Bild: „Talmudist macht sich einen Pharisäer“

August 3, 2017

Pharisäer heißen im Christentum die Rechtsgelehrten rabbinischer Talmudschulen und ihre Schüler (die Talmidim). In den Evangelien werden sie als Kontrahenten des Jesus karikiert, mit denen er zur Zeit der römischen Militärbesatzung in eigenartiger Weise darüber herumstreitet, ob man am Schabbes Kranke heilen (!) darf (ja sicher) oder ob man Becher außen und innen sauber halten soll.

Im Christentum ist der latinisierte „Phariseus“ zum Synonym für Heuchelei geworden, was als Pauschalisierung durchaus antisemitisch ist. Der griechisch-lateinische Begriff Pharisäer nun basiert auf dem hebräischen Ausdruck פרושי (pruschi), was auf das Verb פרש (parasch) zurückgeht und (sich) zurückziehen, absondern, usw. heißt. Im Lateinischen wäre das in etwa „privat“, von privare = abgetrennt, eigen, etc.

Kurz und gut: Ein Pharisäer ist im Wortsinn ein Privatmann.

Wegen der christlichen Nebenbedeutung des Heuchlers haben es Pharisäer auch auf die Speisekarte von Cafés geschafft. Dort ist ein Pharisäer nun ein Kaffee mit Rum und Schlagsahne. Traditionell serviert in einer stilgerechten Tasse trinkt man den Pharisäer durch die Sahne.

Da der Rum in der Tasse versteckt und mit Sahne bedeckt gut getarnt ist, ergab sich der Legende nach ausreichend Grund, um den versteckten Alkoholkonsum als Pharisäertum zu betiteln. Angeblich soll dies „im 19. Jahrhundert“ auf einen nordfriesischen Inselpfarrer zurückgehen, wie man bei Wikipedia nachlesen kann. Dort steht auch, dass sich 1981 ein deutsches Amtsgericht mit dem Pharisäer befasst habe. Ein Pharisäer ist demnach erst dann „echt“, wenn er 4 cl „Flensburger Rum“ enthält, wie der Baedeker Reiseführer „Deutsche Nordseeküste“ zu berichten weiß: „Rum wurde traditionell von den Antillen an die Nordseeküste importiert, doch war er durch den Handelsweg sehr teuer und wurde daher mit preiswerterem einheimischen Schnaps gemischt und als »Flensburger Rum« bekannt.

Wurde der Rum der Legende nach versteckt und war der Genuss des versteckten Alkohols Anlass von Heuchelei zu sprechen, so wurde nun vor Gericht ein ordentliches Mindestmaß an Heuchelei, … respektive Schnaps verbindlich festgelegt.

Wie man sieht, hat sich wie vieles in der christlichen Welt auch hier einiges mehrfach ins Gegenteil gekehrt und so verschroben verschoben, dass man als Außenstehender etwas Mühe hat, die eigentliche Sache im Blick zu bewahren. Die Sahnehaube als Tarnung ist so gesehen durchaus charakteristisch.

Was soll man als Talmudist nun damit anfangen? Eine kürzlich als Schnäppchen erworbenes Tassen mit der Aufschrift Pharisäer und dazugehörigem Untersetzer bot Gelegenheit und Anreiz, als Privatmann ml einen Pharisäer auszuprobieren:

Kaffee zu bereiten ist das einfachste: stark, pur, heiß, simpel (neither Shnick nor Shnack)

Da es hierzulande mit חלב ישראל schlecht bestellt ist und ich (wegen meiner chronischen Treife-Intoleranz) ohnehin seit langem כושר פרווה – bzw. „vegan“ esse und trinke, besorgte ich eine Dose Soy Whip Soya Spray Cream von Soyatoo, zu Deutsch Sprühsahne aus Soja, die zugleich glutenfree ist und laut Beschreibung (warum auch immer) auch keinen Knoblauch oder Senf enthält, noch nicht mal Erdnüsse!

Was nun „Flensburger Rum“ betrifft, so fühle ich mich dieser offenbaren Panscherei aus Rum und billigerem Schnaps nicht verpflichtet und nahm stattdessen Gin (nicht: الجن ), weil ich letztens von Jubiläumsgästen aus den USA eine Flasche Gordon’s London Dry geschenkt bekam (warum auch immer) und davon mehr als die vom Flensburger Amtsgericht verordnete Menge vorrätig war (… ähm und noch ist!). Der Alkoholgehalt ist mit 37.5 % auch ordentlich hoch.

Kurz und gut: das Rezept war mit Kaffee, Sojasahne-Spray und 6cl Dry Gin einfach zu realisieren. Sozusagen eine koscher-vegane Pharisäer-Variante. Das Ergebnis ist auf dem Photo zu sehen. Mehr freilich nicht, was aber in der Natur der Sache liegt.

Und? „Smegt gut“, wie die Mutter meiner Tochter zu sagen pflegt.

Fehlt nur noch ein Jesus für Innen-Rum-Außen-Rum-Diskussionen.

