waren 47 Personen, wovon knapp ein Drittel sichtbar arabisch, türkischer Herkunft war (eine Frau), während nur knapp zehn Leute im Publikum saßen, die bereits am Vortag den Beitrag von Matthias Küntzel hörten. Eingeladen zum Vortrag hatte die Augsburger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr. Redner war Prof. Dr. Stephan Stetter (geb. 1973), der 1996/7 durch ein Stipendium der SPD-nahen „Friedrich Ebert-Stiftung“ ein Jahr an der Hebrew University in Jerusalem studierte. Im Veranstaltungszettel von Frau Bahr wurde er vorgestellt als „Politikwissenschaftler und Konfliktforscher an der Universität der Bundeswehr München“. Thema sollte sein, welche „Strategien die deutsche Außenpolitik verfolgen kann, um zugleich israelische Sicherheitsbedürfnisse anzuerkennen und den palästinensischen Wunsch nach einem eigenen souveränen Staat zu unterstützen.“

Wie die Zuhörerschaft unterschieden sich beim zweiten Vortrag also auch Ansatz und  Ausrichtung grundlegend. Stetter, der freilich ohne Berücksichtigung irgendeiner Form von Grammatik etwas Arabisch und Hebräisch spricht, und dies im ersten Drittel seines Vortrages immer wieder fast genießerisch gegenüber seinem indifferenten Publikum anklingen ließ, bemerkte, dass es unter Nahostexperten eine Art „running gag“ sei, zu betonen, das Thema sei „heute besonders aktuell“, denn oft ändere sich etwas in wenigen Stunden grundlegend, um hernach dann doch wieder altbekannt zu wirken.

Er begann seinen Beitrag mit einer etwas sprunghaften Abwicklung historischer Daten, wobei ihm offenbar selbst nicht ganz klar war, ob er dem in der Ankündigung betonten Schwerpunkt der deutsch-israelischen Beziehungen, gemeint sind die diplomatischen seit 1965, in Abfolge bringen soll, oder dann noch den „Holocaust“ würdigen sollte oder aber die zu den deutsch-israelischen Verhältnissen parallel verlaufende Geschichte „des Nahostkonflikts“. So kam es zu einer gewissen Verwirrung, einigen Zeitsprüngen und Motivwechseln und wie nach dem Vortrag gleich die erste Wortmeldung bewies, zu dem eher ungünstigen, sicher ungewollten Eindruck, dass Professor Stetter den Holocaust thematisch nur “kurz abhaken wollte, um dann sogleich die israelische Armee und Hamas gleichzusetzen oder Siedlungen mit Terroranschlägen auf eine Stufe zu stellen“.

Von Adenauer und der Wiederhutmachung in den 1950ern, die man auf English „Reparation“ nennen würde, dauerte es auch nur einen halben Satz, um etwas überraschend im Jahr 2000 und bei Johannes Rau zu landen, dessen Rede in der Knesset, auf Deutsch gehalten von einigen „rechten und religiösen“ Abgeordneten boykottiert worden war. Eine Bemerkung die vielleicht nicht zufällig den Raum einnahm, in welchen man etwas über das bilaterale Verhältnis hätte sagen können, irgendetwas über die 35 Jahre zwischen 1965 und dem Jahr 2000, beispielsweise, weil es den „Nahostkonflikt“ in besonderer Weise auf deutschem Boden verknüpft, ein paar Anmerkungen über das Olympia-Massaker von München und Fürstenfeldbruck, im September 1972. Etwas über den Stimmungswandel der Kibbutz-Romantik deutscher Studenten in den 1960ern hin zum antiisraelischen Imperativ im Jahrzehnt danach. Etwas darüber dass es Sozialisten wie Brandt und Kreisky waren, die wesentlich darauf hinarbeiteten Terroristen wie Arafat international hoffähig zu machen. Etwas über deutsche Waffenlieferungen an Kriegsgegner Israels bis hin zu Giftgaslieferungen an das Regime von Saddam Huseein. Sehr viel, sehr, sehr viel hätte man sagen können, zumiondest erwähnen können, um zu dokumentieren, dass man die vielschichtige Realität zur Kenntinis nimmt, die Geschichte weiß, weiß wovon man redet.  Prof. Stetter aus München erwähnt all dies mit keiner Silbe, wohl aber jene einzelne jüdische Abgeordnete, die Johannes Rau nicht reden hören wollten. Ganz so, als wäre das der wesentliche Aspekt jener 35 Jahre. Eine rationale Gewichtung im Rahmen des selbstgewählten Themas ist das beileibe nicht. Stattdessen war es von Rau zu Merkel auch wieder nur nur ein Atemzug und man war im Jahr 2008 angekommen und bei der Feststellung der Kanzlerin, dass “Israels Sicherheit deutsche Staatsräson“ sei. Eine Aussage, die dafür gesorgt habe, dass “Angela Merkel in Israel überaus populär und beliebt” sei (eine zweifelsfrei sehr übertriebene Einschätzung), wenigstens gemäß Stetter, der damit vermeiden konnte, etwas zu den sicherheitspolitischen Aspekten dieser “Staatsräson” zu sagen, was bei ihm als Bundeswehr-Professor hätte durchaus von Interesse sein können. Dies tat er nur sehr indirekt, in dem er sagte, dass Israel “einer der wichtigsten Empfänger deutscher Waffenlieferungen” sei, wobei er wohl nur versehentlich vergaß zu erwähnen, dass es sich dabei um Käufe und nicht um Geschenke handelte. Zumindest gab es in der Diskussion hernach immerhin sieben Personen die sich mehr oder minder eindringlich dafür einsetzten, dass man Israel doch keine Waffen mehr schenken (!) sollte. Doch auch als er darauf angesprochen wurde, erwiderte er, dass es “durchaus Kooperationen geben” würde und dass “auch Deutschland von israelischer Technologie profitiere”, etwa im Ankauf von sog. Drohnen, milderte dies den Eindruck im Publikum eher nicht. So war auch an diesem Abend das seit Jahren herumgeisternde Thema der „deutschen U-Boot-Geschenke für Israel“ ein halbes Dutzend Mal bemerkt worden.

Aber warum sagt ein Bundeswehr-Professor nicht, was es damit auf sich hat? Dass Deutschland den Verkauf von U-Booten an Israel subventioniert, so wie es zahlreiche andere Waffengeschäfte in vielen Ländern der Welt subventioniert? Dass diese Subventionen Arbeitsplätze in Deutschland erhalten und internationale Konkurrenz absichtlich unterbieten. Dass Israel trotzdem hunderte Millionen Euro pro Boot zahlt und nur wegen dem Rabat drauf verzichtet, technisch zumindest gleichwertige U-Boote in Südkorea zu kaufen? Zumindest erfährt man von ihm, dass Deutschland nach den USA und China Israels drittstärkster Handelspartner sei, während die EU zusammengenommen eigentlich Nummer 1 wären. Über 600 Städtepartnerschaften gebe es zwischen Deutschland und Israel, auch eine “enge Forschungskooperation”, was ihm als bloße Bemerkung genügte. Mit dem Hinweis darauf, dass in der jüngsten Bertelsmann-Studie die “Kritik der Deutschen an Israels Politik” in den letzten Jahren “stark angewachsen” sei, war der bilaterale Aspekt für ihn auch weitgehend erläutert.

Prof. Stephan Stetter SPD Augsburg Bahr Shrinking PalestineProf. Stetter beim Vortrag mit Poster von Ulrike Bahr und irreführender * (s.u.)                 “Shrinking Palestine” Karte

Nun ging es ihn um 20 Jahre nach dem Abkommen von „Oslo 2“ (ohne zu erwähnen, was „Oslo 1“ wäre) und dass dies damals die Grundlage für die heutige noch vorherrschende Einteilung in A, B und C-Gebiete war. Damit kam er nun auch zum zweiten Strang des Abends, der Entwicklung des „Nahost-Konflikt“. Die Lage sei nach wie vor gefährlich, weil die humanitäre Situation in den palästinensischen Gebieten sehr schwierig sei. In seinen Schilderungen fiel auf, dass die Umgebung des Konfliktgebietes bei ihm nicht vorkam. Er sagte nichts über IS, über den Krieg in Syrien mit über dreihunderttausend Toten und vier Millionen Flüchtlingen binnen weniger Jahre, nichts über Kämpfe islamistischer Terroristen der Muslimbrüder und der Hamas im Sinai, nichts über die Hisbollah im Libanon. Stattdessen vertiefte er sich in den Kolonialismus der Europäer, die Aufteilung des Nahen Ostens in ein britisches und französisches Mandatsgebiet. Das ist zwar historisch korrekt, aber was hatte das gleich nochmal mit dem zwanzigsten Jahrestag von „Oslo 2“ und seinen Folgen zu tun? Die Briten hätten damals „gleich nach dem Ersten Weltkrieg“ sowohl Arabern als auch „den Israelis“ (der Staat Israel wurde erst 1948 gegründet) einen eigenen Staat versprochen, ohne ihnen zu sagen, dass sie das den anderen auch versprochen hätten. Das also hatte den „Nahostkonflikt“ ausgelöst? Man staunt.

Stetter hüpfte weiter durch Zeit und Raum und kam nun dazu, dass sowohl Araber als auch Israelis an einen Nationalstaat glaubten, in dem für die andere Seite eigentlich kein Platz sei. Etwas was in Bezug auf Israel nicht stimmt, wie auch ein Fragesteller bemerkte, der sich später nach „der Rolle der rund 20 % arabischer Israelis in dem Konflikt“ erkundigte, darauf aber nur eine sehr schwammige Antwort erhielt, dass diese sich wohl erst festlegen würden, wenn der Konflikt insgesamt gelöst sei, was immer das auch heißen mochte. Wie auch immer, habe es anfangs eben aber nur arabisch-israelische Kriege gegeben und keine israelisch-palästinensischen, da „die Palästinenser dafür viel zu schwach“ gewesen seien.  Damit hatte der Professor, den Umstand, dass Israel sich gegen eine drückende Übermacht von allen Nachbarstaaten erwehrt hatte, ins genaue Gegenteil umgekehrt. Die Palästinenser gehörten plötzlich nicht mehr zu den Arabern, die Israel entgegen dem sonst so oft bemühten Völkerrecht überfielen. Auch die von 1948 bis 1967 anhaltende Besetzung durch Ägypten und Jordanien beanstandete der Akademiker nicht.

