Juden im bayerisch-schwäbischen Monheim

May 30, 2012

Stadtwappen von Monheim am Stadttor: nisi dominus custodiverit urbem, fusta custodient, qui vigilant eam – If the Lord does not protect the city, the sentinels will guard in vain / Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, wachen die Wächter vergebens

Im schwäbischen Monheim im Kreis Donau – Ries, bestand in der Zeit von 1697 bis 1741 eine jüdische Gemeinde, die zeitweilig annähernd die Mehrheit der örtlichen Bevölkerung stellte. Auf Proteste christlicher Einwohner, die fürchteten, von den Juden ganz verdrängt zu werden, wurden Restriktionen gegen die jüdische Bevölkerung erlassen, ehe sie schließlich gänzlich aus dem kleinen Städtchen verwiesen wurden.

Obwohl im Grunde ein Großteil des historischen Ortskerns des ursprünglichen Straßendorfes eine jüdische Vergangenheit besitzt, erinnern daran heute vor allem die Stuckdecken der Sitzungsräume des Monheimer Rathauses die mit bildlichen Darstellungen und goldenen hebräischen Zitaten ausgeschmückt sind. Wohl vielleicht eher zufällig dürfte der Umstand sein, dass das erstmals um 1340 bezeugte Wappen Monheims, welches einen Stern und einen Halbmond zeigt, identisch ist mit dem noch älteren Siegel der jüdischen Gemeinde in Regensburg. Ob nach 1520, als die Regensburger Juden aus der Stadt verwiesen wurden, einige auch nach Monheim kamen, ist jedoch zumindest nicht überliefert.

Im Jahre 1697 erlaubte der aus Düsseldorf stammende Wittelsbacher Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1658-1716), an den am Marktplatz seiner Geburtsstadt seit drei Jahrhunderten ein Reiterstandbild erinnert, sechs jüdischen Familien, die zuvor das etwa 30 km östlich gelegene Eichstätt verlassen hatten, sich in Monheim niederzulassen. Der zwischen Augsburg und Nürnberg gelegene schwäbische Ort nahe Treuchtlingen und Harburg hat heute als Verwaltungsgemeinschaft mit neun weiteren Orten etwa 4.800 Einwohner. Vor mehr als dreihundert Jahren, ehe sich Juden hier niederließen, mehrere Häuser und eine Synagoge bauten, war es freilich ein kleines Dorf, das bei etwa 20 Häusern und Höfen über annähernd 100 Einwohner verfügte. Mit der Ansiedlung seiner Juden erlebte Monheim einen rasanten Aufschwung und so lebten Ende der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts allein etwa zwanzig jüdische Familien und über 150 Juden am Ort, darunter ab 1715 auch ein Rabbiner.

1712 erwarb der Ansbacher Abraham ben Elia Model für rund tausend Gulden den alten Gasthof „Zur Rose“, ließ ihn aber bald darauf abreisen und durch einen stattlichen dreistöckigen barocken Neubau ersetzen, der um 1720 fertig gestellt wurde. Das Gebäude war so eindrucksvoll für das ländliche Monheim und seine Umgebung, dass sich heute darin das Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft befindet. Es wurde immer wieder vermutet, dass sich in dem Haus auch die Monheimer Synagoge befand, doch das verneinen lokale Quellen, die die Synagoge an der Stelle des nahegelegenen Gasthofs „Zum Ochsen“ lokalisieren, einem Gebäude, das den Urkunden gemäß dem Juden Simon Goldschmid gehörte. Trotzdem ist es wohl eher wahrscheinlich, dass der Raum im Model-Haus zusätzlich zur Synagoge auch als Versammlungsraum der Gemeinde fungierte.

Abraham Model war kurpfälzischer und Ansbacher “Kabinetts-Faktor” und vor allem im risikoreichen aber auch lukrativen Salzhandel tätig. 1739 wurde er auch zum Kammer-Faktor von Oettingen-Wallerstein ernannt und beteiligte sich an der Gräflich- Oettingischen Fayancen-Manufactur. Jedoch waren diese Unternehmungen nicht von Erfolg gekrönt. Er entstammte einer bekannten Ansbacher Familie, deren Ahnherr Mordechai Model war, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Rabbiner von Oettingen starb. Jener Raw Mordechai hatte als Enkel des Burgauer Rabbiners Schimon Ulmo-Günzburg (1505-1585) als erster den Namen Model angenommen. Zu Mordechai Models Nachkommen zählten in vielen Ländern tätige Rabbiner, Gemeindevorsitzende und Hoffaktoren (nicht selten in Personalunion), darunter beispielsweise Abraham Model der kaiserlicher Hoffaktor in Wien war und 1637 in Oettingen starb. Dessen Bruder Schimon war gräflicher Hoffaktor in Oettingen und Großvater von Mordechai Model (gest. 1709), zur besseren Unterscheidung von seinem Ahnen Marx Model genannt, welcher nun in Ansbach eine Druckerei besaß und dort u.a. Talmudim druckte. „Marx“ war Oberhaupt der jüdischen Gemeinde in Ansbach, besaß aber auch eine Privatsynagoge mit eigenem Vorsänger, weshalb es möglich erscheint, dass Abraham Elias in Monheim dem Vorbild seines Seden folgte und ebenfalls eine private Gebetsstube unterhielt.