אבל; אני מעדיף פלפל במקום קרם

  •  * * *

Pharisee as Christian Gospel relate is known as a synonym for hypocrits. As generalization of Rabbinic and Talmudic Judaism it is mere antisemtism. It Northern Germany however a “Fairy-Sayer” was introduced as a cup of coffee whit whipped cream topping in order to conceal the rum in it. Since Christians in their self-assesment are free of hypocrisy they called the speciality coffee a Pharisee. Why? Because it was hypocrisy to camouflage the alcohol with cream topping. In 1981 however a German district court ruled that a “real” Pharisee at least must contain the amount of 4 cl of rum. Traditionally “Flensburg Rum”, a blended rum.

Since I had acquired a Pharisee cup at a flea market the other day I now had to try it out: A Talmud Jew does his own, kosher parve Pharisee drink with soy cream and Dry Gin instead of Rum.


Koscher in Altomünster

July 22, 2015

Altomünster Metzger Emblem Auslager Stierkopf gekreuzte Beile

 

Beim neuerlichen Besuch in Altomünster (nahe Aichach im Landkreis Dachau) fiel einmal mehr das goldene Metzger-Emblem auf, das doch sehr an die Koscher-Siegel jüdischer Gemeinden erinnert, die bis zum zum späten 19. Jahrhundert in der Region überall präsent, allgemein bekannt und als Qualitätszeichen geschätzt wurden.

Koscher Siegel Kriegshaber kosher butcher

Koscher-Siegel (Hech’scher) der Metzger von Kriegshaber (bis 1886)

Altomünster Metzger Wappen Ausleger

Und was ist nun koscher in Altomünster?

Das Bier …

Altomünster Kapplerbräu Dunkles

sogar mit dem European Beer Star ausgezeichnet

European Beer Star Award Altomünster


Habemus matzam ..? How to prepare homemade Matzo

April 3, 2015

Habemus matzam? Wie man zu Hause koschere Matzen zubereiteten kann.

Unsere Vorfahren hatten vor etwa dreieinhalb Jahrtausenden zu Pessach keine Zeit, um Teig für gewöhnliches Brot (das damals wahrscheinlich eine Art Fladenbort oder Pita war) zu machen und so reichte es nur zu ungesäuertem Brot. In der Haggada hat die Matza מצה den (aramäischen) Namen לחמא-עניאlachma aniya“, „armes Brot“, das Brot der Armut. Komischerweise sagen die viele Quellen heute, dass es zu schwierig oder zu aufwändig wäre das Brot der Armut selbst zu backen und so essen die meisten Leute heutzutage industriell gefertigte Matzen aus den Fabriken.

Kaum zu glauben, aber wahr. Was aber macht es so schwierig eine Speise herzustellen, die aus nur zwei Bestandteilen – Mehl und Wasser – besteht und die Sklaven auf der Flucht zubereiten konnten

Unsere Weise haben festgelegt, dass zwischen dem Zeitpunkt an dem Wasser und Mehl gemischt werden und dem fertig gebackenen Brot nur maximal 18 Minuten liegen dürfen, damit jede Form der Fermentierung oder Säuerung ausgeschlossen werden kann.

Ist man gut vorbereitet, wozu ein möglichst hoch vorgeheizter (freilich generell koscherer und gesäuberter) Ofen, ohne den der Zeitrahmen natürlich nicht eingehalten werden kann, bleibt ausreichend viel Zeit zur Herstellung von Matzen, insbesondere, wenn man in der eigenen Küche oder einer vertrauten Umgebung arbeiten kann und nebenbei keine Eindringlinge abwehren muss oder weder gejagt noch verfolgt wird.

Koschere Matzen müssen, um als solche gelten zu können, mit Mehl hergestellt werden, das ausschließlich aus Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel oder Hafer hergestellt wurde. Hafer enthält kein Gluten, das Kleber-Protein (von engl. „glue“ = Kleber), sondern Avenin, einen zwar verwandten Stoff, der Zöliakier offenbar aber schadlos ist. Voraussetzung dafür ist freilich, dass der Hafer auch entsprechend behandelt und verarbeitet wurde. Da sich aber auffallend viele Hersteller selbst nicht sicher sind, ob ihre Produkte nicht doch „Spuren von Gluten“, Nüssen oder was noch enthalten können, finden sich entsprechend häufig Hinweise auf Verpackungen.  Wir können für Industrieprodukte, für die selbst ihre Hersteller nicht garantieren wollen, natürlich auch keine Haftung übernehmen.

Zurück zum Thema. Ein matz-barer Teig besteht lediglich aus Mehl und Wasser – nichts anderes kommt dazu, kein Salz, kein Backpulver, keine Hefe oder was sonst den Prozess beeinflussen könnte. Nur Mehl und Wasser und zwar etwa im Mischungsverhältnis 2 zu 1. Da Mehlsorten unterschiedlich ausfallen können, variiert das etwas. Der Teig ist perfekt und verwendbar, wenn er beim Kneten nicht mehr an den Fingern kleben bleibt.  Wenn das Ergebnis etwas fade schmeckt, ist es genau richtig, denn wie bereits gesagt ist es das Brot der Armut.

Um im Zeitplan bleiben zu können, mischt man (vielleicht mit einem Helfer) immer nur so viel Teig an, wie man auch für einen Back-Vorgang gebacken bekommt. Überschüssiger Teig, der herum steht, wäre wegen des 18-Minuten-Limits disqualifiziert.

