Rückkehr des Wildwuchs am jüdischen Friedhof Kriegshaber


Seitdem wir im Frühjahr 2010 die anhaltende Pflege am jüdischen Friedhof an der Hooverstraße in Kriegshaber aufgeben mussten, hat sich in vielen Teilen des Geländes wieder der früher vorallem von 2005 bis 2007 angewachsene, teilweise dschungelartige Wildwuchs ausgebreitet. Davon betroffen sind viele der Jahrhunderte alten historischen Grabsteine, wie auch die an vielen Stellen ohnehin brüchige und einsturzgefährdete Mauer. Dass nun stattdessen der auch früher schon nicht vernachlässigte Rasen permanent mit dem Mähtraktor nachgeschnitten wird, als wollte man eine Art grünen “Zweitagebart” verhindern, ist dann bestenfalls nur Kosmetik. Von zwei Zentimeter hohen Grashalmen geht jedoch keine Gefahr aus, anders als von brüchigen Mauern und maroden Bäumen.

Kriegshaber Jewish cemetery northern wall jüdischer Friedhof Mauer 2009Blick aus dem ehemaligen Tahara – Haus zur 

im Dezember 2009 vom Wildwuchs befreiten Mauer

Kriegshaber Jüdischer Friedhof Hooverstr April 2010die selbe Mauer Ende April 2010, kurz vor der Neuvermietung

Im Vergleich dazu nun der ganz aktuelle Zustand dieses Abschnitts vorgestern (18. Juni 2013):

jüdischer Friedhof Kriegshaber Wildwuchs Mauer Juni 2013

Erstaunlich was in nur drei Jahren des Wegsehens an Wildwuchs entstehen kann.

Wie die Mauer werden auch alte Grabsteine komplett vernachlässigt und dem Wildwuchs zum Fraß vorgeworfen, obwohl in den letzten Jahren immer wieder die schweren Beschädigungen durch Efeu und Gestrüpp ausführlich dokumentiert und thematisiert wurden und der Wildwuchs wie an der Mauer bereits beseitigt worden war. Die nun aber seit Jahren wieder ausbleibende Pflege macht frühere Anstrengungen “natürlich” hinfällig.

Kriegshaber jüdischer Friedhof Dschungel 2013Friedhof oder Dschungel ..? Kriegshaber im Sommer 2013

Kriegshaber jüdischer Friedhof Dschungel 2013mannshoher Wildwuchs beschädigt Grabsteininschriften

Die Mühlen malen langsam wie sich auch 2013 nicht leugnen lässt und sichtlich will niemand das Kind mit dem “Bade” ausschütten. Die Zeit bleibt aber nicht stehen und der Wildwuchs wird nicht aufhören, so es keine Pflege gibt. Versäumnisse werden nicht geringer, wenn man sie ignoriert, sie werden mehr und erschewren nur künftige Lösungen. Bleibt zu hoffen, dass die jüngsten Ortstermine und Beratungen zur Zurkunft des Friedhofs die vorgesehnen Verbesserungen bewirken können. Angesichts der bei manchen durchaus weiterhin vorhandenen Gleichgültigkeit besteht zu Optimismus wenig Anlass, während andererseits aber äußerer Druck einmal mehr zum Handeln zwingt.  Erkennen wir darin die (vielleicht wiedermal letzte) Chance.

Kriegshaber cemetery meeting - kurz, mazo, baron, shenef, brandtMartin David Kurz, Alexander Mazo, Alexander Baron, Yehuda Shenef,  Dr. Henry Brandt

(photo: Margit, all others: yehuda)

2 Responses to Rückkehr des Wildwuchs am jüdischen Friedhof Kriegshaber

  1. Andrea says:

    Grml, auch wenn ich eigentlich den Platz seinen “eigentlichen” Besitzern überlassen wollte, juckt mir die Heckenschere schon sehr in der Hand…

    Aber egal, das ist das Problem der Gemeinde. Die Ortstermine kannst Dir an den Hut stecken, das war schon in den 80ern ein Schuss in den Ofen. Kost´ ja Geld oder Zeit.

    • yehuda says:

      Letzteres hab ich ja noch ein wenig. Aber als Historiker bekommt man auch ein Gespür dafür, was der nachwelt überliefert und was ansonsten alles vergessen wird.🙂

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