Air view of Bavarian Swabian town of Monheim from a poster with the distinctive town hall (former house of Abraham Model), along the main street some twenty other houses were in Jewish possession until 1741

Die Models in Ansbach hatten in Elkan Frankel, seines Zeichens Vorsitzender der Gemeinde in Fürth und zugleich auch einflussreicher Hoffaktor, einen bitteren Rivalen, der ihm 1708 vorwarf Gelder unterschlagen zu haben und Papiere zu fälschen. Dies war zumindest geeignet das Ansehen Models erheblich zu beeinträchtigen, was im geringerem Umfang auch der Fall war. Die Vergeltung erfolgte als gegen Frankel ein Prozess wegen „Gotteslästerung“ erwirkt wurde und die Models zu dessen Ungunsten aussagten. Ob sie die Klage gegen ihn initiierten, wie behauptet wurde, ist jedoch eher zweifelhaft. Wie der Nürnberger Gelehrte Andreas Würfel 1754 in seiner zweiteiligen in Prag gedruckten „Historischen Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth“ schrieb, hatte „Der Rabbi … eigenhändig ein Buch von Geister- und anderen Beschwörungen, Segenssprüchen und Lästerungen wider das Christentum zusammengeschrieben. Nachdem er eine Zeitlang in Ansbach im Gefängnis saß, wurde er 1713 … von dort nach Schwabach zum ewigen Gefängnis gebracht.“ Frankel wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, kam aber nach etwa zehn Jahren frei. Trotzdem es also den Model in Ansbach gelang, den Rivalen auszuschalten, konnten sie ihre eigene Stellung nicht wider erlangen, weshalb Abraham Elias 1712 nun Ansbach verlassen hatte und nach Monheim gekommen war. 1741 musste er wie die anderen Juden Monheim verlassen. 1760 starb er alt und krank und mit nur noch geringem finanziellem Vermögen in Harburg.

babbling brook in Swabian Monheim

Old Jewish houses in Swabian town of Harburg with Harburg castle uphill

Heute erinnert kaum noch etwas an die vielfältige jüdische Geschichte vor Ort. Erhalten und in den letzten Jahrzehnten renoviert sind jedoch die Stuckdecken im zweiten Stock des Gebäudes, das Abraham Model einst erbaut hatte und das lange Zeit als Schulhaus diente. Zu sehen sind biblische Szenen, etwa König David beim Harfenspiel oder Moses mit den Tafeln des Bundes, Abraham der bereit ist seinen gebundenen Sohn Isaak zu opfern oder Jakob der von der Himmelsleiter träumt.

* * *

Eine nur aus Text bestehende Widmungsinschrift legt doch die Vermutung nahe, dass sich unterhalb der Decken um einen Festsaal handelte, der ansonsten gelegentlich wohl auch wegen seiner Ruhe aufgesucht wurde.

אנא אב הרחמים מלכנו

בית זה שבניתי יהי לשמחתינו

רוח המקום יהי נוחה הימנו

השקט ושלוה לבלות בטוב ימינו

מהר בא אלי’ עם בן דוד גואלנו

Die Initialen der fünf Zeilen ergeben von oben nach unten gelesen den Namen Abraham und würdigen so den Erbauer des Hauses, der nun den barmherzigen Vater, unseren König bittet, dass das Haus dass er baute, uns zur Freude werde und die Stimmung des Ortes ihm gefallen möge und wir unsere Tage dort ruhig und friedlich verbringen. Schließlich: „Schnell komme Eli(ahu) mit dem Sohn Davids unserem Erlöser“. Die apostrophierten Buchstaben der Schlusszeile summieren sich als Zahlen gelesen auf den Zahlenwert 484, was als Datum das Jahr 5484 ergibt, bzw. das Jahr 1724 im christlichen Kalender. Wahrscheinlich bezieht sich dies auf die Fertigstellung der Deckengestaltung oder Innenausstattung, da das Haus selbst in den Jahren 1714 bis 1720 erbaut worden sein soll.

Ein weiteres Ornament mit einem aus Buchstaben gebildeten fünfzackigen Stern und einem „שי“ in dessen Mitte, das wegen seiner eigenwilligen Schreibweisen und Kürzeln, sowie überlappender Texte in den Zeilen, unterhalb davon stehend nicht ganz leicht zu entziffern ist. Der Beginn des Textes ist sinngemäß an der absteigenden Zacke links des „שי“ (welches wohl für den Gottesnamen „שדי“ Schadai steht) zu vermuten und eröffnet mit der Feststellung עץ חיים נתונה בירח השלי dem im dritten Mond (Monat) gegebenen Baum des Lebens, als welche das ספר התורה „Buch der Tora“ wie allgemein üblich auch hier bezeichnet wird und von der der Schreiber sagt, dass er sie liebt את שאהב. Es folgt die Hoffnung, dass Gott dies kleine Heiligtum (מקדש) etwas gefallen möge und der Hinweis darauf, dass rechtschaffene Frauen dies erbrachten (נשים צדקניות מביא זה), womit wahrscheinlich Spenden und Sammlungen gemeint waren. Zuletzt folgt die abgekürzte Bitte, dass Gott sein Volk (עמו) erretten möge im sechsten Jahrtausend der Zählung (ספרתי לאלף הש), welches nach christlichem Kalender im Jahr 1240 begann und welches demgemäß im Herbst des Jahres 2240 endet. Aus der anderen Inschrift ergibt sich das Datum 5484 für die Datierung der Hoffnung. Heute schreiben wir das Jahr 5772 und es herrscht Übereinkunft darüber, dass der erwartete Erlöser noch immer nicht erschienen ist. Doch noch bleibt einige Zeit, um den Wunsch den auch das Haus Model in Monheim teilte, sich erfüllen möge.

Wie sich aus der Widmung ergibt, haben die Frauen der jüdischen Gemeinde Monheims für die Ausstattung zumindest der Decke gespendet. Daraus ergibt sich mit einer gewissen Logik, dass zumindest jene Räume doch nicht nur Privaträume des Hausbesitzers waren, sondern auch für die Gemeinde genutzt wurden. Warum sonst hätten die anderen Frauen der Gemeinde dafür spenden wollen?