Der zunächst nur sporadische Siedlungsbau habe im wesentlichen erst nach dem Oslo-Abkommen zugenommen, weshalb es im Gegenzug ab 1996 zu Selbstmordanschlägen gekommen sei. Auch hier lag der Professor faktisch daneben, da die Hamas schon seit 1993 Anschläge verübte. Dann, also gleich noch mal “vier Jahre später”, „kam es zu dem berüchtigten Besuch von Scharom auf dem „haram-as-scharif“, dem Tempelberg“. Damals, so erläutert der Politologe, war auch der deutsche Außenminister Joschka Fischer zugegen. Auf dem Tempelberg, fragt man sich? „…während einer dieser Anschläge stattfand, in Tel Aviv.“ Hier wäre bei Frank Plasbergs „Hart, aber fair“ schon wieder der Faktencheck gefragt, den wir aber für die Feststellung, dass der Tempelberg nicht in Tel Aviv ist, nicht benötigen und sicher hatte der Professor das auch nicht sagen wollen. Dennoch zeigt es aber, wie seine Erinnerungen und Argumente teilweise wahllos in einander übergehen und zu scheinbar neuen Informationen werden, komprimiert zu einem „Gefühl“, wozu dann auch passt, dass sich ein jüngerer Fragesteller aus den Reihen des SPD-Nachwuchses explizit dazu meldete, um Stetter aufzufordern, kürzere und präzisere Antworten zu geben, was als Faktum gegenüber einem vortragenden Professor durchaus bemerkenswert war. Traut sich auch nicht jeder in diesem Land.

Scharons umstrittener Besuch auf dem Tempelberg war am 28. September 2000. Joschka Fischer traf sich am Samstagabend in Ramallah mit dem Palästinenser-Führer Arafat, zur selben Zeit, als vor der Discothek „Dolphinarium“ ein palästinensischer mit einer Nagelbombe ausgestatteter Selbstmordbomber 20 Menschen tötete, 17 davon waren junge Mädchen die in den Jahren zuvor aus Russland eingewandert waren. Joschka Fischer verlängerte seinen Aufenthalt und traf sich am folgenden Sonntag noch mal mit dem israelischen Premier Ariel Scharon, wozu das deutsche Magazin „Der Spiegel“ titelte:  „Joschka Fischer – Friedensvermittler per Zufall“. Wie auch immer, war der Anschlag in Tel Aviv am 1. Juni 2001, etwa ein Dreiviertel Jahr nach Scharons Besuch auf dem “Tempelberg”. Auch war Joschka Fischer zum Zeitpunkt des Anschlags auf die israelische Diskothek nicht “vor Ort” in Tel Aviv, sondern in Ramallah mit Arafat. Irgendwas muss sich im Gedächtnis des Experten verselbstständigt haben. Neun Monate werden zu einem Abend, drei verschiedene Schauplätze (Jerusalem, Tel Aviv, Ramallah) verschwimmen zu einer Nachbarschaft. Was sollen da Details. Ist auch alles schon lange her und wer im Publikum achtet auch drauf. Man muss sicher nicht die exakten Daten auswendig parat haben, aber worin besteht eigentlich das Fachwissen, wenn man zur Dramatisierung Geschehnisse verschiedener Jahre und Orte in einen Erinnerungsmixer wirft, um dann einen mundgerechten Brei zu servieren, der ein Publikum ohne wesentliche Sach-  und Ortskenntnis nur verwirren kann? Oder ist es Absicht?

Von Joschka Fischer kam er nun zur grundsätzlichen, damals schon formulierten deutschen Vermittlungsthese, den Terror und den Siedlungsbau zu beenden, womit beide ja tatsächlich gleichgestellt werden. Dass, so behauptet Stetter später auf Nachfragen, sei nicht seine Absicht, tat es aber dann doch immer wieder und betonte, dass „die derzeitige rechtsnationalistische Regierung“ in Israel das Land nur von Feinden umgeben sieht (wozu er eine entsprechende Karte zeigt), dass dies eine ideologische Sichtweise sei.

Alte Türe Zeughaus Augsburghistorische Etagen – Tür im Zeughaus

Man kommt nicht umhin, eine solche bei Stetter selbst zu ahnen, da er ein immer wieder durchschimmerndes Problem mit religiösen und nationalen Juden hatte, die er als eigentliche Gegner oder Bedrohung Israels definieren wollte, zumindest jenes Israels, dass ihm vielleicht gefallen könnte – denn Israel und Palästina, und das betonte er ebenfalls ausdrücklich, sei ihm eine Herzensangelegenheit. Doch während der Holocaust in Bezug auf “die Haltung zu Juden und Israel” immer wieder in die Argumentation einfloss, blieb die Motivation zu Gunsten der Palästinenser seltsam undefiniert. Im Gegenzug zog Prof. Stetter dann auch keines seiner Kriterien, die er auf Israel anwendete, auf Israel Gegner heran. Das könnte man (nach unser Regel) als antisemitische Grundhaltung konstatieren (nach der Antisemiten ihrer Kriterien zur Beurteilung Israels und Juden in anderen Fällen nie anwendeten, weil sie ganz genau wissen, wie absurd sie wären), … wenn es nicht tatsächlich zu banal wäre. Immerhin ist er aber mit dem Thema, als Angestellter des deutschen Staates, beruflich unterwegs. Das erstaunt, ein wenig.

Damit dies aber juristisch einwandfrei ist, berief sich Stetter immer wieder ganz ausdrücklich auf „das Völkerrecht“, freilich auch wieder ohne durchaus vorhandene Dispute darüber zu erwähnen, ganz so als gebe es keine Dispute und abweichende Definition, sondern nur eine universelle Interpretation “des” Völkerrechts. Natürlich weiß ein Politiologe, dass dem definitiv nicht so ist, aber der Anschein genügt auch hier: Geht es um Israel geht es um andere Gesetzmäßigkeiten. Er könne die Palästinenser dazu auch „nur ermutigen“, den Weg der internationalen Gerichtsbarkeit gegen Israel anzustreben und weiterzuverfolgen, damit der Siedlungsbau als “völkerrechtswidrig” verurteilt werde, da die einzige Alternative dazu Gewalt sei. Fragt sich nur, warum etwas verurteilt werden müsste, wenn das Urteil angeblich schon feststünde? Und warum ein Konfliktforscher nur die Alternativen kennt, die andere Seite entweder vor Gericht zu besiegen oder mittels Gewalt. Da letzteres wenig erfolgreich ist, empfiehlt sich aber wohl nur noch der Amtsweg. Doch auch hier bleibt alles recht vage. Was sollte passieren, wenn Israel vor  Gericht verurteilt würde. Ein UN-Einsatz gegen Israel mit Beteiligung deutscher Truppen, um die Forderungen der Palästinenser durchzusetzen. Ist es das, wovon der Bundeswehr-Gelehrte träumt?

Die EU, so lässt er erkennen, habe unter deutscher Beteiligung beschlossen, keine Projekte in Siedlungen mehr zu unterstützen, was auch wissenschaftliche Kooperationen beträfe. Ein nächster Schritt wäre, Bewohnern aus den jüdischen Siedlungen keine Visa mehr zu erteilen, und dergleichen. Nun im Thema, wird klar, dass der Bundeswehr-Professor keineswegs einen neutralen oder gar vermittelten Standpunkt vertritt, sondern de facto Partei nimmt. Er machte sich zum Sprachrohr der leider nicht näher definierten oder differenzierten Palästinenser, an die er im Gegenzug weiter keine Anforderungen stellt, außer auf (den an sich verständlichen) “Terror” zu verzichten. Da dies aber in dieser Weise natürlich nicht allgemein einleuchtet, sollte man auch, wie er dreimal ausdrücklich betont, berücksichtigen, dass es natürlich nicht angehe, dass sich Juden im Ausland (d.h. außerhalb Israels) bedroht fühlen müssten. Im Umkehrschluss heißt es aber wohl, dass bedrohte Juden in Israel wohl nur logisch sind. Das musste dann auch einen jungen Araber beflügelt haben, der sich später zu Wort meldete und ganz sicher versöhnlich feststellen wollte, dass “es ja verkehrt ist, Juden mit Zionisten gleichzusetzen“. Das sollte man nicht tun, “so wie man ja auch nicht IS-Kämpfer mit Muslimen generell gleichsetzen” könne. Die Gleichsetzung von Zionisten mit IS-Kämpfern konnte der Redner so nicht mehr gutheißen, ebenso wenig wie die Feststellung einer alten Sozialdemokratin, die meinte, ob der Professor als Konfliktforscher eigentlich erklären könne, “wie ein Volk dem so was angetan wurde” (sie meinte wohl „die Juden) “selber imstande ist, mit anderen das gleiche zu machen“. Das wies er als Vergleich ebenso zurück, als unzulässigen “Holocaust-Vergleich”.

römischer Pferdekopf im Zeughaus Augsburg

Und so ist das dann eben. Für die nun folgende Fragestunde, die nochmal 90 Minuten dauerte, war Prof. Stetter dann auch in wesentlichen Teilen damit befasst, die Geister, die er rief, wieder los zu werden, schaffte aber nur, dass einige der Zuhörer mit der Zeit aufstanden und gingen. Unter den zahlreichen Wortmeldungen, die sich als Mitgliedern der SPD, der Jusos und der Gruppierung „Pax Christi“ zu erkennen gaben, überwogen deutlich antiisraelische, teilweise antisemitische Ressentiments (etwa, „warum man eigentlich nur den Juden erlaube, sich permanent über das Völkerrecht hinwegzusetzen“ …). Davon ab hob sich dann aber “ausgerechnet” ein kurdischer Mann aus Syrien ab, der sagte, dass er als Kind zum Hass auf Israel erzogen worden sei und nie etwas anderes kennen lernte, bis er nach Deutschland kam, in einer Zeit, als der Westen noch mit Assad paktierte und feststellte, dass die Wirklichkeit doch eine ganz andere sei und dass man die Islamisten und Nationalisten auf jeden Fall stoppen müsste. Sie seien das Übel, nicht Israel. Seine Ansicht unterschied sich damit grundlegend von der Einschätzung des Redners, der die gesamten Kriege in Nahost als „Folge des amerikanischen Angriffs auf den Irak“ bezeichnet hatte. Die Familie des Kurden war schon vorher  geflohen.

