Zur Familiengeschichte jüdischer Viehbauern und Metzger in Kriegshaber

August 28, 2016

Obwohl Dokumente für die Siedlung von Juden in Kriegshaber erst aus der Zeit um 1560 erhalten sind, ist doch davon auszugehen, dass die jüdische Geschichte vor Ort weiter zurückreicht und wahrscheinlich mit der österreichischen Herrschaft in der Markgrafschaft Burgau beginnt. Dafür spricht zum einem die unmittelbare Nähe zu Augsburg, die auch für die damalige Zeit mit Pferden und Wagen keine Welt waren, zum anderen die günstige Verkehrslage auf dem Handelsweg von Augsburg nach Ulm, Frankfurt und Straßburg.

 

Einige der Kriegshaber Juden stammten aus Oberhausen, wo sie nach der Aussiedlung von Augsburg in den frühen 1450er Jahren ausgewichen waren. Unter der vorderösterreichischen Regierung der Habsburger verlagerten sich die Handelswege zunehmend von den Flößern der Wertach auf die Straße, wovon Kriegshaber gegenüber Oberhausen profitierte.

100 Jahre Kriegshaber in Augsburg Logo JHVA

Charakteristisch für die Geschichte Kriegshabers als jüdisches Straßendorf, das die Hauptstraße des Ortes prägte, ist die sehr hohe Anzahl von Viehbauern, Züchtern und Metzgern, mit der es sich von den jüdischen Nachbardörfern Pfersee (Finanzhandel, Chemie) und Steppach (Stoffe) wesentlich unterschied. Zeitweilig war weit mehr als die Hälfte der Kriegshaber mit Viehzucht, Handel oder Metzgerarbeiten beschäftigt. Die führte dazu, dass bald in jedem zweiten Haus ein Metzgerbetrieb war oder damit im Zusammenhang stehende Arbeiten verrichtet wurden. So ist es vielleicht naheliegend, dass 1830 David Skutsch, der Sohn des verstorbenen Kriegshaber Rabbiners und Schwager von dessen Nachfolger in der Ulmer Straße 216 als weltweit erster ein Patent auf die Herstellung von Duftkerzen nebst königlichem Privileg (Alleinvertriebsrecht) erhielt. Den grundlegenden Talg für den umworbenen „Kriegshaber Duft“ gab es vor Ort in Übermaß und billig wie kaum woanders.

Kriegshaber in Bildern - am Straßenrand der Weltgeschichte - 100 Jahre Eingemeindung Augsburg 1916 2016

Da die Metzgereien den Eigenbedarf der Ortschaft, die um 1790 etwa sechshundert Einwohner hatte (davon rund 400 Juden), deutlich überstieg, verwundert es auch nicht, dass die jüdischen Viehbauern vor allem auswärtige Kunden versorgten. Der Erfolg der Kriegshaber Juden war sprichwörtlich und überregional bekannt und stieß freilich nicht nur auf Beifall, sondern auch auf krankhaften Neid. Ein Beleg dafür ist die antijüdische Erzählung des unter dem fiktiven Namen „Veitel Itzig“ veröffentlichte Geschichte eines fränkischen Antisemiten, der Jahrzehnte vor den ominösen „Protokollen der Weisen von Zion“, die Emanzipationsbestrebungen der Juden in den 1830er Jahren als heimliche „Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft“ diffamierte. Der Verschwörer ist ein Metzger und als Ausgangspunkt ist Kriegshaber der Ort der Handlung.

 

Das jüdische Geschichte, wie bereits jeder Bibelleser an Hand zahlreicher Abstammungslisten und Erzählungen in der Bibel weiß, im wesentlichen immer auch vor allem Familiengeschichte ist, lässt sich auch an Hand der Geschichte Kriegshaber nachvollziehen. Anschaulich wird dadurch wie der angestammte Broterwerb sich in den Familienclans fortführte und durch zahlreiche Heiraten neue Impulse integriert wurden.

Kriegshaber jüdische Schule Eingang Ulmer Straße 2013 Umbau

Der bedeutendste Familienzweig unter den Kriegshaber Viehbauern waren ohne Zweifel die Mändle (Mendel), die direkt im Haus neben der Synagoge wohnten, und deren Oberhäupter es zu Hoffaktoren und Ausrüstern von Bischöfen, Herzögen, Königen und Kaisern brachten. Ein besonders herausragendes Beispiel war 1744 die Krönung von Kaiser Karl VI in Frankfurt am Main, für die die Unternehmung Abraham und Josef Mändle von München und Kriegshaber aus den gesamten Fuhrpark nebst Reiterei  besorgte und ausstatte. Eine historische Randnotiz deren logistische Leistung wir heute bestenfalls erahnen können.