Wie dem auch sei drückt die Wortwahl eine gewisse Skepsis des Bauherrn aus, der zwar auf Ruhe und Frieden hofft, zugleich aber um Beistand betet und das Kommen des Messias ersehnt, der hier sein Volk erretten möge.

Es folgen nun bildliche Darstellungen mit Szenen aus dem ersten Buch der Tora, die mit effektvoll verkürzten Aussagen aus dem Buch ausgestattet sind.

Beginnen wir mit Abraham, mit dem sich der Bauherr Abraham Model wohl verbunden sah, verließ er doch wie das Vorbild der Tora seine Heimatstadt Ansbach, um in Monheim eine neue Zukunft zu errichten. Die ohne Zweifel auch durch christliche Auffassungen beeinflusste Darstellung zeigt einen Turban tragenden Abraham mit flatternden Umhang und über seinen kleinen gebundenen Sohn Isaak erhobenen Schwert, dem scheinbar aus den Wolken heraus ein geflügelter Engel etwas zuruft.

ויקרא אליו מלאך הש’ם

אל תשלח ידך אל הנער

כי ברך אברכך

„Der Engel (eigentlich: Arbeiter)  Gottes rief: Stich nicht mit deiner Hand in den Burschen, denn ich segne dich“ (ספר בראשית כב  – יא’, יב’,  יז, Genesis 22.11, 12, 17)

Es folgt die Darstellung des Isaak, der nun im Beisein seiner Frau Rebecka (רבקה) unter einem Baldachin sitzend seinen Sohn Jakob segnet. Der Text dazu zitiert aus Genesis 27.29:

 הוה גביר לאחיך

ומברכיך ברוך

„Sei der Herr über deine Brüder, und wer dich segne ist gesegnet.“  (ספר בראשית כז’ כט)

Schließlich zeigt eine weitere Abbildung noch Jakob und dessen Traum von der Himmelsleiter mit ab- und aufsteigenden „Engeln“.

Oberhalb der Szene ist zu lesen: והנה י’י נצב עלין ויאמר (Über ihm war Gott und sprach)

והנה אנכי עמך ושמרתיך בכל-אשר תלך

מה נורה המקום הזה

Hier bin ich mit dir und werde dich schützen wo immer du gehst“, „Was für erschreckender Ort ist dieser?“ (Zitate aus Genesis 28.13, 15 und 17; ספר בראשית כ’ח)

Die Aussage מה נורה המקום הזה geht in der Darstellung von Jakob hervor und ist vorstellbar auch in gewisser Weise auf Monheim „gemünzt“.

Ursprünglich befanden sich im nun abgeteilten Raum, der als Sitzungssaal des Rathauses genutzt wird, noch zwei weitere Darstellungen, eine die König David mit einer Harfe zeigt, eine andere mit Mosche und den Tafeln des Ewigen Bundes.

(David and Moses: wikipedia)

Die Abbildungen des wahrscheinlichen Festsaals im Hause von Abraham Model im schwäbischen Monheim ist so gesehen als eine Art Kurzzusammenfassung von Geschichten der Tora zu verstehen und versammelt die drei Stammväter zusammen mit Moses und König David.

Bliebe am Rande die Frage, ob bildliche Darstellungen dieser Art das Gebot der Tora verletzen? Die Instruktion lautet eindeutig לא תעשה־לך פסל – mache dir kein „Bild“, wobei weniger eindeutig ist, was genau dies heißen mag. Weniger problematisch ist das hebräische Wort פסל (fessel), welches benutzt wird um ein plastische Statue oder Skulptur, also ein räumliches Standbild zu bezeichnen. Demnach würde lediglich eine dreidimensionale Darstellung das Verbot der Tora brechen, nicht jedoch eine Zeichnung. Allerdings ist zumindest nach heutigem Sprachgebrauch die folgende Formulierung etwas zweideutig, da es nun in der Fortsetzung des Textes heißt:

 לא תעשה־לך פסל וכל־תמונה אשר בשמים ממעל ואשר בארץ מתחת ואשר במים מתחת לארץ

(„Mach dir kein Standbild und jegliche Abbildung von etwas was oben im Himmel ist und was unten auf der Erde ist und was unterhalb der Erde ist.“ Exodus 20.4 ספר שמות)

Versteht man die Aussage כל־תמונה als jegliche Abbildung – und komplizierter Weise legt der heutige Sprachgebrauch von תמונה, worunter man ein gewöhnliches Bild, aber auch eine Photographie verstehen kann – ein solche Deutung scheinbar nahe – wäre jede Art der Abbildung faktisch durch die Tora verboten. Das könnte natürlich gemeint sein, ist es aber nicht, wie schon aus dem Umstand hervor geht, dass Gott selbst für den Bau der sog. „Bundeslade“  (ארון הברית, wörtlich eher Kiste oder Kasten) die Darstellung von goldenen כרובים Chruwim fordert, welche als geflügelte Wesen erwähnt werden, wobei unklar ist, ob sie einen tier- oder menschenähnlichen Körper hatten, wie es aus im antiken Orient von Ägypten bis Persien in populären Darstellungen zeigten. כל־תמונה meint demnach sinngemäß „jegliche Darstellung“ und zwar, wie zuvor erwähnt als Standbild oder Statue (fessel). Dementsprechend sind Abbildungen wie im Festsaal des Hauses von Abraham Model in Monheim auch kein Verstoß gegen das Verbot der Tora, da es sich dabei nicht um Standbilder handelt, wie etwa bei Brunnen- oder „Heiligenfiguren“.

Die Decken wurden 1978 und nochmals 1994 restauriert und sind in den gewählten zarten Pastellfarben zumindest nicht aufdringlich und könnten durchaus dem originalen Zustand nahekommen.

