Die Augsburger Zirbelnuss

May 9, 2012

Das Wappen der Zirbelnuss findet sich in Augsburg an allen möglichen Plätzen, ob in „himmlischen“ Höhen an Rathaus und Perlach oder als Siegel zum Abgrund auf Kanaldeckeln. Man findet sie auf Briefköpfen der Stadtverwaltung ebenso wie auf dem Emblem des Bundesligisten FC Augsburg, als Plüsch-Figur aber ebenso wie als steinerne Plastiken aus Römerzeit und Renaissance.

Die Zirbelnuss stellt offensichtlich den Zapfen eines Nadelbaumes, wahrscheinlich aus der Gruppe der Kieferngewächse (Pinaceae) dar. Die Zapfen verschiedener Bäume wie Pinien, Kiefern oder auch Zedern sehen sich relativ ähnlich und unterscheiden sich für Laien im bloßen Augenschein allenfalls durch ihre maximale Größe und dadurch, dass sie hier und da mal länglicher, mal gedrungener ausfallen. Da es nun andererseits auch eine große Anzahl recht unterschiedlicher, in der Regel auch stilisierter Varianten des heraldischen Symbols gibt, ist es nicht objektiv zu bestimmen, um welchen Baum es sich genau handelt. Namentlich leitet sich die Zirbelnuss von der  verwandten Zirbelkiefer (Pinus cembra) ab, die in den Alpen beheimatet ist, über zwanzig Meter hoch wachsen kann, aber auch Arbe oder Schweizer Pinie (so im Englischen Swiss pine) genannt wird.

Der Name „Zirbel“ bedeutet kleine „Zirbe“ was vom mittelhochdeutschen „zirben“ stammt und „sich drehen“ oder „wirbeln“ heißt (vgl. „zwirbeln“ = kreisen, winden, drehen, wickeln, etc.) und ein anderes Wort für das heute verwendete Zapfen ist. Die Bezeichnung für einen bestimmten Baum stammt demnach aus einer späteren Zeit und hat nur die Bewandtnis, eine kleinere „Zirbel“ zu bezeichnen. Die Blütenzapfen der Zirbelkiefer werden bis zu neun Zentimeter lang und sechs Zentimeter breit und sind damit etwas kleiner als jene der Pinie (Pinus pinea) die bis zu 15 cm lang und 10 cm dick werden. In der Regel sind die Kerne der verschiedenen Bäume essbar. Die Nüsse der Zirbelkiefer schmecken ein wenig wie Walnüsse.

Mit echter und einer Anzahl imposanter antiker Zirbelnüsse aus Stein im Römischen Museum Augsburg

Ein gleichfalls für die Zirbelnuss verwandte Begriff lautete „Pyr“, vor allem anzutreffen in der Wendung des „Stadtpyr“. Der Begriff πυρ („pür“ oder „pir“) stammt aus dem Griechischen wird wie in „Pyromanie“ meist als Feuer (welches eher φωτιά wäre) übersetzt, heißt eigentlich aber eher Fackel (πυρ, neugriechisch: πυρσός). Die Namensgebung für den „Stadtpyr“, wie er im Stadttor neben dem früheren Königshof, im ersten Stadtwappen zu sehen ist, ergibt sich wohl aus dem Gebrauch aufgesteckter Zapfen als Fackeln. Die Verwendung des Zapfens als Symbol für die Stadtselbst  ergab sich jedoch kaum aus der „Fackel“, sondern schlicht aus der Existenz römischer Darstellungen des Zapfens, die mitunter bis zu einem Meter hoch sein konnten. Diese fanden sich insbesondere auf mehr oder minder gut erhaltenen, größeren und kleineren Grabmalen. Der Grabschmuck geht zurück auf den von wohl orientalischen Römern nach Rätien gebrachten Kult der Kybele, die häufiger mit Pinien-Zapfen dargestellt wurde. Diese Zapfen stellten dabei den abgetrennten Phallus dar, durch welchen im Frühjahr der „Gott Attis“ neu erstand. In selber Weise versinnbildlicht der Zapfen auf dem Grabmal die Hoffnung auf eine Auferstehung des Verstorbenen. In der christlichen Tradition gibt es seit einigen Jahrhunderten den Brauch, Nadelbäume für das Weihnachtsfest aufzustellen und festlich zu schmücken.

Altes Stadtwappen vom alten Rathaus in Augsburg (ca. 1450), welches sich heute auf der Rückseite des neuen Rathauses befindet, der Darstellung der Monatsbilder gemäß jedoch ursprünglich in bunten Farben bemalt war.

Der früheste Beleg für die Verwendung des Zapfens wenigstens als Teil des Stadtwappens datieren wie die Belege für die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Augsburg in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. In älteren deutschen Überlieferungen aus dieser Zeit ist dabei gelegentlich von „statber“ oder „-bir“ die Rede, was zu der Vermutung geführt hat, dass es sich um eine Beerenfrucht handeln soll. Der von den Römern bereits stilisierte Tannenzapfen wurde deshalb von manchen Zeitgenossen gar als „augster“ bezeichnete „Weinbeere“, bzw. umgekehrte Weinrebe aufgefasst. Tatsächliche handelt es sich aber wohl nur um eine ggf. falsch gedeutete Lautmalerei, die von der bereits genannten griechischen „Pyr“ herrührt.