 

Mit den Heiraten ging natürlich immer auch ein Wissenstransfer einher. Als im Frühjahr 1699 die Tochter des Vorsitzenden der Pferseer den Sohn des Prager Rabbiners heiratete, erkundigte sie sich bei ihr Kriegshaber Tante Riwke, der Frau des Kriegshaber Metzgerprüfers Meir Ulmo, nach heimischen Kochrezepten und erhielt in einem handschriftlichen Brief eine Sammlung schwäbisch-jüdischer Kochrezepte mit „Wertach-Forchelfisch“ (Forellen), „Erdpirn“ (Kartoffeln), „Leinel“ (Leinöl), gefüllte Mangoldblätter und „Kasbraut“ (Käsekuchen).

 

Wie die Mayer stammten auch die Mändles als Nebenlinien von den Ulmo ab und wurden selbst von den meist aus dem österreichisch-schwäbischen Umland zugezogenen Familien Dick, Einstein, Oberdorfer, Bach und Rothschild aufgefrischt, während  sich die Mayers in Kriegshaber weiter in die Zweige Mayer, Untermayer und Obermayer aufspalteten, die ebenfalls als metzger und Viehzüchter tätig waren, teilweise ein eigenen Betrieben, während andere auf der Basis von Fetten chemische Stoffe herstellten.

 

Besondere Bedeutung für die frühmoderne Geschichte Augsburgs erlangten dabei der Ulmo-Mayer-Nebenzweig Obermayer. Jakob Obermayer und seine Geschäftspartner Feitel Kaula, Westheimer und Efraim Ulmo statteten 1803 die bankrotte Reichsstadt mit einer halbe Million Gulden aus und retteten sie so zwei Jahre vor der drohenden und letztlich dann unausweichlichen Annexion durch das Herzogtum Bayern, die durch Napoleons Besuch 1805 besiegelt wurde. Obermayer durfte nun in Augsburg als Bürger wohnen und gilt damit als Begründer der modernen Augsburger Gemeinde, die Formel freilich erst von seinem Enkel ins Leben gerufen wurde.  Sein Sohn Isidor Obermayer (1795-1862), der 1821 das heute als Augsburger Standesamt bekannte Palais kaufte war Mitbegründer der Bayerischen Staatsbank, wie auch der Hypovereinsbank und besorgte als Eisenbahnpionier aus England auf eigenes Risiko Schienen und Lokomotiven für die erste bayerische Überlandbahn von Augsburg nach München. Sein ebenfalls noch in Kriegshaber geborener Sohn Carl von Obermayer (1811-1889) hatte wenig für Geschäfte übrig, vertrat aber im väterlichen Haus als Konsul die Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg. Dem Augsburger Naturkundemuseum schenkte er bedeutende ethnologische Sammlungen die bei seinen Reisen im Wilden Westen Amerikas erworben hatte, lange vor Buffalo Bill und Karl May. Schließlich wurde er auch Vorsitzender der vom Bayerischen König offiziell anerkannten israelitischen Kultusgemeinde von Augsburg unter dessen Führung diese auch einen eigenen Friedhof und eine neue Synagoge (Wintergasse) bekam.

Bis in die 1930er Jahre blieben in Kriegshaber zuletzt noch die Gebrüder Einstein als Metzger und Viehzüchter präsent. Als Nebenlinie der Mändle hatten sie eine Reihe der früheren anderen betriebe aufgekauft, ererbt und übernommen. Freilich nahm mit der modernen Industrialisierung in großen Massenschlachthöfen den Kriegshaber Juden das zuvor auf Vertrauen und Qualität beruhende Geschäft ohnehin weitgehend aus der Hand. Schließlich wurde im bereits Mai 1933 in Deutschland durch die Nazi-Regierung auch noch das Schächten verboten. Die Einsteins stammten aus Buchau, wie auch die Familie des berühmten Albert Einsteins, dessen Vorfahren ebenfalls Metzger und Viehzüchter waren.

 

Ganz verschwunden ist die Erinnerung an die jüdischen Metzgerfamilien von Kriegshaber auch heute nicht, wenngleich die oft zu hörende Frage, ob der bekannte Kriegshaber Metzger Joachim Goldstein denn auch Jude sei. Doch der ehemalige Fußballprofi der Anfang der 1980er Jahre beim FC Augsburg und beim TSV 1860 München in der zweiten Fußballbundesliga spielte, hat freilich nur einen Familiennamen der in den Ohren mancher „jüdisch“ klingt.