Unser ausdrücklicher Dank gilt Ralf Rossmeisl für die Empfehlung und Herrn Mayer für die ausgesprochen freundliche Führung im Haus.

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Monheim in the Ries region of Bavarian Swabia is a small town with less than 5000 inhabitants today (although nine other villages were incorporated). Although its coats of arms (a crescent and a star) is the same as the seal of the Jewish community of Regensburg only from 1697 until 1741 there are known reports from the existence of a Jewish community, which comprised of twenty houses and more than 150 people. Among the residents also was Abraham Model (ca. 1685-1760) , an offspring of Simon Ulmo-Ginzburg and from a rich and influential family of scholars and court Jews in Franconian Ansbach, near Rothenburg ob der Tauber. At the marketplace Abraham from 1714 to 1720 built a grand three-story house which after the expulsion from the Jews in Monheim in 1741 for a longer time was used as school house and today is the town hall of Monheim and the administration of the incorporated villages. Today only an artfully stuccoed ceiling with depictions from the Tora which show Abraham, Isaac, Jacob, Rebecca, Moses and King David along with Hebrew quotations and inscriptions, remind of few but formative decades of Jewish life in the very center of Swabian Monheim.

מאָנהעים אין סוואַביש טייל פון באַוואַריאַ צווישן דאָנאַווערט און פּאַפּפּענהעים איז אַ קליין שטאָט מיט אַ ייִדיש געשיכטע

דער בעסטער בייַשפּיל פֿאַר עס איז די שטאָט זאַל פון מאָנהעים וואָס 300 יאר צוריק איז געווען געבויט דורך רבי אברהם בן אליהו מאָדל אַ אָפּשטאַמלינג פון רבי שמעון בן אליעזר אולמו גינצבורג

אברהם מאָדל אין זיין נייַע הויז האט מעבלירט אַ עסצימער פֿאַר סימכע און בייַ די פּלאַפאָנד פון דעם זאַל ער האט בילדער פון אברהם, יצחק, יעקבֿ, דוד המלך און משה רבנו צוזאַמען מיט פילע ציטטה פון די תורה

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general sources and recommended reading:

Cabinetsfactor Abraham Elias Model – Glanz und Elend einer hervorragenden jüdischen Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, recherchiert und erzählt von Rolf Hofmann

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Bayern/ABRAHAM-ELIAS-MODEL.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Monheim_Town_Hall

http://www.monheim-bayern.de/

Monheim – Kleine Stadt mit großer Vergangenheit, herausgegeben zur Feier der Stadterhebung vor 650 Jahren, Monheim 1990

Falk Wiesemann, „Model“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 595 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz51759501.html

Mordechai Model Oettingen und seine Kinder, in: Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 42, 1898, S. 557 ff.

חלוקי תע אבניםר׳ מרדכי מאדעל איטינגען מווינא

יש מנחילין –  רבי פנחס קאצנלנבויגן

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Burgau revisited

April 19, 2012

Burgau und die nach ihm benannte Markgrafschaft im heutigen bayerischen Schwaben war von etwa von 1300 bis 1800 für ein halbes Jahrtausend österreichisches Gebiet. Wenngleich nicht immer ein zusammenhängendes Territorium und zeitweilig eher eine Art Fleckenteppich, war es doch ein politisch und kulturell zusammenhängendes und funktionierendes Teil der österreichischen Monarchie.

Der Name Burgau wird wohl treffend als Burg-Au gedeutet, denn um die Mitte des 12. Jahrhunderts werden in Augsburg erstmals „Herren von Burgau“ erwähnt. Im Jahre 1212 werden deren Nachkommen zu Markgrafen ernannt und in der Folge orientierten sich die Burgauer wohl bereits an den Habsburgern, die bald versuchten die schwäbischen Gebiete für ihr Reich zu sichern.

Als 1324 zur erfolglosen Belagerung durch Soldaten des Wittelsbacher Kaisers Ludwig Bayer. 1418 verhinderten Augsburg und Ulm einen Verkauf der Gebiete an Bayern, da man in den Reichsstädten um die eigene Unabhängigkeit fürchtete und deshalb – später auch unter dem Einfluss der Fugger – eher den Vorderösterreichern zugeneigt war.

Mit dem 30jährigen Krieg endete die Herrschaft in Burgau, dessen letzter Markgraf Karl 1618 verstarb. Als Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich und der nicht standesgemäßen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) war Karl nicht voll erbberechtigt. Der Markgraf und seine Frau waren bei ihren Untertanen nur mäßig beliebt, da sie ihre beargwöhnte Verbindung mit religiösem Eifer kompensieren wollten. 1516 führte dies zu einem Bierverbot in Burgau und im Jahr darauf zur Ausweisung der Juden (unter den auch Brauer waren). 1518 starb er sodann und wurde hernach in Günzburg bestattet, wo er ziemlich verschwenderisch mit seiner Frau gelebt hatte. Die Markgrafschaft wurde sodann von den Habsburgern in Tirol regiert und von ihnen in Günzburg ein Landvogt eingesetzt. Um 1805 gingen die Gebiete der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau an Bayern. Heute hat Burgau etwa 9000 Einwohner, wovon 7000 am Ort selbst leben, der natürlich über die mittelalterliche Stadt hinausreicht. Seit einigen Jahren ist die Bevölkerungszahl rückläufig.