Abschließend resümierte Prof. Stetter seine Perspektive für den „Nahostkonflikt“, die im wesentlichen auf der mehr oder minder bekannten Zweistaatenlösung beruht. Um sie zu bewerkstelligen müsse man vor allem Druck auf Israel ausüben, jedoch mittels politischen Maßnahmen und völkerrechtlichen Initiativen. Nicht unwesentlich sei auch, in wie weit es gelingen könne, jüdische Gemeinden in Europa und den USA mit einzubeziehen, um zu verdeutlichen, dass es um”gemeinsame Werte” ginge. Also gemeinsam im Sinne die Welt kontra Israel? Anknüpfend an den vorherigen Diskussionspunkt heißt das in der Praxis dann auch, dass Juden in Europa sicher fühlen sollen und auch dürfen, vorausgesetzt, sie distanzieren sich von Israels „Politik“.  Das ist im Grunde recht perfide im Kalkül, zumal es auch in diesem Punkt die Bedrohung von Juden im Grunde rechtfertigt und zu ihrer Einschüchterung ermuntert. Man wäre als Jude nur noch willkommen, wenn man sich zum Kronzeugen gegen Israel instrumentalisieren ließe oder schlicht den Mund halte. Etwa so wie es im Iran der Fall ist. Kein Wunder, dass das iranische Regime, dass auch aktuell noch immer Oppositionelle oder Homosexuelle hinrichtet, als gemäßigt gilt, während Israels Regierung als “rechtsaußen” tituliert wird, wohl wissend, welche falschen Assoziationen diese Begriffe gerade in deutschen Ohren haben, haben müssen.

Kurzfristig jedenfalls sieht der Professor keinen Frieden, stattdessen im nächsten Sommer 2016 bereits den nächsten Gaza-Krieg. Das war zum Schluss dann wenigstens mal konkret und wird sich in einem Jahr überprüfen lassen. Realistisch ist die Einschätzung nicht, sind 2016 doch US-Wahlen.

 

Vergleicht man die Positionen der beiden Redner, könnte man sie fast für “Konfliktparteien” halten, obwohl es tatsächlich nur ihr Gewerbe ist, darüber zu reden (… i red blos …) und zu schreiben. Dass der Vortrag von Küntzel stilistisch um zwei Klassen besser, strukturiert und plausibel war, während der von Stetter hingegen reichlich konfus und unzusammenhängend wirkte, mag an der Tagesform und der Vorbereitung gelegen haben. Es ist ihr Job. Sicher nicht nur, sie wirken beide sehr überzeugt von dem was sie meinen, aber man merkt beiden trotzdem auch an, dass es mehr mit ihnen selbst zu tun hat, als mit den Personen, über die sie sprechen. Wo Küntzel immer wieder die Nazis und ihren Einfluss auf die Muslime betont, so als wäre Hitler ein Prophet des Islam (und so als hätten Muslime sonst wenig anderes im Sinn), kommt Stetter immer wieder auf den Holocaust zurück, und lässt erkennen, dass es ihm tatsächlich ein Anliegen zu sein scheint, „die Juden vor einem zweiten Holocaust bewahren“, was nur eine andere Form von extremen KopfzErBrechen ist. Und da dies sicher nicht nur akademisch, sondern in ihren realen Biographien verankert ist, betont Küntzel öfter seine iranischen Freunde, Stetter ständig seine israelischen. Zur eigenen Biographie gehören aber auch die eigenen Vorfahren und da scheint eher der (psychologische) Schlüssel zu liegen. Gedanklich, er muss nicht aus Plastik sein.

Das ist letztlich nun so, als wenn jemand sich permanent abschätzig über Frauen äußert und auf Anfrage sagt: Aber wieso denn frauenfeindlich, ich bin doch selber verheiratet!??

Aber es hilft nichts, da es trotzdem nur eine Selbstbespiegelung bleibt. Sie hat mit Bauchgefühlen zu tun und der Themenkomplex Holocaust-Juden-Nahost beschäftigt auch die Köpfe und Gemüter der Besucher sehr. Sie alle scheinen kaum ein wichtigeres Problem oder Sorgen zu haben. Ein Mann in einer Gruppe ist mit dem Satz zu hören “Wir beten regelmäßig für einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis“. Dann kann eigentlich kaum was schiefgehen. Schließlich gewinnt der HSV ja auch regelmäßig beim FC Bayern, weil sich Hamburger Fans das im Vorhinein so wünschen.

Wohl ganz im Sinne von Bertolt Brecht: “Jeder Deutsche hat die eherne Pflicht zu glauben, dass die Welt von seiner Meinung abhängt.”

Nach der Veranstaltung saß ich kurz noch mit einem (muslimischen) Libanesen im Biergarten zu einem Glas dunklem Bier und einer gemeinsamen schwäbischen Brezgen. Wir waren uns schnell in den meisten Punkten einig: gutes Bier, gutes Wetter, und darüber, dass das eigentliche Problem in der Region Europa unausweichlich bald um die Ohren fliegen wird: der Krieg in Syrien. Spätestens mit dem Iran-Deal und/oder dem Eingreifen der Russen zugunsten des letzten Nazi-Regimes on the planet.

Palestinian map development 1946 until today

Sachliche Erläuterungen, auf die Prof. Stetter verzichtete, trotz dem “Raunen”, das die Karte beim Publikum der SPD auslöste.

 

 

 


Gedenken an 141 ermordete Ulmer

June 23, 2015

Am Platz der neuen Synagoge in Ulm befindet sich ein Denkmal, welches an 141 ermordete Juden aus Ulm erinnert

Ulm Holocaust Memorial Synagoge

 

Memorial for 141 Jews murdered by the Nazi Regime and it helpers

Ulm Synagoge Gedenktafel 141 Tote Juden

בזכירה סוד הגאולה

Ulm Holocaust memorial

Dem Denkmal eingegeben ist der Satz „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Dabei soll es sich um ein Zitat handeln, das dem Baal Schem Tow (Rabbi Israel ben Elieser, 1698-1760, dem Neubegründer des osteuropäischen Chassidismus) zugeschrieben wird, der es aber wahrscheinlich eher nicht auf Deutsch gesagt haben wird. Obwohl das (durch Yad Vashem international bekannt gewordene) Zitat bislang nirgends belegt werden konnte, weißen manche Kommentatoren darauf hin, dass es nur unvollständig ist, und komplett „Das Vergessen verlängert das Exil, in der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung” geheißen haben soll. Und natürlich soll sich der „BeSCHT“  um die Mitte des 18. Jahrhundert auch nicht auf den „Holocaust“ bezogen haben, sondern auf die Rückkehr nach Israel und die Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem. Das klingt sicher plausibler, beantwortet aber auch nicht die Frage nach der Quelle des zugeschriebenen Zitats, insofern man es hier mit der Erinnerung genau nehmen will. Wie gut also, wenn man sich auf Yad Vashem berufen kann …

Die Tora mahnt uns zu an Schabbes zu erinnern, dem Weggang aus Ägypten, aber auch an Amalek … doch was besagt das im Zeitalter der Zitate und Kurznachrichten? Über Google und Co. wird das Zitat bereits einige Male dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als Autor zugeschrieben, da er es wohl 1985 bei einer Rede im Bundestag zitierte, auf Deutsch freilich. Aber das hält auch englische Webseiten nicht ab, ihn als Quelle für das übersetzte „in remembrance lies the secret of redemption“ (für dass es ab Ende der 1970er publizierte Belege gibt) zu nennen. Vielleicht war  der im Januar verstorbene Politiker Weizsäcker eine Art deutscher Balschemtof. Da es auch die Alzheimer-Variante der Erinnerung gibt, sollte man ungeprüfte Zitate auch nicht so genau nehmen, auch wenn es bequem ist, in den Tagen von sms und twitter (wo 140 Zeichen erlaubt sind pro Nachricht)

Für das Ulmer Denkmal ist das alles nicht relevant, verblassen dort doch bereits schon wieder einige der 141 Namen, an die das Denkmal erinnern wollte.

Ulm Holocaust Denkmal 141 names

fading names of murdered Jews from the City of ULM (at river Danube)

The memorial has the alleged quote of Baal Shem Tov “in remembrance lies the secret of redemption” on it, which is known from Yad Vashem in Jerusalem. However the actual source so afr has not been varified so far, while in the internet also a number of pages in English refer it to the former German president Weizsacker, who quoted the verse in his 1985 speech at the Bundestag in order to address the 40th anniversary of the end of world war two, where he called it a day of liberation, what caused a lot of discussions ongoing in Germany until today. Of course “most” (<-crucial point) Germans fought until the(ir) bitter end of the Nazi regime and they were defeted not liberated.

Synagoge Ulm

אמר הבעש’ט= רק זכירה שיש בה מעשה, תיוניות בה


Der “Holocaust” aus der Perspektive der Teletubbies

April 17, 2015

Was haben die Teletubbies mit dem Holocaust zu tun?

 

Auch wenn die ersten die als Babies, mit der Sendung  aufgewachsen sind, bald die Abiturjahrgänge abbilden und die Ende der 1990er Jahre diskutierten Befürchtungen hinsichtlich des Einflusses einer solchen Sendung auf die Entwicklung von Kindern hätten, ggf. erste konkrete Anhaltspunkte geben, offenbar eine sehr absurde Frage, … zugegeben.

Andererseits: Geschichte gibt es längst schon nicht mehr nur als Sammlung (vergangener) Ereignisse, die mit einer Anzahl authentischer Materialien, sich im Laufe der Zeit auf ein paar wenige stereotype Aussagen und Abbildungen verengen. Ein scheinbar besonders geeigneter Weg, die Auseinandersetzung mit dem Alten durch Neues zu ermöglichen, ist deshalb auch die Interpretation und In-Fragestellung durch Methoden der Kunst und Kultur.