 

Artikel von Yehuda Shenef, erschienen in “Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte”, Wissner-Verlag, Augbsurg 2016, S. 63 und 65 (Abbildung oben)


1916 – 2016: 100 Jahre Eingemeindung von Kriegshaber in Augsburg

March 25, 2016

Die Geschichte von Kriegshaber ist zwar weit älter und hat viele bedeutende Höhepunkte, insbesondere in unserem jüdischen Horizont, doch die nunmehr vor genau einhundert Jahren vollzogene Eingemeindung Kriegshabers zum Stadtteil von Augsburg war sicher eine wesentliche Zäsur in der Geschichte, wenngleich wenige Jahrzehnte später durch den Krieg und der daraus resultierenden 40 jährigen amerikanischen Besatzung (nicht nur) optisch noch prägendere Faktoren Kriegshaber beeinflussen sollten.
In den letzten Jahren entstehen auf dem Terrain der früheren Kasernen und housing areas neue Wohnsiedlungen, die dem Viertel im Nordwesten Augsburgs ein ganz anderen Gepräge geben, als es dies zuvor hat. Man könnte meinen, dass Kriegshaber durch das „großstädtische“ Zusammenwachsen (mit allen erwünschten und unerwünschten Aspekten, baulichen Highlights und Sünden) vielleicht erst jetzt tatsächlich ein Stadtteil von Augsburg wird.

!מיר וועלן זען

Jedenfalls wünschen wir Kriegshaber und Augsburg, mit denen wir in besonderer Weise verbunden sind, alles Gute zum 100. Jahrestag und eine friedliche und lebenswerte Zukunft.

100 Jahre Kriegshaber in Augsburg Logo JHVA100 year anniversary of the incorporation of Kriegshaber to Augsburg

Unser Logo 100 Jahren Kriegshaber in Augsburg setzt sich zusammen aus dem Kirchturm von St. Thaddäus beim ( … ja … ähm… Oberhausener) Bahnhof, dem höchsten Gebäude in Kriegshaber, der „dasteht wie eine Eins“, aber eben erst durch die beiden Nullen (… hintersinnig?) des jüdischen Fensters der ehemaligen Synagoge Kriegshaber zur Hundert wird. Tatsächlich war das alte, “tausenjährige”) (österreichische) Kriegshaber vor allem ein jüdischer Ort, erst in der bayerischen (Spät)phase ergab sich eine christliche Mehrheit. Kirchlich eigenständig wurde Kriegshaber gar erst in den 1860ern (zuvor gehörten die christliche Minderheit Kriegshabers zu … ähm, ja … Oberhausen) und das wohl auch nur, weil die geplante neue Synagoge dann doch nicht gebaut wurde (Die Pläne und Gründe dafür sind im Buch “Mord am Lech” (ISBN: 978-3944-092-034) erläutert).

100 Jahre Kriegshaber Eingmeindung Augsburg JHVA Farbe100 יום השנה של ההתאגדות של קריגסהאבר כדי אוגסבורג

100 years ago – on April, 1 – Kriegshaber was incorporated to Augsburg. Our logo depicts the number by the church tower of St. Thaddaeus and the window of the former synagogue, both at Ulmer Str.


100 Jahre Kriegshaber in Augsburg

March 21, 2016

Am 1. April 1916 erfolgte die formelle Kriegshaber Eingemeindung nach Augsburg. Der Ort, gehörte wie der Westen von Augsburg über ein halbes Jahrtausend lang zu Österreich, wurde von einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit geprägt und war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Stützpunkt US-amerikanischer Kasernen und Siedlungen, … eine bewegte Geschichte. Ein Bild davon will der Jubiläumsband

Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte”

(hrsg. von Thomas Groll; Christian Kreikle; Claudia Böhme; Katharina Maier)

vermitteln, der zum Jubiläum der Eingemeindung im Augsburger Wissner-Verlag erscheint. Zwei der Autoren des Buches sind Mitglieder des JHVA.

Kriegshaber in Bildern - am Straßenrand der Weltgeschichte - 100 Jahre Eingemeindung Augsburg 1916 2016Verlagsinfo zum Buch

 118 Seiten, 130 Abbildungen:
· Erscheinungsdatum: 03.04.2016
· ISBN 978-3-95786-057-6

Preis: 14.80 EUR

Vorstellung des Buches

am So. 3.4.16 in der ehem. Synagoge

17 Uhr

Kriegshaber, Ulmerstr. 228

April 1 in 2016 marks the Centenary of the Incorporation of Kriegshaber to the City of Augsburg in 1916. For more than a half millennium Kriegshaber had been part of Austria in the West of the Imperial City of Augsburg, just 3 km away from the old massive city walls. Over centuries Kriegshaber also was an almost entirely Jewish ribbon built village along the main road (thus the proper name “Hauptstr.”) and trade route from Augsburg to Ulm (thus the current name “Ulmer Str.”). Just in 1840s roughly the half of the population was Jewish.

In 1806 Kriegshaber became Bavarian, but only after 1866 the Austrian influence faded out. After World War Two in and around Kriegshaber were many US army facilities and housing areas … such as Centerville, Cramerton, Fryar Circle, Sullivan Heights, Sheridan, Reese, which in the last decade have been converted into new neighborhoods with heavy construction activities.

From the Jewish past the former synagogue building (now a branch of the Augsburg Jewish Museum), the Jewish cemetery and groups of houses bear witness.

