Die Rabbiner im schwäbischen Hainsfarth

May 19, 2013

Ein Film von Sibylle Tiedemann, gemäß Wikipedia bereits im Jahr 2001 im Auftrag des bayrischen Rundfunks entstanden (der sich aber weder in der Mediathek von BR TV oder BR Alpha, noch auf youtube oder auf DVD finden lässt), trägt den Titel „Hainsfarth hatte einen Rabbiner“. Kurzbeschreibungen gemäß beschäftigt sich der 45-minütige Dokumentarfilm jedoch in erster Linie mit damals bereits sehr betagten (christlichen) Zeitzeugen und ihren Erinnerungen an die um 1940 ausgelöschte jüdische Gemeinde von Hainsfarth. Der Titel spielt auf einen neuzeitlichen, nur zeitweilig in Hainsfarth tätigen Hilfsrabbiner an. Die Absicht bestand wohl darin, für den auch in modernen jüdischen Quellen kaum beachteten Ort, eine gewisse Aufmerksamkeit zu wecken.

Hainsfarth Synagoge Leuchter Stern Kreuzceiling at former Synagogue of Hainsfarth with Jewish Star symbol as well as with a marked cross

Die zeitgenössische (christliche) Forschung scheint sich aber völlig einig darüber, dass die Hainsfarther Juden keinen eigenen Rabbiner hatten. Auf Seite 1 seines umfassenden Buches über das neuzeitliche Hainsfarth im 19. und 20. Jahrhundert  (Wissner-Verlag 2002) sagt dies Prof. Herbert Immenkötter knapp und deutlich „Aber einen Rabbiner hat Hainsfarth nie gehabt“. In der Fußnote beruft er sich dabei auf einen entsprechenden Beitrag von Hermann Kucher zu den „Rieser Kulturtagen 1998“ (Nördlingen 2000). Schließlich heißt es dann auch in der 2005 erschienen Ortschronik „1200 Jahre Hainsfarth“ auf Seite 172 klipp und klar: „Die jüdische Gemeinde von Hainsfarth hatte zu keiner Zeit einen eigenen Rabbiner.“

Für die Feststellung, dass Hainsfarth zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte Rabbiner besessen habe, bedurfte es demnach auch keiner Argumente oder Erläuterungen, sondern es reichte die bloße Behauptung, die in gegenseitigen Referenzen allenfalls noch im Satzbau umgestaltet wurde. 

In unserem eigenem Beitrag zu Hainsfarth auf diesem Webblog vom 5. Oktober 2010 hieß es – auch weil Hainsfarth nur eine von vier Friedhofstationen an diesem Tag war und Zeit für eine Nachprüfung der Quellen von vor Ort aufgefundenen Behauptungen fehlte – jedoch etwas vorsichtiger: (Hainsfarth) „… hatte in der Neuzeit keinen Rabbiner napoleonischer Facon“. Diese Vorsicht war, wie man sich bereits denken konnte, ganz angebracht. 

dead-end Hainsfarth Sackgassedead end Hainsfarth

In seinem Beitrag zur 1996 erschienen Broschüre „Die ehemalige Synagoge Hainsfarth“ zitierte der ehemalige Schuldirektor und Heimatforscher Albert Schlagbauer (1913-2001) jedoch in seinem Artikel zu „100 Jahre israelitische Schule in Hainsfarth“, eine Mitteilung aus dem Jahr 1672: „Joseph Esel zu Heinsfurt Sohn, oettingisch-oettingisch schutzverwandten Juden, hat den Judenschuelmeyster Abraham wegen eines am Schechten nit geratenen Bocks vor der Schül injuriert.“

Schlagbauer ist zwar bewusst, dass der erstmals 1667 erwähnte  Abraham „Meister der Synagoge“ genannt wurde, geht aber davon aus, dass es keinen Rabbiner in Hainsfarth gab. Also auch nicht vor 1800. Woher seine Auffassung stammt, bleibt unklar, jedoch ist ihm bekannt, dass Schulmeister Abraham auch als Schächter, Vorsänger und Talmudlehrer der Hainsfarther Gemeinde tätig war. All dies wären jedoch auch Aufgaben eines Rabbiners gewesen, während andererseits im 17. Jahrhundert ganz sicher auch in Hainsfarth keine Schule bestand, die den Anforderungen der bayrischen Reformen von 1813 um eineinhalb Jahrhunderte vorweggegriffen hätte.