Altes Rathaus von Burgau

Die jüdische Geschichte in Burgau ist in erster Linie mit Schimon ben Elieser Ulmo (1506-1585) verknüpft, der in Günzburg geboren wurde, in Burgau aufwuchs, dort Rabbiner und Leiter eines talmudischen Lehrhauses war und nach seinem Tod auch begraben wurde. Er war ein großer namhafter Gelehrter, kaiserlicher Hoffaktor, ein großer Mäzen und Autor gelehriger Bücher in taitscher Sprache. Sein Vorfahr Falk Lemlin (1390-1465) hatte 1438 Augsburg verlassen müssen und ging nach Ulm. Der Lehrer seiner Kindheit in Burgau war Rabbi Jona, der Sohn von Jakob ben Jehuda Weil, der letzte überregional bedeutsame Gelehrte  Augsburgs, der die Stadt 1438 als einer der ersten verließ und schließlich nach Erfurt ging. Auf seinen Schriften fussen die heutigen Verodnungen der Schechita.

 

Ausschnitt aus Simon Ulmo’s taitscher Erklärung hebräischer und aramäischer Redensarten aus Mischna und Talmud

 

Aus dem Jahr 1470 ist in einer Urkunde in Graz Salomon von Burgau mit weiteren Juden von Ulm wegen Geldleihen an einen christlichen Kleriker erwähnt, wobei es sich wohl um einen Verwandten Simons handelt. 1587 verfügt die Markgrafschaft, dass Juden den Christen rechtlich gleichgestellt seien. 1593 erhält Lemle von Burgau (ein Sohn von Simon) von Freiherr Ferdinand von Grafeneck das Schloss und Dorf Hasenweiler bei Ravensburg, da dieser eine Schuld über 3500 Gulden nicht bezahlen konnte. Es folgten jedoch über Jahre andauernde Rechtstreitigkeiten, ehe Dorf und Schloss für 16.000 Gulden an das Kloster Weingarten verkauft und Lemle ausbezahlt wurde.

Ende Dezember 1596 klagten christliche Bewohner in Burgau über die Burgauer Juden, da diese wegen ihrer Feiertage keine Rücksicht auf die christlichen Feiertage nehmen würden und zudem offenbar auch verlangten, dass ihre christlichen Bediensteten an diesen Tagen für sie arbeiteten. Dies wurde am Ort wohl als Verspottung der „wahren“ christlichen Religion durch die „verdammten“ Juden aufgefasst. Als Rabbiner in jener Zeit ist in den Raittungen (Rechnungen) von Burgau „Leo Jude, Lehrmeister“ notiert. Gemeint ist Jehuda Schmuel (1538-1604), Sohn des Simon Ulmo-Günzburg, der mit Frau und Sohn verschiedentlich genannt wird, 1599 etwa „Leo Jud, Lehrmaister und sein Sohn Itzig Jud der Jung Lehrmaister und Schulklopfer“. 1602 heißt es statt „Leo“ (sowohl Lew als auch Leo dienten häufiger als Umschreibungen des Namens Juda) nun „Leb, Itzig Jude, Lehrmaister und sein Mueter“. Itzig kennen wir aus hebräischen Quellen als Itzchak ben Jehuda Schmuel Ulmo (1570-1618) . Seine Frau wird in der Liste ab 1619 folgerichtig als „Itzig Jüdin, Lehrmaisters Witib“, also als Witwe des Lehrmeisters Isaak verzeichnet.

Im Jahr 1617 veranlassten Markgraf Karl und seine fromme Frau Philippine aus dem Haus der Augsburger Patrizier Welser, das im Jahr 1614 seinen „Falliment“ erklärte, d.h. pleite war , die „Ausschaffung“ der Juden aus Burgau. Ob es wirklich zum Weggang der Juden führte ist unklar. Möglicherweise verließen die Burgauer Juden, die gerade den frühen Tod ihres Rabbiners zu beklagen hatten, den Ort unterhalb der Burg tatsächlich kurzfristig, um vielleicht in Scheppach oder Günzburg Unterschlupf zu finden. Spätestens nach dem Tod des letzten Markgrafen kehrten sie jedoch wieder zurück, weshalb wir ab 1619 sodann auch die Witwe des Rabbiners als Steuerzahlerin finden. Von 1622 bis 1631 wirkte sodann David, der Sohn des Isaak als Rabbiner, dessen Bruder Abraham siedelte sich in Pfersee an. Eine Rechnung aus selber Zeit über verlangte Abgaben für Stadtwächter aber auch für Kriegskosten an die Burgauer Juden in Höhe von stattlichen 200 Gulden. 1611 belief sich die jährliche Höhe der jüdischen „Sitzgelder“ auf rund 185 Gulden. Die Wächter wurden offenbar auch zur Abwehr der Infektion benötigt, an der viele Einwohner erkrankt waren und starben. Die Pest wird häufig als Argument gebraucht, um die Ausweisung der Juden aus Burgau zu begründen, doch wurde diese bereits 1617 angeordnet und bleib offensichtlich folgenlos. Als 1631 aber bereits schwedische Truppen immer tiefer nach Deutschland vordringen klagen nun die Juden in Burgau in Augsburg gegen den Burgauer Stadtprediger Kaspar, da dieser einigen Aufruhr erhebt, vor der Synagoge und dem Lehrhaus randaliert und Verleumdungen verbreitet oder auswärtigen jüdischen Händlern nachgeht und gegen sie mitunter handgreiflich wird. Einen Juden aus Steppach, wo wie in Pfersee Söhne und Enkel der Ulmo vor Jahrzehnten ausgesiedelt waren, habe er so mit einem Stecken angegriffen, usw. Mit dem weiteren Vormarsch der Schweden hatten Burgau wie auch der Dorfprediger im Folgejahr jedoch ganz andere Sorgen. Auch die jüdische Geschichte in Burgau endet mit den weitgehenden Zerstörung des Ortes.

