Gab es in Deutschland jüdische Wehrmachtssoldaten?

February 7, 2013

So etwa einmal pro Quartal werden wir in der einen oder anderen Weise darauf angesprochen, dass wir hier in bestimmten Zusammenhängen (meist sind uns Anlässe Grabbesuche, Pflege, etc.) von “jüdischen Wermachtssoldaten” sprechen. In der Argumentation wird dabei der Begriff der “Wehrmacht” ausschließlich auf die Herrschaft der Nazis in Deutschland verengt und unterstellt, dass dies die jüdischen Opfer der nichtjüdischen Wehrmacht schmähen könnte. Zuletzt geschah dies in der Zuschrift von Herrn Hans D. Silbermann aus Münster.

Da es sich nun aber bereits um einen mehrmals zur Diskussion gestellten Sachverhalt handelt, erfüllt es das Kriterium einer “frequent asked question” und verdient demnach eine entsprechende kurze Stellungnahme:

* * *

SHALOM!

Gute Seite Seite!

Jedoch:

Bitte den Eintrag “Der neue jüdische Erfurter Friedhof an der Seelenbinderstraße” editieren. Das hier gezeigte Denkmal ist nicht für jüdische Wehrmachtssoldaten, sondern für jüdische Soldaten des ERSTEN Weltkrieges.

Die WEHRMACHT war die faschistische Armee des Naziregimes. In dieser dienten keine Juden -vielmehr wurden sie durch genau diese Wehrmacht nach Auschwitz getrieben.

Traurig, dass ich so etwas hier lesen muss. Haben die Deutschen aus ihrer Geschichte immer noch nichts gelernt?:(

Weiterführende Hinweise:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht

Viele Grüße

Hans D. Silbermann

Kopiert von unserer “support”-Seite wo der Beitrag eingestellt wurde.

* * *

Vielen Dank für Ihren allgemeinen Zuspruch, jedoch ist Ihre Einschätzung  

Die WEHRMACHT war die faschistische Armee des Naziregimes. In dieser dienten keine Juden

(wenngleich, warum auch immer, sehr verbreitet), nicht die ganze Geschichte und deshalb irreführend.

Die Deutsche Wehrmacht bestand selbstverständlich schon LANGE VOR dem Hitler-Regime und wurde keineswegs von den Nazi erfunden, schon gar nicht begrifflich.

Den Begriff der “Wehrmacht”, an dem Sie offenbar Anstoß nehmen, können Sie bereits in der Verfassung des Deutschen Reiches (der sog. „Weimarer Verfassung“) vom August 1919 finden.

Wenn Sie sich aber schon auf die Nazi beziehen wollen, sollten Sie auch wissen, dass es für deren Herrschaft entscheidend war, dass ihr „Führer“ die staatsrechtliche Position des Reichspräsidenten einnehmen konnte. Der Grund dafür ist in Artikel 47 der Reichsverfassung zu finden. Dort heißt es nämlich:

„Der Reichspräsident hat den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht des Reichs.“

 

Interessant für Sie könnte auch Artikel 140 der Reichsverfassung von 1919 sein:

Den Angehörigen der Wehrmacht ist die nötige freie Zeit zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten zu gewähren.“

Dass auch jüdische Wehrmachtssoldaten in der Zeit vor den Nazi davon Gebrauch machten, dass es jüdische Wehrmachts-Rabbiner gab, etc., das alles darf eigentlich schon bekannt sein.

Im Übrigen kommt der Begriff der Wehrmacht sogar schon bereits in der sog. „Paulskirchen“-Verfassung vom März 1849 vor (§ 19: „Die Bemannung der Kriegsflotte bildet einen Theil der deutschen Wehrmacht. Sie ist unabhängig von der Landmacht.“)

 

Ich stimme Ihnen zu, dass „die Deutschen“ (wie alle „Nicht-Deutschen übrigens!) aus ihrer Geschichte lernen sollten. Das Studium von Primärquellen kann dabei durchaus nützlich sein, da, wie wir ja am Beispiel sehen, auch vielleicht “gut gemeinte” Interpretationen offenbar Moden unterliegen und in die Irre führen.

Jüdischen Soldaten, von denen auch in deutschen Uniformen sehr viele sehr tapfer waren, die dafür Orden erhielten, aber auch ihr Leben und ihre Gesundheit opferten, posthum ihre Zugehörigkeit zur Deutschen Wehrmacht abzusprechen und sie als bloß “jüdische Soldaten des Ersten Weltkriegs zu bezeichnen, als hätte es damals eine “jüdische Armee” gegeben, die auf eigene Rechnung am Weltkrieg teillnahm, etc., erscheint mir als ein sehr eigenartiges Unterfangen. Man könnte fast meinen, dass dies ganz nach dem Geschmack der Nazi wäre, die 1935 Juden von der Wehrmacht tatsächlich ausschlossen und alle Spuren tilgen wollten. 

