JHVA Mitgliederversammlung 2016

April 22, 2016

Wie intern bereits kommuniziert ist am

Sonntag abend, 24. April 2016, 1800

die Mitgliederversammlung des JHVA

JHVA Augsburg David Stern Zirbelnuss magen david - Kopieim historischen Zollhaus von Kriegshaber, Ulmerstr. 182

zollhaus-kriegshaberGäste sind wie immer willkommen

100 Jahre Kriegshaber Eingmeindung Augsburg JHVA Farbe100 Jahre Kriegshaber als Stadtteil von Augsburg

 

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Habsburger Doppeladler in Kriegshaber

March 15, 2013

Augsburg Rathaus Doppeladler

Doppeladler am Augsburger Rathaus

Doppeladler Siegel jüdische Gemeinde Synagoge Augsburg

Doppeladler an der Augsburger Synagoge Halderstr.

Das Emblem des österreichischen oder Habsburgerischen Doppeladlers ziert bekanntlich das Wappen der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde ebensowie das Augsburger Rathaus. Weniger bekannt ist, dass er auch in Kriegshaber – das über ein halbes Jahrtausend zu Österreich gehörte noch erhalten ist. Zu sehen ist er im Nebenzimmer des früheren Marstaller Hofs (im heutigen, gemütlichen Rock Cafe: www.rock-cafe.org ) unweit der ehemaligen Synagoge und vom „Spectrum“ (einer früheren Turnhalle) und zwar als fast “museales” Deckenornament. Das Gegenstück dazu soll sich im ehemaligen Zollhaus von Kriegshaber befunden haben (oder tut es noch, ist aber dann nicht gleichfalls öffentlich zugänglich).

Marstaller Hof KriegshaberStuckdecke heutigen Rock Cafe in Kriegshaber 

Doppeladler Kriegshaber Rock Cafe

Auch in Steppach gibt es eine soz. “lokale” Erinnerung an die frühere österreichische Vergangenheit in der Markgrafschaft Burgau:

Reichsadler Bräu Josef Fuchs Steppach

Ides of March


Jüdische Geschichte im Zollhaus Kriegshaber

November 20, 2012

Das Zollhaus in Kriegshaber, das bis 1805 die Grenze zwischen dem Gebiet der Reichsstadt Augsburg zur österreichischen Markgrafschaft markierte wurde 1730 Mosche Jehuda Günzburger (ca. 1670-1734) und seinem Sohn Eleasar Mosche Günzburger (1697-1764) erbaut, nachdem im Jahr zuvor der wesentlich ältere Vorgängerbau eingestürzt war. Diesen hatte Mosches Vater Jehuda Löb Günzburger (1640-1709), ein Nachkomme des Schimon Elieser Ulmo Günzburg(1506-1585) , von dessen Söhnen sich einige als „Ulmo“ im benachbarten Pfersee neiderließen, etwa um 1695 angemietet und dann gekauft. Wie dieses war auch der Neubau der Günzburger eigentlich in erster Linie das private Wohnhaus der Familie Günzburger, andererseits aber auch wenigstens formell „das Zollhaus“, was in der Praxis bedeutete, dass der Vogt zeitweilig eine Stube benutzen durfte, bzw. im Nebengebäude einen kleinen Anbau hatte, gegenüber dem Stadel, der damals zum Anwesen gehörte. Zweifellos war das Zollhaus jedoch niemals ein offizielles Amtsgebäude, sondern Privatbesitz der jüdischen Familie Günzburger. Zeitweilig wurden Teile des Hauses auch von Mitgliedern der verschwägerten Hoffaktorenfamilie der Mendle bewohnt.

Als Architekt des Hauses gilt heute der schwäbische Baumeister Josef Dossenberger (1721-1785), der den Bau aber kaum als neunjähriger ausgeführt haben wird. Denkbar wäre aber, das Dossenbergers Vater gemeint war, der als Maurermeister und Architekt überliefert wird. Wie dem auch sei, kann man voraussetzen, dass die gestalterischen Vorgaben nun aber doch vom Auftraggeber und Finanzier des Baues stammten.