Doch aus dem Jahr 1653 ist in Burgau der Jude Josef notiert, der gegen Wilhelm Konrad Schenck von Stauffenberg klagt, da dieser offenbar seine Schulden nicht bezahlen konnte. Da er als Josef von Burgau bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er tatsächlich am Ort lebte. 1665 wird über die Wiederansiedlung von Juden in Burgau verhandelt. Die Rede ist „wie von alters her“ von acht oder neun Familien. Christliche Prediger vor Ort sind anderer Ansicht und sprechen davon, dass sie „solches Ungeziefer“ nicht wieder haben wollten. Offenbar wurde dem Begehren zumindest einiger Juden trotzdem nachgegeben, da sich im Dezember 1668 der aus Pfersee stammende Jude Hertzog  in Burgau meldet und darauf hinweist, dass vor dem großen Krieg (wohl 1631) sein Großvater die Judenschule „auf eigene Kosten und zur Ehre Gottes und ihm zu Nutze und Heil habe erbauen lassen“, weshalb er nun darum bat, dass man ihn nun doch bitte nicht abweisen möge deswegen. Es ist zu vermuten, dass es sich bei jenem Hertzog (oder Hitzig) um Isaak, den Sohn des letzten Rabbiners David Ulmo handelte. Ob es ihm gelang das Gebäude in der heutigen Stadtstraße, dass den Krieg wohl wenigstens teilweise überstanden haben muss, wieder erlangte ist nicht bekannt, muss aber bezweifelt werden, da es in der Folgezeit nur noch spärliche einzelnen Nachrichten über Juden in Burgau gibt. Dabei handelt es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lediglich um Bestimmungen für auswärtige jüdische Händler, die an jenen Tagen und Stunden am Markt sein dürfen.

Die vielleicht größte Anzahl von Burgau folgte dann aber wohl erst rund 275 Jahre nach dem Ersuchen von Isak Ulmo aus Steppach, als nämlich von 1944 bis 1945 für die Dauer etwa eines Jahres in Burgau ein Arbeitslager errichtet wurde, in welchem jüdische Zwangsarbeiter, die aus Osteuropa verschleppt wurden (während im Gegenzug schwäbische Juden nach Polen deportierte) für Messerschmidt im sog. „Kuno Werk“ im Scheppacher Forst Düsenjets montieren sollten. Insgesamt etwa 1100 Gefangene wurden dort unter schlechtesten Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt. Über die Anzahl der Toten gibt es keine Zahlen, jedoch wurde in einem Pressebericht anlässlich der Errichtung eines Gedenksteins vor einem Jahr, die Zahl von 18 namentlich bekannten Toten erwähnt. Diese sind in der Inschrift nicht aufgeführt, stattdessen ein deutsches Zitat aus dem Buch Hiob:

Wenn ich daran denke, erschrecke ich und mein Zittern ergreift meinen Leib

Und darunter: „Zum Gedenken an die Verfolgten der NS-Herrschaft. Ihr Leiden und Sterben sei uns Mahnung zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Stein erinnert an diejenigen, die im Burgauer KZ-Außenlager gelitten haben.“

Dass es sich bei den Gefangenen um Juden handelte, war den Verfassern so wenig Notiz wert, wie auch sonst in Burgau eigentlich nichts mehr an die lange über zweihundertjährige jüdische Geschichte erinnert.

Am 23. April 1945 bombardierten US-Flieger siebzig startklare Messerschmitt Jets und das Werk entlang der heutigen Karlsbader Str. im Süden der Stadt. Im Norden hingegen befindet sich der jüdische Friedhof von Burgau, nördlich der Eichenstraße. Grabsteine sind keine mehr erhalten und der Platz selbst längst nicht mehr ummauert. Die Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

* * *

Burgau today is a small town with some 9000 inhabitants but it has a rich history with a number of quite interesting Jewish aspects. For the period of a half millennium Burgau was capital and eponymous for the Austrian forelands of Margravate Burgau which reached from Ulm to Augsburg.

Simon ben Elieser Ulmo Günzburg (1506-1585) one of the most important scholars of his times lived in Burgau where he was a rabbi and head of a prominent yeshiva. His Jewish-German collections of sayings of course were inspired by the language of the region. Until 1631 there was a Jewish community in Burgau, which also had an own cemetery. The year after the Thirty years War (1618-1648) afflicted the town and region. In the following decades and century there are only scarce notes on Jews in the town. About 1668 Isaac from Pfersee, offspring of the former Burgau builder of the new synagogue for a last time tried to return to the heritage, but obviously failed. Christian preachers had warned against “such vermins”.

275 years alter however, when Burgau had some 3000 inhabitants in the south of the town there was the Burgau satellite concentration camp “Kuno Werke” with some 1100 Jewish prisoners abducted in Hungary and Poland, who were forced to assemble Messerschmitt jet fighters. The number of victims is not known, but last April a monument with a quote from the Book of Job was erected in order to commemorate this part of the past. However nothing reminds of the history of the almost three centuries long Jewish community of Burgau. The old Jewish cemetery north of Burgau’s Eichenstr. has no markers left and no fence or wall. It just is an arable field, dugged up for generations.

The (hand)writing on the pavement cobble says that “Burgau is older than Munich“, whatever this information does amount to. Actually Burgau is first mentioned in an Augsburg deed in 1147, Munich in 1158 (“Augsburger Schied”)

כבש הזהב של בורגאו


Über Juden im schwäbischen Leipheim

December 11, 2011

Die Anfänge der Besiedelung Leipheims gehen der Legende nach ins 6. Jahrhundert zurück, werden aber erst etwas konkreter, als im späten 11. Jahrhundert, um einen Beobachtungsturm auf dem Berg Conus eine „veste Ritterburg“ erbaut wurde, über die jedoch nicht viel bekannt ist. Im letzten Viertel des 13. Jahrhundert ist ein Heinrich Güssen als Lehnsmann des Augsburger Bischofs Hartmann und Herr der Güssenburg zu Leipheim nachweisbar, dessen Söhne Diepold und Gerwich im Gefolge burgauischen Markgrafen auftreten. Der Stammsitz der Güssen war in Hermaringen (dem Geburtsort von Georg Elser, der 1939 in München den Nazi-Führer Hitler mittels eines Bombenanschlags töten wollte) bei Heidenheim.

