Jüdischer Humor


Über jüdischen Humor lässt sich viel sagen und ganz im Sinne von Karl Valentin, wurde auch schon alles drüber gesagt, nur noch nicht von allen. Ob Karl Valentin Jude war? Wäre er denn als Jude noch nicht mal drei Jahre nach dem Krieg krank und verarmt in München gestorben? Oder nicht doch eher ein paar Jahre vorher, vielleicht in Theresienstadt oder Landsberg? Womit wir schon eine Reihe von Kriterien angesprochen hätten, die jüdischen Witz bekannt und beliebt machen. Er bedient – so er nicht sowieso aus dem TV kommt als Seinfeld, Woody Allen & Co. (wir wollen uns hier aber mit der Lage in Deutschland befassen) – eine ganzen Reihe von Klischees und vermittelt sie in einer Sprache, die zum einem vor allem Nichtjuden verständlich, zum anderen aber dennoch „restjüdisch“ genug sein muss, um überhaupt als jüdisch und als typisch zu gelten.

Lederhosen

(wikipedia)

Ein typisches Merkmal jüdischen Humors und seiner Witze, so liest man oft in Erklärungen, sei es, dass man dabei nicht über andere, sondern vor allem über sich selbst lacht. Demnach müssten von Ostfriesen erzählte Ostfriesenwitze irgendwie wohl „jüdisch“ wirken. Nun gut, sich Juden vorzustellen, als Leute, die sich selbst durch den Kakao ziehen und lächerlich machen, sozusagen als „Witzableiter“ mag für manche durchaus eine heitere Vorstellung sein, in dieser Weise pauschalisiert ist es aber reines Wunschdenken, ebenso wie die Annahme er sei „die Waffe der Wehrlosen“. Dabei müsste man doch meinen, dass die israelische Armee wenigstens diesen Mythos bereits zerstört haben sollte. Eher zweifelhaft ist auch die Annahme, jüdischer Humor sei in Büchern über jüdischen Humor zu finden. Dort findet man allenfalls plattgetretene Geschichten, die schon bei flüchtigen Hinsehen oder –hören konstruiert sind und zwar wackelig. Meist sind es noch nicht mal Geschichten, sondern frei erfundene Kurz-Dialoge, die nur „wirken“, wenn sie vor schematischen Kulissen aufgesagt werden. Diese passen dann in den Wilden Westen, ins antike Rom, an den Hof des Pharao oder eben nach Przemyśl.

Damit allein ist es aber noch nicht getan, denn auch die Witzfigur heißt nun besser Jankele als Hans-Jürgen oder Kevin und besser Morgenstern als Riester oder Rürup und wenn während der Erzählung gerade ein Zug unterwegs sein sollte, dann am besten Richtung Galizien und nicht etwa nach Castrop-Rauxel oder Schelesnodoroschnaja. Wo letzteres ist, wissen wohl nur Leute die schon mal dort waren, darunter bekanntlich auch einige Juden. Am einfachsten ist es wohl von einem, von dem Schtedl zu reden. Man sollte „meschugge“ sagen statt „verrückt“, nicht aber „tipes“ anstelle von „dumm“. Den Eindruck des „Vertrauten“ hat man andernfalls recht schnell ruiniert. Recht viele meinen doch, jene Art lustig „verjüdeltes“ Deutsch so gut zu kennen, dass sie davon „fast jedes“ Wort verstehen. Schließlich lernt es sich mit Humor eben gleich noch mal so gut.

