Augsburg: Aus einem Brunnen in den anderen

May 7, 2014

Aus einem Brunnen in den anderen fallen, heißt so viel wie “von einer Not in die nächste geraten”, oder wässrig gesprochen “vom Regen in die Traufe”.

Augsburg als Stadt kann das nicht passieren, bewirbt sie sich ja mit dem Thema Wasser als Weltkulturerbe. Zugegeben verstehen das Konzept nicht alle Augsburger, auch weil immer mehr Brunnen in der Stadt verschwinden, jüngst erst der Brunnen am Platz vor dem Hauptbahnhof.

Augsburg Bahnhofsplatz Brunnen Demontage 2014Ende Februar demontierter Brunnen am Bahnhofplatz

Aber es gibt auch Anhaltspunkte dafür, dass Brunnen in Augsburg doch eine Zukunft haben könnten und nicht wie Bäume systematisch ausgerottet werden. Zum einem befindet sich die am Königsplatz demontierte Figur des Manzu-Brunnens nun in einen Seitenraum der IHK beim Theodor Heuss Platz:

Manzu Brunnen Figur Augsburg IHK

… zum anderen deuten Bauteile des Sockels am Anna-Platz an, dass der lange vermisste Goldschmiedebrunnen von Frau Ullmann-Bühler wieder zurückkehren könnte. Es wäre zwar nicht der Originalplatz, wie behauptet wurde, aber immerhin am Platz doch selbst und nachdem man den brunnen kurz vor dem hundersten Jahrestag seiner Errichtung am 9. November 1912/2012 vor dem damaligen Stetten Institut demontierte, wäre das schon was.

Augsburg Annaplatz Goldschmiedebrunnen Fundament Aufbau Mai 2014


Jüdischer Friedhof Augsburg Pfersee / Kriegshaber

July 22, 2011

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20302/CEM-KRI-BURIAL-REGISTER-SPATIAL.pdf

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20302/CEM-KRI-BURIAL-REGISTER-ALPHABETICAL.pdf

Auf den Seiten der oben zitierten Links der „Alemannia Judaica“ sind nun auch die Register des jüdischen Friedhofs von Kriegshaber / Pfersee veröffentlicht. Der Friedhof wurde nach allgemeiner Auffassung im Jahre 1626 eingerichtet, ist aber wahrscheinlich *etwas* älter (und umfangreicher). Die beiden Register geben den ermittelten Wissenstand zur Belegung in zweifacher Weise wieder, zum einem hinsichtlich der räumlichen Anordnung der ermittelbaren Gräber (wegen des erheblich Zerstörungsgrad nicht durchgehend der Grabsteine), zum anderen die alphabetische Ordnung der ermittelten Bestatteten. Letzteres ist freilich eher für Genealogen von Belang.

Die Listen können auf Grund des beeinträchtigten Forschungsstands nicht zuletzt auch wegen vieler eher ungünstigen aktuellen Bedingungen nur ein Ansatz sein, den Gegebenheiten auf die Spur zu kommen. Viele Fragen müssen derzeit offen bleiben, manche sind den äußeren Umständen geschuldet, andere unwiederbringlichen Zerstörungen zurückliegender Jahrzehnte. Nachfahren und versierte Forscher die einzelne oder weiterführende Erkenntnisse haben sind willkommen, ihre Einsichten und Erinnerungen beizusteuern, um das Wissen für die Allgemeinheit zu bereichern.

Da uns der historisch überaus bedeutsame Friedhof von Medinat Schwaben, der ehemaligen jüdischen heiligen Gemeinden von Pfersee, Kriegshaber, Steppach und Schlipsheim aus verschiedenen, auch familiären Gründen sehr naheliegt, sind wir seitens des JHVA auch eher ernüchtert als erfreut, nur diesen Wissensstand präsentieren zu können.  