Synagoge Hainsfarth Scheune

Bereits in mittelalterlichen Quellen wird der Begriff „Rabbiner“ einem lateinischen „magister“ entsprechend aufgefasst und deutsch als “Meister” übersetzt. Ein Augsburger Beispiel wäre Schulmeister Koppelman, der zweifelsfrei in Nürnberg und Augsburg als Rabbiner bekannt war, letzteres im Sinne eines Vorsitzenden des Rabbinatsgerichts, das vor Ort wenigstens aus drei rabbinischen Richtern bestehen musste. In der Regel sind jene awot-bet-din, die Mittelalter als Rabbiner oder Meister, Schulmeister, Hochmeister und dergleichen genannt werden, auch als Oberhäupter der jüdischen Gemeinden aufgefasst (und oft auch missverstanden worden).

Hainsfarth jüdische Schule Türold door of the former Jewish school house at Hainsfarth next to the former synagogue

Neben dem für die Zeit um 1670 genannten Schulmeister und Schächter Abraham lassen sich, in hebräischen Quellen noch um 1764 Rabbi Jakob Ettingen und 1783 Rabbi Hirsch ben R. Schimon als für Hainsfarth genannte Rabbiner u.a. als Subskribenten finden, weshalb man davon ausgehen kann, dass es wohl über hundert Jahre lang Rabbiner in Hainsfarth gab.

Der in den 1780ern genannte Rabbi Hirsch könnte aber vielleicht der letzte in dieser Kette gewesen sein, da ab Ende August 1795 der in Oettingen sitzende Rabbiner Pinchas Jakob Katzenellenbogen auch für Hainsfarth zuständig wird. Aber noch über dreißig Jahre später bemängelt der Magistrat von Oettingen, in Bezug auf die ab 1813 vorgeschriebenen deutschen Predigten, dessen unzureichende Deutschkenntnisse und dass dieser nur hebräische Ansprachen halte (1826). Gut nur, dass der Rebbe nicht erfahren musste, dass heutige “Experten” behaupten, dass Hebräisch eine bereits in der Antike ausgestorbene Sprache war … wie unlängst beim Vortrag eines Pfarrers bei der DIG in Augsburg zu hören war. 

Hainsfarth Schaf Hahn sheep chickensheep and rooster at backside of Hainsfarth synagogue

Rabbiner im Sinne der angestrebten Reform mussten freilich auch erst mal erfunden werden. Sie waren dann imstande den eigentümlichen griechisch-lateinischen Gelehrten-Mischmasch nachzuahmen und statt Tfilin von Phylakterium zu sprechen, das sefer dwarim „Deuteronomium“ zu nennen und sich wie christliche Pfaffen zu kleiden. Immerhin sind diese aber der heutigen Forschung als “Rabbiner” im beruflichen Sinne ausreichend verständlich. Und tatsächlich scheint Hainsfarth keine Berufsrabbiner dieser (staatlichen) Facon gehabt zu haben. Wahrscheinlich kein wirklicher Makel. 

Rabbiner im Sinne der authentischen jüdischen Überlieferung gab es, ohne Zweifel.

Hainsfarth synagoge Rest alte Treppe Rückseitederelict leftover of a stair at the rear of synagogue and Jewish school house Hainsfarth

Although contemporary historians and local experts on rural Jewish community (among them the retired Augsburg Professors Immenkoetter and Kiesling, the later had a talk in Hainsfarth last week) maintain that the Jewish community in Hainsfarth at no time had an own rabbi in the course of their century long history, at least three true rabbis in the time from 1667 to 1783 are actually known. One Abraham is already mentioned in the second half of the 17th Christian century as “schulmeister” (school master), what in previous times, when there were no ordinary schools in rural villages was of course the rabbi. Two others were mentioned in Hebrew sources and of course it likely is possible to find further names. So far the academic experts had no need to explain their surprisingly unique and unrivaled stance, which however appears as incorrect and does not even bear a simple once-over.