Bahnhof Przemyśl(wikipedia)

Geschätzt wird dieser „jüdische Humor“ insbesondere von gebildeten „Feinschmeckern“ und „Schöngeistern“, die auch ansonsten fähig sind, feine Ironie und versteckten „Hintersinn“ in einer mitunter auch tragischen Geschichte zu erkennen. Doch wenn dem tatsächlich so wäre, warum benötigt diese Art von „Witz“ stereotype Verpackungen, die wie Fertiggerichte mit ihrer Inhaltsangabe bedruckt sind und wo auf dem Butterstück steht, dass es fetthaltig ist oder dass der Dosenfisch ggf. auch Spuren von Erdnüssen enthalten kann? Merkt man das denn nicht sowieso ..? Oder trotzdem nicht? Rein methodisch erinnert dies dann auch an das furchtbar lustige „canned laughter“, jene „Lacher von Band“ US-amerikanischer sit-com-shows (nicht zu verwechseln mit dem angeblich ernsten Unterton jüdischer Witze). Die Macher dieser immer noch erfolgreicheren Endlosserien sind übrigens gar nicht selten auch Juden, obwohl ihr „Humor“ auf dem professionellen Wortwitz von „Gag-Schreibern“ und „stand-up-comedians“ basiert (deren Konfession wir freilich in der Regel nicht erfahren). Ihre Berufsgruppen ist verwandt mit den Redenschreibern von Politikern, manchmal auch in Personalunion.

Mubarak as a Jew(schwikipedia)

Sigmund Freud schrieb, wie bei Wikipedia (im Artikel „Jüdischer Witz“) zitiert ist:  „Die Witze, die von Fremden über Juden gemacht werden, sind zu allermeist brutale Schwänke, in denen der Witz durch die Tatsache erspart wird, dass der Jude den Fremden als komische Figur gilt. Auch die Judenwitze, die von Juden herrühren, geben dies zu, aber sie kennen ihre wirklichen Fehler wie deren Zusammenhang mit ihren Vorzügen, und der Anteil der eigenen Person an dem zu Tadelnden schafft die sonst schwierig herzustellende subjektive Bedingung der Witzarbeit.Natürlich soll sich der beliebte jüdische Humor schon unterscheiden von herabsetzenden Witzen über Juden. Aber wann ist ein Witz von Juden, und wann ist einer über Juden? Dann wenn ein Jude den Witz erzählt? Warum schätzen dann aber sog. „Nichtjuden“ „den“ jüdischen Witz? Wenn nun aber selbst ein Analytiker wie Sigmund Freud Begriffe wie „Witzarbeit“ (womit er nicht die eigene meinte!) benötigte, kann der Pfad zwischen antisemitischen Stereotypen und jenem jüdischen Humor dann so breit wohl  auch nicht sein.

Ein Jude und ein Offizier sitzen in einem Zug*; der Jude isst einen Hering. „Sag, Jud, warum seid ihr Juden so schlau?“ „Ganz einfach, Herr Offizier, wenn wir Heringe essen, essen wir auch die Gräten mit.“ Der Offizier kauft dem Juden daraufhin die Gräten ab und würgt sie herunter. Nach einer Weile sagt er: „Jud, Du hast mich beschissen. Für das Geld hätte ich mir einen ganzen Hering kaufen können!“ „Seht ihr, Herr Offizier, es wirkt schon!“

(* wahrscheinlich in Galizien)

Jüdische Zuwanderer aus Russland und anderen inzwischen selbständigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion finden Witze dieser Art oft recht komisch und die demonstrierte Eigenschaft der „Raffinesse“ die es ermöglicht, mittels „Witz“ einen anderen hereinzulegen als eher positiv, vielleicht mitunter sogar als eine Art „Ideal“. Aber auch sonst (bei Juden anderer Herkunft und jenen die sich aus freien Stücken als „Nichtjuden“ bezeichnen) unterstreicht die Pointe die Erwartungshaltung, dass der Jude „schlau“ und „gewitzt“ daherkommt. Eben nicht nur lustig, sondern auch … listig, andernfalls wär’s ja wohl nicht „jüdisch“.