בעזרת השם, המצב יהיה טוב יותר ביום המחר – בעזרתך, אולי

 “Eine bekannte Rede sagt, man lernt für das Leben, man lernt nicht für den Lehrer, aber auch das ist falsch verstanden. Ob du die Namen fremder Länder auswendig lernst oder Algebra, es nutzt dir nichts, wenn du auf dem Feld stehen musst, um die Ernte einzubringen vor dem Hagel. Du kannst die erfundenen Namen von fernen Sternen wissen, aber es nutzt dir nichts, wenn deine Frau im Kindbett zu sterben droht. Du kannst gelernt haben, wie man an einen Grafen einen Bittbrief schreibt, aber damit wirst du keine Seuche von deinem Vieh abhalten. In den Schulen lernen Schüler für vieles Geld viele eitle Dinge, die praktisch wenig nutzen. Es ist, als ob man einen Esel mit vielem Ballast noch mehr belädt, so dass er die wesentlichen Dinge nicht mehr tragen oder selbst nicht mehr laufen kann. Vieles lädt man den Schülern auf den Buckel, was sie nur in wenigen bestimmten Berufen benötigen und sie an den Universitäten lernen könnten. Somit fehlt nun aber die Zeit zu lehren, was für alle gleich wichtig ist, die gemeinsamen Vorzüge und Eigenheiten, die allen Menschen gelten, ob sie nun ein Geometer oder eine Magd sein mögen, dies sind die Gebote der Tora und die Schriften der Weisen. Stattdessen tritt nun an die Stelle der Tora oft der Gehorsam gegenüber dem Lehrer. Der Schüler lernt nicht mehr die Gottesfurcht, sondern die Angst vor dem Lehrer, die an die Stelle der Angst der Kinder tritt, von den Eltern verlassen zu werden. Der Schüler lernt nun sich in die Gemeinschaft der Klasse zu fügen und den Anordnungen zu folgen. Die Gemeinschaft gibt ihm den Schutz und er lernt dass er sicherer ist, wenn er keine andere Meinungen hat, aber Ärger bekommt, wenn er widerspricht. Er lernt, dass Bewahren gut und Neues schlecht ist und so entsteht in ihm das schädliche Übermaß der קבוע. Diese Erfahrung überträgt er auf seine Familie, auf seine Freunde und er wird es gut finden und verteidigen selbst wenn es offensichtlich falsch ist. Es ist wie in der Generation der Wüstenwanderung. Sie wurden befreit aus der Knechtschaft Ägyptens und bald schon sehnen sie aus Angst vor der Veränderung die Speisetöpfe der Knechtschaft zurück. Die Unterdrückung und Qual ist ihnen lieber als die Ungewissheit, was wird morgen sein?

Aus demselben Grund hat Jakobs Schwiegervater ihm das Leben schwer gemacht und ihm immer neue Aufgaben erfunden, denn er wollte keine Veränderung und seine Töchter nicht abgeben. Das erinnert an jene, die nicht mehr leben wollen, wenn ihre Frau oder ihr Mann stirbt. Wer an den Grabsteinen entlang geht, kann oft sehen, dass zwischen dem Tod von Mann und Frau nicht viel Zeit liegt. Ohne die Bindung hat ihr Leben keine Kraft mehr. Der Verlust ist unerträglich, das Leben geht an ihnen vorbei. Das lebende Wasser des Lebens, die Tora, wird fest und ihre Augen werden krank und blind. Das Wasser der Tora, ein Fluss, der Leben in alles Land bringt, steht still und wird ein Tümpel der zu stinken anfängt. Der Mensch taucht nicht mehr in die Mikwe ein, in das lebendige Wasser. Er reinigt sich nicht, sondern taucht ein in die Jauche und besudelt sich und seine Mitmenschen.

Die Angst vor der Veränderung im Leben ist die Angst vor dem Leben selbst. Sie beruht darauf, dass der Mensch sich selbst mehr liebt als HaSchem, er fürchtet seinen Verlust mehr als HaSchem, aber wir wissen aus der Thora, dass der Preis für Schutz und Gewohnheit die Freiheit der Auswahl ist.”

(Vorsitzendner R. Schimon ben Sanwil Ulmo, gest. 1720 Pfersee, aus “Über die Fixierung” / “Sechs Kapitel”)

burial registers of Pfersee / Kriegshaber Jewish Cemetery

The best is yet to come … be’esrat Hashem.


Das jüdische Waisenhaus von Fuerth

June 2, 2011

 

In einem früheren Artikel habe ich die Zwecke des hiesigen israelitischen Waisenhauses besprochen, und (es) ist noch zu ergänzen, dass die Institution unter der umsichtigen Leitung des Herrn Dr. Königshöfer steht. Die Administration hat in Anbetracht, dass das jetzige, seit der Gründung benützte Local bezüglich seiner Lage und Räumlichkeiten viele Mängel aufzuweisen hat, und dass bei demselben die zu den notwendigsten Dingen einer solchen Anstalt gehörige reine, freie Luft in Verbindung mit einem geräumigen Hofe und Garten noch im Reiche der Wünsche liegt, einen Platz zum Baue eines neuen Waisenhauses nebst Haussynagoge gekauft, so dass daselbst ein seinen Zwecken entsprechendes geräumiges Haus aufgeführt werden soll.

Liegt es nun im Geist der Zeit, dass sie sich nicht nur durch einen regen Sinn für das Schöne und Erhabene, sondern auch für das Nützliche und Wohltätige auszeichnet, so ist die Sorge für (die) Verbesserung eines solchen Instituts, welches in seiner Sphäre zur Veredlung des Menschengeschlechts beiträgt, eine gewiss wohlberechtigte. Wahrlich, unsere Zeit, die mit so bedeutenden Mitteln des Verkehrs, der sozialen und geschäftlichen Verhältnisse, kurz mit solchem Wohlstande in jeder Hinsicht reichlich ausgestattet ist, durfte nicht zurückbleiben gegen die um ein Jahrhundert frühere Zeit der Gründung. Damals im Jahre 1763 nämlich, als der selige Herr Israel Lichtenstädter, der Stifter der Anstalt, derselben einen Anfangsbeitrag von 500 Gulden widmete, da war es schon viel, dass er durch den Wohltätigkeitssinn würdiger Gemeinde(mit)glieder die Stiftung mit einem Capitale von 4100 Gulden begründen konnte. So anscheinend gering diese Summe den anspruchsreichen Bedürfnissen der Anstalt gegenüber war, so hat sich letztere in Anerkennung ihrer Nützlichkeit durch die allgemeine Teilnahme und zahlreichen Beitritt zu einem beachtenswerten Stande emporgeschwungen. Dass nun deren verfügbare Mittel durch den oben besprochenen Bau sehr erschöpft werden, bedarf wohl keiner näheren Auseinandersetzung, da zudem die laufenden Bedürfnisse der 13 zu erziehenden Waisen beständig zu bestreiten sind.

Desto dringender bedarf daher dieses Institut des allseitigen Zusammenwirkens durch zahlreichen neuen Beitritt und freiwillige Geldbeträge, wenn dasselbe auch ferner zum Glücke vieler Menschen segensreich wirken und den vielseitigen Anforderung unserer Zeit würdig begegnen soll.

Der Artikel stammt aus „Der Israelit – ein Central-Organ für das orthodoxe Judentum“, 8. Jahrgang, Nr. 19, Mittwoch 8. Mai 5627 (1867)

metall in stone

Vielfach umworben wird nun, nachdem sich kein Waisenhaus mehr im Gebäude an der Hallemannstr. (früher Julienstr.) befindet, der Superlativ des „ersten jüdischen Waisenhauses in Deutschland“ (z.B. in der “Jüdischen Allgemeine” vom 29. Nov. 2007). Auch hier kann man fragen, was zu welcher Zeit mit „Deutschland“ gemeint ist? Woher stammt diese Idee, die 1763 etwas anderes bedeutet als 1868, dem Jahr, aus dem der heutige Bau stammt …?

Die Pflege jüdischer Waisen war bereits von der Antike an eine feste Aufgabe der Gemeinden (d.h. der politischen jüdischen Kommune oder Synagogen-Gemeinde), insofern sich keine nahstehenden Verwandten um die verwaisten Kinder kümmern konnten oder wollten. Da meist aber Verwandte oder Freunde die Pflegschaft übernahmen, gab es bei meist ohnehin kleineren Gemeinden von bis zu einigen Hundert Menschen keine größeren Waisenheime, da für einige wenige Kinder entsprechend wenige Zimmer genügten. Findelhäuser für ausgesetzte Kinder gab es bis in die Neuzeit hinein in jüdischen Gemeinden überhaupt nicht, während es für deutsche Christen bereits Ende des 13. Jahrhundert in Nürnberg ein Findelhaus gibt (abgesehen von früheren Berichten die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen, aber allgemein  schon eher legendären Charakter haben). Im Jahre 1386 ist eines in Ulm bezeugt und in München ist eines für das Jahr 1485 nachweisbar. Warum der christliche Bedarf an (zentralen) Waisen- und Findelhäusern bereits so früh recht hoch war?

 

Die jüdische Vorsorge für Waisen ist keine neuzeitliche Idee, die Sozialreformern bedurfte. Kaum ein anderes Gebot der Thora wird in ihr öfter und mit mehr Nachdruck erwähnt, um dessen Umsetzung sich bereits in der Zeit des Tempels die Levi und Kohen kümmerten. Der Aufseher der Waisen im Auftrag der späteren jüdischen Gemeinde (קהל) wurde „Vater der Waisen“ (אבי יתומים) genannt und war in manchen Fällen ein Lehrer oder Bedienstete des Lehrers. Der Begriff findet sich bereits im Talmud (Mishna Gittin 5.4). Handelte es sich bei dem Waisen um das Kind besitzender Eltern, konnte die Gemeinde auch einen speziellen Aufseher einsetzen, den man אפיטרופא (abgeleitet von επιτροπος) nannte und im heutigen Sprachgebrauch Vormund nennen würde. Der Epitrofa kümmerte kümmerte sich um den erbbaren Besitz bis das Kind alt genug war. Diese bereits in der Antike geübte Praxis wurde in mittelalterlichen jüdischen Gemeinden aufrechterhalten, insbesondere auch weil elternlose Kinder (und ihr Besitz) aus der jüdischen Gemeinschaft geraubt und zwangsgetauft werden konnten, worüber es ja nun auch zahlreiche Klagen aus allen Gegenden und Jahrhunderten gibt.

Ein Beispiel aus weit jüngerer Zeit noch ist der Fall der sechs unmündigen Waisenkinder des Henle Ephraim Ullmann (Elchanan ben Efraim Ulmo) für die nach seinem Tod am 4. März 1807 und dem darauffolgenden seiner Frau Chana (geb. Wertheimer) das königliche Gericht die Vormundschaft an die verwandten Ber und Simon Ullmann übergab (siehe: Kurze Darstellung der Streitsache der Handlungsvorsteher in Augsburg gegen die Ullmännischen Kinder von da wegen Abänderung des erlassenen Oblatoriums; Augsburg 1817).

Hardly any other mitzvah in the Torah is mentioned more often than the expressivley stated obligation to take care for orphans. Accordingly already very ancient Jewish communities attached great importance to the welfare of orphans. In most cases naturally relatives took care, otherwise the Jewish community had welfare custodians or legal guardians. In medieval times and afterwards there also was the thread that Jewish orphans were forced to Christian baptism and their heritage of course was confiscated. So the welfare and care for orphans is anything but a new idea. In contrary the establishment of an orphanage rather indicates that personal obligation (the mitzvah) to take care for orphans increasingly was shifted to the community board.

 


US Botschafter Peter Rosenblatt auf den Spuren seiner schwäbischer Vorfahren

June 6, 2010

Der frühere US-Botschafter und außenpolitische Berater von US Präsident Barack Obama Peter Rosenblatt aus Washington D.C. besuchte uns kürzlich mit seiner Frau Naomi Harris Rosenblatt in Augsburg und begab sich mit uns auf die Spurensuche nach der langen Geschichte seiner Vorfahren in Bayerisch-Schwaben. Sein mütterlicher Urgroßvater Isidor Untermayer (1811-1860) wanderte 1841 nach Lynchburg, Virginia aus, wo er dem Ruf seines mütterlichen Cousins Salomon Guggenheimer aus Hürben (Krumbach) folgte. Isidors Mutter Jette Guggenheimer (1771-1839) stammte gleichfalls aus Hürben, war aber zu ihrem Mann den Metzgermeister Isaak Mayer Untermayer (1761-1838) nach Kriegshaber gezogen, wo sie unweit der Synagoge ein Haus mit Ladengeschäft besaßen. In Virginia änderte der junge Immigrant die Schreibweise seines Namens in Isadore Untermyer und heirate die gleichfalls aus Hürben stammende Therese Landauer (1827-1895). Nachdem Isadore für die Südstaaten am Amerikanischen Bürgerkrieg teilnahm und früh verstarb zog die Witwe mit den Kindern nach New York City, wo die Guggenheimer und Untermyer als Anwälte zu Ruhm und Ansehen kamen. Samuel Untermyer (1858-1940), in Virginia geborener Sohn von Isidor und Jette war einer der Mitbegründer der US Notenbank Federal Reserve und einflussreicher Berater verschiedener US Präsidenten, engagierter Zionist und entschiedener Gegner der Nazis in Deutschland. Peter Rosenblatt nun ist der Enkel von Samuel Untermyers Schwester Addie, welche den späteren US Diplomaten Laurence Steinhart ehelichte, der u.a. US Botschafter in der Sowjetunion zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes und in der Tschechoslowakei während der Benesch-Dekrete war.

In Kriegshaber sind von den Grabsteinen der Untermayer-Familie nur wenige Bruchstücke erhalten geblieben. Interessanterweise sind es aber gerade Überreste der Grabplatte seiner mütterlichen Urgroßeltern die die Zerstörungen der letzten 170 Jahre überdauerten, während die meisten anderen Untermayer-Grabplatten zerstört wurden.  Sie befindet sich eingemauert im Monument neben dem Eingang des Friedhofs, welches der verbreiteten Legende gemäß nach dem Krieg von amerikanischen Soldaten aus herumliegenden Grabsteinen zusammengebastelt worden sein soll, als Mahnmal für die Toten des Holocausts. Tatsächlich waren es jedoch deutsche Steinmetze der schwäbischen Bildhauer- und Steinmetzinnung, die erstaunlich passgenau und ohne Reste das Monument zusammensetzten. Sechzig Jahre später ist zumindest diese eine Inschrift noch sichtbar und zu rekonstruieren – es ist zu vermuten, dass die Inschriften der anderen Steine mit der Schriftseite in das Dokument eingefügt wurden. Überraschend ist, warum die vorhandene Inschrift in den Jahrzehnten vor der Dokumentation des JHVA niemanden aufgefallen war, obwohl davon ausgegangen werden muss, dass der Erhaltungszustand der Inschrift 1945 sicher besser gewesen sein muss als nun 2010. Glücklicherweise ist nun aber nicht nur die Grabplatte teilweise erhalten, sondern auch der Grabplatz von Peter Rosenblatts schwäbischen Urgroßeltern bekannt, weshalb der Botschafter verständlicher Weise anregte, dass beides zusammengefügt werden sollte, um eine Erinnerung an seine Vorfahren am Platz ihres Begräbnisses zu ermöglichen.

