Das Haus des Baruch Lipman

August 22, 2016

bekannt als Schaezler-Palais in Augsburgs Maximilian-Straße Anwesen des Baruch Lipman (1731-1810), der aus dem oberschwäbischen Biberach stammte und später Benedikt Freiherr von Liebert Edler von Liebenhofen hieß. Sein Vater Jochanan (Johann, 1695-1766) war bereits zum Christentum übergetreten war 1733 für den Stuttgarter Josef Oppenheim, besser bekannt als “Jud Süß” als Silberhändler tätig. Das stattliche Palais (eingeweiht 1770) in welchem sich heute in Augsburg die Kunstsammlung befindet, wurde bald nach dem Schwiergersohn Schaezler benannt, der gleichfalls Bankier und Geschäftsmann und damit seh erfolgreich war, aber auch gute Beziehungen zum Bankierskollegen Johann Jakob Obermayer pflegte, der schräg gegenüber seine Domizil hatte.

Augsburg Schaezler_Palais Herkulesbrunnen

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Beim Obermayer-Palais in Augsburg

February 25, 2015

 

 

Wo in Augsburg ist eigentlich das Obermayer-Palais?

Wen auch immer man danach fragt, kaum jemand, nicht einer von tausend wird es einen sagen können, da kein Gebäude unter diesem Namen bekannt ist.

Freilich kennt eigentlich jeder in Augsburg und Umgebung das Standesamt in der Maximilian-Straße, der einstigen “Prachtstraße”, nächtlichen “Party-Meile”, wo sog. Autokorsos (meist türkische) Hochzeitspaare oder (meist deutsche) Fußball-Länderspiel-Siege feiern, Betrunkene des nachts Randale machen oder engstirnige Döner-Verbote diskutiert werden.

Das Haus in welchem sich das das Standesamt befindet, gleich beim Herkules-Brunnen, neben “Norma”, gegenüber vom Schaezler-Palais, unweit vom Hotel “Drei Mohren”, dem Fugger-Palais, zwischen Moritz-Kirche und St. Ulrich und was man sonst noch an prominenten Namen aufzählen könnte, gehörte nämlich ab 1821 dem jüdischen Bankier Isidor Obermayer (maßgeblich am Bau der der ersten bayerischen Überlandbahn von Augsburg nach München beteiligt, für die er aus England sowohl die Schienen als auch die Lokomotive besorgte, und ohne beides wäre das wohl auch nichts rechtes geworden, …) und nach seinem Tod im Jahre 1862 seinem Carl (von) Obermayer (beide waren übrigens gebürtige Kriegshaberer), der in genau diesem Haus Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika im Königreich Bayern war und zugleich auch erster Vorsitzender der neugegründeten Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Augsburg. Als er 1868 nach Wien ging, verkaufte er das Haus an Salomon Rosenbusch (aus Pfersee), der auch sein Nachfolger als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Augsburg wurde.

Das stattliche mittelalterliche Palais blieb noch bis 1938 im Besitz der jüdischen Familien Rosenbusch-Heymann, ehe es “arisiert” wurde.

An die immerhin 117-jährige jüdische Geschichte des Hauses das auch als Amtssitz US-amerikanischer Konsule und Amtssitz von drei Vorsitzenden der frühneuzeitlichen jüdischen Gemeinden in Augsburg diente, erinnert heute nicht, obwohl der JHVA vor einigen Jahren, im Vorfeld zum 200. Geburtstag von Carl von Obermayer (1811-1889) versuchten, die Stadt Augsburg (heutiger Eigentümer) zu einer Gedenktafel zu bewegen. Das war Ende 2010 und nochmals 2011. Das Ergebnis kann man sehen.

Wen interessiert hierzulande schon jüdische Stadtgeschichte, die nicht direkt mit dem “Holocaust” zu tun hat?

Obermayer Palais Augsburg Standesamt Herkulesbrunnen

Obermayer – Rosenbusch – Palais mit Herkules-Brunnen in Augsburgs berühmter Maximilian -Str.

One of the most prominent buildings in Augsburg famous Maximilian Street (where is St. Ulrich, the renowned “3 Mohren” Hotel, the Fugger – Palais, the not less famous Hercules – fountain (by Adriaen de Vries) and many more also is the former Palais which from 1821 to 1868 was owned by Jewish banker family Obermayer and afterwards until 1938 when the house was “aryanized” by the Jewish families Rosenbusch and Heymann. 