Am Fuße der Burg entstand während der Herrschaft der Familie der Güssen eine kleine Ansiedlung. 1326 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer den Brüdern Diepold und Gerwich das Recht die ortsansässigen Juden zu besteuern, was der Erteilung des Marktrechts für ihr Dorf entspricht. Die Entstehung des damals gewiss sehr kleinen Ortes ist demzufolge unmittelbar mit der Präsenz von Juden verknüpft, die nun als Steuerzahler zum weiteren Aufstieg des Ortes beitragen. Schon im Jahr darauf genehmigt der Kaiser den Leipheimern das Recht einen Wochenmarkt abzuhalten und die Freiheiten der Stadt Ulm, wozu auch „Stock und Galgen“, also eine eigene Gerichtsbarkeit gehören. Leipheim wuchs weiter und erhielt bereits 1330 das Stadtrecht verliehen und wurde mit Toren und Mauern befestigt, deren etwa ein Kilometer langer Verlauf heute noch zum größeren Teil erhalten ist. Im Jahr 1374 jedoch trennten sich die Erben der Güssen von ihrem Besitz und verkauften die Burg zusammen mit der Stadt an den Grafen Eberhard von Württemberg (1315-1392). 1449 wurde Leipheim von Augsburger Truppen belagert und eingenommen. 1453 gelangte der Ort in Besitz der Reichsstadt Ulm und als dort im Jahre 1499 die jüdische Gemeinde endete, dauerte es nur weitere vier Jahre, bis 1503 auch die beinahe zweieinhalb Jahrhunderte währende Geschichte der Juden in Leipheim zu Ende ging. Wie die Ulmer Juden zog es auch die Leipheimer ins nur weniger Kilometer östlich gelegene Günzburg, zu welchem es bereits enge Beziehungen und familiäre Bindungen gab. Leipheim hingegen stagnierte in seiner weiteren Entwicklungen. Nur etwa zwanzig Jahre erlangte der „Leipheimer Haufen“ traurige Berühmtheit, als Kramer gemäß, im Bauernkrieg etwa „6000 aufrührerische Bauern umkamen; jedes Haus in den hierauf geplünderten beiden Städten Leipheim und Günzburg, in welchen sich die rebellischen Bauern verteidigt hatten, musste 6 Gulden Kriegs-Kontribution entrichten, die Rädelsführer wurden aber geköpft oder gehangen. Seit 1974 nennt sich in der Stadt eigenartiger weise ein Faschingsverein „Leipheimer Haufen“, was kaum einem Andenken der damals europaweiten und vor den Toren des Ortes recht dramatischen Geschehen gerecht wird, aber das muss man wahrscheinlich nicht so ernst nehmen. Das heutige Leipheimer Schloss geht auf die Zeit um 1560 zurück, jedoch wurde es wie die Stadt 1634 im Zuge des Krieges niedergebrannt. 1725 notiert ein örtlicher Pfarrer, dass 1500 Menschen am Ort leben. Daran hat sich weiter nichts geändert, als im Jahre 1841 Georg Friedrich Kramer im „Statistischen Handbuch für den Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg“ (s. 88 f.) notiert, dass Leipheim 256 Häuser, 400 Familien und zusammen 1522 Einwohner hat. 1853 wurde Leipheim an das Eisenbahnnetz der Linie Augsburg-Ulm angeschlossen, doch von diesem Fortschritt hat der Ort aber offenbar nicht profitiert. Hermann Julius Meyer notiert für das Jahr 1859 in seinem „Neuem Conversations-Lexikon für alle Stände“ nur noch 1450 Einwohner.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs entstand bei Leipheim ein Lager für jüdische Überlebende der  Nazi-Verfolgung, im Zynismus – Jargon „Displaced Persons“ genannt. Es bestand bis 1950 und umfasste zeitweilig etwa 3000 Insassen. In der Stadt selbst wurden zeitgleich etwa tausend deutsche Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen und integriert. Heute leben etwa 6000 Menschen in der erweiterten Stadt.

(3 star family coat of arms of Pfersee Ulmo at Pfersee/Kriegshaber Jewish cemetery)

Am bemerkenswertesten für die jüdische Geschichte in der Region an Leipheim ist zweifelsfrei der Umstand, dass das Familienwappen der Güssen mit drei sechszackigen David-Sternen in einem Schrägbalken sich als Stadtwappen erhalten hat. Das selbe Emblem ist bekanntlich auch das Familienwappen der jüdischen Ulmo-Günzburg – Familie geworden, welches insbesondere durch die durch die Mitglieder der Pferseer Ulmo Berühmtheit erlangte. Am gemeinsamen Friedhof der jüdischen Gemeinden von Pfersee, Kriegshaber und Steppach waren vor dem Nazi-Regime noch mehr als 50 Grabsteine mit dem bekannten Familienwappens vorhanden.

