1933: “Verfolgung des Zionismus in Deutschland”


Am Freitag, dem 16. Juni 1933 – also vor achtzig Jahren – stand in der Ausgabe 24  des Wochenmagazins „Der Jüdische Arbeiter, Organ der zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion – Hitachduth in Österreich“ folgende Kurzmeldung auf der Titelseite:

Nazi-Deutschland mordet und verfolgt: 300 Juden getötet, 3000 schwer misshandelt

Der katholische Schriftsteller M. Wilrams***, der in halbamtlicher Funktion als Mitglied des amerikanischen Komitees für die „Untersuchung der Rechte der Minderheiten in Deutschland“ Deutschland bereist hat, berichtet, er habe festgestellt, dass während der „nationalen Revolution“ nicht weniger als 300 Juden getötet und mindestens 3000 schwer verletzt wurden.“

Weitere Schlagzeilen auf der Titelseite tendieren in dieselbe Richtung: „Verfolgung des Zionismus in Deutschland“: „In den letzten Tagen hat die Regierung die Barbestände des Keren Hajessod und des Keren Hajemet beschlagnahmt. In der Redaktion der Berliner „Jüdischen Rundschau“ hat die politische Polizei eine Hausdurchsuchung vorgenommen und alle Exemplare der letzten Nummer beschlagnahmt.

Eine weitere Schlagzeile meldet kurz die „Auflösung jüdischer Studentenvereine“ oder dieses: „An der Breslauer Universitätsklinik hat die deutsche Studentenschaft ein Verbot gegen jeden Verkehr mit jüdischen Hochschülern erlassen“, schließlich: „Im Auftrag der Regierung von Sachsen ist ein Nazi zum Regierungskommissär der jüdischen Schule in Leipzig ernannt worden.  

Entwicklungen dieser Art ließen wollen binnen Tagen und Wochen nach der „Machtübernahme“ durch die Nazis keine wesentliche Zweifel daran, in welcher Richtung sich das Geschehen weiter entwickeln würde. Entsprechend titelte dann auch der Leitartikel „Macht geht vor Recht“ und befasste sich mit den internationalen Implikationen: „Der Traum ist ausgeträumt“ heißt es da desillusioniert: „Die ach so kurze Epoche, da wir hoffen durften, dass als Reaktion auf das vierjährige Völkerschlachten nunmehr eine Vermenschlichung der Völkerbeziehungen eintreten werde, ist beendet, und diese Hoffnung als trügerische Sinngebung des sinnlosen Krieges erwiesen. Was wir heute schaudernd miterleben, ist die Restauration im weitesten Sinne des Wortes, ja mehr noch: die Gewalt gewinnt unumschränktere Macht, als sie sie jemals gehabt hat.“

Die Juden Deutschlands sind Opfer eines Systems geworden, dessen nähere Charakterisierung unter den gegebenen Umständen unmöglich ist, sie sind außerhalb der Rechtsordnung gestellt, ihr Hab und Gut, ihre wohlerworbenen Rechte finden keinen Schutz seitens des deutschen Staates. Unsägliches Leid hat diese Rechtlosigkeit über jüdische Männer, Frauen und Kinder gebracht  – barbarischen Hohn der Machthaber ist die Begleitmusik dazu. Ein Appell an die rechtsstaatlichen Instanzen ist unmöglich …“  

Das deutsche Judentum, der geistig und politisch führende Teil der Weltjudenheit, ist an den Bettelstab gebracht, brot- und heimatlos in den Hauptstädten Europas irrend…“  

Kriegerdenkmal St. Ulrich Augsburg Das inzwischen “verschwundene” Kriegerdenkmal von St. Ulrich in Augsburg (2008)

*** gemeint ist der Tiroler katholische Theologe und Autor Anton Müller (1870-1939), der als „Bruder Willram“ bekannt wurde . Er war zweifelsfrei sowohl Rassist als auch Antisemit und galt als reaktionär und chauvinistisch, war aber andererseits auch kein „Nazi“ im parteipolitischen Sinne, obwohl er deren Blut-Ideologie teilte. Hitler & Co. waren ihm aber nicht katholisch genug. Wenngleich auch weitgehend vergessen, ist es zur Beurteilung der situation in den ersten Wochen und Monate der Nazi-Herrschaft durchaus denkwürdig, dass ein Antisemit zum einem als halbamtlicher Beobachter für eine amerikanische Kommission im Frühjahr 1933 Deutschland bereiste und beurteilte und zum anderen, dass ein “sozialitisch” – zionistisches Magazin ihn zitiert. Interessant ist freilich aber auch der von den Nazis geführte Kamf gegen den Zionismus, der schon in diesen frühen Phase klar erkennbar wird. Relevant ist dies achtzig Jahre später auch für usnere Zeit, wo einige wirre Köpfe meinen, sie könnten “antizionistisch” ohne Antisemit zu sein. Das immer noch gültige Beispiel der Nazis und ihrer von Beginn an ausgeübten Verbrechen spricht eine andere Sprache udnsollte uns dazu ermuntern Antisemiten auch klar als solche zu benennen.

Zionist postcard Bavaria 1912Bavarian / Austrian Zionist postcard about 1912

* * *

Eighty years ago the Austrian Jewish paper “Der Juedische Arbeiter (the Jewish worker)” quotes a report by the Austrian RC autor Brother Willram (Anton Müller) who traveled on behalf of a semi-governmental US organization Germany in early 1933 in order to find out how the treatment of minorities was like. His report says that in the course of the so called “national revolution” – today in Germany frequently belittled as “Machtergreifung” (takeover) – at least 300 Jews were killed and more than 3000 seriously wounded. Other news from the same issue of the paper depict the savage persecution of Zionism by the Nazi even in the early stage of their rule.

However today pretends to be Anti-Zionist “only” but “for sure” not Anti-Semitic needs to know what already eighty years ago the example of German Nazism has told the world: So callecd Anti-Zionism actually is Antisemitism,  don’t let yourself be fooled.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: