Himlita – Ingwer und Honig: gesund, scharf und süß wie der Talmud

April 15, 2012

Bereits der Talmud erwähnt in Honig eingelegten Ingwer als Himlita (himlata הימליטא) genannte Spezialität der jüdischen Küche, deren Ursprung auf Indien (הודו) verweist. Das talmudische Rezept ist auch in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur Europas geläufig und verändert sich in der jüngeren Geschichte vor allem zu kandiertem Ingwer. Aber auch Lebkuchen (engl. ginger bread), Ginger Ale und das etwas würzigere Ginger Beer sind heute allgemein verbreitet.

Die talmudischen Weisen hatten über Ingwer die best mögliche Meinung und attestiertem, dass anders als die meisten Lebensmittel, die sowohl gute als auch schädigende Effekte auf die Gesundheit des Menschen oder auf Teile des Körpers hätten, Ingwer ausschließlich gute Eigenschaften habe. (Pesachim 42b)

Wo immer Juden lebten, hatte Ingwer immer eine gute Wirkung bei der Heilung verschiedener Krankheiten und Leiden, von Übelkeit über Migräne und Zahnschmerzen bis Rheuma. Rambam, der bekanntlich Leibarzt des Sultans in Ägypten war, attestierte dem Ingwer zudem auch eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel sowie als Heilmittel bei Durchfall.

Die moderne Medizin widerspricht dem nicht, sondern addiert zusätzlich positive Effekte des Ingwers beim Senken des Cholesterinspiegels, bei der Stärkung von Leber und Nieren und bei der Bekämpfung von Krebszellen (zumindest bei Tieren schon nachgewiesen). Der hebräische Name für Ingwer ist זנגביל (sangwil) und erinnerte im mittelalterlichen Europa an die geläufige Koseform „Sanwil“ zum biblischen Namen Samuel (שמואל, schmu’el, sam’wel). Zahlreiche mittelalterliche und nachfolgende Kommentatoren lobten den ab und an auch regional angebauten Ingwer außerodentlich und sagten das oft dafür synonym gebrauchte  “Himlita ist sehr gesund und ein gutes Beispiel für eine mit Honig gesättigte Anmischung“ (Jehua Löb Oppenheim Pfersee, “Geschenk”)

 

Die Zubereitung des Himlita-Rezepts ist ganz einfach:

Eine Ingwerwurzel in kleine Stücke schneiden und in Honig einlegen oder den Ingwer pürieren und mit nach Geschmack entsprechend viel oder wenig Honig dazu verrühren. Da manche Honig sehr süß, andere puren Ingwer als zu scharf empfinden, muss jeder sein optimales eigenes Mischungsverhältnis selbst herausfinden.

 

Himlita recipe: 200g ginger root, 1 or 2 tablespoonful of comb honey

According to Talmud the spicy & sweet Himlita recipe stems from India. Most probably in the time when the Persian rule, as told in the biblical Book of Esther, spread from ancient Greece to India and Afghanistan it arrived Jewish kitchens and dispensaries.

Ginger as the Talmud points out already in ancient times was regarded as remedy for all kind of maladies as fever, rheumatism, megrim, ucers, etc. and was considered to be one of few victuals without detrimental side effects.

The Talmudic Hemlita recipe combines fresh ginger with honey. The root is cut in pieces and dipped in honey. Alternatively the ginger root is mashed and stirred in honey.

Since honey is very sweet and ginger somewhat “hot” the best mixing ratio for you will be your own.

Some prefer 95 percent ginger, others give the sweet taste the preference.

Pictures and recipe version by Margit Hummel


Talmud Cuisine – jüdische Küche in Antike und Mittelalter

March 3, 2011

Kochbücher erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit und so mangelt es auch nicht an zahlreichen Werken, die ein Potpourri an jüdischen Kochrezepten bieten. Meist werden dabei die gängigsten Gerichte abgearbeitet, die einer jüdischen Küche in den letzten Jahrzehnten zugeschrieben werden. Die Frage, was eine „typisch jüdische Küche“ ausmacht, lässt sich leicht oder gar nicht beantworten, wenn  man sich landläufig darunter Gefillte Fisch, Knedlach, Kigel, Humus, usw. vorstellt. Klassiker einer zumeist „aschkenasischen“, besser gesagt mitteleuropäischen Küche (Sauerbraten, Eintöpfe, Suppen, Saucen, Knödel, Gebäck aller Art, sehr oft süß), in der einen oder anderen Juden zugeschriebenen Variante. Dazu gesellt sich oft eine Auswahl, sog. israelischer Küche, die letztlich orientalisch, arabische Speisen variiert, etwa die inzwischen allseits geläufigen Falafel. Etwas spezieller wird es dann noch, wenn regionale Gerichte aus verschiedenen Teilen Europas sozusagen koscher nachgekocht werden sollen. Man nimmt dann eben koscheren Wein statt gewöhnlichen, Lammfleisch statt Schwein, oder koschere, blutleere Leberwurst.

