Das aktuelle Thema Nummer 1 in deutschen Nachrichten

December 18, 2013

Glaubt man verschiedenen Untersuchungen, so ist die “Tagesschau” der ARD die mit Abstand beliebteste und am besten bewertete Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Ihr zumindest für viele Ausländer oder Zuwanderer verblüffend steifes, unbewegliches, an früheres Staatsfernsehen erinnerndes Auftreten wird von den meisten Deutschen durchaus positiv und als ausgesprochen seriös bewertet, gilt sie noch als weltanschaulich neutral, nicht parteipolitisch ausgeprägt, und was auch immer man entsprechend feststellen könnte.

Je höher die Schulbildung der Deutschen, umso größer ist auch noch der Zuspruch für das “Flagschiff des deutschen Nachrichten-Fernsehens“. Fast die Hälfte (47 %) der Deutschen geben der Tagesschau die besten Noten, während 15 dem abendlichen Ableger, den “Tagesthemen” den Vorzug geben. Nur etwa ein Viertel bewerten “heute” (15) und “heute-journal” (9) vom Konkurrenzpartner-Sender “ZDF” besser, die restlichen 14 % verteilen sich auf Sendungen anderer Sender, wie SAT 1 (3 %), RTL (2 % ), die “Nachrichten”-Sender N-TV, N 24, usw.

Be it as it may, man kann mit gewisser Berechtigung sagen, dass die “Tagesschau” am ehesten dem guten Geschmack der Deutschen entspricht, und dass die von ihr berichteten Themen den Interessen des Publikums entsprechen, wenigstens dann, wenn es sich um regelmäßige Mitteilungen handelt.

Kommen wir auf den Punkt: Was ist derzeit Thema Nummer 1 nicht nur auf deutschen Straßen, sondern auch in den Nachrichten-Sendungen?

Weihnachtsmann ARD Tagesschau FrauSo eine Freude ..!

Weihnanchtsmann ARD Tageschau

Seit Wochen schon ist Weihnachten das Thema, auch in der Tagesschau. Was kümmert schon der Krieg in Syrien (wenn Israelis nicht mitmachen) oder Katastrophen in Süd-Asien? Weihnachtsmänner, Weihnachtsfrauen, Weihnachtsbäume sind der Hit und gut für das alles entscheidende Weihnachtsgeschäft.

Weihnachtsbaum Kanzlerin Merkel CDUSchöne Bescherung: Kanzlerin Merkel verkündet große Koalition zum Weihnachts-Fest

Weihnachtsmann ARD TagesschauDa nicht immer eine Kamera zur Hand ist, ist dies nur eine zufällige Auswahl, es kommt wirklich täglich, mehrfach, irgendwer könnte “es” vergessen, wie neutral die Staatsmedien sind.

source: screenshots vom TV

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According to polls the “tagesschau” is the most popular and best rated news program on German TV, prefered by almost half of the population and favored because it is regarded as “serious”, “reliable” and “neutral”. However to many Americans at least the newscast appears rather “awkward”, “stiff” or “wooden” state-run TV from clumsy dictatorship countries in 1970s. Currently the highest news value on German TV has Christmas. Nobody really cares for wars or fightings in the Middle East (as long there is no Israeli military involved which can be criticized) or catastrophes, hurricanes and the like … there is only Christmas, for weeks: Santa Claus, chocolate Santa, Christmas trees, every day on almost every station, around the clock. Christmas sales and Christmas business are the most mentioned terms in the news … When after 3 months of waiting chancellor Angela Merkel announced the building of the new edition of the Grand Coalition of her party CDU with CSU and the SPD it of course happened so to say under the Christmas tree, as it was the handing out of Christmas presents. Regarding the involved politicians that of course actually is the case.

Note that the pictures shown here indeed were randomly selected, because it takes some time to realize the context and of course I am not looking that much German TV anyway.

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בטלוויזיה גרמנית יש חג המולד כל יום
חג המולד הוא מספר 1 בחדשות
גם הקנצלר מרקל

נותנת

קואליציה גדולה

 מתחת לעץ חג המולד

Antisemitismus im Lebkuchen-Haus ..?