Ab dem 16. Jahrhundert deutete man das regional durch Römerfunde öfter anzutreffende Zeichen dann doch wieder als Zapfen und über die in den Alpen heimische Zirbelkiefer wurde der orientalische Zedern- oder Tannenzapfen sodann zur Zirbel oder Zirbelnuss. In der Darstellung der humanistischen Augsburger schmückte sich hingegen aber auch die von ihnen als vorrömisch, besser gesagt aber wohl nur vor-christliche „Stadtgöttin Cisa“ auf der Spitze des erst 1615 fertigstellten Perlachturm mit einer Zirbelnuss in der Hand. Anders formuliert handelt es sich lediglich um eine Darstellung der Kybele, die zwar gewiss keine „keltische“ oder heimische, sondern eine aus dem Orient importierte „Göttin“ ist, die aber durchaus in vorchristlicher Zeit in der Ursiedlung verehrt worden sein kann. Die alten Römer stammten eher selten tatsächlich aus der gleichnamigen Stadt und waren eben auch keine Katholiken, sondern brachten ihre orientalischen Götter mit.

Wie dem auch sei, die Zirbelnuss ist heute wie gesagt in allerlei Varianten überall in Augsburg anzutreffen, weshalb sie manches Mal auch übersehen wird. Wie viele Organisationen und Vereine benutzte auch die jüdische Vorkriegsgemeinde die Zirbelnuss, eingefasst in der Mitte des sechszackigen David- oder Judensterns, dies tut auch der JHVA. Sehr bemerkenswert ist auch der Umstand, dass auch im fernen Prag das Grab des berühmten Rabbi Löw, dem die Legende die Kreation eines Golem zuschreibt, von einer Zirbelnuss bekrönt wird.

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The coat of arms of the City of Augsburg depicts the cone of a pine, called „Zirbelnuss“ (to be pronounced something like tzeer-bel-nooooos), which you may find every in Augsburg, on the roof of public buildings, as emblem on letters by the municipality, as club emblem of Bundesliga football team FC Augsburg, as well as on sewer covers or many house facades. Also the prewar Jewish community used the symbol, which was brought by ancient Romans to their city and then was attributed to the Cybele cult. However the nuts of the tree are as tasty as walnuts.

Zirbelnuss as Jewel, by courtesy of Goldschmied Werner, Maximilianstr. 40, Augsburg

סמל העיר אוגסבורג הוא סוג של אורן הצנובר

סמל כמעט בכל מקום בעיר, והוא גם סמל של מועדון הכדורגל אוגסבורג

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Augsburg Augenburg

April 21, 2008

Der Name der Stadt Augsburg, da sind sich alle Experten einigermaßen einig, stammt vom lat. “Augustus”, was “Erhabener” und ähnliches heißt, im Indischen wäre das “Buddha” und griechisch ist es “Sebastian”(os), also eine Art “Messias” für Allesgläubige. In Augsburg wird geglaubt, dass mit Augustus jener Octavian gemeint war, der der Überlieferung gemäß von Julius Caesar (aka Giulio Kesar) adoptiert wurde. Nannten sich im Mittelalter die Herrscher nach letzterem gerne Kaiser, so war bei den antiken römischen Herrschern der eigentliche Herrschertitel “Augustus”, während Caesar nur den Thronfolger bezeichnete. Älteste Augsburger römische Inschriften verweisen auf ein “Aelia Augusta” und damit auf eine dem Hadrian geweihte Stadt. Da dies aber Augsburg rund 150 Jahre von seinen 1985 gefeierten 2000 Jahre nehmen würde, richtet sich unser Augenmerk auf anderes, etwa auf Augsburg als Burg des Auges. Das ergibt zwar auch keinen konkreteren Sinn, ist aber einer nettere Idee. Als Stadtwappen (coat of arms) dient seit etwa 400 Jahren (also ab ca. 1600) ja die sog. Zirbelnuss oder Pyr, Stadtpyr, usw. genannt, ein mitunter stark vergrößerter “Pinienzapfen” (pine cone), während in 150 Jahren vorher  (also etwa nach 1450) eine (freielich etwas auf den Kopf gestellte Weintraube (Rebe, grape vine) angenommen wurde. Noch früher war ein einfacher Stern über dem Stadttor das Emblem der Stadt und vor dem 13. Jahrhundert spielte all das soweiso keine Rolle, außer für spätere Zeitgenossen, die ihren Ort älter “machen” wollte, als belegbar war. Sie verlegten die Gründung der Stadt, die wie auch immer erst ab 1176 ein Stadtrecht nachweisen kann, sogleich in die Zeit Trojas, dessen Legenden freilich ebenfalls aus der Renaissance stammen könnten – was somit dann fast wieder passen könnte.

The name Augsburg may be read as “eye castle” or “château l oeil”, what is more funny and a much better eye sight than a pruney pine cone which in someone s ancient believe and phantasy had been a design “symbol” for a phallus … but however you only need symbols when there is no more function.