Es ist klar, dass es hierbei an Klischees keinen Mangel geben kann, zumal „jüdische Speisen“ besonders gerne an besonderen Tagen zubereitet und serviert werden, gleich ob sie sonst in einem Kontext stehen. Da können auch im November Matzen auf dem Tisch stehen, weil sie eben als „typisch“ jüdisch gelten – auch wenn dies für Christen erklärt Ostereiern zu Weihnachten entsprechen würde, während andererseits bereits ein Apfel oder eine Kartoffel genügen, um das mitunter komplizierte Kriterium „koscher“ zu erfüllen. Aber was wäre daran jüdisch? Da müssten also schon slawische Namen her wie לטקעס (Latkes) um in Süddeutschland sonst als „Kartoffelpuffer“ oder „Reibekuchen“ („Reibedatschi“) geläufige Speisen zu präsentieren, oder Blini (Блины), plini, בלינצע, etc. mit Varianten von Pfann- und Eierkuchen, … und statt Krapfen muss man neuerdings hebräisch “Sufganijot” sagen, weil es immer typischer in einer bestimmten Weise wird, je öfter es entsprechend in Rezeptsammlungen und Büchern abgedruckt erscheint. Wie ein Philosoph meinte, setzen sich nicht zwangsläufig die besten, sondern die häufigsten Meinungen durch. Das kann hier nicht anders sein.

Über die Speisegewohnheiten des Judentums sagt das abseits der allgemein kaum noch beachteten Kaschrut-Regeln wenig aus oder gar nichts. Aber man ahnt, dass Bar Kochba wohl keine Sachertorten aß, nachdem er die Römer aus Jerusalem vertrieb. Und ob Jesus von Nazaret Matzensuppe oder Rabbi Akiwa צימעס kannten ist fraglich, ebenso ob Mosche Maimon jemals was von Lokschenkugel erfuhr. Andererseits finden wir bereits in der Thora, weit mehr aber im Talmud und noch mal mehr in der mittelalterlichen sog. „Responsen“ – Literatur an Rezepten und Speisen, die Juden in der Antike, aber auch im mittelalterlichen Europa zubereiteten und aßen. Wie in sprachlicher Hinsicht ist auch hier damit zu rechnen, dass manches tradiert wurde, was inzwischen vergessen und verloren gegangen ist. Grund genug also für uns, uns eingehender mit diesem Teil der Geschichte zu befassen.

If you can name it, you can own it, sagt eine andere geläufige Weisheit und so sprechen wir statt von „jüdischer Küche“ in diesem Fall etwas präziser von talmudischer Küche, von „Talmud Cuisine“, da eine große Zahl an Speisen und Rezepten im Talmud erwähnt sind und sich im Laufe der Jahre beim Studium als Randnotizen aus ganz unterschiedlichen und meist anderen Zusammenhängen ansammelten. Manches davon ist schwierig nachzuvollziehen, anderes muss immer wieder erprobt und verbessert werden, um zu verstehen, wie es gemeint war, andere Speisen und Getränke sind aber auch so sehr in der allgemeinen Populärkultur eingegangen (wie beispielsweise “meliach” oder gar die “pizza”), dass niemand nur auf die Idee kommt, dass das schon im Talmud erwähnt wird. Aber wer kennt heute in der Antike und noch im Mittelalter geläufige jüdische Speisen und Getränke wie himleta, schwiski, schichra, prasuma, aschischa, pat oder zmokim ..? 

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Jewish Cooking recipes often are a collection of stereotypes from Estarn Europe and Mediterranean recipes also known as more or less typical local or regional food. So the Jewish part often is to consider special requirements such as lamb or veal instead of pork or shellfish, kosher wine instead of a “regular” one who has it’s brilliant red color from so called “blood flour” – not to forget that Jews to be “typical” apparently always need Matza on the table.

However, Bible and in a much broader extent Talmud and medieval Jewish response literature mention quite a lot of typical dishes, starters, desserts, beverages, pastries and so on. Some of theam are popular all over the world, as for instance “pizza”, others are know by different names and many are somewhat forgotten.

We will present every now antd then several recipes from Jewish antiquity and medieval times as dainty and delicate food of “Talmud Cuisine”, the Talmudic way of cooking and enjoyment of life.