The above mentioned book “Kriegshaber in Bildern” (… in pictures) on ocassion of the centennial anniversary gives some information on the rich and controversial history of the in many aspects notable neighborhood in the north-west of Augsburg.

Two of the authors of the book also are members of the JHVA.

 


Buch-Lesung im Zollhaus Kriegshaber

November 12, 2013

An einer der historischer Stätten des schwäbischen Judentums laden wir ein zur Buch-Präsentation mit Lesung und anschließender Diskussion

am Mittwoch, den 20. November 2013 um 18.00 Uhr

in der Begegnungsstätte Zollhaus in Kriegshaber (Ulmer Straße 182, 86156 Augsburg)

 

Das Haus der drei Sterne

Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland

von Yehuda Shenef 1. Auflage, August 2013

ISBN: 978-944092-02-7

184 Seiten, 29.50 €

Das Buch ist in vielen Augsburger Buchhandlungen vorrätig, bzw. auch sonst über den Buchhandel, über amazon, weltbild & Co. erhältlich

oder direkt bei info@sol-service.de

kokavim verlag 2013

kokavim verlag 2013

Bericht der Augsburger Allgemeinen „Der Friedhof als Tor zur Geschichte“ von Claudia Kohler vom 7. September 2013:  

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Der-Friedhof-als-Tor-zur-Geschichte-id26893226.html


Rathaus von Oberhausen bei Augsburg aus dem Jahr 1602

July 3, 2013

Geht es darum, das Alter des historischen Rathauses von Oberhausen zu taxieren, so wurde bislang – auch von unserer Seite – eher grob geschätzt. Da am alten Gasthof nebendran (wo heute das “Absolut” beheimatet ist) eine Tafel die Jahreszahl 1720 zu lesen ist, musste man annehmen, dass das Rathaus wohl eben “etwas älter” sein musste. Eine alte Abbildung die etwa auf das Jahr 1650 datiert wird, zeigt das Rathaus in seiner früheren Fassade:

Hauptstraße Oberhausen bei Augsburg um 1650 mit Rathaus

Das Rathaus in der Bildmitte verfügt damals bereits über die heute noch vorhandenen Etagen. Interessant auf der Hauptstraße ist neben dem Abwasserkanal noch die in der Mitte zwischen Rathaus und Hügel direkt beim damaligen Vogthaus befindliche Barriere. die den Zutritt zum Ort markiert und möglicherweise auch zur Markierung als Eruv benutzt werden konnte.

In den 1825 in Augsburg gedruckten “Denkwürdigkeiten des Oberdonau-Kreises” erwähnt der aus dem zu seiner Geburt noch vorderösterreichischen Freiburg im Breisgau stammende Altertumsforscher und Mitbegründer des Römischen Museums in Augsburg und Ideengeber des (späteren) Historischen Vereins in Schwaben Johann Nepomuk Franz Anton von Raiser (1768-1853) beiläufig, dass im (Juli) 1602 eine ehemalige, nun eingetauschte Sölde zum Amtshaus in Oberhausen wurde:

Oberhausen Rathaus 1602 Amtshaus

Johann Nepomuk von Raiser:  Denkwürdigkeiten des Oberdonau-Kreises, Augsburg 1825, S. 101

Aus von Raisers Aussage ergibt sich für die Einrichtung des Amtshauses von Oberhausen an der Wertach der Sommer 1602 als diverse Besitzungen in Oberhausen gegen andere auswärtige getauscht wurden und im Haus an der Sölde das Amtshaus eingerichtet wurde. Daraus ergibt sich abgesehen davon, dass der Kern des Hauses natürlich noch älter ist und es sicher vom Söldhaus zum Amtshaus erweitert worden sein wird, ein Alter von heute wenigstens 411 Jahren. Damit ist das Oberhausener Rathaus übrigens älter als das Augsburger. Interessant ist vielleicht auch, dass dessen Baumeister Elias Holl, der im Vorjahr von seinen Studien aus Italien zurückkehrte 1602 als Baumeister in Augsburg angestellt wurde, als große Teile Oberhausens in den Besitz Augsburge Bürger ging. Ob Elias Holl auch Oberhausener Rathaus tätig war, ist nicht bekannt, aber villeicht nicht auszuschließen. Belegt ist jedoch, dass er 1619 den Kirchturm von Peter Paul gleich neben dem Rathaus errichtete.

Augsburg Oberhausen Altes Rathaus - Chana Tausenfels


Über die jüdische Geschichte im schwäbischen Pfersee

March 22, 2013

… einen Vortrag zu halten, hatten wir gestern in die Ehre und zwar in Pfersee selbst. Ausgemacht war dies als Einleitung zu einer weiteren Lesung aus dem Buch des letzten Rabbiners von Pfersee Ber Ulmo, der bis zu einem Tod im Jahre 1837 nur drei Minuten Fußweg vom Veranstaltungsort, dem “Bürgerhaus Pfersee” in der Stadtberger Straße 17 wohnte, was auch wieder nur zwei Häuser entfernt ist von immer noch recht ansehnlichen Pferseer Schloss. Im Bürgerhaus stießen wir auf ein interessiertes und fachkundiges Publikum, aber auch auf einen gewissen Stolz auf die Pferseer Heimat.

Bürgerhaus Pfersee Jüdische Geschichte Ber Ulmo Yehuda Shenef jhva

Flyer des Bürgerhaus Pfersee

Bürgerhaus Pfersee Ber Ulmo Yehuda Shenef Margit HummelYehuda Shenef and Margit Hummel on Ulmo and Wertheimer in Pfersee Bürgerhaus

(picture: Elena Asnis)

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Wappen Pfersee Schloss coat of armsCoat of Arms at the Pfersee Castle

A few days before the onset of this years Passover Festival we were privileged to have a talk on the rich history of the Jews from Pfersee right there were it happened, in Pfersee, only two minutes walk from the former Jewish settlement in the “Buergerhaus” next to the still existing Castle of Pfersee, were he of course was a well known person. The talk however was on behalf of the report by Ber Ulmo (Berhars Ulman), the latest rabbi who for 56 years was head of the renowned Jewish Kehila, about his imprisonment in 1803. Again we had a interested as well as learned audience.

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Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee

152 S., 24.50 €

ISBN 978-3-944092-00-3  bei:  info@sol-service.de

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Jüdische Geschichte im Zollhaus Kriegshaber

November 20, 2012

Das Zollhaus in Kriegshaber, das bis 1805 die Grenze zwischen dem Gebiet der Reichsstadt Augsburg zur österreichischen Markgrafschaft markierte wurde 1730 Mosche Jehuda Günzburger (ca. 1670-1734) und seinem Sohn Eleasar Mosche Günzburger (1697-1764) erbaut, nachdem im Jahr zuvor der wesentlich ältere Vorgängerbau eingestürzt war. Diesen hatte Mosches Vater Jehuda Löb Günzburger (1640-1709), ein Nachkomme des Schimon Elieser Ulmo Günzburg(1506-1585) , von dessen Söhnen sich einige als „Ulmo“ im benachbarten Pfersee neiderließen, etwa um 1695 angemietet und dann gekauft. Wie dieses war auch der Neubau der Günzburger eigentlich in erster Linie das private Wohnhaus der Familie Günzburger, andererseits aber auch wenigstens formell „das Zollhaus“, was in der Praxis bedeutete, dass der Vogt zeitweilig eine Stube benutzen durfte, bzw. im Nebengebäude einen kleinen Anbau hatte, gegenüber dem Stadel, der damals zum Anwesen gehörte. Zweifellos war das Zollhaus jedoch niemals ein offizielles Amtsgebäude, sondern Privatbesitz der jüdischen Familie Günzburger. Zeitweilig wurden Teile des Hauses auch von Mitgliedern der verschwägerten Hoffaktorenfamilie der Mendle bewohnt.

Als Architekt des Hauses gilt heute der schwäbische Baumeister Josef Dossenberger (1721-1785), der den Bau aber kaum als neunjähriger ausgeführt haben wird. Denkbar wäre aber, das Dossenbergers Vater gemeint war, der als Maurermeister und Architekt überliefert wird. Wie dem auch sei, kann man voraussetzen, dass die gestalterischen Vorgaben nun aber doch vom Auftraggeber und Finanzier des Baues stammten.

Als im September 1803 die jüdischen Gemeinden in Pfersee, Kriegshaber, Steppach und einem guten Dutzend weiterer Orte in damals noch österreichischen Schwaben überfallen wurde, zählte auch das Haus der Familie Günzburger zu denen, die durchsucht, durchwühlt und im Dachboden aufgebrochen wurden, auf der erfolglosen Suche nach illegalen Druckmaschinen. Da ward das Zoll- zum Tollhaus. Als zwei Jahre später Vorderösterreich von der Landkarte verschwand und viele seiner Gebiete dem mit Napoleon verbündeten Herzogtum Bayern, künftig ein Königreich, geschenkt wurden, bedurfte es keines ohnehin nur theoretischen Zollhauses in Kriegshaber. Juda Mosche Günzburger (1757-1833)  verkaufte das ebenso stattliche wie stabile Haus. Eine Reihe seiner Nachkommen blieben in Kriegshaber wohnen oder siedelten später nach Augsburg, andere – wie sein Sohn Natan – zog es sofort nach München, wo die Verwandten Mendles gut etabliert waren. Zwei der Söhne von Natan Günzburger (1780-1841) wurden wie zahlreiche ihrer Vorfahren am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee bestattet: Isaak Günzburger (1809-1879) und Israel Günzburger (1805-1883). Mit ihnen endet offenbar die Geschichte der Familie Günzburger in Kriegshaber.