December 10, 2013

Prof Wolfgang Benz AugsburgProf. Wolfgang Benz beim Vortrag in Augsburg (*)

Sozusagen als Nachschlag zur am Wochenende im „Kreuzgang“ von St. Anna zu Ende gegangenen Ausstellung zu „Josel von Rosheim“ hielt Prof. Wolfgang Benz (geb. 1941 in Ellwangen), „Emeritus der TU Berlin und bis 2010 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin“ den Vortrag „Judenbilder. Vom christlichen Antijudaismus zurzeit Josel von Rosheim zum Rassenantisemitismus“ in welchem er die bekannten Stereotypen vor seinen 58 Zuhörern Revue passieren ließ.

Vom ominösen „Gottesmord“ über die Behauptung, Geldleihe und Pfandgeschäfte seien ein „jüdisches Monopol“ gewesen, fehlte keines der sattsam bekannten Klischees. Zur Illustrierung zitierte der Historiker schließlich auch den Romanzier Lion Feuchtwanger. Immer wieder zu klären und zu erklären, sei laut Professor Benz die Frage, ob die Juden nun selbst schuld seien, dass man sie überall nicht mag oder ob die Mehrheitsgesellschaft ihre Feindbilder auf Kosten der Minderheit konstruiere.

Josel von Rosheim Ausstellung Augsburg Anna Kirche“… zwischen Einzigartigen und Universellen” (*)

Heute, so machte Prof. Benz wiederholt und ganz unmissverständlich klar, sei Antisemitismus aber in etwa „die am meisten geächtete Anschauung in Deutschland“ und niemand stelle sich vor eine Menge und behaupte, er sei ein Antisemit. Damit hat der emeritierte Forscher freilich recht und nicht nur, weil auch er es nicht tat. In der Tat ist es eine Rarität, dass vereinzelte genital-fixierte Damen sich semi-anonym hervorwagen und allenfalls vielleicht im Internet zum Stolz alter Tage zurückfinden, wenn sie „Antisemit“ als „Menschenrechtler“ und als „wunderbares Lob“ proklamieren (siehe: https://jhva.wordpress.com/2013/10/03/beschneidung-im-europarat-kampf-bis-aufs-messer/#comments) . Im sog. „real life“ wo „die Medien“ von „den Juden“ kontrolliert würden, kann man damit nicht punkten, zumindest hierzulande nicht, derzeit.

Aber was heißt es nun, wenn „der Antisemitismus“ sozial geächtet in der Öffentlichkeit nicht als solcher in Erscheinung tritt? Dass es ihn nicht gibt? Dass er wie seitens periodisch auftauchender Untersuchungen nur „latent“ (im lateinischen Wortsinn also <hinter Ziegeln> „versteckt“) vorhanden sei, zugemauert. Ebenso “latent” vorhanden dürften auch HJ-Bilder vom Opa sein oder Arisierungsgewinne, versteckt eben, hinter Mauern … des Schweigens oder aus Lebkuchen.

Natürlich ist es relativ einfach, sich in Opposition zu mittelalterlichen Vorstellungen zu positionieren und ungläubig den Kopf zu schütteln, wie man „damals“ nur so dumm sein konnte, Menschen unschuldig zu verurteilen und zu bestrafen. So als gäbe es das heute nicht mehr.

Was aber nutzt beispielsweise der Vortrag, wenn Übereinkunft darüber besteht, dass sich niemand offen zu seinem Antisemitismus bekennt, aber man ganz gewiss darüber ist, das wenigstens jeder Fünfte der „Anderen“ ihn hinter seinen Mauern versteckt hält, wie einen Schatz, der irgendwann vielleicht mal auch wieder an Wert gewinnt.

Würde ein heimlicher Antisemit etwa die Gemäuer eines Hauses betreten in welchen ein Vortrag über Antisemitismus gehalten wird, um sich über den aktuellen Stand der Forschung dazu zu informieren? Klar, warum eigentlich nicht? “Outen” muss sich ja nicht, weil niemand sich outen muss, weil alle davon ausgehen, dass sich eh keiner outen muss. Das ist so wie mit der Homosexualität im Iran. Es gibt sie nicht, sie ist nur zionistische Propaganda.