Den fertigen Teig sofort auf die Arbeitsplatte und ihn so dünn wie möglich ausbreiten, ggf. mit einem Nudelholz. Mit Gabeln oder ähnlichen, kann man noch charakteristische Löcher einstechen, die für eine bessere Luftzirkulation sorgen. Nun kommen die Fladen in den geheizten Ofen. Backt man mehrere Matzen, ist Butterbrotpapier oder ähnliches geeignet, um die Scheiben auskühlen zu lassen.

Hat man nun eigene Matzen “gebacken bekommen” kann man diese natürlich auch mit Salz oder was immer würzen, was auch an Pessach erlaubt ist (also nichts mit Hefe, Weinessig, usw.).

Ve-achschaw: habemus matzam – es is(s)t matzbar.

homemade matzo - osem knedlach - Augsburg Matzen

 

Our ancestors about 3 and a half millenniums ago at Pessach had no time to prepare ordinary bread so there only was time to have unleavened bread. The Haggadah names the matzo lachma anya, the bread of poverty.  Funnily most sources today say homemade matzo is too difficult and that is why most people eat factory fabricated matzot today.

Hard to believe, ummmm ..?

Well, what actually is so difficult about a dish which poor slaves were able to prepare while I on the run?

Our sages leave us a maximum of 18 minutes from the time when the flour is mixed with water until the finished baked bread. Well, actually that is enough time, if you are well prepared, especially if you can stay in your own kitchen and have neither intruders nor some odd people who chases or haunts you.

Just realize that a matz-able dough is about 2 parts flour and 1 part water.

You are obligated to have flour either of wheat, rye, barley, spelt or oats. The later is to be recommended if have problems with gluten, the “glue” protein composite which gives a dough of wheat, rye or barley its characteristic elasticity. Oats however, if not mixed with other grains or improperly handled (what you have to make assure yourself) does not contain gluten, but another, similar protein called avenin which is tolerated by celiac diets.

The dough is perfect if it does not tick on your fingers. You need nothing else. No salt, spices, baking agent or anything. Nothing what may influence the baking process in one way or another. If it tastes somewhat insipid, you are right. Remember: as quoted, it is a bread of poverty. 3 or 4 minutes are enough to knead the dough and roll it out with a rolling pin.

Finally you need a pre-heated oven – without you can say good-bye to the idea of 18 minutes bread anyway – and thus you have almost the quarter of an hour left to bake your own matzot. Maybe you have a helping hand at your home, you can assign the different tasks with.

However, it has proven beneficial to have some kind of sandwich paper in order to separate your slices.

By the way, if once backed an finished you may eat your homemade matzo of course with salt or whatever may give taste to it, unless it is kosher for o Pessach (no chametz).


חג פסח שמח

April 13, 2014

semel pesach augsburg 5774To all our members and friends in the world

a happy, healthy, kosher and inspring

Passover 5774

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Allen Mitgliedern und Freunden

ein frohes, koscheres, gesundes Pessach


Schwäbische Esther Rollen aus Pfersee und Kriegshaber

October 14, 2013

Mangold Blätter Kriegshaber Pferseefrische Mangold Blätter (chard leafs) vom Augsburger Stadtmarkt

SCHWÄBISCHE ESTER ROLLEN

= gefüllte Mangoldblätter nach alten jüdischem Rezept aus dem ehemaligen österreichischen Schwaben (Pfersee, Kriegshaber)

Das Rezept ist erhalten in einem Brief aus dem Herbst 1699 in welchem Jitle Ulmo, die Frau des Metzgermeisters und Prüfers Meir Ulmo aus Pfersee ihrer jüngeren Nichte, die interfamiliär nach Prag geheiratet hatte eine Anzahl von Rezepten für das bevorstehende Laubhüttenfest aufschrieb.

Ganz simpel zählt es die erforderlichen Zutaten auf, die ja ohnehin nach dem eigenem Gusto zur Anwendung kommen: erdbiren, schapkas, simsem, patim, pilpel und frischen knowel mischen, in bletter fon mangold einrollen und in der Pfanne mit dem obligatorischen Leinöl heraus backen oder braten.

Mit der „Erdpir“ oder „Erdbirn“ war damals noch die „Kartoffel“ gemeint. Schapkas ist Schafskäse, mit Simsem ist Sesam gemeint, der damals aus der Türkei importiert wurde und entsprechend teuer war. Patim sind die schon in der antiken jüdischen Küche fast überall enthaltenen Brotkrumen, die übrig bleiben und bei zahlreichen anderen Speisen beigemischt wurden, insbesondere bei Suppen, Saucen, etc. um Halt und Festigkeit zu geben. Knowel oder Knobel ist wie man sich denken kann, der Knob-Lauch und wie bei allen Speisen verwendete zumindest Frau Ulmo aus Pfersee zum Braten Leinöl, mit seinem feinen leicht nussigen Geschmack.

