Schwäbische Tracht um 1840

June 10, 2013

Yehuda Shenef Krumbach Schwaben

Traditional Jewish garment in Huerben/Krumbach, June 2013

(Augsburg and Bavarian, former Austrian Swabia, ca. mid 19th century)

Auch wenn eher in seltenen Fällen historische Vorlagen zugrunde liegen, erleben Trachten seit einigen Jahren eine Art Renaissance. Dirndl und Lederhose sind gewissermaßen bayerische Markenzeichen geworden und als solche verstanden, gleich ob es sich bei der einen Tracht überhaupt um eine bayrische handelt oder in China hergestellt wurde. Ähnlich wie beim Karneval, zu Weihnachten oder im Fußball-Stadion handelt es sich auch hier eher um eine Art von „Event-bezogener“ Ausstattung: der Pirat, der Araber,  der Weihnachtsmann, das Schweinsteiger-Trikot, die Dante-Perücke, sie vermitteln temporäre Identitäten, die man an- und ausziehen kann. Genauso verhält es sich mit Dirndl und Lederhosen zum Besuch am Oktoberfest oder bei jeder beliebigen Kirmes. Eher selten hat Tracht etwas mit Geschichte im engeren Sinne zu tun und so gut wie nie etwas mit Juden, die als schwäbische Nachbarn ja über ein Jahrtausend lang mit den Christen Tür an Tür mit den Christen lebten und nicht nur in Bezug auf Speisen, Musik, Baustilen, Literatur und vielem anderen den gleichen Moden unterworfen waren, sondern eben auch in Bezug auf die Kleidung. Natürlich unterließen es weder Juden noch Christen bei Bedarf spezifische Akzente zu setzen. Das gute Gewand des Christen diente natürlich dem Kirchgang, während der Jude seine beste Kleidung für den Besuch der Synagoge am Schabbes vorbehielt und entsprechend gestaltete sich die Ornamentik, wo sie nicht neutrale, natürliche Motive aufgriff, der eigenen Symbolik.

hebräisch Initialien schwäbisch tracht hemd

Yehuda Shenef Jewish Swabian garb Schwäbische Tracht

Jüdisch schwäbische Tracht, Juni 2013

 Mitte 19. Jahrhundert, bayrisch, vormals österreichisch Schwaben

PS: Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen über “bayrische ” Lederhosen bei Juden: die ältesten Belege für den Gebrauch von Lederhosen als solchen, stammen aus Persien, dort dienten sie bereits vor über 2500 Jahren als Werkshosen für Land- und Bergwerksarbeiter. Gut möglich dass bereits Mordechai (Nehemia) aus der biblischen Ester-Geschichte Lederhosen trug, jedenfalls ist das rein gar nichts originär bayrisch.

Schwäbische Tracht Lederhose Yehuda Shenef

Jews wearing Lederhosen? Yes, of course.  The earliest documentation on leather trousers come from Persia. About 2500 years ago it was the working cloths of miners and rural worker. So you can imagine Mordechai in the biblical book of Esther wearing Lederhosen.

Margit Hummel Friedberg schwäbische Tracht Herren

 garbs were designed and taylored by master-tailoress

Entworfen und geschneidert von Margit Hummel of Friedberg/Bayern:

http://trachtenschneider.wordpress.com/

hats by courtesy of / Hüte mit freundlicher Unterstützung von

Mrs. Monika Höde, Trachtenberatungsstelle im Landauerhaus, Hürben/ Krumbach

http://www.bezirk-schwaben.de/trachten/

Pictures were shot yesterday 9th of June 2013 at “Schwabentag” in Krumbach, were we also joined the fashion parade as well as the folk dancing.

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בעיצומן

December 19, 2010

אני הולך בעיר הגדולה

גגות עכור בערפל שמה

עם העבודה של היום בראשי

אלף אנשים הולכים על דרכי

 

אני לא יודע את כולם – מי הם
יש להם גורל בלב כמוני 
הדאגות שלהם הם זרים לי 
כמו אותם הדופק שלי

הערפל טיפות וכולנו ללכת
אין ברק האיר העמוק בינינו
אם כולנו זוכרים את המילה
ימות ברוח, ואף אחד לא יודע האחרים

העדוויג לאכמאן לאנדאוער 

Jewish Cemetery Huerben Krumbach – Dream Landscape – juedischer Friedhof Huerben Krumbach

 

Hedwig Lachman Landauer: Unterwegs

(Ich wandre in der großen Stadt. Ein trüber Herbstnebelschleier flattert um die Zinnen. Das Tagwerk schwirrt und braust vor meinen Sinnen, Und tausend Menschen geh‘n an mir vorüber. Ich kenn sie nicht. Wer sind die Vielen? Tragen Sie in der Brust ein Los wie meins? Und blutet Ihr Herz vielleicht, von mir so unvermutet, Als ihnen fremd ist meines Herzens Schlagen? Der Nebel tropft. Wir alle wandern, wandern. Von dir zu mir erhellt kein Blitz die Tiefen. Und wenn wir uns das Wort entgegenriefen Es stirbt im Wind und keiner weiß vom andern.)