Feitel Itzig Stern Schabbes Gärtle 1835 Titel(stupedia)

Eine Variante wäre etwa folgende Geschichte:

Ein Rabbiner fährt mit seinem Auto auf der Landstraße entlang. Plötzlich stößt er bei einer Kurve mit einem anderen Wagen zusammen. Er steigt aus und stellt erfreut fest, dass weder er noch der Fahrer des anderen Wagens verletzt ist, wohl aber ist einiger Sachschaden entstanden. Der Fahrer des anderen Wagen erweist sich als katholischer Priester. Der Rabbi freut sich über diese göttliche Fügung und schlägt vor, dass sie darauf ein Glas Wein trinken sollten. Der Priester willigt ein und der Rabbi holt eine Flasche aus einem Auto und gießt zwei Becher voll. Der Priester trinkt seinen Becher leer, doch der Rabbi wartet. Als der Priester fragt, warum der Rabbi nun doch nicht trinken will, antwortet dieser: „Ich warte wohl besser, bis die Polizei da war!“  

Obwohl es die eingangs formulierte Eigenart des jüdischen Witzes, eher über sich selbst, als über andere zu lachen, genaugenommen widerlegt, ist da sehr gern die Rede von der „Chuzpe“, die – was frech genug ist – mitunter auch schon mal als „schutz-pä“ ausgesprochen wird. Sie gilt, seitdem es Witzbücher gibt (und wir datieren sie zumindest auf Feitel Itzig Stern zurück, dessen Werk zumindest die Bundeszentrale für Politische Bildung „bpb“ noch für „authentisch“ hält) als sehr typisch „jüdisch“, sie projiziert geradezu die klare Erwartungshaltung. Und klar scheint auch, dass bei so viel vorausgesetzter „Raffinesse“ es wohl eigentlich kaum möglich sein kann, dass ein Witz tatsächlich auf Kosten des „gewieften“, „hinterlistigen“ Juden ausgehen kann. Wie gut, dass es ersatzweise wenigstens jene variantenreich existierende Kategorie an Witzen gibt, aus welche hervorgeht, dass „der Jude“ zumindest „sein“ Judentum auch nicht ernst nimmt. Dessen Gebote werden vor allem auch von Außenstehenden oft als „streng“ empfunden oder zumindest doch entsprechend vermutet. Da mag es schon erheitern, wenn man darüber lachen kann, wie jüdische Witzfiguren das alles doch nicht „so ernst“ nehmen, sondern ihre „Gerissenheit“ nun dafür einsetzen, um ihre eigenen Gebote und Gebräuche zu relativieren.

Mendels ältester Sohn ist zum Christentum konvertiert. Der fromme jüdische Vater ist verzweifelt und weiß nicht, was er tun soll. Da spricht nun Gott selbst mit ihm: „Was weinst Du, Mendel?“ – „Soll ich etwa nicht weinen, mein Sohn hat sich taufen lassen!“ – „Aber Mendel, meiner doch auch!“ – „Und was hast Du gemacht?“ – „Ein neues Testament!“

Oliver Polak Augsburg

Ein jüdischer Witz, der augenzwinkernd bekräftigt, dass „Gott“ (wenigstens als „Witzfigur“) ein „Neues Testament“ machte, hat sicher eine gewisse Komik für Leute, die Witze über „Gott“ für zulässig halten, aber ist dies wirklich „typisch jüdisch“? Wäre es nicht auch komisch, wenn „Gott“ auf Mendels Frage danach, was „er“ getan hatte, antwortete: „Ich habe ihn kreuzigen lassen!“

Beliebt ist dabei auch der berühmte „Schinken-Witz“:

Ein Jude kommt zum Metzger, zeigt auf einen Schinken und sagt: “Ein Kilo von diesem Fisch, bitte!“ „Das ist Schinken!“ – „Es ist mir egal, wie der Fisch heißt!“