Wir konnten den Rosenblatts zahlreiche weitere Verwandte am Friedhof aufzeigen, wie etwa die Kahns aus Steppach. Bei den Kriegshaber Untermayer wie bei den noch zahlreicher vertretenen Obermayer aus Kriegshaber handelt es sich um Seitenzweige der alteingesessenen Ulmo-Familie aus Pfersee, deren charakteristische Gräber einen größeren Anteil des ältesten Teils des  Friedhofs belegen. Folglich vergrößert sich entsprechend auch die Anzahl der direkten Vorfahren des Botschafters auf dem Gräberfeld an Hooverstraße. Nicht anders verhielt es freilich beim Besuch in Hürben. Wie unser Führer Herr Herbert Auer erläuterte, sind die Familien Guggenheimer und Landauer – Töchter beider verheirateten sich mit Kriegshaber Untermayers – auf dem dortigen Friedhof dominierend, weshalb auch hier die über Generationen reichende Verwandtschaft umfangreich und beeindruckend ist. In Kriegshaber und Huerben besuchten wir noch die ehemaligen Wohnviertel und Häuser der Guggenheimer, Landauer und Untermayer, sowie die jeweiligen Überreste der früheren Synagogen. Peter und Naomi Rosenblatt zeigten sich sehr beeindruckt und fasziniert von der Vielzahl der Informationen, aber auch von der oft schlichten Schönheit der Landschaft und der in Hürben in gelungener Weise restaurierten ehemaligen Wohnhäuser.

photos (c) by jhva (Margit Hummel, Yehuda Shenef)


Die Obermayer – eine jüdische Familie in Deutschland und Amerika

April 23, 2010

The Obermayers – A History of a Jewish Family in Germany and America 1618 – 2009

by Kenneth Libo and Michael Feldberg

A History of a Jewish Family in Germany and America 1618 – 2009 - by Kenneth Libo and Michael Feldberg

Publisher: Obermayer Foundation, Inc.;   ISBN: 0615303811

Das Buch von Kenneth Libo und Michael Feldberg, beide anerkannte Historiker, porträtiert den Werdegang der Bostoner Obermayer Familie in den USA und begibt sich auf die Spurensuche ihrer Vorfahren in Deutschland. Diese führen nach Creglingen, Fürth und Augsburg/Kriegshaber. Dabei ist es auch vor allem für Genealogen interessant, finden sich im Anhang doch ausführliche Stammbäume von über Jahrhunderte weitverzweigter Familien.

Diese setzen jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts an und offenbaren hier mangelnde Recherche, wie auch die Ortsgeschichte in Kriegshaber und Augsburg, die wir vor Ort besser beurteilen können, als die anderen Ursprungsorte, etwas dünn geraten ist und keine zusätzlichen Erkenntnisse bietet. Die Familie der Obermayer taucht ohne ihre seit Jahrhunderten in der Region lebenden, teilweise recht prominenten Vorfahren sozusagen aus dem Nichts auf.  Gänzlich ausgespart bleibt beispielsweise Pfersee. Aber auch dem herausragenden Stellenwert den zahlreiche Mitglieder der Obermayer-Familie einnahmen, wie etwa die vielfältige Präsenz und mannigfaltigen familiären Querverbindungen (z.B. Ullmann, Wertheimer, usw.) vor Ort, die das Werden der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde in Augsburg, aber auch die Stadt Augsburg selbst im 19. Jahrhundert nachhaltig prägten, ist von den Autoren allenfalls sporadisch erfasst worden.

Trotzdem ist es, insbesondere in den folgenden. “amerikanischen”  Teilen ein äußerst gut zu lesendes und spannendes Buch mit vielen interessanten zeitgeschichtlichen Details aus dem Leben der amerikanischen Nachfahren der Obermayer-Familie und ihren vielfältigen politischen und kulturellen Engagement. Besonders beachtenswert sind etwa die Bücher von Herman „Obe“ Obermayer, dessen „Soldiering for Freedom“ das in „Kriegsbriefe“  aus den 1940er Jahren wertvolle Einblicke für das Zeitgeschehen in Frankreich  und Deutschland aber auch Augenzeugen-Berichte von den Nürnberger Prozessen geben. Nicht minder bedeutsam, wenngleich in ganz anderer Weise ist sein erst 2009 erschienenes Buch über William Renquist (1924-2005), dem langjährigen Vorsitzenden des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten von Amerika:  „Rehnquist: A Personal Portrait of the Distinguished Chief Justice of the United States“. Ein weiterer Höhepunkt, sind die in Europa kaum bekannten Auseinandersetzungen der Obermayer‘schen Moleculon Research Corp. um das Patent des früher in aller Welt omnipräsenten „Rubik’s Cube“, der in Deutschland 1980 als „Zauberwürfel“ zum „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Einen Kampf „David gegen Goliath“ ganz anderer Art vermittelt schließlich noch die erheiternde Episode um einen Wrestler („The Tree Incident“), die auf andere Weise zeigt, dass die Mitglieder der Obermayer-Familie sich ihrer Wurzeln nicht nur bewusst sind, sondern, wenn es sein muss sie auch mutig verteidigen.  In diesem speziellen Zusammenhang kommt die Darstellung der Obermayer Foundation und des nunmehr bereits seit zehn Jahren verliehenen „German Jewish History Awards“ für nicht-jüdische Deutsche, die sich für den Erhalt jüdischer Friedhöfe, usw. einsetzen auch deutlich zu kurz. Am jüdischen Friedhof Kriegshaber / Pfersee sind es aber gerade nicht ganz zufällig Grabsteine der Obermayer – Vorfahren, die als einzige in der Nachkriegszeit restauriert wurden. Zwar sind diese Arbeiten mangels Pflege inzwischen auch bereits wieder hinfällig, doch spiegelt die 1989 angebrachte Widmungsinschrift die Gesinnung der Obermayer wieder:

Pride in Ancestry transcends Holocaust, War and Time

Die 1989 erneuerte, bereits wieder zersprungene und überwucherte Erinnerungsinschrift für Heinrich Obermayer (17921872).

An eine deutsche Ausgabe oder Übersetzung des Buches ist seitens der Herausgeber, wegen der vermuteten Ermangelung einer entsprechenden deutschen Nachfrage nicht gedacht. Das Original ist u.a. hier zu beziehen

http://www.amazon.com/Obermayers-History-Germany-America-1618-2009/dp/0615303811

  • Hardcover: 270 pages
  • Publisher: Obermayer Foundation, Inc. (July 10, 2009)
  • Language: English
  • ISBN-10: 0615303811
  • ISBN-13: 978-0615303819
  • Product Dimensions: 10.1 x 7.3 x 0.9 inches

  • Gabriel Wolf, butcher from Ichenhausen

    February 4, 2010

    Here is a digitally mended version of the 160 years old painting by Florian Kurringer.

    The style of clothing and appearance reminds partially to other Ichenhausen Jews we know from some photographs, for instance Ichenhauser Jewish teacher Koppel Ullmann (Displayed at the exhibition of Ichenhausen Museum at the former synagogue). Note also the somewhat identical beard.

    the teacher Koppel Ullmann from Ichenhausen / Bavarian Swabia


    Gedenken am jüdischen Friedhof Kriegshaber

    January 4, 2010

    There are at least five known people at the Jewish Cemetery of Kriegshaber died in 1760, so there also are five 250th anniversaries to commemorate.

    Bei nicht weniger als fünf bislang bekannten Verstorbenen, die am jüdischen Friedhof Kriegshaber bestattet sind, ergibt sich 2010 das runde Datum eines 250. Todestag.   

    250. Todestag / 250th day of death

    Kela bat (Tochter/daughter of) R. Schmuel Erlanger, eschet (Frau/wife of ) Ephraim Ulmo, gest, died 17 Januar 1760  

    R. Menachem ben (Sohn/son of) R. Naftali, gest. died 14.06.1760

    Jakob ben (Sohn/son of) R. Mosche & brother/Bruder Isachar ben (Sohn/son of) R. Mosche, 15.06.1760

    Juspa Kitzingen Pfersee, gest. died 2 August 1760  

    200. Todestag / 200th day of death

    Secharja (Zachary) ben (Sohn/son of) Seckel Neuburger, gest. died 23  Januar


    Militärische Ehre für Oberst Carl von Obermayer

    December 15, 2008

    Im Rahmen unserer Bemühungen zur Erhaltung und Restauration des Jüdischen Friedhofs in Kriegshaber erhielten wir am 24. November hohen militärischen Besuch: Brigadegeneral Johann Berger, stellvertretender Befehlshaber der Deutschen Bundeswehr im Wehrbereich Süd erwies Oberst Carl von Obermayer die Ehre seines Besuches und zeigte sich bestürzt über den jämmerlichen Zustand der stark beschädigten Grabplatte, wie auch des desolaten Zustandes des Friedhofs Kriegshaber im Allgemeinen.

     

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    Carl von Obermayer (1811 – 1889) gilt als der ranghöchste jüdische Soldat der Bayerischen Armee und kommandierte von 1862 bis 1869 die Augsburger Landwehr. Wie bereits sein Vater Isidor und sein Großvater Jakob Obermayer ist er am jüdischen Friedhof im heutigen Augsburger Stadtteil Kriegshaber begraben. Wie sie war auch er Bankier. Im Jahre 1803 gehörten die Obermayer neben dem Haus Westheimer & Straßburger und den in Kriegshaber altansässigen Ullmann zu den drei jüdischen Häusern, die nach der Gewährung gewaltiger Kreditsummen an die hoch verschuldete und die um ihre Unabhängigkeit gegenüber Bayern kämpfende Freie Reichsstadt Augsburg, dort ein bleibendes Aufenthaltsrecht erhielten. Freilich gegen massive Widerstände in der Augsburger Bürgerschaft, insbesondere der Kaufleute und unter absurd anmutenden Auflagen.  Dazu gehörte beispielsweise, dass sich die drei Bankierfamilien verpflichten mussten, „unter keinem Vorwand … sich mit anderen kaufmännischen Geschäften zu befassen, als mit dem Wechselverkehr, dem Juwelenhandel und der Handlung im Großen, deswegen es ihnen nicht erlaubt ist, einen offenen Laden zu halten“. Anders als etwa im mittelalterlichen Augsburger Stadtrecht von 1276 und all seinen späteren Zusätzen wurde den Juden nun jeder andere als der Gelderwerb in der Stadt verboten. Die Ausübung ihrer Religion erlaubte der Magistrat hingegen, „wenn sie ihre Religionsübungen innerhalb ihrer Wohnungen etc. halten wollen“. Das erste Wohnhaus der Obermayer war am Obstmarkt wo im Mittelalter auch ein jüdische Wohnviertel bestand. Dort richteten die Obermayer später auch das erste inoffizielle Bethaus der Neuzeit ein, ehe in den 1860er Jahren ein Haus in der Wintergasse für diesen Zweck angekauft und umgebaut wurde.

    Carl wurde 1811 als Sohn von Isidor Obermayer, einem Mitbegründer der 1834 auf Initiative König Ludwig I. ins Leben gerufenen Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (heue Bayerische Hypo- und Vereinsbank), in Augsburg geboren. Ab 1846 war Carl Obermayer Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg. Von 1853 bis 1867 war er der Vorsitzender der langsam aber stetig wachsenden Jüdischen Gemeinde und somit auch erster Vorsitzender der 1861 formal gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg. Seiner weiteren sozialen Verantwortung in Augsburg kam er als Mitbegründer einer Suppenküche für Bedürftige und eines Vereins zur Integration von Strafentlassen wie auch der Etablierung der ersten Freiwilligen Feuerwehr in Bayern. Da ihm im Gegenzug untersagt wurde, den 1869 vom württembergischen König Karl I. verliehenen Adelstitel „von“ auch in Bayern zu führen, verlegte Carl von Obermayer seinen Wohnort nach Wien, wo er am 13. Januar 1889 verstarb. Seine Beisetzung fand jedoch Jüdischen Friedhof Kriegshaber im Obermayer‘schen Familienensemble statt. Die meisten Gräber des Ensembles, dass wir erst im letzten Oktober mühsam und sorgfältig freigelegt hatten, sind heute freilich zerstört oder grob beschädigt. Vom Grabmal Jakob Obermayers ist nur noch der Grundstein erhalten, von Isidor Obermayers Grabmonument ist nur eine kleine, kaum noch lesbare Platte erhalten, während die Grabplatte von Oberst Obermayer mehrfach zerschlagen ist.

     

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    (General Berger, Hr. u. Fr. Delles, Margit Hummel, Yehuda Schenef)

    Wir hoffen sehr, dass es uns mit vereinten Anstrengungen gelingen wird, dass Andenken an diese herausragenden Persönlichkeiten der Augsburger Stadtgeschichte zu bewahren und die Grabmale der Obermayer zu restaurieren.

     

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    Wir bedanken uns deshalb sehr herzlich bei Herrn General Berger für seinen Besuch und seine Bereitschaft, unsere Anliegen zu unterstützen. Unserer besonderer Dank gilt auch Herrn und Frau Delles, die den hohen militärischen Besuch im winterlichen Kriegshaber ermöglichten.

     

    (Photos: (c) JHVA: Jakow Samoylovych, Yehuda Schenef)


    Mosche Löwenberg aus Hohenems: “Er ging den Weg des Guten”

    December 7, 2007

     

    פ”נ 

    ה”ה נעלה והנדיב כ”ה משה

    לעווענבערג מקק האהענעמס

    נפטר בשם טוב בליל שק יח

    וקבר ביום א יט מרחשון

    תקצז  לפק’

     איש הישר בנריבים

    הלך בדרך טובים

    אב נאמן לאשתו ולבניו

    צדקה וחסד עשה כל ימיו

     תנצבה 

    Hier ruht

    Moritz Löwenberg

    aus Hohenems 

     

     

    (Anm.: 18. Marcheschvan ‘597 = 29.10.1837) 

    mosche-lowenberg-hohenems-kriegshaber-0805.jpg

     

    Moritz/Mosche Löwenberg ist ein Sohn von Maria Moos und Josef Wolf Levi aus Hohenems. Drei der Söhne waren als kaiserliche Hoffaktoren in Wien bekannt und Namen Familiennamen wie Gutmann, Hirschfeld und Löwenberg an. Mosche Löwenberg heirate 1807 Klara Ullmann (1786-1854), die Tochter Henle Efraim Ulmos (1750-1807, und seiner Frau Mirjam, geborene Levi aus Hohenems, Vorarlberg), Agent des Österreichischen Kaisers und des Bischofs von Augsburg. Schon Henle hatte enge geschäftliche Beziehungen zu den Levi-Söhnen in Hohenems. Moritz Löwenberg reiste oft nach Augsburg, meist geschäftlich und oft auch in Begleitung von seiner Frau und ihren Kindern. Die älteste Tochter Klaras und Mosches hieß Mina und begleitete ihren Vater oft auf Reisen. 1827 heiratete sie Abraham Lehman aus Blamont (deutsch Blankenberg/Mosel) bei Nancy, den sie wahrscheinlich in Metz kennen lernte.


    Jüdischer Friedhof Kriegshaber Hoover Str.