Hinweis: Traditionelle jüdische Rezepte erfordern eine Reihe von Voraussetzungen, die heute nicht immer zweifelsfrei gegeben oder ohne weiteres erfüllbar sind. Beispielsweise ist es in Deutschland derzeit nicht möglich und auch allgemein nur sehr schwierig, die ursprünglichen Voraussetzungen der Chalaw Jisrael-Bestimmungen für koschere Milch einzuhalten. Das biblische Gebot nicht das Zicklein in der Milch seiner Mutter zu kochen, ist in der Tora gleich dreimal erwähnt, woraus die talmudischen Weisen auf ein dreifaches Gebot schlossen, nämlich in Bezug auf die Grausamkeit gegenüber dem Tier diese nicht selbst auszuführen, einem Übertreter keine Bühne zu bieten und schließlich vom Bruch des Gebotes in keiner Weise zu profitieren.

Deshalb empfiehlt es sich Schafskäse und dergleichen durch Tofu und/oder sog. “Analogkäse” (meist  ebenfalls aus Sojabohnen) oder aus anderen, pflanzlichen Fetten, etc. zu ersetzen.  Sie sind geschmacklich in der Regel genauso gut, schmecken oft sogar besser. Der selbe Rat gilt natürlich auch all jenen, die an einer Milch-Allergie leiden, die in der Regel als sog. „Laktose-Intoleranz“ etikettiert wird.  Aber es sind nicht Sie die „intolerant“ sind, wenn ihr Körper sich versucht, sich gegen die völlig überflüssige Aufnahme fremder Brustmilch einer anderen Spezies zur Wehr zu setzen.

Kriegshaber Pfersee Jewish Esther Rolls Mangold filled chard rolls17th century Jewish food from Swabia: filled Esther Rolls cooked with linseed oil

SWABIAN ESTER ROLLS

An old Jewish recipe from former Austrian, today Bavarian Swabia as noticed by Jitel Ulmo wife of the master butcher from Pfersee Meir Ulmo in fall 1699 in order to instruct her younger niece who had married to Prague and needed some haimishe (homey) recipes for the imminent festival of booths (suckot).

The recipe quite simply adds the needed components, obviously because everything else depends on the taste and experience of the cook and the eater: potatoes, ewe’s cheese,  sesame,  breadcrumbs, pepper and fresh garlic, mixed altogether and filled in the leafs of the chard (mangold), fried in crude linseed oil.

The term erdpir or erdbirn literally means “earth berry” and was the then common name for potatoes – later under Prussian influence “kartoffel” as corrupted version of the Italian “Tartuffo” prevailed in whole Germany, although in Austria and some parts of Bavarian Swabia “Erdapfel” (earth apple, compare French “pomme de terre”) still is frequent in spoken language. Schapskas is sheep cheese. Sesame in late 17th century was very expensive and exported from Turkey. As for many other dishes crumbs of bread as a useful leftover of shabbes was used during the week and was added to other recipes especially to soups or sauces. For all known recipes Mrs. Ulmo used linseed oil (which has a fine nutty flavor) for frying anything in an open pan. 

NOTE: Traditional Jewish recipes take some requirements for granted which however today mostly cannot or only hardly can be matched. Usually there is no milk in Germany which meets the kashrut requirement of original chalav yisroel standards. The commandment not to cook the kid in the milk of the mother, which is mentioned 3 times in the Tora and thus it is regarded as a three-way commandment: not to perform and not to stage any kind of transgression and in no way to derive any benefit from being cruel to animals.

Therefore it is recommended to replace ewe’s cheese by tofu and/or so called cheese analogues (most frequently from soy beans as well) or from any other plant based substitutes. Of course the advice is given to people who suffer from increasing milk allergies (usually belittled as “lactose intolerance”, but is it you who is “intolerant” when your body tries to resist the needless absorption of another beings breast milk?)

HAVE A GOOD MEAL


Schwein gehabt

October 10, 2013

Schwein München Yehuda ShenefSchwein gehabt in München

Uns Juden wird oft ein besonderes, sprich gestörtes Verhältnis zu Schweinen nachgesagt. Dabei werden richtiggehend Berührungsängste postuliert, die man stelle sich vor, so weit gehen sollen, dass Juden Schweine nicht essen. Aus Sicht der Schweine ist eine solche Haltung eine sehr gute, ja sogar gesunde. Gegessen zu werden setzt nämlich den eigenen Tod voraus und den wollen auch dümmste Schweine natürlich vermeiden.

Es stimmt zwar, dass Juden gemäß der Anordnung der Tora Schweine nicht essen sollen,aber daraus ergibt sich sonst eigentlich nichts. Das Schwein ist eines von sehr vielen Tieren, dass nicht gegessen werden soll. Auch Adler soll man nicht essen oder Löwen, die viele (auch jüdische Wappen) schmücken. Bären isst man nicht, Elefanten isst man nicht. Auch ein Krokodil, Hund, Hase oder Pelikan lassen sich nicht koscher zubereiten. Insekten nicht, Katzen nicht, keine Würmer und keine Delphine, Affen, Pferde, Raben oder Kamele. Kein Schwan, kein Schwein.

Kein verletztes, gequältes oder krankes Tier darf gegessen werden und auch Tiere die durch die Jagd sterben dürfen nicht gegessen werden.

Das Ideal wäre sogar Veganismus, wenn man die Empfehlungen zu Ende denkt.