Auf dieser Ebene können, neben Filmen, Skulpturen und Malereien, sich also dann auch Holocaust und Teletubbies begegnen, obgleich die „Beschäftigung“ (oder sollte man nicht eher vom Hadern sprechen?) mit „dem finstersten Kapitel der deutschen Geschichte“ (zumindest) offensichtlich keine Berührungsflächen mit der dann doch eher einsilbigen Fernsehproduktion für Kleinstkinder hat. Deren pummelige Protagonisten tragen einfarbige Strampelanzüge in Grün, Gelb, Lila und Rot und heißen Tinky-Winky, Tipsy, La-La und Po. In mehreren hundert Folgen der britischen TV-Serie stammeln sie durch eine Fantasielandschaft und brabbeln vergnügte Kinderlaute bei ihren “Abenteuern”. Zwar gibt es in der Gartenlandschaft der Teletubbies auch Brücken, aber keine führt in ein Konzentrationslager. Aber man kann ja auch von außerhalb anknüpfen.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Teletubby Laa-Laa - masks at the dance floor

eh-oh

https://www.youtube.com/watch?v=xlNMk4SD6gA

Die 1997 produzierte Hymne der Baby-Serie hieß „Teletubbies say Eh-Oh“, war immerhin 32 Wochen in der deutschen Hitliste und erreichte dort sogar Platz 1  – womit die Teletubbies übrigens genauso viele Nummer-Eins-Hits in Deutschland hatten wie Elvis Presley (was immer das nun besagen kann).

Das von offenbar verzichtbaren Konsonanten befreite „hello“ war auch die Grußformel der Teletubbies. Im Video ist nun auch die gelbe Figur Laa-Laa zu sehen, wie sie vor einem runden Tisch tanzt, offenbar einer Werkbank. Auf ihr liegen flache Gesichtsschablonen. Recht viele sind bereits zu Boden gefallen und so ergibt es sich, dass die rundlichen (tubby) Trolle eben auch drauf herum laufen.

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken Installation Leute

 https://jhva.wordpress.com/2012/10/30/das-judische-museum-in-berlin/

Jüdisches Museum Berlin Memory Void Masken

 

Es ist nur eine kurze Sequenz und was sie bedeutet, ist nicht erklärt und tatsächlich verdiente das auch keine Beachtung, gäbe es zur geschilderten Szene nicht doch eine Entsprechung – und zwar an prominenter Stelle in einem gänzlich anderen Kontext, nämlich im „Jüdischen Museum“ von Berlin, dem auch international viel beachteten Bau von Daniel Liebeskind.

Dort gibt in einem hohen, aber engen und grauen, offenen Beton-Raum eine Installation des renommierten israelischen Künstler Menashe Kadishman (geb. 1932) die eben daraus besteht, dass der Boden mit solchen Gesichter-Schablonen oder Masken bedeckt ist. Das Werk nennt sich שכלת (schachelet), „Herbst“ – was auch vom Titel her zum Garten der Teletubbies passt – und ist eine jener „memory voids“ (: Erinnerungslücken) in der Konzeption des Museums, das sich abgesehen davon recht erfolglos vorgenommen hat, „zweitausend Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland“  zu verkörpern, außer man erweitert das Konzept der Erinnerungslücken auch darauf.

teletubbies eh oh holocaust dancing

Ob die Auseinandersetzung des Berliner Museums mit dem „Holocaust“ nun tatsächlich vom Promotion-Video des intellektuell eher bescheidenen Teletubbies SuperhitsEh-oh“ abgekupfert ist, mag man selbst überlegen. Es hat wohl auch damit zu tun, wie wahrscheinlich es ist, dass man einen Boden weiträumig mit flachen ausgestanzten Gesichtsmasken belegt und darauf herumläuft. Allzu häufig ist ein solches Szenarium wohl nicht anzutreffen.

Das Teletubby-Video stammt von 1997, aus dem selben Jahr stammt nach der Webseite http://www.kadishman.com/resume/ auch das Werk „Shakhelet“, was stimmen kann oder auch nicht, freilich wurde das Berliner Museum erst 2001 eröffnet und das Werk erst damit öffentlich.

Womöglich bestehen Begriffe wie „Museums-Pädagogik“ auch nicht umsonst. Wörtlich übersetzt wären dies Musen (Geister), die Kinder an der Nase herum führen. Da reicht dann auch ein Mann fürs Kadisch.

 Teletubby with mask stencil“Mary, mary, quite contrary …”

The mask at the floor installation at Jewish Museum in Berlin, called Shakhelet (autumn) maybe actually is an idea taken from the promotion video of British toddler TV program “Teletubbies” which was shot for the hit single “eh-oh” (for “hello”). The video is from 1997.

Berlin Jüdisches Museum Maske Jewish Museum Shachelet

The “Jewish Museum” in Berlin since 2001 presents the very same idea of distributing punched face like stencils on the floor in order to “remember” the “holocaust”as installation by the renowned Israeli artist Menashe Kadishman.

How come ..?

 


Namen im Holocaust ermordeter Juden aus Augsburg

February 11, 2014

Unter dem Titel

“NAMES OF AUGSBURG’S JEWISH HOLOCAUST VICTIMS – compiled by Mr. Gernot Roemer

findet sich unter der URL  http://infotrue.com/names.html

eine alphabetisch gegliederte Auflistung von Juden aus Augsburg aus dem Februar 2001.

Angemerkt ist: „The list includes Holocaust victims from surrounding small towns such as Kriegshaber, Pfersee and Goggingen who were also deported from Augsburg“.

Die genannten Orte waren in 1910ern Stadtteile von Augsburg geworden, konnten bei vorher geborenen Personen deshalb als eigenständige Geburts- bzw. Herkunftsorte genannt werden.

Das “Thema Holocaust” ist kein Schwerpunkt des JHVA, da wir uns der regionalen Geschichte der Juden und des Judentums verschrieben haben, doch sind Bezüge am Rande vor Ort ab und an unvermeidlich. Da wir wegen des sehr großen allgemeinen Interesses am “Thema Holocaust” immer wieder entsprechende Anfragen erhalten, ist es sinnvoll, Suchende auf die obige Liste zu verweisen, die auch vom “United States Holocaust Memorial Museum” referiert wird: http://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=20577

Rathaus Augsburg Holocaust Memorial

Aufgelistet sind folgende Familiennamen Augsburger Juden:

Adler, Ambrunn, Arndt, Arnold, Aufhäuser, Bach, Bacher, Bacherach, Baer, Bandmann, Barauch, Bauer, Baumann, Baumgärtner, Bein, Benda, Bendit, Bernheim, Bernheimer, Bingen, Bissinger, Blumenthal, Böhm, Bollak, Brader, Bruckner, Brummer, Charon, Cohn, Cramer, Dampf, Daube, David, Deller, Dessauer, Dick, Dörzbacher, Dreilich, Eckhard, Einstein, Einstoß, Eliasowitz, Ellinger, Emanuel, Engländer, Epstein, Erlanger, Fabian, Faktorschik, Farnbacher, Feist, Feuchtwanger, Feuer, Fichtelberger, Flegenheimer, Fleischmann, Frank, Frankenheimer, Frankenthaler, Frankfurter, Freund, Friedmann, Fromm, Fürst, Gallinger, Gärtner, Glückselig, Götze, Gog, Goldschmidt, Goldstein, Gordon, Grausmann, Großberg, Groß, Gruber, Grünewald, Grünhut, Guggenheimer, Gumperz, Gunz, Günzburger, Gutmann, Hass, Hanauer,  Hänlein, Hausmann, Heidelberger, Heilberg, Heilbronner, Heinemann, Herbst, Herrmann, Herrmanns, Herz, Hesselberger, Heymann, Hirsch, Hirschfeld, Hirschinger, Hirschland, Hirschmann, Hirsch-Tabor, Höchstädter, Högen, Homburger, Horkheimer, Horn, Höxter, Hubert, Jakubowski, Jaretzki, Julius, Kach, Kahn, Kapp, Katz, Kaufmann, Keller, Kemper, Klein, Klopfer, Koch, Kohn, Kornitzer, Köster, Krailsheimer, Krämer, Kretzschmar, Kronheimer, Kurz, Lammfromm, Lämmle, Landauer, Lang, Lauchheimer, Lauinger, Lauter, Lebermann, Lehmann, Leichter, Leiter, Lemle, Lesser, Levi, Levinger, Levy, Lewin, Lichtenauer, Lieblich, Liebstädter, Liffgens, Lion, Löb, Löw, Löwenstein, Löwenthal, Lübeck, Luchs, Lustig, Maier, Mändle, Martin, Marx, May, Mayer, Meier, Mendel, Mendle, Metzger, Meyer, Model, Mühlhäuser, Müller, Nauen, Nebel, Neuburger, Neumann, Nördlinger, Obernbreit, Oberbrunner, Oberdorfer, Obermayer, Oettinger, Oppenheimer, Pach, Pflaunlacher, Philipp, Politzer, Pollak, Priester, Rafael, Raff, Regensburger, Reis, Reiter, Reutlinger, Ries, Rieser, Rödelheimer, Rogger, Rosenau, Rosenbaum, Rosenberg, Rosenbusch, Rosenfeld, Rosenfelder, Rosenstiel, Rothschild, Rubinstein, Sämann, Sänger, Schablin, Schäfer, Schendel, Scheuer, Schlesinger, Schloss, Schlossberger, Schmidt, Schmitt, Schnell, Schülein, Schulz, Schwab, Schwarz, Schweizer, Sechehaye, Seliger, Seligsberg, Sichel, Sigalla, Singer, Slawinski, Spanier, Stein, Steiner, Steinfeld, Sternfeld, Stoll, Strauß, Süß, Teutsch, Thannhauser, Thormann.

Augsburg Holocaust NamesGedenk-Glas-Tafeln im Augsburger Rathaus

Eine weitere Forschungsadresse wäre die Datenbank von Yad&Shem: 

http://db.yadvashem.org/names/search.html?language=de (deutsch)


Jewish Museum Berlin

October 31, 2012

While many people today compare stories you tell them from your own experience with episodes they have seen in a movie or TV series, modern museum concepts try to explain the relationship between experience and museums. As a key institutional space of modernity  museums currently increasingly appear as active operator. You no longer just have to enter an usual room with some more or less precious samples in show cases or behind barriers. Modern concepts include interaction, audio-guides, videos, computers, screens and other touchable items you can grasp with your hands, in order to make as many different sensual “experiences” as possible. Maybe the way you know from a ghost train at funfairs.

