Bürgermeisterwahl in Augsburg 2014

March 14, 2014

Umfrage zur Stadtrat und OB-Wahl in Augsburg am 16. März 2014 am Purim

Wer soll OB in Augsburg sein, Haman oder Mordechai?”OB Wahl Augsburg 2014 RathausOB-Wahl 2014: Unscharfe Prognosen: alles ist möglich

Da der JHVA derzeit damit befasst ist, statistische Erhebungen und Umfragen zu erproben, bot es sich zum Test an, in der Innenstadt und in den Stadteilen (daruner Oberhausen, Kriegshaber, Pfersee, Lechhausen, Göggingen, Hochfeld) Augschburger danach zu fragen, ob sie am Sonntag bei der OB- und Stadtrat-Wahl wählen wollen und wen.

Mit den Methoden der kommerziellen Wissenschaften können wir vom Aufwand schon nicht mithalten, fragten also auch nicht groß herum nach Herkunft, Alter, Religion, Lieblingsfarbe,  auch nicht nach Hoeneß und Putin oder nach dem Grund für die ungewöhnliche Beliebtheit von Bibi Netanjahu unter jungen Deutschen.

Fazit: ein Geheimrezept gibt es nicht, aber zumindest haben wir ein Ergebnis, das vorab veröffentlicht, auf die Genauigkeit hin überprüft werden kann. Und nur so macht es zumindest Spaß. Wir sind keine Experten, die alles behauptet haben und deshalb recht haben.

In der Zeit vom 9. – 13. März 2014 wurden (vormittags und abends) 271 Leute befragt, davon 130 Leuter und 141 Leutinnen. Das entspricht etwa 0.1 % der Augsburger Wohnbevölkerung.

Alle bewerteten Personen gaben an über 18 zu sein und in Augsburg wahlberechtigt. Das wurde in keinem Fall nachgeprüft, aber einige der befragten Leute sind uns aber (auch als Augsburger) bekannt.

Stolperstein Augsburgüberall: Stolpersteine in Augsburg

Zur Stimmung: Nur wenige rechnen mit etwas Spannenden, viele sind genervt von den Bauarbeiten überall, die sich über Jahre hinziehen und gesundheits- und geschäftsschädigend sind. Beklagt wird besonders auch das Aussterben der Innenstadt, der Läden und Lokale, dass beworbene Marken gewachsene Identitäten verdrängen, aber auch Alte und Familien „verschwinden“. Aber das war vor allem Nebenbeigeschimpfe, für das Schwaben ja bekannt sind. Danach gefragt haben wir nicht. Auch nicht nach den angeblich vielen “Ausländern”, die auf den Plakaten wären. Da genügte in der Regel die Gegenfrage: “Was haben Sie gegen Ausländer auf Plakaten?” Auf Jüdisches wurden wir übrigens von exakt niemanden angesprochen.

Die Ergebnisse:

1. Wahlbeteiligung: 185 der Befragten 271 gaben an, dass sie wählen werden oder haben das schon getan, das ergibt 68 Prozent. Recht hoch ist der Anteil derjenigen, die bereits per Briefwahl abgestimmt haben, nämlich 47 (= ¼ der 185)

2. OB-Wahl: Es gibt eine Stichwahl

Den amtierenden OB Kurt Gribl (CSU) wollen „nur“ 42 % (77), Stefan Kiefer (SPD) hingegen 52 (= 28 %), der damit sein Kontrahent in der Stichwahl wird. Auf den folgenden Plätzen finden sich Peter Grab (Pro) und Rainer Erben (Grüne) mit je 7 %, gefolgt von Volker Schafitel (Freie Wähler) mit 5 % der Stimmen. Auf 4 % kommt Süßmaier von der Linkspartei, 2 Wähler nannten auch noch Pettinger von der ÖDP, was 1 % entspricht. Die anderen Kandidaten nannte bei uns niemand.

Favorit für eine Stichwahl wäre wohl Kurt Gribl, zumindest erwarteten 3 von 4 Befragten dass er OB bleiben wird und es nicht zur Stichwahl kommt. Selber wählen wollen sie ihn aber eher nicht. Jedoch gilt sein weitgehend unbekannter Herausforderer von der SPD als „Langweiler“, bzw. wie ein Befragter scherzhaft (?) meinte: „des is bestenfalls a Unterkiefer“. Be it as it may

3. Stadt-Rat: Da es möglich ist, Personen mehrerer Parteien verteilt zu wählen, ließ sich nur nach Partei-Präferenzen fragen. Einzelne Personen sind deutlich bekannter und beliebter als ihre Parteien.

CSU: 35 %, CSM 5 %, PRO 5 %  (= 45 %)

SPD: 30 %, Grüne 10 %, Linke 5 % (= 45 %)

FW: 5 %, AfD 2 %, ÖDP 1 %, FDP 1, WG 1 (= 10 %)

Welche Stadtregierung das ergeben könnte, sollen Experten beurteilen.

Ohnehin: erst am Sonntag-Abend wird sich herausstellen, wie genau unsere erste Wählerbefragung war. Falls es glatt danebenliegt, wäre es kein Malheur, da die Kosten sich auf 8.17 Euro für Verpflegung beliefen.