Hainsfarth synagogue windows


חג שבועות

May 13, 2013

a happy and healthy holiday for all our friends around the world

  • חג שבועות שמח


Augsburger Dunkel

May 10, 2013

So ziemlich jeder hat schon etwas vom berühmten „Bayerischen Reinheitsgebot“ (Bavarian Brewing Act oder Purity Law) von 1516 gehört, der in Ingolstadt beschlossenen Regelung der erlaubten Bierzutaten, nämlich wie es dort heißt „zu kainem pier merer stueck dann allain gersten, hopfen unn wasser gepraucht solle werden“. Unzählige Male zitieren Werbeanzeigen, Reise- oder Speiseführer, aber auch politische oder wissenschaftliche Publikation die geläufige Formel vom „ältesten Lebensmittelgesetzt der Welt“. Den ältesten Beleg dafür, den ich bislang gefunden habe, datiert auf das Jahr 1967 zurück (Bernd Ücker: Bayern, der widerspenstige Freistaat, S.31), wo der bayerische Bier-Mythos noch als „historischer Witz“ bezeichnet wird: „Die Bayern, ausgerechnet die Bayern haben den Weinbau nach Osten hin ausgebreitet …“ Das Bierbrauen hätten die Bayern dann erst von den Preußen gelernt, was so nun aber auch wieder nicht stimmt.

Tatsache ist aber, dass Bayern mit Bier zunächst wenig anfangen konnten und nur wenig davon brauten, womit wir hier natürlich Alt-Bayern meinen und von den später einverleibten Gebieten der Franken und Schwaben gesondert betrachten … Franken und Schwaben nämlich hatten sehr wohl eine alte Tradition des Bierbrauens, beide bereichert von Böhmen, deren Hopfen zuerst importiert und dann im 18. und 19. Jahrhundert von jüdischen Hopfenhändlern und Bauern heimisch gemacht wurde. Dass der Handel mit böhmischen Hopfen schon weit früher eine jüdische Domäne war geht aus Bestimmungen im England des frühen 15. Jahrhunderts hervor, die zeitweilig die Einfuhr von Hopfen beschränkten oder gar verboten. Dieser kam durch jüdische Händler über die Niederlande aus Böhmen. In der Folge mussten auch die Briten einige Jahrhunderte helles Dünnbier trinken, bzw. Weinanbaugebiete in Frankreich erobern. Erst um 1660 kam in London, wo sich seit 1656 wieder sephardische Juden aus Holland niederlassen durften, das später weltberühmte Darkbeer auf, zu welchem bereits auch Hefe als Bestandteil erwähnt wird, die im Reinheitsgebot von 1516 fehlt. 1828 und 1830 folgten Alehouse und Beerhouse Acts, welche Herstellung und Ausschank von Bier unter strikte Regeln stellten. Das kräftige Dunkelbier kam beim Volk gut an und da sich mit dem Massenprodukt viel Geld verdienen ließ, zielten die Regulierungen auch darauf ab, die Juden aus „ihrem“ Geschäft zu drängen. Das klappte dann auch und so ist es dann eine weitere Ironie der Geschichte, dass sich beispielsweise die Rothschilds dem Weinbau zuwandten.