Als im September 1803 die jüdischen Gemeinden in Pfersee, Kriegshaber, Steppach und einem guten Dutzend weiterer Orte in damals noch österreichischen Schwaben überfallen wurde, zählte auch das Haus der Familie Günzburger zu denen, die durchsucht, durchwühlt und im Dachboden aufgebrochen wurden, auf der erfolglosen Suche nach illegalen Druckmaschinen. Da ward das Zoll- zum Tollhaus. Als zwei Jahre später Vorderösterreich von der Landkarte verschwand und viele seiner Gebiete dem mit Napoleon verbündeten Herzogtum Bayern, künftig ein Königreich, geschenkt wurden, bedurfte es keines ohnehin nur theoretischen Zollhauses in Kriegshaber. Juda Mosche Günzburger (1757-1833)  verkaufte das ebenso stattliche wie stabile Haus. Eine Reihe seiner Nachkommen blieben in Kriegshaber wohnen oder siedelten später nach Augsburg, andere – wie sein Sohn Natan – zog es sofort nach München, wo die Verwandten Mendles gut etabliert waren. Zwei der Söhne von Natan Günzburger (1780-1841) wurden wie zahlreiche ihrer Vorfahren am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee bestattet: Isaak Günzburger (1809-1879) und Israel Günzburger (1805-1883). Mit ihnen endet offenbar die Geschichte der Familie Günzburger in Kriegshaber.

Jüdischer Friedhof Kriegshaber / Pfersee: vorne Grabstein für Israel Günzburger (1805-1883)

Im Gebäude richtete das nunmehr bayerische Kriegshaber 1806 eine kleine Schule ein. Später wurde ein großes Schulgebäude errichtet und ab 1916 wurde im Haus eine Polizeidienststelle eingerichtet. Seit einigen Jahrzehnten sind im ehemaligen Wohnhaus der Günzburger an der Ulmer Straße 182 eine Reihe von Vereinen und Organisationen untergebracht, darunter die örtliche Arbeiterwohlfahrt (Vereinslokal) und ihr „Altenclub“, der Schach Klub Kriegshaber www.skk.de dessen erste Mannschaft in der Oberliga aktiv ist, und viele andere mehr.

The old tollhouse of Kriegshaber, once at the border between Austrian Kriegshaber and the territory of the Imperial City of Augsburg, in 1730 was built by the Jewish Guenzburger family, who two centuries were residents of Kriegshaber. The house actually was their own private home and was not used for toll or custom purposes, beside that in some times a small office cell was granted to the local bailiff. When in the end of 1805 the Austrian Forelands became part of the newly founded Kingdom of Bavaria (a present by Napoleon to his Bavarian allies), there was no more need for an already only formal tollhouse. The Guenzburger family in 1806 sold the house to the local community which established the first local (non-Jewish) school in Kriegshaber. In 1916, when a egular school house was built in the backyard, the house was used as police station. Today it hosts a number of social clubs and organizations as well as the local chess club of Kriegshaber, which actually is the biggest one in Augsburg. However, there is no reference to the Jewish family who built the house and lived there two centuries.

When in September 1803 among others also the Jewish community of Kriegshaber was attacked on Erev Shabbos (Friday evening) before Yom Kippur, also the Guenzburger family was raided by the soldiers who searched for illegal printing machines. So – as a scene of the story – it was a good place to introduce the German translation of the report by Pfersee rabbi Ber Ulmo at the club house’s pub right here to a small but very interested audience.

http://en.wikipedia.org/wiki/Ber_Ulmo

הבית המכס של קריגסהבר באוגסבורג נבנה בשנת 1730 על ידי המשפחה היהודיה גינצבורגער

http://www.amazon.com/gp/product/3944092007/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=


Synagoge Kriegshaber

July 18, 2007

Synagoge Kriegshaber UmgebungSynagoge Kriegshaber front

Alte “Judenhäuser” KriegshaberKriegshaber Thora Vorhang 1723 Synagoge Kriegshaber Rückseite

 

Die jüdische Gemeinde im (bis 1805)(vorder)österreichischen Kriegshaber bestand hauptsächlich entlang der Hauptstraße (heute Ulmerstraße), zwischen dem (von Juden erbauten) „Zollhaus“ und dem „Spectrum“ (ehemalige Turnhalle).

Wie die Gemeinde geht auch ihr erstes Bethaus wenigstens auf die Zeit um 1540 zurück, ist aber wohl älter. Im nordöstlich benachbarten Oberhausen bestand c. von 1420 bis 1560 eine kleine jüdische Gemeinschaft an der Zollernstraße unweit des alten Oberhausener Schlosses (heute: Josefinum-Klinik). Auch bei Christen war Kriegshaber zunächst eine Oberhauser Filialgemeinde. Die heutige Kirche gegenüber der Synagoge wurde erst sehr spät, um 1870 gebaut, nachdem am selben Platz ein geplanter Neubau einer liberalen Synagoge mit orientalischen Fassaden mangels Interesse nicht zustande kam.