Wenn jeder fünfte Deutsche seinen Judenhass hinter (verbalen?) Mauern versteckt und kaschiert und diese Behauptung (sozial)wissenschaftlich belegbar ist, betrifft dies dann auch das Publikum solcher Vorträge, die Veranstalter, die Redner? Sind Juden etwa davor gefeit Antisemiten zu sein?

Wenn die Behauptung, kein Antisemit zu sein, als solche keine Bedeutung hat, weil niemand sie gebraucht, verschwimmen die Konturen und die Latenzmauer wird brüchig und ermöglicht (ungewollte?) Einblicke und damit auch Bezüge zur Gegenwart.

Die Regierung Netanjahu nicht zu mögen, so Benz, sei kein Antisemitismus. Auch das stimmt, obwohl mit einer solchen Aussage nun wirklich niemand widerlegt wird, da kein Likudnik einen solchen Schmarrn behaupten würde. Schon viel eher könnte jemand, der Obama nicht mag als “Rassist” verdächtigt werden, sicher niemand, der Netanjahu “ablehnt”. Antisemitismus sei es aber, wenn man sage, die Israelis behandelten die Palästinenser wie die Nazi die Juden. Geschenkt, nur, dass selbsternannte Israel-Kritiker nicht nur Netanjahu ablehnen, sondern auch an allen anderen jeweils aktuellen Regierungen des Judenstaates Kritik übten (freilich ohne sich dabei qualitativ zu verbessern). Auch Rabin wurde von deutschen Medien mit den Nazis verglichen, als er 1992 Hisbollah-Kämpfer in das damalige “Niemandsland” abschieben ließ. Da war plötzlich von Deportation die Rede und aus dem Südlibanon wurde in deutschen Redaktionsstuben Treblinka gebastelt. Der tote Rabin wurde natürlich idealisiert.

Jemanden, der sich längerfristig mit solchen Phänomenen beschäftigt, hätte das auffallen können. Vielleicht war aber keine Zeit, hier ins Detail zu gehen.

Prof Wolfgang Benz Hänsel und Gretel AugsburgMultifunktions-Raum: Prof Benz, Hänsel und Gretel Aufbauten, Publikum, Weihnachtsbaum

Stattdessen ließ Prof. Benz immer wieder seine mahnende These anklingen, „den Islam“ in der Rolle des Judentums zu sehen. Wie „früher“ die Juden in Deutschland durch den Antisemitismus, seien heute Muslime durch eine verbreitete „Islamophobie“ zahlreichen „Vorurteilen“ und “Anfeindungen” ausgesetzt. Ob es nach 2400 Jahren jüdischer Geschichte in Europa, 200 Jahre nach Feitel Itzig, 70 Jahre nach Streicher bezüglich Juden in Deutschland noch Vor-Urteile geben könnte, ist eher zweifelhaft, da in etwa alles was gesagt werden kann, schon mal gesagt wurde, das meiste schon tausendfach. Die Begriffe die mit „Jude“ verbunden werden sind fast schon märchenhaft. Die lange Nase des Juden, die krumme Nase der Hexe. Geldgier, fliegende Besen, außer Kröten nichts gewesen.

Ob Muslime in Deutschland tatsächlich genau in derselben Weise auf Ressentiments stoßen wie Juden und nicht wie etwa Inder, Vietnamesen oder Schwarzafrikaner, ist eine ebenso abwegige wie „mutige“ Behauptung – aber letztlich für das Thema „Antisemitismus“ völlig überflüssig.

Ausdrücklich auf den Islam als Religion bezogene Anfeindungen, die frei von Rassismus wären und nicht mit ihm verwechselt werden könnten, dürften, so sie „rechtsextrem“ motiviert sind, kaum vorstellbar sein. Dass islamistischer Terror in aller Welt aber auch reale negative Reaktionen hervorruft und dem allgemeinen Ansehen des Islams abträglich ist, sollte nicht zu sehr verwundern und … gerade Deutschen nicht so ganz fremd sein. Immerhin kennen sie zumindest das Klischee, Deutsche als Nazis zu pauschalisieren. Aber eine populäre Variante, die immer wieder zu hören und zu lesen ist, wäre: man wird doch Israel kritisieren dürfen, ohne als Antisemit zu gelten. Nein, warum? Nutzte das denn wem?