Fürst Wallerstein Dunkles Landsknecht Bier

Aus Augsburg stammt die tatsächlich älteste nachweisbare Erwähnung von Bestimmungen für die Herstellung und den Ausschank von Bier, worauf in der Stadtrechtsurkunde vom 21. Juni 1156 angespielt wird. Demnach soll bestraft werden, wer schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß ausschenkt. Ähnliche Regelungen sind zwohundert Jahre später (1363) auch in der Augsburger „Filiale“ München (die vom Herzog zeitweilig auch an die Vorstände der Augsburger Juden verpfändet war) nachweisbar. 1447 wird dort dann auch bereits Gerste, Hopfen und Wasser als alleinig erlaubte Bestandteile fortgeschrieben. Der Ingolstädter Beschluss von 1516 hatte, anders als man vermuten möchte, keine nennenswerte Auswirkung. Der bayerische Adel bevorzugte weiterhin Wein und christliche Mönche brauten weiterhin mit allerlei Kräutern und Gewürzen, darunter auch Wermut oder halluzinogene Pflanzen wie das Bilsenkraut. Letzteres wurde 1551 dann nochmal ausdrücklich verboten, zugleich aber auch die Beifügung von Lorbeer, Rosmarin, Wacholder, Korinthen und dergleichen mehr ausdrücklich erlaubt. Gleichzeitig erschwerten die Bayern auch den (überwiegend jüdischen) Hopfenhandel nach Augsburg und (österreichisch) Schwaben, weshalb dieser über Franken und das Ries abgewickelt wurde. Um das trotzdem vorhandene bayerische Dünnbier geschmacklich abermals etwas aufzupeppen, wurde den Brauern auch Salz und Kümmel als weitere Zutaten erlaubt.

Hasenbräu Augsburg

Als im Zuge der napoleonischen Kriege Bayern zum Königreich aufstieg und Schwaben und Franken (von denen Teile tatsächlich zeitweilig preußisch waren und so interpretiert „Preußen“ den Bayern das Bierbrauen beibringen mussten, wie s im obigen Zitat heißt) Provinzen davon wurden, ging man daran, eine gemeinsame Identität zu erfinden. Das Bier der Franken und der Schwaben wurde sodann zum Bier der Bayern und Bayern zum Land des Bieres. Um 1860 herum besann man sich dann auch wieder der mittelalterlichen Biergesetze, um eine nicht vorhandene Kontinuität vorzugaukeln. Natürlich entschied man sich sodann für „1516“, obwohl es in Schwaben und Franken ältere Bestimmungen gab, auf die man sich berufen hätte können. Da Ingolstadt aber gerade eine Garnisonsstadt war, verband sich damit auch die Möglichkeit das Bier mit dem Soldatentum zu verbinden, wovon im Ingolstädter Armeemuseum einige entsprechende Bierkrüge zeugen. Bald war so auch vom „Deutschen Reinheitsgebot“ die Rede. Wie im mittelalterlichen England begann man nun auch im deutschen Kaiserreich damit, die Juden, die noch immer über drei Viertel des Hopfenanbaus kontrollierten und zahlreiche Brauereien betrieben aus der nun völkisch umgedeuteten „Bierseligkeit“ zu verdrängen. Das letzte überregional bekannte Beispiel für den Kampf gegen das „Judenbier“ war Joseph Schülein (1854-1938), der 1933 gezwungen wurde seinen Münchner „Löwenbrau“ zu verkaufen.

Ausgburger Regiment Bierkrug 1908 1910Augsburger Regimentsbierkrug 1908 / 1910 im Armeemuseum Ingolstadt

Nach dem „Vorläufigen Biergesetz“ von 1993 darf für untergäriges Bier Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden, für obergäriges Bier ist zusätzlich auch die Verwendung von „anderem Malz“ (wobei Malz definiert wird als „alles künstlich zum Keimen gebrachte Getreide“) und Rohr-, Rüben-, Invertzucker, etc. zulässig. Das kann zu Unterschieden in den mit „Bayerischem Reinheitsgebot“ oder „Deutschen Reinheitsgebot“ führen.