Jüdischer Friedhof Kriegshaber / Pfersee: vorne Grabstein für Israel Günzburger (1805-1883)

Im Gebäude richtete das nunmehr bayerische Kriegshaber 1806 eine kleine Schule ein. Später wurde ein großes Schulgebäude errichtet und ab 1916 wurde im Haus eine Polizeidienststelle eingerichtet. Seit einigen Jahrzehnten sind im ehemaligen Wohnhaus der Günzburger an der Ulmer Straße 182 eine Reihe von Vereinen und Organisationen untergebracht, darunter die örtliche Arbeiterwohlfahrt (Vereinslokal) und ihr „Altenclub“, der Schach Klub Kriegshaber www.skk.de dessen erste Mannschaft in der Oberliga aktiv ist, und viele andere mehr.

The old tollhouse of Kriegshaber, once at the border between Austrian Kriegshaber and the territory of the Imperial City of Augsburg, in 1730 was built by the Jewish Guenzburger family, who two centuries were residents of Kriegshaber. The house actually was their own private home and was not used for toll or custom purposes, beside that in some times a small office cell was granted to the local bailiff. When in the end of 1805 the Austrian Forelands became part of the newly founded Kingdom of Bavaria (a present by Napoleon to his Bavarian allies), there was no more need for an already only formal tollhouse. The Guenzburger family in 1806 sold the house to the local community which established the first local (non-Jewish) school in Kriegshaber. In 1916, when a egular school house was built in the backyard, the house was used as police station. Today it hosts a number of social clubs and organizations as well as the local chess club of Kriegshaber, which actually is the biggest one in Augsburg. However, there is no reference to the Jewish family who built the house and lived there two centuries.

When in September 1803 among others also the Jewish community of Kriegshaber was attacked on Erev Shabbos (Friday evening) before Yom Kippur, also the Guenzburger family was raided by the soldiers who searched for illegal printing machines. So – as a scene of the story – it was a good place to introduce the German translation of the report by Pfersee rabbi Ber Ulmo at the club house’s pub right here to a small but very interested audience.

http://en.wikipedia.org/wiki/Ber_Ulmo

הבית המכס של קריגסהבר באוגסבורג נבנה בשנת 1730 על ידי המשפחה היהודיה גינצבורגער

http://www.amazon.com/gp/product/3944092007/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=


Ber Ulmo – Tage des Gerichts

November 12, 2012

Aktuell: Buch-Lesung am Mittwoch 12. November 2012, 18 Uhr im ehemaligen Zollhaus Kriegshaber

Am Abend des 23. September 1803 wurden im heutigen Bayerisch-Schwaben, das damals teilweise noch zu Österreich gehörte, an über einem Dutzend Orten zeitgleich die jüdischen Gemeinden Gegenstand polizeilicher Razzien. In Pfersee, Kriegshaber, Steppach, Fischach, Binswangen, Buttenwiesen, Ichenhausen, Hürben, Fellheim, Altenstadt, Osterberg, Hainsfarth, Pappenheim und wahrscheinlich noch an anderen Orten kam es zum selben Szenario.

Während die Juden an jenem Freitag-Abend in ihren Synagogen waren und zwei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur den Beginn des Schabbat feiern wollten, drangen überall grimmige mit Bajonetten bewaffnete Soldaten ein und hielten Männer, Frauen und Kinder stundenlang fest. Unter massiven Drohungen durfte niemand aufstehen oder reden. Einzelne jüdische Männer, in der Regel Vorstände ihrer Gemeinden oder zumindest angesehene Kaufleute, wurden verhaftet und entweder nach Günzburg oder Donauwörth gebracht. Die Anzahl der Verhafteten kann auf über 60 Personen geschätzt werden. Oft dauerte es aber Wochen oder gar Monate, ehe die Häftlinge in den Eisenhäusern erfuhren, weshalb sie überhaupt verhaftet und angeklagt wurden. Willkürlich und kafkaesk wie die Verhaftungen waren auch die Bedinungen der Haft und der Ermittlungen.

Vor dem Hintergrund europaweit operierender Geldfälscherbanden, die sich besonders darauf spezialisiert hatten sog. Wiener Bankozettel zu fälschen, wurden die Verhafteten beschuldigt, einen jüdischen Fälscherring zu betreiben und an ihren Wohnorten in Dachböden versteckte Druckereien zu betreiben. In Straßburg gab es in den darauffolgenden Jahren eine Serie von Prozessen gegen Geldfälscher, die meist von Frankreich oder dem damals noch nicht unabhängigen Belgien heraus operierten. Sie fälschten insbesondere Wiener Banknoten, aber auch andere Währungen, verteilten sie aber hauptsächlichen in deutschen Gebieten, vor allem an Handelsorten wie Frankfurt und Leipzig, aber auch in Süddeutschland. In der Mehrzahl der Banden arbeiteten Christen und Juden als Fälscher zusammen. Meist waren jedoch die Juden für den Umtausch oder Verkauf der Banknoten zuständig, während ihre christlichen Komplizen Druckplatten gravierten, Papier besorgten, usw. Manche der Fälscherbanden weigerten sich aber auch mit Juden zusammenzuarbeiten. Der Gedanke, im damals österreichischen Schwaben eine rein jüdische Fälscherbande als Drahtzieher der internationalen Geldfälschungen ausfindig zu machen, muss für die Ermittler ein sehr verführerischer Gedanke gewesen sein, weshalb sie den falschen Anschuldigungen eines gleichfalls schwäbischen Denunzianten nur zu bereitwillig Glauben schenkten. Dieser war selbst ein Jude, konvertierte später jedoch zum Katholizismus und wurde Diener eines Kardinals in Rom.