Tora comments to eat no pork. Pig however is nothing special. Also lions, digs, cats, camels, ravens oder swans are not permitted either. Furthermore it is forbidden to hunt or to eat ill or hurt animals what sort ever. The ideal of ancient Judaism is to  eat just vegan, that is without any meat or milk, etc.


Schwein gehabt in Augsburg

June 21, 2013

 Augsburg Augustus SchweinsteigerKaiser Augustus als “Schweinsteiger” am Rathaus-Platz

Richtig, im Judentum ist Schweinefleisch “tabu”, nicht kòscher. Das macht es aber auch nicht schwerer dem Appel zu folgen, der heute am Augsburger Rathaus-Platz für vegetarische (oder weit besser noch: vegane) Ernährung zu werben und gegen sog. “Massentierhaltung” zu protestieren.

Schweine Lech Augsburg Augustus BrunnenSchweine und Lech – Figur am Augustus-Brunnen in Augsburg

Das Judentum hat, wie man weiß, mit Tierschutz, recht viel am Hut. Keine andere Religion verknüpft eine solche Menge an gesetzlichen Bestimmungen mit dem Schutz von Natur und Tieren. In biblischen Zeiten war Fleischessen jedoch eine Ausnahme und alles andere als alltäglich. Auch weil Tauben, Schafe, Stiere eher Währungseinheit, Tausch- und Zahlungsmittel (auch im Kontext des Tempelopfers) waren. Vor Noach war das Essen von Tierleichen überhaupt kein Thema und im Grunde ist auch danach nicht so gerne gesehen.

Das sehr charakteristische Verbot vom Mischen von Milch und Fleisch – ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal des Judentums – basiert auf dem immerhin drei mal in Tora erwähnten Verbot ein Ziegenkind in der Milch seiner Mutter zu kochen. Diese dreifache Erwähnung führte zur dreifachen Anwendung des Gebots: weder die Praxis ist erlaubt, noch das Essen und schließlich auch nicht in irgendeiner Weise davon zu profitieren. Auch wer Milch und Fleisch mischt, ohne es selbst zu essen, verstößt gegen das Gebot der Tora, auch wer Milch und Fleisch weder zusammen isst und es auch nicht zusammen mischt, verstößt trotzdem gegen das Verbot der Tora, wenn er eine solche Mischung bloß verkauft und damit einen Vorteil daraus zieht.

Es ist klar, dass die Bestimmungen aus Talmud-Tora Massentierhaltung im modernen Sinne ziemlich unmöglich machen, schon weil gewöhnliche Milch-“Gewinnung” ohne Grausamkeit und Tierquälerei faktisch nicht möglich ist. Dem geschwängerten Muttertier wird das Kalb, dem Kalb die Milch, und wenn es männlich ist auch das Leben weg genommen, weshalb die weiße Milch im Grunde rot und blutig ist. Massentierhaltung und industrielle Ver- oder besser gesagt Ent-Wertung von Tieren ist mit der Halacha nicht vereinbar.

Die Bestimmungen von חלב ישראל‎ werden allgemein natürlich nicht praktiziert und so ist der Hinweise darauf, dass der Konsum von Milch, die nicht chalav jisrael ist zu טמטום הלב (timtum ha-lew) führt. Dies bezieht sich auf eine grundsätzliche Haltung, doch auch wenn diskutabel erscheint, was eine “Herzverdummung” im Grunde sein mag und Kabbalisten eigene Vorstellungen davon haben, braucht man es nicht zu verkomplizieren.  Im Klartext kann man es auch rational leicht fassen, denn die “Fähigkeit”.

Grausamkeit gegenüber Tieren als Basis des eigenen Genusses ohne eine Spur Mitgefühl zu praktizieren oder zu akzeptieren oder davon zu profitieren

ist im Grunde keine kulturelle Leistung auf die man stolz sein kann, sondern lediglich eine still Übereinkunft in der Gesellschaft, die damit sehr, sehr viel Geld verdient und fast ausschließlich bei eigenen Verfehlungen sehr nachsichtig ist.

Für ein physisches Verständnis von timtum ha-lew spricht schließlich auch die heutzutage in allen Geschäften in zig Varianten anzutreffenden “Produkte”, die damit werben, “laktosefrei” zu sein, also keinen “Milchzucker” zu enthalten. Offenbar macht all dies eine Menge Leute buchstäblich krank.

Augsburg Rathaus Mastschwein

Augustusbrunnen Augsburg Wertach Schwein

In order to promote vegetarian or vegan cuisine (and a certain organization), there was a animal welfare action with huge pigs at Rathaus – Platz in Augsburg today. Opportunity to point out, that Talmud Tora laws of course are not compatible with the practices of  mass husbandry or factory farming, since cruelty against animals is forbidden. Of course that also applies for non cholov yisroel milk and the like.