When it comes to the question of how to organize a Jewish museum the problem to deal accurately with it obviously already is the requirement to deal accurately with it. Since for most Gentiles Judaism in one way or another is connected with the Holocaust, a Jewish Museum obviously is no funfair matter, although some ghosts are still haunting in many attics. One way to get over the known dilemmas for two decades or so was to use architecture and its forms as key element of a modern museum concept. Thus exhibition premises as well as individual showrooms, their furnishing, technical equipment, illumination, etc. have become at least as important as the actual exhibits.

If teenagers who grow up with umpteen sequels of “scary” movies and smart phone videos of bullied classmates are bored to look at poster sized black-and-white photos of murdered Nazi victims, let them enter a narrow, dark and rather frigid concrete tower which will leave on them the sensation of  “hopelessness” and “desperation”. At least that is what was the “master plan” in Berlin at the new “Jewish Museum” and since there is no intention to learn anything from jewish culture and tradition, that apparantly “works”.

The idea of the former Israeli director of the museum Amnon Barzel (born 1935) to use the museum as an instrument to portray German history from a Jewish standpoint, instead of the usual Gentile perspective on Jewish clichés, items and exhibits, was rejected. With Polish-Jewish architect Daniel Libeskind whose main aspect in architecture is “the experience” and Berlin born Werner Michael Blumenthal, (former Secretary of the Treasury under President James Carter from 1977-1979 and since 1997 successor of dismissed Barzel), who said at the opening the museum was “not for Jews but for Germans” the project broke out in another direction.

The Jewish Museum of Berlin, inaugurated two days before „9/11“ in 2001 is best known for its remarkable zigzag design, which is interpreted as “Blitz” by one or as “broken Star of David” by another, but actually also equals the more or less likewise random route of the Berlin Wall in the center of the town, which you can still take notice of on Berlin roads signed by marks. The makers of the federal museum obviously also felt some kind of connection and maybe therefore integrated a “Checkpoint Charlie” entry, where as visitor of the museum you will be treated like a terror suspect by the employees of a private security company.

You have to put all your baggage, such as backpacks, purses or handbags on a conveyor belt which takes it to a x-ray like apparatus. Next you have to undress your jacket and overcoat, because it also has to be roentgenized. Now you have to pass a security door system, which of course suddenly peeps as if you was leaving a supermarket or library with demagnetized items. No need to be embarrassed here, because it is just your key in your trouser pocket as one of the four security agents who are occupied with you instantly finds out with his hand held metal detector. He requests you to show the content of your trouser pocket. It is a bunch of keys. He looks fleetingly at the keys and asks you to put them in small plastic container one of his colleagues sticks toward you. Why? Because also your keys are x-rayed and you starting to worry whether this are reasonable security measures or harassments. And indeed your key does not contain any weapons as you know them from James Bond movies. But the hand probe of the security man now detects another peep worthy violation: your wallet in the other trouser pocket. Since Euro-Cent coins are mainly made from steel (covered by a copper alloy) there of course is another potential reckless endangerment. It is hard to imagine what kind of malicious insidiousness actually may fit in a flat fingernail sized 1-Euro-Cent coin, but of course the German saying goes” Ordnung muss sein”. Finally you pass all the examinations and you get your personal belongings back. Since it is no secret that there are terrorist attacks against Jewish facilities or others which they regard as such, you already accepted the procedure as a bit annoying and surely exaggerated – but maybe in some respects also as necessary. After all we know that from airports and the like. You received a thorough examination and usually that is the end of that! But not so in the zigzag-museum.

Although your belongings were checked and x-rayed by a number of people and probes, you are not allowed to carry any of it with you. In contrary there are no lockers which you can use to put your bags in. Every library or backwoods museum in Germany has lockers where you insert a coin and get personal key. Not so at the Jewish Museum in Berlin, where they have a checkroom instead with a number of additional personal from the same security company. They tell you that is not your decision what you may carry with you. You have to hand out your bags of course but also your jacket and overcoat. Why? The onset of winter outside and the concrete structure of the building of course do not warm up. Additionally a sign at the wall says that they assume not any liability for your belongings. Although half a dozen or more people treated you like a kind of criminal or terror suspect because as a Jew you wanted to visit the stately “Jewish” museum, in contrary you are requested to trust them, resp. to accept the possibility that your belongings will be lost.

Well, of course actually it was better to leave, but since you already have your ticket, you just ponder whether it was easier to get your money back or to “continue” with the exhibition. Of course you prefer the later. The permanent exhibition of the museum now promises to depict “two thousand years of German-Jewish history”. That sounds good, but unfortunately just is an advertising gimmick.

The first item of the exhibition is a replica of a small shard fragment of a late antique oil lamp with the partly survived emblem of a menorah on it. The original was found in the city of Trier and was dated “4th century”. Similar findings are known also in Augsburg or in Switzerland. Depending on whether you regard it as the beginning or end of the century the small replica remarkably already covered three or four hundred years of “German-Jewish history”. The next item was another replica of two figurines we already knew from Bamberg where we had seen a copy at the façade of the Cathedral and the original inside the church: two female statuettes which depict “ecclesia” (church) and “synagoga” (synagogue), which are dated about the middle of 13th century. The Berlin Museum now has a snow white plaster cast of the figures. Before you could turn around you already have left 1250 of the 2000 years of German-Jewish history behind you. Next there are some gimmicks like a huge hinged garlic bulb which represents the medieval Jewish communities of Speyer, Worms and Mainz. The Hebrew initials of the names frame the word “shum”, which actually means “garlic”, but it also means “nothing”. It is a common phrase in Hebrew to answer questions like “is anything wrong?”, “what is happening?” or “do you want to bring any weapons of mass distraction into the museum?” with “shum davar!”, what means “nothing at all” or “forget it!”

Soon after that you will be in the Baroque period, introduced by the famous “memoirs” by Glückel of Hameln (זיכרונות גליקל האמיל,see: http://en.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCckel_of_Hameln), written about 1700. Actually the exhibition of the museum rather deals with the history between 1700 and 1945, two and a half centuries of modern Jewish German history, which of course rather is portrayed from the standpoint of the Gentile perspective. The pretention to represent “two thousand years” of history is misleading. In the same way it has not that much to do with Judaism, rather with some more modern day Jewish individuals whose roads of life are portrayed as far they were on the move on “common ground”. To put in a nutshell: sort of German-Jewish assimilation history over two and half century until the rise of the Nazi party who tore everything to shreds.

The museum concept is “between the lines”. So the architecture, especially the façade is characterized by crossed lines or let’s say by different kinds of crosses (The part of Berlin where the Museum is is called Kreuzberg,that means “Cross-Mountain”… ). A concrete building covered by zinc-coat sheets with cross windows of course does not represent the “openness” architect Libeskind was pretending. It is cold and impersonal, oversized and obtrusive. But as we know this comes not by accident but is part of the exhibition idea, which is to impress people rather by the architecture than by the exhibits (or replicas).

Double-cross window at Jewish Museum Berlin

Double-cross emblem in “Great Dictator” (wikipedia)

Double cross also is a phrase meaning to deceive by double-dealing, but there is no need to over-intellecualize the matter, since there also are a number of empty spaces called “voids”. One called “memory void” has some 10.000 (nobody wants to examine the figure) “faces” of steel, which are distributed on the ground of a narrow, some 60 feet tall “room” of uncovered concrete walls. The masks or “faces (as they put it) represent “the victims” – which one is unclear, but a number of sources say that a bit more than ten thousand Jews were killed by the Nazi. You can see there many visitors walking on the masks (or: “faces”) in order to listen the “sound” when they clang. A funny experience for school classes obviously. So they may “experience” what it is like … to jump on the faces of victims. Another “void” is the so called “Holocaust-Tower” (there is no explanation what actually is a holocaust – tower, the name obviously speaks for itself. Does it?). It is another rather pointy and high concrete room which now is complete dark – at least you have the impression until your eyes realize a small window at the ceiling. There, as we heard from leaving teenagers “you can feel the holocaust”. Isn’t that the experience Jewish museums urgently want to convey? Where else you can get such an “experience” for so little money?

one of the lower ten thousand


Vom Leben der Juden im wundervollen Creglingen

August 12, 2010

קרעגלינגען

Creglingen im “malerisch schönen” Taubertal, rund 20 Kilometer nordwestlich von Rothenburg ob der Tauber gelegen, ist ein relativ kleiner Ort, der mit seinen neun eingemeindeten Nachbardörfern über weniger als 5000 Einwohner verfügt. Das seit 1437 nachweisbare Wappen Creglingens zeigt zwei schwarze Leoparden mit roten Zungen und gibt das Emblem des fränkischen Fürstenhauses Hohenlohe wieder, die in der ins 11. Jahrhundert zurückreichende Burg Brauneck, unweit des heutigen Creglinger Ortsteils Reinsbronn einen Herrschaftssitz hatten. Im Schatten der Burg dürften die kleinen Weiler nur jeweils aus wenigen Gebäuden bestanden haben, die im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung standen.

Um dies zu ändern bedurfte es eines Wunders.  Einer genau datierten Ortslegende gemäß, fand ein namentlich nicht genannter Bauer am Nachmittag des 10. August des Jahres 1384 auf einem Acker eine „unversehrte Hostie“ und brachte diese sofort zu den hohenloher Herren auf die Burg. Diese waren der Überlieferung nach von diesem „Wunder“ sehr angetan – immerhin entspricht die Hostie (lat. Schlachtopfer)  in der katholischen Mythologie dem „Leib Christie“. Freilich trifft dies auf geweihte Hostien zu, die deshalb auch von noch nicht geweihten streng geschieden werden. Bei dem Fund des Bauern muss es sich demnach wohl um eine geweihte Hostie gehandelt haben, wobei unklar bleibt, welche äußerlichen Merkmale dies zu erkennen gaben. Mittelalterliche Hostien sollen den Überlieferungen gemäß in der Weise ungesäuerter jüdischer Matzen gebacken worden sein, offenbar jedoch in wesentlich kleineren Durchmesser. Die hohenloher Herren jedenfalls waren sich ihrer Sache dann aber wohl sehr sicher, ließen sie doch am zunächst wohl eher kleinen Fundort der Hostie eine Herrgottskirche errichten, die 1389 fertig gestellt, in der Folgezeit aber dem knapp 900 m nördlicher gelegenen Ort Creglingen wie der Region zu einen gewissen Aufschwung verhalfen. Anders erging es dem Stifter, dessen männliche Linie bereits im Folgejahr ausstarb. Die Kirche hingegen wurde zum Wallfahrtsort und nach 1500 mit einem vielbeachteten, neun Meter hohen Marienalter in der Form einer Monstranz ausgestattet, der heute als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Holzschnitzwerke gilt. Sein Schöpfer soll Tilman Riemenschneider aus Würzburg gewesen sein, doch das ist womöglich ebenfalls legendär, da der Altar ab 1530, nachdem die Kirche evangelisch wurde, für rund 300 Jahre von schnöden Holzbretten verhüllt gewesen sein soll. So wurde er erst 1832 wieder entdeckt, während für die Zeit zuvor weder Autorenschaft noch Standort des Alters belegt werden können (vgl. Holger Simon: Der Creglinger Marienaltar von Tilman Riemenschneider, Berlin 1998, S.181 ff.).