Wäre der Witz auch komisch, wenn ein Katholik sich am Tag vor Karfreitag entsprechend verhalten würde oder hielte „man“ seine „Raffinesse“ (?) eher für verwunderlich denn als typisch? Oder wie wäre es mit einem vegetarisch lebenden Buddhisten, der seinen Döner als Blumenkohl bestellt? Lustig? Im beliebten „jüdischen“ Witz jedenfalls relativiert schon die Furcht vor familiären Auseinandersetzungen (= der Streit des Juden mit jenen anderen Juden die ihn am besten kennen sollten) sogar auch die messianische Hoffnung:

„Jankel, der Rebbe meint, der Messias wird bald kommen!” – „”Gott behüte! Was wenn dann meine ganze Mischpoche seit der Erschaffung der Welt aufersteht ..!“

Ein anderer Witz erklärt schließlich auch die „Weisheit“ des Talmuds:

Chaim der früher eine Talmudschule besucht hatte und nun Medizin studiert, wird gefragt, warum er kein Millionär werden will. Seine Antwort lautet, dass er lieber Krebs bekommen wolle. „Warum denn das!?“ – „Nun, ganz einfach: alle Millionäre sterben, an Krebs nur 40 %!“

Ob die „Pointe“ auch funktioniert, wenn man den „Chaim“ und den „Talmud“ durch „Günther“ und „Zeichen“ ersetzt?

Wo über Gott, die Gebote der Tora, den Talmud und die Hoffnung auf das Kommen des Messias gespottet wird, da kann man auch nicht erwarten, dass wenigstens der weltliche Zionismus besser abschneidet:

Ein alter, sterbenskranker New Yorker Jude erklärt seinen Verwandten, dass er in Israel sterben möchte und dort im Land seiner Väter begraben zu werden. Man erfüllt ihm seinen Wunsch und fliegt mit ihm nach Tel Aviv, wo ihm aber zumindest das Klima gut bekommt. Nun aber möchte er wieder zurück nach New York! „Aber warum?“ – „Nun, in Israel sterben wäre in Ordnung, aber hier leben ..??“

Augsburger Bürgerfest 2003Am Ausburger Bürgerfest 2003

Da wir nun wesentliche Merkmale des „jüdischen Witzes“  behandelt (eine Salbe wäre gut!) haben, müsste eigentlich die Gegenprobe klappen:

Warum kommen Möwen soweit nach Israel hinein? Weil es da so schön nach Fisch stinkt.

Warum darf man einen Juden nicht in eine Kanone stecken? Weil Dumm-Dumm-Geschosse völkerrechtlich verboten sind.

Wären diese Witze – die zweifellos niemand anderen als Juden aufs Korn nehmen – witziger, wenn man sie über Ostfriesen erzählen würde (was manche wohl tun…)?

Warum kippt ein Jude Wasser auf seinen Computer? Weil er im Internet surfen will.

Wird das auch dann nicht komischer, wenn man sich ein blonde Jüdin dabei vorstellt, … oder doch?

Schwer zu sagen, denn zumindest gibt es ja auch in dieser Art von Scherzen den als typisch erachteten Wortwitz, d.h. den eher unerwarteten Wechsel einer Begriffsbedeutung. Ein solches Wortspiel wäre etwa hier:

Was soll man von einem Goi halten? – Abstand!“

Als „goi“ bezeichnet man einen sog. „Nichtjuden“, benutzt jedoch vor allem von „Nichtjuden“. Man könnte nun aber auch formulieren “Was soll man einem Juden halten? – Abstand!“ Aber das ginge schon wieder in eine ganz andere (?) Richtung und wäre wohl auch nicht in gleicher Weise *komisch* aufgefasst. Der Witz stammt aber eigentlich aus einer Sammlung sogenannter Ostfriesen-Witze: “Was soll man einem Ostfriesen halten? – Abstand!“ Welche Variante klingt nun typischer? Lustiger? Das Original oder die Kopie?