Grabmal des Ber Ulmo am jüdischen Friedhof Pfersee / Kriegshaber (Augsburg)

Einer der unschuldig Verhafteten war Ber Ulmo (1751-1837), auch bekannt als Bernhard Ullmann, der von 1781 bis zu seinem Tod insgesamt 56 Jahre lang Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Pfersee bei Augsburg war, die lang den Sitz des angesehenen und berühmten Rabbinats von Medinat Schwaben innehatte. Ber Ulmo begann noch in der Haft einen Bericht über die Verhaftung und Haftbedingungen zu verfassen und vollendete ihn wenige Wochen nach der Freilassung im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1804.

Als im Jahre 1861 in Augsburg die Israelitische Kultusgemeinde formell durch den bayerischen König Maximilian II anerkannt wurde, übersetzte Ber Ulmos Sohn Jonas den Text seines Vaters in jüdisch-deutscher Sprache. 1928 fertigte Jonas Neffe Carl Jonas Ulmann von dieser jiddischen Fassung in New York eine englische Übersetzung und ließ sie als Privatdruck in einer kleinen Auflage von hundert Exemplaren drucken. Diese verschwanden im Laufe der Zeit. Nur einige wenige Exemplare befinden sich in Bibliotheken über den Globus verteilt. Ab und an taucht auch ein Exemplar im Onlineangebot eines Antiquariats auf.

Anhand einer Abschrift der hebräischen Handschrift ist es Yehuda Shenef gelungen, den hebräischen Text erstmals in deutsche Sprache zu übersetzen und dabei die Fehler der englischen Übersetzung zu vermeiden. Damit konnte ihm auch gelingen die wesentlichsten Protagonisten der Handlung zu ermitteln und den historischen Kontext der Handlung herauszuarbeiten. Neben den tatsächlich stattfindenden Fälscherprozessen jener Jahre ist dies insbesondere die parallel verlaufende Geschichte der Ansiedlung jüdischer Bankierfamilien aus Kriegshaber in Augsburg. Sie waren von den Verhaftungen nicht betroffen, beschafften den verschuldeten Augsburgern jedoch horrende Kreditsummen und erhielten als erste Juden seit dem Mittelalter die Garantie eines bleibenden Wohnrechts in der Reichsstadt, während in Pfersee die kostbare Talmudhandschrift abhandenkam, die als älteste fast vollständig erhaltene der Welt gilt und deshalb von zentraler Bedeutung für das Judentum ist. Ihr letzter bekannter jüdischer Besitzer war Ber Ulmo. Heute befindet sich die “Pferseer Handschrift” in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Ber Ulmos Augenzeugenbericht ist ein authentisches Zeugnis jüdisch-schwäbischer Literatur aus der Umbruchzeit der Napoelonischen Kriege, in welcher unsere heutige moderne Welt ihre Gestalt annahmen. Seine Schilderungen bieten eine Fülle von Informationen aus erster Hand und ermöglichen es die moderne Geschichte der Juden in Augsburg unter anderen Gesichtspunkten zu sehen. Ein Muss für jeden historisch interessierten Leser.

Im Herbst 2012 als Buch mit Begleitkapiteln, Karten und Abbildungen erschienen im Kokavim-Verlag

Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo

152 S. , 24.50 Euro

ISBN 978-3-944092-00-3

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder online

bei Amazon, Ebay, Weltbild und Co.

http://www.amazon.de/Tage-Gerichts-Bericht-Ulmo-Pfersee/dp/3944092007


Synagoge Kriegshaber

July 18, 2007

Synagoge Kriegshaber UmgebungSynagoge Kriegshaber front

Alte “Judenhäuser” KriegshaberKriegshaber Thora Vorhang 1723 Synagoge Kriegshaber Rückseite

 

Die jüdische Gemeinde im (bis 1805)(vorder)österreichischen Kriegshaber bestand hauptsächlich entlang der Hauptstraße (heute Ulmerstraße), zwischen dem (von Juden erbauten) „Zollhaus“ und dem „Spectrum“ (ehemalige Turnhalle).