    October 19, 2007

    therese-obermayer-grab-kriegshaber.jpgkohanim-kriegshaber.jpgfriedhof-kriegshaber-inschrift.jpgsteine-friedhof-kriegshaber.jpg memorial-kriegshaber.jpggrab-kriegshaber.jpgfriedhofshaus-kriegshaber.jpgkriegshaber-grab.jpg

    Ein kurzer geschichtlicher Überblick über den jüdischen Friedhof in Kriegshaber 

    Der Friedhof bei Kriegshaber wurde als gemeinschaftliches Begräbnisfeld der jüdischen Fagasch – Gemeinden von Steppach, Pfersee und Kriegshaber benutzt, die über lange Zeiten auf vorderösterreichischem Gebiet eigenständige Gemeinden mit Synagogen, Bädern, Rabbinern und Lehrern besaßen. Zeitweilig gehörte auch Schlipsheim und Fischach dem losen Verband an. Im Laufe des 17. bis 19. Jahrhunderts wurden am Friedhof zahlreiche hochrangige und bedeutende Rabbiner und Thoragelehrte und eine hohe Zahl von Angehörigen der berühmten und angesehenen Familie der Ulmo bestattet, die häufiger entsprechende Ämter bekleideten.  

    Wann genau der Begräbnisplatz angelegt wurde, ist unklar. Erstmals historisch fassbar wird der Friedhof südlich von Kriegshaber im Jahre 1627, als sich Augsburger Geistliche des Domkapitels am 21. Tischri 5388, angeregt durch die ihnen untergebenen Stadtberger Ortsvorsteher schriftlich beim Oberamt der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau über stattfindende jüdische Begräbnisse beschweren. Ihr Protest bleibt trotz einer angeblichen „Seuchengefahr“ wirkungslos. Am 13. Sivan 5455, also am 27. Mai 1695 erteilten die Burgauer den Juden eine weitere Genehmigung für den Ausbau des Friedhofs um „15 Schuh“, offensichtlich in östliche Richtung. 1722 kommt es zu einer nochmaligen Erweiterung und zur Errichtung eines Wächterhauses. Letzteres war wegen anhaltender Übergriffe auf das Gelände und Schändungen zwingend erforderlich geworden. Abermals kommt es zu Protesten christlicher Vertreter Augsburgs bei den Burgauern, die dieses Mal einen handfesten Verlauf nehmen. Das im August 1722 errichtete Wärterhaus wird im Oktober von militärisch bewaffneten Eindringlingen zerstört. Die Burgauer reagierten auf die Verletzung ihres Hoheitsgebietes scharf, drohten empfindlich hohe Geldstrafen und entsprechende militärische Maßnahmen an. Unter dem Schutz burgauischer Soldaten wurde der Neubau des Friedhofshauses am Tag vor dem Neumond des Monats Aw 5484 (1724) fertig gestellt. Weitere Erweiterungen des Friedhofs erfolgten etwa um 1765 und die bislang letzte um das Jahr 1802.  

    1825 schließlich wurde eine steinerne Ummauerung des Kriegshaber Friedhofs in Auftrag gegeben, für deren Ausführung der Vorsitzende der Pferseer Gemeinde Bernhard Ullmann am 21. Mai 1826, gemäß den Angaben von Louis Lamm (1912) die Summe von 186 Gulden und 38 Kreuzer bezahlte. Diese Mauer wurde, gemäß der Inschrift am Friedhofswärterhaus (deren heutiger Text nicht in allen Punkten der Vorkriegsvariante entspricht) im Jahr 1871 nochmals erneuert. 

    In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Eingangstor und Teile der Mauer eingerissen, offenbar um besseren Zugang für den Abtransport von Steinen zu haben. Gegenüber dem noch 1927 archivarisch und photographisch erfassten Zustand kam es zu ganz erheblichen Zerstörungen, die in der Nachkriegszeit nur sporadisch und auf oft fragwürdige Weise kaschiert wurden. Ein Beispiel dafür ist das vor dem Eingang im Sommer 1946 errichtete Denkmal, das aus „herumliegenden“ und „nicht mehr gebrauchfähigen“ Trümmern seltsam passgenau – kein Stein zu viel, keiner zu wenig – zusammengefügt wurde. Wie bis heute (auch in Fachpublikationen, etwa Schwierz 1991) kolportiert wird, soll dies durch vor Ort stationierte US-Soldaten zur Erinnerung an die “Opfer des Holocaust” geschehen sein, wozu am Werk freilich jeder Hinweis fehlt. Tatsächlich aber war es das Gebilde schwäbischer Steinmetze und Bildhauer. Das Denkmal selbst freilich besteht aus Grabsteinen von Menschen, die z.T. lange vor dem Holocaust gestorben waren, falls nicht noch ganz andere Steine beigemischt wurden, um es vervollständigen zu können.

    ואתה לך לקץ ותנוח ותעמד לגרלך לקץ הימין

    [דניאל יב, יג]

    du geh bis zum ende

     und ruhe

    und stehe

    für dein los

     

     

    zum ende der tage

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    (Daniel 12.13)

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