Mal wieder ein Kurzaufhalt in Thannhausen

April 1, 2016

Stadionkapelle Thannhausen Synagoge– remains of Jewish history  –

Die heutige „Stadionkapelle“ (die nichts mit einem Sport-Stadion zu tun hat) im schwäbischen Thannhausen (nahe Krumbach/Hürben) geht auf das Jahr 1720 zurück und basiert auf einer urkundlich erstmals 1627 erwähnten Synagoge, die sich am selben Platz befand oder im späteren Umbau integriert wurde. 1718 jedenfalls verwies der christliche Ortsherr der Familie Stadion die wenigen verbliebenen Juden aus Thannhausen, wo sie schon seit zwei Jahrhunderten gelebt hatten.

Stadionkapelle Thannhausen former synagogue טאנהויסן    تانهاوزن

Die Kapelle, so berichtet die Info-Tafel an der Kirche, werde im Volksmund heute noch „Judenkapelle“ genannt, was sich während eines Kurzaufenthalts freilich weder bei den Anwohnern, noch im gegenüberliegenden Straßencafe (orta şekerli bir fincan, lütfen!) verifizieren ließ, da man dort nur Türkisch hörte, … wo „es“ sodann dann auch “Yahudiler şapel” oder so ähnlich heißen müsste. Das klänge aber nur entfernt ähnlich …, falls es denn überhaupt wen interessieren sollte. Ben şüpheliyim.

Thannhausen Straßenszene mit Stadionkapelle SynagogeStadion-Atmosphäre in Thannhausen

Advertisements

חג פסח כשר ושמח

April 2, 2015

chag pessach sameach 5775 augsburg 2015

Passover symbol Augsburg Synagogue

Emblem für das Passah (pessach) Fest in der Augsburger Synagoge

* * *

Allen Freunden und Mitgliedern

ein frohes, koscheres und gesegnetes Pessach

* * *

a happy, healthy, blessed and kosher Passover

to all friends an members

* * *

אַלע פריינט

Счастливого Песаха


Alte Synagoge Augsburg Wintergasse

April 4, 2014

Im Gebäude “A 13” (alte Litera Nummerierung) an der Ecke Wintergasse / Hunoldsberg befand sich von 1861 bis 1917 die Augsburger Synagoge. Haus A 13 als bisheriges Wohnhaus entsprechend umgebaut und  und erweitert. Nach der Einweihung der neuen Synagoge 1917, deren Grundsteinlegung im April 1914 sich demnächst zum 100. mal jährt, wurde das immerhin 56 Jahre lang als Synagoge genutzte Haus verkauft und dem Vernehmen nach gewerblich genutzt. Im “Zweiten Weltkrieg” heit es weiter, sei das Gebäude “völlig zerstört” worden, was aber eher für die bebachbarten Gebäude zutrifft. Der gegenwärtige Anblick jedenfalls scheint recht genau mit der vielleicht kurz nach der Einweihung der neuen Synagoge in der Halderstraße entstandenen Zeichung von Paul Tautenwein übereinzustimmen. Der untere Gebäudeteil gehört jedoch zum Haus A 85.

Augsburg Alte Synagoge Wintergasse Hunoldsberg Tautenwein 1917 und 2014Old Augsburg synagogue at Wintergasse / Hunoldsberg corner

(drawing by Paul E. Tautenwein c. 1917, foto 2014)


Das Kupfer der Augsburger Synagoge

December 17, 2013

Synagoge Augsburg Kupfer Blech Dach LöweBlechdach der Augsburg Synagoge mit Löwe

Bericht aus der jüdischen Wochenschrift „Im Deutschen Reich“, Heft 1, 1918, S. 37, vom Januar 1918:

Das Kupfer für die Augsburger Synagoge. Die „Deutsche Volkswirtschaftliche Correspondenz“ hatte kürzlich die Mitteilung gebracht, nach einer Erklärung des israelitischen Vorstands in Augsburg sei diesem für den Neubau der inzwischen fertiggestellten Synagoge von der Militärverwaltung zur Verzierung der Verkrönung und des Dachs eine Menge von 18.6 Zentnern Kupfer bewilligt worden. In konservativen und antisemitischen Blättern darob großer Lärm. Nach Mitteilungen des Kriegsamts liegt dieser Nachricht folgender Sachverhalt zugrunde:

Da in Frage kommende Kupfer ist vor Ausbruch des Krieges beim Deutschen Kupferblech-Syndikat in Kassel bestellt worden. Die Lieferung des Kupferblechs erfolgte in den ersten Monaten nach Kriegsausbruch, als eine allgemeine Beschlagnahme aller Kupfervorräte noch nicht erfolgt war. Nach Angabe der den Bau ausführenden Firma wurde der Weiterbau der Kuppel auf ein Attest des Stadtmagistrats in Augsburg hin als Notstandsarbeit vollendet. Eine Freigabebescheinigung einer militärischen Behörde konnte von keinem der Beteiligten bis jetzt vorgelegt werden.

Inzwischen ist das Kupfer der Synagoge beschlagnahmt und enteignet worden. Die Ablieferung wird in kurzem erfolgen. Sie hat sich verzögert, weil die Beschaffung von Ersatzblechen erst jetzt möglich war. Außerdem hat die Augsburger Synagogen-Gemeinde der antisemitischen „Wahrheit“ aufgrund § 11 des Pressegesetzes eine Berichtigung geschickt, es sei erfunden und unwahr, dass der Synagogenvorstand sich geweigert habe, der Aufforderung zur Abgabe und Ablieferung des Kupferdaches nachzukommen. Vielmehr habe der Vorstand die freiwillige Ablieferung der Hauptmasse (3670 kg) sofort angemeldet und lediglich um Befreiung der Ablieferung von 932 kg, die zu kunstvollen Arbeiten der Bekrönung und Verzierung verwendet worden waren, ersucht.

* * *

synagoge Augsburg Kupferdach Kuppel Luftbild