Spätestens als um 1520 die Juden aus der nur 18 km entfernten Reichsstadt Rothenburg vertrieben wurden, ist damit zu rechnen, dass sich zumindest einige von ihnen auch in der einen oder anderen Weise in der näheren Umgebung niederließen, was ein Dokument aus dem Jahre 1532 zumindest in Bezug auf Creglingen für einen gewissen Josef von Biberach für die Dauer von zwei Jahren bestätigt. Jedoch überliefert die Geschichte des Ortes, der seit 1448 zur Markgrafschaft Ansbach gehörte, erst am 9. Juli 1618 den Schutzbrief für den Händler Simson aus Reinsbronn, der mit seiner Frau und seinen unverheirateten Kindern und seinen gleichfalls unverheirateten Dienern in Creglingen unter dem Schutz des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg – Ansbach wohnen darf und das Haus in der heutigen Badgasse 3 erwirbt, in welchem nun das Jüdische Museum untergebracht ist. Reinsbronn freilich war nur 4 Kilometer entfernt und ist heute in Creglingen eingemeindet.

http://www.juedisches-museum-creglingen.de

Viele der späteren Creglinger Juden stammen von jenem Simson ab, von dem ansonsten nur wenig bekannt ist und bis zur Einweihung der Synagoge in der Neuen Straße im Jahr 1800 diente sein Haus, ab 1635 im Besitz seines Sohnes Isaak, in Creglingen auch als Lebensmittelpunkt der wenigen Juden am Ort und bot folglich auch die entsprechende Räumlichkeit für das Lernen und Beten. Lange später wird das Gebäude deshalb auch noch als „alte Judenschule“ bezeichnet. Später war das Gebäude eine Scheune und heute befindet sich darin, das im Jahr 2000 eingerichtete Jüdische Museum,  ermöglicht unter anderem durch den Ankauf des Gebäudes durch Arthur Sinsheimer Obermayer, ein in 12. Generation abstammender Nachkomme des Simson von Reinsbronn. Neben zahlreichen Dokumenten und Ausstellungsstücken zur Geschichte der Creglinger Juden, von gräflichen Schutzbriefen, Reisekoffern und Strümpfen über Betpulte und -bücher, Reste von Synagogenleuchtern bis hin zu Mobiliar, das die finstere Epoche der Arisierung des Besitzes aus jüdischen Haushalten überdauerte, bietet sich heutigen Schülern, aber auch älteren Semestern, an Computerterminals die Gelegenheit Basiswissen über die jüdische Ortsgeschichte, wie auch über das Judentum selbst zu begegnen. Beispielsweise der an vielen anderen musealen Orten weit weniger gewürdigten Tatsache, dass der „Holocaust“ weder Höhepunkt noch Endpunkt der jüdischen Geschichte in Deutschland war.

1655 sind 30 Personen in sieben Familien verzeichnet, natürlich in Steuerakten, da sich das Interesse an den Juden mitunter auf die Höhe ihrer Steuerleistungen beschränkt(€). Im weiteren urkundlich fassbaren Zeitraum machten die Juden rund ein Zehntel der Bevölkerung von Creglingen aus, das stark von Landwirtschaft und Viehhandel geprägt war und aber im Verlaufe des 19. Jahrhundert mit einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von ca. 1250 Einwohnern insgesamt stagnierte. Ein weiteres Wunder blieb aus. Für die Juden in Creglingen hatte es die Konsequenz, dass sie zumindest in nachnapoleonischer Zeit keine eigenen Rabbiner im neudefinierten Sinne aufweisen konnten und folglich in der Zeit von 1834 – 1914 dem Rabbinat in Weikersheim und ab da bis 1939 dem Rabbinat in Mergentheim zugeordnet waren. Eine Zählung im Jahre 1925 ermittelte in Creglingen 1191 Personen, wovon 77 Juden und 22 Katholiken waren, die übergroße Mehrheit hing dem protestantischen Christentum an.

Einen besonderen Stellenwert in der Spätgeschichte der Juden von Creglingen nimmt bis heute das Geschehen vom „25. März 1933“ ein. An jenem Tag, einem Samstag, zwei Wochen nach Purim, nahm die regionale Nazi Organisation der SA mehrere, man spricht von sechzehn, Creglinger Juden fest, um sie zu „verhören“ (oder eher zu verhöhnen). Als der bereits 67jährige Pferdehändler Hermann (Zvi bar Menachem) Stern versuchte zu fliehen, wurde er von den SA-Leuten geschlagen und im Sitzungsaal des Rathaus, gegenüber der damaligen Schule, ohne ärztliche Hilfe den Nachmittag über liegen gelassen, so dass er noch am selben Abend, vor Schabbes-Ende um halb acht Uhr zu Hause verstarb. Hermann Stern war der letzte jüdische Eigentümer des Hauses in der Badgasse, in welchem die nachweisbare jüdische Ortsgeschichte ansetzt und sein 1900 geborener Sohn Emil, auch er zählte zu den Überfallenen, soll 1939 als letzter in Creglingen wohnender Jude den Ort verlassen haben. An den Folgen der offenbar recht brutalen Behandlung durch die Nazis stirbt kurz darauf, am 2. April 1933, in einem Würzburger Krankenhaus auch Arnold (Aharon Mosche ben Meir) Rosenberg, ein 53jähriger Viehhändler. Bereits am Tag nach der Begebenheit, also am 26. März verstirbt in Creglingen auch die 57jährige herzkranke Peppi Sinsheimer – wegen der Aufregung. Ihr Ehemann Rudolf (Rafael) Sinsheimer , im Ersten Weltkrieg noch Frontsoldat der deutschen Wehrmacht und mit einem Ehrenkreuz ausgezeichnet, gehörte gleichfalls zu den Verhafteten und Misshandelten, überlebte aber. Er konnte 1940 über Spanien und Portugal in die USA emigrieren.

Der Sitzungssaal im ehemaligen Rathaus, in welchem Hermann Stern stundenlang schwer verletzt am Boden lag, ist heute ein eigener und durchaus eigentümlicher Gedenkraum. Zum einem ist er leer und abseits einer kargen alten Deckenleuchte ohne jegliche Einrichtung, dafür ist er in der dem damaligen Aussehen nachempfunden grünlichen Farbe gestrichen und mit technisch versierten Fenstern versehen, die in regelmäßigen Abständen milchig trüb und dann wieder klar werden (wie um den Raum zeitweilig zu verhüllen), während die Lampe, wie uns Herr Martin Heuwinkel vom jüdischen Museum erläuterte, in der Abenddämmerung anginge und sich erst um etwa ein Uhr nachts ausschalte. Auf diese Weise gibt Creglingen nun dem unfassbaren Geschehen des „25. März 1933“ Raum und Besuchern – es leben keine Juden mehr am Ort – zugleich auch Freiraum für eigene Reflektionen, während das Datum und die Geschehnisse in Creglingen über den Ort hinaus als „Pogrom“, „Mord“ oder als „Beginn des Holocausts“ und Hermann Stern gar als „erstes Holocaust-Opfer“ schematisiert werden. Die Schandtaten der Nazischergen waren schlimm genug, und schon am Folgetag brachen sie einer Frau in Creglingen im Wortsinn das Herz, jedoch erscheint eine solche Attribution doch als eine Art makabere Suche nach einem Superlativ, der womöglich helfen soll, drei Tote aus über sechs Millionen herauszuheben und Ihr Leiden unendlich zu machen. Ein wenig erinnert dies konzeptionell doch an jenen (ganz) anderen Juden, dessen weit länger noch zurückliegende Leiden an vielen Hölzern oder noch einfacher als in Gold gefasstes Backwerk zur Schau gestellt wurde. Es irritiert, zumal man sich fragt, was diesem Beispiel folgend, wohl in den Verhörräumen anderer, größerer deutscher Städte eingerichtet werden sollte? Wo nun aber jenen Toten, in aller Stille und Bescheidenheit und ohne Schmuck und Kränze nicht am Ort ihrer Bestattung, am Creglinger Friedhof gedacht werden soll, so ist vielleicht, beim Versuch der inneren Leere zu entfliehen, ein Leerraum noch die geeignetste Position um einer weiteren Symbolisierung entgegenzutreten.

Memorial plate at Creglingen Jewish Cemetery

Creglingen a small townlet in the valley of the Tauber river, only 20 km from famous main tourist attraction Rothenburg ob der Tauber is regarded as scene of a medieval host miracle as well as of the beginning of the holocaust. Since 2000 inside an old barn there is a Jewish Museum in Badgasse 3 dedicated to the maybe 400 years of Jewish history in Creglingen and now incorporated villages as Archshofen or Reinsbronn, while a single and entirely empty room in the former townhall just remembers one Shabbes afternoon in the history of the place.


Von Martin Luther und seinen Lügen

July 27, 2010

Zugegeben, der Titel liest sich für manche wohl etwas ungewohnt, kehrt er doch eine Schrift aus dem Jahr 1543 namens „Von den Juden und ihren Lügen“ von Martin Luther (1483-1546) um. Luther war der Begründer der nach ihm benannten Kirche, der Lutherischen Kirche, deren “Weltbund” (Lutheran World Federation = LWF) seit kurzem von dem Palästinenser Munib Younan geleitet wird, der den Staat Israel mit der südafrikanischen “Apartheid” gleichsetzt und Israels Politik als „Sünde gegen Gott“ bezeichnet. Dass nun Younan in Stuttgart zum Vorsitzender der Lutheraner gewählt wurde, ist sicher kein Zufall, wenn man die Ansichten des Urdeutschen Martinus Luther zu “den Juden” besieht.

