Auf den frühen Spuren der Juden in Harburg (Schwaben, Donau-Ries)


In den mittelalterlichen Augsburger Steuerbüchern sind auch Juden aus dem rund 60 km nördlicher gelegenen „horpurch“, d.h. aus dem schwäbischen Harburg an der Wörnitz verzeichnet. Der Ortsname wird von einem angeblichen ahd. Wort „horo“ für „Sumpf“ abgeleitet, freilich steht die Burg vernünftiger Weise keineswegs im Sumpf, sondern den Ort steil überragend auf einem Berg.

Das hebräische Wort für Berg wäre übrigens  הר was „har“ oder „hor“ gesprochen wird. Der Begriff „Burg“ ist bereits im Talmud geläufig und hängt mit dem im Griechischen belegten πύργος zusammen, welches Turmhaus, Rasthaus, Wachposten, etc. bedeutet. Im Talmud ist über diesen Kontext hinaus das Wort בורג „burg“ (Plural: „burgin“) vorallem auch noch als womöglich ursprünglichere Bezeichnung für ein Depot oder Lager geläufig, das durch die Bewachung dann wohl auch zum Wachposten und -turm wurde, etc. Insbesondere auf Hügeln sollten hier, so empfiehlt das beliebte Weisheitsbuch, Getreide und sonstige Ernten vor etwaigen Fluten gesichert werden, wie sie auch in Harburg an der Wörnitz bestens bekannt sind.

Für das Jahr 1355 und 1356 findet sich „Alt Pendit“ in den Folgejahren bis 1365 seine Witwe, die dann bis zum Erreichen der Geschäftsfähigkeit des Sohnes als Steuerzahlerin verzeichnet war. Nach mittelalterlichem Augsburger Recht, waren Frauen freilich allgemein nicht geschäftsfähig, weshalb sie nur als Witwen gelegentlich auftauchen. In einer hebräischen „Response“ aus dem späten 17. Jahrhundert wird ein „Baruch Pendit miharpurk ben wert venerdlingen“ für die Zeit um das jüdische Jahr  5100 (ca. 1340) erwähnt, über den es heißt, er sei ein „sofer mefursam vebaal otiot“, also ein berühmter Schreiber und Meister der Buchstaben. Da die Ortsangabe der Lage Harburgs zwischen (Donau)Woert und Nördlingen auch heute noch zutrifft und zudem die zeitliche Zuteilung passt, könnte der Schreiber (und Drucker?) Baruch Pendit durchaus mit dem in Augsburg als aus Harburg stammend genannten Alt Pendit übereinstimmen. Aus der Zeit des frühen 14. Jahrhunderts ist in der schönen Kleinstadt freilich nichts erhalten. Denkbar wäre freilich, dass sich die Ortsangabe in jener Zeit auch direkt auf die Burg bezog, die seit ca. 1300 bereits im Besitz des Hauses Oettingen war (1347 durch Kaiser Karl IV. bestätigt).

Impression from old Judengasse (above) and former synagogue of Harburg /Schwaben (below)

Reinhard Jakob erwähnt in seinem 1988 erschienenen Buch über “Die jüdische Gemeinde von Harburg 1671 – 1871″, die offenbare Schwierigkeit Primärquellen für eine jüdische Geschichte in Harburg vor 1671 zu finden. Vereinzelte “Nachrichten” über Juden in Harburg im 15. Jahrhundert bleiben deshalb ohne erkennbaren Kontext wohl sporadisch. Im wesentlichen wird es sich in Bezug auf die große Mehrheit der christlichen Harburger aber kaum anders verhalten.

Medieval Augsburg records in mid 14th century list Old Pendit from Harburg as tax payer followed by his wife. Hebrew sources know Baruch Pendit of Harburg between Donauwoerth and Noerdlingen as a “famous scribe” and “master of letters“. The later probably refers to early book printing (the Hebrew word אות for (single) letter also means sign and therefore prior to the usage of moveable types also denotes woodcuts). However the term also may have a quite another meaning refering to kabbalah, somewhat popular already in this period of time, when writing by far was no everybody’s experience and practise and scribes were as outstanding as in our times film maker prior to you tube and co. The German term for letter in the meaning of an alphabetic character is Buchstabe, what combines Buche (the beech tree, not the book) and Stab (a rod or wand), what is believed to refer to a “magical” use of runes.

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