“Ingvild Richardsen war 2018 Kuratorin der Ausstellung “Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung 1894-1933” in der Monacensia im Hildebrandhaus und der Ausstellung „Die modernen Frauen des Atelier Elvira“ 2022 in den Kunstsammlungen in Augsburg. Sie forscht über die Frauenbewegungen und vergessenen Autorinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, jüdisches Erbe und NS-Zeit. Sie lehrt und forscht an der Universität Augsburg- 2019 veröffentlichte sie bei S. Fischer das Buch «Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen.
Wie Frauen die Welt veränderten», in der sie die Entstehung der deutschen Emanzipationsbewegung und des Jugendstils neu erzählt. 2022 gab sie im Beck Verlag das von ihr entdeckte Typoskript „Der Weg zur Grenze“ heraus. 2023 erschien das Buch bereits auf Niederländisch.
Sie forscht und lehrt an der Universität Augsburg und am Literaturschloss Edelstetten e.V. Zusammen mit Prof. Klaus Wolf führt sie Pilotprojekte zur Erinnerungskultur durch.
Mit Prof. Dr. Waldemar Fromm (Arbeitsstelle für Literatur in Bayern) gibt sie die Reihe Vergessenes Bayern heraus.”
Walk through the History of Jews in Medieval Munich
Munich was first documented in 1158 in the so-called “Augsburger Schied” (“Augsburg Arbitration”) .The first documented Munich Jew is the witness “Abraham de Municha” in a Regensburg document from 1229.
Munich at that time was quite small, but large enough that several dozen Jews lived there in 1285. As the Nuremberg Yizkor reports, at least 67 Munich Jews were slaughtered in a brutal massacre that same year. Other accounts even speak of 180 murdered. The reason was the accusation that “the Jews” had killed a Christian child for ritual purposes. According to this account, the Munich Jews had bought a child from an old woman in order to bleed it to death by pricking it with needles in a cellar. Following this accusation, Jews were attacked everywhere, and their houses and property were searched. Nothing was found that matched the alleged crime, but some possessions were discovered that could be stolen, and it was decided that it would be better to kill the previous owners so they couldn’t complain about the looting. Most of the Jews perished when they fled to the synagogue, which was then surrounded and set on fire with them inside.
Count Palatine Ludwig “the Strict”, father of the future Emperor Ludwig the Bavarian, allowed the survivors to remain in Munich. Emperor Ludwig mortgaged his Munich holdings for substantial loans to two Augsburg Jews, but apparently failed to repay them.
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After the breaching of the first city wall in the 1270s, a Jewish settlement developed in the area between the Front and Rear Schwabing Gates, south of Landschaftstraße (today’s town hall) and north of it (Marienhof), with Judengasse at its center. There, the Munich Jew Samuel (Sanwil/Sanbel) acquired a substantial house which, until the expulsion of the Jews from Munich in 1442 (around the same time as the expulsion of the Jews from Augsburg), housed the “Schul,” that is, the Talmudic school and, according to modern terminology, the “synagogue.”
It is also dated 1442 that Duke Albrecht gifted this very house to his personal physician and son-in-law, Hartlieb, whereupon, out of gratitude, Hartlieb had a chapel built in the cellar. The curiosity of the Christians grew so great that the owner decided to demolish the Jewish house and instead build a church over the apparently immediately “salvific” crypt. Bishops from near and far came to consecrate it. The church was demolished in 1805 during the so-called secularization and subsequently quickly forgotten by the public. The former Judengasse/Gruftgasse corresponds to Albertgasse (today only a path via Marienhof), between Weinstraße and Dienerstraße, as can easily be verified using old city maps.
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It wasn’t until the 18th century that Jews from Kriegshaber (today a district in the northeast of Augsburg) came to Munich again and laid the foundation for a new Jewish community, which was then proclaimed and founded in the living room of the Wertheimer family. Until 1815 however the members of the Jewish Community of Munich were buried at the Jewish cemetery of Pfersee/Kriegshaber.
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Images: Wikipedia, muenchenwiki.de
Munich City Map by Georg Mayer from 1837
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Private tour for international guests: this morning/noon, followed by a stop at Donisl (Weinstraße).
Shlomo ben Yehuda Gabriel (also known as Solomon ibn Gabirol) lived in the 11th century (probably between 1022 and 1070) in Muslim-occupied Spain. He composed poems in his native Hebrew at the age of sixteen. Among his patrons was Shmuel ha-Nagid (993-1056), himself a significant Hebrew poet, whose son was crucified in the Muslim massacre of Granada in 1066. This was the first anti-Jewish pogrom on European soil, 30 years before the first Christian war, in which up to 4,000 Jews were murdered. It is possible that “Ibn Gabirol” also perished in this massacre. All that is known is that there is no further information about him after the 1060s.