Kurz gefasst war Martin Luther ein fanatischer Judenhasser, der sie, „die Juden“ mit ihm, „dem Teufel“ gleichsetzte. Er unterstellte Juden pauschal Räuber und Betrüger zu sein. Dass er sich dabei nicht gegen ein, zwei Leute richtete, mit denen jeder mal schlechte Erfahrungen machen kann, oder vielleicht selbst nur einen schlechten Tag hatte oder zwei, geht aus seinen dann doch sehr zahlreichen Verleumdungen gegen Juden hervor, die er über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder publizierte. Er diffamierte Juden tatsächlich wo er konnte, und zwar pauschal, wie gesagt. So schrieb er bereits 1526 „1400 Jahre sind die Juden unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen.“ Unter Berufung auf Luther hatten politische Antisemiten (die als sog. ein Thema – Partei jahrelang im Reichstag saßen) im späten 19. Jahrhundert daraus den Slogan „Die Juden sind unser Unglück“ verkürzt gebastelt, der auch zum Motto von Julius Streichers Verleumdungspostille „Stürmer“ wurde. Ihr Vorbild Luther nannte Juden unentwegt „Teufel“ und sagte, dass er sie „am liebsten eigenmächtig umbrächte.“

Luther Augsburg St. Gallus 21 Oktober 1518

Martin Luther Tafel bei St. Gallus in Augsburg: … einst selbst auf der Flucht

In seiner „Lügen“-Schrift forderte er schrill dazu auf, Synagogen und Schulen zu verbrennen, jüdische Häuser zu zerstören und die Juden „wie die Zigeuner“ in Ställen wohnen zu lassen. Ferner wollte er den Juden den Talmud und ihre Gebetbücher “wegnehmen”, ihren Rabbinern das Lehren verbieten, Juden generell freies Geleit untersagen, ihren jedes Bargeld und Schmuck nehmen, und sie schließlich zur Zwangsarbeit verdammen.

Wenn moderne Historiker darin das Nazi-Regime vorweg erkennen, ist das wohl keine sonderliche Gehirnleistung, erforderte aber bei den betroffenen Anhängern des Verleumders bis in die letzten Jahre einige Anstrengung und Überwindung. Wie will man auch damit umgehen, wenn der eigene Prediger der Rechtschaffenheit “plötzlich” als “Wegbereiter des Holocaust” porträtiert (und öffentlich diskutiert!) wird. Nichts das daran irgendetwas Neues wäre, man hatte sich doch früher ganz ausdrücklich dazu bekannt, mit Unmengen von Stolz und lautem Geschrei und nicht nur die wesentlichsten Nazi-Führer haben sich dabei auf Luther berufen, so auch Hitler, Goebbels und Streicher, sondern Lutheraner landauf, landab.

In einer weiteren Schrift stellte Luther 1544 fest, dass es nicht seine Absicht ist, Juden zu bekehren, sondern den „Deutschen Historien“ aufzuzeigen, „was ein Jude sey“ und dass die Warnung vor ihnen „vor dem Teufel selbst zu warnen“ ist: „nicht um die Juden zu bekehren, welches eben so nützlich ist als den Teuffel zu bekehren.“

Luther des Teufels Dudelsack von Erhard Schön 1536… und als “Dudelsack des Teufels” (1536) verspottet: Luther-Kopf

Viele Luther-Apologeten versuchen seine Äußerungen unvermeidlich schönzureden, hängt ihr sonstiges Weltbild doch nicht unwesentlich von ihm und seinen Lehren ab. Eine dieser Sinnestäuschung besteht in der Behauptung, dass der frühe Luther den Juden durchaus “wohlgesonnen” gewesen sei, dann aber enttäuscht darüber war, dass sie sich vom ihm nicht zum wahren Christentum bekehren ließen. Auch sei er, trotz seiner zahlreichen, pauschalisierten, Juden verteufelnden Ansichten “im Grunde kein Rassist” gewesen, da er sich in seinen Schriften ja sogar auf einen angeblichen konvertierten Juden berufen habe. Gemeint ist Antonius Margaritha, der ein Sohn des letzten mittelalterlichen Regensburger Rabbiners gewesen sein will und 1522 zum Christentum übergetreten war, um ein Enthüllungsbuch mit dem Titel „Der gantze jüdisch Glaub“ zu verfassen. Das Werk wurde 1530 in Augsburg gedruckt, jedoch gelangte der Autor dort auch in Haft, da der jüdische Gelehrte Rabbi Josel von Rosheim (den Luther sich übrigens weigerte zu treffen!) den Fälscher anzeigte und öffentlich nachwies, dass er zahlreiche erfundene und verfälschte Aussagen als jüdische in sein Werk setzte, um die Juden zu verleumden. Schon damals als Fälschung entlarvt, spricht nichts wirklich dafür, dass es sich tatsächlich um einen Juden handelte, der zum Christentum übertrat, vieles deutet aber darauf hin, dass er mit diversen Wendungen ansatzweise vertraut war, und wohl ein christlicher Diener der Regensburger Juden war oder wahrscheinlicher um einen Pfaffen aus der neidischen Nachbarschaft.

Wie dem auch sei, weil Luther diesen Autor zitierte, konnte er wohl kein Rassist und Antisemit sein. Ganz so als würde ein Antisemit “niemals” Verleumdungen über Juden zitieren, die von sog. “Kronzeugen” stammten? Ganz so als ob Antisemiten an sich rechtschaffene Leute wären, die nur lautere Methoden nutzten.

Es ist im Grunde sehr erbärmlich, solche Argumente zu benötigen.  Aber das liegt nur daran, dass man derzeit Hass auf Juden als Schande sehen muss. Aber der Nahe Osten bietet aktuell und in Zukunft offenbar den Ausweg aus dem Dilemma. Und so ist es unter der neuen palästinensischen Schirmherrschaft der Lutheraner auch kein Wunder, dass sich zumindest schon auf Arabisch und Englisch Antisemiten wieder auf Luther und seine Lügen über die Juden berufen. Wie die Lage einzuschätzen ist, ergibt sich daraus sicher eine neue eigene Dynamik unter den frommen Lutheranern und Israel als postuliertes Feindbild.

Yehuda Shenef 2009 Gelber Ring yellow ring AugsburgGelber Ring von Augsburg 1434


„Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich“

April 20, 2009

In Anspielung auf die Debatte um die umstrittene Piusbruderschaft und den international kritisierten Holocaust-Leugner, Bischof Richard Williamson betonte der Augsburger Bischof Mixa in einer öffentlichen Rede beim „politischen Aschermittwoch“ im schwäbischen Dinkelsbühl, dass es „den Holocaust in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten sicher gegeben“ habe. Er fügte jedoch hinzu, dass „diese Zahl durch Abtreibungen bereits überschritten“ sei. Nun herrscht allenthalben Empörung darüber, dass der Augsburger Bischof trotz Bekräftigung der Opferzahl den Holocaust relativiert habe, während von seinem Amt entsprechende Vorwürfe als „bösartig“ zurückgewiesen werden.

Leugnung und Relativierung des Holocausts findet bei Revisionisten und Minderbegabten in der Regel über die „unfassbare“ Zahl der auf- oder abgerundeten „sechs Millionen“ ermordeter Juden im Nazi-Reich statt. Der umstrittene englische Bischof tat dies aber auf eben diese Weise und bezweifelte diese Zahl und wollte allenfalls zwei- oder dreihunderttausend ermordeter Juden einräumen. Sein Augsburger Kollege tut dies ausdrücklich nicht. Stattdessen merkt er an, dass die Zahl der Abtreibungen die Zahl der Holocaust-Opfer „bereits“ übertrifft. Das kann sachlich stimmen oder auch nicht, aber es wirft die Frage auf, was diese Verknüpfung nun eigentlich besagen soll. Die Zahl von sechs Millionen Toten ist auf vielerlei Weise übertroffen worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa schätzt, dass jährlich etwa eine Million Menschen Suizid begehen. Wenn das stimmt, wären das über sechzig Millionen Selbstmörder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Können wir daraus einen relevanten Vergleich zur Zahl der Holocaust-Opfer konstruieren oder zur Zahl der Abtreibungen? Oder wie wäre es mit der Zahl der Verkehrstoten, die alleine in den Mitgliedsstaaten der EU jährlich bei rund 50.000 liegen soll? Welchen sachlichen Zusammenhang gibt es also zwischen Holocaust und Abtreibung? Vermutlich keinen, außer man wollte sagen, dass jene die vor der Barbarei des Hitler-Regimes abgetrieben wurden, dem Holocaust entgingen. Vielleicht wollte der Bischof ausdrücken, dass er die Anzahl der Abtreibungen für skandalös hält und mit der Feststellung, dass sie bereits höher als die Zahl der Holocaust-Opfer sei, vergleichsweise zu wenig Beachtung findet. Auch das mag sein. Die Frage wäre dann freilich, warum er die Abtreibungen nun ausgerechnet den jüdischen Nazi-Opfern entgegen hält. Die Zahl der sechs Millionen bezieht sich ausschließlich auf sie, aber kamen nicht auch zahlreiche nichtjüdische Menschen ebenfalls in den KZs oder bei Erschießungen, usw. um? Warum sollen nun ausgerechnet die jüdischen Nazi-Opfer der Maßstab sein? Das leuchtet nicht ein. Ist ihm, dem deutschen Bischof die Zahl nichtjüdischer Nazi-Opfer etwa unbekannt? Oder gibt es unter der Hand in solchen Aussagen nicht doch eine Art Kalkül wie manche argwöhnen? Als zu Jahresbeginn jüdische Soldaten gegen den Beschuss Israels durch die Hamas militärisch vorgingen, tönte es aus dem Vatikan, die Lage im Gaza-Streifen gleiche einem Konzentrationslager. Dabei hätten die katholischen Geistlichen, wie wir nun zumindest ahnen, auch andere Vergleiche ziehen können, etwa indem sie feststellen, was denn tausend getötete Palästinenser im Vergleich zu sechs Millionen getöteter Juden ausmachten und warum es ein solches internationales Geschrei darum gibt. Ein solcher Vergleich wäre gewiss nicht passender oder geschmackvoller und (fast) jeder würde sich fragen, was die Palästinenser denn nun mit den Nazi-Opfern zu tun hätten. Das anti-semitische Programm der Hamas außen vor lassend fragen wir uns so aber stattdessen, was Abtreibungen damit zu tun haben sollen und stellen fest, dass dumme Vergleiche dieser Art scheinbar gesetzmäßig immer zuungunsten der Juden ausgehen “müssen”.