Also bleibt es dabei: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, außer man wollte den im Vortrag und in der nachfolgenden Frage-Antwort-Runde etwa 13 mal genannten „Gottesmord“ als eine Art „9/11“ stigmatisieren.  Sicher, es stimmt auch, dass es strukturelle Ähnlichkeiten gibt zwischen Autodiebstahl und Wohnungseinbrüchen, aber was wollte man daraus schlussfolgern? Kausalität und Korrelation sind nun mal nicht dasselbe, es zu suggerieren ist unprofessionell, allenfalls. Trotzdem ist die Positionierung nicht zufällig, gehört  Benz doch auch zum wissenschaftlichen Beirat des seit 2010 herausgegebenen „Jahrbuch für Islamophobieforschung“ (JfI).

Um seinen Standpunkt zu veranschaulichen erzählt der Professor eine Anekdote von seinem neulichen Zahnarztbesuch, wo ihm die Zahnarzthelferin, … eine (Zitat:) „Muslima“ davon berichtete, dass ihre Tochter einen katholischen Kindergarten besuche. Von da nun sei sie eines Tages alarmiert nach Hause gekommen und habe der Mutter berichtet, wer denn nun „die Schlimmsten von allen“ sein. Nachon, „die Juden“. Das Erzählmuster: Die weltoffene „Muslima“ begegnet Antisemitismus offenbar nur durch die Indoktrination, die ihr Kind im katholischen Kindergarten erhält. So jedenfalls suggeriert der Professor den Stand seiner aktuellen Antisemitismus-Forschung im Spätherbst 2013. Das muss man nicht weiter ernst nehmen.

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Prof Wolfgang Benz Vortrag 2013

Prof Wolfgang Benz

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Es mochte also gute Gründe gehabt haben, dass der Redner nicht die eigentliche Bühne benutzte, auf welchen sich Kulissen zur Aufführung eines Hänsel & Gretel – Stückes befanden. Eine Hütte mit Lebkuchenherzen, die Nachbildung eines Ofens und dazwischen eine Anzahl von Tannenbäumen. Abseits der Bühne stand ein weiterer Tannenbaum, behangen mit roten und silbernen Kugeln, einem etwa zweihundert Jahre alten Brauchtum folgend ist dies der sog. Weihnachts- oder Christbaum. Die Kugeln sollen an Äpfel erinnern, die gemäß dem Wikipedia-Artikel dazu „damals“ teurer gewesen seien als die Glaskugeln, vielleicht waren letztere aber auch nur leichter herzustellen.

Die Aufbauten nun zeigten, das, wie viele wissen, es durchaus möglich ist, unterschiedliche Arrangements und Elemente in einen Raum zu präsentieren, ohne dass man sie zwangsläufig verbinden muss. Ist die Tannenbaumgruppe nun Hänsel & Gretel gewidmet, so der weitere Tannenbaum dem Weihnachtsfest – und allenfalls ein orthodoxer Jude könnte das verwechseln. Und tatsächlich entstammt die Geschichte von Hänsel und Gretel auch keinem bekannten der dutzenden apokryphen Evangelien, sondern ist etwa seit 1810 überliefert, u.a. von den berühmten Gebrüdern Grimm, aber auch in der Sammlung des etwas in Vergessenheit geratenen Ludwig Bechstein (1801-1860).

St. Anna Augsburg Prof Benz Vortrag Hänsel und Gretel 2013

  Hänsel und Gretel Bühnenbild

Die Erzählung hat jedoch einige Anklänge an die hebräische Geschichte des Josef und kann erzähltechnisch vielleicht als deutsches Gegenstück dazu angesehen werden, wenigstens stimmen einige hauptsächliche Elemente der Erzählung überein: Hungersnot, Kindsaussetzung, Lebensgefahr, Gefangenschaft, wundersame Rettung.

 Hänsel und Gretel wurden von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, weil sie sie nicht ernähren konnten, bzw. die wenige vorhandene Nahrung nicht mit ihnen teilen wollten. Die Absicht der Eltern (in den neueren Fassungen wird aus der bösen Mutter die Stiefmutter) war den Kindern durchaus bekannt, weshalb sie auf den Weg in den Wald Spuren legten, mittels kleiner Steine, womit sie zum Leidwesen ihrer Eltern den Weg wieder zurück fanden. Als sie beim dritten Versuch den Weg mit den Krümeln einer Brotscheibe markierten, wurden diese von Vögeln gefressen und als der Vater sich von dannen machte, verirrten sich die Kinder endlich doch im Wald.