Der stattdessen weiter benutzte Bau basiert auf den bereits 1550 genutzten Wohnhaus, wurde aber mehrmals baulich verändert. An die für die Mikwe hinter der Synagoge benötigten Wasserquelle erinnert heute noch der christliche “Brückenheilige” Nepomuk, während der Bach inzwischen verschwunden ist. Der heutige “Synagogen”-Bau geht auf das Jahr  1669 zurück und wurde 1729 und 1840 renoviert. Von 1862 bis 1912 hatte das Gebäude bunte, rot-blaue Fenster. Die letzte Restaurierung war 1913. Anders als die Nachbargemeinden in Pfersee, Steppach und Schlipsheim die alle die 1870er Jahre nicht überstanden, blieb die Kriegshaber Gemeinde bestehen, freilich auch nur bis 1941. Die Synagoge wurde von lokalen Nazi geschändet und entweiht, aber nicht zerstört.

1945 nutzen jüdisch-amerikanishe Soldaten zusammen mit einer Anzahl meist aus Osteuropa verschleppter sog. „KZniks“ das halbwegs intakte – wie bereits 400 Jahre früher – als simplen Betraum, für den es nur einen Tisch, einen Schrank und eine Handvoll Stühle bedurfte. Bis 1951 gab es freilich nur sporadische Gottesdienste. Im selben Jahr endete man auch damit, am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee zu begraben.

Hernach wurde das Gebäude verkauft und aufgeteilt. Unterhalb des Betraums befand sich eine Wohnung (die zuletzt von einem Kroaten bewohnt war, der dem Verfasser bekannt ist). In den letzten Jahren stand das Gebäude leer und litt stark durch Witterung. Eine Reihe von Nutzungs-Ideen scheiterten an mangelnden finanziellen Mitteln. Der jüdischen Gemeinde in Augsburg, die mit etwa 1800 Mitgliedern ihren historischen Höchststand erreicht hat, käme eine zweite Synagoge durchaus gelegen, da viele der russisch-sprachigen, überwiegend älteren Aussiedler in den Stadtteilen Pfersee, Kriegshaber und Oberhausen wohnen.

Finanziellen Support dafür wird es aber nicht geben, denn so viel „Normalität“ braucht es dann doch wieder nicht. Das Gebäude wird also entweder baufällig einkrachen (10 %-Wahrscheinlichkeit, möglich, aber zu schlechte Publizität), weiterhin behelfsmäßig ausgebessert und neu gestrichen (20 %-Wahrscheinlichkeit, weil billig und „fachmännisch“ begründbar), an einen privaten Investor veräußert, der das Haus komplett umbaut (wie in Harburg), sich aber der historischen Bausubstanz bewusst ist und die strengen Auflagen des Denkmalschutz einhält und übererfüllt (20 %-Wahrscheinlichkeit, weil kostet nicht viel, sondern bringt sogar Geld (doch dann: wohin damit??) und beseitigt das alle Jahre wieder mal aufkommende leidige Thema), offizielle Umwidmung mit richtig viel Geld aber ohne rechtes Konzept und Bedarf zum „Dokumentationszentrum für das schwäbische Landjudentum“, „Begegnungsstätte Kriegshaber“, wo man Weihnachtslieder mit Klezmer, Döner und Räucherstäbchen vermischen kann, für 5 Millionen Euro, damit dort später eine wissenschaftliche Hilfskraft zwei Mal im Monat erklärt, was den Zerstörungen entgangen ist und was es bedeutet haben könnte. Wahrscheinlichkeit 45 %, da „die große Lösung“ der aufstrebenden Boomtown-Region Augsburg am ehesten nahesteht. Die restlichen 5 % bleiben übrig für nicht erwartbare, aber auch nicht kategorisch auszuschließende Überraschungen, wie etwa Ankauf durch die Lauder-Stiftung, die in Kriegshaber eine Charedim-Kolonie ansiedelt oder Chabad, die Kriegshaber für sich entdecken, … vielleicht wartet man aber auch bis das Gebäude zur Moschee konvertieren werden kann. Wir werden es sehen, oder auch nicht.

Eine jüdische Gemeinde, die es von 1540 bis 1940 hier gab und seitdem nicht mehr, wird es aber nicht mehr geben. Wetten?