Heute ist helles Dünnbier üblich geworden wie pastellfarbene Dirndl von Lidl und Co. und gehören zum „bayerischen Lebensgefühl“ scheinbar dazu. Dass aber auch in Augsburg vor rund hundert Jahren die Verhältnisse diesbezüglich noch ganz andere waren, ergibt sich aus einer Beschreibung von Walter Brecht (1900-1986), dem jüngeren Bruder von Eugen Bertold Friedrich, besser bekannt als Bert Brecht (1898-1956), der davon erzählt, dass er (wohl um 1910) mit seinem Bruder abends immer Bier für seinen Vater holte:

Als Gefäß für das Bier diente entweder ein offenes Bierglas oder ein mit dem Brecht-Wappen versehener irdener Krug, der einen kräftigen, hellen Zinndeckel trug. Ein sogenannter Maßkrug, der einen Liter Bier fasste und von den Handwerkern, vor allem von Maurern, bevorzugt wurde, war verpönt, obwohl man wusste, dass das Bier daraus getrunken, besonders gut schmeckte.

Bier in Flaschen gab es nicht, wie es auch ausschließlich dunkles Bier war, das man bei uns trank.  Das Bierglas fasste einen halben Liter … er kostete 5 Pfennig. Man schätzte eine stabile Schaumkrone und trank das Bier nicht so kalt wie heute … Das Augsburger Bier hatte einen vorzüglichen Ruf. Die Kenner fanden es dem Münchner Bier überlegen. Bekannte Brauereien waren „Zur Goldenen Gans“, der „Hasenbräu“, „Riegele“, die Brauerei „Stötter“ in der Jakobervorstadt und viele andere.“

(Walter Brecht, Unser Leben in Augsburg, damals, S. 67)

 

 

Erwähnenswert wäre übrigens auch noch die Deutung des Augsburger Stadtwappens, der bekannten Zirbelnuss, die keine Nuss darstellt, sondern einen Zapfen. Zur Verwirrung mancher hat dabei aber beigetragen, dass der Zapfen in den ältesten Illustrationen in grüner Farbe dargestellt wurde, was zugleich auch das Grün in den Augsburger Stadtfarben ausmacht. Da andererseits nun aber die Zapfen bekanntlich nicht grün, sondern bräunlich sind, kamen schon bei den humanistischen Gelehrten des 15. und 16. Jahrhunderts spekulative Deutungen auf, etwa über eine ominöse Weintraube („Beere“) namens Augster (woran man erkennen kann, welchem Getränk sie selbst zuneigten) oder ein nicht minder mysteriöses „grünes Feuer“ (hergeleitet von der „Stadtpyr“ wobei man „pyr“ als griechisches Wort für Feuer wertete). Es würde bereits an der auch im Mittelalter wirkenden Gravitation scheitern eine Weinrebe auf mit dem sich nach oben verjüngenden Teil an der Spitze zu halten, weshalb es abwegig ist, zu vermuten, dass dieses Kunststück das Wappen der Stadt sein sollte, auch gibt es weder grünes Feuer noch grüne Zapfen. Was es jedoch gibt, und im Kontext dieses Textes kann man es ja auch mal diesbezüglich erwähnen ist Hopfen und eine gewisse Ähnlichkeit hat die grüne Hopfendolde schon mit dem Emblem der Reichsstadt. Der lateinische Name des Hopfen ist übrigens “humulus”, wovon sich in vielen europäischen Sprache die jeweiligen Beziehcnungen ableiten, z.B. humle (dänisch, schwedisch), “humal” (estnisch), komló (ungarisch), humala (finnisch), usw. vielleicht ja auch der auch in jüdischen Friedhöfen nachweisbare Familienname Hummel – falls es nicht gewichtigere Argumente dafür gab, den Namen vom Insekt abzuleiten. Den Stadtpyr kann man nun vielleicht auch besser als Stadt-Bier zum Anstoß nehmen :-)

HopfendoldenHopfendolden


פאָרלאָזן בין איך

May 8, 2013

פאָרלאָזן, פאָרלאָזן, פאָרלאָזן בין איך

ווי אַ שטיין אויף די גאַסן

נישט קיין מיידל ליב מיר

אַזוי וועל איך גיין צו דעם שול הויז

און דאָרט איך וועל וויינען צו גאַט

 

אין וואַלד איז אַ בערגל

מיט פילע פייַן בלומען

ווו מיין שיין קאַלע איז מקבר געווען

אַפֿילו מיין ליב טוט איר נישט וועקן

 

און אַזוי איז מיין געדאנקען

דאָרט וועט איך קומען כל יום

דאָרט איך בין מרגישווי בודד איך בין

דערווינטדערציילט מיר

…  ווי פאָרלאָזן איך בין

(299)

Traditional sad song of a lonely lad (בחור) bemoaning his bride from southern German regions, in many versions known among Jews and Christians alike in Bohemia, Swabia, Bavaria and Austria. While text and pronunciation of Yiddish and south German dialects differ in some versions, the tune stays the same.