Schließlich gelangten sie aber wieder zu einem Haus und dieses soll aus „Brot, Zucker und Kuchen“ bestanden haben (… wäre es nun eine jüdische Story, wäre das Haus aus Matzen und die Kinder wären unwillig weitergezogen) . Das wahrscheinlich nicht nur in Punkto Statik bemerkenswerte „Lebkuchen-Haus“ gehört nun einer „Hexe“, einer Frau, die das Zuckerzeug vielleicht satt hatte und wohl spontan entschied, dass ihr Kinderfleisch auch mal schmecken mochte. Sigmund Freud könnte hier erklären, warum die alleinstehende Frau das Mädchen Gretel als Gehilfin beschäftigte, den Jungen Hänsel aber in einem Käfig gefangen hielt und nicht umgekehrt oder beide einschloss. Vielleicht hat es mit dem Begriff des “Hänselns” zu tun, den des “Gretelns” scheint es nicht oder nicht mehr zu geben. Letzteres tat sie um den Knaben zu mästen, das heißt mittels Nahrung soweit zu füttern, dass dieser ihr als nicht näher definierter Braten schmecken mochte. Dem Anschein nach kam die Frau also nicht aus Kalifornien und hatte keine Cholesterin- oder Fett-Phobie. Wie dem auch sei, der Bub war ihr offenbar zu mager. Dazu passt vielleicht auch die deutsche Redeweise, jemand sei „nur eine halbe Portion“.

Keine der Erzählvarianten ist in sich schlüssig und in Bezug auf das Alltägliche auch nicht an Einzelheiten interessiert. So wird der Junge zwar überreichlich gefüttert – und wir nehmen an, dass sich hinter dem Lebkuchen-Haus ein „Aldi“ -Markt befand (mit etwas mehr Glück vielleicht auch ein „Perfetto“) oder dass thailändische Asylbewerber Pizza, Döner oder Nasi Goreng herankarrten – aber wir erfahren nichts über scheinbar vernachlässigbare Haftbedingungen wie Notdurft, Körperpflege und dergleichen.  All dies geschieht latent, d.h. im Verborgenen, hinter Ziegeln aus Marzipan. Und da dem so ist, lässt sich die Frau dadurch täuschen, dass der Junge ihr durch das Gitter des Käfigs Knochen entgegenstreckt, ohne dass gesagt wird, um welche Knochen es sich eigentlich handelt (vielleicht stammen sie von einem früheren Kind oder sie symbolisieren etwas, einen Apfel vielleicht oder eine Glaskugel?). Das verbreitete Klischee der Hexen als „weise“ Frauen war den Übermittlern der Geschichte offenbar noch nicht geläufig, aber vor Klischees sollten wir uns ja nun hüten, zumal sich ja auch Isaak durch ein Fell täuschen ließ.

Die weniger kluge Hexe schloss nun aus dem Betasten der durchgereichten Knochen, dass Hänsel noch nicht zur Schlachtreife gekommen sei. Als der Junge dann doch kräftig geworden war, sollte er nun in den Ofen geschoben werden, offenbar bei lebendigem Leibe, zumindest erfolgt keine vorausgehende Schlachtung und über die anvisierte Zubereitungsart erfahren wir … nichts. Mit der aktuellen Flut an TV-Koch-Shows gäbe es da keine Engpässe. So aber herrschte Schweigen im Märchenwald.

Gretel nun schob die Hexe beim Einheizen in den Ofen. Hänsel wurde befreit und die Hexe sogleich bestraft. Und die Moral von der Geschicht‘ ? Brate kleine Kinder nicht.