Wie die Gemeinde geht auch ihr erstes Bethaus wenigstens auf die Zeit um 1540 zurück, ist aber wohl älter. Im nordöstlich benachbarten Oberhausen bestand c. von 1420 bis 1560 eine kleine jüdische Gemeinschaft an der Zollernstraße unweit des alten Oberhausener Schlosses (heute: Josefinum-Klinik). Auch bei Christen war Kriegshaber zunächst eine Oberhauser Filialgemeinde. Die heutige Kirche gegenüber der Synagoge wurde erst sehr spät, um 1870 gebaut, nachdem am selben Platz ein geplanter Neubau einer liberalen Synagoge mit orientalischen Fassaden mangels Interesse nicht zustande kam.

Der stattdessen weiter benutzte Bau basiert auf den bereits 1550 genutzten Wohnhaus, wurde aber mehrmals baulich verändert. An die für die Mikwe hinter der Synagoge benötigten Wasserquelle erinnert heute noch der christliche “Brückenheilige” Nepomuk, während der Bach inzwischen verschwunden ist. Der heutige “Synagogen”-Bau geht auf das Jahr  1669 zurück und wurde 1729 und 1840 renoviert. Von 1862 bis 1912 hatte das Gebäude bunte, rot-blaue Fenster. Die letzte Restaurierung war 1913. Anders als die Nachbargemeinden in Pfersee, Steppach und Schlipsheim die alle die 1870er Jahre nicht überstanden, blieb die Kriegshaber Gemeinde bestehen, freilich auch nur bis 1941. Die Synagoge wurde von lokalen Nazi geschändet und entweiht, aber nicht zerstört.

1945 nutzen jüdisch-amerikanishe Soldaten zusammen mit einer Anzahl meist aus Osteuropa verschleppter sog. „KZniks“ das halbwegs intakte – wie bereits 400 Jahre früher – als simplen Betraum, für den es nur einen Tisch, einen Schrank und eine Handvoll Stühle bedurfte. Bis 1951 gab es freilich nur sporadische Gottesdienste. Im selben Jahr endete man auch damit, am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee zu begraben.

Hernach wurde das Gebäude verkauft und aufgeteilt. Unterhalb des Betraums befand sich eine Wohnung (die zuletzt von einem Kroaten bewohnt war, der dem Verfasser bekannt ist). In den letzten Jahren stand das Gebäude leer und litt stark durch Witterung. Eine Reihe von Nutzungs-Ideen scheiterten an mangelnden finanziellen Mitteln. Der jüdischen Gemeinde in Augsburg, die mit etwa 1800 Mitgliedern ihren historischen Höchststand erreicht hat, käme eine zweite Synagoge durchaus gelegen, da viele der russisch-sprachigen, überwiegend älteren Aussiedler in den Stadtteilen Pfersee, Kriegshaber und Oberhausen wohnen.

Finanziellen Support dafür wird es aber nicht geben, denn so viel „Normalität“ braucht es dann doch wieder nicht. Das Gebäude wird also entweder baufällig einkrachen (10 %-Wahrscheinlichkeit, möglich, aber zu schlechte Publizität), weiterhin behelfsmäßig ausgebessert und neu gestrichen (20 %-Wahrscheinlichkeit, weil billig und „fachmännisch“ begründbar), an einen privaten Investor veräußert, der das Haus komplett umbaut (wie in Harburg), sich aber der historischen Bausubstanz bewusst ist und die strengen Auflagen des Denkmalschutz einhält und übererfüllt (20 %-Wahrscheinlichkeit, weil kostet nicht viel, sondern bringt sogar Geld (doch dann: wohin damit??) und beseitigt das alle Jahre wieder mal aufkommende leidige Thema), offizielle Umwidmung mit richtig viel Geld aber ohne rechtes Konzept und Bedarf zum „Dokumentationszentrum für das schwäbische Landjudentum“, „Begegnungsstätte Kriegshaber“, wo man Weihnachtslieder mit Klezmer, Döner und Räucherstäbchen vermischen kann, für 5 Millionen Euro, damit dort später eine wissenschaftliche Hilfskraft zwei Mal im Monat erklärt, was den Zerstörungen entgangen ist und was es bedeutet haben könnte. Wahrscheinlichkeit 45 %, da „die große Lösung“ der aufstrebenden Boomtown-Region Augsburg am ehesten nahesteht. Die restlichen 5 % bleiben übrig für nicht erwartbare, aber auch nicht kategorisch auszuschließende Überraschungen, wie etwa Ankauf durch die Lauder-Stiftung, die in Kriegshaber eine Charedim-Kolonie ansiedelt oder Chabad, die Kriegshaber für sich entdecken, … vielleicht wartet man aber auch bis das Gebäude zur Moschee konvertieren werden kann. Wir werden es sehen, oder auch nicht.

Eine jüdische Gemeinde, die es von 1540 bis 1940 hier gab und seitdem nicht mehr, wird es aber nicht mehr geben. Wetten?