?.. מבטן מי יצא הקרח

November 6, 2012

 

Out of whose belly came the ice?

(Job 38.29 איוב)

Из чего чрева выходит лед?


„Jüdisches Leben und Sterben in Kriegshaber“

October 2, 2012

 

Am Sonntag, den 30. September, konnten wir am Nachmittag vor dem Beginn des Laubhüttenfestes gemeinsam mit Dr. Christian Kreikle und der SPD Kriegshaber am jüdischen Friedhof Kriegshaber/Pfersee etwa 70 Besucher empfangen. Titelthema unserer Führung war „Jüdisches Leben und Sterben in Kriegshaber“ wozu sich anhand der bald vierhundertjährigen Geschichte des Friedhofs und einiger ausgewählter Biographien von vor Ort bestatteter Personen einiges aufzeigen ließ.

Wir bedanken uns sehr bei Dr. Kreikle und den zahlreichen, sehr interessierten und kundigen Besuchern.

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Impressions of Georgensgmünd Mikva

September 12, 2012

In der ehemaligen Synagoge im fränkischen Georgensgmünd befinden sich zwei Mikwen, eine neuzeitliche, die “modernen” Bestimmungen genügen sollte im Erdgeschoss und die ältere, den halachischen Bestimmungen entsprechende tief unten im Keller.

(c) Pictures by Rolf, Margit, Yehuda

 

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Die alte Mikwe in Erfurt

May 24, 2012

Die Existenz einer Mikwe gilt in Erfurt etwa ab der Mitte des 13. Jahrhundert als gesichert. Da es nicht schwer zu erraten ist, dass man sie in der Nähe des jüdischen Viertels und notwendigerweise auch nahe an einem Fluss oder Bach bauen musste, fand man 2007 bauliche Überreste direkt hinter der berühmten Krämerbrücke. Bemerkenswert daran ist allerdings, dass es sich dabei weniger um einen Zufallsfund handelte, sondern um einen langjährigen Wunsch, der in Erfüllung ging. Irgendwie. Diese Reste der Ausgrabung sind heute überbaut mit einem Schutzbunker und werden präsentiert als Teil des Netzwerkes „Jüdisches Leben Erfurt“. Besonders hingewiesen wird auf die Möglichkeit, die Besichtigung der „Mikwe“ zusammen mit der „Alten Synagoge“ zu buchen.

Die Informationstafel vor dem Neubau erläutert, dass das „jüdische Ritualbad“ aus dem 13. Jahrhundert stammt und erstmals  1248 erwähnt wurde. Weiter heißt es: „Im Mittelalter war die Umgebung der Mikwe dicht bebaut, hier wohnten Juden und Christen Tür an Tür. Eine heute überbaute Gasse war der kürzeste Weg von der Mikwe zur Alten Synagoge, dem ersten Gotteshaus der jüdischen Gemeinde. Diese Gemeinde wurde 1349 in einem Pogrom ausgelöscht. Juden, die sich ab 1354 in Erfurt ansiedelten, nutzten die Mikwe weiter, während die Alte Synagoge bereits in ein Lagerhaus umgebaut worden war. Der Stadtrat verwies 1453  alle Juden aus Erfurt. Spätestens dann endete die jüdische Nutzung der Mikwe. Das Wasserbecken wurde verfüllt, die Mikwe als Keller genutzt.“

Dass frühere Quellen den Standort der mittelalterlichen Mikwe an anderer Stelle angeben, ficht die heutigen Spezialisten nicht an. Grabungen dort ergaben keinen brauchbaren Fund, sondern nur einen großen Keller aus dem 19. Jahrhundert, der alle möglichen Spuren von Vorgängerbauten getilgt haben soll. Die Möglichkeit aber, dass auch jüdische Tauchbäder wie die Mehrzahl an baulicher Infrastruktur mittelalterlicher Städte nach sechs oder sieben Jahrhunderten (aus allen denkbaren Gründen) womöglich einfach nicht mehr vorhanden sind, hat man offenbar ausgeschlossen. Durchaus kreativ, ging man nun davon aus, dass es in den alten Erfurter Freizinsregistern zu „irrtümlichen Grundstückzuordnung“ gekommen sei. Die Register gaben zwar Straßen an, „die einzelnen Häuser jedoch nicht immer eindeutig“, so die Rechtfertigung. Wie diese Behauptung nun aber für den jetzt bezeichneten Standort sprechen soll, bleibt ein Geheimnis (siehe: „Der unerwartete Mikwe-Fund am Breitstrom“, in: Stadt und Geschichte, Erfurt 2008, Sonderheft  9, S. 9 f.).