„Warum müssen die Ostfriesen so lange auf ihre Fotos warten? – Weil sie ihre Filme immer in die Entwicklungsländer schicken.“

Spielt es nun wirklich eine Rolle, ob von Juden, Arabern, Österreichern oder Belgiern die Rede ist? Kaum, anders ist es aber vielleicht, wenn Israelis – bekanntlich seit Jahrzehnten in gleichbleibend großer Mehrheit jüdisch – Witze erzählen.

Ein verbreiteter, jedoch wenig feiner israelischer Witz fragt: „Wie nennen Charedim (der „Goi“ würde „Ultra-Orthodoxe“ sagen ) einen Vibrator? – Antwort: Mesusa“. Komisch? Beleidigend? Oder doch ironisch, da Mesusa zwar die meist etwa fingergroße Kapsel bezeichnet, die man, nach biblischem Gebot, zur Befestigung von handgeschriebenen kleinen Röllchen mit Texten der Tora an einen Türpfosten benutzt, wortwörtlich aber der „Türpfosten“ selbst ist, an dem die Kapsel eben befestigt wird. Man müsste eigentlich nur wissen, welche „Mesusa“ im Witz gemeint ist. Aber Witze zu erklären ist an sich nicht witzig. Sinn und Herkunft von Worten auch nur gelegentlich. Gerne in entsprechenden Witzen taucht der Begriff der „Schickse“ auf. Als solche wird, ableitet vom französischen „chic“ eine eher „leichtes“, übermäßig „schick“ aufgemacht empfundenes Mädchen bezeichnet. In den letzten Jahren häuften sich Erklärungen, den Begriff „jiddisch“ zu deuten als Bezeichnung für ein „nichtjüdisches“ Mädchen. Ins Klischee passend war die ge- oder besser erfundene Ableitung vom hebräischen Begriff שקץ scheketz – welches bereits in der Tora unter den Speisegesetzen Gewürm, Insekten, Ekel, etc. bezeichnet. Abgesehen davon, dass hebräische Wörter auch im Jiddischen ihrer Wortwurzel beibehalten und das „tz“ in Schickse gar nicht vorkommt, fehlt da nun eigentlich jeder humoristische Einschlag, ganz abgesehen davon, dass kein frommer Jude auf die Idee käme, einen anderen Menschen als „reptil“ sprich „kriechend“ zu bezeichnen. Die Nichtjüdin nannte nennt man analog zum Goi, dem Nichtjuden, sodann auch Goja, Goije oder Goite. Inzwischen ist aber die propagierte Annahme, Schickse sei ein verbreitetes jiddisches Wort zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden und wird auch in modernen populären Wörterbüchern zitiert, obwohl es dafür keine Belege gibt und es vom linguistischen Standpunkt unmöglich ist. Aber so ernst muss man es nicht nehmen. Zum Witz gehört es offenbar, dass man ihn sich selbst basteln darf und man Spracheigenheiten und Traditionen übergehen kann. Freilich wird so gesehen aber der jüdische Witz dann doch wieder zum Witz über Juden. Das ist nun mal so und muss von jenen, denen etwas zugeschrieben wird, auch weder gewusst noch verstanden werden. Als Deutscher muss und kann wohl auch nicht nachvollziehen, was für viele Israelis daran so komisch ist, wenn man auf die Frage, wie man auf Deutsch ein Kondom nennt (?..איך אומרים קונדום בגרמנית) mit „oger schpich“ (אוגרשפיך) antwortet.

München Valentin Museum

„Was ist Jiddisch?“ – „Deutsch mit Humor und Wodka.“ (מה זה אידיש? גרמנית בהומור וקצת וודקה)

Aber wer sowieso (s)einen Zugang hat zum jüdischen Humor, wird damit auch so keine Probleme haben oder aber damit leben müssen, dass jüdischer Humor nicht immer zwangsläufig deutschsprachig ist. Vielleicht ist das auch gut so, wie manches sich gerne richtig fügt: Heil Hitler, Heil Kräuter! Denn auch wenn man die Pointen nicht immer versteht: Humor ist’s wenn man trotzdem lacht und mit Karl Valentin lässt sich abschließend sagen: „Früher war ja auch die Zukunft noch besser!“  Prosit und LeChaim.