 Wander-Denkmal Stadtmarkt Augsburg Denkmal für Augsburg, mal dort, mal dort aufgestellt.

There are mayoral elections in Augsburg (and other towns and commnunities in Bavaria). Incumbent mayor Kurt Gribl (the Middle High German term gribl actually means “undertaker”) is favorit against his contender Stefan Kiefer (the term may be understood as “jaw (bone)” or as “pine”(tree) – but it is not known which explanation he leans towards). Well known also is Peter Grab (yes, the name means “grave”), 3rd mayor of the “Pro Augsburg” group (however there is no “contra Augsburg”  party in the race of course). So you may gues whether the undertaker finds a jaw in the grave or so …

Since the local media was reluctant to provide public poll data, the JHVA board decided to do an own study during the week.Our poll of course is no academic study but it surveys 0.1 % of the population of Augsburg and we will see if the findings make sense or not.

Since on election day also is Purim the puzzling question likely was: “WHO you want to be mayor of Augsburg the next SIX years? MORDECHAI or HAMAN ..?” But noone cares for Jewish festivals here, so we did not ask.


Beschneidung im Europarat: Kampf bis aufs Messer

October 3, 2013

Beschneidung Augsburg DomAlle haben schon alles dazu gesagt, nun auch der “Europarat”

Der 1949 begründete Europarat, dem inzwischen 47 Staaten als Vollmitglieder angehören (Vatikan, Israel, USA, Kanada, usw. haben einen „Beobachterstatus“) beschloss in seiner aktuellen Sitzung eine – freilich nicht bindende – Empfehlung zur im Vorjahr schon in Deutschland kontrovers diskutierten, letztlich aber gesetzlich grundlegend bestätigten „Beschneidung“. Wortführerin war die bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht (geb. 1947). In ihrer Ausführung bezeichnet die Antragstellerin (“Committee on Social Affairs, Health and Sustainable Development”) die sog. „neonatal circumcision or circumcision on young boys“ bei der sie zwar einräumt, dass sie eine “widely observed religious practice performed almost universally in Jewish and Muslim communities” sei, als “a human rights violation against children”. Ihr ist dabei bewusst, dass es im Judentum und im Islam unterschiedliche Standpunkte gibt, und dass das biblische Gebot eindeutig den „achten Tag“ nach der Geburt als Tag der Beschneidung bestimmt. Doch Frau Rupprecht Rupprecht sieht ihren Willen als höherwertig an. Selbstverständlich fehlt es auch nicht am assistierenden Alibi-Juden:  Victor Schonfeld, „a British film producer and a Jew himself“, eine Kombination die ihn für eine Erörterung in diesem Gremium allen Ernstes ausreichend zu qualifizieren scheint. Immerhin auch gab es bei der Beschneidung seines Sohnes im Jahre 1995 Komplikationen, weshalb der Filmer für den britischen „Channel 4“ einen Film drehte. Auf Seiten der Muslime sieht sie mehr Flexibilität, da der Koran keine Beschneidung vorschreibe und Jungen ohnehin in höherem Alter beschnitten werden können.

Daraus folgt was? Ein Angriff auf das Judentum? Antisemitismus? Natürlich nicht, denn in der Vorstellungswelt der Sozialdemokratin aus Bayern gibt es natürlich eine „Alternative“: „… the use of an alternative ritual has another advantage for which it is attracting growing interest amongst Jewish communities: it can be used for both male and female children“.

Man könnte fast meinen, die Christin Rupprecht schlägt den Juden als Alternative zum Judentum … die Taufe vor, die ja für weibliche und männliche Kindlein gleichermaßen vorgenommen werden kann, gell? Ihr selbst hat sie auch nicht geschadet. Oder etwa doch?

Wie auch immer. Die Abstimmung des Europarats endete mit einer klaren Mehrheit für den Antrag, der eine Empfehlung vorsieht: „The Parliamentary Assembly should urge member States to promote further awareness in their societies of the potential risks for children’s physical and mental health of the above-mentioned procedures. Member States should take legislative and policy measures that help reinforce child protection in this context by giving primary consideration to the best interest of the child.“

In Deutschland fand die Debatte wie gesagt schon statt und vielleicht deshalb ist es so, dass deutsche Medien, die im Sommer 2012 noch überquollen an Beschneidungs-Debatten aller Art  den “Beschluss” seit zwei Tagen komplett ignorieren. Wie den weithin unbekannten Europarat übrigens, sehr oft zu Unrecht. Aber wer, wie Frau Rupprecht die Brit Mila zusammenwirft mit der nachweislich schädigenden Verstümmelung kleiner Mädchen oder aber Absurditäten wie Tätowierung und Piercing von Kleinkindern, vertritt selbst im Idealfall keinen ernstzunehmenden Anspruch, sondern schadet den ernsten Interessen, wie auch der Institution des Europarats selbst. Aktuelle Reformdebatten des Europarats sehen aber ohnehin “Personalreduzierungen” vor, wie auch die Beschneidung (ähm…) des Budgets. Vorschläge dazu gäbe es ja schon.

Ärgern wird es kaum jemanden: nur zwei Prozent der Deutschen wissen von der Existenz des Gremiums – und wieviele von ihnen es mit dem auch nicht eben beliebten Europaparlament verwechseln,müsste man mal erfragen.