(Wappen von Leipheim mit bereits etwas versetzten sechszackigen David-Sternen; Leipheim coat of arms)

Die heutigen Leipheimer scheinen mit ihrem alten Stadtwappen neuerdings Probleme zu haben und bemühen sich darum, mittels eines schwarzen Ausrufezeichens in einem rotem Kreis als neuem Emblem ein neues, anderes Image zu geben. Jedoch ist die eigenartig phantasielose Kreation wohl aus gutem Grund noch nicht auf den Ortseinfahrten zu sehen, wäre sie doch relativ leicht mit bekannteren Verkehrsschildern zu verwechseln. Etwa mit dem Schild für Gefahren, welches gleichfalls ein schwarzes Ausrufezeichen zeigt, aber von einem rot umrandeten Dreieck umgeben ist. Da Schilder mit einem rotem Kreisrand allgemein hingegen nicht Gefahren, sondern Verbote anzeigen, kann man sich die wahrscheinliche Bedeutung des neuen Leipheimer Emblems irgendwo im Bereich zwischen „Gefahrenwarnung“ und „Verbot“ vorstellen, was vielleicht auch den baufälligen Zustand zahlreicher Häuser im alten Ortskern erklären könnte.

The history of the Jews in Leipheim goes back to the early beginnings of the village which developed around the year 1300 at the foot of the Conus hill, where was a small knight’s castle. Under the rule of the Guessen family, whose coats of arms has three six-pointed stars in a slope, Leipheim in 1326 by Emperor Ludwig the Bavarian was granted to collect the taxes by the Jews in the village, a right which actually came up to have own market rights. In 1330 the emperor vested town privileges to Guessen owned Leipheim. Further development of Leipheim stagnated when in 1503 the Jews were expelled from there. As many Jews from Ulm, expelled from there a couple of years ago, many moved to Günzburg, which is just about three miles east of Leipheim. Ulm, Leipheim and Günzburg combines the roots of the famous and widespread Ulmo-Günzburg family (Ulman, Ulma, Ulmo, Gunz, Ginsburg, Gainsbourg, etc.), while the small town today is known by US cyclist Lei Leipheimer (bronze medal winner at Beijing 2008 Olympic Games).

In recent times Leipheim tries to replace its venerable 3 star emblem by an awkward and trite symbol which depicts a red circled black exclamation mark. It reminds of the German traffic sign for danger spots (which has a black exclamation mark in a red edged triangle, while red circled signs in Germany in general are prohibition signs). So in order not to confuse visitors it is recommendable not to mount it at the towns gateways.

לייפהיים היא עיירה קטנה ליד גינזבורג, לא רחוק מאולם בדרום גרמניה. ההיסטוריה של לייפהיים מחובר להתיישבות יהודים. את 1326 לשנה הבעלים של לייפהיים הורשו לגבות מסים מן היהודים בכפר קטן שלהם. בשנה שלאחר מכן היה להם את הזכות להיות בעל שוק משלו ב 1330 לייפהיים הפך את זכויותיהם של עיר

 עד 1503 חיו יהודים לייפהיים ומשם הוא עבר גינזבורג השכנות
 לייפהיים יש שלושה מגינים דוד * * * סמל של  – משפחת אולמא גינזבורג

 

 

 


Keine Kokosnuss am Jüdischen Friedhof

March 27, 2009

Der Ausdruck “wie ein Affe am Schleifstein” besagt, dass man unbequem sitzt oder lächerlich aussieht, analog dazu kann man sich “zum Affen machen”, also sich lächerlich machen. Schleifsteine gibt es am Friedhof auch nicht, nur Grabsteine, merklich abgeschliffen zwar von Wind, Wetter und Vandalismus  … aber wenn einem nun der Affe laust, weil man inmitten dichten Gestrüpps und Bäumen, weit entfernt von den Mauern zwischen barocken Ulmo-Grabsteinen am jüdischen Friedhof das Notenblatt eines wahrscheinlich lustigen Affenliedes findet (wohl stammt es aus einer benachbarten Schule?), dann ist man   “verwundert”. Nicht im Sinne eines “Wunders”, sondern weil es “wunderlich”, sprich seltsam, ist.

Dort heißt es:

Die Affen rasen durch den Wald, den Grund verstehen alle bald. Die ganze Affenbande brüllt:

Wo ist die Kokosnuss, wo ist die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss geklaut.”

 

Das ist nichts, was man überbewerten kann, sondern nur ein weiteres Beispiel für das anhaltende Possenspiel am Begräbnisplatz historischer Rabbiner. Gewiss findet sich ähnliches auch auf christlichen Friedhöfen in Augsburg oder?

Wie auch immer: Die schlechte Nachricht ist, es wachsen keinerlei Kokosnüsse am Jüdischen Friedhof und kein Mitglied der berühmten Ulmo Famile wurde jemals verdächtigt eine Kokosnuss geklaut zu haben. Sie waren auch keine Affen und wir lassen sie auch nicht zu welchen machen.

 

where-is-the-coconut

NO COCONUTS AT THE JEWISH CEMETERY

Sich zum Affen machen”, in German means “to play the clown” (or: fool), likely because in German monkeys are regarded as fools or vice versa. It is ridiculous and absurd, if you will find between scrubs and trees a sheet of music with the text of a somewhat funny German monkey song – likely from a neighboring school.

“The monkeys raving in the wood the reason why’s soon understood

The whole caboodle lows:

 

 

 

 Where is the coconut, where is the coconut, who has nicked the coconut ..?”

 

No one will overvalue this of course – it’s just another example of the local antics played at the resting places of historical Rabbis. Sure you will find this also at Christian graveyards in Augsburg, or ..?

Anyway, the bad news is, there are no coconuts growing at the Jewish cemetery and no member of the renowned Ulmo family ever was suspected of having nicked a coconut. They of course were neither apelike nor fools.

 

 

 

 


“Jüdische Familien aus Pfersee und Kriegshaber”

October 2, 2008

 Vortrag:

„Grabsteine erzählen Orts- und Familiengeschichten“

Geschichten berühmter schwäbischer jüdischer Familien aus Pfersee, Kriegshaber und Augsburg und ihrer Nachkommen

Dienstag 28.10.08, 19.30 Uhr

Kath. Thaddäus-Zentrum

St. Wolfhard-Haus Madisonstr. 12