Heute Abend: Ausstellungseröffnung im Augsburger Brechthaus: “Tücher und Bücher” zu Samuel Kohn, Tuchmacher aus Steppach und Augsburg und seinen niederländischen Nachkommen mit Augsburger Wurzeln.
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Samuels Enkelsohn Hein(z) wurde noch in Augsburg geboren, heiratete aber eine katholische Frau, doch musste die Familie trotzdem ihr Eigentum aufgeben und nach Holland emigrieren. Hein Kohn war Buchhändler und verlegte in den Niederlanden u.a. von den National-Sozialisten verbotene Literatur.
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Buchpräsentation im Augsburger “Brecht-Haus”
Das 1951 gegründete Familienunternehmen feiert nun sein 75jähriges Bestehen. Zur heutigen Ausstellungseröffnung waren Hein Kohns Sohn Menno Kohn, dessen Töchter und weitere Verwandte nach Augsburg ins Brechthaus gekommen, ebenso wie die Autorin/Kuratorin Dr. Ingvild Richardsen, welche das Buch zur Geschichte verfasste, Frau Uta Löhrer von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung, zahlreiche Vertreter von Stiftungen und Sponsoren, der Kulturreferent der Stadt Augsburg Jürgen Enninger, der die niederländischen Gäste gar in holländischer Sprache begrüßte, die eifrigen Komposch-Brüder, welche die Ausstellung technisch umsetzten und sicher noch weitere Personen von Rang und Namen – freilich niemand von der jüdischen Gemeinde in Augsburg. In der Präsentation wurde nun allerdings auch schon die Frage aufgeworfen, ob Hein Kohn denn noch an “jüdischen Bräuchen” … ‘festgehalten‘ … habe? Das wurde sogleich verneint: “nein, sie waren liberal” … gerade so als wären das zwei unvereinbare Gegensätze.
Das Raunen fand nur im Kopf des Schreibers statt, stattdessen gab es vielleicht eine gewisse Erleichterung im Publikum, den problematischen Teil “der Geschichte” damit ‘umschifft’ zu haben.
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Im “Brecht-Haus” stand stattdessen natürlich die ( : nichtjüdische) Literatur im Blickpunkt. Hein Kohn und Bertold Brecht waren demnach zeitlebens befreundet oder gut im Kontakt. Der Eine schrieb, der Andere verlegte Bücher und in der Buchhandlung soll Brecht immer vorbeigekommen sein, um neue Bücher zu sehen und sich auszuleihen, nicht etwa um welche zu kaufen. Nur keine Eselsohren sollte er reinmachen, wurde ihm gesagt. Die versammelten Zuhörer lachten erheitert auf, ganz zurecht. “Man hat gelebt, man war dabei”, wie Menno Kohn seinen Vater Hein Kohn zum Abschluss seiner in akzentfreiem Deutsch gehaltenen Ansprache zitierte.
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Die vielseitige Ausstellung umfasst 12 Tafeln mit interessanten Ausstellungsstücken, die auch thematischen Experten einiges Neues vermitteln kann. Die ersten beiden (blauen) Tafeln widmen sich den jüdischen Vorfahren, die zehn anderen der Geschichte von Hein Kohn, seiner Familie und literarischen Tätigkeit. Dazu zählt dann eben auch der Umstand, dass Hein Kohn dafür sorgte, dass Brechts Werke in den Niederlanden erscheinen konnten.
Tücher und Bücher. Von Augsburg in die Niederlande: Hein Kohn (1907-1979). Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagent und Kulturvermittler.
13. Februar – 31. Dezember
Sonderausstellung im Brechthaus 2026
Die Ausstellung erzählt die Geschichte des gebürtigen Augsburgers Hein Kohn. Mit dem jüdischen Tuchmacher Samuel Kohn, dessen Ansiedlung in Augsburg der bayerische König 1837 erlaubt hatte, wurden die Kohns in Augsburg ansässig, sind bis 1938 als Kaufleute und Unternehmer, Tuchmacher und Textilhändler vielfältig in Augsburg in der Textilbranche tätig.