Today nothing reminds of the long Jewish history of the very prominent building, which since it hosts the municipal registry office  is known to all people of Augsburg and surroundings. 
So despite of its history nobody calls the “Standesamt” Obermayer – Palais, while the Schaezler-Palais opposite of it still bears the name Schaezler.

 

 


City Augsburg: Kampf gegen Bäume

March 21, 2013

Gut zwei Jahre nach dem Auftakt der ersten Schnitte gegen alte hochgewachsene Bäume in der Augsburger City sind auch ihre Reste wortwörtlich mit stumpf und Stil ausgerottet worden. Man muss sich das so vorstellen, dass jede einzelne Phase des Projekts “Weg mit den Bäumen aus der Innenstadt” (Zurechtstutzen der Äste, Zerschneiden der Bäume, Zersägen der Stümpfe, Ausheben der Böden zur Entwurzelung) eine Anzahl von wenigstens einem halben Dutzend Facharbeitern involviert, die mit reichlich technischen Equipment, das aus mehreren Fahrzeugen und diversen lauten Werkzeugen besteht und dass sich ihre Tätigkeit, wegen diverser Pausen (Fachgespräche? Verkehrsprobleme mit Anwohnern, etc.) so etwa den ganzen Tag hinzieht, von früh bis spät.

Am Beispiel Schaezlerstraße, Ecke Holbeinstraße kann der radikale Kahlschlag auf der Westseite bildlich nachvollzogen werden:

Schaezlerstr Augsburg 2011 und 2013Man beachte, dass im ersten Bild von 2011 noch der rote Fahrradweg (die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, wofür dieser angelegt wurde) vorhanden ist.

In dieser Gegend (entlang der Schaezlerstraße bis zum heutigen Bahnhof) befanden sich früher die großen und weit über die Region hinaus berühmten Sommergärten reicher Augsburger Patrizier, als großstädtisches Leben in und mit der Natur noch zum guten Ton der Stadtoberen gehörte – die bekanntlich ja trotzdem zu ihren Profiten kamen. (siehe u.a. das Buch von Gabriele Trauchburg – Häuser und Gärten Augsburger Patrizier, Deutscher Kunstverlag 2001). Heute erinnert daran das noch erhaltene barocke Gartenhaus der Schaezler, (wovon sich übrigens auch der Name Schaezlerstr ableitet) oder sagen wir besser: erinnern könnte, da auch der Rest des Hofes heute nur ein zubetonierter Platz ist, der zwar Parkplatz heißt, aber keiner ist. Hier herrscht sozusagen “Parkverbot” …):

Schaezler Gartenhaus Schaezlerstr Augsburg

Ehemaliges Gartenhaus der Schaezlerfamilie, von der Südseite. Daneben ist das betonerne Parkhaus, dass nun auch wieder nicht so heißt weil dort Bäume oder Parks untergebracht wären, sondern weil es diese komplett ersetzt. Man sieht schon, dass mit dem Begriff des “Parks” und des “Parkens” bereits die Gehirnwäsche ansetzte und Bäume konseqent ersetzt wurden. Das nennt sich Stadtkultur.

Ist Gehirnwäsche etwas, was bei uns nicht funktionieren, was Ihnen nicht passieren kann?

Denken Sie beim Wort “Parkplatz” an Bäume oder Autos ..?

Die nachstehenden Bilder zeigen den Hergang der Zerstörung anhand eines Baumes in Etappen:

Nun wo die Bäume endlich beseitigt sind, fällt pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang mal wieder Schnee . Die “afa – Augsburger Frühjahrs Ausstellung – Verbrauchermesse für Lifestyle, Bauen und Wohnen” (http://www.afa-messe.de/home.html) hat trotzdem schon am 16. März geöffnet.

Lust auf Frühling?” wird da gefragt, angesicht des 137. Wintereinbruchs in diesem Jahr (5773) ist das keine originelle Frage. In der Augsburger Schaezlerstraße erübrigt sie sich mangels Bäumen und Vögeln sowieso. Autos blühen eben nicht und singen auch keine Lieder.

Aber vielleicht tut sich diesbezüglich ja etwas in der benachbarten Patri… äh Fuggerstraße …