(1919) (Hebrew Translation בעיצומן Yehuda Shenef, 2009)

Hedwig Lachmann Landauer (1865-1918)

German-Jewish Poet and translator, daughter of the Chazan (cantor) of Swabian Jewish community Huerben (now Krumbach), married to Gustav Landauer (1870-1919), also translator – both translated together Oscar Wildes “Dorian Grey” into Geman – and political activist and one of the main thinker of anarchism in Germany, who had been executed as member of a Sovjet government in Bavaria.

His wife Hedwig however had her school education in Augsburg and had her exam age 15. She also wrote a number of than much noticed poems, which today of course (?) are forgotten.

An interesting fact however is that Gustav and Hedwig Landauer are the maternal grandparents of Academy Award winning director Mike Nichols (born 1931), famous for many movies, from “Whose afraid of Virginia Woolf” , “The Graduate”, “Catch 22” until “Charlie Wilson’s War”. 


US Botschafter Peter Rosenblatt auf den Spuren seiner schwäbischer Vorfahren

June 6, 2010

Der frühere US-Botschafter und außenpolitische Berater von US Präsident Barack Obama Peter Rosenblatt aus Washington D.C. besuchte uns kürzlich mit seiner Frau Naomi Harris Rosenblatt in Augsburg und begab sich mit uns auf die Spurensuche nach der langen Geschichte seiner Vorfahren in Bayerisch-Schwaben. Sein mütterlicher Urgroßvater Isidor Untermayer (1811-1860) wanderte 1841 nach Lynchburg, Virginia aus, wo er dem Ruf seines mütterlichen Cousins Salomon Guggenheimer aus Hürben (Krumbach) folgte. Isidors Mutter Jette Guggenheimer (1771-1839) stammte gleichfalls aus Hürben, war aber zu ihrem Mann den Metzgermeister Isaak Mayer Untermayer (1761-1838) nach Kriegshaber gezogen, wo sie unweit der Synagoge ein Haus mit Ladengeschäft besaßen. In Virginia änderte der junge Immigrant die Schreibweise seines Namens in Isadore Untermyer und heirate die gleichfalls aus Hürben stammende Therese Landauer (1827-1895). Nachdem Isadore für die Südstaaten am Amerikanischen Bürgerkrieg teilnahm und früh verstarb zog die Witwe mit den Kindern nach New York City, wo die Guggenheimer und Untermyer als Anwälte zu Ruhm und Ansehen kamen. Samuel Untermyer (1858-1940), in Virginia geborener Sohn von Isidor und Jette war einer der Mitbegründer der US Notenbank Federal Reserve und einflussreicher Berater verschiedener US Präsidenten, engagierter Zionist und entschiedener Gegner der Nazis in Deutschland. Peter Rosenblatt nun ist der Enkel von Samuel Untermyers Schwester Addie, welche den späteren US Diplomaten Laurence Steinhart ehelichte, der u.a. US Botschafter in der Sowjetunion zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes und in der Tschechoslowakei während der Benesch-Dekrete war.

In Kriegshaber sind von den Grabsteinen der Untermayer-Familie nur wenige Bruchstücke erhalten geblieben. Interessanterweise sind es aber gerade Überreste der Grabplatte seiner mütterlichen Urgroßeltern die die Zerstörungen der letzten 170 Jahre überdauerten, während die meisten anderen Untermayer-Grabplatten zerstört wurden.  Sie befindet sich eingemauert im Monument neben dem Eingang des Friedhofs, welches der verbreiteten Legende gemäß nach dem Krieg von amerikanischen Soldaten aus herumliegenden Grabsteinen zusammengebastelt worden sein soll, als Mahnmal für die Toten des Holocausts. Tatsächlich waren es jedoch deutsche Steinmetze der schwäbischen Bildhauer- und Steinmetzinnung, die erstaunlich passgenau und ohne Reste das Monument zusammensetzten. Sechzig Jahre später ist zumindest diese eine Inschrift noch sichtbar und zu rekonstruieren – es ist zu vermuten, dass die Inschriften der anderen Steine mit der Schriftseite in das Dokument eingefügt wurden. Überraschend ist, warum die vorhandene Inschrift in den Jahrzehnten vor der Dokumentation des JHVA niemanden aufgefallen war, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass der Erhaltungszustand der Inschrift 1945 sicher besser gewesen sein muss als nun 2010. Glücklicherweise ist nun aber nicht nur die Grabplatte teilweise erhalten, sondern auch der Grabplatz von Peter Rosenblatts schwäbischen Urgroßeltern bekannt, weshalb der Botschafter verständlicher Weise anregte, dass beides zusammengefügt werden sollte, um eine Erinnerung an seine Vorfahren am Platz ihres Begräbnisses zu ermöglichen.