Die Berliner Matzen – Polizei

November 1, 2012

Wenn man das Jüdische Museum in Berlin besucht hat, hat man schon einen guten Eindruck davon, wie man zweitausend Jahr jüdischer Geschichte in „Deutschland“ auf dreihundert (Jahre) Klischees reduzieren kann. Man kann lernen, wie man auf den „Gesichtern“ von jüdischen Opfern herumspringt und sie dadurch zum „Klingen“ bringt (sich dann aber über sog. U-Bahn-Schläger echauffieren!?)  –und in der beton-charmanten Dunkelkammer kann man „den Holocaust“ fühlen. Auch hat es für viele wohl einen denkbaren “Reiz“, sich als Terrorverdächtiger durchleuchten zu lassen, noch bevor man die erste Menora-Kopie zu Gesicht bekommt, … doch was bleibt sonst außer den traurigen, weil zerbröckelnden Friedhöfen?

Wo trifft man das (angeblich, mit Hilfe des Axel Springer-Verlags propagierte so “pulsierende”) „jüdische Leben“ in Berlin? “Insider” verweisen da u.a. auf das „Beth Cafe“ in der Tucholsky-Straße. Das ist so benannt nach dem hebräischen Wort für Haus, nicht nach dem (etwa gleichklingenden deutschen) Schlafplatz. Der integrierte Laden nennt sich „כל-בו“ verspricht also etwa „alles drin“. Dann mal sehen, was sich verändert hat zu früher, als da noch nichts “pulsierte”.

Draußen stehen erst mal zwei Polizisten. Das war vor ‘nem Jahrzehnt auch schon so, nur dass sie damals noch grüne Uniform-Jacken trugen. Heute sind es eben blaue. Warum das so ist, wird mir auf Anfrage sogleich erklärt: Die Farbe der Uniform sei jetzt Ländersache. Klar, dürfte die Stadt entscheiden, wären sie ja vielleicht auch rosa. Vielleicht der nächster Zeit! Wie auch immer … kol bo, alles inbegriffen.

Kol Bo Bet Cafe Berlin 1998

Kol Bo Berlin 1998

Vor dem Laden gibt es eine Absperrung mit einem Schild, das sich auch vor Museen und vor Synagogen und Synagogen-Resten in Berlin findet. Drauf steht:

Es ist polizeilich untersagt, Fahrzeuge und andere Gegenstände aller Art auf der Fläche vor diesem Gebäude abzustellen. Bei Zuwiderhandlungen wird die Entfernung auf Kosten des Verursachers veranlasst. – Der Polizeipräsident in Berlin

Erleichtert stellen wir fest, dass wir anders als beim Museum unsere “Sachen” wenigstens behalten dürfen. Hinter der Glastür mit der Aufschrift כשר befindet sich nun die kleine, etwas enge Cafeteria, die aber ohne Gäste ist. Fast, denn am Nebentisch sitzen zwei alte Männer und quasseln auf Hebräisch, immerhinOffenbar sind es Rentner, denn sie vergleichen die Situation von solchen in Deutschland und Israel und überhaupt “die Lebensverhältnisse” in beiden Ländern, und ja … auch die Leute.

Als wir uns setzen, meint einer der Alten: „גם היהודים בגרמניה הם רק גרמנים“ und als bedürfte es dafür einer sofortigen Bestätigung  dafür, kommt auch der Kellner auf mich zu, forschen Schrittes und mit erhobenen Händen rudernd, um mir zu sagen, dass es hier keine Drehgenehmigung gebe, ja und das auch fotografieren verboten sei.

Was für eine Drehgenehmigung? Hää? Bitte waaas …? Wir waren ja gerade mal an den Tisch herangetreten, an welchen wir uns setzen wollten und hatten nur Taschen und Rucksäcke auf die Stühle gestellt, und ja, tatsächlich, die Videokamera stellte ich eben auf dem Tisch ab, um sogleich die Jacken und Mäntel auszuziehen, Platz zu nehmen und die Speisekarte zu sondieren. So wenigstens wäre der “Plan” gewesen. Aber so geht das nun mal nicht.

Der Kellner zeigte sehr bestimmt mit dem Finger: Auf dem Tisch fand sich der Hinweis, dass das Benutzen von Mobiltelefonen, Fotokameras (digital und analog), Videokameras und PCs, sowie Laptops nicht gestattet sei – aus Sicherheitsgründen – und das Ausnahmen nicht möglich seien. Da standen wir also wieder erst mal etwas verdutzt herum. Gehen? Bleiben? Lachen? Streiten? Lachen? Gehen? Bleiben?

Ich steckte die Videokamera in den Rucksack – aus Sicherheitsgründen – und murmelte, dass wir sowieso das, ähm … Drehbuch im Auto vergessen hätten, ich nur schriftliche Notizen machen würde … Der Kellner schien befriedigt und ging wieder weg. Nachdem wir Platz genommen hatten, kam eine Frau und fragte nach unseren Wünschen. Wir bestellten einen Milch-Kaffee und ein Bier. Letzteres war ein Fläschchen Makkabi. 0.33 Liter für 4.90 €, das ergibt einen Literpreis von 15 Euro. Dafür gäbe es in Israel eine saftige Watschen und zwar völlig zurecht! Bei der letzten Wiesen kostete die Maß maximal 9.50 Euro. Aber was nutzt es zu lamentieren? Es dient bestimmt der Sicherheit und passt sicher auch zum Klischee, dass israelisches Bier preiswert ist.