 

Der liberale Rabbiner der Augsburger jüdischen Gemeinde äußerte jüngst die Ansicht, dass es „der natürliche Lauf der Dinge“ sei, dass Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen „bestenfalls nur hundert Jahre“ überdauerten. Es obliege deshalb den Verwandten und Nachkommen, für die bleibende Erinnerung und das Gedenken zu schaffen. Für die jüdische Gemeinden selbst hingegen bestehe „keine Verpflichtung für den Erhalt dieser Gräber zu sorgen“, so Dr. Brandt, ausgenommen seien vielleicht Denkmale “berühmter Rabbiner” oder anderer prominenter Personen.

In Zeiten wirtschaftlicher Engpässe ist dies gewiss ein nachvollziehbarer Gedanke, zumal im hiesigen christlichen Umfeld Grabplätze in der Regel nur für die Dauer von etwa zehn Jahren „gepachtet“ werden. Kommt danach kein Angehöriger mehr dafür auf, wird der Platz für den „Nachmieter“ freigemacht. Eine zumindest für das traditionelle Judentum unausführbare Idee, gilt ein Grabplatz doch als ewiger Besitz des Verstorbenen und die Erinnerung an ihn als religiöses Gebot.

Münzt man die obige Aussage nun aber auf dem Holocaust, so reduziert sich auch die Zahl der Holocaust-Opfer, derer man gedenkt nach etwa hundert Jahren, also zur Jahrhundertmitte, freilich auch auf einige tausend Rabbiner und sonstiger Prominenter …

Man merkt, dass es sich nicht wirklich lohnt, solche “Gedanken” weiterzuspinnen, ganz gleich ob sie nun von Bischöfen, Rabbinern oder weniger berühmter Leute stammen, denn natürlich war es nie so gemeint, wie man es zu Ende denkt und jede andere Auffassung wäre im Nachhinein gewiss „bösartig“ oder doch zumindest abwegig und aus dem „Zusammenhang“ gerissen.

So ist es nun auch etwas verwunderlich, dass der Augsburger Bischof ob seiner gewiss etwas seltsamen Äußerung ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, obgleich es als sicher gelten kann, dass er mit Holocaust-Leugnung oder –relativierung gewiss nichts am Hut hat, während in Deutschland andererseits zahlreiche Islamisten oder wie jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz der im Westen noch als „gemäßigt“ geltende Iranische Parlamentspräsident Ali Larijani in aller Öffentlichkeit den Holocaust bestreiten können – ohne Entschuldigung oder gar Konsequenzen. Sein Regierungschef wird zudem als „Ehrengast“ der Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen eingeladen, obwohl er keinen Hehl daraus macht, den Holocaust öffentlich zu leugnen.

Gegen den britischen Bischof strebt die deutsche Justizministerin hingegen einen Haftbefehl an.

Aber da sind wir vielleicht schon wieder bei einem unpassenden Vergleich.


Die verwehrten Anfänge

September 15, 2008

 

How was it possible that Nazis in Germany  were able to seize power 75 years ago – seemingly without enormous efforts and what were the circumstances in Augsburg? Taboo breaching questions for decades an exhibition is trying to answer now, without digging to deep into the past.

 

Die am 14.09.2008 eröffnete Ausstellung „Machtergreifung“ in Augsburg. Anfänge der NS-Diktatur 1933 – 1937 und der dazu erschienene Katalogband versuchen Erklärungen dafür zu finden, wie und warum sich der Nationalsozialismus in der Stadtgesellschaft Augsburgs vor 75 Jahren so rasch etablieren konnte. Im Katalog vermerkt Prof. Dr. Andreas Wirsching, dass sich die NS-Diktatur in Augsburg „ohne großen Widerstand durchsetzteohne dass zuvor eine besonders breite nationalsozialistische Parteibasis bestanden“ habe.

Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte des Nationalsozialismus stand „lange Zeit nicht so im Fokus, wie man es bei einer Stadt in der Größe Augsburgs voraussetzen müsste“, konstatierte so auch Dr. Michael Cramer-Fürtig vom Augsburger Stadtarchiv. Zuvor bemängelte bereits Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl in seinem Grußwort im Goldenen Saal des Rathauses, dass es in den sechs Jahrzehnten seit dem Ende der Naziherrschaft, in Augsburg „fast ein Tabu“ gab, sich mit deren lokaler Verstrickung und Ausprägung näher zu befassen und „es offenbar auch eines Generationswechsels bedurfte“, um die kritische Aufarbeitung zu ermöglichen. Beigetragen dazu habe sicherlich „eine personelle Kontinuität“ in vielen Institutionen und Behörden, die eine frühere Auseinandersetzung verhindert habe. Das klingt ungewohnt kritisch, ja mitunter selbstkritisch, andererseits aber auch eher wie eine (vielleicht ungewollte) Begründung für einen Machterhalt alter Seilschaften nach der Kapitulation des Nazi-Regimes, als nach einer Erklärung für den Aufstieg der Nationalsozialisten, dem eigentlichen Thema der Ausstellung. In diesem Kontext stellte Beate Merk, Bayerns Justizministerin fest, dass es gerade auch Richter waren die den Nazis gegenüber erstaunliche Nachsicht übten und sie mit Freisprüchen und milden Urteilen  belegte, während Gegner der Nazis oft verunglimpft und verspottet worden seien. Diese Auffassung lässt sich zwar ohne weiteres anhand zahlreicher Beispiele belegen, jedoch erklärt sich daraus nicht, wie und warum die damaligen Richter so eingestellt waren und welche Voraussetzungen dafür vorlagen. Merk zufolge zeige dies aber, dass „die Institution einer Demokratie alleine nicht ausreicht, um vor politischen Extremisten zu schützen, wenn die Gewaltenteilung nicht funktioniert und die Justiz versagt“. Sachlich ist auch dies richtig, aber welche Lehre sollen wir heute daraus ziehen, wenn in Deutschland anders als etwa in den USA Richter nach wie vor nicht demokratisch gewählt, sondern ernannt werden ..?

Der nächste Redner, Prof. Pyta aus Stuttgart, Autor einer Hindenburg-Biographie, verwies darauf, dass Hitler nicht an die Macht gekommen wäre,  wäre es nach den Bayern und Süddeutschen gegangen – eine Aussage, die vor bayerisch-schwäbischen Publikum gut ankommen musste und zahlreiches bestätigendes Nicken in den Reihen der Zuhörer auslöste. Erstaunlich eigentlich, 75 Jahre danach und ohne Anwesenheit eines damals bereits erwachsenen Zeitzeugen. Zugleich ist es natürlich auch zutreffend, dass „die Würfel in Berlin gefallen sind“, wie Pyta es formulierte. Und hier führte er die Spur auf den Reichspräsidenten Hindenburg, der keineswegs ein seniler alter Mann gewesen sei, sondern genau gewusst habe, was er tat. Hindenburg habe realisiert, dass die Mehrheit der Bevölkerung antidemokratischen Kräften folgte und sei selbst alles andere als ein Freund einer liberal-demokratischen Demokratie gewesen. Hitler schien ihm deshalb als Instrument zur Beseitigung dieses Konstrukts durchaus willkommen, insofern sich dieser selbst beherrschen ließe. In der Tat gehörten Hitlers Kabinett zunächst ja auch nur zwei weitere Minister der NSDAP an.

Obwohl allseits betont wurde, dass das „große Geschehen“  gerade durch die lokalen Bezüge „dem Publikum“ greifbarer und verständlicher gemacht werde, wollten die Beiträge der Redner nicht so ganz zum Ausstellungstitel passen. Und so tat man sich sichtlich schwer damit, Augsburger Besonderheiten herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, welche Gefüge vor Ort bestanden.

Wer waren jene, die rasche und Jahre anhaltende Karrieren machten, wer half dabei und wer passte sich an? Wer profitierte im Einzelnen von den sog. „Arisierungen“ und von der Verdrängung jüdischer Bürger in der Stadt? Welche Personen waren es in Augsburg, die Regimegegner denunzierten oder verhafteten, mit „Boykott“-Tafeln vor den Geschäften standen oder für das Reichssippenamt genealogische Studien betrieben oder jüdische Friedhöfe in der Stadt schändeten oder in der sog. „Reichskristallnacht“ früh morgens um halb vier die Synagoge anzündeten und Thorarollen zerfetzten?

Es ist richtig, dass der „30. Januar 1933“ nicht einfach vom Himmel fiel, aber auch die Geschehnisse danach können nicht als „Selbstläufer“ aufgefasst werden und so bleibt die Frage nach „Hitlers willigen Helfern“ (Goldhagen) weitgehend unbeantwortet und unter der anders verstandenen Formel „Wehret den Anfängen“ bleibt „das Tabu“ im Grunde bestehen.

 

Die Ausstellung (im Unteren Fletz des Augsburger Rathauses) selbst bietet, wie Dr. Cramer-Fürtig betonte, nur rund hundert von mehreren hundert verfügbaren Exponaten, der Katalog immerhin die doppelte Menge. Sie boten – gruppiert um teilweise mit Stacheldraht gekrönten Bauzäunen – einen eigentümlichen Kontrast zu den zahlreichen geladenen Gästen, die mit Sektgläsern bewaffnet neben Bildern von Hitler, Naziaufmärschen ,  Photographien der zerbombten Augsburger Innenstadt oder politischen Propagandaplakaten einander zuprosteten und mit sich selbst und der Kontaktpflege beschäftigt waren. Zur nüchternen Betrachtung bleibt freilich noch bis zum 16. November Zeit und im Rahmen begleitender Ausstellungen und Vorträge Gelegenheit.

 

 

 

Katalog zur Ausstellung:

Michael Cramer-Fürtig, Bernhard Gotto (Hg.), Machtergreifung in Augsburg. Anfänge der NS-Diktatur 1933–1937 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Augsburg, Bd. 4), Augsburg 2008.

ca. 420 Seiten mit mehr als 300 Abbildungen, Klappenbroschur, 19,80 Euro, Wißner-Verlag Augsburg, ISBN: 978-3-89639-654-9.