Hein Kohn, 1907 in Augsburg geboren, Enkel des Tuchmachers Samuel Kohn und Sohn des wohlhabenden Augsburger Kaufmanns und Agenten Eugen Kohn, absolviert in Augsburg erst eine Lehre in der Textilbranche. Dann wird er, der Bücher über alles liebt, Volontär in der berühmten Augsburger Buchhandlung Lampart & Comp. Hier lernt er Brecht kennen, dem er immer wieder Bücher leiht. Ein Leben lang werden sie in Kontakt stehen. Kohn setzt seine Lehre an der Buchhändlerschule in Leipzig fort, wo er auch politisch aktiv wird. Nach Stationen in Berlin, Bremerhaven und Hamburg als Lektor, Verleger und Buchhändler, flüchtet er 1933 am 5. Mai, fünf Tage vor der Bücherverbrennung, ins Exil nach Hilversum zu Paul Baumgärtner, einem Augsburger Freund, der bei NSF (Philipps) arbeitet. Die Nazis sind Kohn auf den Fersen. In Hilversum arbeitet Kohn zuerst für den sozialistischen Arbeiterrundfunk VARA. Mit dem gleichfalls nach Hilversum geflüchteten Sänger und Schauspieler Ernst Busch tingelt er für VARA mit einem Unterhaltungsprogramm durch die Niederlande. Busch singt das Solidaritätslied von Brecht auf Niederländisch, Kohn druckt und verkauft es. Noch 1933 gründet Kohn in Hilversum seinen ersten Exil-Verlag, Boekenvriend Solidariteit.Auf Niederländisch druckt und verlegt er, was die Nazis in Deutschland verbrannt und verbannt haben. Brandende Woorde uit Duitsland (Brennende Worte aus Deutschland), der erste Titel, ist sofort ausverkauft. 1939 publiziert Kohn Brechts Dreigroschenroman in seinem Exilverlag Het Nederlandse Boekengilde auf Niederländisch. Heute zählt Kohns Exilverlag zu den drei bedeutendsten Exilverlagen der Niederlande. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch das NS-Regime, ist Kohn in permanenter Lebensgefahr. Bald lebt er versteckt auf dem Dachboden des Hauses, in dem er in Hilversum wohnt. Seine verlegerischen Aktivitäten setzt er im Untergrund fort. Nach 1945 wird Kohn in Amsterdam Leiter des Verlagshauses Van Ditmar.
1951 gründet er eine bis heute bestehende legendäre Literaturagentur Internationaal Literatuur Bureau B.V., deren Netzwerk bald um die ganze Welt reicht. Hein Kohn ist einer der ersten Literaturagenten der Niederlande. Die internationale Literaturagentur wird, nachdem Hein Kohns Sohn Menno sie 1970 übernommen hatte, heute in dritter Generation in Amsterdam von seiner Enkelin Linda Kohn geführt. Die von Hein Kohn gegründete Literaturagentur Internationaal Literatuur Bureau B.V. feiert im Jahre 2026 bereits ihr 75-jähriges Bestehen.
Dem Schriftsteller Rolf Hochhuth zufolge war Kohn der „Kurier des deutschen Geistes in Holland“: Was daheim verbrannt worden war durch den Machthaber Hitler – das drucktest Du neu, die deutsche Dichtung fand durch Dich und wenige andere in Amsterdam ein Archiv, ein Sprachrohr (…). Seit Hitlers Tod bist Du endlich der, sozusagen, offizielle Kurier des deutschen Geistes in Holland. (Rolf Hochhuth 1972).
In der Ausstellung sind spannende Objekte aus Augsburg und den Niederlanden zu sehen, darunter auch solche zu Brecht.
Auch wenn Hein Kohn bis zum Ende seines Lebens in Hilversum lebte, so blieb er seiner Heimatstadt Augsburg doch eng verbunden. Das Logo für seine Literaturagentur ließ Kohn 1951 von seinem Augsburger Freund, dem Grafiker Eugen Nerdinger, anfertigen.
In den 1970er Jahren beauftragte Kohn den bekannten Städtemaler Ernst Metz damit, ein Gemälde von Augsburgs Innenstadt für ihn anzufertigen. Besagtes Gemälde von Augsburg beabsichtigt Menno Kohn im Rahmen der Ausstellung zu verkaufen.
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch von der Kuratorin Dr. Ingvild Richardsen im Volk Verlag in München.
Ausstellung und Buch werden gefördert von:
Ilse-Blank-Mezger-Hesselberger-Stiftung
Dr. Eugen Liedl Stiftung
Hubertus Altgelt-Stiftung
Bezirk Schwaben
Peter Dornier Stiftung
Viermetz-Stiftung
Netzwerk Jüdische Geschichte und Kultur in Bay.-Schwaben e.V.
Ausstellungsgestaltung:
creativeJAM GbR
Markus Komposch, Christoph Komposch