Welchen Sinn ergibt es aber, fast siebzig Jahre nach der Niederlage der Nazi-Bande deren diesbezügliche Interessen weiter zuverfolgen? 

 

Denkmal_juedischer_WehrmachtssoldatenFriedhof Augsburghttp://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Denkmal_juedischer_Wehrmachtssoldaten_Augsburg_Hochfeld.JPG

Quellen:

http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/verfassung/index.html

http://verfassungen.de/de/de06-66/verfassung48-i.htm

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Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Wehrmachtssoldaten aus Augsburg

November 5, 2008

Teil des Denkmal für die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten der Wehrmacht aus Augsburg

Teil des Denkmal für die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten der Wehrmacht aus Augsburg

Zum Anlass des 90. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges gedenken wir den für Deutschland gefallenen jüdischen Wehrmachtssoldaten aus Augsburg, denen am jüdischen Friedhof in Augsburg-Hochfeld ein Erinnerungsmal gewidmet wurde.

die Gedenktafeln mussten wir von Gestrüpp und Moos befreien, zahlreiche Buchstaben fehlen

die Gedenktafeln mussten wir von Gestrüpp und Moos befreien, zahlreiche Buchstaben fehlen

On the occasion of the 90th Anniversary of the end of World War One we commemorate the fallen Jewish Wehrmacht soldiers from Augsburg who died for Germany. At the  which was dedicated to the Jewish cemetery, Augsburg Hochfeld, Haunstetter Str. there is a memorial.

The following names are listed at the Monument:

 

Table No.  

Birth

Death

   
1 1 Fritz Bissinger

11.06.1890

05.09.1914

  2 Rudolf Bernheimer

09.05.1889

19.02.1915

  3 Leopold Klopfer

08.11.1891

11.05.1915

  4 Leopold Schwarz

18.05.1895

25.05.1915

  5 Paul Rosenstiel

10.05.1887

07.07.1915

  6 Sali Thanhauser

20.11.1880

01.08.1915

  7 Manfred Reis

22.09.1886

20.03.1916

  8 Julius Rosenberg

22.05.1884

26.04.1916

   
2 1 Siegfried Lemle

07.11.1897

10.11.1916

  2 W. Günzburger

01.03.1886

10.07.1916

  3 Moritz Schloss

29.07.1879

18.02.1917

  4 Max Rosenberg

08.05.1886

08.10.1917

  5 Siegfried Metzger

21.02.1899

14.11.1917

  6 Felix Aub

27.06.1896

23.03.1918

  7 Julius Binger

14.04.1918

   
3 1 Alfred Heymann

16.06.1896

31.05.1918

  2 Arthur Stein

12.03.1892

31.04.1918

  3 David Rosenau

01.10.1884

21.06.1918

  4 Ludwig Binswanger

27.08.1880

18.07.1918

  5 F. Lammfromm

26.03.1887

11.08.1918

  6 Martin Strauss

18.05.1886

07.09.1918

  7 Hugo Bein

15.10.1881

15.12.1918

   
4 1 Siegfried Lemle

07.11.1897

10.11.1916

  2 Herrmann Hanauer

28.04.1894

17.05.1916

  3 Ludwig Binswanger

27.08.1880

18.07.1918

  4 Hugo Bein

15.10.1881

15.12.1918

  5 Moritz Schloss

29.07.1879

18.02.1917

  6 Siegfried Metzger

21.02.1899

14.11.1917

  Fritz Bissinger

11.06.1890

05.09.1914

   

 

Grave 6 in row 42 of the southern part (i.e. No S 42.6 in our burial list) of the Hochfeld Cemetery in Augsburg has the following inscrition:

Hier ruht in Frieden

Herr Heinrich Rosenstiel

geb. am 21. Januar 1862, gest. am 8. Oktober 1914

ihm folgte in den Tod sein ältester Sohn

Paul (Rosenstiel)

geb. am 10. Mai 1887

gefallen auf dem Felde der Ehre, am 7. Juli 1915

begraben zu Novéant-Corny

קובץ:1920 poster 12000 Jewish soldiers KIA for the fatherland.jpg

 (wikipedia) כרזה של הברית כנגד האנטישמיות