Der Fund wurde als Keller freigelegt, die Relikte des vermuteten früheren Bades mussten erst rekonstruiert, bzw. interpretiert werden. Das „Wasserbecken“ (ohne Zu- oder Ablauf) hat grob geschätzt etwa eine Fläche von einen auf eineinhalb Meter, was den Anschein erweckt, als sei das בור טבילה sozusagen umgekippt und auf der falschen Seite gelandet. Da wir davon ausgehen können, dass der früher als Lagerraum verwendete Keller gewiss trocken war, ergibt sich andererseits auch wieder, dass das heute, etwa einen halben Meter hoch stehende Wasser, wohl aus Gründen der Dramatisierung zugelassen wurde, wobei sodann Anhaltspunkte für חורים fehlen.

Über dem freigelegten Gelände erstreckte sich nach dem 15. Jahrhundert ein wohl christlicher Friedhof, wo die Ausgräber etwa 80 Leichen-Funde machten. Auf der Webseite der „Alten Synagoge Erfurt“ wird im Kontext mit der ausgestellten Mikwe sogar ein fachgerecht freigelegtes Skelett präsentiert. Die weiteren Überreste der katalogisierten Toten wurden den Angaben gemäß, auf dem städtischen Friedhof vergraben, da, wie es einigermaßen makaber heißt „ihre wissenschaftliche Auswertung kaum brauchbare Ergebnisse erwarten ließe“ (dto.).

http://www.alte-synagoge.erfurt.de

Passend zum Friedhof ist eine eher untypisches Detail des präsentierten Bades: ein in der Seitenwand verbauter Quaderstein mit einem umgedrehten Ecksteinkopf. Der lockige Kopf trägt eine Mütze und erinnert damit deutlich an antike römische Sarkophage. Man spricht hierbei von einem sog. „Akroterion“ (ἀκρωτήριον), also einen oft zugespitzten Eckstein welcher an der Kante des Sarkophags angebracht oder dort speziell herausgearbeitet wurde. Im Erfurter Keller ist offenbar ein taurischer Kopf zu sehen, bei römischen und griechischen Grabmalen schon recht typisch mit gelockten Haaren und phrygischen Mützen dargestellt.

Die Köpfe an den Ecken der oft recht wuchtigen Steinplatten wurden im antiken griechisch-römischen Bestattungskult als Grabwächter aufgefasst. Ihre apotropäische Symbolik sollte  „böse Geister“ davon abhalten, die Totenruhe der Verstorbenen zu stören oder sich gar der Leichname zu bemächtigen, was im Fall von Erfurt dann offensichtlich nur zeitlich begrenzt klappte.

Taurische Akroterion Maske an einem Sarkophag im Vatikan

Kopie des Kopfes an der Außenseite des Schutzbunkers

In Erfurt wurde die als Steinplastik allen Ernstes als „König David aus dem Alten Testament“ gedeutet, was abermals den Stellenwert Erfurts unterstreiche und in Bezug auf seine neu gefundene Mikwe deren „besondere Stellung unter den Mikwen Mitteleuropas heraushebt“, denn „erstmals wurde an einem jüdischen Ritualbau figürlicher Schmuck nachgewiesen“.

Keine naheliegender Gedanke, aber die Erklärung  ist ebenso einfach wie bestechend: „Die Krone mit Lilienaufsatz ermöglicht eine Interpretation der Plastik als König David. Kunsthistorisch lässt sie sich in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren.“

(http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/kunst/aktuelles/2010/print_35565.shtml)

Fehlt nur noch eine Erklärung dafür, warum mittelalterliche Juden sich eine David-Figur in Stein gemeißelt haben sollten, obwohl das Judentum wie auch der Islam Skulpturen als Götzenbilder streng verbieten. Als sie sich über das Verbot erst mal hinweggesetzt hatten, überkam sie dann doch eine Art schlechtes Gewissen, weshalb sie den Kopf dann mit der Kinnspitze nach oben, also verkehrt herum eingesetzt hätten? Eine bizarre Vorstellung.