Zwar mangelt es der Geschichte, die es in zunächst unterschiedlichen Varianten gibt, in welchem „die Hexe“ auch schon mal „der Wolf“ sein kann (wodurch der Plot aber auch nicht plausibler wird), wie gesagt in mancherlei Hinsicht an der simpelsten Logik, trotzdem oder vielleicht auch deshalb hält man die Erzählung und Aufführung offenbar für „kindgerecht“. Und wahrscheinlich gefiele sie auch der Tochter der Zahnarzthelferin. Sollte sie ihrer Mutter aber erzählen, dass die Frau im Lebkuchenhaus ein Jüdin war, wäre es vielleicht besser den Kindergarten zu wechseln. So nun aber bleibt der Ofen in dem die Hexe den kleinen Hans braten wollte als märchenhafte Anspielung auf die Krematorien der Nazi-Lager  (von denen sich der zynische „Holocaust“-Begriff ableitet), im Raum stehen, während andere Bezüge zum Vortragsthema „Antisemitismus“ nicht ganz so offensichtlich sind.

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Fast siebzig Jahre nach der Niederlage der Deutschen gibt es zumindest ein paar wenige Punkte zum Anhalten, die man abseits des Märchenwalds auf der Weihnachtsinsel zur Kenntnis nehmen darf, wenn man will:

Die Mehrzahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland werden von Muslimen begangen, während die Mehrzahl der Antisemitismus-Forscher Christen sind, die für Toleranz gegenüber Muslimen werben und vor einer Pauschalisierung warnen.

Okay hingegen ist es, israelische Regierungen abzulehnen.

 Und nun? Jede Epoche hat ihre Sprachgeschichte – und Denkmuster. Das zeigten auch Vortrag und Erörterung. Wie schon so oft bleibt aber festzuhalten, dass nur ganz wenige der Anwesenden jünger als 53 Jahre alt sind und dass bestimmte Denk- und Interpretationsweisen der Geschichte, sich wie jede ihrer Vorgänger irgendwann von selbst erübrigen.

Auch im 2013 gedrehten Film Hänsel & Gretel des jungen norwegischen Regisseurs Tommy Wirkola werden „Hänsel & Gretel“ von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, dann jedoch „Witchhunter“, zu Hexenjägern also, wobei ein Teil der Handlung sogar in Augsburg spielt, aber in Bamberg gedreht wurde. Wo es sich um Stereotype handelt, sind Details und Quellen bekanntlich eher nachrangig. Es reicht das Klischee, das Exemplarische, das „Gefühl“. Mehr ist auch nicht zu vermitteln, da in Veranstaltungen dieser Art offenbar immer nur elementarte Einführungen gegeben werden können … und sollen.

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oh LORD won’t you buy me

a Professor Benz?

my friends all read Broder

I must make amends

pray hard all my lifetime

no help and no grants

so LORD won’t you buy me

a Professor Benz?

 Photos: Margit Hummel, Yehuda Shenef (*)


Fahrradfahren in Augsburg

November 29, 2013

Die Anzahl der Baustellen in der Augsburger Innenstadt ist immer noch hoch genug um Bewohner anderer Großstädte (deutsche Definition: mit mehr als 100.000 Bewohnern) in den Wahnsinn zu treiben, da aber mal wieder Weihnachten naht und allüberall vom sog. Weihnachtsgeschäft die Rede ist und keine städtische Stelle dem im Wege sein will, lichtet sich hier und da das Chaos und zeitweilig wenigstens ist Platz, um Weihnachtsbäume aufzustellen, wo eben noch gebaggert wurde oder ein Bauloch zuzuschütten, um eine weitere Verkaufsbude  aufzustellen …

Schlechter sieht es wie hier letztens erst anhand der “Osterinsel” in der Patrizi… – äh … Fugger-Straße thematisiert mit den “leidigen” Fahrrad-Fahrern (gegen die es neuerdings gezielte Straßenkontrollen gibt). Da durch die Umbauten ihre Wege immer weiter beschnitten (ooops …) werden, wird es knapp.

Fahrradweg Schaezlerstr AugsburgFahrrad (-Aus-) Weg in Augsburg

73.3 % der Augsburger wünschen sich (voallem) zur Weihnachtszeit Tannenbäume wo früher Fahrrad-Wege den Autoverkehr behinderten.

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Biker in Augsburg are in danger. Since bikeways recently in different ways “run short”, a growing number of the so called “unmotorized road user” (URU) seek refuge in the air.

Note: The photo above shows no car, because the photographer waited about 18 hours to find a rare car free moment…