German-Bohemian version with “kiarchl” (little church) instead of “shul” (Talmud school/synagogue) by Ernst Mosch (1925-1999) from Zwodau/Falkena, Bohemia, who was born as son of a miner and as Sudeten-German joint the German army, where however he became musician. After the war he became one of the most successful German “Volksmusiker”. He produced about two-hundred (!) albums and sold more than 40 million records.

שירישן מסורתימדרום גרמניה,ידועות בקרביהודיםונוצריםבבוהמיה, בוואריהואוסטריה


Augsburger Tracht um 1885

May 7, 2013

Augsburger Tracht 1885Schwäbisch Augsburger Tracht, Postkarte um 1885

 


Augsburger Kahlschlag geht weiter

May 6, 2013

..Elias Holl Platz Augsburg Plakat Bäume Kahlschlagzerrupfter “Protest” am Baum- äh Bau-Zaun

„Hallo Graugsburg,

Ist dir schon aufgefallen, dass man dir deine grüne Lunge herausschneidet ? Nein? Höchste Zeit, dann!            Am Bahnhof und am Klinkerberg, am Königsplatz und an vielen anderen Stellen kappt man dir die Luftzufuhr …

… jetzt sollen die 9 Schattenspender hier am Platz der Kurzsichtigkeit & Ignoranz weichen – mir schmerzt schon die Brust, dir auch?

Liebe Grüße dein Immunsystem“  

Elias Holl Platz Augsburg

Dieser übergroße Notizzettel hing zumindest gestern Früh beim Elias Holl Platz am Drahtzaun, schon recht stark eingerissen. Aber es klappte so eben, die Fetzen für ein Foto wieder lesbar anzuordnen.

Im Kontrast zur „Größe“ des Plakats ist die Wortwahl des Schreibers recht dürftig und in einer Weise verklausulierend, wie man es sonst nur von denen hört, die politisch für den Kahlschlag der Bäume verantwortlich sind. Eigenartig auch, dass allenfalls der etwaige “Nutzen” der Bäume angesprochen wird: Der “Schattenspender”. Als ob der hoch umstellte Platz nicht schattig genug wäre. Einen Selbstwert hat der Baum also nicht und mit Vögeln hat man es ja auch nicht so..

Grüne Lunge, blaues Hirn? Mal wieder Metaphern statt Klartext? Jofi, dazu passt natürlich, dass man bei “Parkplatz” nicht an Bäume oder Wiesen denkt, sondern an Autos, allenfalls noch an Busse, da im eigentlichen Sinne des Wortes geistiges Parkverbot herrscht.

Wer in der Innenstadt wohnt oder sich zumindest öfter hier aufhält,  dem ist es natürlich in den letzten Jahren (..!) aufgefallen,  dass der Kahlschlag verbreitet wird. Von (jeweiligen) Anwohnern abgesehen stört das aber kaum jemanden, dient der Innenstadt-”Bereich” vorallem zum Bereichern, d.h. den Bürgen & Besuchern zum Erleben von “Kultur” (in etwa: bei Kuchen und Latte scradicatio im Freien durch die Sonnenbrille Fassaden anschauen) und Stiften von “Identität” (in etwa: Souvenirs oder  in sog. Fachgeschäften überteuerte Ladenhüter kaufen). Kurz gefasst heißt das, der Weg vom Auto zum Straßencafe (oder Kaufhaus) muss im Wortsinn „überschaubar“ sein, weil sonst auch die sog. “Erlebnis-Gastronomie” den “Stress”-Eindruck kaum noch korrigieren kann.