Aus irgendeinem Grund liefen nun (etwas laut) Schnulzen mit Titeln wie „Maria“ (mia san mia ..!?), „Don’t cry for me Argentina“ (tja, warum auch?!) und dann auch noch das nicht minder leidige „Age of Aquarius“. Das niedrig-przentige, dafür hochpreisige Bier und der Milch-Kaffee wurden serviert, dazu rätselhafter Weise aber eine Schale mit Matzen und roter, schwach gewürzter Ölsauce. Letztere machte uns im Gegensatz zu dem Matzot etwas neugierig. Die akademische Vermutung: wohl eine Art Sambal oder so?

Gehörte das nun zum Milch-Kaffee oder zum Bier? Zu den Matzen? Oder nicht eher zu Pessach? Schwer zu sagen. Eine Verwechslung mit anderen Gästen konnte es nicht sein, da keine da waren und die beiden Alten nun auch gingen. Wegen dem Gedudel? Möglich.

Illegales Foto: Oktoberfest in Berlin: Matzen zur Sicherheit

Harmony and understanding, sympathy and trust abounding …“ Eigenartig, aber in einem Regal des Cafes entdeckten wir nun ganze Stapel von Matzen-Packungen, die offenbar zur Identität der Einrichtung dazu gehört. In Rothenburg ob der Tauber gibt es einen Weihnachts-Laden, der ganzjährig geöffnet hat, vielleicht ist das hier als eine Art Entsprechung der Matzen-Laden. Hartes Brot, sie servieren es täglich …

Auf einer Karte konnte man über die Einrichtung selbst lesen, etwa dass das Cafe eine “gemeinnützige Einrichtung” sei und nicht auf Gewinnerzielung angelegt sei – klar, das erkennt man ja schon am Bierpreis – die sich als „integraler Bestandteil der Gemeinde” sehe:  „Es dient dazu, den Mitgliedern, den jüdischen Bürgern und Gästen der Stadt Berlin die Beachtung der religionsgesetzlich vorgeschriebenen Speisegesetze zu ermöglichen.“

Müsste also nur noch geklärt werden, welche Vorschrift besagt, dass man im November zum Bier oder zum Milch-Kaffee Spätherbst-Matzen essen sollte. Aber man muss nicht alles verstehen. Es wird schon der Sicherheit dienen und wenn es zudem noch gemeinnützig ist, kann es ja allen auch recht sein. Dafür sorgt schon die Matzen-Polizei vor der Türe

No more falsehoods and derisions, golden livin dreams dreams of visions, mystic matzah revelation, the mind’s truest liberation. Ma‘tze’os! Ma’ma‘tze’os!”

Auf dem Weg zum WC im hinteren Teil begegnet man noch einem gerahmten Elvis-Porträt und … ach, das ist eigentlich keiner Beschreibung wert.

Auf der Webseite des Establishments kann man Infos nachlesen und auch Photographien sehen:

http://www.adassjisroel.de/beth-cafe

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In Berlin’s Tucholsky Str. at the kosher advertised “Beth Café” end of October you can get a little bottle Maccabee Beer from Israel for 5 Euro and surprisingly a small dish with matzah with an oily chilli sauce, if that was not for the café au lait. For security “reasons” you are not allowed to use your mobile phone or camera, so the question is what the two police men in front of the shop actually are good for? Our educated guess: it is the Matzah-police.

Interested? Here’s the job application training:

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Memorial to Henriette Aronhold 1861 Berlin – 1944 Theresiensadt


Die perfekte Pessach Pizza

April 1, 2010

Matza shmura (מצה שמורה) as base layer, use some olive oil to soften it somewhat cover it with anything what makes a kosher and good pizza. The basic recipe פיתה already is mentioned in the Talmud – of course not in a Passover version.

Wie macht man die perfekte Pessach – Pizza ..? Ganz einfach: Matza schmura besorgen (oder vor Pessach selbst backen), etwas mit Oliven – Öl bestreichen, um den Boden weicher zu machen (kein Wasser, da sonst die Matzen aufweichen und zerfallen) und nun mit allem belegen, was an Pessach koscher ist, gefällt und schmeckt.

 


Verlorene Maßstäbe

January 22, 2010

Verlorene Maßstäbe ist das Motto der diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“  zu der sich dieses Mal christliche und jüdische Brüder (und Schwestern ..?) in Augsburg versammeln.  Dabei wird auch Daniel Libeskind der 1946 im polnischen Łódź geborene mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet, der als Architekt ganz gewiss (auch: diskutable) Maßstäbe setzt.  Es ist aber nicht nur in der Architektur (in Zeiten in denen manche immer noch höhere “babylonische Türme” auf Sand bauen) ein gutes Motto von “verlorenen Maßstäben” zu reden, das nicht nur und nicht erst 2010 Gültigkeit besitzt. Gerade in Bezug auf jüdisches Leben in Deutschland drängt sich hier manche Frage auf in Bezug auf Form und Inhalt. Wenn einem „wertvollen“  Thoraschild mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, als dem Text der (hoffentlich koscheren) Thora-Rolle, dann kann man ganz klar von verlorenen Maßstäben sprechen, ebenso wenn die Allgemeinheit einer Stadt sich – freilich auch hier ohne Hast – nur um den Erhalt einer ehemaligen Synagoge Sorgen macht – und sei es weil sie nicht ahnt, wie viele ehemalige Synagogenplätze in 1500 Jahren Augsburger jüdischer Geschichte gab – aber einen bestehenden historischen Friedhof bequemlich und töricht verfallen lässt. Warum würdigt die Stadt nicht den reichhaltigen jüdischen Anteil an der gemeinsamen Geschichte? Aber wenn man von „verlorenen Maßstäben“ reden will, ist klar, dass dies keine Augsburger Spezialität ist.