* * *

Literatur: Friedrich Torberg – „Wai geschrien“ – oder Salcia Landmann ermordet den jüdischen Witz: Anmerkungen zu einem beunruhigenden Bestseller, 1961

7 Responses to Jüdischer Humor

  1. Markus says:

    “Sie gilt, seitdem es Witzbücher gibt (und wir datieren sie zumindest auf Feitel Itzig Stern zurück, dessen Werk zumindest die Bundeszentrale für Politische Bildung „bpb“ noch für „authentisch“ hält) als sehr typisch ‘jüdisch’.” An welcher Stelle sagt das die bpb? Wissen Sie mehr über Itzig Feitel Stern, außer dass er des Westjiddischen mächtig war? Es sind doch vielmehr die “Witze” eines “Judenfressers”, wie schon Rabbiner Julius Landsberger (Darmstadt) feststellte, oder liege ich daneben? Nebenbei, in Augsburg wurden seine ersten “Witzbücher” verlegt. Grüße.

    • yehuda says:

      Im bpb-Artikel „Jüdischer Humor in Deutschland“ (20.04.2012: http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/132866/juedischer-humor-in-deutschland) werden frühe Schriften zum „jüdischen Humor“ aufgeführt:

      „Freuds Untersuchung traf bereits damals einen neuralgischen Punkt in der Gesellschaft: Der “jüdische Witz” war ein stark diskutiertes Thema, wie einschlägige Monografien beweisen.
      1909 verfasste Edmund Edel unter dem Titel “Der Witz der Juden” in Berlin das erste Kompendium jüdischer Witze für den deutschsprachigen Buchmarkt, doch diese umfangreiche Zusammenstellung ging bereits auf weitaus ältere Quellen zurück, so auf “Das Schabbes-Gärtle von unnere Leut” von Itzig Feitel aus Meißen (1832) oder auf “Perobeln und Schnoukes fer unnere Leit” von demselben aus dem Jahr 1852.

      Was Feitel und andere an Witzen und Scharaden zusammengestellt hatten, wurde erst rund 50 Jahre später durch Kompendien wie jenes von Edmund Edel und durch Zitate jüdischer Witze in Humorzeitschriften wie dem “Kladderadatsch” der Kaiserzeit einem breiten Leserpublikum zugänglich.“

      Von der antisemitischen Intention und Diktion der Schriften des fiktiven Feitel Itzig ist da nirgendwo die Rede. Von Edmund Edel mit dem „ersten Kompendium jüdischer Witze für den deutschsprachigen Buchmarkt” wird lediglich auf die “ältere Quelle” des Itzig Feitel Stern zurückgeführt.

      Dass es sich bei diesem um einen antisemitischen Autoren handelt, ist nicht erwähnt. Ob das ein Ziel der politischen Bildung ist, weiß ich nicht. Eigenartig ist es schon.

      Bernhard Weinryb hatte Feitel Itzig Stern bereits 1931 als Antisemiten „geoutet“:

      http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2740906

      Der lokale Bezug (im zitierten Abschnitt von der bpb ist da freilich von “Meißen” die Rede) ist uns selbstverständlich bekannt.

      • Markus says:

        Vielen Dank für den Link zur bpb. Weinryb ist mir bekannt, er bezog sich, obwohl namentlich (glaube ich…) nicht genannt, auf den Erlanger Archivar Ludwig Göhring. Einem breiteren Publikum waren die unter dem Pseudonym Itzig Feitel Stern erschienen Schriften schon nach 1830 bekannt, in Neuauflage dann in den 1850ern. Wegen ihres judenfeindlichen Inhalts (Stern zitierte z.B. auch Hundt-Radowsky) wurden die “Linken Massematten” 1853 von einem bayerischen Gericht verboten. Landsberger wies bereits 1871 darauf hin, dass Stern kein Jude gewesen sein kann. Grüße.