Augsburg Rathaus - Also gehts in der WeltAlso gehts in der Welt, … und in Augschburg

 

Aufgefallen ist vielen natürlich, dass die Bestimmungen der Baumschutzverordnung, die seitens der Stadt Augsburg durchaus auch dann thematisiert werden, wenn wild wuchernde Bäume jahrhundertealte Grabdenkmäler auf jüdischen Friedhöfen zerstören, nicht mehr gelten, wenn es darum geht, zusätzliche „Parkplätze“ zu schaffen, auch dann wenn es – besonders sinnig – direkt gegenüber eines bereits existierenden „Parkhauses“ (Schaezlerstraße) gesunde Bäume betrifft, die eigentlich nicht abgeschlagen werden dürften. Das stört auch die Augsburger Vertreter der Grünen Partei nicht, weil ja irgendwo anders kleine Setzlinge eingepflanzt werden, die ja auch schon in etwa vierunddreißig Jahren die selbe Größe erreichen können, vielleicht auch erst in 37, vorausgesetzt, man braucht nicht dann nicht bereits schon eine “Mobilitäts-Spirale“, sprich einen weiteren Königsplatz-Umbau …

… der (vor)letzte (Umbau) war ja von 1975 bis 1977, auch damals schon wurden sehr viele Bäume abgeholzt, übrigens auch bereits im Interesse des Umweltschutzes, da die Busse und Straßenbahnen ja den Autoverkehr deutlich reduziert haben wollen, sollen und es als Ersatz pflanzte man weitere Parkhäuser … Auch damals hat es mit der “Planung” nicht so langfristig geklappt und es wurde mehr Verkehr in die Stadt gebracht, als je zuvor und genauso wird es auch jetzt sein. Und deshalb könnte man in vierzig Jahren auch über die heutigen Planer spotten, wenn sie dann nicht wie die früheren längst vergessen sein sollten (alles im Konjunktiv), zurecht womöglich.

 

Parkplatz-Suche in Augsburg

desorientiertes schwäbisches Kleintier auf Parkplatz-Suche in der Augsburger Innenstadt

Da man gerade schon mal dabei ist, können inzwischen offenbar überall mehr oder minder nach Belieben abgeholzt werden (Beispiel „Bärenkeller“)  – insofern Versicherungskonzernen oder Banken keine Einwände erheben (und wann tun sie das?), auch da wo sie mit dem Baumaßnahmen am Königsplatz nicht erkennbar was zu tun haben, etwa vor dem Gebäude der Hypo-Vereins-Bank (Ludwigstraße zwischen Grottenau und Karlstraße, der ehemaligen Judengasse):

Augsburg Ludwigstraße Hypo Vereins Bank BäumeEbenfalls ent-baumter “Park”-Platz vor der Hypo-Vereins-Bank

Man beachte das blaue Schild mit weißem “P” beim Eingang der Bank: Wen nun störten diese Bäume, drei Meter abseits der autostrada amata ..? Die Radfahrer, die zwischen den beiden (gewesenen) Bäumen nicht mehr ein noch aus wussten? Die Telekom-Kunden, die bei der chicen Telefon-Säule einen zu schlechten Empfang hatten? Oder die Kunden der Bank, die gerne direkt vor dem Eingang parken wollen, damit man nicht das andere “Parkhaus” “hinten am Ernst Reuter Platz benutzen müssen ..? Wer außer den Stadtplaner profitiert von den Baumstümpfen?

Soll man die Baumstümpfe nun vielleicht gar mit Wasser begießen, weil Augsburg als Stadt des Wassers beworben wird?

* * *

The City of Chops… um … Augsburg continues to chop up trees in the inner city or downtown area. Of course there are numerous excuses – have been for years – which sum up to a simple behavior pattern: tree protection regulations are applied this way or that way, as freely as required. And the result is: the number of trees is getting reduced as the number of commercial offers, such as (temporary) street cafes will increase. Parking without trees.


Perlachturm am Morgen

May 5, 2013

 

Perlch Turm am MorgenAugsburg Perlach Tower early morning


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