Wir konnten den Rosenblatts zahlreiche weitere Verwandte am Friedhof aufzeigen, wie etwa die Kahns aus Steppach. Bei den Kriegshaber Untermayer wie bei den noch zahlreicher vertretenen Obermayer aus Kriegshaber handelt es sich um Seitenzweige der alteingesessenen Ulmo-Familie aus Pfersee, deren charakteristische Gräber einen größeren Anteil des ältesten Teils des  Friedhofs belegen. Folglich vergrößert sich entsprechend auch die Anzahl der direkten Vorfahren des Botschafters auf dem Gräberfeld an Hooverstraße. Nicht anders verhielt es freilich beim Besuch in Hürben. Wie unser Führer Herr Herbert Auer erläuterte, sind die Familien Guggenheimer und Landauer – Töchter beider verheirateten sich mit Kriegshaber Untermayers – auf dem dortigen Friedhof dominierend, weshalb auch hier die über Generationen reichende Verwandtschaft umfangreich und beeindruckend ist. In Kriegshaber und Huerben besuchten wir noch die ehemaligen Wohnviertel und Häuser der Guggenheimer, Landauer und Untermayer, sowie die jeweiligen Überreste der früheren Synagogen. Peter und Naomi Rosenblatt zeigten sich sehr beeindruckt und fasziniert von der Vielzahl der Informationen, aber auch von der oft schlichten Schönheit der Landschaft und der in Hürben in gelungener Weise restaurierten ehemaligen Wohnhäuser.

photos (c) by jhva (Margit Hummel, Yehuda Shenef)


Karte: Die Juden in Bayerisch-Schwaben

January 31, 2010

Orte mit nachmittelalterlicher jüdischer Geschichte im Bayerischen Schwaben, in Nordschwaben, der ehemaligen österreichischen Marktgrafschaft Burgau und im Medinat Schwaben.

Places in Bavarian Swabia, Northern Swabia, the former (Upper) Austrian Margravate of Burgau and Medinat Shwaben with postmedieval Jewish history.


Landauer-Haus in Augsburg

January 11, 2010

In den Jahren 1910/11 baute der Architekt Fritz Landauer  für seinen Cousin Otto Landauer (1882-1974)  in der Fröhlichstr. 5 sein erstes Wohnhaus. Fritz Landauer (1883-1968) wurde am als Sohn von Joseph (1853-1929) und Anna Landauer (1861-1913) geboren. Sein Vater wie seine Onkel sind Söhne des aus Hürben stammenden Webers und Textilfabrikanten Moses Samuel Landauer (1808-1894), Begründer der in Oberhausen ansässigen Fabrik M.S.Landauer, die 1938 enteignet wurde. In der Nachkriegszeit bis 1995 war am Werksgelände die Textilfirma Elbeo von Dietrich Bahner. Fritz Landauer ist in Augsburg vorallem für den Bau der Synagoge (1913-1917) an der Halderstr. 6-8 bekannt, die weniger seinen als den Vorstellungen der Bauherren entsprach. Fritz Landauer hat auch Grabsteine entworfen, wovon er im englischen Exil eine Weile leben sollte. Seine “Handschrift” ist an verschiedenen Grabsteinen seiner Landauer erkennbar.

The architect Fritz Landauer (1883-1968) was born in Augsburg as son of Joseph and Anna Landauer. The grand house  Froehlichstr. 5 for his cousin Otto Landauer (son of Joseph Landauers brother Heinrich Landauer and Bettina, nee Stein) was his first major construction project. Fritz Landauer in Augsburg today is best known for the Synagogue Halderstr. 6-8 (built 1913-17). Landauer escaped the Nazi regime in 1937 and lived in England until he passed away in 1968. Temporarily he made ends meet with designing and manufacturing of grave markers – a previous experience he made in Augsburg, where his parents as well as all aunts and uncles are buried.


Der vergessene jüdische Anteil an der Weber- und Textilgeschichte in Augsburg

November 15, 2009

Das Bayerische „Textil- und IndustrieMuseum“ (tim) in Augsburg (Kammgarnspinnerei, Provinostr. 46, 86143 Augsburg) sollte schon mehrfach öffnen. Zuletzt ist die Eröffnung im Sommer 2009 mit einer eigens herausgegebenen Broschüre* beworben worden, die allerdings auch Einblicke in die Architektur, Konzeption und Inhalte der Ausstellung ermöglicht.

textilmuseum augsburg eröffnung 2009

Mensch, Maschine, Mode

              … Masche ?