  2. Mitja says:

    Interessant geschrieben. Ist aber eindeutig zu erkennen, dass der Autor bzw. Autorin sich nur theoretisch mit dem Judentum in Berührung kommt. Den Begriff “Schickse” habe ich schon als Kind vor 40 Jahren gehört und zwar von meinen Gromüttern, die das Wort von Ihren Müttern übernommen haben, deren Wohnorte, genauergenommen Schtetls, soooo weit vom französichen Sprachraum lagen…… Denen war es ziemlich egal, ob das Mädchen schick oder auch nicht aussieht. Daher würde mich schon die wissenschaftliche Quelle interessieren.

    Und übrigens: was hat denn das Foto vom Bürgfest 2003 mit dem Artikel zu tun? So aktuell ist es auch nicht )

    • yehuda says:

      Vielen Dank für den Beitrag.

      Der französische Spracheinfluss ist in ganz Osteuropa mit einer Fülle an Vokabular bereits in der vor-napoleonischen Zeit belegbar, z.B. „Ermitage“ (Эрмитаж) in Petersburg, aber praktisch alle Aristokraten (und das waren die welche „chic“ waren) sprachen mehr oder minder passabel Französisch. Wohl deshalb hatte Tolstoi noch (oder: schon) 1885 in seinem Война и мир („Krieg und Frieden“) zahlreiche Dialoge komplett in Französisch geschrieben.

      Ihr Satz „habe ich schon als Kind vor 40 Jahren gehört und zwar von meinen Gromüttern, die das Wort von Ihren Müttern übernommen haben“ reichte dann auch bis Anfang der 1970er zurück und dann nochmals bis etwa um 1950 – (als es wo noch „‏שטעטלעך“ gegeben haben soll?) und besagt dann über die Etymologie des Wortes was?

      In der deutschen Wikipedia finden Sie zwei Quellen für die heute übliche Erläuterung und Ableitung des Begriffs in Deutschland, die eine stammt aus dem Jahr 2000, die andere von 2002 (http://de.wikipedia.org/wiki/Schickse). In der englischen Fassung noch weitere, abweichende Erklärungen, beispielsweise vom the Polish verb “sikać” (http://en.wikipedia.org/wiki/Shiksa), jedenfalls könnte es erklären, warum der Klang des Wortes ihren Großmüttern schon mal begegnet sein kann.

      Wo Sie schon „wissenschaftliche Quellen“ ansprechen, nennen Sie doch mal welche die den Begriff vor dem 20. Jahrhundert (je älter umso besser!) in der heute üblichen Weise definieren. Das wäre tatsächlich sehr interessant (sollte aber nicht auf Feitel Itzig Stern & Co. basieren). Aus authentischen jüdisch-sprachigen Quellen die ich kenne, ergibt sich nur ein sehr spärlicher Gebrauch des Wortes, immer in der Bezeichnung von (jüdischen) Mädels, die den Geboten des Judentum entsagen und sich der modischen Welt zuwenden, nie aber als Wort für eine sog. „Nichtjüdin“ (גויה). Das ist, wie gesagt ein modernes Phänomen. Da es die negative Erwartungshaltung an jüdische Begriffe dankbar erfüllt, ist mir klar, dass die Unterstellung auch heute noch funktioniert, aber was genau hätte dies mit Humor (im zeitgenössischen Sinne?) zu tun?

      PS: Das Trachten-Photo ist noch ca. hundert Jahre älter, Und nun?

  3. Joshua says:

    Ein orthodoxer Rabbiner spielte sehr gerne Golf. Er hatte nur ein Problem: am Sabbat durfte er nicht spielen. Also wartete er auf den Sonntag.

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