Heute Abend: Ausstellungseröffnung im Augsburger Brechthaus: “Tücher und Bücher” zu Samuel Kohn, Tuchmacher aus Steppach und Augsburg und seinen niederländischen Nachkommen mit Augsburger Wurzeln.
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Samuels Enkelsohn Hein(z) wurde noch in Augsburg geboren, heiratete aber eine katholische Frau, doch musste die Familie trotzdem ihr Eigentum aufgeben und nach Holland emigrieren. Hein Kohn war Buchhändler und verlegte in den Niederlanden u.a. von den National-Sozialisten verbotene Literatur.
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Buchpräsentation im Augsburger “Brecht-Haus”

Das 1951 gegründete Familienunternehmen feiert nun sein 75jähriges Bestehen. Zur heutigen Ausstellungseröffnung waren Hein Kohns Sohn Menno Kohn, dessen Töchter und weitere Verwandte nach Augsburg ins Brechthaus gekommen, ebenso wie die Autorin/Kuratorin Dr. Ingvild Richardsen, welche das Buch zur Geschichte verfasste, Frau Uta Löhrer von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung, zahlreiche Vertreter von Stiftungen und Sponsoren, der Kulturreferent der Stadt Augsburg Jürgen Enninger, der die niederländischen Gäste gar in holländischer Sprache begrüßte, die eifrigen Komposch-Brüder, welche die Ausstellung technisch umsetzten und sicher noch weitere Personen von Rang und Namen – freilich niemand von der jüdischen Gemeinde in Augsburg. In der Präsentation wurde nun allerdings auch schon die Frage aufgeworfen, ob Hein Kohn denn noch an “jüdischen Bräuchen” … ‘festgehalten‘ … habe? Das wurde sogleich verneint: “nein, sie waren liberal” … gerade so als wären das zwei unvereinbare Gegensätze.
Das Raunen fand nur im Kopf des Schreibers statt, stattdessen gab es vielleicht eine gewisse Erleichterung im Publikum, den problematischen Teil “der Geschichte” damit ‘umschifft’ zu haben.
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Im “Brecht-Haus” stand stattdessen natürlich die ( : nichtjüdische) Literatur im Blickpunkt. Hein Kohn und Bertold Brecht waren demnach zeitlebens befreundet oder gut im Kontakt. Der Eine schrieb, der Andere verlegte Bücher und in der Buchhandlung soll Brecht immer vorbeigekommen sein, um neue Bücher zu sehen und sich auszuleihen, nicht etwa um welche zu kaufen. Nur keine Eselsohren sollte er reinmachen, wurde ihm gesagt. Die versammelten Zuhörer lachten erheitert auf, ganz zurecht. “Man hat gelebt, man war dabei”, wie Menno Kohn seinen Vater Hein Kohn zum Abschluss seiner in akzentfreiem Deutsch gehaltenen Ansprache zitierte.
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Die vielseitige Ausstellung umfasst 12 Tafeln mit interessanten Ausstellungsstücken, die auch thematischen Experten einiges Neues vermitteln kann. Die ersten beiden (blauen) Tafeln widmen sich den jüdischen Vorfahren, die zehn anderen der Geschichte von Hein Kohn, seiner Familie und literarischen Tätigkeit. Dazu zählt dann eben auch der Umstand, dass Hein Kohn dafür sorgte, dass Brechts Werke in den Niederlanden erscheinen konnten.
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