Akroterion an Steinsarkophag im Römischen Museum Augsburg

Ob es sich bei dem ausgestellten Fund wirklich um eine ehemalige Mikwe handelt ist angesichts des Eckkopfstein wenig plausibel, da es im Judentum ein striktes Verbot für die Herstellung und Verwendung einer Skulptur  (פסל) gibt. Da ansonsten an den Begebenheiten und baulicher Substanz mangelt, ist die Präsentation als solche einigermaßen fragwürdig. Selbst wenn tatsächlich Überreste einer mittelalterlichen Mikwe vorhanden, aber dann doch wieder mehrfach überbaut und verändert worden wären, hätte es keine praktischen Nutzen, da keine funktionalen Aspekte vorhanden sind.  Schon ein Bruchteil des dafür ausgegebenen Geldes hätte wohl ausgereicht um der heutigen jüdischen Gemeinde am Juri-Gagarin-Ring eine koschere Mikwe zu besorgen, damit Im Wortsinn “Jüdisches Leben in Erfurt” gedeihen könnte. Es wurde lediglich ein ehemaliger unterirdischer Lagerraum unter Wasser gesetzt und überbaut, wofür zudem auch noch in mehreren Dutzend Fällen die Totenruhe Erfurter Ahnen gestört, zerstört wurde. Angesichts des Sarkophags im Mikwen-Museum könnte man dann fast von Sarkasmus sprechen, wäre es nicht eher eine Farce.

Zweifellos am originellsten ist dabei der Wegweiser zur “Mikwe” im benachbarten Biergarten.

Since last fall Erfurt has another landmark of her Jewish history project, the mikveh discovered in 2007 next to the Krämerbrücke (bridge), which was overbuilt by an protective building similar to Regensburg Marktplatz

In 2007 the news from Erfurt was that the medieval mikveh was rediscovered next to the famous Krämerbrücke at river Gera. After lots of excavation, documentation and construction since last fall there is another piece of Erfurt’s Jewish tourist program. Today the remnants of the basement cellar which once was used as storage room is regarded as Jewish immersion bath first mentioned in Erfurt about the year 1248. Medieval deed mention the bath at another place, at Kreuzstr. 4, what actually does not bother the experts since medieval writers had not the same degree of accuracy as they are today. Diggings there also had no convenient result and just unveiled a 19th century basement.

On the site of the finding for half a millennium there a Christian cemetery and so some eighty skeletons needed to be examined and removed from their burial place. Since their remains were regarded of less important academic value the collected bones were buried at the municipal cemetery.

Although the site is promoted as medieval mikveh, it of course is none. Today however the “mikveh” is overbuilt by a kind of protective shelter, similar to the one, which is similar to the arrangements of Neupfarrplatz in Regensburg. You only can visit the basement when joining a guided group.

Sarcophagus at Vatican, Museo Grogoriano profano (drawing by G. Eichler), note the acroterion mask on the top of the depiction.  Source: http://av.zrc-sazu.si/pdf/50/AV_50_Kastelic.pdf

In the sidewall of the „mikvah“ there is a head shaped corner stone sculpture until late Roman times known as “acroterion” on the top of sarcophagi. Many head shaped cornerstones – as the Erfurt one – quite typical have Phrygian bonnets and curled hair. In ancient Roman and Greek belief system the acroterion was supposed to protect the tomb from violation of graves or even from stealing the corps. Obviously the period of warranty in 2007 already was expired.

The experts from the local monument protection authority however have interpreted the cornerstone as “King David from the Old Testament” and say it underlines the importance of Erfurts Jewish past. For the first time there is an evidence for figural decoration at a Jewish “ritual construction”, what of course would highlight the mikvah of Erfurt among the other mikvot in Central Europe.