Einmal mehr ist uns dabei aufgefallen, dass man in Augsburg offenbar einen gewissen Bogen um jüdische Anteile an der allgemeinen Stadtgeschichte strickt. In diesem Fall ist es die Textilgeschichte. Nicht nur, dass die Präsentation der Fugger, die ihren ersten Stützpunkt im noch von Juden bewohnten mittelalterlichen Augsburg direkt am Judenberg hatten, in aller Regel „judenfrei“ geschieht, auch die industrielle Geschichte der Textilstadt Augsburg ist inzwischen verdrängt worden.  Daran scheint nun offenbar noch nicht einmal das Textilmuseum in Augsburg etwas ändern zu wollen, wenn man die Broschüre dafür zum Maßstab nimmt. Firmen wie die des aus Hürben stammenden M.S. Landauer (nach Arisierung und Krieg, später: Elbeo)  in Oberhausen, Kahn und Arnold am Sparrenlech, die Pferseer Buntweberei Raff und Söhne (ihr Markenname „Aura“ setzte sich aus Raff und Augsburg zusammen), Isak Bernheim, usw. tauchen noch nicht mal zwischen den Zeilen auf. Es ist so als hätte es sie nie gegeben. Das erstaunt, wo sonst immer gebetsmühlenartig die mantrische Formel „gegen das Vergessen“ rezitiert wird. Aber die scheint nur einen bestimmten Zeithorizont und Blickwinkel zu betreffen und Scheu vor Alltag und Arbeit zu haben.

Das Museum soll nun jüngsten Berichten im Januar 2010 öffnen oder vielleicht doch erst im Frühjahr?

Vielleicht klappt es den Machern ja bis dahin den keineswegs dunklen Beitrag der schwäbischen Juden zur Augsburger Textilgeschichte den man nicht verheimlichen muss, doch zumindest zu erwähnen.

Dajajenu. Das allein würde uns ja schon genügen.

* Das Bayerische Textil- und IndustrieMuseum (tim) in Augsburg (Broschüre)

Herausgegeben von Richard Loibl und Natascha Zödi,

2008, Wißner-Verlag, Augsburg, 48 S.

The Bavarian Museum for textile industries (“tim”) scheduled to open in Augsburg a number of times has issued a brochure to introduce the architecture and design of the building and to explain the exhibition, contents and history. So far there is nothing that will indicate that anything at the museum will at least give a hint that in Augsburg where a number of renowned Jewish companies with hundreds of employees such as the textile factory of Moses Samuel Landauer in Oberhausen what later became part of Augsburg. Also Jews from Pfersee like Isaak Bernheim, Albert and David Raff, Aaron Kahn, … are not even mentioned. Since the Museum still is not open there still is a chance to develop the presentation and close the gap. But hardly anyone will care.

 


Huerben Krumbach: Einblicke in Wohnen und Kultur der Juden in Schwaben

October 23, 2009

Heinrich Sinz Str. 3 - 5 - 86381 Krumbach

Heinrich Sinz Str. 3 - 5 - 86381 Krumbach

Einige Eindrücke, wie es sich in den alten Häusern der Huerbener Juden im 19. Jahrhundert leben ließ vermittelt das Mittelschwaebische Heimatmuseum in Krumbach, das seit 1950 in einem ehemaligen jüdsiche  Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist. Besonderes sehenswert sind dabei vorallem die Räume “zur bäuerlichen und bürgerlichen Wohnkultur” da diese am ehesten geeignet sind, uns heutigen Menschen eine Vorstellung über eine um 200 Jahre zurückliegende Zeit zu vermitteln.

fireplace with utensils

fireplace with utensils

bedroom, note the cross at the wall

bedroom, note the cross at the wall

19th century Swabian domestic living

19th century Swabian domestic living

washing facility for dwarves

washing facility for dwarves

atumn booth under gable roof

atumn booth under gable roof

The Museum of Middle-Swabian Local History (Mittelschwaebisches Heimat Museum)  in Krumbach placed in a former Huerben Jewish town house shows quite interesting exhibitions what convey some impression what housing and livelihood were like in early 19th century rural Bavarian Swabia.

so to say the rest-room

so to say the rest-room

Mittelschwaebisches Mueseum Krumbach

Thursday to Sunday 14 to 17 and by arrangement

Heinrich-Sinz-Str. 3 – 5

86181 Krumbach

Tel. 08282 – 3740  — Fax 08282 – 3730

www.museum.krumbach.de/index.php 

Another highlight certainly was this device we unfortunately had no time to ask for

sure it rocked the booth

sure it rocked the booth