Man braucht nur in einen Buchladen gehen und kann beiläufig Sonderangebote finden, wie etwa  das das Kochbuch „Jüdische Küche“ (isb n 3-89508-046-2) von Elisabeth Wolf Cohen, welches noch im Untertitel „100 authentische Rezepte“  verspricht und dabei nicht nur die üblichsten Klischeemahlzeiten anbietet, sondern die eine oder andere Speise trotz der zitierten Vorgaben, recht eigenwillig interpretiert. So werden beispielsweise auf Seite 38 „Piroschki“ (пирожки, eine eher russische als jüdische Speise, …)  vorgestellt und im Rezept lauwarme Milch und Butter für den Teig angegeben, während für die Fleischfüllung Rinder- oder Lammhackfleisch empfohlen wird.  Da Wolf Cohen‘s Buch ausdrücklich dafür wirbt „Tips und Anleitungen zum koscheren Kochen“ zu geben, stellt sich die Frage ob ihr etwa nicht bekannt ist, dass die Vermengung von Milch und Fleisch in einer Speise im Sinne einer koscheren Speise ein komplettes KO-Kriterium ist. Aber damit nicht genug. In der Beschreibung der Speisezubereitung schreibt sie: „Gehacktes Rind- oder Schweinefleisch (sic!) zufügen und 5-7 Min. unter gelegentlichen Rühren andünsten, bis das Fleisch seine rote Farbe verloren hat…“ Nun, dass Schweinefleisch unter keinen denkbaren Umständen koscher ist, dürfte allgemein bekannt sein, der Autorin (und/oder ihren deutschen Übersetzern?) aber offenbar gleichgültig, weshalb es sich auch nicht mehr lohnt auszuführen, woher die zu verdunstende rote Farbe des Fleisches nun wesentlich herrührt. Nun ist klar, dass eine solch zusammengesetzte und zubereitete Speise in keiner Weise koscher ist. Die „Gebäckstücke“ könnten ebenso „gut“ auch mit Spinnen oder Fledermauslebern gefüllt sein – mit einer jüdischen, zumal koscheren Küche hat dieses rein gar nichts zu tun. Da hilft es auch nicht, dass zum Rezept ein alter Mann mit Bart, Talit und Tfilin abgebildet wird.  Es bliebe allenfalls die Frage was es mit der Formel „Gerichte für private und religiöse Feiern“ auf der Rückseite des Buches auf sich haben könnte und wer die eigentliche Zielgruppe eines solchen Buches eigentlich sein soll. Muslime werden es nicht sein, vermute ich und wahrscheinlich würde der Autorin und ihrem Verlag ganz sicher auch der „Mut“ fehlen, ein ähnliches Machwerk für eine authentische islamische Küche mit Schweinefleisch auf den Markt zu werfen … Wolf-Cohen  hat noch eine große Anzahl weiterer Kochbücher verfasst, insbesondere zur französischen Küche (die bekanntlich auch mit Fröschen und Schnecken keine Probleme hat), auch ein eigentümliches “Original Elvis Kochbuch“ das auch nicht mehr trefe sein kann als ihr „jüdisches“ .

Es ist klar, dass sich eine größere Anzahl von Juden heute nicht mehr an die Kaschrut ihrer Vorväter und –mütter halten, aber das ist eine Sache, etwas anderes ist es, wenn man explizit ein koscheres Kochbuch anbietet und die Rezepte jede Grundregel der jüdischen Küche systematisch übertritt, als gelte es einen Rekord aufzustellen (wie viele Übertretungen bringe ich einer Speise unter?). Da auch Koch- und Küchenrezepte in ihrer Weise Maßstäbe sind und setzen, ist hier wohl einiges verloren gegangen…

non-kosher Jewish recipes

The “New Jewish Cooking” book by Elisabeth Wolf Cohen at least in the German edition promises “advice for kosher cooking” and “dishes for private and religious festivities” but actually describes in all details what one can do to ensure that the prepared meal definitely and by no means in any extent is kosher anymore. The eastern European piroshki (pierogies) recipe on page 38 of the German edition for instance recommends to use milk and butter for the dough and minced beef or lamb for the filling. What is wrong with doing this Mrs. Wolf-Cohen? Right, mixing milk and flesh is not kosher. The last paragraph of the German text even suggests beef or pork (sic!), which you have to braise so it loses its red color … Who is the target group for a “Jewish” cookbook with recipes that are treif ..? The author has written many other cookbooks, especially French ones (who have no problem to deal frogs or snails …) and not to forget „The I Love Elvis Cookbook“. I wonder if she would have the guts to write an Muslim cookbook with pork recipes, too…